Wir stehen auf Weltkulturerbe (wir wohnen ja auch zwischen einigen), nun Besuch in Bamberg in Oberfranken

Inzwischen sind wir in Bamberg, das auch eine kleine Reise wert ist. Die gesamte Altstadt ist UNESCO-Weltkulturerbe, ein herausragendes und charakteristisches Beispiel einer frühmittelalterlichen, mitteleuropäischen Stadt. Während der wirtschaftlichen Blüte der Stadt ab dem 12. Jahrhundert beeinflusste Bambergs Architektur den Norden Deutschlands und Ungarn.

Entsprechend viel alte Bausubstanz ist zu besichtigen, was auch entsprechend viele Touristen gerne tun. Die Nähe zu Bayreuth (Wenn dort die Wagner-Festspiele stattfinden und Wetter und/oder Inszenierung/ Sänger*innen nicht so gut sind, dann merken es die Bamberger Kaufleute sofort in ihren Kassen.) trägt das Übrige bei. Nach Rotenburg ob der Tauber (nur anderthalb Stunden mit dem Auto entfernt) müssen die Touristen nicht unbedingt, denn in Bamberg gibt es sogar eine Dependence von Käthe Wohlfahrts Weihnachtsfachgeschäft. Zum Musikhaus Thomann (nur 15 Autominuten entfernt) müssen wir nicht, da dort übers Internet eingekauft wird, wenn’s benötigt wird.

Blick zum Alten Kanal

Wir wollten also nichts kaufen, daher haben wir einen kleinen Stadtrundgang gemacht. Die Innenstadt Bambergs besteht aus drei größeren Stadtteilen, der Gärtnerstadt auf der einen Seite, der Bergstadt auf der anderen Seite und der Inselstadt in der Mitte, umgeben vom linken und dem rechten Regnitzarm, letzterer ist gleichzeitig der Main-Donau-Kanal. Zum Welterbegebiet gehören Teile aller drei Innenstadtareale.

Blick über den Kanal zur Gärtnerstadt, rechts die Kettenbrücke
Das Informationszentrum (rechts im Bild) zum Weltkulturerbe am linken Regnitzarm ist erst in diesem Frühjahr eröffnet worden und bestimmt sehr aufschlussreich, wir wollen aber lieber weiter das schöne Wetter genießen.

Etwas weiter nördlich, auch am linken Regnitzarm, liegt Klein-Venedig, eine ehemalige Fischersiedlung. Die kleinen mittelalterlichen Fachwerkbauten haben inzwischen Balkone erhalten. Der Bereich, an dem früher die Boote und das Zubehör zum Fischen lagen, ist irgendwann einmal aufgeschüttet worden und bietet jetzt Platz für winzige Vorgärten.

Klein Venedig, vom Leinritt (eine Straße) aus gesehen

Das Alte Rathaus aus dem 14. Jahrhundert auf der Oberen Brücke (eine Brücke) beherbergt heute eine herausragende Porzellan- und Fayencensammlung, die wir uns auch nicht ansehen, dafür aber ausführlicher die Barock- und Rokokofassade aus dem 18. Jahrhundert. Eigentlich nicht so unser Fall mit der Lüftl-Malerei, aber hier sind ein paar lustige Elemente eingebaut.

Wer findet die zwei speziellen Putten?
Das Alte Rathaus überspannt die Brücke über den linken Regnitzarm quer.
Die Untere Brücke am Ende des Rathauses
Blick in die Dominikanerstraße

Alle paar Jahre findet in Bamberg eine Großskulpturenausstellung mit Werken nationaler und internationaler Künster*innen statt. Von jedem wird dann ein Werk angekauft und an prominenter Stelle in der Altstadt aufgestellt. Das ist ganz schön, zwischen all den alten Gebäuden immer mal wieder unerwartet über eine moderne Skulptur zu stolpern, wie in einer großen Freiluft-Galerie.

„Apoll“ von Markus Lüpertz (1989) an der St. Elisabeth-Kirche
„Liegende mit Frucht“ von Fernando Butero am Heumarkt

Ein virtueller Ausflug auf die Insel

Auf der Museumsmeile südlich des Bonner Zentrums liegt auch das Haus der Geschichte. Hier finden wir eine weitere Entschädigung für unseren sonst üblichen Sommeraufenthalt in London, der in diesem Jahr ausfällt, denn neben der Dauerausstellung zur Deutschen Geschichte von 1945 bis heute hat gerade eine neue Ausstellung mit dem Titel „Very British – Ein deutscher Blick“ eröffnet. Sie beschäftigt sich aus deutscher Perspektive, sowohl historisch als auch wirtschaftlich und kulturell mit dem deutsch-britischen Verhältnis. In acht Räumen werden die Themenbereiche Politik, Wirtschaft, Kultur, Fußball und natürlich auch das Königshaus durch viele Exponate, Film- und Zeitungsausschnitte illustriert.

Haus der Geschichte in Bonn

Wir wollen herausfinden, was denn nun typisch britisch aus unserer Warte heraus ist. Die Ausstellung beginnt schon vor den eigentlichen Räumen mit einem Mini Cooper, der durch eine blaue Wand, dekoriert mit den Sternen der europäischen Flagge, hindurch bricht, die Ausstellung dahinter beginnt dann auch gleich mit dem Brexit.

Der Mini, die britische Kultmarke, entwickelt angesichts der Suezkrise 1956, gehört nun schon seit 25 Jahren zum BMW-Konzern, bleibt in den Augen der Briten aber weiterhin typisch englisch.
Der berühmte Motivwagen des Düsseldorfer Wagenbauers Jacques Tilly von 2017. Mit ihm fahren später auch britische proeuropäische Aktivisten durch London (hilft aber wohl alles nix).
Der Scheidungsbrief von Theresa May an den EU-Ratspräsidenten Donald Tusk.

Dabei ging es doch schon schwierig los, damals mit dem EU-Beitritt 1973. Zwölf Jahre zuvor wollte Großbritannien bereits Beitrittsverhandlungen starten, da war allerdings der französische Präsident de Gaulle noch strikt dagegen. Erst als in Frankreich de Gaulle durch Georges Pompidou abgelöst wurde, nahmen die Verhandlungen Fahrt auf. Der Beitritt wurde dann in Großbritannien mit einem mehrtägigen Festival gefeiert. Mehr als 150 kulturelle Veranstaltungen fanden statt, u.a. ein Galakonzert der Berliner Philharmoniker mit Herbert von Karajan vor der Königin und dem Premierminister und ein Fußballspiel in Wembley mit Günter Netzer und Bobby Carton als Kapitäne.

„Fanfare für Europa“

Schon zwei Jahre später gab es ein Referendum zum Verbleib in der EU, diesmal waren die Tories unter ihrer neuen Premierministerin Margaret Thatcher absolut für den Verbleib in der EU, die Labour-Abgeordneten mussten vom deutschen Bundeskanzler Helmut Schmidt ein wenig überzeugt werden. 1975 gab es bei der Abstimmung eine klare Mehrheit für den Verblieb in der EU, 67,2% (2016 war es 48,1%, die remain stimmten).

Nun zu leichterer Kost: das Britische Königshaus. Die Briten, d.h. eher die Boulevardblätter, trieb 1953 tatsächlich herum, ob Prinz Philip ein Deutscher wäre. Anlass war die bevorstehende Krönung Elizabeths zur Königin, an der auch die deutschen Schwestern des Prinzen teilnehmen durften. Das war zur Hochzeit von Elizabeth und Philip kurz nach dem Krieg 1947 noch ganz anders: vorher ließ Philip seinen Nachnamen anglizieren und nur seine Mutter wurde zum Fest eingeladen.

Alles rund ums Britische Königshaus interessiert auch die Männer, die Filme hinter den Klappen waren sehr witzig.
Genauso viel Interesse zeigen aber auch die Deutschen, die Zeitschriftenauflagen steigen, sobald von Royals berichtet wird.

Unter den Leihgebern ist auch die Queen persönlich (unter anderem wird das Kleid ausgestellt, das sie 1965 bei ihrem Staatsbesuch während des Abendessens mit dem Bundespräsidenten trug). Wir hatten Glück mit unserem Besuchszeitpunkt, denn der Original-Spielball aus dem WM-Finale 1966 wird nur bis zum 19.07. ausgestellt und geht dann wieder zurück nach Manchester.

Im Bild ist auch die berühmte Tor-oder-Nicht-Tor-Szene zu sehen.

Uns fiel während der gesamten Ausstellung auf, dass die Briten (zumindest die Presse, und die hat dort mächtig viel Einfluss auf die öffentliche Wahrnehmung) bis zum heutigen Tage immer wieder anti-deutsche Stereotype herausholen, es gibt nur Nazi- und Kriegsvergleiche, der Deutsche an sich ist häßlich und unfreundlich. Die Deutschen dagegen stehen auf britische Produkte, z.B. After Eight und Quality Street sweets (gehören nicht mehr den Briten), Whisky (Destillerien gehören auch oft nicht mehr den Briten), und auf Cornwall, das Sehnsuchtsland der Deutschen. Seit 1993 verfilmt das ZDF die Romane Rosamunde Pilchers, die Filme sind den Briten ziemlich unbekannt.

alles DVDs mit Rosamunde-Pilcher-Filmen, oh weh!
Genauso unbekannt ist dort unsere Tradition, zu Silvester immer (!) Dinner for One zu gucken, und das seit 1972. Das originale Tigerfell, über das Freddie Frinton immer stolpert, ist ausgestellt.

Der letzte Raum gefällt uns persönlich am besten. Hier können wir britische Popmusik selbst auswählen und anhören. 50 Singles liegen bereit zum Auflegen (Technik, die begeistert). An erster Stelle der Top 5 der Besucher*innen liegt Bohemian Rapsody von Queen.

Hinaus aus der Ausstellung , hinein in die aktuelle Wirklichkeit, geht es mit Monty Pythons „Always look on the bright side of life“.

Wir werden es noch live erleben, wie sich das deutsch-britische Verhältnis weiter entwickeln wird. Der Rückblick auf 74 Jahre gemeinsame Geschichte war schon mal sehr interessant.

Ein kleiner Rundgang durch die Altstadt Bonns

Vom Hotel aus gelangten wir zuerst (natürlich) zu Beethovens Geburtshaus, aber das war ja (immer noch) geschlossen. In Bonn gibt es natürlich auch diverse Statuen zu Beethoven, im Jubiläumsprogramm 2019/2020 sehr viele Konzerte, auch anlässlich seines Tauftages und auch sonst sind die Bonner sehr erfinderisch, wenn es um die Vermarktung seines Namens geht.

Beethovens Geburtshaus
Beethoven Hotel, genau gegenüber; noch schöner allerdings finde ich die Ewige Lampe, die sicherlich zu seinen Ehren brennt.

Wir kamen dann am Ende des Marktplatzes zum Alten Rathaus, im Stil des Rokoko erbaut. Während der Zeit als Bundeshauptstadt liefen sehr illustre Gäste die vergoldete Freitreppe am Marktplatz hinauf und ließen sich vom Volk bejubeln: 1949 Theodor Heuss als frischgebackener Bundespräsident, 1962 Charles de Gaulle und 1963 John F. Kennedy, 1989 dann auch Michail Gorbatschow. Heute waren es viel fotografierende, aber nicht umjubelte Touristen, die die Treppe benutzen.

Direkt vor den Treppe ist im Boden ein Mahnmal zur Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 eingelassen. 2013 wurden in das Pflaster der Marktplatzes insgesamt 60 sichtbare Buchrücken eingelassen, die sich an der Rathaustreppe verdichten.

Unter dieser Platte, auf der alle Autoren verbrannter Bücher genannt werden, befindet sich ein wetterfester Archiv-Behälter mit Büchern, die jedes Jahr am 10. Mai an Passanten verteilt werden. Anschließend wird die „Büchertruhe“ wieder neu aufgefüllt.

Am Rhein waren wir natürlich auch, aber der Abschnitt an der Oper war nicht so schön.
Zum Spazierengehen ist die Rheinaue mehr zu empfehlen. Da gibt es sogar Bisam-Ratten, die sich in Ruhe beobachten lassen.
Die Innenstadt mit ihrer weitläufigen Fußgängerzone lädt zum Bummeln ein, und alle paar Meter kann man in Cafés, Kneipen oder Restaurants eine Pause einlegen.
Es muss nicht immer Torte zum Kaffee sein, Mandelsplitter Feinbitter vom Konditor sind ein würdiger Ersatz.

Und dann fanden wir auch noch „The English Shop“ mit allen Lebensmitteln, die man so als expat benötigt, um auch in der Fremde glücklich zu sein. Wir kauften dort unseren Lieblingstee „Yorkshire Breakfast Tea“, denn unsere Vorräte aus GB gingen unaufhaltsam zur Neige. Den trugen wir in einer Plastiktüte mit Signalwirkung zum Hotel zurück. Auf dem Weg dorthin sprach uns eine junge Frau an, ob wir denn wüssten, wo sich der Shop befindet. Den Weg konnten wir ihr beschreiben, wir kamen ja grad von da. Dann fragte sie noch, ob es denn dort wohl auch Marmite geben würde, eine 1902 in Großbritannien erfundene vegetarische Würzpaste, die man aufs Brot streicht. In meinen Augen ist sie ungenießbar, daher antwortete ich, ich hätte sie aus dem Grund gar nicht wahrgenommen. Die Verkaufskampagne in GB zu dem Zeug läuft übrigens passenderweise unter dem Titel „Love it or hate it“.

Goethe geht immer

Wer demnächst nach Bonn fährt, kann sich in der Bundeskunsthalle die Ausstellungen „Goethe. Die Verwandlung der Welt“ und „Goethes Gärten“ ansehen. Goethe, der bedeutendste deutschsprachige Dichter, lebte so lange (von 1749 bis 1832) und war so interessiert in vielen Bereichen, dass sein Wirken bis in die heutige Zeit Einfluss auf die unterschiedlichen Bereiche Malerei, Skulptur, Grafik und Fotografie, aber auch Theater, Film und Musik nimmt.

sieht alt aus, ist es aber gar nicht: Georgi Takev Goethe in der römischen Campagna 1996
kennt man irgendwie immer, ist natürlich: Andy Warhol Goethe 1982
ist schon ziemlich alt, ging und geht aber immer: Goethen’s Fäuste, alle entstanden zwischen 1772 und 1832

Diese erste große Goethe-Ausstellung seit 25 Jahren ist groß angelegt, zu groß für uns (wir hatten uns schon ausführlich mit Michael Jackson auseinandergesetzt, der uns zeitlich doch näher steht). Einige Bilder, z.B. von Caspar David Friedrich, William Turner, Piet Mondrian, Paul Klee und Johannes Itten, Cy Twombly und Andy Warhol schauen wir uns ausführlicher an, auch einige Filmausschnitte aus „Die Leiden des jungen Werther“ (wobei die Defa-Version aus den 1970ern inzwischen furchtbar altertümlich wirkt) und die Plakate der vielfältigen Faust-Aufführungen. Es hätte noch so viel mehr zu sehen gegeben, aber die Luft war sozusagen raus. Auf dem Dach des Museums waren in der Ausstellung „Goethes Gärten“ die zentralen Motive aus seinen beiden Gärten in Weimar zu sehen. Ganz hübsch, gute Luft, aber für uns, die wir die englischen Gärten und Parks lieben, ziemlich nichtssagend.

Die beiden fanden die Anlage wirklich gut und besprechenswert.
Wir sind lieber Kaffee trinken gegangen. Geregnet hat es übrigens nicht.

So richtig cool allerdings ist die Rutsche, die an der Eingangsfassade des Museums das Dach und den Vorplatz verbindet. Eine bespielbare Skulptur des Künstlers Carsten Höller, die für mehrere Jahre installiert bleibt. Man rutscht auf einem Stück Sackleinen, das am Ende eine Tasche für die Füße und einen Festhaltegriff für die Hände hat. Und man kommt mächtig in Fahrt! Man liegt permanent steil in der Kurve und hat keine Muse, durch das Plexiglas nach draußen zu schauen. Das macht richtig Spaß! Wenn die Treppe, im Bild rechts zu sehen, nicht so lang wäre, würde es gleich noch einmal hinunter gehen.

Michael Jackson in Bonn

Angesichts des sich nicht sehr sommerlich gerierenden Sommers in Schleswig-Holstein fahren wir dahin, wo Bekannte wohnen und arbeiten und über die nächtliche Hitze in den Dachwohnungen stöhnen – nach Bonn. Die Stadt machte einen ordentlichen Eindruck auf Kay, als er dort während seiner Konzerttour in den Osterferien einen Stopp einlegte, und dass, obwohl das Beethovenhaus wegen Renovierung geschlossen hatte. Letzteres war immer noch geschlossen, aber auch sonst hat Bonn für uns eine Menge zu bieten. Die Temperaturen sind nur unwesentlich höher als bei uns, es fühlt sich aber aufgrund der Abwesenheit von Wind wärmer an.

Unser B&B-Hotel liegt in fußläufiger Nähe zur Altstadt und praktischerweise dicht an einer U-Bahn-Station, deren Linie 16 uns in kurzer Zeit direkt an die Museumsmeile bringt. Dort sind Mitte der 1990er innerhalb weniger Jahre mehrere Museumsneubauten entstanden, einige praktischerweise mit einem eigenen U-Bahnhalt, oder aber nicht weit davon entfernt. Die Meile beginnt im Norden mit dem zoologischen Museum Koenig, gefolgt vom Haus der Geschichte. Noch ein Stückchen weiter gehen und man erreicht quasi ein Doppelpack, das Kunstmuseum Bonn und die Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, auch kurz Bundeskunsthalle genannt. Einige davon wollen wir uns in den nächsten Tagen anschauen.

Wir starten mit letzterer, denn dort geht gerade eine Michael-Jackson-Ausstellung zuende, die wir uns doch gern noch ansehen wollen. Die Ausstellung wurde von der National Portrait Gallery in London konzipiert und heißt Michael Jackson: On the Wall. Sie hat nicht den Künstler, die meist dargestellte Figur der Medienwelt, selbst im Blickpunkt, sondern untersucht den Einfluss Jacksons auf einige der führenden Persönlichkeiten der zeitgenössischen bildenden Kunst.

Die Ausstellung wurde vor der Veröffentlichung des Films „Leaving Neverland“ konzipiert und sollte (zu Recht, wie wir finden, da Kunstwerke gezeigt werden, die sich mit Leben und Werk Michael Jacksons auseinander setzen) trotzdem in geplanter Form in Bonn stattfinden. Hier sind täglich Kunstvermittler anwesend, die sich mit den Besuchern über Werke und auftretende Fragen sprechen. Wir trafen gleich zu Beginn kurz und dann am Ende unseres Rundgangs etwas länger auf ihn und nutzten die Gelegenheit, uns über verschiedene Kunstwerke, vor allem aber auch über die Musik auszutauschen.

Die Ausstellung beginnt mit einer Skulptur, die auf die berühmte Tanzbewegung, den Freeze, anspielt, bei dem Jackson auf den Schuhspitzen balanciert. Der Künstler war beeindruckt von den Tanzbewegungen, die zu Ikonen in Bezug auf Gestik und Kostüm erhoben wurden. Alle kennen diese Bewegungen und denken sofort an Michael Jackson. Der Titel der Skulptur stammt vom gleichnamigen Song auf dem Album „Thriller“.

Appau Junior Boakye-Yiadom (*1984, GB), P.Y.T. (2009)

Das nächste Bild ist das letzte Porträt von Michael Jackson, einige Monate vor seinem Tod begonnen und erst danach fertiggestellt. Es stellt ihn als König Philipp II. dar. Der Künstler ist bekannt dafür, zeitgenössische schwarze Persönlichkeiten im Rückgriff auf das visuelle Vokabular der europäischen Kunstgeschichte darzustellen, um damit die Stereotypen von Identität und Repräsentation zu hinterfragen. Der Musiker beeindruckte ihn in den gemeinsamen Gesprächen während der Sitzungen mit seinen tiefen Kenntnissen in Kunst und Kunstgeschichte.

Kehinde Wiley (*1977, USA), Reiterporträt König Philipps II. (Michael Jackson) (2010)

Die folgenden Fotografien bzw. Collagen stammen von Todd Gray. Er nimmt hier bekannte Fotografien von Michael Jackson, dessen Gesicht er durch ein weiteres gerahmtes Foto verdeckt. Trotzdem ist der Musiker immer zu erkennen. In einem Gespräch mit Gray äußerte Michael Jackson, dass Farbige und Frauen immer doppelt so hart arbeiten mussten, um halb so weit zu kommen. Daher zwang er sich, zehnmal so hart zu arbeiten, um so berühmt und so beliebt wie z.B. Mickey Maus zu werden.

Todd Gray (*1954, USA)

Die nächste abgebildete Arbeit, Teil einer Werkserie, wurde speziell für die Ausstellung geschaffen und erkundet Facetten des Fankults, aber auch die Vergötterung des Idols. Jedes Schallplattencover ist mit einem handgeschriebenen Text bedeckt, alle Texte des Jackson-Songbooks sind enthalten.

Graham Dolphin (*1972, GB), Thriller (X20) (2017)

Die Ausstellung umfasste Werke von mehr als zehnmal so vielen Künstlern wie hier exemplarisch gezeigt und war wirklich sehr sehenswert. Wer die Bilder noch einmal im Original sehen will, muss allerdings nach Finnland reisen. Im dortigen Espoo (nicht so weit weg von Helsinki, auch eine Reise wert) wird sie ab August gezeigt.

Auf dem zweiten, dem Jungen Futurologischen Kongress in Ingolstadt

We don’t need no education, so ist der Kongress überschrieben. Er verbindet das Schultheaterfestival mit einem Symposium zum Thema „Zukunft der Bildung“, das sich mit der Frage beschäftigt, was Schule heute leisten kann, „damit die Zukunft unserer Gesellschaft in guten Händen und Herzen ist“, wie es im Editorial des Programmheftes steht.

Angesichts der Tatsache, dass wir mitten in der 4. industriellen Revolution und in der digitalen Transformation stecken, hat der Veranstalter, das Stadttheater Ingolstadt, international anerkannte Expert*innen aus den Bereichen Bildung und Kultur eingeladen.

Die Vorträge beschäftigten sich u.a. mit einen zukunftsorientierten Paradigmenwechsel, wie eine veränderte Lern- und Raumkultur aussehen sollte, wie Schule die jungen Menschen auf eine ungewisse Zukunft vorbereiten können, wie eigentlich das Gehirn lernt angesichts der digitalen Medien und welche Future Skills es zu trainieren gibt.

Die Vorträge und Workshops, die im Theater im Bühnenraum stattfanden, wurden von einer Moderatorin des Bayerischen Rundfunks geleitet. Beim Vortrag von Prof. Manfred Spitzer saßen wir allerdings im Theaterzuschauerraum selbst, so viele Menschen wollten ihn sehen und hören.

Auch im Sitzungssaal des Rathauses fanden Veranstaltungen statt. Das war besonders am Samstag spannend, denn wir wurden im Pulk vom Theater zum Rathaus hingebracht, durch die Hintertür eingelassen und über Hintertreppen geführt, denn das Rathaus hatte ja gar nicht auf. Zeitgleich gab es zahlreiche Theateraufführungen, zu denen ich leider nicht auch noch gehen konnte. Auch durch die Hitze war ich am Abend so geschafft, dass der Kongress ohne mich tanzen musste: ab 21 Uhr war eine große Abschlussparty in der Exerzierhalle im Klenzepark angesagt. Ich benötigte eher Schlaf, um fit für die Heimfahrt zu sein.

Prof. Dr. Heiner Böttger im Sitzungssaal des Rathauses
Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer im Großen Haus des Stadttheaters
Jutta Prediger (BR) und Prof. Dr. Wilfried Schley auf der Bühne im Stadttheater
Margret Rasfeld (re) und ihre ehemalige Schülerin Jamila (li), ebenfalls auf der Bühne des Stadttheaters
Party an der Donau

Auf dem Weg nach Würzburg

In den Genuss der Vorteile des im vorherigen Blogeintrag erwähnten Azorenhochkeils kamen wir dann doch noch etwas später. Im Süden der Republik sorgt er für viel Sonnenschein und sommerliche Temperaturen, abends um 20:30 Uhr sind es noch 26 Grad; gestartet waren wir morgens bei 14 Grad. Wir sind auf dem Weg nach Ingolstadt in Bayern und machten einen Übernachtungsstopp in Würzburg. Der Weg ist bei den Temperaturen, den vielen Baustellen und etlichen Staus einfach zu weit, um ohne Kopfschmerzen anzukommen.

Den größten Stau mit mehr als einer Stunde prognostizierter Wartezeit umfuhren wir. Dadurch kamen wir durch Celle und nutzten den netten Ort für eine Pause. Den Parkplatz, auf dem wir schon einmal vor Jahren waren, fanden wir wieder. Allerdings war er zu zwei Dritteln gesperrt, da für das große Schützenfest aufgebaut werden sollte. Die Celler scheinen durchaus feiertäglich zu sein, denn das Bierfest findet zeitgleich am Wochenende statt. Von einem Aufbau oder anderen Vorbereitungen war aber nichts zu sehen, das verbliebene Drittel des Parkplatzes schon mehr als voll, also stellten wir uns auf den gesperrten Platz in den Schatten, um unser Picknick zu verzehren. Es standen noch mehr Autos dort, es stellte sich also kein schlechtes Gewissen ein.

Kaum biss ich in mein Brötchen, wünschte mir schon ein netter Herr „Guten Appetit“. Allerdings hatte er auch ein Gerät und eine Umhängetasche dabei. Er informierte uns darüber, dass unser Parkplatz 30 Euro kosten würde. Allerdings wollte er „erst da drüben“ mit der Kontrolle beginnen, wir könnten also unser Brötchen noch in Ruhe aufessen. Das war wirklich nett, aber wir wollten ja ein bisschen länger Pause machen. Das ging dann schließlich auch gut auf einem Penny-Parkplatz in der Nähe.

Weiter ging es dann ohne größere Zwischenfälle bis nach Würzburg. Die Jugendherberge versteckte sich wieder gut vor dem fließenden Verkehr, aber wir fanden dann doch einen prima Parkplatz in der Nähe.

Blick über den Main auf die Marienberg-Festung: die Jugendherberge versteckt sich hinter der gelben Basilika links im Bild.
Übernachtung im Schatten der Burg

Nach dem Abendessen (es war Grillabend in der Herberge, die auch sonst, weil frisch und modern renoviert, sehr zu empfehlen ist) ging es noch auf einen kürzeren Spaziergang über die Alte Mainbrücke (sehr viele Touristen aus allen Ländern der Erde) hinüber in die Altstadt. Auf dem Marktplatz waren schon Buden aller Art für die Kirmes am Wochenende aufgebaut, u.a. boten dort der Garten-Peter und der Pfannen-Joschi (kein Scherz), ab dem nächsten Tag ihre Waren an. Ansonsten war der Platz von nichtssagender Architektur umgeben. Auf dem Schenkhof war es netter: Das untergärige Kellerbier schmeckte in der Wärme sehr gut und gab die nötige Bettschwere.

Alte Mainbrücke, errichtet 1473-1543; die charakteristischen Heiligenstatuen hinzugefügt um 1730; Touristen aller Art von heute
Jetzt weiß ich auch den Unterschied zwischen untergärigem und obergäriges Bier!

So geht Jugendherberge heute:

Von außen sieht sie aus wie immer, alt, irgendwie langweilig …
… aber von innen sehr stylish: hier hinter verbirgt sich der Speisesaal mit Selbstbedienung und Buffets
Stockbetten sind immer noch das Maß aller Dinge, aber das private Bad mit extra Toilette, topmodern eingerichtet

Urlaubstag an der Nordsee – Ausflug nach Sankt-Peter-Ording

Ein Tag am endlos weiten Sandstrand von Sankt-Peter-Ording, sonnenbaden, eine Abkühlung im Nordseewasser bei warmen 20 Grad, ein kleines Picknick mit Champagner und Erdbeeren, so stellt man sich die perfekte Planung bei 35 Grad auf der heimischen Terrasse während der Saharahitze unter dem Sonnenschirm vor. Und dann kommen die Wikinger! Diesmal in Form einer Nordwestwetterlage mit einem Tiefdruckgebiet über Skandinavien, das für kühles, aber dank eines Azorenhochkeils nicht für regnerisches Wetter sorgt, dafür viele Wolken und Wind mit sich bringt. Adieu Picknick, feiner Sandstrand auf Erdbeeren sieht zwar ähnlich aus, hat nicht so viel Charme wie Puderzucker.

wildes Sommerwetter an der Küste

Trotzdem geht es in das einzige deutsches Seebad mit dem Titel „Nordseeheil- und Schwefelbad“, denn es gibt dort eine eigene Schwefelquelle. Sankt Peter-Ording liegt am westlichen Ende der Halbinsel Eiderstedt, weit genug draußen in der Nordsee, so dass der Strand aus feinstem Pudersand besteht, auf den man an ausgewählten Abschnitten sogar mit dem Auto fahren darf. Wir parken das Gefährt aber ganz umsonst in einem Wäldchen nahe des Bahnhofs (retten noch einen Löwen, siehe Foto weiter unten) und gehen zu Fuß Richtung Strand.

Zugang zum Strand nur gegen Cash!!

Die Nordfriesen sind ja ein altes Volk von Strandräubern, heutzutage sitzen sie windgeschützt in kleinen Holzhäuschen und kassieren erst einmal 3 Euro Eintritt in die große Sandkiste. Was man sonst noch dafür als Gegenleistung bekommt, wir wissen es nicht. Jedenfalls nicht gratis WLAN oder überhaupt einen belastbaren Handyempfang, nicht einmal später in der Hauptshopping-Meile für die Touristen.

Aber noch laufen wir und laufen, vorbei an unbesetzten Strandkörben und wenig genutzten Spielgeräten, immer weiter hinaus, um zumindest mit den Füßen ins Wasser zu kommen. Der Weg ist weit, denn Hochwasser ist erst drei Stunden später. Aber es lohnt sich, das Wasser ist wirklich für Nordseeverhältnisse sehr warm. Dafür kommt der Wind sehr kühl genau von vorn und gibt uns eine ordentliche Abreibung. Im Kosmetikstudio hätten wir für das Peeling viel Geld ausgeben müssen, hier bekommen wir das jedenfalls umsonst.

20 Grad sind 20 Grad, sagt die Physik; kann schon sein, sagt das Gefühl

Kinder sind wenig zu sehen, die Erwachsenen leben ihren Spieltrieb aus

zur Bezahlung der Miete bitte im zuständigen Korbrevier melden …

Nach einer Stunde Fußmarsch Richtung Norden bekommen wir am nächsten Pfahlbau Gelegenheit, unser Geld doch loszuwerden, allerdings im Tausch für kleine Köstlichkeiten wie heiße Schokolade oder auch Waffeln mit Erdbeeren. Wir kommen dort ohne Regen an, obwohl die Wolken sich wirklich bedrohlich schwarz vor uns auftürmen.

am Mittwoch haben die Köche frei, aber es gibt Getränke und Süßes
was Süßes: dunkle Schokolade mit Milch zubereitet, statt Sahne schmecken Marshmallows einfach umwerfend
imposante Wolkengetüme, aber der Regen fällt nicht auf uns
Kite-Surfer am, auf dem und im Wasser

Bei ablaufendem Hochwasser geht es später zurück zum Ausgangspunkt, es wird auch kühler, da die die Sonne abschattenden Wolken immer fetter werden. Was kann man sonst machen außer nutzlose Souvenirs einzukaufen oder später zu bereuende Spontankäufe zu tätigen? Gummibärchen probieren (klappt), Spiele ausprobieren im Spielzeuggeschäft (klappt nicht, Mittwochs ist in NF schließlich Ruhetag, wo kommen wir denn da hin?!), Fischbrötchen essen (klappt immer, muss aber nicht immer unbedingt beim allgegenwärtigen Gosch sein). Das Glück wird gekrönt von einem riesigen Eisbecher, gern mit Alkohol (damit klappt ja auch vieles besser) beim Italiener, bevor es wieder Richtung Zuhause geht. Dort gibt es dann auch wieder digitale Daten zu empfangen.

Fischbrötchen, Pommes in Schale und ein Glas Bier, alles aus Gummibärchenmasse …
Matjes auf Schwarzbrot, als Puffer zwischen gesund und gesund eine ordentliche Schicht Hausfrauensoße

Tiramisu-Eisbecher mit heißem Espresso, lecker!

Ach ja, der Löwe! Er ruhte sich zwischen Glascontainer und Altkleiderbox aus, als wir ihm begegneten. Wir gaben ihm einen Platz auf einem Sockel, denn da gehören unechte Löwen schließlich hin. Acht Stunden später scheint er ein neues Zuhause gefunden zu haben. Jedenfalls war er nicht mehr zu sehen, auch nicht versteckt im Wäldchen.

Stöpe ist nicht sein Name.

Daniel Hope & The New Century Chamber Orchestra in Büdelsdorf

Wir würden so langsam gern mal wieder in die Vereinigten Staaten von Amerika reisen, aber noch fehlt uns die Zeit und das nötige Kleingeld dazu. Eine Flugreise ist ja vom Klima her nicht mehr so opportun, zum Schwimmen fehlt uns die Kraft und Ausdauer, also bleibt das Schiff. Das hat uns beim letzten Mal besonders gut gefallen. Die günstigen Passagen gibt es aber nur zu Zeiten, an denen wir ganz bestimmt keinen Urlaub bekommen. Also versuchen wir, uns in diesem Sommer die USA ein bisschen zu uns zu holen.

Ein Konzert schon vor der offiziellen Eröffnung des Festivals, weil der Intendant laut eigener Angabe nicht mehr länger auf den Start warten konnte

Wir starten mit einem Teil, der uns schon immer sehr gut gefiel, mit der Musik. Das New Century Chamber Orchestra aus San Francisco (seit 2017 die Partnerstadt Kiels) gastierte mit dem Stargeiger Daniel Hope im Rahmen des Schleswig-Holstein-Musik-Festivals in Büdelsdorf mit einem Programm quer durch die amerikanische Kunstmusik des 20. Jahrhunderts. Das Kammerorchester setzt sich aus international renommierten Musiker*innen zusammen, die an der amerikanischen Westküste leben und arbeiten. 

Das Programm startete mit Auszügen aus „Old American Songs“ von Aaron Copland (1900-1990), in denen er insgesamt zehn Lieder aus dem Repertoire der Old-Time Music, z.B. Scheunentänze arrangierte; gefolgt vom „Adagio for Strings“ von Samuel Barber (1910-1981), dem wohl traurigsten Quartettsatz der Welt, denn es wurde seit seiner Uraufführung 1938 gern bei Beerdigungen gespielt, z.B. bei der von John F. Kennedy, von Roosevelt und auch bei der von Lady Di.

Danach begrüßte Daniel Hope das Publikum mit einem kräftigen „Moin!“ und setzte seine Moderationen in einem nahezu akzentfreien Deutsch fort (bevor man angesichts des eigenen Akzents im Englischen neidisch wird: er lebt seit Jahren in Wien bzw. Berlin).

Vor der Pause spielten sie noch eine neue Suite, die das Orchester bei Paul Bateman, einem britischen Dirigenten und Arrangeur in Auftrag gegeben hatte: die West Side Story Suite aus sechs Stücken von Leonard Bernstein (1918-1990) (Uraufführung Anfang Mai diesen Jahres). Es war wohl schwierig, die Erben davon zu überzeugen, aber letztendlich waren Ausdauer und das hohe Renommee von Orchester und Geiger wohl überzeugend für die Nachlassverwalter.

erwartungsvolles Publikum am Ende der Pause in der ACO Thormannhalle

Nach der Pause wurden alle folgenden Stücke einzeln angesagt und auch erklärt, scheint aufgrund der ungewohnteren Tonalität auch für ein Klassikpublikum notwendig zu sein, denn zu „Echorus“ von Philip Glass (*1937) hieß es nach der Erläuterung, dass alle Gruppen unterschiedlich und versetzt spielen: „Wenn es irgendwann alles gleich klingt, haben wir uns mit großer Wahrscheinlichkeit verspielt.“ Davor gab es noch den ersten Teil aus John Adams’ (*1947) „Shaker Loops“ zu hören. Beide Komponisten sind Vertreter der Minimal Music, in der einfache, sich wiederholende Muster (patterns) z.T. kaum wahrnehmbar verändert werden, ganz großartige Musikstücke.

Beendet wurde das Programm mit einer weiteren Bearbeitung von Paul Bateman: George Gershwins (1898-1937) Suite of Songs, in der fünf seiner berühmtesten Songs für Violine und Streichorchester zu Gehör kamen. Die Bearbeitung sollte im Stil einer Jazzband ausgeführt werden. So spielten die Streicher wie Bläsersätze in einer Bigband, Daniel Hope im Stil von Stéphane Grappelli und der Kontrabassist stand vorne. Auch hierzu gab es eine launige Geschichte von Daniel Hope zu hören: alle waren sehr froh, dass der Bass mit auf der Bühne steht, denn auf dem Weg von Amerika nach Europa mit Air Lingus ging das Instrument verloren, tourte ihnen den Bassmann einige Tage durch Europa, bevor er dann glücklicherweise wieder auftauchte.

Der Abend endete mit donnerndem Applaus und zwei Zugaben, nach denen das Publikum aber immer noch nicht gehen wollte. Dann intonierte Daniel Hope solo das Lied „Guten Abend, gute Nacht“ und das gesamte Publikum summte und sang die erste Strophe leise mit. Das war ein wirklich eindrucksvolles Ende eines tollen Abends.

Sonnenblumen für das großartige Orchester und eine Flasche Wein für den Solisten

Ein neues Reiseerlebnis mit der Bahn

Die Eisenbahnhochbrücke in Rendsburg
Blick von der Hochbrücke auf den Nordostseekanal (Kiel Canal) am Morgen

Nach Dresden und zurück sind wir ab Hamburg mit dem EC 378 bzw. 379 der tschechischen Staatsbahn České dráhy (im Auftrag der DB natürlich) gefahren, die verfügen über einen fast schon legendären Speisewagen mit tschechischem Personal, Speisen und Preisen.

Mit der Fahrt in der Ersten Klasse wollten wir eigentlich den Mitreisenden mit den hartgekochten Eiern und den Minisalamis entkommen. Das gelang uns auf der Hinfahrt allerdings nicht, denn gerade für die etwas korpulenteren Mitmenschen bietet die erste Klasse deutlich mehr Sitzkomfort. Und so kamen wir nicht nur in den Genuss von laut telefonierenden Geschäftsleuten, sondern eben auch zu in knisterndem Plastik verpackten Lebensmitteln (Eier, Salami, Käse, Cola) am Nebentisch. Zumindest phasenweise fuhr der Zug tatsächlich 200 km/h, trotzdem kamen wir verspätet in Dresden an. Dass die meisten Toiletten schon vorher leere Wassertanks hatten, verminderte das ansonsten angenehme Reisen mit dem Zug zusätzlich.

Für einen Besuch im Speisewagen war es auf dem Hinweg zu früh für uns. Aber für die Rückfahrt nahmen wir uns einen Besuch fest vor. Tatsächlich landeten wir sofort, wenn auch nur kurzzeitig, dort, denn der eingesetzte Zug hatte einen Wagen der ersten Klasse zu wenig mit. Die Buchungslage war wohl so gering, dass es auch mit einem Wagen weniger gegen würde. Irgendwie blöd nur, dass ausgerechnet der Wagen Nr. 263 fehlte, in dem waren nämlich unsere Plätze reserviert.

Die Servicekraft der DB auf dem Dresdner Bahnsteig schob die Schuld auf die Tschechen: „Das machen die jeden Tag mit uns.“ Mimimi würde ich sagen, dann könnte man das Problem doch in die App einpflegen. Aber nichts da, wir sollten uns an den Zugbegleiter wenden, der hielt sich meist in Wagen 260 auf. Das Bordrestaurant hat die Nummer 261, der Plan war also, dort einen der hübschen Plätze am Tisch zu entern und anschließend den Zugbegleiter etwas tun zu lassen. Plan in die Tat umgesetzt, klappte hervorragend, Kay blieb mit dem Gepäck im Speisewagen. Ich ging durch den Restaurantwagen weiter durch, der Zugbegleiter war schon durch die Schiebetür zu sehen.

Allerdings verschwand er auch sehr schnell nach draußen. Also hinterher und nach einer Lösung unseres Problems gefragt. Ja, dafür wäre nun die Kollegin zuständig, die dort hinten, am Ende des Zuges auf dem Bahnsteig stand. Die Zeit reichte noch, außen am Zug entlang zu ihr zu gehen, sie in ihrer Zigarettenpause zu unterbrechen und ich erfuhr unsere neuen Plätze, die eigentlich unsere bisherigen Sitznummern waren, jedoch in einem anderen Abteil. Dort angekommen mussten wir nur noch intern mit zwei anderen Passagieren abklären, dass sie und wir nicht jeweils einzeln hintereinander, sondern als Paare nebeneinander sitzen wollten, das nicht deutsche sprechenden Paar von unseren Sitzen mit einer englischsprachigen Auskunft, die sie verstehen konnten, an die Zugbegleiterin verweisen und alle saßen, während der Zug sich langsam in Bewegung setzte. Dass die Klimaanlage die sehr warmen Außentemperaturen nicht ausreichend genug heruntergegeben konnte, geschenkt. Wir hatten Plätze in Fahrtrichtung und eine halbe Stunde später waren wir wieder unterwegs Richtung Speisewagen.

Dort war es in der Tat sehr schön, rote Kunstlederbänke an Tischen, die mit weißem Tischtuch eingedeckt sind, eine formschöne Lampe würde abends den Essbereich angenehm erhellen, die Speisekarte bietet für jeden Geschmack etwas und enthält dazu landestypische Speisen und Getränke zu vergleichsweise günstigen Preisen, in großen Portionen und frisch zubereitet.

Wir entschieden uns für Lendenbraten mit Knödeln und Rahmsauce, dazu einen Gurkensalat bzw. für Schweinebraten mit Kartoffeln und Zucchini-Spinatgemüse. Beides war ausgesprochen lecker, auf Porzellan serviert, das Pilsner Urquell dazu kam vom Fass. Unser Kellner Pavel war witzig, er überreichte das Bier mit dem Hinweis, das Glas gut festzuhalten oder etwas schneller zu trinken. Letzteres taten die sechs jungen Männer während der vierstündigen Reise ohne Unterlass, blieben aber ebenfalls sehr freundlich. Die Mahlzeit kostete uns incl. Apfelschorle und Espresso € 35,60 und es schmeckte viel besser als Kantinenessen. Hätten wir die Happy Hour erwischt, wäre es noch günstiger geworden. wir haben nicht herausbekommen, um wieviel Uhr die begann. Da kommt die DB mit ihrem Bordrestaurant wirklich nicht mit.