Die Wochenenden verbringen wir, zu zweit oder mit dem Enkelkind zusammen, wenn es sich zeitlich einrichten lässt, im Wohnwagen an der Ostsee in Dänemark. Mitte Juni war es am Wochenende ziemlich warm, die Wassertemperatur beträgt inzwischen 21 Grad in unserer Badebucht. Es sind aber noch nicht viele Wochenendurlauber auf dem Platz und damit auch nicht am Strand.
Das Enkelkind macht den ersten Versuch ins Wasser zunächst noch in Neopren gehüllt, stellt aber schnell fest, dass das Wasser sehr angenehm temperiert ist, zumindest nach Kindergefühl.
Bei anderen Wasserratten steht stand up paddling hoch im Kurs. Das Wasser ist so flach, dass man gut üben kann, das Gleichgewicht zu halten. Die meisten Menschen bewegen sich dann auch eher sitzend fort.
Zur Mittagszeit wird es etwas voller am Strand. Wir haben vom vielen Plantschen inzwischen Hunger und gehen zum Wohnwagen zurück. Am Nachmittag lockt dann das Minigolf spielen mehr als das Wasser.
Am nächsten Tag geht es dann für das Enkelkind ohne Neopren, sondern nur mit Badehose bekleidet, ins Wasser. Es möchte gern genauso lange wie beim vorherigen Mal im Wasser bleiben. Doch ohne Neopren kühlt so ein kleiner Körper wirklich schneller als gedacht aus. Gut, dass einen die Sonne (und das Handtuch) anschließend schnell wieder aufwärmt.
Heute legen wir sehr früh auf Barbados an, wir werden von den Geräuschen des Anlegemanövers geweckt. Barbados ist die östlichste Insel der Kleinen Antillen. Geographisch befinden wir uns schon in Mittelamerika. Barbados ist nicht vulkanischen Ursprungs, sondern eine Koralleninsel, deren unterseeische Riffkalke in die Höhe wuchsen. Die Strände sind auf der Westseite am Karibischen Meer weiß-rosa gesprenkelt.
Deshalb haben wir keine Tour gebucht, sondern wollen heute zu Fuß zum nächsten erreichbaren Strand gehen. So ungefähr wissen wir, wo es längs gehen soll. Aber mit einem kleinen Stadtplan fühlt man sich doch wohler. Hinter dem Duty Free-Gebäude fragt uns ein Anbieter für Taxitouren, ob ich eine Karte der Insel haben möchte. Klar möchte ich, allerdings muss ich ihn dann erst einmal langwierig abwimmeln. Er würde uns gern eine Tour über die Insel zu den tollsten und verschwiegensten Stränden verkaufen. Er hat auch recht damit, dass die Einwohner von uns Touristen leben und sie, wenn wir ihnen kein Geld dalassen, es schwierig haben, Essen auf den Tisch zu bekommen, aber trotzdem… Wir möchten heute so gern ganz auf uns gestellt zu Fuß gehen. Er rückt die Karte dann heraus, zeichnet den Strand ein und schreibt die Entfernung dazu, zweieinhalb Kilometer!
Reine Abschreckung, denn wir kommen nach zwanzig Minuten an einem schönen, und vor allem leeren Strandabschnitt an. Der Weg dahin führt uns immer am Wasser entlang.
Wir erreichen den Yachthafen in der Mündung des Constitution River.
Hier im Zentrum trägt der Fluß den Namen Careenage, da die Holzschiffe hier früher kielgeholt wurden, um Muscheln u.a. von den Rümpfen zu entfernen. Das heißt auf Englisch careening (britische Stadtgründung!).
Am Ende des Yachthafens geht es über eine Fußgängerbrücke, dann noch ein kleines Stückchen die Straße entlang, und schon können wir den Strand sehen.
Brownes Beach ist ein Strand, zu dem die Einheimischen mit dem Auto hinfahren, ein genauso toller weiß-rosa gesprenkelter feiner Sandstrand und glasklares Wasser wie überall, nur eben ohne Sonnenliegen, Sonnenschirme, Spielsachen und Jet-Ski-Anleger! Wir benötigen keinen möblierten Strand, wir wollen den feinen Sand spüren und schwimmen. Vormittags ist es wunderbar leer.
Himmlisch, und sehr erfrischend bei der Hitze (27 Grad) und der hohen Luftfeuchtigkeit. Wir gehen abwechselnd hinein, schwimmen und lassen uns anschließend von der Sonne und dem leichten Wind trocknen. Dann wird es uns zu heiß, dabei ist es noch nicht einmal 12 Uhr mittags, und wir machen uns auf den Rückweg.
Das historische Bridgetown, mit seiner Garnison seit 2011 UNESCO Weltkulturerbe, wurde 1628 von britischen Siedlern gegründet. Wir erkunden Downtown ein bisschen auf unserem Rückweg vom Strand zum Schiff, entdecken Fußgängerzonen, überall ist es sehr voll und laut.
Ein bisschen Sightseeing fällt auch noch ab, obwohl es sehr warm ist, 27 Grad schon vor 12 Uhr mittags, mit einer hohe Luftfeuchtigkeit.
Gebäude des Parliament von Barbados, komplett mit einem kleinen Glockenturm wie Big Ben
Independence Square (Barbados wurde 1966 unabhängig, blieb aber Mitglied des Commonwealth, seit November 2021 ist Barbados eine Republik)
Anlieferung auf dem Marhill Street public market
Old Fire Brigade House, die erste fire company in Bridgetown wurde 1840 gegründet.
Town Hall (Rathaus) and Gaol (Gefängnis), 1730 erbaut, das unterirdische Gefängnis wurde 1876 aus humanitären Gründen aufgegeben.
Das Carnegie Gebäude dient heute als öffentliche Bücherei.
Die Nidhe Israel Synagoge und der jüdische Friedhof, erbaut 1654, beinhaltet die einzige Mikwe, das Ganzkörpertauchbad für die rituelle Reinigung von Personen und Gegenständen.
St. Mary‘s Church von 1825; schon 1660 wurde hier eine Kirche erbaut.
auf dem Weg zurück zum Schiff
Ziemlich verschwitzt kommen wir schließlich wieder beim Terminal an und genießen die Ruhe auf dem Schiff, bevor die Passagiere der gebuchten Touren wieder ankommen.
Abends kommen die angenehmen Temperaturen der Karibik voll zur Geltung: am Pooldeck werden jetzt abends Kinofilme auf der großen Leinwand gezeigt. Das macht in der Wärme sehr viel mehr Spaß. Der tropische Regenguss zwischendurch stört nicht, wenn man unter einem Dach sitzt.
Wir legen an unserer letzten Insel der Cruise an, in Philipsburg auf der niederländischen Seite der Insel St. Maarten/ St. Martin, die kleinste Landmasse auf der Welt, die zwei Staaten regiert wird.
Kolumbus sah sie als erster Europäer zuerst am 11. November 1493 und benannte sie nach dem Heiligen des Tages, St. Martin von Tours. Die Insel war schon viel früher entdeckt und bewohnt worden. Archäologen haben Siedlungsspuren entdeckt, die bis nach 2000 vor Christus zurückreichen!
Fast 200 Jahre nach Kolumbus’ Ankunft und nach einem 80 Jahre lang währenden Krieg mit den Niederländern gaben die Spanier die Insel auf, zu deren Territorium sie bis dahin gehörte. Niederländer und Franzosen ergriffen die Chance und kamen von den ihnen schon gehörenden jeweiligen Nachbarinseln.
Sie stritten sich erst einmal gehörig, sahen aber schnell ein, dass keine der beiden Parteien nachgeben würde und beschlossen die mehr oder weniger friedliche Koexistenz.
St. Maarten/ St. Martin ist bis heute als einzige Insel zweigeteilt, aber ohne sichtbare Grenze. Der südliche Teil gehört seit 2010 als autonomes Land dem Königreich der Niederlande an, ist aber nicht Teil der EU. Der nördliche Teil gehört seit 2007 zu Frankreichs Überseegebieten, die gemeinsam ein eigenes Département bilden und zur EU gehören. Bezahlt wird dort mit dem Euro. Davor war die Insel Teil der niederländischen Antillen.
Im 17. Jahrhundert begannen die holländischen Siedler mit der Salzgewinnung in dem Binnensee von Philipsburg und verschifften das weiße Gold nach Europa.
Den ‚salt pickers‘ wurde ein großes Deckmal am Binnensee gesetzt, der große Verkehrskreisel stellt den Binnensee dar, drauf die salt pickers.
Wir spazieren noch ein bisschen durch downtown, wo einige Straßen und Gassen immer noch holländische Namen tragen. Neben Englisch ist die zweite Amtssprache Niederländisch. Uns haben Einwohner erzählt, dass der obligatorische Niederländisch-Unterricht an den Schulen bereits vor acht oder zehn Jahren eingestellt wurde. Langsam wird es uns einfach zu heiß, wir brauchen eine Abkühlung.
Der Strand ist in weiten Teilen mit Sonnenschirmen und Strandliegen bestückt, beides wird gern im Paket mit einem Getränk und freiem wifi an die Amerikaner vermietet. Wir finden einen Teil des Great Bay Beach mit seinem feinen Sand für uns und genießen noch ein letztes Mal das tolle karibische Salzwasser. Es ist einfach zu schön, man möchte gar nicht mehr heraus aus dem Wasser.
Um das Vergnügen noch ein bisschen zu verlängern, gehen wir immer am Wassersaum zurück, solange es geht. Dann geht es zurück zum Schiff, etwas essen und auf den Sonnenliegen am Pool ausruhen.
Der Tag ist sehr, sehr warm, die Sonne scheint vom blauen Himmel auf uns herab. Es ist still auf dem Campingplatz, da alle mit Sack, Pack und Auto an den Strand gefahren sind. Da wollen wir auch noch hin, aber da wir weder Sonnenschirm noch Pavillon dabei haben, bleiben wir erst einmal im Schatten der Markise sitzen, genießen die Ruhe und lesen.
Als wir am Strand ankommen, sind die meisten anderen schon nicht mehr da. Das trifft sich gut, so müssen wir nicht so weit laufen, um unter uns zu sein.
Wir lagern bei den zwei westlichen Röhren, die als Peilstäbe für ein künstliches Riff dienen. Wenn man so im Wasser ist, dass die gestreifte hinter der gelben Röhre verschwindet, findet man das westliche Ende des Riffs.
Heute ist es zum Schnorcheln zu windig, keine gute Sicht unter Wasser, die gelbe Flagge weht. Das bedeutet hier ‚mittlere Gefahr‘: moderate Wellen, schwache Schwimmer sollten nicht ins Wasser gehen.
Wir sind die dänische Nordsee gewohnt, für uns sieht das Meer extrem einladend aus. Und im Gegensatz zur Nordsee ist das Wasser hier sehr warm. Schwimmen kann man nicht, dazu es es viel zu flach. Aber sich von den Wellen treiben lassen, ist klasse.
Wenn man aus dem Wasser heraus kommt, ist es quasi genauso warm mit einer leichten Brise. Wir fühlen uns wie in einer riesigen indoor-Anlage. Was für ein tolles Stückchen Erde!
Nachdem wir mehrmals im Wasser waren, machen wir uns auf den Rückweg zum Campingplatz. Der Parkplatz ist noch nicht leer, denn nun kommen alle die, die den Sonnenuntergang sehen wollen. Auch der Beach Pavillon füllt sich, dort scheint es ein Dinner mit Feuer im Kamin und vielen Leuten zu geben.
Wir sind noch etwas weiter westlich gezogen. Den Strand mit den Dünen und dem sugar sand haben wir beibehalten, ebenso das smaragdgrüne Wasser. Allerdings befinden wir uns inzwischen im Staat Alabama und campen in einem state park. Es ist herrlich hier, so viel ruhiger und so viel mehr Platz.
Der Campingplatz ist riesig und nimmt dabei nur einen kleinen Teil des state parks ein. Dieser umfasst Waldgebiete, Dünen und einen vier Meilen langen Strandabschnitt, drei Seen und viele trails zum Wandern und Fahrrad fahren.
Fahrräder zur Benutzung im state park kann man sich für drei Stunden kostenlos ausleihen. Leider gibt es keine Station in unserer unmittelbaren Nähe. Auf dem Bild ist im Hintergrund ein kleiner Teil des Campingplatzes zu sehen.
Wir wollen den Strand des state parks erkunden. Ein Weg führt über diesen Holzweg auf Stelzen. Der führt nicht nur über die Wasserläufe, sondern auch über das sumpfige Gebiet. Erhöht, damit man nicht unverhofft eine Begegnung mit einem Alligator macht.
Wenn der Highway überquert ist, führt der Weg an vielen, für die Amerikaner notwendigen Gebäuden vorbei, um den Besuch in der Natur angenehm zu machen: ein großer Parkplatz, ein Zentrum, in dem die Natur um einen herum erklärt wird, mehrere Unterrichtsräume, Toiletten und Duschen, ein Strandpavillion und weiteres.
Dieses Gebäude ist der Strandpavillion, in der Mitte ein völlig überdimensionierter offener Kamin.
Wie schon in Navarre Beach ist die Strandseite der Straße mit hohen Hoteltürmen bebaut, bis exakt zur Grenze des Naturparkgeländes. Wir sind uns sicher, dass sie weiterbauen würden, wenn der folgende Abschnitt nicht geschützt wäre.
Der Strand ist auch am Nachmittag noch gut besucht. Wir laufen so lange, bis wir den Zuckersand für uns alleine haben, setzen uns hin und genießen die Ruhe.
Das Meer hier ist etwas tiefer als an der Küste Floridas. Deshalb gibt es hier noch mehr Muscheln zu finden. Leider bleibt es wieder bei Bruchstücken. Diese Muschel war beinahe fußgroß.
Auf dem Rückweg fliegen ein paar Pelikane über uns rüber, faszinierende Vögel.
Wir fahren über den Santa Rosa Sound nach Navarre Beach. Eine sehr langgezogene Düne bzw. Insel schirmt den Sund vom Golf von Mexiko ab, sie heißt Okaloosa Island.
Die beiden äußeren Zipfel sind unbebaut und gehören zum Gulf Islands National Seashore. Der mittlere Teil ist ebenfalls fast unbebaut und gehört zur Eglin Air Force Base. Links und rechts davon alles bebaut. Allein die Hotel- und Ferienhausbebauung in Navarre Beach ist fast sechs Kilometer lang.
Dann aber kommen wir im unbebauten westlichen Bereich der Insel an. Die einzige Straße darf nur langsam befahren werden. Sie schlängelt sich durch die Dünen.
Irgendwann kommt ein Parkplatz, auf dem wir das Motorhome eventuell ein bisschen verkehrswidrig parken. Das Schild am Eingang war so klein, wir konnten nur lesen, dass RVs dort nicht halten dürfen. Das Motorhome wird rückwärts eingeparkt, sodass es so weit es geht über der Düne steht. So blockieren wir niemanden.
Die Schuhe lassen wir im Auto, denn es geht direkt auf den schneeweißen Sand. Wirklich schneeweiß, es ist reiner Quarz. Unsere Füße machen beim Gehen quietschende Geräusche. Es weht eine steife Brise aus Westen. Und das Wasser ist tatsächlich grün, smaragdgrün.
Wir finden sehr hübsche, rot gemusterte Fragmente von Muschelschalen, aber leider keine komplette. Sie müssen sehr groß werden, wenn man den Fuß mit dem Bruchstück vergleicht.
Zu Beginn ihres Wachstums sind sie kleiner als die Spitze meines kleinen Fingers. Auch später bleiben sie sehr dünnschalig und leicht.
Andere Muschelschalen sind kleiner und dicker. Sie haben ein Loch, was sie theoretisch zu hübschen Kettenanhängern macht. Die Geschichte dahinter kommt einem splatter movie nahe:
Eine Wasserschnecke mit einer langen Zunge, die mit tausenden rasiermesserscharfen Häkchen bestückt ist, bohrt zunächst die Muschelschale durch. Dann steckt sie die Zunge in die geschlossene Kalkhülle hinein und bewegt sie hin und her, wie die Messer in einem Mixer. Innen ist die Muschel sehr weich; in kurzer Zeit ist der lebendige Organismus in Muschelsuppe verwandelt, die die Schnecke dann aufsaugt.
Wir gehen lange in die eine Richtung und dann lange wieder zum Auto zurück, genießen den starken Wind, die Leere und den Meeresgeruch, bevor wir zurück fahren. Auf dem Sund sehen wir noch einen kite surfer, der die starke Brise nutzt.
Wir haben tolles Wetter hier unten, sonnig den ganzen Tag bei 23 Grad Celsius. Das kann man gut haben Anfang März. Eigentlich lesen wir den ganzen Tag draußen in der Sonne und machen sonst nicht viel.
Am frühen Abend gehen wir zum Fried Chicken Dinner in der örtlichen American Legion. Das ist eine Veteranenorganisation der Armee, die den Patriotismus in den USA stärken möchte.
Etliche Veranstaltungen sind öffentlich für Gäste. Donnerstags bieten sie hier auf Tybee immer Abendessen an. Man bezahlt am Eingang und bekommt ein Papierticket. Dann stellt man sich an, legt an der Ausgabestelle das Ticket in ein Körbchen und erhält im Gegenzug das Essen; auch jetzt noch in Styroporverpackung, genauso wie vor sechs Jahren. Anders als damals nehmen viele Menschen das Essen mit und fahren wieder nach Hause. Nur einige bleiben in der großen Halle und essen dort, so wie wir. Das liegt wahrscheinlich an Covid-19.
Heute gibt es ein halbes Huhn, deep-fried mit leckerer Kruste, sehr guter Kartoffelsalat und pikante heiße Bohnen, dazu noch ein Hefebrötchen mit Butter, wenn gewünscht und eine Flasche eiskaltes Wasser, und das alles für 13$ pro Person. Für dieses Preis-Leistungs-Verhältnis können wir den military-Kram gut für anderthalb Stunden ignorieren.
Wir kommen pappsatt, glücklich und zufrieden zum Campingplatz zurück. Dort erwartet uns dann der Schock, die Stromversorgung funktioniert nicht. Gar nicht. Und das wohl schon seit mehreren Tagen, in denen wir unwissend an der zweiten Batterie gehangen haben. Die ist nun leer. Glücklicherweise läuft der Kühlschrank auch mit Propan. Wir sind ziemlich verzweifelt, es ist dunkel draußen, keiner mehr da, Stressschmerzen machen sich in Kopf und Rücken breit. Wir gehen zu Bett und schlafen nicht gut.
Am nächsten Tag hält der Schrecken an. Bei Tageslicht geht es zunächst etwas besser los. Kay schließt das 12 V-Kabel an, mit dem betreiben wir den Wasserkocher für Kaffee. Dann ruft er den mobilen RV-repair an, da geht nur der Anrufbeantworter an und er ruft bis mittags nicht zurück. Der andere Typ, dessen Nummer wir bekommen, ist drei Wochen lang ausgebucht. Die Leute vom Campingplatz sind hilfsbereit, messen alles durch, der Fehler liegt bei uns und sie finden, dass unser Stecker kaputt ist.
Mittags nehmen wir die Sache selbst in die Hand. Der Campingstore hat einen 30V-Stecker zum Austauschen. Das probieren wir. Es dauert eine Stunde, bis wir den alten abgeschnitten und den anderen angeschlossen haben. Aber dann haben wir wieder Strom! Yeah!!
Nach einer Lunchpause machen wir uns zu Fuß auf den Weg zum IGA Supermarkt. Nach knapp zwei Stunden sind wir wieder zurück und … der Strom läuft nicht mehr! Ich glaub‘ es nicht. Wir sind am Boden!
Es folgen Telefonate mit dem Verleiher und mit dessen Elektriker. Kay bekommt mit seinen fernmündlichen Anweisungen den Generator zum Laufen. Der soll die zweite Batterie wieder aufladen. Den Generator dürfen wir aber nicht am Stellplatz laufen lassen. Der host für die Nacht bietet uns an, unser motorhome neben seinen Stellplatz ganz am Rand des Platzes zu parken und dort den Generator über Nacht laufen zu lassen. Den Aufwand scheuen wir im Dunkeln. Wir lassen uns den Gemeinschaftsraum aufschließen, um dort zu lesen, unsere Telefone aufzuladen und ein Beruhigungsbier zu trinken, bevor wir wieder frustriert zu Bett gehen.
Am nächsten Morgen hält man bei Tageslicht alles etwas besser aus, aber nichts wird besser. Merkwürdigerweise funktioniert unser Wasserkocher, der läuft über 120 V. So bekommen wir Kaffee bzw. Tee und Abwaschwasser. Nach einem Telefonat der Rezeption mit dem Management erhalten wir die Erlaubnis, den Generator am Stellplatz laufen zu lassen.
Der läuft dann anderthalb Stunden, mit genau null Effekt. Er ist laut, verbraucht Benzin, aber er lädt die Batterie nicht wieder auf. Wir rufen den Verleiher an, ob er einen Mechaniker gefunden hat, hat er nicht. Er meint, wir müssten zurück kommen, damit repariert werden kann. Das würden 900 Meilen (1500 km) und 13 bis 15 Stunden reine Fahrtzeit bedeuten. Wir gehen erst einmal an den Strand, um alles durchzusprechen.
Zurück auf dem Campingplatz bekommen wir noch einmal Hilfe von unserer derzeitigen Nachbarin Margie, die Ersatz-Autosicherungen an Bord hat. Vielleicht sind ja nur die Sicherungen durch, vielleicht liegt es an so einer kleinen Kleinigkeit. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Ein weiterer Nachbar entpuppt sich als ehemaliger Army-Elektriker. Er misst alles durch und schließt ein loses Kabel wieder an. Dann tauscht er die Sicherungen aus. Fumpp!!! Und wieder durchgebrannt. Die ganze eingebaute Stromeinheit ist anscheinend hinüber. Etwas später funktioniert auch der Wasserkocher nicht mehr.
Wir beschließen dann schnell, morgen zurückkehren. Ein Anruf beim Verleiher ergibt, dass sie ein anderes Motorhome für uns haben, das wir bei Rückgabe des alten gleich (bedeutet auf amerikanisch zumindest am selben Tag, einige Stunden später) übernehmen werden können. Wir stornieren unsere Campingplatz-Reservierungen für die nächsten vier Tage und werden versuchen, die Mehrkosten vom Verleiher zurück zu bekommen. Wir packen ein bisschen, bereiten uns vor auf eventuelles Durchfahren und werden sehen, was uns erwartet.
Es hilft nichts. Irgendwie müssen wir noch einmal nach Tybee Island zurück kommen. Der Aufenthalt war zu kurz und viel zu stressig.
Die Fahrt von Myrtle Beach nach Tybee Island verläuft ohne Komplikationen, wenngleich auf einer anderen Strecke als gedacht. Man darf einfach nicht zu viele Optionen ins Navigationsgerät eingeben.
Auf dem Weg halten wir an dem Geschäft der Carolina Cider Company an. Die kannten wir schon vom letzten Mal. Hier gibt es richtig guten Obstsaft und Konfitüre ohne Zusatzstoffe zu kaufen. Wir haben ja einen großen Kühlschrank an Bord.
Dann geht es weiter, in Savannah kaufen wir noch einmal Lebensmittel ein, damit wir das Wohnmobil möglichst nicht von der Insel wegbewegen müssen. Hinter Savannah geht es über viele Brücken den Highway 80 bis nach Tybee Island.
River’s End Campgound liegt am nördlichen Ende der Insel. Es ist, als kämen wir nach Hause. Und alles ist (fast) so wie beim letzen Mal vor sechs Jahren. Sogar einige Mitarbeiterinnen sind noch hier, die sich freuen, uns wieder zu sehen.
Auch am Strand ist es wieder wunderbar, auch wenn es noch kalt und windig ist. Der Leuchtturm steht natürlich immer noch so da, wie vor 230 Jahren. Der ursprüngliche Turm wurde bereits 1736 erbaut, als erstes öffentliches Gebäude überhaupt in Georgia. Heute ist er einer der berühmtesten Leuchttürme an der Ostküste der Vereinigten Staaten.
Das Wetter verbessert sich in den nächsten Tagen deutlich, unser Verhältnis zum motorhome dagegen nicht. Zum ersten Eindruck eines ramponierten Inneren gesellen sich diverse andere Mängel, die nach und nach zu einer mittleren Katastrophe kumulieren. Zuerst wollen wir die Markise ausfahren. Wir haben das Vorgehen bei der Einweisung kurz gezeigt bekommen. Da wir es nicht wirklich hinbekommen, holen wir uns Hilfe von den camping hosts, Freiwilligen, die auf dem Platz arbeiten und im Gegenzug verbilligt stehen dürfen. Dann ist die Markise ausgefahren, sieht ganz prima aus, obwohl die hosts schon leise über die Qualität fluchen.
Leider rauscht uns die eine Seite sofort wieder ab, als ich auf die Toilette gehe. Eine kleine Schaukelbewegung des Autos und schon rutscht der Sicherungsbolzen aus seiner Verankerung. Da sich die eine Seite nicht sichern lässt, brauchen wir sicherheitshalber alles wieder ab und verzichten lieber auf Schatten. Wir sind ziemlich sauer und schicken eine lange Mängelliste an den Verleiher. Darauf kommt natürlich keine Antwort. Am Abend lässt sich das Licht nicht einschalten, der Strom ist weg. Nach einer kleinen Panikattacke schalten wir die Hilfsbatterie ein und haben wieder Strom. Noch wissen wir nicht, was das für Konsequenzen haben wird. Glücklicherweise!
Am nächsten Tag entspannen wir uns und lesen viel. Am Strand gibt es einen kleinen Bücherschrank, und auch im Regal des Campgrounds werden wir fündig.
Abends geht es ins Kino. Im Tybee Post Theater steht Spiderman: no way home auf dem Programm. Es gibt salziges Popcorn und Cola zum sehr unterhaltsamen Film.
Wir freuen uns, dass wir wieder hier auf der Insel sind. Wir sind für eine Woche eingebucht, anschließend wird es nach Florida weitergehen.
Ende Januar wird immer noch daran gearbeitet, die aufwendige Weihnachtsbeleuchtung in allen Orten anzubauen. Die Lichter leuchteten am 10. Januar das letzte Mal. Zwischenzeitlich hatten wir schon überlegt, ob die Lichterketten einfach hängen bleiben, zumindest die in den Bäumen. Aber nein, so nach und nach kommen Arbeiter und klettern auf Leitern oder kleinen Hubwagen hoch und takeln ab. Es scheint hier nur eine Firma zu geben, erkennbar an ihren Sweatshirts. Wenn sie alles erledigt haben, können sie wohl schon wieder von vorne beginnen. Irgendetwas wird hier immer gefeiert.
Blick aus dem Hotel, 2. Stock
Die Weihnachtsdekorationen waren etwas schneller wieder verpackt. Nun könnte man den bandstand im Ort auch wieder nutzen. Aber im Winter ist es den Leuten hier mit 17 Grad einfach zu kalt und manchmal auch zu naß , um sich draußen zu treffen.
10.12.202110.01.202227.01.2022
Rund um den Hafen verstärken sich die Aktivitäten. An den Schuppen wird gehämmert und gesägt. Und schwups, da steht ein neuer Schuppen rechts von den anderen; und es sieht aus, als wäre er schon immer da gewesen.
17.01.202228.01.2022
Beim Vergleich der Bilder bemerkt man auch, dass die vielen kleinen Boote doch bewegt werden. Es werden auch wieder mehr zu Wasser gelassen. Die an Land verbleibenden werden neu gestrichen.
24.01.202226.01.2022, Boot wird abgeslippt27.01.202228.01.2022
Wir wandern regelmäßig zur Praia Formosa, trinken einen Espresso und starren eine halbe Stunde auf den Atlantik und in die Sonne, bevor es wieder zurück geht. Nach dem Sturm kommen wieder vermehrt Menschen an den Strand. Es wird auch wieder gebadet. Einige bauen immer mal mit an dieser Skulptur:
17.01.2022, noch nichts20.01.202221.01.202224.01.202228.01.2022
Der seit gut einer Woche die Insel umbrausende Sturm hat sich endlich verzogen. Irgendwann hat man alle atemberaubend hohen Brecher mehrmals fotografiert. Auf unseren Spaziergängen entlang der Küste zur Praia Formosa nahmen wir zwischenzeitlich die Regenjacken mit, gegen die über die Wege schlagenden Brecher und gegen den Wind an den Außenplätzen des Cafés.
Der Sturm hat an der Praia Formosa ordentlich Strandsubstanz mitgenommen und eine richtig hohe Abbruchkante hinterlassen.
10.01.202221.01.2022Praia Formosa, Funchal
An Baden im Atlantik war in der letzten Woche nicht zu denken. Andere Strandgänger haben die Chance genutzt, aus dem Treibgut etwas zu bauen und zu ergänzen.
20.01.202221.01.2022Finde die Unterschiede!
Es blieb die ganzen Tage trotz heftigen Sturms warm bei 19 Grad. Die Einheimischen bleiben dabei, es ist Winter und wirklich kalt, sie tragen Pudelmützen. Doch jetzt können wir seit zwei Tagen wieder auf der Außenterrasse des Hotels frühstücken, den Sekt in der Sonne genießen und anschließend die Sonnenliegen am Pool nutzen. Das Thermometer steigt wieder und der Wind schläft ein. Das Wasser im Pool ist allerdings noch eiskalt.
Hotel Pestana Churchill Bay
Auch die Fischer lassen ihre Boote wieder ins Hafenbecken und fahren hinaus zum Fischen. Andere bleiben an Land und schneiden Napfschnecken (patella candei) von den nun wieder zugänglichen Felsen im Hafenbecken. Die lapas (auf portugiesisch) stehen in allen Restaurants als Vorspeise auf den Speisekarten. Man isst sie wie Austern. Wir haben uns noch nicht an sie heran angetraut.
an der Bucht von Câmara de Lobos
Es gibt auch wieder Sonnenuntergänge zu sehen. Sie sind jedoch noch nicht wieder so schön wie im Dezember.
Freitag Sonnabendam Strand von Câmara de Lobos, gegen halb sieben Uhr abends