Halifax/ Nova Scotia, Kanada, cruise day 14, part three: Sehenswürdigkeiten (Anthem, Oktober 2023)

Nach dem ausgiebigen Besuch des Parks suchen wir die naheliegende Haltestelle des HopOn-HopOff-Busses und fahren eine Station weiter bis zur Zitadelle.

Es ist kurz nach 12 Uhr mittags und wir haben das tägliche Abfeuern der Kanone gerade verpasst, sehen aber noch den Rest des Wachwechsels.

Das Wetter ist inzwischen so toll sonnig und warm, dass wir die Zitadelle nicht besichtigen, sondern einmal um sie herumlaufen, um die Ausblicke zu genießen, bevor es zu Fuß wieder zum Hafen gehen wird. Das Bild zeigt die Halifax Town Clock, die schon seit 1803 die Zeit am Fort George anzeigt.

Auf dem Weg zu Wasser kommen wir an der Art Gallery of Nova Scotia vorbei, in der viele Werke von Maud Lewis zu sehen sind. Auch ihr komplettes Haus (es war nicht groß, nur zwei kleine Räume) steht im Museum. Sie ist eine der beliebtesten folk artists Kanadas. Übrigens umfasst der Begriff ‚Volkskunst’ auch Bereiche wie Shantys, Blues und Graffiti. Trotzdem gehen wir nicht ins Museum. Das Wetter ist einfach so unerwartet toll und der Aufenthalt an der Sonne entschädigt uns ein bisschen für die ausgefallenen Badefreuden auf Bermuda.

Am Wasser verläuft der Boardwalk, insgesamt auf einer Länge von fast drei Kilometern. Einen kleinen Teil davon spazieren wir in Richtung Schiff. Dabei sehen wir viele interessante Bau- und Kunstwerke:

Doch als wir wieder am HopOn-HopOff-Bus ankommen, beschließen wir, noch ein drittes Mal loszufahren. Wir steigen wieder an der St. Mary‘s Basilica aus und gehen diesmal in die andere Richtung.

Es ist nur noch wenige Tage bis Halloween und viele Vorgärten sind aufwändig geschmückt. Auf dem alten Friedhof, 1749 eingerichtet, wurden bis 1844 mehr als 10.000 Personen aus allen Kreisen der Bevölkerung bestattet.

Hier liegen erste europäische Siedler und Ureinwohner (Mi’kmaq), Loyalisten und Einwohner afrikanischer Eltern friedlich nebeneinander. Das strahlende Sonnenwetter und der morbide Charme des Platzes lädt zum Foto-Shooting ein.

Wir kommen am Government House vorbei, der Residenz des Lieutenant Govenor of Nova Scotia. King Charles übernachtet hier natürlich auch, wenn er zu Besuch ist. Er ist ja nun auch Oberhaupt des Commonwealth of Nations.

Der Guide im Bus sprach [lef‘tenent] so nuschelig aus, dass ich zunächst immer nur left-handed verstand, und mir überlegte, warum sie nur Linkshänder als Gouverneur eingesetzt haben.

Die Architektur in downtown ist sehr vielfältig. Es gibt noch einige Häuser, die ihre viktorianische Fassade behalten haben.

Die Initiative Gritty to Pretty sorgt dafür, dass häßliche Häuserwände durch Fassadenmalereien verschönert werden. Dafür gibt es sogar eine extra Tour, die wir bestimmt beim nächsten Besuch in Halifax machen werden.

Es ist Sonntag, das Wetter ist super und am Boardwalk am Hafen tummeln sich inzwischen viele Kinder in mehr oder weniger gruseliger Verkleidung.

Unser Schiff liegt gegenüber der kleinen Georges Island, die während der Grand Dérangement/ Great Upheaval als Gefängnis für mehr als 10.000 Menschen genutzt wurde.

Die Insel Nova Scotia hieß vor 1713 L‘Acadie und gehörte zu Frankreich. Die meisten Acadianer verließen ihre Heimat, als die Insel an England ging und zogen auf französisches Gebiet, z.B. in das heutige Louisiana. Die verbliebenen mehr als 10tausend Menschen wurden als Gefahr für die englische Bevölkerung gesehen und ab 1755 gewaltsam deportiert. Die Hälfte starb dabei auf See oder später an Hunger und Krankheiten.

Am Ende (oder auch am Anfang, je nachdem) des Boardwalk kommen wir an der Skulptur „The Emigrant“ vorbei, die gegenüber des Canadian Museum of Immigration at Pier 21 steht. Hier in Halifax kamen in den 1930ern bis 1950ern sehr viele Immigranten aus Europa an, um in Kanada ein neues, besseres und hoffentlich erfolgreicheres Leben zu beginnen.

Doch wir sind inzwischen hungrig und erschöpft. Im Terminalgebäude stromern wir noch ein bisschen durch das Shoppingangebot. Bei 23 Grad Außentemperatur Weihnachtsdekoration anzusehen, hat auch was. Wir gehen dann zügig wieder aufs Schiff und essen kurz etwas, bevor wir uns dann bis zum Abendessen ausruhen.

Nach der abendlichen Show sind wir mit dem Schiff inzwischen so weit gefahren, dass wir uns dem US-amerikanischen Staatsgebiet nähern. Die Einfahrt wird lautstark mit thematisch passenden Hits, kostenlosem Sekt und dem Drop-down von hunderten blauen, roten und weißen Ballons gefeiert. In der Nacht wird die Uhr noch einmal zurückgestellt, eine Stunde mehr zum Partymachen.

Santa Cruz de Tenerife/ Teneriffa, cruise day 7 (Anthem, Oktober 2023)

Mal eben kurz schlafen und schon sind wir eine Insel weitergehüpft. Wir besuchen heute die Hauptstadt von Teneriffa. Diesmal gehen wir mit Sonnencreme eingecremt und einem Sonnenhut auf dem Kopf von Bord.

Es werden im Laufe des Tages 26 Grad und es ist schon vormittags sehr warm. Wir folgen der blauen Linie auf dem Boden, die uns raus aus dem Hafengebiet inklusive Marina und hin zur Brücke über die Stadtautobahn führt.

Schon sind wir quasi mitten drin in der Innenstadt, auf der Plaza de España. Wir wollen aber nicht shoppen, sondern wenden uns lieber wieder dem Wasser zu. Dort ist eine neue Esplanade für Fußgänger und Radfahrer angelegt worden, mit Sportmöglichkeiten und noch kleinen Bäumen, die nicht so viel Schatten geben.

Ich bin sehr froh über meinen Sonnenhut. Die Tourisinformation an der Plaza de España hat geschlossen, wir gehen ohne Stadtplan und sonstige Orientierung einfach immer geradeaus und wollen uns überraschen lassen. (Überraschend ist dann eher später, was wir alles nicht gesehen haben, wenn man sich bei Wikipedia umschaut!)

Wir sehen die Hauptkirche von Santa Cruz, die Nuestra Señora de la Concepción, immerhin von hinten.

An den Überresten eines alten Forts, das als solches nicht mehr zu erkennen ist (Gut, dass es entsprechende Hinweisschilder gibt.), zieht uns ein imposantes weißes Gebäude wie magisch an.

Es ist ein Kongress- und Konzerthaus, das Auditorio de Tenerife Adán Martín (2003) des Architekten Santiago Calatrava. Wir finden das Bauwerk wunderschön, es glitzert in der Sonne wie ein Juwel. Dieser Effekt wird durch die Millionen Bruchstücke von weißen Kacheln erzeugt. Wir fotografieren es aus allen Blickrichtungen und schlendern über den großen, das Gebäude umgebenden Platz.

Das Grundstück reicht mit der einen Ecke bis in den Atlantik hinein, so wirkt es. Wenn man bis dorthin geht, sieht man die Steine der Befestigung, die mit Bildern bekannter Musiker und Komponisten aus allen Epochen bemalt sind.

Die mit Holzlamellen verzierten Fensterelemente lassen sich komplett aufklappen, um leichte Brisen durchzulassen. Das Café im Foyer erhält auf diese Weise ganz einfach eine Außenterrasse, auf der wir bei einem Espresso Pause machen, bevor es weiter geht.

Kunst auf dem Vorplatz zum Konzerthaus. Im Hintergrund sind die beiden 120 Meter hohen Zwillingstürme Torres de Santa Cruz (2006) zu sehen. Entworfen von Julián Valladares Hernández sind in den 35 oberirdischen Stockwerken zumeist Wohnungen, in den unteren Stockwerken auch Büroräume zu finden.

Wir gehen wir am neuen Schwimmbadareal mit Meerwasser vorbei (Parque Marítimo Cesar Manrique), bis wir am Palmetum ankommen, ein Botanischer Garten, der sich auf Palmengewächse spezialisiert hat.

In der Bildmitte das Centro Internacional de Ferias y Congresos (Internationales Messe- und Kongresszentrum), eröffnet im Jahr 1996, ebenfalls entworfen von Santiago Calatrava.

Wir gehen die Wendeltreppe hoch und schlendern die Wege im Uhrzeigersinn entlang. An den Miradouros gibt es tolle Ausblicke auf das Meer, es riecht überall gut und die Pflanzen sind sehr sehenswert.

In der Mitte gibt es das Octogon, ein Regenwald-Areal ohne Dach obendrüber. Es gibt zwar eine entsprechende Konstruktion, die ist aber nur mit Netzen bespannt.

Wir füllen die Wasserflaschen auf, bevor es wieder auf den Rückweg geht. Diesmal wollen wir durch die Häuserschluchten hindurch. Wir überqueren einen Teil der Stadtautobahn, kommen am riesigen Busbahnhof vorbei; eine Brücke führt uns über den Barranco de Santos

… und schließlich landen wir in einer schmalen Einkaufsstraße, die uns zurück in die Fußgängerzone führt. Dort sind wir schon bald wieder an der Plaza de la Candelaria, ruhen uns noch einmal aus und nutzen die schnelle Telefonverbindung.

Die blaue Linie führt uns wieder zum Anleger zurück, wir müssen uns nach dem langen Aufenthalt in der Sonne dringend ausruhen.

Wir laufen vor dem Abendessen aus und können die Stadt noch einmal im Überblick sehen.

Nach den Landgängen freuen wir uns nun auf ein paar zusammenhängende Seetage.

Pre cruise day: Southampton im Herbst (Oktober 2023)

Nach einer guten Nacht machen wir uns auf den Weg, um irgendwo zu frühstücken. Die erste Bäckerei verkauft leider keinen Kaffee, in der zweiten dürfen wir uns nicht hinsetzen, dann geht es eben auf die High Street. Dort haben trotz des Sonnabends einige Banken offen und wir versuchen unser Glück, die alten Pfundscheine doch noch zu wechseln. In der ersten Bank sind sie sehr freundlich, haben aber an dem Tag gar kein Bargeld da und verweisen uns an die Post schräg gegenüber. Dort sind sie sehr freundlich, doch wechseln dürfen sie auch nur, wie schon zuvor bei der Bank, wenn wir ein Konto in Großbritannien hätten. Auf dem Weg zum auserkorenen Frühstücksrestaurant probieren wir noch eine Bank aus, man weiß ja nie.

Und, wer sagt‘s denn? Unsere Ausdauer wird belohnt, da der Filialleiter anwesend ist und offensichtlich Mitleid mit unserer aussichtslosen Touristensituation hat. Ohne Konto im Land hätten wir die Geldscheine nämlich nur bei der Bank of England direkt in London umtauschen können.

Der gute Mann schaut in einer little box mit Bargeld in einem der hinteren Räume nach, wie er sagt. Ich glaube ja, er zieht das Geld von seinem Konto ab und zahlt anschließend die alten Banknoten darauf ein. Nachdem er mehrere Türen mehrmals durchquert hat, kommt er mit zehn neuen £10-Scheinen für uns wieder, juhu!! Die Scheine wechseln ihre Besitzer und wir ziehen glücklich von dannen.

Im Poppins gibt es für beide ein full English breakfast inklusive zweier Scheiben black pudding. Leider ist der große Kaffee dazu ziemlich dünn und ungenießbar. Daher holen wir uns anschließend gegenüber bei Costa noch einen Cafe Mocha und genießen ihn draußen in der Sonne.

Dann machen wir das, worauf wir uns schon gefreut hatten, wir bummeln durch die Straßen, gucken in die charity shops und genießen das gute Wetter: kühl, aber sonnig. In der East Street schaue ich durch ein kleines Feld in ein Künstleratelier hinein. Ihnen werden hier für sehr wenig Geld unbenutzte ehemalige Geschäftsräume auf Zeit überlassen. Der Künstler ist bei der Arbeit, sieht mich und öffnet die Tür, so dass wir eintreten können. Es entwickelt sich ein sehr lebhaftes Gespräch über Kunst, kreatives Schaffen und Ergebnisse, wir lieben so etwas!

Er heißt David McDearmid und ist Teil von The Keepers Artist Collective und arbeitet gerade jetzt an einer Skulptur eines zu schlanken Mannes, den er in eine Figur verwandeln möchte, die dem Bacchus ähnelt. Die Holzspäne, die er dafür verarbeitet, schnitzt er alle von dem Stock Redwood-Holz, der am Tisch lehnt.

Nach diesem ungeplanten, wunderbaren Erlebnis nutzen wir das sonnige Wetter für ein paar Fotos der Gebäude in diesem Viertel, in welchem an allen Stellen eine langsame Gentrifizierung zu erkennen ist. Vor ein paar Jahren war es hier noch ziemlich heruntergekommen.

Unser Bummel führt uns dann die High Street hinunter zum Hafen. Auf dem Weg sehen wir die Reste der mittelalterlichen Stadt.

Hier befand sich das Watergate, indem im 15. Jahrhundert der Bürgermeister und Kontrolleur der Marine von King Henry V. lebte und arbeitete.

Hier (jetzt weit weg vom Wasser) landeten 1476 italienische Handelsschiffe an, um Wein, Früchte, Gewürze und Seidenstoffe aus dem Mittelmeerraum zu entladen.

Wir machen noch einen kleinen Abstecher Richtung City Cruise Terminal, um den günstigsten Weg für morgen zu finden, um zu Fuß mit den großen Koffern vom Appartement dorthin zu kommen. Dies ist noch nicht unser Schiff.

Nach einer Tee- und Verschnaufpause gehen wir noch einmal los zum Spazierengehen. Es geht die High Street nordwärts, die meisten Geschäfte haben noch geöffnet. Wir gehen bis zur City Gallery, in die wir morgen gehen wollen bzw. wollten, wie wir dann feststellen müssen. Sie hat sonntags geschlossen, wie außerordentlich schade, denn The Keepers Artist Collective stellt dort gerade aus! Nützt aber nichts.

Durch die schönen Parkanlagen geht es wieder zurück. Es ist noch zu früh zum Abendessen, deshalb machen wir noch eine Tour durch das Westquay Shopping Center.

Bei John Lewis ist schon Weihnachten ein großes Thema und wir nehmen einen Elefanten für unseren Adventsbaum mit, als Erinnerung an diese Tour/Cruise.

Dann geht es zum Abendessen in einen Fish ‚n‘ Chips Shop um die Ecke, wo wir lecker Dorsch und Pommes essen. Im Appartement gibt es noch ein leckeres Bier von BrewDog gibt, ein Punk IPA, sehr gut.

Abendspaziergang durch das Botschaftsviertel (Berlin, Oktober 2023)

Wir sind im Pestana Hotel Berlin Tiergarten abgestiegen. Von unserem langen Aufenthalt auf Madeira im letzten Jahr hatten wir genügend Treuepunkte gesammelt, um den Preis des Hotelzimmers etwas zu senken.

Nun wohnen wir im Botschaftsviertel am südlichen Rand des Tiergartens und nutzen die Zeit nach dem Einchecken noch für einen kleinen Spaziergang, bevor es zum Abendessen geht.

In kurzer Zeit kommen wir hier fast um die ganze Welt. Kleinere Länder mieten sich eher in Bürohäusern ein, wie hier in dem linken Gebäude, in dem sich die Botschaften des Königreichs Bahrain, von Malta und Luxemburg befinden.

Als Berlin wieder Hauptstadt geworden war, kehrten andere Länder an die Standorte zurück, an denen sich ihre Botschaft schon seit dem Kaiserreich befunden hatte. Den Zweiten Weltkrieg haben dabei nur wenige Villen unbeschadet überstanden. Viele Gebäude wurden auf den alten Grundstücken neu gebaut.

Andere wie zum Beispiel Italien hier mit ihrem Palazzo rekonstruierten die alten Bauten oder knüpften daran an. Hier folgt eine kleine Auswahl weiterer Botschaften:

Hier im Viertel befinden sich jedoch nicht nur Botschaften und Hotelgebäude. Die Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Baden-Württembergisch haben dazwischen sehr repräsentative Landesvertretungen errichtet.

Im Gebäudekomplex, das heute dem Bundesverteidigungsministerium gehört, findet sich auch die Gedenkstätte Deutscher Widerstand. Im Innenhof des früher auch „Bendlerblock“ genannten Gebäudes erinnert ein Mahnmal an den Widerstand gegen den Nationalsozialismus.

Das Bronzedenkmal eines jungen Mannes mit gefesselten Händen stand vor der Umgestaltung 1980 noch auf einem Sockel. Geschaffen wurde es 1952 vom Bildhauer Richard Scheibe, wie auch immer dieser damals zu diesem Auftrag gekommen ist.

Denn er war während der Nazi-Zeit ein sehr beliebter Künstler, wurde in die „Gottbegnadeten-Liste“ des Reichspropagandaministeriums aufgenommen und befürwortete noch im April 1945 die Fortsetzung des Krieges. Unfassbar!!

Die Gedenktafel erinnert an die Offiziere rund um Graf von Stauffenberg, die nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler noch in der Nacht vom 20. Juli 1944 hier im Innenhof hingerichtet wurden.

Berliner Schloss – Humboldt Forum (Berlin, Oktober 2023)

Montags sind die Museen geschlossen, und Shopping ist keiner Alternative für uns. Daher wollen wir in das umstrittene Humboldt-Forum gehen und spazieren dafür von ex-West nach ex-Ost, immer am Tiergarten und anschließend die Französische Straße entlang.

Wir kommen am Denkmal für die ermordeten Juden Europas vorbei. Dahinter, in dem hellen Gebäude links, befindet sich die amerikanische Botschaft.

Alle Botschaften der vier Siegermächte finden sich rund um den Pariser Platz hinter dem Brandenburger Tor. Zum Fotografieren stehen wir hier übrigens an der schleswig-holsteinischen Landesvertretung.

Wir passieren mehrere Bundesämter und -ministerien, die in den Ende des 19. Jahrhunderts errichteten Gebäuden residieren. Die sehen nach den Renovierungen der letzten Jahrzehnte alle sehr schön aus.

In Höhe des Gendarmenmarkts sehen wir den Französischen Dom von hinten. Die Kuppel heißt auf Französisch dôme, daher der Name des Kuppelturms, der 1780-1785 an die Französische Friedrichstadtkirche angebaut wurde.

Das gleiche passierte mit der lutherischen Kirche, heute Deutscher Dom genannt, auf der anderen Seite des Platzes. Und alles nur, um der königlichen Prachtentfaltung und der städtebaulichen Wirkung ein passendes Bild zu geben. König Friedrich II. (der Große) hat‘s bezahlt.

Kurz darauf passieren wir am Werderschen Markt das Auswärtige Amt und sind dann auf der Museumsinsel, die in der Spree liegt. Da prangt auch schon unser Ziel für heute: das Berliner Schloss.

Seit 1443 steht an dieser Stelle die Residenz des Hauses Hohenzollern, die erst Könige in Preußen, dann Könige von Preußen und schließlich deutsche Kaiser waren. 1698–1713 wurde es umgebaut und galt seitdem als Hauptwerk des norddeutschen Barock. Es war damals das größte Gebäude Berlins.

Es sieht ja eigentlich ganz prächtig aus, ist jedoch ein Fake. Im Zweiten Weltkrieg beschädigt, aber durchaus mit erhaltenswerten Teilen, wurde es 1950 im Auftrag der SED gesprengt (auch das schon eine sehr umstrittene Entscheidung, die Akten blieben jahrzehntelang unter Verschluss).

In der Folge wurde an der Stelle ein zentraler Kundgebungsplatz (Marx-Engels-Platz) und später dann der Palast der Republik gebaut. Der wurde nach erfolgter Astbestsanierung dann doch 2006-2008 abgerissen, nachdem der Deutsche Bundestag 2002 beschlossen hatte, das Berliner Schloss wieder aufzubauen. Man hätte ja auch den Palast der Republik durch entsprechende Anbauten umwandeln können. Aber nein, sichtbar sollte für die Zukunft lieber die monarchische Vergangenheit seit. Da kann man durchaus unterschiedliche Auffassungen dazu haben.

Man entschloss sich, die Barockfassaden an drei Außenseiten und den Innenhöfen zu rekonstruieren. Dafür spendeten Menschen aus der ganzen Welt 105 Millionen Euro. Es wird immer noch vom Förderverein gesammelt, z.B. für die Portaldurchfahrten.

Die Ostseite sieht dann so aus, wie es sich auch innen präsentiert. Vielleicht sollte diese Seite an die neuere Architektur im Osten anknüpfen? Wir wissen es nicht.

Von innen strömen Foyer und Treppenhaus den Charme eines langweiligen Flughafens aus. Wir haben tatsächlich keine Fotos davon gemacht (wen‘s interessiert, klickt die links an).

Im insgesamt 667 Millionen Euro teuren Neubau (wir haben’s bezahlt) befindet sich das Humboldt-Forum, in dem neben Restaurants, Cafés und Museumsshops Sammlungen unterschiedlicher Museen Berlins zu sehen sind.

Wir schauen uns eine nett gemachte Videoinstallation zu den 800 Jahren Schlossgeschichte und einen kleinen Teil der Ethnologischen Sammlung an. Dort wird zumindest versucht, etwas kritischer an die Herkunft und Ausstellung der Artefakte heranzugehen.

Im Kellergeschoss werden, medial gut aufbereitet, Ausgrabungsreste gezeigt und erklärt, wie es früher an Ort und Stelle ausgesehen hat und welche Bedeutung die Orte für das herrschaftliche Leben in den Obergeschossen hatte. Auch hier endet die Präsentation mit der Sprengung des Schlosses.

Ein paar der Gründungspfähle aus Kiefer, die vor 300 Jahren zu tausenden zehn Meter tief in den Boden gerammt werden mussten, damit das Schloss überhaupt gebaut werden konnte, sind im Treppenhaus zum Keller zu sehen. Keller und Neubau stehen jetzt auf 40 Meter langen Betonpfählen.

Dann wird es für uns auch wieder Zeit zu gehen. Das schöne, sonnige Wetter lockt nach draußen. Wir gehen Unter den Linden entlang, durch das Brandenburger Tor und den Tiergarten hindurch zurück zum Hotel.

Architektur für Kunst und Kultur, für Polis und Politik (Berlin, Oktober 2023)

Wir sind in Städten sehr oft und sehr gern zu Fuß unterwegs. Man entdeckt viel ungeplantes auf den Wegen von A nach B. Auf unserem Weg zum Hamburger Bahnhof kommen wir an interessanten Plätzen und Gebäuden vorbei.

Da wir am Tiergarten wohnen, müssen wir uns natürlich die Siegessäule von nahem ansehen. Dieses bedeutende Nationaldenkmal Deutschlands erinnert an die Einigungskriege von 1864 bis 1870, in Folge derer schließlich der erste deutsche Gesamtstaat gegründet wurde. Die „Goldelse“, wie die Viktoria-Figur von den Berlinern genannt wird, ist am Sonntag einmal nicht vom Verkehr auf sechs Fahrspuren umbraust.

Nicht weit entfernt steht das Schloss Bellevue, der Amtssitz des Bundespräsidenten. Die klassizistische dreiflügelige Anlage wurde 1785/86 als Sommerresidenz für den preußischen Prinzen August Ferdinand, dem jüngsten Bruder von König Friedrich dem Großen, gebaut. Da die Standarte auf dem Dach gehisst ist, weilt Frank-Walter Steinmeier grad in Berlin.

Unser Weg zurück vom Museum führt uns durch den Berliner Hauptbahnhof hindurch zum Washingtonplatz, wo gegenüber des Bahnhofs das Cube Berlin steht, ein zehnstöckiges Bürogebäude. In der mehrfach nach innen gefalteten Fassade spiegelt sich die Umgebung wie in einem Kaleidoskop.

Wir überqueren die Spree, die hier einen Bogen macht, über die Moltkebrücke, von der aus wir das Bundeskanzleramt sehen können. Etwas später ist dieses auch von vorne zu sehen. Über die dafür gewählte Architektur kann man immer noch vortrefflich streiten.

Es ist das größte Regierungshauptquartier der Welt, achtmal so groß wie das Weiße Haus in Washington. Und es ist bereits ein Erweiterungsbau geplant, Baubeginn ursprünglich in diesem Jahr, jedoch wegen der Kosten und der diskutierten Notwendigkeit erst einmal gestoppt.

Vor den Eingang steht die Skulptur Berlin des Spanisch-baskischen Bildhauers Eduardo Chillida. Fünfeinhalb Meter hoch, 87,5 Tonnen schwer werden durch die sich beinahe berührenden Stahlarme Teilung, Annäherung, Vereinigung symbolisiert.

Etwas weiter die Straße entlang sehen wir links das Reichstagsgebäude, der Sitz des Bundestages. Heute ziert eine begehbare Glaskuppel des Architekten Norman Foster das Gebäude.

Das Parlamentsgebäude hatte schon vorher eine Kuppel, sehr zum Ärgernis Kaiser Wilhelm II., da er berufsbedingt nicht nur eine Abneigung gegenüber einem gewählten Parlament hatte. Nein, die Kuppel war auch noch höher als die seines Stadtschlosses. Unverschämtheit!

Bald darauf kommen wir an den Gebäuden des Kulturforums an. In der Philharmonie versuchen wir, noch kurzfristig Karten für ein Konzert zu bekommen, kein Glück. Auch in die Neue Nationalgalerie kommen wir nicht mehr hinein, keine Tickets mehr. Dann besuchen wir eben die St. Matthäus-Kirche gleich nebenan.

Diese wurde nach Plänen von Friedrich August Stüler (nun wissen wir, warum die Straße so heißt, an der unser Hotel liegt) inmitten eines gutbürgerlichen Wohngebiets erbaut und 1848 eingeweiht. Dietrich Bonhoeffer wurde hier 1931 zum Pastor ordiniert. Bald darauf stand das ganze Gebiet den Nazis für den Bau ihrer „Welthauptstadt Germania“ im Wege, und sie begannen, viele Wohnhäuser abzureißen. Die Bombenangriffe der Alliierten legten die Reste des Wohngebiets in Schutt und Asche. Die Kirche wurde stark beschädigt und nach dem Krieg nur von außen rekonstruiert.

Das Innere ist sehr schlicht und hell gestaltet und bietet Raum nicht nur für Gottesdienste, sondern auch für Konzerte und Kunstausstellungen.

Hier hängen gerade Bilder von Jakob Mattner unter dem Titel Deep Time – Der ferne Klang, in denen er sich mit der Entstehung der Erde auseinandersetzt.

Die Künstler werden stets eingeladen, auch ein Altarbild für die Zeit der Ausstellung anzufertigen. Das Bild von Mattner suggeriert einen Blick in das Universum. Er verwendete unter anderem sedimentierten Kupferstaub für das Bild.

Wir steigen dann noch die 100 Stufen in den Turm hinauf. Von dort aus hat man einen schönen Rundumblick, bevor es wieder ins Hotel geht.

Weiter zurück nach Norden – Station in Hannover (Sommer 2022)

Nach weniger als drei Stunden Fahrt sind wir in Hannover angekommen. Unser Hotel trägt den Zusatz ‚City’ im Namen, es dauert aber doch eine halbe Stunde zu Fuß, bis wir wirklich in der Innenstadt angekommen sind. Dort ist es uns aber viel zu voll. Wir hängen noch eine halbe Stunde Fußmarsch dran, um zum Sprengel Museum zu kommen. Hier sollte es heute freien Eintritt geben, aber das war gestern. Bei so viel Entspannung bekommt man die Wochentage schon mal durcheinander. Wir trinken erst einmal einen Kaffee im Museumscafé mit Blick auf den Maschsee.

Dort findet gerade das Maschseefest statt, und es ist jetzt am späten Nachmittag schon voll dort. Wir haben keine Lust darauf. Im Museum sind heute große Teile geschlossen, den Besuch sparen wir uns auch. Wir beschließen zurückzugehen und auf dem Weg die Skulpturenmeile zu besichtigen. Auf dem Weg dorthin strömen uns weitere Menschenmassen entgegen, alle wollen zum Maschseefest. Wir kommen am Neuen Rathaus mit seinem eindrucksvollen Kuppelturm vorbei, 1901-13 erbaut.

Die Skulpturenmeile, 1200 Meter lang und nach Hannovers Selbstauskunft einzigartig in Deutschland, kommt unauffällig daher, denn die meisten der von der Stadt angekauften Großskulpturen stehen auf dem Grünstreifen in der Mitte der sechsspurigen Straße. Die drei berühmten Nanas von Niki de Saint Phalle machten 1974 den Auftakt und haben das besser betroffen. Sie stehen zumindest am Fuß- und Fahrradweg.

Hier am Leibnizufer findet regelmäßig ein Straßenflohmarkt statt, der Abbau ist in vollem Gange, als wir dort ankommen. Wie schade, auch verpasst. Dann widmen wir uns eben den Gebäuden, die sind immer da und können nicht weg. Wir kommen an einem Gebäude des amerikanischen Architekten Frank Gehry vorbei. Der Gehry-Tower (1999-2001) wirkt seltsam an dieser Stelle.

Was man aus Stahl alles machen kann! Alle Außenwände sind tragende Wände, kaum zu glauben. Der Baukörper wurde um die lotrechte Mittelachse verdreht, so ragt der obere Teil des Turmes bis zu zweieinhalb Meter weiter in die Straße hinein als das Erdgeschoss. Verkleidet ist der Turm mit geschliffenen Edelstahlplatten. Er beherbergt Büro- und Veranstaltungsräume.

Etwas weiter die Straße entlang, am Steintor, stehen wir vor dem Anzeiger-Hochhaus im expressionistischen Backsteinstil. Es wurde 1927-28 als Verlagsgebäude des Hannoverschen Anzeigers erbaut, damals eines der ersten Hochhäuser in Deutschland. Wie der Gehry-Tower besteht auch dieses Hochhaus aus einem Stahlskelett. Dadurch überstand es die Luftangriffe während des Zweiten Weltkrieges relativ unbeschadet, nur das Planetarium in der Kuppel brannte aus. Nach dem Krieg wurde dort ein Kino eingerichtet, welches immer noch existiert. Und das Gebäude ist Ort berühmter Zeitschriftengründungen: 1947 erschien Der Spiegel das erste Mal, im darauffolgenden Jahr der Stern.

Auf dem Rückweg zum Hotel kommen wir noch am Postscheckamt Hannover vorbei, das in diesem Jahr abgerissen werden soll. Die älteren von uns erinnern sich sicher noch an die Zeit, als wir bei größeren Einkäufen Papierschecks an der Kasse ausstellten, weil wir nicht so viel Bargeld dabei hatten. Das waren noch Zeiten! Jetzt haben alle kleine Plastikkarten im Portemonnaie. Ein Postscheckamt gab es in Hannover schon seit 1909, das wurde dann irgendwann zu klein, wahrscheinlich dann, als auch wir Otto-Normal-Verbraucher begannen, Schecks als Zahlungsmittel zu nutzen.

Dieser Neubau entstand Anfang der 1970er, zwei Hochhauselemente mit niedrigeren Zwischentrakten, wie gestaffelte und ineinander geschobene Bauklötze. Die umlaufenden Balkone setzen einen horizontalen Kontrast. Durch die Verkleidung der Fassade mit Waschbeton wird ein brutalistischer Eindruck erweckt. Die verspiegelten Glasscheiben geben dem Bau wiederum Leichtigkeit. Eigentlich schade, dass es abgerissen wird.

Leipzig – Musik und Bildende Kunst (Sommer 2022)

Wir beginnen den Tag mit dem Besuch des Museums für bildende Künste. Der Neubau aus dem Jahr 2004 befindet sich quasi um die Ecke des Hotels. Das Museum selbst gibt es schon seit 1848. 1943 wurde das damalige Gebäude durch einen Bombenangriff komplett zerstört. Seitdem war es in verschiedensten Gebäuden untergebracht, bis es dann nach 61 Jahren in den quaderförmigen Neubau umziehen konnte.

Wir sehen uns nicht alles an und auch nicht alles mit derselben Intensität. Aber die Ausstellung „Unterschätzt. Künstlerinnen in Leipzig um 1900“ ist klasse. Unglaublich, was für Talente schon immer und in allen Bereichen durch die Arroganz der Männer verhindert wurden.

Spannend ist auch das „Berliner Zimmer“ in der Leipziger Fassung von Via Lewandowsky (geb. 1963 in Dresden), das die Teilung Berlins bzw. Deutschlands zum Thema hat: ein komplettes Wohnzimmer einmal durchtrennt. Der Guide auf dem Foto hat uns viel dazu erzählt. Leider ist die Installation nicht ganz komplett. Eine kleines Mädchen hat vor einiger Zeit aus Versehen die andere Hälfte des Papageis auf dem Reststuhl umgerissen. Der Teil ist noch in der Reparatur.

Dieses Bild vom Leipziger Maler Benedikt Leonhardt (geb. 1984) heißt „Ohne Titel (WF-B-QM/V-4)“ (2016), erinnert uns an die Gemälde Rothkos und gefällt uns besser als die Werke von Neo Rauch und Kollegen der „Leipziger Schule“, die einen eigenen Saal belegen.

Nach einer Pause im Museumscafé gehen wir zur Thomaskirche, um rechtzeitig zur Motette da zu sein. Doch das mit der Musik ist schwierig im Hochsommer, es findet wirklich gar nichts statt in Leipzig, was wir besuchen können. Nichts, nicht einmal ein ganz klitzekleines Kirchenkonzertchen. Die Jungs des Thomanerchor machen Sommerferien. Dann fotografieren wir eben einige der berühmten Musiker, die hier gewirkt haben.

Am Seiteneingang zur Kirche steht ein Denkmal für Johann Sebastian Bach, der 27 Jahre als Thomaskantor tätig war, jede Woche ein neues Werk schuf und danach tatsächlich in Vergessenheit geriet. Das Denkmal wurde auf Initiative von Felix Mendelssohn Bartholdy aufgestellt.

Erst Felix Mendelssohn Bartholdy leitete eine Bach-Renaissance ein, als er 1829 die Matthäus-Passion wieder aufführte. Vierzehn Jahre später gründete er in Leipzig die erste Musikhochschule überhaupt in Deutschland. Das Westportal der Thomaskirche wird Mendelssohn-Portal genannt. Er ist seit 1843 Ehrenbürger der Stadt Leipzig.

Gegenüber steht seit 2008 eine Replik des Denkmals für ihn, welches bis 1936 am damaligen Standort des Gewandhauses stand, an dem er Kapellmeister war. Die Nazis ließen es abreißen und die Bronze höchstwahrscheinlich zu Kriegszwecken einschmelzen, allein die Mendelssohn-Figur ist fast drei Meter hoch. Für die Replik wurden alte Abbildungen fotogrammetrisch vermessen, die Realisierung übernahm der Dresdner Bildhauer Christian Schulze. Die Muse der Musik, Euterpe, sitzt dem Komponisten zu Füßen, links und rechts befinden sich musizierende Engel.

Dann wollen wir zumindest noch das Mendelssohn-Haus besuchen, in dem die letzte Privatwohnung erhalten ist. Dafür müssen wir einmal quer durch die Altstadt. Der spätklassizistische Baus war gerade neu erbaut worden, als er dort in den ersten Stock einzog (Neubaubezug). Zwei Jahre später verstarb Mendelssohn dort. Das Museum schließt um 18 Uhr. Der Weg ist weiter gewesen als gedacht, eir kommen drei Minuten vorher an und können nur noch kurz den Garten besuchen.

Dafür haben wir aber noch einige interessante Gebäude bei unserem Stadtrundgang entdeckt:

Die Alte Handelsbörse, das älteste Barockbauwerk in Leipzig, das Versammlungsgebäude der Kaufmannschaft.

Das Messe- und Geschäftshaus der Riquet & Co. AG, erbaut 1908/09. Sie stellten Kakao, Schokolade, Pralinen und Bonbons her und handelten mit Tee und Waren aus China und dem Orient. Sie warben mit einem Elefanten, daher die beiden lebensgroßen Elefantenköpfe aus Kupfer am Eingang. Goethe bezog von hier seine Lieblingsschokolade.

Das Neue Rathaus wurde 1905 nach sechsjähriger Bauzeit eröffnet. Das Gebäudeensemble (das Foto zeigt nur einen kleinen Ausschnitt) ist immer noch der größte Profanbau dieser Art der Welt. Er hat etwas mehr als 1700 abgeschlossene Räume und Deutschlands höchsten Rathausturm.

Eine Perle des Brutalismus (Sommer 2022)

Wir haben uns für unseren Aufenthalt in Karlsbad im Hotel Thermal einquartiert, wir waren hier in den 2010ern schon zweimal. Laut Eigenbeschreibung auf der Webseite stellt das Hotel eine „Perle des Brutalismus“ dar. Wir teilen diese Auffassung. Anfang der 1960er wurde ein Filmpalast für das immer größer werdende Internationale Filmfestival, verbunden mit einem internationalen Hotel und einem mit Thermalwasser gefüllten Außenschwimmbecken geplant.

Das politische Klima in der Tschechoslowakei war damals sehr liberal. So gewann der Entwurf, der im Gebäudeensemble Elemente des damals ganz neuen Brutalismus mit denen des internationalen Stils verband. Das Architektenehepaar Manochin fasste den Auftrag als Gesamtkunstwerk auf. Auch das Interieur, bis hin zu Möbeln, Tischdecken und Besteck wurde von ihnen entworfen.

Die Bauzeit dauerte lange, von 1968 bis 1977. Die politische Situation änderte sich nach dem Prager Frühling 1968 entscheidend. Doch die Pläne der zwischenzeitlich in Ungnade gefallenen Architekten (sie lobten den sowjetischen Einmarsch nicht) wurden wie geplant realisiert. Nach 31 Jahren änderte sich 1989 die politische Weltlage wieder, es wurde versucht, den Gebäudekomplex zu privatisieren.

Dabei wurden, wie auch damals im Osten Deutschlands eine Menge Fehler gemacht. Jahrzehntelange Rechtsstreitigkeiten, die sich erst vor fünf Jahren auflösten, verursachten mit der Zeit einen Modernisierungsstau. Den haben wir bei den ersten Aufenthalten noch mitbekommen. Seit drei Jahren wird nun in allen Bereichen kräftig modernisiert, wobei das Ambiente immer noch stimmig bleibt.

In der Draufsicht sieht das Gebäude wie eine Filmkamera aus. Das Festivalgebäude übernimmt die Rolle der beiden Filmspulen. Der Große Saal (hinten im Bild) bietet Platz für 1200 Zuschauer. Er ist architektonisch anspruchsvoll auf einer langen Konsole aufgehängt und erzeugt in der Seitenansicht den Eindruck, er würde im Raum schweben. Leider ist das nur sehr schwer mit den touristischen Fotografiermöglichkeiten einzufangen.

Zusätzlich gibt es fünf Konferenzsäle, in denen während des Filmfestivals im Juli auch Filme gezeigt werden. Das Internationale Filmfestival fand in diesem Jahr schon zum 56. Mal statt. Wir sind kurz danach angekommen, einige Schilder hängen noch. Das Foto zeigt einen Wandausschnitt in der Hotelbar.

Ein Spaziergang entlang der Uferpromenade Funchals (Madeira 22)

Als wir die Rua Carvalho Araújo den Berg hinunterkommen, fallen uns die beiden Kreuzfahrtschiffe ins Auge. Das große konnten wir schon von weiter oben aus sehen.

An der Promenade des Schiffsanlegers liegt eine große Fischskulptur, gestaltet vom Künstler Bordalo II (Artur Bordalo, geb. 1987 in Lissabon), der auch das Relief mit dem Seehund in Câmara de Lobos gestaltet hat (s. Blogeintrag vom 11.12.2021).

Wir kommen am Museu CR7 vorbei, in dem die Lebens- und Erfolgsgeschichte von Fußballstar Cristiano Ronaldo, der auf Madeira geboren wurde, erzählt wird. Wir begnügen uns mit einem Foto der lebensgroßen Bronzestatue (einer der meist fotografierten Punkte der Stadt) davor und wundern uns, welche Stellen die Fans am meisten anfassen.

Weiter geht es entlang der Avenida do Mar. An der Marina bleiben wir eine ganze Weile stehen und beobachten die sehr jungen Menschen, die mit ihren Surfbrettern aus dem kabbeligen Hafenwasser ins offene Meer steuern, und das bei starkem Wind in atemberaubender Geschwindigkeit.

Die lange Mole, die die Marina nach Osten hin abschließt, sieht jetzt sehr leer und langweilig aus. In der Weihnachtszeit stand hier der wunderbare Lichtertunnel, der uns so begeistert hat (s. Blogeintrag vom 15.12.2021). Aber dafür ist der Blick auf die Hügel, an denen sich Funchal in die Höhe zieht, imposant. Gut, dass das Wetter da oben in den Bergen bleibt!

Das Fortaleza do Pico ist ebenfalls gut zu sehen, wie es auf dem Pico dos Frias über der Stadt thront. Den Aufstieg auf den 111 Meter hohen Berg sparen wir uns für einen anderen Besuch auf. Diese Festung von dreien insgesamt in Funchal wird noch militärisch genutzt zur Ausbildung von Marinesoldaten.

Der Weihnachtsbaum steht noch, wie so einiges andere der aufwendigen Weihnachtsbeleuchtung. Macht auch nach Weihnachten optisch etwas her.

Eine kleine Pause tut jetzt ganz gut. Das Café direkt an der Promenade eignet sich wunderbar, um die anderen Flaneure zu betrachten. Allerdings zahlen wir hier für die Getränke das 2,3-fache als an der Praia Formosa.

Gleich nebenan liegt die Parkanlage Praça do Povo, die 2016 fertiggestellt wurde. Sie ist auf Geröll gebaut, das 2010 bei schweren Unwettern ins Meer gespült wurde. Auf der Fläche von mehr als einen Quadratkilometer ist auch ein neuer Anleger für Kreuzfahrtschiffe entstanden.

Wir haben noch Zeit für einen Abstecher in die Kathedrale, bevor der Bus uns zurück nach Câmara de Lobos bringt.

Die Hauptkirche Funchals stammt aus dem späten 15. Jahrhundert und ist wie alle Kirchen aus der Zeit von außen sehr schlicht gehalten, hier eine Aufnahme aus dem Dezember vom Hauptportal.

Von der Seite sieht man den Kirchturm mit den Azulejos (Fliesen) und die Tuffsteinbalustrade mit den schraubenförmigen Türmchen, ein Beispiel des manuelinischen Baustils, durch den die Portugiesen bis heute an ihre glorreiche Zeiten als einstmals führende Wirtschaftsnation erinnert werden.

Von innen ist sie prächtig ausgeschmückt, schließlich ist sie Sitz des Bischofs (= ).

Zurück fährt mal wieder der gewünschte Bus laut Fahrplan nicht, nach einer Dreiviertelstunde des Wartens kommt dieses bislang älteste Exemplar, das uns transportiert, mit vier Gängen und gut, aber lautstark funktionierenden Bremsen.