Ein Schloss, das nie ein Schloss war

Eine weitere braune Hinweistafel an der Autobahn lockte uns zu Brundlund Slot, das das Kunstmuseum der Stadt Apenrade beherbergt. Es werden wechselnde Künstler und Künstlerinnen der letzten 300 Jahre aus Südjütland ausgestellt, zur Zeit liegt der Fokus auf einer Werkschau von Franciska Clausen („Franciska und das ewige Experiment“), aufgewachsen in Apenrade, ausgebildet und geschätzt in München und Paris, später verkannt in Kopenhagen und sich wieder zurückgezogen nach Apenrade. Wer 1899 als Mädchen geboren wurde und wohl schon früh einen sehr eigenen Kopf hatte, hatte es sicherlich schwer, sich in der damals extrem männerdominierten Kunstwelt auf Dauer durchzusetzen. Und dann noch als ausgesprochene Vertreterin des Surrealismus, zu der sie sich in ihren Jahren in Paris entwickelte. In Apenrade verdiente sie später als Kunstlehrerin ihr Geld und versuchte (nicht so erfolgreich), auch Werbeplakate an die Produktinhaber zu verkaufen. Nach ihrem Tod im Jahr 1986 hinterließ sie 2500 Werke, die im Brundlund Slot archiviert sind.

Die Geschichte des Schlosses reicht bis ins 15. Jahrhundert zurück, als es der Königin Margarete I. gelang, Apenrade in ihr Reich einzugliedern. Nun musste ein Sitz für den Amtmann her und man errichtete das Gebäude als Wasserburg. Noch heute kann man im Keller die riesigen Feldsteine sehen, auf denen die Mauern errichtet wurden. Der Keller diente als Kerker. Das Schloss war als Verwaltungsgebäude konzipiert mit kleinen Zimmern in den Türmen und vielen weiteren Räumen. Ein Baumallee führt durch das Torhaus zum Hauptgebäude. Das ganze Gelände ist von Wasser umgeben und lässt das Ensemble aus Torhaus, Schloss und ehemaligem Stall- und Gärtnergebäude (beherbergt heute eine Kunstschule für Kinder und Jugendliche) wie auf einer Insel in einem See liegend wirken.

Die in der Kunstschule entstandenen Arbeiten werden im Erdgeschoss des Schlosses ausgestellt. Diesmal waren es Interpretationen des Bildes „Der Fisch“ von Franciska Clausen.

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Aber auch Museumsbesucher dürfen sich in der Werkstatt in einem der Turmzimmer mit der Formsprache Clausens auseinandersetzen, wie das nächste Foto zeigt und das Ergebnis ausstellen oder mit nach Hause nehmen.

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Im Schlosspark werden Skulpturen gezeigt, die entweder von Nordschleswigern geschaffen wurden oder speziell für die Stadt Apenrade. Auch die Hecken werden künstlerisch bearbeitet, eine im Stil von Franciska Clausens Werk „Die Schraube“:

Auch das Café ist in einem der Turmzimmer untergebracht. Es gibt ein Kombiangebot aus Museumseintritt plus Kaffee und Kuchen, was wir gern in Anspruch genommen haben. Die Dame an der Kasse plante mit uns genau den Cafébesuch: vor oder nach dem Gang durch die Ausstellung; Kaffee oder Tee; Beerentorte oder Nougateisbömbchen (die heutige Auswahl). Wenn nicht viel los ist im Museum ist sie es nämlich auch, die alles vorbereitet und serviert (EinFrauBetrieb).

Das Ergebnis genossen wir in vollen Zügen, bevor wir in den Skulpturenpark besichtigten.

Camping mit Kind

Zwischendurch bekamen wir Besuch vom Enkelkind. Das fand den Wohnwagen schon auf seinem Abstellplatz zuhause toll. Nun also ohne Eltern das erste Mal Mini-Ferien auf dem Campingplatz mit Oma und Opa. Bisher waren wir immer nur zu zweit und eingespielt. Doch auch der Besuch wurde ohne Probleme integriert. Wenn der Platz im Wohnwagen und im Vorzelt zum Autos spielen nicht mehr ausreicht, bietet der Campingplatz vielfältige Möglichkeiten, egal wie das Wetter ist (nur um es noch einmal zu erwähnen, wir befinden uns im Hochsommer). Ganz nach der Devise: Schlechtes Wetter gibt es nicht, nur schlechte Kleidung!

Christiansfeld – UNESCO-Weltkulturerbe und Stadt der Honigkuchen

Jedesmal, wenn wir auf der Autobahn in Dänemark Richtung Norden unterwegs sind, kommen wir an dem braunen Hinweisschild vorbei, das uns auf das UNESCO-Weltkulturerbe Christiansfeld aufmerksam macht. Diesmal sind wir tatsächlich abgebogen und folgen den Schildern. Wir werden zunächst einmal komplett um das kleine, ruhige Städtchen südlich von Kolding herumgeführt, bis wir zu einem etwas überdimensioniert wirkenden Parkplatz gelangen, auf dem Ende August nur drei Autos und keine Reisebusse parken (Was muss hier sonst für ein Trubel herrschen?).

Vom Parkplatz aus sind es nur wenige Schritte bis in den Innenstadtkern, der seit 2015 UNESCO-Weltkulturerbe (eines von insgesamt sieben in Dänemark, plus drei auf Grönland) ist, weltweit die am besten erhaltene Stadt der Brüdergemeinde.

Christiansfeld geht auf die Gründung durch die Herrnhuter Brüdergemeinde zurück, die sich 1457 als Glaubensgemeinschaft zusammenfand, um den Idealen Glaube, Gemeinschaft und Freiheit gemäß den Gedanken des böhmischen Reformators Jan Hus zu folgen. 1722 musste eine Gruppe Asyl in Sachsen suchen; gemeinsam mit dem dortigen Grafen von Zinzendorf, der ihre Grundsätze teilte, gründeten sie die Stadt Herrnhut, von der die Brüdergemeinde dann auch ihren Namen erhielt. Nach und nach wurden auf der ganzen Welt Städte nach diesem Vorbild gegründet und die Herrnhuter wurden bekannt durch ihre qualitativ hochwertige Handwerksarbeit.

Der dänische König Christian der 7. hörte davon. Er wollte den wirtschaftlichen Wachstum im Süden Jütlands ankurbeln und lud die Brüdergemeinde dorthin ein, um eine Stadt zu gründen. Er verkaufte ihnen 1722 sein königliches Gut Tyrstrupgård, sie benannten dafür die 1788 fertiggestellte Stadt nach ihm. Diese wurde nach zu der Zeit sehr modernen Gesichtspunkten geplant, mit einen Kirchplatz als zentralen Punkt, begrenzt durch die zwei wichtigsten Straßen, der Lindenstraße und der Norderstraße, die wiederum gesäumt waren durch die ersten zwanzig, in gelbem Ziegelstein errichteten Gebäude.

Außer der Landwirtschaft betrieb die Gemeinde unter anderem eine Brauerei, eine Tabakswarenfabrik, eine Schneiderei und eine Färberei, eine Druckerei und eine Buchbinderei, sie siedeten Seife, zogen Kerzen, bauten Klaviere und Kachelöfen und vieles mehr. Die Qualität ihrer Produkte machte sie in ganz Dänemark bekannt.

Vielen ist der Name Herrnhuter heutzutage sicherlich durch den gleichnamigen Stern mit 25 Stacheln bekannt, der bei uns in der Weihnachtszeit leuchtet. Hier in Christiansfeld findet man ihn an jeder Ecke und Kante in der Innenstadt in den Fenstern und größer außen an den Gebäuden und zu jeder Jahreszeit. Nach dem zweiten Weltkrieg bis 1989 wurden die Sterne für Dänemark hier in Christiansfeld in Lizenz hergestellt. Heutzutage wird er ausschließlich in Herrnhut hergestellt, immer noch in Handarbeit.

Am zentralen Kirchplatz steht der Kirchensaal (anstelle einer traditionellen Kirche), der größte ohne tragende Säulen in Dänemark, ganz in weiß gehalten und sehr schlicht.

Dem Kirchengebäude angeschlossen lag die Schule für die Jungen in der Lindenstraße, ebenso wie das Pfarrhaus gegenüber und das Brüderhaus für die unverheirateten Männer.

In den Hinterhäusern des Brüderhauses waren auch viele der Werkstätten und Kleingewerbe wie Gerberei, Tischlerei und Bäckerei untergebracht. Schräg gegenüber wurde das Gästehaus der Gemeinde errichtet. In diesem Hotel wurde übrigens der Waffenstillstand 1864 nach dem dänisch-preußischen Krieg unterschieben.

Das Pfarrhaus, 1773 für einen der Stadtgründer und erstem Vorsteher der Gemeinde gebaut.

Auf der anderen Seite des Kirchplatzes, entlang der Norderstraße, war das Reich der Frauen. Gegenüber des Kirchsaales fanden die Witwen und unverheirateten älteren Schwestern ihr Zuhause. Betreut wurden sie von den unverheirateten Frauen und größeren Mädchen, die im benachbarten Schwesternhaus lebten (heute ist hier das Museum, das Kulturhaus der Stadt und ein schöner Shop untergebracht). Die Schule der Mädchen befand sich ein Haus weiter. Hinter dem Schwesternhaus befindet sich der dazu gehörige Garten, der 2020 nach alten Zeichnungen renoviert wurde.

Zum Abschluss des Besuches kehren wir im Honningkagehuset ein, um die berühmten Honig- bzw. Lebkuchen von Christiansfeld zu probieren. Aus der ganzen Auswahl entscheiden wir uns für einen mit Schokoladenmousse gefüllten, der absolut überwältigend schmeckt.

Es ist kein Wunder, dass man Christiansfeld in Dänemark auch die Honigkuchenstadt bzw. Stadt der (Lebkuchen-)Herzen nennt, die ihre Backwaren ins ganze Königreich liefert. Lebkuchen werden hier seit mehr als 200 Jahren hergestellt, allerdings zuerst nicht so erfolgreich wie heute. 1783 wurde die erste Bäckerei eingerichtet, die Produktion von Honigkuchen wurde aber schwierig, als es nur wenig Honig gab. Ein paar Jahre später übernahm ein Perückenmacher aus einer anderen Brüdergemeinde das Geschäftsgebäude, doch auch sein Geschäft florierte nicht, da das Tragen von Perücken aus der Mode kam. Glücklicherweise war der Perückenmacher durch seinen Onkel mit dem Bäckerhandwerk vertraut. Dazu war seine Frau im Besitz eines hervorragenden Familienrezepts für Lebkuchen. Der Perückenmacher begann 1799 mit der Produktion, übernahm nach dem Tode des ursprünglichen Gründers dessen Bäckerei und vertrieb die Honigkuchen nicht nur in der Stadt, sondern bald auch über Südjütland hinaus nach ganz Dänemark.

Heute gibt es in Christiansfeld einige Geschäfte, die nach eigenen Rezepturen Honigkuchen herstellen. Es bleibt einem nichts anderes übrig, als selbst zu kommen und sich durchzuprobieren. Sie sind wahrscheinlich alle sehr wohlschmeckend.

Aabenraa – Apenrade

Der Campingplatz gehört schon zur Haderslebener Kommune, liegt aber nur einige Kilometer nördlich von Apenrade. Die Gemeindegrenze teilt den Strand der Gennerbucht unsichtbar in zwei Teile. Nördlich heißt der Sand Sønderballe Strand, südlich heißt er Genner Strand.

Das Wetter ist nicht so toll, daher machen wir einen Ausflug. In Aabenraa läuft gerade das jährliche Straßentheaterfestival. Leider laufen uns keine Live Acts auf unserem Bummel durch die Fußgängerzone über den Weg. Auch die Bühne am südlichen Ende ist verwaist. Wir spazieren einmal vom Rathaus/ Touristinformation die Gågade auf und ab (erstaunlich hügelig) und werfen den einen oder anderen Blick in die kleinen Nebengänge und Innenhöfe.

Blick Richtung Süden
Blick Richtung Norden

Auf dem Rückweg halten wir an der Kalvø Fischräucherei an, wo es verlockend duftet, denn es wird gerade geräuchert. Wir kaufen aber frische Makrelen ein, die wir mit Dill gefüllt im Backofen in der Küche des Campingplatzes garen, ein Gedicht!

vorher
nachher

Part time-Dauercamper-auf Probe

Nach vielem Hin und Her, ob ich mein Sabbatjahr aus gesundheitlichen Gründen überhaupt antreten kann („ja, nein, ach, doch“) und ob Kay dann in der Zeit arbeiten geht („nein, doch, ach, okay“), probieren wir jetzt etwas bisher Ungeplantes und Ungedachtes aus.

Wir waren wieder einmal ein paar Tage mit dem Wohnwagen in Vikær, um in Ruhe nachzudenken, wie es weitergehen könnte. Bis zu den Herbstferien muss Kay auf jeden Fall noch arbeiten. Mitte August beginnt hier die Nachsaison, und so wir ließen unseren Stellplatz kurzerhand in einen Dauerplatz für die letzten sechs Wochen der diesjährigen Campingsaison umwandeln.

Nun bleibt der Wohnwagen in Dänemark und wir pendeln zwischen zuhause (2,5 Tage) und Campingplatz (4,5 Tage) hin und her. Ohne Anhänger dauert die Fahrt nur knappe anderthalb Stunden, wenn an der Grenze kein Stau ist.

Sobald wir hier sind, stellt sich das Ferienfeeling sofort wieder ein. Gute Entscheidung für jetzt.

Platzmiete ist bezahlt, Strom wird am Ende abgerechnet

Radtour rund um den Wittensee

Unser Ausflug führt uns mitten hinein in den Naturpark Hüttener Berge, dem flächenmäßig kleinsten Naturpark in Schleswig-Holstein. Wir wollen den Wittensee umrunden, eine Strecke von ca. 23 km.

Der See ist ein sogenannter Zungenbeckensee. Während der letzen Eiszeit, der Weichsel-Eiszeit, schob der Gletscher sich Richtung Westen und türmte dabei links und rechts die Endmoränen auf, die heute die Hüttener und Duvenstedter Berge sind. Die Gletscherzunge schürfte das Becken des Sees aus, blieb liegen und taute so langsam vor sich hin. Das ist bereits ca. 20.000 Jahre her. Heute liegt der bis zu 20 Meter tiefe See friedlich in der Sonne.

Die Radtour, man kann die Strecke auch wandern, kann man von jedem Dorf aus beginnen. Überall gibt es Park- und Einkehrmöglichkeiten. Wir beginnen in Haby. Aus dem Dorf hinaus führt der Weg über Wirtschaftswege an Knicks vorbei Richtung Schlauckweg außerhalb von Groß Wittensee. Hier wurden schon seit den 1950er Jahren im Bruchwald des Ufers Gartenlauben errichtet, die dann im Laufe der Jahre zu meist illegal errichteten Wochenendhäusern mutierten. Versuche der nachträglichen Legalisierung oder auch der Abriss scheiterten stets. Vor fast 15 Jahren wurden die Grundstücke dann nach und nach aus dem Naturschutz entlassen, ein Bebauungsplan erstellt und die Modernisierung der alten Häuser konnte legal in Angriff genommen werden. Viele Hamburger hat dies erfreut.

Campingplatz Groß Wittensee, besser nicht buchen, sieht nicht so toll aus. Blick Richtung Süden, die hinteren Windräder stehen schon südlich des Nord-Ostsee-Kanals.

In den Dörfern Groß und Klein Wittensee ist das Seeufer bebaut. Ab und zu blitzt das Wasser zwischen den Häusern und Bauernhöfen hervor. Wir fahren an der ehemaligen B203 weiter.

Der Baum links im Bild ist kein Baum, sondern eine kleine Gruppe von Weißdorn-Büschen.

Am Rand von Klein Wittensee entstand in den 1930er Jahren ein Wasserflugplatz der Luftwaffe. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gelände als Mobilmachungsstützpunkt der Bundeswehr genutzt, der 2005 aufgelöst wurde. Ab 2010 entstanden nun Wohn- und Ferienhäuser.

Ferienhäuser direkt am See
Jetzt gibt es hier auch eine neue Badestelle. Blick Richtung Bünsdorf.

Wir kehren nicht zur Teerstraße zurück, sondern probieren den neuen Wanderweg direkt am See aus. Ja, er stellt sich als fahrradtauglich heraus und endet an der nächsten Badestelle, in Sande, einem Ortsteil von Holzbunge. Auch hier wird heute nicht gebadet, nur ein paar Windsurfer sind zu sehen.

Ein kurzer steiler Anstieg noch (die Endmoräne der Eiszeit lässt grüßen), vorbei am Fischermeister Bening (sehr leckere Fischbrötchen am Wagen in Holzbunge) und schon biegen wir ab auf die Kreisstraße und düsen bergab Richtung Bünsdorf. Die Badestelle im Dorf ist heute stark frequentiert, aber wir machen noch keine Pause. Die Straße ‚An‘t Över‘ führt direkt am Seeufer entlang.

Blick zurück Richtung Klein Wittensee.

So ganz umrunden kann man den Wittensee nicht. Am Ende sind Felder und die Habyer Au im Weg. Wir biegen ab Richtung Süden und bekommen noch einmal die Ausläufer der Endmoräne zu spüren. Die Ausblicke sind phänomenal:

Wir überqueren die Landesstraße zwischen Gettorf und Rendsburg, durchfahren einen Redder und finden uns an der Nordseite des Nord-Ostsee-Kanals wieder.

Nur noch eine kurze Fahrt entlang des Wirtschaftsweges und schon sind wir in Sehestedt am Imbiss mit der tollen Aussicht auf die vorbeifahrenden Schiffe. Manchmal ziehen sogar Hochhäuser an einem vorbei.

(Diese Aufnahme ist eine Woche vor dieser Radtour entstanden.)
Hier gibt es die besten Pommes in der Gegend.

Nach der wohlverdienten Pause sagt uns ein Blick zum Himmel, dass wir uns zügig auf den Heimweg machen sollten, bevor uns das Wetter einholt. Am Ende haben wir die Wettfahrt gewonnen:

Bestimmt eine schöne Stadt, …

… aber nicht unbedingt im Regen und bei 13 Grad im Juli.

Der Erholungswert auf dem Campingplatz ist wirklich groß. Wir genießen die Zeit, bei Sonne auf dem Liegestuhl vor dem Zelt, bei Schauern im Wohnwagen, Kaffee bzw. Tee und leckerer dänische Kuchen (gibt es im Café des Platzes) in Reichweite. Uns zieht es so gar nicht hinaus in die Umgebung.

Am letzten Tag regnet es sehr und es ist kühl, wir würden gern im Trockenen bleiben. Aber der Autotank ist fast leer, wir müssen tanken. Dann könnte man doch auch noch mal nach Svendborg fahren, da waren wir noch nie.

Wie gesagt, eigentlich ganz schön, aber viel zu nass:

vierköpfige Familie mit Schirm
Wir wärmen uns schließlich in einem Café mit warmer Grütze und Panini auf.

Trocken und warm geht es danach schnurstracks zum Auto zurück. Nass und erfroren kommen wir dort an, fahren tanken, kaufen beim Bäcker noch süße Teilchen ein und fahren zum Campingplatz zurück. Dort warten trockene Klamotten und heißer Tee auf uns.

Hier kommen noch ein paar Impressionen vom Campingplatz bei dem Wetter:

Zugang zum Strand mit Lagerfeuerplatz und Bootsverleih
Badesteg und Badeponton an Land gezogen, Boote trocken gefallen
Küste ohne Wasser
schöne große Stellplätze unter Eichen

Nun ist der Urlaub zuende. Schön war es auf Fünen. Wir kommen sicher wieder!

Fyn Rundt und Avernakø lang

Die klassische Veranstaltung für Traditionsschiffe „Fyn Rundt“ war der Anlass, uns dann doch trotz der nicht vielversprechenden Wettervorhersage für eine Fahrradtour zu entscheiden. Die wollten wir auf Avernakø machen und auf der Rückfahrt mit der Fähre mit den Traditionsschiffen zusammen wieder in Faaborg einlaufen. Guter Plan soweit.

Wir waren vormittags rechtzeitig am Hafen, wo uns dieses Schild erwartete:

Und darunter rechts eine ewig lange Schlange quer über das Gelände, links nur vier Personen wartend. Während man sich ja sonst gerne bei der kürzeren Schlange anstellt, war es hier frustrierend, denn wegen Covid ist wohl die Anzahl der Personen auf der Fähre und/ oder auf der Insel begrenzt. Und die Personen mit Reservierung haben Vorrang. Nach einer kleinen Hängepartie des Hoffen und Bangens war die lange Schlange im Bauch der Fähre verschwunden und der Zähler in der Hand des Fährmannes noch nicht am Limit: wir durften mit!

Der erste Stopp auf Lyø ließ den allergrößten Teil der Schlange wieder heraus, und wir fuhren weiter nach Avernakø.

Hafen von Lyø
schönstes Segelwetter
Während einige Besucher die Insel so erobern, …
… brettern wir mit den Fahrrädern los, insgesamt 15km hin und zurück.

Die Insel besteht eigentlich aus zwei Inseln, Avernak und Korshavn, seit 1937 durch einen Damm verbunden. Die Kirche steht in Avernak By, der erste protestantische Kirchenneubau nach der Reformation. Der erste Pastor war damals ein Mönch aus dem Kloster in Faaborg, der zum Protestantismus konvertiert war.

Im nächsten Ort Munke gibt es eine kleine Pause mit einem Eis von Skarø, Erdbeer-Maracuja-Sorbet bzw. Stachelbeer-Sorbet.

In Munke steht auch der zweite Maibaum der Insel, den die Bewohner immer am Pfingstsonnabend zusammen schmücken und aufstellen, ein Brauch, der in Dänemark nur noch auf einer weiteren Insel (Strynø) gepflegt wird.

Für uns geht es weiter an Kornfeldern vorbei über den Damm, Drejet genannt, nach Korshavn bis zum östlichsten Inselende Revkrogen.

Nach einer kurzen Pause mit den Füßen im weichen Strandsand (eine Seltenheit an den fün’schen Stränden) ging es zurück. Von den Hügelkuppen aus konnten wir die Traditionssegler in der Ferne sehen.

Die Fähre brachte uns schließlich mit den letzten einlaufenden Segelschiffen zurück nach Faaborg. Der größere Teil war schon etwas länger dort.

Wir machten anschließend noch einen Spaziergang an den gut gefüllten Kais entlang zum Räuchereicafé, um Fisch für das Abendessen zu kaufen.

Helnæs Bucht westlich von Faaborg

Wir sind wieder ein Stückchen weiter gefahren, diesmal nach Südosten und sind vor ein paar Tagen auf dem Falsled Strand Campingplatz gelandet. Hier stehen wir unter hohen Eichen zusammen mit vielen internationalen Gästen und sehr vielen Familien mit Kindern jedes Alters (ein paar Dauercamper gibt‘s auch hier), und es gefällt uns ausnehmend gut. Wir erholen uns durch recht konsequentes Abhängen im Wohnwagen, im oder vor dem Zelt, je nach Wetterlage. Nur zum Einkaufen fahren wir mal eben nach Faaborg. Die wirklich wichtigen Lebensmittel im Sommer gibt es aber auch hier in den Buden am Straßenrand.

zur Auswahl stehen Erbsen, Wurzeln, Kartoffeln, Himbeeren, Kirschen und Erdbeeren
übersetzt: dänische Erdbeeren, der Geschmack von Sonne und Sommer

Die Betreiber des Campingplatzes sind erst Mitte dreißig und betreiben ihn in ihrer ersten Saison. Das, was sie bereits modernisiert haben, spricht uns sehr an, den großen Rest werden sie sicherlich nach und nach in Angriff nehmen. Wir sind jetzt schon gespannt auf die Änderungen, denn hierher werden wir sicherlich wieder her fahren.

Denn ob die geplanten Fahrradtouren auf den Inseln des südfünischen Archipels durchgeführt werden, ist noch nicht sicher. Erst war es sehr heiß und der Liegestuhl im Baumschatten zu attraktiv. Dann war es sehr nass und der Wohnwagen während des Gewitters zu kuschelig.

Eine kurze Radtour von 9km von Falsled über Håstrup und zurück über die Hügel und durch Wald und Feld war allerdings schon drin.

Falsled Kro
Falsled Kirke
Abendstimmung am Strand

CLAY Keramikmuseum Danmark in Middelfart

Am letzten Tag am Lillebælt ging es noch einmal mit dem Fahrrad los, unter der Eisenbahn und durch den Wald zu Skandinaviens einzigem spezialisierten Museum für zeitgenössische dänische und internationale Keramikkunst.

Das Gebäude wurde erbaut als Witwensitz für Schloss Hindsgavl. Kammerherr Niels Basse Fønss bekam sehr jung das Schloss von seiner Tante vererbt mit der Auflage, sich um die Witwen der jeweiligen Schlosseigentümer zu kümmern, die nach dem Tode des Schlossherrn fast immer ihr Haus verlassen mussten. Niels zog als Zwanzigjähriger mit seiner Frau ein, gestaltete den Park im neuen romantischen Stil um und forstete den Wald auf der Halbinsel wieder auf. Als er ahnte, dass es langsam Zeit werden würde, sich um eine passenden Alterssitz für seine Frau zu kümmern, ließ er Grimmershus, so hieß das Haus früher, als eine der ersten Villen (alleinstehende Gebäude mit Parkanlage drumherum) Dänemarks im damals revolutionär neuen Historismus-Stil errichten. Bereits ein Jahr nach Fertigstellung musste seine Frau die Villa dann tatsächlich als Witwe beziehen. Sie stiftete diesen Gedenkstein zu Ehren ihres Mannes:

In der „Schatzkammer“ des Museums, die einzige ständige Ausstellung, wird ein Überblick über die dänische Porzellanmanufaktur der letzten 235 Jahre gezeigt, inklusive der Neuinterpretation des dänischen Klassikers „musselmalet“ von 2000, die Einzelheiten des alten Dekors in x-facher Vergrößerung auf neue Porzellanformen bringt.

Auf den anderen Ausstellungsflächen sind bei unserem Besuch sehr unterschiedliche Varianten von Keramik und Porzellan zu sehen.

Abschlussarbeiten des Jahres 2021 der Aarhus Kunstakademie
Arbeiten aus der Sammlung von Erik Veistrup
Arbeiten aus der Hans-Henrik Dyhrs Samling
aktuelle Arbeiten des Duos Claydies; Einladung zum Selfies machen inklusive

Anfang der 2010er Jahre wurde das Museum erweitert, der größte Teil der indoor-Ausstellungsflächen befindet sich nun unter der Erde und endet in einem Pavillon, der den Blick zum Kleinen Belt hin öffnet.

Oberirdisch fügt er sich gut in den Hang ein und beherbergt das Café mit einem tollen Ausblick.

Hier werden uns Kaffee und hervorragender Kringel auf musselmalet Porzellan von Royal Copenhagen serviert:

Es ist wahrscheinlich das einzige Mal in unserem Leben (zumindest in einem Museumscafé), dass wir von so einem teuren Porzellan speisen. Im Shop konnte man Becher aus der Serie kaufen. Unsere Dunoon-Becher zuhause kosten ja schon sehr viel Geld, weshalb es immer nur einen Becher pro Jahr dazu gibt. Aber die musselmalet-Becher toppten den Preis, den wir auszugeben bereit wären, bei weitem: ca. 80 Euro für zwei, einzeln gab es sie gar nicht.

Nach der Kaffeestärkung machten wir noch einen kleinen Rundgang durch den Keramik-Skulpturenpark, bevor es wieder zurück ging.

Isak Vasen, 1992 von Peter Brandes (aufgestellt auf der Weltausstellung 1992 in Sevilla)
Sofa og stol, 2000 von Ane Davidsen und Lova Nyblom
Påskelilje, 2017 von Marianne Nielsen