Besuch im World Equestrian Center, Ocala, FL, day 38 (USA 2022)

Um uns die Zeit während der Autoreparatur zu vertreiben, besuchen wir das World Equestrian Center in Ocala. Die Stadt wurde 2007 offiziell als Horse Capital of the World benannt. Hier gibt es mehr als 400 reinrassige Pferdezuchten und Trainingszentren. Das World Equestrian Center ist natürlich das größte. Das Bild zeigt nur eine von sehr vielen „kleinen“ Hallen.

Und es ist riesig, gigantisch groß. Wir fahren zuerst über das Gelände des RV Parks. Sie haben hier einen General Store und eine eigene Tankstelle. Ungewöhnlich viele RVs haben auf dem Rasenstück Zäune für ihre Hunde aufgestellt.

Das bringt uns auf die Idee, dass eine Hundeveranstaltung auf dem Gelände stattfinden könnte. Da alle Veranstaltungen hier für Zuschauer kostenlos sind, parken wir das Auto (auch kostenlos) und gehen hinüber zum Veranstaltungszentrum.

In der Tat, heute startet die dreitägige AKC National Agility Championship. AKC bedeutet American Kennel Club (gegründet 1884). In zwei Hallen mit je einen Warming up Parcours und zwei Wettbewerbsstrecken treten Hunde (und ihre Eigentümer) gegeneinander an, um den 2022 National Agility Championship title zu gewinnen.

Das ist unerwartet unterhaltsam anzuschauen. Die Hunde sind einfach niedlich, wie sie in unterschiedlichen Geschwindigkeiten über die Hürden springen. Den Hundebesitzerinnen (es nehmen nur wenige Besitzer teil) beim Begleiten ihres Hundes zuzusehen ist noch viel unterhaltsamer. Sie müssen ja mitlaufen, je schneller sie sind, desto schneller schafft es auch the canine athlete, den Parcours zu meistern.

Hauptsächlich geht es hier aber um Pferde, wie man unschwer erkennen kann, wenn man durch die Anlagen streift. Für uns ganz erstaunlich, nichts ist hier abgesperrt, wir kommen überall hinein, auch bis nach oben in den Lounge-Bereich der Hallen.

Der Mittelpunkt der Anlage ist eine offene Reitarena, die von einem riesigen Luxushotel flankiert wird. Man kann vom eigenen Balkon aus den Wettbewerben zusehen. Die Zimmerpreise starten bei $ 350 pro Nacht, wahrscheinlich gehen die Zimmer dieser Preisklasse nach hinten raus.

Im Erdgeschoss des Hotel befindet sich nicht nur die Empfangshalle, sondern auch etliche Läden für Luxusgegenstände. Alles ist so glänzend und neu, einige Läden sind noch gar nicht fertig eingerichtet. Aber Hauptsache, Kronleuchter und Blumengestecke sind an Ort und Stelle.

Am interessantesten ist das flächenmäßig größte Geschäft, ein Spielwarenladen. Passend zur Umgebung findet man hier auch das größte Tier:

Rundum in den Hallen befinden sich auch Geschäfte, in denen man alles mögliche für den Reitsport erwerben kann. Sehr zentral steht eine lebensgroße Statue eines Pferdes, Staff Sergeant Reckless, ausgezeichnet mit neuen Medaillen und Auszeichnungen, erworben im Koreakrieg. Kein Scherz! Das Pferd brachte Munition vom Lager zur Frontlinie, meistens ohne einen Soldaten zur Führung, fünf Tage lang, 51 Runden, 35 Meilen durch Reisfelder und über Berge, durch feindliches Feuer und trotz Verwundungen. Auf der Plakette steht: „She wasn‘t a horse – She was a Marine!“ Auf uns wirkt das Ganze seltsam abstrus.

Fazit: wir hätten nicht gedacht, dass sich ein Besuch des World Equestrian Centers für uns lohnen würde. Es war unterhaltsam und interessant, gleichzeitig stellt sich aber wieder das Disneyland-Gefühl ein. Alles zu glatt, zu teuer, zu leblos, irgendwie surreal. It’s just all that money can buy.

Autoreparatur, die Zweite, Ocala, FL, days 37-38 (USA 2022)

Wir fahren vormittags weiter Richtung Süden. Wir wollen noch einmal eine Woche bei den Freunden im RV-Resort verbringen und im Pool relaxen. Mit einer weiteren Tornado-Warnung im Rücken brechen wir mit dem lauten Motorhome auf.

Während der Fahrt gucken wir immer wieder in den Himmel, ob irgendetwas Seltsames zu sehen ist. Der Motor wird lauter und lauter. Ich wünsche mir, jemand würde von hinten schieben, wenn wir die Berge hochkriechen. Der Wagen schafft nicht einmal mehr überall die Mindestgeschwindigkeit von 50 Meilen.

Zwischendurch telefoniert Kay in halbstündigen Abständen mit dem Verleiher in Peekskill, mit einem zunehmenden verbalen Aggressionsniveau. Irgendetwas hilft, denn mittags erhält er eine Nummer von einem repair shop in Ocala.

Kurz vor Ocala fahren wir auf eine Tankstelle mit Kundenzusatznutzen, damit Kay in der Werkstatt anrufen kann. Wir bekommen für den nächsten Tag die Zusage, dass der Wagen am gleichen Tag repariert werden wird.

Langsam fahren wir zum RV-Resort, das Gefährt gibt auch nicht mehr richtig Gas, tourt zu hoch ohne zurück zu schalten, und ruckelt wie blöd, wenn er bei 1500 Umdrehungen läuft. Und dann regnet es später auch noch wie aus Eimern, die ganze Nacht durch.

Am nächsten Morgen klingelt der Wecker früh, wir fahren 25 Meilen und geben den Wagen um kurz vor neun Uhr bei PatRicks Auto & Truck Repair in Ocala ab.

Kurz darauf werden wir von den Freunden abgeholt. Wir wollen die Wartezeit mit einem gemeinsamen Frühstück überbrücken. Uns wird Darrell‘s Dog Gone Good Diner empfohlen. Zu Recht!

The Great Dane: drei Eier, nach Wahl zubereitet, hash browns, bacon, Frikadelle und ein dicker fetter pancake.

Breakfast Burrito, gefüllt mit Rührei, sausage, Salsa und gebratenen Zwiebeln, und grits (weiße Maisgrütze) mit Butter und Ahornsirup, dazu getoastetes Rosinen-Zimt-Brot.

Ein anschließendes Telefonat wegen des Autos ergibt nichts gutes. Außer den Zündkerzen und den Zündspulen sind auch noch Löcher in den Abgaskrümmern. Ersteres kann heute repariert werden, letzteres frühestens am Montag und es würde mindestens drei Tage dauern. Ein Kostenvoranschlag wird nach Peekskill gemailt, $ 1.700 für den heutigen Teil und kurz darauf freigegeben.

Um 15 Uhr tauchen wir wieder in der Werkstatt auf und müssen feststellen, dass leider noch nichts getan wurde, außer alles auseinander zu nehmen. Es fehlt das endgültige Okay, was zu tun sei! Es gibt eigentlich keine Worte, um unseren Gefühlszustand hinreichend genug zu beschreiben.

Unsere Freunde fahren nach Hause, Kay telefoniert sich weiterhin den Mund fusselig. Am Ende werden die Zündkerzen und die Spulen ausgewechselt und wir werden mit dem lauten Auspuff weiterfahren. Das Auswechseln dauert dann noch mal bis 16:30 Uhr, die Wartezeit verbringen wir mit dem Lesen von National Geographic Ausgaben.

Wahrscheinlich wäre alles schneller gegangen, wenn wir gleich dageblieben wären, wer weiß. Dann geht es endlich wieder zurück zum Resort, mit guter Beschleunigung und lautem Knattern, das nicht mehr ganz so laut wie gestern ist.

Zurück nach Florida, nicht ohne Komplikationen, FL, day 36 (USA 2022)

Good bye „Sweet home Alabama“; wir fahren wieder in den Sunshine State zurück. Es war sehr schön hier, leider gab es keinen freien Platz mehr für uns auf dem Campingplatz des state parks. Es weht hier inzwischen ein sehr starker Wind, die Strände sind doppelt rot beflaggt, das bedeutet, sie sind gesperrt. Später hören wir von den Tornado-Warnungen für dieses Gebiet. Gut, dass wir wieder nach Osten fahren und schneller sind als die Stürme.

Alle Menschen, denen wir im Vorwege von unserem Aufenthalt an der Golfküste erzählten, sprachen von den famous Blue Angels der Naval Air Station in Pensacola. Die Blue Angels sind eine Kunstflugstaffel der United States Navy. Auf der Rückfahrt haben wir sie fliegen sehen, in Formationen und allein, sich dabei um die eigene Achse drehend, dass einem schon vom Zugucken schwindelig wird. Sehr beeindruckend, und das waren nur Übungsflüge. Wie dann wohl das Showprogramm aussehen wird.

Interstate 10, Brücke über die Escambia Bay, drei Meilen lang

Die Interstate 10 east bleibt danach langweilig zu fahren. Es dauert schon eine gute Stunde, allein am Gelände der Eglin Air Base (s. Eintrag The Sound of Freedom, day 32) vorbeizufahren. Wir sind guter Dinge, kommen gut voran, und dann plötzlich… Die Motorkontrollleuchte blinkt auf! Sie hört wieder auf, sie beginnt wieder zu blinken. Wie gut, dass wir sowieso an der nächsten rest area Pause machen wollten.

Danach hat der Motor sich leider nicht beruhigt, im Gegenteil, die Kontrollleuchte leuchtet jetzt dauerhaft. Na toll, und heute noch gut 200 Meilen zu fahren. Wir telefonieren mit dem Autovermieter. Die sagen, wir sollen zum nächsten „Autozone“-Geschäft fahren, damit die den Fehler auslesen. Also zwölf Meilen wieder zurück, in DeFunkiak Springs finden wir einen.

Wir erklären die Lage, sie schließen ein kleines Gerät an, wir starten den Motor, sie drucken den Befund aus, wir schicken ein Foto davon nach Peekskill. Dieser Teil gelingt sehr unkompliziert. Eine Zündkerze und eine Zündspule sind defekt. Nach amerikanischen Maßstäben müssten wir jetzt eine Woche warten, bis ein Werkstattplatz frei ist. Unsere Planungen sehen anders aus.

Nach einer halben Stunde des Nachdenkens sagt Peekskill, dass wir eine Flasche Kraftstoffzusatz in den Tank kippen sollen, das passt dann schon für die nächsten paar Hundert Meilen. „Autozone“ verkauft uns zwei Flaschen, eine kippen wir gleich in den Tank. Die nächste kommt beim nächsten Tankstopp mit hinein.

Weiter geht’s, mit einem unglaublich lauten Motorengeräusch und weniger Leistung durch den durchaus sehr hügeligen Florida Panhandle. Es fehlt uns Zeit, dann fahren wir auch noch in eine andere Zeitzone. So kommen wir erst nach Einbruch der Dunkelheit im Stephen Foster State Park an. Wie gut, dass wir hier schon mal waren. So finden wir schnell unseren Übernachtungsplatz und können uns etwas ausruhen nach der neunstündigen Fahrt. Wir sind ziemlich angep….!! Mal sehen, was der morgige Tag bringen wird.

Another fine day at the beach, AL, day 35 (USA 2022)

Der Tag ist sehr, sehr warm, die Sonne scheint vom blauen Himmel auf uns herab. Es ist still auf dem Campingplatz, da alle mit Sack, Pack und Auto an den Strand gefahren sind. Da wollen wir auch noch hin, aber da wir weder Sonnenschirm noch Pavillon dabei haben, bleiben wir erst einmal im Schatten der Markise sitzen, genießen die Ruhe und lesen.

Als wir am Strand ankommen, sind die meisten anderen schon nicht mehr da. Das trifft sich gut, so müssen wir nicht so weit laufen, um unter uns zu sein.

Wir lagern bei den zwei westlichen Röhren, die als Peilstäbe für ein künstliches Riff dienen. Wenn man so im Wasser ist, dass die gestreifte hinter der gelben Röhre verschwindet, findet man das westliche Ende des Riffs.

Heute ist es zum Schnorcheln zu windig, keine gute Sicht unter Wasser, die gelbe Flagge weht. Das bedeutet hier ‚mittlere Gefahr‘: moderate Wellen, schwache Schwimmer sollten nicht ins Wasser gehen.

Wir sind die dänische Nordsee gewohnt, für uns sieht das Meer extrem einladend aus. Und im Gegensatz zur Nordsee ist das Wasser hier sehr warm. Schwimmen kann man nicht, dazu es es viel zu flach. Aber sich von den Wellen treiben lassen, ist klasse.

Wenn man aus dem Wasser heraus kommt, ist es quasi genauso warm mit einer leichten Brise. Wir fühlen uns wie in einer riesigen indoor-Anlage. Was für ein tolles Stückchen Erde!

Nachdem wir mehrmals im Wasser waren, machen wir uns auf den Rückweg zum Campingplatz. Der Parkplatz ist noch nicht leer, denn nun kommen alle die, die den Sonnenuntergang sehen wollen. Auch der Beach Pavillon füllt sich, dort scheint es ein Dinner mit Feuer im Kamin und vielen Leuten zu geben.

Hiking-Tour im Gulf State Park, AL, day 34 (USA 2022)

Da wir nicht so einfach an Fahrräder kommen können, entscheiden wir, eine kleine Wanderung zu machen. Es gibt hier jede Menge trails, wir kombinieren einige, so dass wir einmal um den Middle Lake herum kommen. Das erscheint uns machbar, ca. acht Kilometer in gut zwei Stunden.

Zuerst geht es über einen erhöhten Holzbohlenweg durch eher sumpfiges Gebiet.

Der kleine lizard genießt die Sonne. Wir würden uns über etwas mehr Schatten freuen.

Danach geht es auf Asphalt weiter, es scheint keine Gefahr mehr von plötzlichen Alligator-Begegnungen auszugehen. Als die ersten spanischen Entdecker in den 1500ern hier ankamen, fanden sie eine dichte Bewaldung mit Sumpfkiefern vor. Gutes Holz, aus dem und mit dem man alles mögliche machen konnte. Es dauerte nicht so wahnsinnig lange, bis 97% des Bewuchses verschwunden war.

Nun forsten sie zumindest den state park wieder mit den Sumpfkiefern auf. Diese Kiefer ist im „Gras-Stadium“, sie bleibt darin sieben Jahre.

Die Kiefern im Vordergrund sind noch recht buschig, aber schon etliche Jahre alt. Die hohen Bäume im Hintergrund sind ausgewachsene Sumpfkiefern. Sie können bis zu 300 Jahre alt werden, wenn man sie nicht vorher fällt.

Die Seen und Kanäle, die Gräben und Sümpfe im state park stehen alle miteinander in Verbindung. Die Ebbe und Flut-Bewegungen des Ozeans übertragen sich auf die Gewässer des state parks.

Auf der anderen Seite des Sees kommen wir an anderen typischen Pflanzen vorbei. Die Pflanze im Vordergrund sieht aus wie Rosmarin. Der Strandrosmarin („falscher Rosmarin“) kommt sehr lange ohne Wasser aus und wächst überall in den Dünen der Golfküste. Der dunkle Busch im Hintergrund heißt Florida Rosemary, ist auch kein Rosmarin, sondern gehört zu den Erikagewächsen.

Wir nähern uns wieder dem Middle Lake und stoßen auf den nächsten Holzbohlenweg, der uns über die wetlands zurück zum Campingplatz führt.

Gulf Shores State Park, AL, day 33 (USA 2022)

Wir sind noch etwas weiter westlich gezogen. Den Strand mit den Dünen und dem sugar sand haben wir beibehalten, ebenso das smaragdgrüne Wasser. Allerdings befinden wir uns inzwischen im Staat Alabama und campen in einem state park. Es ist herrlich hier, so viel ruhiger und so viel mehr Platz.

Der Campingplatz ist riesig und nimmt dabei nur einen kleinen Teil des state parks ein. Dieser umfasst Waldgebiete, Dünen und einen vier Meilen langen Strandabschnitt, drei Seen und viele trails zum Wandern und Fahrrad fahren.

Fahrräder zur Benutzung im state park kann man sich für drei Stunden kostenlos ausleihen. Leider gibt es keine Station in unserer unmittelbaren Nähe. Auf dem Bild ist im Hintergrund ein kleiner Teil des Campingplatzes zu sehen.

Wir wollen den Strand des state parks erkunden. Ein Weg führt über diesen Holzweg auf Stelzen. Der führt nicht nur über die Wasserläufe, sondern auch über das sumpfige Gebiet. Erhöht, damit man nicht unverhofft eine Begegnung mit einem Alligator macht.

Wenn der Highway überquert ist, führt der Weg an vielen, für die Amerikaner notwendigen Gebäuden vorbei, um den Besuch in der Natur angenehm zu machen: ein großer Parkplatz, ein Zentrum, in dem die Natur um einen herum erklärt wird, mehrere Unterrichtsräume, Toiletten und Duschen, ein Strandpavillion und weiteres.

Dieses Gebäude ist der Strandpavillion, in der Mitte ein völlig überdimensionierter offener Kamin.

Wie schon in Navarre Beach ist die Strandseite der Straße mit hohen Hoteltürmen bebaut, bis exakt zur Grenze des Naturparkgeländes. Wir sind uns sicher, dass sie weiterbauen würden, wenn der folgende Abschnitt nicht geschützt wäre.

Der Strand ist auch am Nachmittag noch gut besucht. Wir laufen so lange, bis wir den Zuckersand für uns alleine haben, setzen uns hin und genießen die Ruhe.

Das Meer hier ist etwas tiefer als an der Küste Floridas. Deshalb gibt es hier noch mehr Muscheln zu finden. Leider bleibt es wieder bei Bruchstücken. Diese Muschel war beinahe fußgroß.

Auf dem Rückweg fliegen ein paar Pelikane über uns rüber, faszinierende Vögel.

The Sound of Freedom, FL, day 32 (USA 2022)

In Amerika ist es ja so eine Sache mit der Freiheit. Der erste Zusatzartikel der amerikanischen Verfassung legt die Freiheiten der Bürger fest. Da steht aber nichts darüber, wie die Freiheit klingt. The Sound of Freedom ist nicht nur der Name eines aktuellen Kinofilms über Kinderhandel, sondern auch der Name eines Indoor-Schießstands in Missouri. Ein sehr weites Feld. Im Prospekt des Campingplatzes lesen wir unter der gleichen Überschrift folgendes: Der Donner, den man abends hört, entsteht auf dem nahen Militärgelände. Dort testen sie Geschütze, die sie dort herstellen, bevor diese an die Truppen ausgeliefert werden.

Blick von Navarre Beach aus über den Santa Rosa Sound, der gesamte Baumbestand im Hintergrund schirmt das Air Base Gelände ab.

Das stimmt wohl so, allerdings heruntergebrochen auf den Bildungsstand des Feld-Wald-Wiesen-Amerikaners. No offence, aber das Grundbildungsniveau hier erscheint uns manchmal atemberaubend niedrig zu sein. Die Airbase ist flächenmäßig die größte der amerikanischen Armee und wohl auch weltweit. Sie nimmt 1875 Quadratkilometer auf dem Land ein, was sie nicht zur größten macht. Dazu kommen aber noch 318.000 Quadratkilometer Wasserareal im Golf von Mexiko als Schussbereiche. Alles eine Frage der Rechnung.

Testgelände, manchmal auch für Raketen, für uns unvorstellbar

Hier auf der Airbase werden luftgestützte Waffensysteme entwickelt und getestet. Der größte Teil des Geländes und der Teil der vorgelagerten Insel dient als Waffentestgelände. Und sie testen an einigen Tagen ausgiebig, auch von morgens bis abends. Ständigen Geschützdonner möchte man nicht hören, wenn man Strandurlaub macht. Aber es scheint hier niemanden zu stören. Im Gegenteil.

An der Rückseite des Rezeptionsgebäudes ist dieses Bild zu sehen. Militärangehörige, auch Veteranen, erhalten in Amerika bei allem Rabatte, auch auf den Campingplätzen.

Aber warum sie Geschützlärm von getesteten Waffen als Sound of Freedom bezeichnen, das ist uns immer noch rätselhaft. Auch unsere Freunde, junge Leute, mit denen wir uns hier getroffen haben, haben keine Erklärung dafür. Ihnen kam bei dem Begriff Sound of Freedom als erstes der Klang der Liberty Bell in den Sinn.

Navarre Beach, Emerald Coast, FL, day 31 (USA 2022)

Wir fahren über den Santa Rosa Sound nach Navarre Beach. Eine sehr langgezogene Düne bzw. Insel schirmt den Sund vom Golf von Mexiko ab, sie heißt Okaloosa Island.

Die beiden äußeren Zipfel sind unbebaut und gehören zum Gulf Islands National Seashore. Der mittlere Teil ist ebenfalls fast unbebaut und gehört zur Eglin Air Force Base. Links und rechts davon alles bebaut. Allein die Hotel- und Ferienhausbebauung in Navarre Beach ist fast sechs Kilometer lang.

Dann aber kommen wir im unbebauten westlichen Bereich der Insel an. Die einzige Straße darf nur langsam befahren werden. Sie schlängelt sich durch die Dünen.

Irgendwann kommt ein Parkplatz, auf dem wir das Motorhome eventuell ein bisschen verkehrswidrig parken. Das Schild am Eingang war so klein, wir konnten nur lesen, dass RVs dort nicht halten dürfen. Das Motorhome wird rückwärts eingeparkt, sodass es so weit es geht über der Düne steht. So blockieren wir niemanden.

Die Schuhe lassen wir im Auto, denn es geht direkt auf den schneeweißen Sand. Wirklich schneeweiß, es ist reiner Quarz. Unsere Füße machen beim Gehen quietschende Geräusche. Es weht eine steife Brise aus Westen. Und das Wasser ist tatsächlich grün, smaragdgrün.

Wir finden sehr hübsche, rot gemusterte Fragmente von Muschelschalen, aber leider keine komplette. Sie müssen sehr groß werden, wenn man den Fuß mit dem Bruchstück vergleicht.

Zu Beginn ihres Wachstums sind sie kleiner als die Spitze meines kleinen Fingers. Auch später bleiben sie sehr dünnschalig und leicht.

Andere Muschelschalen sind kleiner und dicker. Sie haben ein Loch, was sie theoretisch zu hübschen Kettenanhängern macht. Die Geschichte dahinter kommt einem splatter movie nahe:

Eine Wasserschnecke mit einer langen Zunge, die mit tausenden rasiermesserscharfen Häkchen bestückt ist, bohrt zunächst die Muschelschale durch. Dann steckt sie die Zunge in die geschlossene Kalkhülle hinein und bewegt sie hin und her, wie die Messer in einem Mixer. Innen ist die Muschel sehr weich; in kurzer Zeit ist der lebendige Organismus in Muschelsuppe verwandelt, die die Schnecke dann aufsaugt.

Wir gehen lange in die eine Richtung und dann lange wieder zum Auto zurück, genießen den starken Wind, die Leere und den Meeresgeruch, bevor wir zurück fahren. Auf dem Sund sehen wir noch einen kite surfer, der die starke Brise nutzt.

Navarre Beach Camping Resort, FL, day 30 (USA 2022)

Wir sind inzwischen weiter nach Westen gereist und an der Emerald Coast gelandet. Das ist immer noch Florida, aber nun am Golf von Mexiko. Unser Campingplatz in Navarre liegt am äußersten Ende des Florida Panhandle, östlich von Pensacola.

Nachdem wir stundenlang die sehr langweilige Interstate 10 West gefahren sind, beschließen wir, die letzten 80 Meilen an der Küste entlangzufahren. Wir biegen bei DeFuniak Springs ab, fahren direkt auf den Golf von Mexiko zu, um der Küstenlinie dann östlich auf dem Parkway zu folgen. Die Straße ist abwechselnd zwei- oder dreispurig. Wir überqueren den Sund mehrmals über Brücken. Dann kommen die Orte. Zum Strand hin stehen hohe Hotelanlagen, zur Landseite hin Shopping Malls, Freizeitparks, Restaurants, Shopping Malls, Freizeitparks, Restaurants usw. Wir haben den Feierabendverkehr nicht auf der Rechnung gehabt. So rollen wir mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 33 km/h unserem Ziel entgegen. Dafür sehen wir irgendwann auch die Dünen mit dem für hier charakteristischen weißen Sand. Es ist definitiv die interessantere Strecke, aber wir kommen zwei Stunden später als geplant an.

Der Campingplatz ist privat betrieben und wirklich schön gemacht, ein schmales Stückchen Land, sehr langgestreckt zwischen Highway und Santa Rosa Sound mit einem kleinen privaten Mini-Strand. Die Stellplätze sind recht schmal. Wir stehen auf Strandsand unter Palmen und Lebens-Eichen (live oaks) und beobachten die flinken grauen Eichhörnchen. Alles ist in bunten Pastellfarben gehalten, die kleinen Hütten sind gut gebucht. Es ist gerade Spring Break, Ferienzeit in den Monaten März und April, und entsprechend schwierig wird es, an den Küsten Campingplätze zu halbwegs moderaten Preisen zu finden.

Hier gibt es sehr viele Richtlinien und Hinweise zu beachten, um den Aufenthalt für alle möglichst angenehm zu machen. Unter anderem benötigen wir für unsere Abwasserleitung eine Unterstützung, um den Ablauf zu beschleunigen. Sonst haben wir sie immer auf dem Boden liegen lassen. Wir können einen solchen support entweder am nächsten Tag im Shop des Campingplatzes kaufen oder kurz zu Walmart hinübergehen (ca. eine Viertelstunde zu Fuß). Viel Lust zum Einkaufen haben wir nicht, aber ein bisschen laufen tut nach der langen Fahrt auch ganz gut. Vorher drehen wir noch eine Runde über den Platz und erkunden die Umgebung. Im Clubhaus beginnt gerade ein cornhole-Tunier, und wir werden freudig als weitere Teilnehmer begrüßt. Als wir ablehnen und erzählen, dass wir noch zu Walmart müssen, bietet einer der Teilnehmerinnen, Michelle aus Syracuse, NY uns ihren zweiten support an. Das ist supernett, wir sparen uns den Fußmarsch und 40 Dollar! Der Platz gefällt uns, wir werden vier Nächte hier bleiben.

Campfire im State Park, day 29 (USA 2022)

Auf jedem Campingplatz in den USA ist eine Feuerstelle ein Muss. Meistens kauft man das Feuerholz in Bündeln, die dann vom Personal im ebenfalls obligatorischen golf cart an den Platz gebracht werden. Und meistens stehen die Wohnwagen/ motorhomes/ RVs so eng, dass wir schon genügend Feuergeruch einatmen, ohne ein eigenes Feuer zu entzünden.

Hier im State Park haben wir wirklich viel Platz um uns herum, und der Feuerring befindet sich weit genug von Wagen und ausgefahrener Markise entfernt. Jetzt wollen wir auch mal zündeln.

Am Parkeingang lagen diese kleinen Umschläge herum. Das Holz selbst lagert in einem kleinen Verschlag. Zehn Scheite kosten fünf Dollar. Der Umschlag mit dem „verbrannten“ Geld wird am Ende des Aufenthalts in eine Box am Ausgang geworfen.

Neben dem Häuschen steht rechts ein Wägelchen zum Transportieren der Holzscheite. Kay weigert sich, zehn Scheite Holz mit dem Wagen die 25 Meter zu unserem Platz zu ziehen.

Dazu muss man wissen, dass sogar der Abwassertank eines Wohnwagens auf einen kleinen Anhänger gestellt wird, der wiederum von einem großen Truck zur Entleerungsstelle gezogen wird.

Ich stapele also zehn Holzscheite auf Kays ausgestreckte Arme und wir gehen los. Wir kommen keine fünf Meter weit. Der erste Mann ruft uns zu, dass der Wagen für den Transport gedacht ist. Ich rufe im Weitergehen zurück, dass wir das wissen. Weitere fünf Meter erklärt uns der nächste Mann, dass wir den Wagen benutzen sollen. Diesmal erklären wir, dass wir sture Deutsche sind, die das nicht wollen. Währenddessen ruft uns ein dritter Mann zu, der inzwischen neben dem Wägelchen steht, das genau dieser für den Transport gedacht ist.

Diesmal antworten die anderen ihm, dass sie uns das Procedere bereits erklärt hätten. Der erste Mann kommt auf uns zu und pult ein Stückchen Holz von einem Scheit ab. Das legt er mir in die Hand, damit ich, wie er sagt, meinen Mann ein bisschen entlasten kann und auch etwas zu tragen habe. Alle freuen sich und haben Spaß. Wir sind Sekunden später auf unserem Platz, und Kay lässt das Holz neben unserem Feuerring fallen.

Ohne Kleinholz lässt sich ein Feuer schwer entfachen, dieses gibt es aber nicht. Der amerikanische Weg ist folgender: Holz in den Ring werfen, Brandbeschleuniger darauf kippen, viel hilft viel, Streichholz hinterher werfen – brennt. Wir haben auch keinen Brandbeschleuniger, und wir wollen ihn auch nicht.

Kay besinnt sich auf seine Waldläufer- und Pfadfindertugenden, sammelt etwas Totholz, schichtet die Scheite ordentlich auf, investiert viel Lungenvolumen, um Sauerstoff hineinzublasen.

Das Holz ist nicht genügend abgelagert und recht feucht. Es qualmt ordentlich, aber es stinkt nicht unangenehm.

Schließlich brennt es lustig vor sich hin. Ein nettes Erlebnis, das wir nicht noch einmal wiederholen möchten in den verbleibenden Wochen. Es ist einfach zu unbefriedigend.

Da der Wind sich ständig dreht, müssen wir auch unseren Sitzplatz ständig ändern. In Ruhe sein Bier trinken geht anders.