Rund um den Ringkøbing Fjord

Es stürmt immer noch, der Wind wird kälter, die Sonne bleibt spärlich. Wir machen einfach das, was wir sonst auch im Sommer machen: nicht am Strand in der Sonne braten, sondern Sightseeing. Unser Ziel ist die Umrundung des Ringkøbing Fjords, der eigentlich eine Lagune ist, von der Nordsee abgetrennt bzw. geschützt durch das Holmsland Klit, auf dem auch unser Sommerhaus liegt.

Wir starten bei recht gutem Wetter, doch die Besichtigung gleich des ersten Stopps erledigen wir in zwei Minuten vom Auto aus. Lynvig Fyr, der Leuchtturm nördlich von Hvide Sande, bietet sonst eine wunderbare Aussicht auf die Nordsee. Heute fällt die Nordsee auf den Leuchtturm und auf unser Auto. Wir drehen um und fahren den blauen Himmelsflecken nach, Richtung Osten, zum nördlichen Ende des Ringkøbing Fjords.

Lynvig Fyr
Zwischen den grauen Wolken und dem grünen Bewuchs ist die Nordseite des Fjords zu erahnen.
Es wird trockener, die Wolkenformationen imposanter.

In der kleinen Handelsstadt stoppte der Regen, so konnten wir sie im Sonnenschein erkunden.

Die Kirche aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts wartet im Innern mit einer Überraschung auf. Im Zuge der Renovierung von 1995-96 wurde ein modernes Altarbild von Arne Haugen Sørensen aufgestellt. Auch das Taufbecken ist nach einem Entwurf von Haugen Sørensen gestaltet worden. Der Kirchturm ist übrigens oben breiter als unten, was bei unserem Foto leider nicht zu erkennen ist.

In der Innenstadt erahnt man anhand der Gebäude die glorreiche Vergangenheit, als Ringkøbing erfolgreiche Handelsstadt im 18. und 19. Jahrhundert war. Alle Arten von Fellen, dazu Wolle und Tabak, Getreide und Butter, Ochsen und Fisch wurden nach Hamburg, Holland, England und Norwegen verschifft. Das Zollamt am Hafen zeugt heute noch von alter Größe.

Fußgängerzone
alter Ortskern mit Kopfsteinpflaster

Ganz in der Nähe steht eine 3,5 Meter hohe Skulptur des berühmten dänischen Bildhauers Jens Galschiøt. Im Volksmund wird sie die fette Frau genannt. Sie heißt jedoch ‚Survival of the fattest’, eine riesengroße, fette Frau aus der westlichen Welt, Justitia darstellend, sitzt auf den Schultern eines halbverhungerten afrikanischen Mannes. Nach einer Ausstellung mit Werken von Galschiøt in Ringkøbing wollten die Bewohner dieses Kunstwerk gern behalten. So sammelten sie innerhalb eines Jahres genügend Geld ein, um die Skulptur zu kaufen. In Blickweite steht eine weitere Skulptur des Künstlers, allerdings als Leihgabe, der ‚Balanceakt‘.

Survival of the fattest
Balanceakt

Auch die letzte Neuerwerbung der Stadt lief uns bei unserem Rundgang über den Weg, ‚Miss Ringkøbing‘, geschaffen von keinem geringeren als dem inzwischen verstorbenen Prinzgemahl der dänischen Königin, Prins Henrik.

Ringkøbing ist wirklich ein hyggeliges Städtchen.

Auch das Wetter hat weitere fotogene Seiten

Auf der Ostseite des Ringkøbing Fjords präsentiert sich die Landschaft so, wie man sich von Kopenhagen aus Jütland vorstellt: Felder, Wiesen, einsame Gehöfte, winzige Dörfchen, kurz: langweilig. Ist auch so, bis man wieder auf die Westseite kommt, mit der langen Dünenkette, hinter der die Nordsee beständig braust und rollt.

Das südliche Ende des ca. 30 km langen Fjords

Stormy Sun- and Monday

Vom atlantischen Sturmtief, das uns gerade das Hochsommerfeeling an der dänischen Nordseeküste vermissen lässt, lassen wir uns die täglichen Strandspaziergänge nicht vermiesen. Die Brandung ist einfach atemberaubend.

sehr hohe Wellen, sehr grauer Himmel

Gestern war es fast zu stürmisch zum Fotografieren. Alle Hände wurden gebraucht, den Hut, die Jacke und das Enkelkind daran zu hindern, einfach wegzufliegen. Im Wind flatternde Haare behinderten die Sicht. Der Wind blies so stark, dass das Kind einfach umgeweht wurde. Trotzdem war die Brandungskante mit den heranrollenden Wellen so anziehend, da mussten wir unbedingt näher ran. Das Kind wurde noch vor dem sich auftürmenden Nass gerettet, Omas Gummistiefel liefen dabei schwuppdiwupp voll. Stiefel nass, Socken nass, das schlimmste war am Ende, die nassen sandigen Füße für den Rückweg zum Haus wieder in die nassen sandigen Stiefel zu stopfen.

Sie trocknen auch am nächsten Tag noch, ausgestopft mit Zeitungspapier, vor sich hin.

Heute ließ sich die Sonne doch wieder blicken, dafür wurde der Wind kälter. Den feinen Dünensand nutzte er, um die Beine in den kurzen Hosen mal so richtig sandzustrahlen. Das war mehr als unangenehm. Allerdings war die Oma heute schlauer, diesmal ging es gleich mit nackten Füßen ins Wasser. Das Kind musste von zwei Personen am Wasserrand festgehalten werden, Umfallgefahr durch Wind und Wellen.

Der Hund ist kein Seehund, er ist eher wasserscheu.

Wir hatten auflaufendes Wasser, je länger der Spaziergang dauerte, desto schmaler wurde der Sandstreifen.

Daher ging es durch und über den Dünenkamm auf der Rückseite zurück. Dort beweiden schottische Hochlandrinder ein ca. 60 ha großes Naturschutzgebiet. Durch die Beweidung bilden niedrig blühende Stauden hübsch anzusehende und wohlriechende bunte Teppiche.

Sandthymian und andere hübsche Pflanzen

Auf die Weidefläche kamen wir zufällig durch ein Tor, das auf unserem Weg lag. Als wir schließlich an die Bebauungsgrenze zu den Sommerhäusern kamen, war von einem Ausgangstor nichts zu sehen. Hm, dann eben immer an dem Elektro-Weidezaun entlang, irgendwann kommt wohl ein Tor. Schließlich sahen wir Jogger, leider lag der Fußweg auf der anderen Seite des Zaunes. Von einem Tor war weit und breit nichts zu sehen. Also rollten wir uns kurzerhand unter den stromführenden Drähten hindurch, sehr zur Belustigung der Urlauber, die die Sonne im Windschatten ihrer Terrassen genossen.

Sturmmöwe im Sturm

Endlich wieder reisen!

Im ersten Halbjahr machte auch uns Corona einen Strich durch unsere geplanten Reisen. In Vorbereitung auf unser Sabattjahr-Abenteuer im nächsten Jahr legten wir uns im Frühjahr einen gebrauchten Wohnwagen zu. Den wollten wir in den Osterferien mit einer Tour durch Deutschland gründlich ausprobieren. Da kam das Reiseverbot, anschließend die geschlossenen Campingplätze dazwischen. Zu Pfingsten war noch einmal eine Städtereise nach Oslo gebucht, weil es uns dort im letzten Jahr so gut gefallen hatte. Die wurde storniert. Dann war noch eine Woche Sommerhaus-Urlaub im Sommer gebucht, die Grenze zu Dänemark blieb erst einmal geschlossen. Wir stornierten die Buchung trotzdem nicht, und siehe da: wir durften einreisen, und das aus zwei Gründen: Erstens konnten wir eine Buchung mit mehr als sechs Übernachtungen vorweisen, und zweitens, und das war fast noch besser, kommen wir aus Schleswig-Holstein! So begrüßte uns heute Morgen der dänische Grenzbeamte dann mit einem kurzen Blick auf unser Nummernschild mit den Worten: „Aus Schleswig-Holstein! Dann einen schönen Tag!“ Wir hielten unseren Mietvertrag schon bereit, aber den wollte er gar nicht sehen. Und schwupps waren wir i Kongeriget Danmark. Den sich aufbauenden Stau der Samstags-Bettenwechsler auf der A7 hatten wir, da wir tatsächlich einheimische sind, geschickt im Westen umfahren.

Und nun sitzen wir warm und trocken mit einem Glas Rotwein im Sommerhaus, das Meer ist noch da, und grad jetzt hat auch der Dauerregen für den Abend einen Pause eingelegt. Hochsommer an der Nordsee hatten wir zwar anders geplant. Die Sonne tut, was sie kann, aber gerade jetzt kann sie anscheinend gar nichts. Macht nichts, wir haben Regenklamotten mit. Hauptsache, mal wieder unterwegs zu sein.

4th of July, hier am Strand funktionieren die Abstandsregeln von allein.
Anfang Juli, Hochsaison, die Sonne ist mit unbekanntem Ziel verreist.
ein schönes geräumiges Sommerhaus gebucht
In Dänemark herrscht keine Maskenpflicht, aber Corona-Maßnahmen gibt es auch hier.

Der wirklich echte Norden: Sehnsucht nach Skandinavien

… und Flensburg kann sie stillen, die Sehnsucht nach ganz Skandinavien, mit einem Ausflug in die Kunst.

Gleich drei Museen zeigen Kunst aus allen nördlichen Ländern:

Museumsberg

Schifffahrtsmuseum

Dänische Zentralbibliothek

Wir beginnen auf dem Museumsberg mit der Ausstellung „Der wirklich echte Norden! Kunst der Färöer – Wellen. Warten. Wiederkehr.“, die später im Schifffahrtsmuseum fortgesetzt wird. Zehn Künstlerinnen und Künstler stellen zum ersten Mal in Deutschland aus. Die Färöer sind eine der kleinsten Nationen Europas mit nur halb so vielen Einwohnern wie die Stadt Flensburg, dafür aber mit einer ausgesprochen aktiven Kunstszene und Menschen, die Kunst schätzen. In fast jedem Haus hängen dort Originalkunstwerke.

Wir bewundern aktuelle Gegenwartskunst eine große Vielfalt in den künstlerischen Techniken:

Blaue Bilder und Glaskunst (erkennt Ihr den Wal?) von Tróndur Patursson (*1944), die immer wieder die Felsenlandschaft der Färöer Inseln zum Thema haben.

In den Arbeiten von Astri Luihn (*1949) tauchen immer wieder die Papageientaucher auf ihren Vogelklippen auf. Die studierte Musikwissenschaftlerin hat für alle Ausstellungsräume auf dem Museumsberg passende Musik von den Färöern herausgesucht, die wir uns über einen QR-Code anhören können. Und schon wirken die Kunstwerke ganz anders auf uns.

Randi Samsonsen (*1977) bespielt den ehemaligen Eingangsbereich komplett mit ihren gestrickten, gehäkelten, genähten und ausgestopften amorphen Objekten. Bunte Farben wecken Erinnerungen an die Kindheit und das Material Wolle ist das traditionsreichste Material ihrer Heimat. Färöer heißt übersetzt Schafsinseln.

dasselbe Bild!

Die Serie „Ohne Titel“ der Künstlerin Annika á Lofti (*1983) hängt eigentlich im Nationalmuseum der Färöer. Die vier Hologramme sind komplett nach Flensburg ausgeliehen worden. Auf allen ist ein junger Mann mit nacktem Oberkörper zu sehen, der im nächsten Moment in einer Lichterscheinung verschwindet.

Die Spiegelungen der Felsenformationen im Wasser stammen von der Grafikerin Jóna Rasmussen (*1946).

Brandur Patursson (*1976), ein Sohn des oben schon erwähnten Tróndur Patursson, hat eine faszinierende Installation (optic sculpture installation) geschaffen. Durch eine Glasplatte, die in weichem Zustand über Beton- und Metallelemente in ihre Form gebracht wurde, wird ein Video projiziert, in dem sich Tinte in Wasser auflöst.

Spätestens die Landschaftsfotografien von Ingi Joensen (kein Foto gemacht) wecken in uns den unbändigen Wunsch, demnächst selbst Urlaub auf den Färöern zu machen.

Im Schiffahrtsmuseum geht es weiter. Hier ist das übergreifende Thema der Werke das Leben vom und mit dem Meer. Der Untertitel lautet „Maritime Kunst der Färöer Inseln des 20. Jahrhunderts. Sámal Joensen-Mikines war der erste, auch im Ausland bedeutende Künstler.

Beim Leben vom Meer kann der Walfang nicht fehlen. 1960 malte er Grindadráp (Waltötung).

Hier hängen auch weitere Werke von Jóna Rasmussen. Besonders beeindruckt waren wir von den Arbeiten von Marius Olsen (*1963), in denen ebenfalls die herbe Landschaft der Inseln eine Hauptrolle spielt.

Nach einer Kaffeepause ist dann noch Zeit, in die Dansk Centralbibliotek zu gehen. Anlässlich des 100. Geburtstags des Vereins ‚NORDEN’ gibt es eine große Ausstellung, zu der je eine Künstlerin aus Dänemark, Finnland, Island, Norwegen und Schweden eingeladen wurde. Es gibt Skulpturen, Fotografien, Textilarbeiten, Installationen und natürlich auch Malerei zu sehen.

Hier zeigt ich eine Auswahl aus „Nordisk Kunst nu“:

Tak for kaffe (2016) von Vibeke Nørgaard Rønsbo aus Dänemark

Mountain von Òlöf Einarsdòttir aus Island. Sie verwendet gewebtes Leinen, Pferdehaar und Sisal

Numb (2018) von Eeva Hannula aus Finnland

Kraftfält und Små förhoppningar von Yvonne Swahn aus Schweden

Tapt og funnet von Borghild Rudjord Unneland aus Norwegen

Und dann noch zwei charakteristische Ansichten aus der Norderstraße:

über der Straße hängen Massen von Schuhen

an den Hauswänden laufen viele Katzen

Und am Hafen ist es auch sehr schön!

Kleine Schätze am Wegesrand

Bei unseren Spaziertouren kreuz und quer durch Oslo haben wir noch so das eine oder andere interessante gefunden und gesehen:

Das Nationaltheater; für den Besuch einer Vorstellung von ‚Verliebt in Shakespeare‘ waren wir zu kurz hier.

Die Osloer Börse, das erste repräsentative Gebäude Oslos, als Oslo die Landeshauptstadt wurde, 1814 war das. Opulent ausgestattet, um die Unabhängigkeit des jungen Staates zu repräsentieren. Dieselbe Börse, dies auch 100 Jahre später das eine Gemälde im Rathaus finanzierte, wegen dem die Linken so aufgebracht waren.

Der Schutzheilige St. Hallvard ist auch auf Gullideckeln verewigt.

Wenn man weiter an dem Operngebäude entlang geht, kann man durch die Fenster in die unterschiedlichen Werkstätten hinein schauen. Dieser Clown ist einer von etlichen, die heraus blickten. Was sie wohl von der modernen Architektur halten, die sie ieht man nur das erste Paar, das den Blick auf das Wasser richtet.

Gleich um die Ecke beim Rathaus nahmen wir Platz auf einem Video-Kunst-Sofa, Teil eines Fußgängerbereiches, der dem stehenden Autoverkehr abgerungen wurde, schön gestaltet und bepflanzt. Leider verhinderte Baulärm nebenan eine längere Verweildauer.

Ein posender Kormoran, geduldig hielt er seine Flügel in Position, bis auch der allerletzte Tourist sein Foto von ihm gemacht hatte.

Auf dem Fluss: ein Schwan. Ein Schwan?

Eine kiss and sail – Zone an einem Bootshafen, in der man maximal 15 Minuten anlegen darf, eben genug Zeit, sich zu verabschieden oder zu begrüßen und dann wieder auf die private Schäre zu fahren.

Ein motorisierter Elch auf Tjuvholmen (in Oslo steht sehr viel Kunst im öffentlichen Raum)

Immer mal wieder Pause bei Kaffebrenneriet

Sie haben außer sehr gutem Kaffee die leckersten Kanel boller (Zimtschnecken), die wir bisher gegessen haben, riesig, nicht zu süß und mit extra viel Zimt!

Tschüss Oslo, bist eine tolle Stadt. Wir werden dich wieder besuchen!

Demokratisches Königreich

Auf dem Weg zu Fuß zum Schiff zurück (auch nur eine gute halbe Stunde, immer nur bergab) kommen wir durch den Schlosspark hindurch. Als erstes fällt uns das Schild ins Auge, dass uns ausdrücklich auffordert, abseits der Wege auf dem Gras zu laufen und auch die Bäume zu umarmen, wenn uns danach ist.

Als nächstes finden wir einen kleinen Skulpturenpark, der dem Königspaar anlässlich seines silbernen Thronjubiläums von der Sparkassenstiftung geschenkt wurde.

Das besondere: der Park wurde von Kindern für Kinder gestaltet. Die zwölf Skulpturen entstanden aus Entwürfen aus einem landesweiten Schulwettbewerb. Hier sind die Entwürfe der Kinder zu sehen, allesamt Schülerinnen und Schüler aus 5. und 6. Klassen.

Und hier folgt eine Auswahl an Skulpturen, die daraus für den Prinzessin Ingrid Alexandra Park entstanden sind:

Mitt Mot aus Bronze

Instrument aus Glas

Munnben aus Bronze

Kanin i trøbbel aus pulverbeschichteter Bronze

Geometrisk Rev aus pulverbeschichtetem Stahl

In Sichtweite steht das Königliche Schloss mit einer schönen Blickachse Richtung Innenstadt.

Die Bewohner sind zwar zuhause, das zeigt die Flagge auf dem Dach, aber niemand kam heraus auf den Balkon, um die Sonne zu genießen oder uns zuzuwinken.

Auch auf der Rückseite kann man entlanglaufen. Dort liegt die Parkstraße mit schönen Villen. In einigen davon residieren Logen.

Blick in den privaten Teil des Schlossparks, das Gebäude hinter den Bäumen ist das Schloss.

Gleich am Ende des Schlossparks beginnt die ganz normale Wohnbebauung, das erste Eckgeschäft ist ein Kopierladen. Noch ein bisschen weiter den Hügel hinab, und schon liegt die Color Magic in Sichtweite.

Diesmal gibt es die gebuchte Kabine, auf Deck 11, direkt unter den Wasserbecken des Aqualandes, die Wellen des Badewassers sind zu hören.

Majorstuen

Das ist der Stadtteil, in dem unser Hotel liegt, etwas erhöht auf einem Hügel. Die Auswahl fiel beim Buchen auf dieses Hotel der Kette wegen der gleichnamigen Debüt-CD der norwegischen Folkband Majorstuen. Im Stadtteil liegt auch Norwegens Musikhochschule, an der sich alle Bandmitglieder kennengelernt hatten. Kay hat damals deren Geigerin Ragnhild Furebotten sehr beeindruckt, als Majorstuen beim Folkfestival in Rudolstadt auftraten, ebenso wie Kay mit Hansdans.

Das Hotel Thon Glydenløve liegt an einer langen Einkaufsstraße, dem Bogstadveien, einer der spannendsten Shoppingmeilen in Oslo, wie die Hotelbeschreibung verspricht. Das stimmt, wir genießen allerdings nur das Ambiente. Unser Zimmer geht nach hinten heraus und ist ganz ruhig. Das „modern-urbane, minimalistisch skandinavische Design“ ist sehr angenehm. Ganz in britischer Manier gibt es eine Tee- und Kaffeeauswahl samt Wasserkocher auf dem Zimmer.

Richtig cool ist die Lounge im zweiten Stock in der Nähe unseres Zimmers, in der man Zeitung lesen kann, den ganzen Tag Kaffee und Tee, Kekse und Obst for free bekommt und das Leben auf dem Bogstadveien beobachten kann.

Aber die Sonne scheint und wir erkunden die als sehr elegantes Viertel bezeichnete Gegend im westlichen Oslo. Als ersten fallen die vielen sehr schönen Häuser und Villen auf, ein Mix aus sehr moderner Architektur und alten Holzvillen, dazwischen auch Wohnblocks aus dem letzten Jahrhundert. Es gibt unglaublich viele Kindergärten hier, ab 16 Uhr werden die Kinder alle abgeholt. Als zweites fallen die vielen Elektroautos auf, die leise surrend um die Ecken flitzen. So viele Teslas wie hier haben wir noch nie gesehen. Vor unserem Hotel parkt die ganze Zeit neben einem Tesla ein Jaguar als Fahrschulwagen. Natürlich gibt es in der Innenstadt im hippen neuen Viertel Tjuvholmen einen Showroom für Elekto-Jaguare. Norwegen will in den nächsten Jahren die Zulassung von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor ganz verbieten. Aber es gibt auch noch andere Wagen hier.

Anlieger Majorstuen

Oldtimer an der Oper

Das Frühstück ist im Hotelpreis inbegriffen und der Knaller! Hier gibt es alles zu essen, was man sich auf einem tollen Frühstücksbüffet vorstellen kann. Dazu all das, was moderne Städter nicht missen möchten, Smoothies in verschiedenen Farben, gluten-, lactose- und sonst wie -frei. Sehr angesagt in Norwegen ist zur Zeit ein Apfelsaft-Ingwer-Shot zum Frühstück, getrunken aus dem Schnapsglas, sehr scharf, mit einer reinigenden und entzündungshemmenden Kraft – mindestens gewöhnungsbedürftig, obwohl ich selbst viel frischen Ingwer im Essen verwende.

Abschluss-Teller mit Ananas-Grünkohl-Smoothie

El Camino am Vormittag als Frühstücksraum des Hotels

Das Frühstücksbüffet wird im El Camino serviert, dort gibt es abends Burritos und Tacos, auch lecker. Zwei Burritos und zwei Holunderblütensäfte für 42€. Nur zwei Hauptgerichte in einem Asian-Fusion-Restaurant in einer Nebenstraße kosteten uns 50€, da tranken wir dann nur Wasser dazu. Zum Nachtisch gab es in der Hotellounge dann Tee und Kekse. Für norwegische Verhältnisse sind diese Preise ganz normal.

Waiting to be seated in der Asia Box

Das Hotel liegt ca. eine halbe Stunde zu Fuß vom Zentrum entfernt, ist aber sehr gut mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Busse und Straßenbahnen (Trikk) halten fast vor der Tür, die Metro (T-Banen) ist in wenigen Minuten zu erreichen. Für alles, auch für die Fähren gilt ein Ticket, im Vorverkauf umgerechnet 3,50€ für eine Stunde Gültigkeit, für Norweger unglaublich günstig.

Architektur-Tour durch Oslo

Nach sechs Stunden Spaziergang und ungefähr 11 km Pflastertreten liegt eine faszinierende Tour mit dem Fokus auf die unterschiedlichen Architekturen in Oslo hinter uns. Wir sind dem Routenvorschlag von Oslo Escape Routes gefolgt. Los geht‘s!

The Thief/ Tjuvholmen

Tjuvholmen (die Diebshalbinsel) ist ein neuer Stadtteil, in dem 20 unterschiedliche Architekten die neuesten Trends in der Architektur bauen durften. Auf der einen Seite ist die Vielfalt ganz spannend, andrerseits wirkt es an einigen Stellen auch beliebig.

The Thief ist ein Luxushotel, das erste Hotel in Oslo mit einem direkten Zugang zum Fjord. Die 160 m² große Penthouse-Suite besitzt eine eigene Dachterrasse mit einem tollen Panoramablick, wir durften es leider nicht selbst überprüfen.

Astrup Fearnley Museum

Das Kunstmuseum wurde vom berühmten Architekten Renzo Piano geplant. Das Glasdach erinnert an ein Segel, die Eisenträger an Segelmasten, die Holzfassade an Boote. Neben einer ständigen Sammlung sind auch Wechselausstellungen zu sehen.

Das neue Nationalmuseum

Hier entsteht das größte Kunst- und Architekturmuseum Skandinaviens, das neue Nationalmuseum. Die einzelnen Sammlungen sind noch auf einzelne Häuser aufgeteilt bzw. schon für den Umzug eingelagert. 2020 soll die Eröffnung sein.

Der Neubau umfasst einen ganzen Straßenblock und umschließt das Friedensnobelpreiscenter. Dieses war früher die Ankunftshalle für die Eisenbahn, das Kunstmuseum entsteht auf dem Gelände des ehemaligen Kopfbahnhofs.

Oslos historisches Zentrum

Unser Weg führt uns über das Parlamentsgebäude zur ehemaligen Posthallen, die inzwischen Boutiquen und ein Restaurant beherbergt. Gegenüber war die Alte Kriegsschule beheimatet, bereits ca. 1640 errichtet und 1763 erweitert. Auf der anderen Straßenecke residiert eine sehr poshe Konditorei in einem Gebäude von 1895 (das Foto ist nichts geworden). Dafür leuchten die Auslagen von Pascal Tollbugata:

Stortinget

Posthallen

Den gamle Krigsskole

Macarons bei Pascal

Noch mehr zuckriges

Bjørvika, ein Stadtteil mit 1000jähriger Geschichte und seit Beginn des Jahrtausends eines der größten städtebaulichen Entwicklungsprojekte im neuzeitlichen Norwegen.

Die öffentliche Bücherei Oslos hat den Namen Deichman. Hier in Bjørvika entsteht die neue Hauptstelle, es gibt außerdem noch 16 Stadtteilbüchereien, die größte davon in Majorstuen. Die Hauptstelle sollte schon im letzen Jahr eröffnet werden, nun ist 2020 prognostiziert.

Die Oper

Dieses ikonische Gebäude wollten wir uns auf jeden Fall ansehen. Designed von der norwegischen Architekturfirma Snøhetta, mit Preisen ausgezeichnet, ist ganz großartig. Wir steigen dem Gebäude auf‘s marmorne Dach und haben das Gefühl, auf einem Gletscher zu sein, besonders bei Sonnenschein. Das Gebäude liegt direkt am Hafen, im Wasser glitzert die Skulptur „She Lies“ von Monica Bonvicini, Menschen genießen den Samstag saunierend in kleinen schwimmenden Sauna-Hausbooten oder vergnügen sich beim Standup-Paddeling, nur mit Bikini bekleidet (es ist der 5.Oktober, wohlgemerkt).

Die Skulptur stellt eine Interpretation von Caspar David Friedrichs Gemälde „Das Eismeer“ dar.

Auch das Innere ist sehenswert, die Säle sind überwiegend aus Eiche erbaut. Wir haben die Hälfte der Tour hinter uns und genießen eine Kaffeepause.

Barcode

Dieses Häuserensemble im Stadtteil Bjørvika besteht aus zwölf Hochhäusern in unterschiedlicher Höhe und Breite, jedes einzelne in seiner ganz eigenen Architektur erbaut. Zwischen jedem Haus gibt es unbebaute Flächenstreifen, so dass das Ensemble von weitem einem Barcode ähnelt. Hier wohnen und arbeiten Menschen, es gibt Geschäfte und Restaurants.

Die Akrobatenbrücke führt vom Barcode-Viertel über die Eisenbahngleise des Hauptbahnhofs hinüber nach Grønland (so heißt dieses Viertel). Hier beginnt der Kiez mit Geschäften, die glitzernde Stoffe und Kleidung oder Obst und Gemüse verkaufen.

Entlang des Akerselva Flusses

Der Fluss in der Mitte der Stadt ist ein Traum für Wildwasserfahrer. Wir folgen ihm flussaufwärts bis zum Nedre Foss, dem untersten Wasserfall im Flusslauf, an dem früher eine Mühle in Betrieb war. Am Flussufer entlang wurden alte Fabriken umgebaut zu Wohnungen, Restaurants und Büros. Aber auch Kunstzentren finden hier ihren Platz.

alternatives Kunstzentrum

noch mehr alternatives Leben

Vulkan

Schon seit den Gründungstagen von Oslo gab es hier Industrie: König Harald Hardråde ließ hier erfolgreich nach Silber schürfen, bis 1610 wurde Blei abgebaut. Ende des 19. Jahrhunderts übernahm die Vulkan Eisengießerei das Gelände, auf dem davor u.a. eine Mühle, ein Zement- und eine Ziegelfabrik standen, nicht zu vergessen das erste öffentliche Duschbad. Von 2004-2014 wurde das gesamte Areal nach einem architektonischen Masterplan umweltfreundlich bebaut, ist energetisch autark und beherbergt das erste Hotel Norwegens, das in die Energieklasse A eingestuft wurde.

Nedre Foss

In der historischen Mathallen gibt es auch heute noch Essen. Geschäfte bieten Nahrungsmittel aller Art an, kleine Restaurants lassen keinen Wunsch offen.

Wohnsilos einmal anders

Auf dem Rückweg gehen wir über den Telthusbakken, einem Hügel, der bis in das 18. Jahrhundert noch namenlos war. Er bekam dann seinen Namen nach einer militärischen Lagerbebauung aus Zelthäusern. Heute ist der steile Weg auf der einen Seite mit kleinen, gut erhaltenen und immer noch bewohnten Holzhäusern aus den 1800ern gesäumt, auf der anderen Seite sind Schrebergärten.

Der Vigeland Skulpturenpark im Frogner Park

Das Wetter ist gut, also besuchen wir am Nachmittag noch die Skulpturen von Gustav Vigeland (1869–1943), dem wohl bedeutendsten Bildhauer Norwegens. Die mehr als 200 Werke aus Bronze, Granit und Gusseisen befinden sich in einem Teil des Frogner Parks, der von Vigeland selbst gestaltet wurde. Die gesamte Anlage entstand zwischen 1924 und 1943 und stellt den Lebenszyklus des Menschen dar. Vigeland arbeitete am Rande des Parkes. Das ehemalige Atelier ist nun ein Museum. Der Magistrat von Oslo erhielt die Rechte an den Skulpturen und kam als Gegenleistung für den Lebensunterhalt des Bildhauers auf. So kann man als Künstler in Ruhe arbeiten. Vigeland entwarf auch die Medaille des Friedensnobelpreises. Die unterschiedlichen Darstellungen des Menschen haben uns sehr berührt.

Der Haupteingang zum Skulpturenpark

Der Bildhauer

Die Brücke mit den 58 Bronzefiguren

Die wohl berühmteste Bronzefigur: Sinnataggen („der kleine Trotzkopf“), ein zornig mit dem Fuß aufstampfendes kleines Kind

Die Dahlien blühen noch, im Hintergrund der Brunnen und der Monolith

Details am Brunnen, das Wasser ist schon abgestellt

Blick Richtung Haupteingang

Monolitten, eine 17 Meter hohe Granitsäule mit 121 Figuren, an Ort und Stelle aus dem Block herausgehauen

Figuren rund um den Monolithen

Die Sonnenuhr, im Hintergrund die Anlage rund um die Säule

Von dort oben aus können wir sogar den Holmenkollen erkennen.

Das Rathaus von Oslo – bildgewaltig

Nach einer ruhigen Nacht, die Ostsee war so still wie ein See, und einem leckeren Frühstück kommen wir um 10 Uhr in Oslo an. Die Sonne scheint, wir haben kein Bargeld für Bus oder Taxi, also folgen wir dem übrigen Touristenstrom Richtung Innenstadt und besichtigen als erstes das Rathaus, wo alljährlich im Dezember der Friedensnobelpreis verliehen wird. Das markante Ziegelgebäude mit den beiden Türmen (hier befinden sich die Büros) ist für die Öffentlichkeit an sieben Tagen der Woche zu besichtigen.

Von der Planung bis zur Eröffnung vergingen 35 Jahre, zwei Weltkriege verhinderten eine zügige Ausführung. Alle repräsentativen Säle sind künstlerisch im Stil der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ausgestaltet. Dabei sollte in der Darstellung der Geschichte, Kunst und Kultur Norwegens immer „das Volk“ im Zentrum stehen. Alle Materialien mussten aus Norwegen kommen.

In der Großen Halle fällt zunächst das große Ölgemälde von Henrik Sørensen mit dem Titel „Arbeit. Verwaltung. Feier.“ ins Auge:

Die anderen drei Wände werden von drei monumentalen Werken des Künstlers Alf Rolfson dominiert:

Die Besetzung Norwegens im Zweiten Weltkrieg

Das Arbeitsleben der Norweger vom Fischfang im Westen bis zur Wald- und Forstwirtschaft im Osten des Landes

Die Darstellung von St. Hallvard, dem Schutzheiligen Oslos habe ich nicht fotografiert. Die Große Halle erstreckt sich bis zur Wasserfront. Dort ist an der rechten Wand Karl Högbergs Fresko über Handel und Gewerbe, finanziert von der Osloer Börse, zu sehen. Nach Protesten der Linken durfte in einem sehr ähnlichen Stil Reidar Aulie ein Pendant auf der gegenüberliegenden Seite über die Arbeiterbewegung anfertigen.

Im ersten Stock befinden sich unterschiedliche Festsäle. Der Munch-Saal ist wegen einer Trauung geschlossen, aber auch die anderen, mit Fresken, Wandbehängen und repräsentativen Möbeln ausgestatteten Räume sind absolut sehenswert.

Wandteppich, auf dem der Stadtgründer König Harald Hardrada (1015-1066) in Oslo einreitet (Hårdråde Raum)

Fresko von Aage Storstein, das Motive aus der norwegischen Geschichte zeigt (Storstein Raum)

Fresko von Per Krogh, das die unterschiedlichen Aktivitäten in der Stadt und auf dem Land in den Jahreszeiten zeigt (Krogh Raum)

Der Sitzungssaal der Ratsversammlung

In einem Zwischengang sind in Vitrinen Gastgeschenke an die Stadt aus aller Welt ausgestellt.

Der Aufgang zum Rathaus vom Fridjof-Nanssen-Platz aus ist von beiden Seiten von Arkaden gesäumt, in denen 16 Holzreliefs von Dagfin Werenskiold hängen, jedes wiegt ca. eine Tonne. Die Motive stammen aus der norwegischen Mythologie, den Edda-Texten, und sind uns gar nicht so unbekannt. Hier eine Auswahl:

Die drei Walküren, die als Schwäne angeflogen kommen und sich in die drei schönen jungen Mädchen Alrund, Svankit und Alvit verwandeln.

Drei der vier Hirsche (Dåin, Dvalin, Dunøy und Durato), die auf Yggdrasil, der Weltenesche grasen.

Odin reitet auf dem achtbeinigen Pferd Sleipner.

Die Nornen wässern Yggdrasil.

Frigg, eine von Odins Frauen und Mutter von Balder

Das Rathaus von der Fjordseite aus, im Erdgeschoss wird noch renoviert.