Der Tag ist sehr, sehr warm, die Sonne scheint vom blauen Himmel auf uns herab. Es ist still auf dem Campingplatz, da alle mit Sack, Pack und Auto an den Strand gefahren sind. Da wollen wir auch noch hin, aber da wir weder Sonnenschirm noch Pavillon dabei haben, bleiben wir erst einmal im Schatten der Markise sitzen, genießen die Ruhe und lesen.
Als wir am Strand ankommen, sind die meisten anderen schon nicht mehr da. Das trifft sich gut, so müssen wir nicht so weit laufen, um unter uns zu sein.
Wir lagern bei den zwei westlichen Röhren, die als Peilstäbe für ein künstliches Riff dienen. Wenn man so im Wasser ist, dass die gestreifte hinter der gelben Röhre verschwindet, findet man das westliche Ende des Riffs.
Heute ist es zum Schnorcheln zu windig, keine gute Sicht unter Wasser, die gelbe Flagge weht. Das bedeutet hier ‚mittlere Gefahr‘: moderate Wellen, schwache Schwimmer sollten nicht ins Wasser gehen.
Wir sind die dänische Nordsee gewohnt, für uns sieht das Meer extrem einladend aus. Und im Gegensatz zur Nordsee ist das Wasser hier sehr warm. Schwimmen kann man nicht, dazu es es viel zu flach. Aber sich von den Wellen treiben lassen, ist klasse.
Wenn man aus dem Wasser heraus kommt, ist es quasi genauso warm mit einer leichten Brise. Wir fühlen uns wie in einer riesigen indoor-Anlage. Was für ein tolles Stückchen Erde!
Nachdem wir mehrmals im Wasser waren, machen wir uns auf den Rückweg zum Campingplatz. Der Parkplatz ist noch nicht leer, denn nun kommen alle die, die den Sonnenuntergang sehen wollen. Auch der Beach Pavillon füllt sich, dort scheint es ein Dinner mit Feuer im Kamin und vielen Leuten zu geben.
Wir sind noch etwas weiter westlich gezogen. Den Strand mit den Dünen und dem sugar sand haben wir beibehalten, ebenso das smaragdgrüne Wasser. Allerdings befinden wir uns inzwischen im Staat Alabama und campen in einem state park. Es ist herrlich hier, so viel ruhiger und so viel mehr Platz.
Der Campingplatz ist riesig und nimmt dabei nur einen kleinen Teil des state parks ein. Dieser umfasst Waldgebiete, Dünen und einen vier Meilen langen Strandabschnitt, drei Seen und viele trails zum Wandern und Fahrrad fahren.
Fahrräder zur Benutzung im state park kann man sich für drei Stunden kostenlos ausleihen. Leider gibt es keine Station in unserer unmittelbaren Nähe. Auf dem Bild ist im Hintergrund ein kleiner Teil des Campingplatzes zu sehen.
Wir wollen den Strand des state parks erkunden. Ein Weg führt über diesen Holzweg auf Stelzen. Der führt nicht nur über die Wasserläufe, sondern auch über das sumpfige Gebiet. Erhöht, damit man nicht unverhofft eine Begegnung mit einem Alligator macht.
Wenn der Highway überquert ist, führt der Weg an vielen, für die Amerikaner notwendigen Gebäuden vorbei, um den Besuch in der Natur angenehm zu machen: ein großer Parkplatz, ein Zentrum, in dem die Natur um einen herum erklärt wird, mehrere Unterrichtsräume, Toiletten und Duschen, ein Strandpavillion und weiteres.
Dieses Gebäude ist der Strandpavillion, in der Mitte ein völlig überdimensionierter offener Kamin.
Wie schon in Navarre Beach ist die Strandseite der Straße mit hohen Hoteltürmen bebaut, bis exakt zur Grenze des Naturparkgeländes. Wir sind uns sicher, dass sie weiterbauen würden, wenn der folgende Abschnitt nicht geschützt wäre.
Der Strand ist auch am Nachmittag noch gut besucht. Wir laufen so lange, bis wir den Zuckersand für uns alleine haben, setzen uns hin und genießen die Ruhe.
Das Meer hier ist etwas tiefer als an der Küste Floridas. Deshalb gibt es hier noch mehr Muscheln zu finden. Leider bleibt es wieder bei Bruchstücken. Diese Muschel war beinahe fußgroß.
Auf dem Rückweg fliegen ein paar Pelikane über uns rüber, faszinierende Vögel.
Wir fahren über den Santa Rosa Sound nach Navarre Beach. Eine sehr langgezogene Düne bzw. Insel schirmt den Sund vom Golf von Mexiko ab, sie heißt Okaloosa Island.
Die beiden äußeren Zipfel sind unbebaut und gehören zum Gulf Islands National Seashore. Der mittlere Teil ist ebenfalls fast unbebaut und gehört zur Eglin Air Force Base. Links und rechts davon alles bebaut. Allein die Hotel- und Ferienhausbebauung in Navarre Beach ist fast sechs Kilometer lang.
Dann aber kommen wir im unbebauten westlichen Bereich der Insel an. Die einzige Straße darf nur langsam befahren werden. Sie schlängelt sich durch die Dünen.
Irgendwann kommt ein Parkplatz, auf dem wir das Motorhome eventuell ein bisschen verkehrswidrig parken. Das Schild am Eingang war so klein, wir konnten nur lesen, dass RVs dort nicht halten dürfen. Das Motorhome wird rückwärts eingeparkt, sodass es so weit es geht über der Düne steht. So blockieren wir niemanden.
Die Schuhe lassen wir im Auto, denn es geht direkt auf den schneeweißen Sand. Wirklich schneeweiß, es ist reiner Quarz. Unsere Füße machen beim Gehen quietschende Geräusche. Es weht eine steife Brise aus Westen. Und das Wasser ist tatsächlich grün, smaragdgrün.
Wir finden sehr hübsche, rot gemusterte Fragmente von Muschelschalen, aber leider keine komplette. Sie müssen sehr groß werden, wenn man den Fuß mit dem Bruchstück vergleicht.
Zu Beginn ihres Wachstums sind sie kleiner als die Spitze meines kleinen Fingers. Auch später bleiben sie sehr dünnschalig und leicht.
Andere Muschelschalen sind kleiner und dicker. Sie haben ein Loch, was sie theoretisch zu hübschen Kettenanhängern macht. Die Geschichte dahinter kommt einem splatter movie nahe:
Eine Wasserschnecke mit einer langen Zunge, die mit tausenden rasiermesserscharfen Häkchen bestückt ist, bohrt zunächst die Muschelschale durch. Dann steckt sie die Zunge in die geschlossene Kalkhülle hinein und bewegt sie hin und her, wie die Messer in einem Mixer. Innen ist die Muschel sehr weich; in kurzer Zeit ist der lebendige Organismus in Muschelsuppe verwandelt, die die Schnecke dann aufsaugt.
Wir gehen lange in die eine Richtung und dann lange wieder zum Auto zurück, genießen den starken Wind, die Leere und den Meeresgeruch, bevor wir zurück fahren. Auf dem Sund sehen wir noch einen kite surfer, der die starke Brise nutzt.
Der KOA-Campingplatz liegt in einem Waldstück und wird gerade in Teilen neu angelegt. Trotzdem ist es hier wunderbar ruhig. Das Badehaus befindet sich gleich nebenan.
Bevor es an den berühmten Strand (The Great Strand, feinster Pudersand auf 100 km Länge!) geht, müssen wir erst einmal etwas Wäsche waschen. Jeder Campingplatz hier hat immer eine laundry (im Gebäude auf dem Foto) mit richtig großen, um nicht zu sagen riesigen Waschmaschinen und Trocknern. Alle Maschinen arbeiten mit Quarters, 25 Cent-Münzen. Daher gibt es auch meistens einen Wechselautomaten. Unsere Ladung wird in einen Toplader versenkt. Hier kommen die Münzen side by side in den Schlitten, immer zwei Münzen in einen Schlitz, dann den Schlitten mit Kraft in die Maschine schieben. Beim Trockner steckt man die Münzen jedoch einzeln in die Schlitze. Wie gut, dass wir immer hilfreiche Menschen treffen, die uns den Gebrauch erklären können.
Die Waschmaschine benötigt nur 20 Minuten, der Trockner noch einmal 45 Minuten. Kay kocht eine weitere Kanne Kaffee, und wir verbringen die Wartezeit vor dem Gebäude in der Sonne. Das Dings auf dem Foto ist übrigens ein Outdoor-Aschenbecher, Kippe oben rein und gut. Die stehen hier überall herum. Es gibt noch eine Menge Menschen, die rauchen.
Anschließend machen wir uns, zu Fuß natürlich (wir sind die einzigen), auf, den Farmer‘s Market in der Mr. Joe White Avenue zu besuchen. Im Prospekt, den ich im laundry-Haus fand, war er als Attraktion angekündigt. Wir gehen eine Dreiviertelstunde an der Hauptstraße entlang bis in den Norden der Stadt nach downtown. Der Markt findet aber wohl zur in der Saison am Sonnabend statt, es ist alles leer dort.
Wir gehen von dort aus direkt zum Strand und gehen auf dem Broadwalk entlang Richtung Süden. Auf diesem knapp zwei Kilometer langen Abschnitt befindet sich die Amüsiermeile von Myrtle Beach, viel los ist hier natürlich noch nicht. Zuerst geht es an vielen Restaurants vorbei, hier besteht der Weg aus mosaikartig verlegten Holzbohlen.
Etwas später schlängelt sich die Promenade als Betonweg durch angelegte Beete. Links von uns ist der Strand, rechts von uns die großen Hotels, in deren gewärmten Pools die Kinder kreischen. Draußen ist es frisch, die meisten Menschen haben nur Sweatshirts und Jogginghosen an, oder kurze Hosen, und frieren offensichtlich. Wir laufen in dickeren Jacken herum. Ein Mann aus Minnesota, der ähnlich wie wir gekleidet ist, spricht uns an ob des kühlen Wetters. Er erklärt uns, dass es hier unten im Süden gar keine winterliche Outdoor-Bekleidung in den Läden zu kaufen gibt, nichts gefüttertes oder daunengefülltes. Das Wetter ist hier gerade ungewöhnlich kühl.
Das finden wir etwas später auch und gehen am Strand entlang bis zum Withers Swash. Dieser kleine Wasserlauf lässt sich nicht auf der Strandseite überqueren. Wir müssen zurück zur Straße. Wir durchqueren den Family Kingdom Amusement Park, einer der größten hier in Myrtle Beach, der sich links und rechts um den Flusslauf ausbreitet. Vieles ist schon neu gestrichen, aber es ist noch nichts geöffnet, wir sind in der Vorsaison hier. Das letzte Mal war auch alles geschlossen, da waren wir nach der Saison da, und es sah nicht so schön aus wie jetzt.
Am nächsten Tag gehen wir trotz des leichten Nieselregens nachmittags zum Strand, um fossilierte Haifischzähne zu suchen. Wir machen uns nicht viel Hoffnung, denn die Sicht ist nicht gut. Aber wir werden fündig, mit mehr Zähnen als gedacht. Die Farbe dieser schwarzen Zähne zeigt, dass die Zähne mindestens 10.000 Jahre alt sind.
Als wir ziemlich nass vom Regen sind, geht es zurück zum Aufwärmen in unser motorhome. Die Heizung funktioniert sehr gut. Mit der übrigen Bettwäsche (wir haben unsere eigene mit, aber auch die des Verleihers) haben wir inzwischen das Interieur etwas aufgehübscht. Morgen geht es wieder on the road, weiter nach Süden, der Sonne entgegen.
Calheta ist als Badeort und für die vielfältigen Wassersportarten bekannt. Bei unserem Besuch im Januar ist davon natürlich nicht viel zu sehen. Die Schiffe in der Marina dümpeln so vor sich hin. Ein einsamer Surfer versucht, den Sturmböen zu trotzen. Wasser und Luft haben beide ähnliche Temperaturen um 20 Grad herum, also baden auch (wenige) Menschen.
Damit hier an der schroffen Küste überhaupt ein Badeort entstehen konnte, musste eine Menge bewegt werden. Für die beiden Badebuchten wurden zunächst zwei Molen gebaut, bevor die Strände angelegt werden konnten. Der Sand dafür kam aus Marokko (Saharasand) und vom portugiesischen Festland. Madeira selbst hat keine natürlichen Sandstrände. Auf der Promenade zwischen beiden Buchten stehen im Sommer die Sonnenliegen, in Coronazeiten sind die Standorte mit blauen Abstandspunkten genau markiert.
Im Hintergrund schließt sich die Marina mit Restaurants und Servicegebäuden an. Den Abschluss bildet ein kleiner Park, unter dem sich eine große Tiefgarage für die sommerlichen Badegäste von weiter her befindet. An der Küste gibt es nur zwei große Hotels und einen unglaublich gut sortierten Supermarkt.
Der alte Ortskern zieht sich entlang der wasserführenden Schlucht Ribeira da Calheta in die Höhe. Die Zeiten des wirtschaftlichen Erfolgs mit Zuckerrohr sind schon sehr lange vorbei. Zuckerrohr wurde im 15. Jahrhundert von Sizilien aus nach Madeira eingeführt, da hier ideale Bedingungen für den Anbau herrschten.
Die gesamte Bevölkerung profitierte schnell vom wirtschaftlichen Erfolg. In den Kirchen kann man den damaligen Reichtum noch erkennen. Heute gibt es nur noch sechs arbeitende Zuckermühlen auf der Insel, eine davon steht in Calheta. Als es mit dem Zuckerrohranbau immer mehr bergab ging, schlossen sich hier mehrere kleine Mühlen (Engenhos) genossenschaftlich zur Sociedade dos Engenhos da Calheta zusammen.
Die Zuckermühle, man kann sie besichtigen, arbeitet immer noch mit den alten Maschinen, die inzwischen aber nicht mehr mit Dampf, sondern mit Strom betrieben werden.
Die Ernte und Verarbeitung findet zwischen Mitte März und Ende April statt. Anschließend wird Zuckerrohrschnaps/Rum und Sirup hergestellt. Der durchsichtige Zuckerrohrschnaps aguardente wird durch Reifung in Holzfässern zu Rum, dem einzigen Rum, der in Europa hergestellt wird.
In der Probierstube kann man gegen ein kleines Entgelt probieren und bei Gefallen auch kaufen. Den Rum kennen wir schon, er ist exzellent, wenn er viele Jahre gereift ist. Der Aguardente, man kann das Wort als Feuerwasser übersetzen, macht seinem Namen alle Ehre. Er riecht nicht gut und schmeckt noch schlimmer. Der Zuckerrohrsirup ist Bestandteil des bolo de mel, die uns so gut schmecken. Wir nehmen beides mit, den Alkohol lassen wir hier.
In einem Schauraum, sie nennen es Museum, werden Geräte ausgestellt, die während der verschiedenen Phasen der Ernte und Verarbeitung genutzt werden. Ein Film erzählt die Geschichte der Mühle.
Heutzutage dominiert nicht mehr der Zuckerrohranbau, sondern Weizen- und Weinanbau. Die kleinen weißen Bauten zwischen den Weinstöcken auf dem zweiten Foto sind ehemalige Zweckbauten und dienen nun als Zimmer des Naturhotels Socalco. Im Bildvordergrund wachsen Mandarinen.
Gleich neben der Zuckermühle steht die Igreja do Espírito Santo aus dem 15. Jahrhundert (um 1430), eine der ersten Kirchen, die auf Madeira gebaut wurden. Wie die Kathedrale in Funchal findet sich hier in der Deckengestaltung der maurische Baustil wieder, der auch auf der iberischen Halbinsel zu finden ist.
Das jetzige Aussehen stammt aus dem 18. Jahrhundert.Die Holzdecken im Kirchenschiff und im Altarraum ist im mudujar-Stil gestaltet.Die sakralen Gegenstände auf dem Altar sind Repliken, die Originale stehen im Museum.Die portugiesischen Fliesen stammen aus dem 18. Jahrhundert.Die große Holzskulptur des „Letzten Abendmahls“ in Lebensgröße datiert aus dem 17. Jahrhundert.Igreja do Espírito Santo, Calheta