Kalk und Salz, Câmara de Lobos‘ vergangene Industrie (Madeira 22)

Câmara de Lobos wird in den Reiseführern immer als pittoresker Fischerort beschrieben, was auch zutrifft. Es gibt jedoch auch Spuren aus längs vergangenen Industriezweigen, z.B die Herstellung von gebranntem Kalk für die Bauindustrie.

Forno da Cal, von hinten

Beim Verbrennen des Kalksteins entsteht gebrannter Kalk, der mit Wasser weiter verarbeitet wird zu Kalkfarbe und Kalkmörtel. Der 1874 von Roque Teixeira de Agrela, einem Sohn der Stadt, erbaute Brennofen erhielt 1914 seine heutige Form. 1960 wurde er grundlegend renoviert.

Noch voll funktionsfähig wurde die Kalkbrennerei aber in den 1970ern aufgegeben. Die Anwohner störten sich massiv am Geruch und dem ständigen Qualm aus dem Ofen, der für Smog sorgte. Und gebrannter Kalk konnte inzwischen per Schiff eingeführt werden. Heute ist der Ofen als lokales Kulturerbe anerkannt. Das hilft ihm aber auch nicht wirklich weiter. Es schützt ihn nur vor dem Abriss. Ansonsten gibt es nicht einmal ein Hinweisschild, um was es sich hier handelt.

Unterhalb des Brennofen befindet sich die Salinas Badeanstalt. Sie erhielt ihren Namen nach den alten Salzpfannen, in denen Meersalz gewonnen wurde und nach den Trockenplätzen für Fisch, speziell Katzenhai.

Hier kann man sich die Salzpfannen noch gut vorstellen.

Geplant vom Architekten Paolo David wurde sie 2004 fertiggestellt. Unterhalb der Befestigungsmauer entstanden die Schwimmbecken für Erwachsene und Kinder und die Bar. Die notwendige Infrastruktur wie Umkleideräume und Duschen sind hinter der Mauer verborgen.

Mit einem Fahrstuhl kommt man auf das Straßenniveau und von dort aus in den Park und in das Restaurant. Paolo David hat dafür einige Preise gewonnen.

Aber von der einstigen Schönheit ist kaum noch etwas zu erkennen. Seit Ausbruch von Covid-19 ist das Schwimmbad geschlossen, was dem Gelände nicht unbedingt zuträglich ist. Auch das Restaurant oberhalb ist geschlossen, es ging im Laufe der Epidemie bankrott. Davor gehörte es zu den besten Restaurants am Ort. Eine ausgiebige Recherche im Internet ergab, dass wohl geplant ist, in dem Komplex ein neues Hotel zu eröffnen. Davon ist noch nichts zu sehen. Es war auch kein konkretes Datum angegeben. Wir bleiben gespannt.

Wanderung zum Pico da Torre (Madeira 22)

Wir wollen eigentlich die Kirche Paróquia de Santa Cecília auf der Ostseite des Picos besichtigen. Dafür geht es immer steil bergan, gut, dass es recht bewölkt ist. Schließlich liegt sie vor uns.

Sie wurde am 11. September 2011 eröffnet. Der moderne Bau stellt ein Boot dar.

Leider ist der Komplex mit Zäunen abgesichert wie Fort Knox und nicht zu besichtigen. Wir stecken das Handy durch die Gitterstäbe, um jedenfalls ein Foto vom Kirchplatz zu machen.

Da wir schon fast oben sind, wandern wir weiter zum Pico da Torre. Von dort aus hat man einen schönen Rundumblick von 205 Metern Höhe aus.

Außer einem Kreuz steht noch der Weihnachtsbaum, den wir im Dezember haben leuchten sehen, und viele Mobilfunkmasten oben drauf. Für welchen Anlass das Kreuz errichtet wurde, ist nicht sicher zu recherchieren. Der Anlass ist auch egal, wir genießen den schönen Ausblick.

Wir sind über die Süd- und Ostseite auf den Pico da Torre gekommen. Hinunter geht es über die Nord- und Westseite. Der Vereda do Pico da Torre führt uns im Norden bis auf ca. 100 Meter bergab, dabei knickt er jeweils um 90 Grad ab. Ich habe nach jedem Knick ein Foto gemacht (außer da, wo das junge Liebespaar intensiv knutschte). Ohne es zu merken, überqueren wir auch den Tunnel, in dem die Schnellstraße nach Funchal läuft.

Westlich geht es etwas später den Caminho de São Bernadino hinab, und wir überqueren den Tunnel noch einmal. Bevor der Pfad nur noch aus einer Treppe besteht, fahren offenbar auch Autos darauf. Wir ahnen nicht, wie das gehen soll, aber in den Auffahrten der Häuser stehen Autos.

Im Café Paraíso do Ambrósio gibt es eine Stärkung.

Fruchtiges Frühstück – vielfältige Passionsfrüchte (Madeira 22)

Madeira besitzt aufgrund der Lage mitten im Golfstrom ein wirklich außergewöhnliches, in Teilen subtropisches Klima. Die speziellen kleinen Bananen, die hier wachsen, haben an der Südküste das perfekte Klima, nicht zu hoch und immer von der Sonne verwöhnt. Wir kaufen sie uns immer im lokalen Supermarkt, sie schmecken intensiver als die aus Südamerika. Das Frühstücksbüffet wartet jeden Morgen mit einer großen Auswahl an weiteren Früchten auf, die alle hier auf der Insel wachsen.

Passionsfrüchte, zumindest die violett-farbene Sorte (links im Bild, nicht zu verwechseln mit den gelben, doppelt so großen Maracuja, die zur selben Gattung gehören) kann man auch bei uns kaufen. Eine Variante aus der großen Familie der Passionsfrüchte ist die banana passionfruit (rechts im Bild), die nur in Südamerika wächst, eigentlich. Und dann liegt in der Mitte noch eine rote Variante auf dem Teller, die sie im Restaurant als English tomato bezeichnen. Es ist aber auch eine Passionsfrucht.

Die Schale der lilafarbenen Frucht ist sehr hart, wenn die Frucht reif ist. Das Innere wird ausgelöffelt. Die banana passionfruit ist ca. 10 cm lang, die Schale verfärbt sich wie bei Bananen von grün zu gelb. Man kann sie aber nicht schälen. Entweder schneidet man die Spitze ab und quetscht das Innere wie aus einer Tube heraus.

Oder man schneidet sie der Länge nach auf und löffelt die Samen. Sie schmecken recht fruchtig (sauer aus den noch grünen Früchten), sind aber sehr lecker in Naturjoghurt.

Die dritte Frucht auf dem Teller ist eine English Tomato, zumindest nennen sie sie hier so. Sie ist sehr leicht aufzuschneiden und hat auch von innen eine gewisse Ähnlichkeit mit Tomaten.

Man kann außer den Kernen auch das Fruchtfleisch essen. Das ist allerdings sehr „fruchtig“. Besser, man löffelt Kerne und Fruchtfleisch gemeinsam in den Mund. Der Opa unseres Kellners sagt, dass die Frucht gut für‘s Blut sei, also möglichst viele davon essen. Vielleicht kam er wegen des intensiv rot gefärbten Safts darauf.

Auf jeden Fall ist die Passionsfrucht sehr gesund. Sie enthält die beiden B-Vitamine B6 und B3, Vitamin C, Beta-Carotin, Vitamin E, Eisen und Kalium, außerdem auch noch Magnesium und Phosphor. Dazu ist sie kalorienarm, sie wird also zumindest während unseres Aufenthalts hier täglich auf dem Speiseplan stehen.

Câmara de Lobos, wieder da (Madeira 22)

Wie schön, wieder hier zu sein. Und wie schön, dass auch das Hotel sich freut, dass wir wieder da sind. Im Zimmer werden wir von einer kleinen Aufmerksamkeit begrüßt: bolo de mel, der leckere Honigkuchen, frische Erdbeere und eine kleine Flasche Wein.

Es ist ein bisschen so, als wären wir gar nicht weg gewesen. Sogar die Weihnachtsbeleuchtung hängt noch und wird am Abend eingeschaltet (letztes Mal, wie wir am nächsten Abend feststellen werden).

Unsere Koffer sind immer noch auf Reisen, sie übernachten wohl in Lissabon. Wir erhalten per Mail ab und zu Statusmeldungen und holen uns an der Rezeption ein dental health kit ab: Zahnbürste und Zahnpasta.

Am nächsten Nachmittag werden unsere Koffer aufs Zimmer geliefert, wenn die erzählen könnten. Wahrscheinlich standen sie die meiste Zeit in irgendeiner Ecke herum und warteten auf den nächsten Transportschritt. Aber nun sind sie da, und wir können endlich die Sommerkleidung anziehen. Es ist sonnig bei leichter Bewölkung und 19 Grad. Es gibt auch Touristen, die im Atlantik baden:

Fliegen mit der Lufthansa (Madeira 22)

Wir fliegen zum Überwintern (zumindest drei Wochen lang) nach Madeira. Es ist dort einfach toll! Diesmal haben wir uns für Lufthansa entschieden, eine gute Wahl. Online Check-in klappt super, an einem frühen Sonntagmorgen Anfang Januar fliegen nur wenige Menschen, daher geht es auch bei der Sicherheitskontrolle schnell. Allerdings werden wir so gründlich wie noch nie durchgecheckt.

Danach ist mehr als genug Zeit, die mitgenommen belegten Brote (nun sind wir ja schlauer) mit einem frischen Kaffee in Ruhe zu verzehren. Dann werden die Wasserflaschen aufgefüllt und es kann losgehen. Wir fliegen zuerst von Hamburg nach Frankfurt und dann weiter nach Madeira.

In Hamburg ist es kalt mit Schneeregen, der mehr Regen als Schnee ist. Nichtsdestotrotz werden die Enteisungsfahrzeuge angefordert: „ Ihre und unsere Sicherheit stehen natürlich im Vordergrund.“ Dafür wird auch eine leichte Verspätung von zwanzig Minuten in Kauf genommen.

Der Hubwagen fährt die Tragflächen ab, der Mann im Korb spritzt mit Druck erst eine orange, dann eine hellgrüne Flüssigkeit darauf. Die leuchtet sogar im trüben Hamburgischen Schmuddelwetter.

Auf dem Flug gibt es eine Flasche Wasser und ein Täfelchen Schokolade für jeden. Über den Wolken scheint die Sonne, und kurz darauf landen wir in Frankfurt, dem fünftgrößten Airport Deutschlands. Wir sind mit dem neuesten Flugzeugtyp unterwegs, dem A321neo. Obwohl es nur halb ausgebucht ist, verbraucht es nur drei Liter Kerosin pro Passagier auf 100km. Da kommen wir locker drüber, wenn wir den Wohnwagen hinter uns her ziehen, obwohl unser Zugwagen nur sehr wenig verbraucht. Das macht das schlechte Gewissen, durch das Fliegen aktiv an der Klimaveränderung teilzunehmen, gleich etwas erträglicher.

Die zwanzig Minuten Verspätung von Hamburg (der Flughafen ist übrigens der zweitgrößte Deutschlands) holen wir nicht mehr ein. Beim Zum-Gate-Rollen lassen wir auch noch einen sehr großen Flieger aus den USA vor. Wir sind nicht die einzigen, es stehen noch zwei hinter uns in der Warteschlange. Schließlich ist die morgens noch als komfortabel erscheinende Dreiviertelstunde Umsteigezeit auf die Hälfte zusammen geschrumpft. Wir müssen von einem B-Gate zu einem A-Gate wechseln, das geht nur noch sehr flotten Schrittes, auch auf den Laufbändern. Am Gate erwarten uns alle schon sehnsüchtig, wir sind die letzten beiden fehlenden Passagiere. Ob unsere Koffer wohl auch so schnell waren??

Wir haben noch nicht einmal richtig Platz genommen, da heißt es schon: „Boarding completed!“ Diesmal ist der A321neo höchstens zu 10-15 Prozent belegt. Wir hatten für die Beinfreiheit extra die Plätze am Gang gebucht. Nun haben wir beide je eine Reihe ganz für uns allein. Das ist auch entspannend.

Schokolade und Wasser gibt es auch wieder. Der Flug vergeht quasi wie im Fluge. Es ist sehr ruhig, die Cabin Crew hat nichts zu tun, da die wenigen Menschen an Bord weder etwas zu essen und zu trinken kaufen wollen, noch an den anderen Dingen aus dem Bord-Shop interessiert sind. Wir nutzen die gesamte Sitzreihe aus und wechseln für den Landeanflug auf Madeira auf die Fensterplätze.

Das Wetter ist wie erwartet: warm, etwas bewölkt, blauer Himmel und kein Regen. Es ist einfach wunderbar!

Noch in der Ankunftshalle erreicht uns die Mail, dass die Koffer es leider nicht mit uns geschafft haben. Das passiert, wenn man nur Rollen und keine Füße zum Rennen hat. Sie werden schon noch nachkommen.

Ausblick auf 2022

Ich hoffe, alle haben das vergangene Jahr gut abgeschlossen und sind sicher, gesund und unfallfrei in das neue gekommen. Wir befinden uns immer noch in der komfortablen Lage, Reisen zu planen und durchführen zu können. Während der Weihnachts- und Silvester-/ Neujahrsfeierlichkeiten waren wir zuhause im trüb-grauen, nassen und kalten Norddeutschland.

Aber nun freuen wir uns auf die Überwinterung. Es geht in ein paar Tagen wieder nach Madeira, dort steht das Thermometer beständig im 20-Grad-Bereich. Genau das Richtige, wenn man über die Zeit frei verfügen kann.

Wenn Covid-19 es zulässt, wird es in diesem Jahr auch noch über den Atlantik und in die Karibik gehen. Die USA und Großbritannien können sich auf uns freuen. Und dann wollen wir wieder an die Ostsee in Dänemark und in den Südschwarzwald.

Es wird also weiterhin an dieser Stelle viel zu lesen geben. Geplant ist auch eine Runderneuerung des Blogauftritts. Freut euch drauf!

Alles Gute für die noch verbleibenden 361 Tage des Jahres. Wünschen euch maykayka.

Weihnachtsbräuche auf Madeira (Madeira 21)

Bei der Weihnachtsbeleuchtung während der Adventszeit ist Madeira uns weit voraus. Einen Adventskranz, Kerzen oder einen Adventskalender, alles Dinge, die uns bei uns zuhause das Warten auf Weihnachten verkürzen, haben wir auf Madeira nicht gefunden. Hier dreht es sich mehr um die frohe Erwartung der Geburt Christi. Geschmückte Weihnachtsbäume stehen in allen Gebäuden, auch schon in den Privathäusern. Diesen Baum fanden wir im Airport:

Überall werden Krippenszenen aufgebaut. Diese kleine Szene steht im Hotelrestaurant:

Am Rathaus von Câmara de Lobos waren am 10.12. von morgens bis abends mehrere Gemeindearbeiter damit beschäftigt, die lapinha aufzubauen. Diese ist auf mehreren Stufen verteilt, auf der obersten Stufe liegt Baby Jesus in seiner Krippe. Viele Personen, Tiere und weitere Gegenstände gehören dazu, ebenso wie unzählige Weihnachtssterne in allen Farbabstufungen von Weiß bis dunkelrot.

So wirklich viele Touristen kommen am Rathaus nicht vorbei. Von daher nehmen wir an, dass dieser Aufwand tatsächlich für die Bewohner der Stadt getrieben wird.

Zur Krippenszenerie gehören zwingend auch die Seharinhas, kleine Blumentöpfe mit Weizenschößlingen. Von Jesus gesegnet versprechen sie eine gute Ernte im nächsten Jahr. Die Weizenkörner werden am 8. Dezember, dem Tag von Nossa Senhora da Conceição, einem Feiertag auf der Insel, zum Keimen in Wasser eingelegt und spätestens nach der ersten Missa do Parto in Erde gepflanzt. Aber auch auf Madeira hat man immer weniger Zeit für all die Traditionen. Töpfe mit grasartigem Inhalt sahen wir bereits am 10.12. zwischen allen Arten von Obst und Gemüse in der Markthalle. Nur wussten wir da noch nicht, was das sein sollte und haben kein Foto davon gemacht.

Ab dem 16. Dezember, bis einschließlich dem 24., finden morgens zwischen fünf und sechs Uhr morgens die Missas do Parto statt. Zu diesen Messen werden hausgemachte Liköre getrunken, natürlich nur, um der morgendlichen Kälte der Jahreszeit zu begegnen. Die Messen enden mit fröhlichem Gesang und Tanz, auch da ist der Likör sicherlich hilfreich. So beginnen die letzten zehn Tage vor dem Fest immer prima.

Am 16. werden nach der ersten Messe auch die gequollenen und gekeimten Weizenkörner in kleine Blumentöpfe eingepflanzt und zur Krippe gestellt. Zusammen mit Walnüssen, Maronen und Mandarinen duftet es nun im Haus nach Weihnachten.

Am 23.12. ist die Krippenszene vollständig, alle Geschenke liegen (hoffentlich) bereits unter dem Tannenbaum, nun geht es in die Inselhauptstadt. Es ist Market Night! Rund um den Bauernmarkt in Funchal stehen auf allen Straßen Stände, um noch last-minute-Dinge wie frische Mandarinen einzukaufen, sich die vielen bunten Lichter anzusehen und mit Verwandten und Freunden auf das Weihnachtsfest anzustoßen.

Am Heiligabend steht auch auf Madeira die Familie im Mittelpunkt. Man trifft sich zum Essen. Der Tisch ist vollbeladen mit herzhafter Hühnersuppe, süßen Honigkuchen und Honigkeksen und anderen Leckereien. Um Mitternacht gehen alle zusammen in die Messe. Am nächsten Morgen dürfen dann (endlich) die Geschenke, die unter dem Weihnachtsbaum warten, geöffnet werden.

Doch damit hören die Festlichkeiten auf Madeira nicht auf. Zu Silvester steigt in Funchal acht Minuten lang „das größte Feuerwerk der Welt“. 2006 schafften sie es damit tatsächlich in das Guinnessbuch der Rekorde. Wenn man rechtzeitig bucht, kann man das Ganze bei einer Party auf einem Schiff erleben. Auf jeden Fall sollte man dann mit einem Glas Champagner in der einen Hand und 12 Rosinen in der anderen Hand das vergangene Jahr Revue passieren lassen und auf das neue anstoßen.

Christmas Frenzy in Funchal (Madeira 21)

Der Tipp kam von einem der vielen sehr hilfreichen Rezeptionistinnen. Wir sollten uns unbedingt die Weihnachtsbeleuchtung in Funchal ansehen, in eine könne man sogar hineingehen. Auch die Tourismusbroschüren weisen alle auf die festliche saisonale Ausschmückung der Inselhauptstadt hin, auf die die Einwohner sehr stolz sind.

Nach unserer wohlverdienten Pause im ‚The Ritz‘ verschaffen wir uns einen ersten Eindruck am Nachmittag.

Diese Zwerge bevölkern den Jardim Santa Luzia gegenüber des Ritz‘, auch ihre Wohnhäuser sind mit aufgebaut.

Ein Stückchen weiter ist ein Weihnachtsmarkt aufgebaut, zu dem man allerdings nur mit Impfnachweis (haben wir) plus Schnelltest (2G+) Zutritt hat. Den Darbietungen eines Schulchores können wir auch von außen lauschen: Oh Tannenbaum auf Portugiesisch mit einer Choreografie, die nahelegt, dass der Text anders ist als bei uns.

Kurz vor der Kathedrale Sé do Funchal ist eine riesige nativity scene aufgebaut, hier schon im Schein der Lichterketten fotografiert.

Der große Tannenbaum am Praça do Povo ist schon ohne angeschaltete Beleuchtung sehenswert, abends ein echter Hingucker. Hier kann man hindurchgehen. Am Nachmittag meinen wir noch, dass dieses das oben erwähnte Objekt sei. Der Abend belehrt uns dann eines besseren.

Im Stadtteil Santa Maria Maior besuchen wir die Markthalle Mercado dos Lavradores, dafür reicht der Impfnachweis. Viel los ist hier nicht, ein paar Obst- und Gemüsestände sind noch geöffnet und ein paar Stände für die Touristen. Wir kaufen Fenchelbonbons, die typisch für Madeira sind. Funchal hat seinen Namen von den vielen Fenchelpflanzen erhalten, die damals hier wuchsen.

Die Fischhalle ist leer, dafür aber sehr schön geschmückt.

Dann machen wir uns auf den Rückweg, um alles noch einmal im Lichterschein anzusehen. Es ist überwältigend, daher gibt es diesmal auch ein paar bewegte Bilder.

Nachdem wir die Avenida Arriaga entlang wieder an der Rotunda do Infante angekommen sind, gehen wir an der Wasserseite zurück Richtung Busbahnhof.

Diese Weihnachtsbaumkugel ist wohl etwas zu groß für den heimischen Weihnachtsbaum.
Der Park zwischen der Avenida do Mar e das Comunidades Madeirenses (was für ein gewaltiger Straßenname) wirkt wie verzaubert.

Und dann kommen wir endlich zu der Skulptur, in die man wirklich hineingehen kann.

Innen wechseln die „Lichtbilder“ passend zur jeweiligen Weihnachtsmusik.

Der Tunnel steht auf dem Pier der Marina. Von der anderen Seite hat man wunderschöne Blicke auf die Stadt im Lichtermeer.

Dieser Weihnachtstunnel ist ein absolutes Erlebnis, eigentlich möchten wir gar nicht wieder weg. Aber inzwischen sind wir nicht nur total geflasht, sondern auch wirklich müde und hungrig. Der vollbesetzte Bus bringt uns für 2,20€/ Person innerhalb von gut 20 Minuten in schneller Fahrt die engen Straßen bergauf und bergab wieder zurück nach Câmara de Lobos.

Wanderung nach Funchal (Madeira 21)

Wir starten bei strahlendem Sonnenschein am Hafen von Câmara de Lobos und wandern Richtung Osten. Der Weg nach Funchal führt immer am Wasser entlang, das haben wir bereits bei unserem ersten Besichtigungsspaziergang hier gesehen. Die Beinmuskeln haben sich nach der Kap-Bezwingung noch nicht ganz wieder erholt.

Schon bald sind wir in São Martinho. Hier wird gerade Flüssiggas verladen, Stickstoff wabert über den Boden. In den drei Türmen dahinter wird Zement, der vom portugiesischen Festland per Schiff kommt, eingelagert. Für die vielen (Hotel-) Neubauten, aber auch für den Küstenschutz wird viel davon benötigt.

Riesige Betonquader schützen die Küste, hier vor Câmara de Lobos.

Weiter geht es, gemeinsam mit anderen Spaziergängern und Joggerinnen, auf dem sehr angenehm verlaufenden Weg am bzw. über dem Wasser.

Im Hintergrund sind schon die unzähligen Hotelanlagen Funchals zu sehen. Wir kommen an einem Strandabschnitt vorbei, der nach unseren Vorstellungen tatsächlich ein Sandstrand ist, nur eben ganz in schwarz.

Wer hier einen endlosen gelben Sandstrand sucht, wird es vergeblich tun. Den findet man nur auf Porto Santo, man kommt mit dem Schiff von Funchal aus dahin.

Wir treffen auf die ersten Strandbars. Doch für eine Pause ist es noch zu früh, wir sind ja erst eine gute halbe Stunde unterwegs.

Bald darauf ist der Weg direkt am Wasser zu Ende, wir gehen hoch zur Bebauung. Und dann, oh nein, sagen die Waden, kommt die erste Treppe.

Natürlich macht sie eine Kehre, um danach weiter aufwärts zu führen. Die Wadenmuskeln schreien leise, aber vernehmlich, auf.

Als wir um die nächste Ecke biegen, wird klar, dass das rot-weiße Flatterband, das sich vorher dekorativ am Boden entlang schlängelte (auf der einen Seite am Eisengeländer, auf der anderen Seite an einem dicken Schilfhalm befestigt, der ebenfalls auf der Erde liegt; er steckte wohl mal in einem Loch in der gegenüberliegenden Wand), doch etwas zu bedeuten hat.

Das nächste Flatterband ist quer über den Weg gespannt, doppelt sogar. Nicht nur wir, auch die beiden einheimischen Joggerinnen, sind etwas konsterniert. Aber umdrehen ist keine Option, dafür sorgen schon die sich zusammenkrampfenden Muskeln. Gemeinsam pfeifen, rufen, klatschen wir vier in die Hände, doch die Maschinen sind lauter. Wir klettern unter dem Flatterband hindurch, die Madeirenserinnen fragen, ob wir passieren können – na klar, so tiefenentspannt, wie hier alle sind – und schon befinden wir uns wieder auf dem richtigen Weg.

Der führt uns an großen Anlagen überwiegend mit Eigentumswohnungen vorbei. Vom Landesinnere aus kommt Wetter auf uns zu, später wird auch noch Regen fallen. Wir Norddeutsche würden dieses Naß aber allenfalls als Nieselregen bezeichnet.

Wir kommen an DEM Shoppingparadies vorbei, dem Forum Madeira, die Hälfte des Weges ist geschafft.

Auf der Grenze zum Stadtteil passieren wir das Grandhotel Reid, eine weitläufige Anlage, die rosafarben auf einer Klippe thront. Anlässlich der Wiedereröffnung nach dem zweiten Weltkrieg wurde Churchill zu Promotionszwecken eingeladen, sein Gemälde von Câmara de Lobos begründete dessen Bekannntheit.

Bald darauf erreichen wir das Spielcasino mit angrenzendem Hotel, einem Bau des brasilianischen Architekten Oscar Niemeyer von 1966, dessen Arbeit wir schon in Le Havre bewundert haben. Hier stand übrigens vorher die Quinta, in der Kaiserin Sissi während ihres Aufenthalts verweilte.

Zuerst machte der europäische Hochadel Madeira als erquicklichen Erholungsort bekannt, bevor dann bald der Geldadel nachzog. Wie schön, dass wir jetzt auch hier sein können.

Und dann endlich, nach knapp 2,5 Stunden und ca. acht Kilometern erreichen wie den Teil Funchals, der auf unserem Gratisstadtplan als Innenstadt vergrößert dargestellt ist.

Bezwingung des Cabo Girão (Madeira 21)

Mit dem sparkling wine schon zum Frühstück treffen wir Churchills Ausspruch doch schon fast, ist ja kein harter Drink. Doch die halbe Flasche Sekt im Kopf, vormittags, in der Sonne, bringt einen schon auf Ideen. Wie wäre es, zum Cabo Girão hinaufzusteigen? Das wäre doch ein schöner Geburtstagsausflug. Sind nur knapp vier Kilometer, für den Rückweg könnte man den Bus nehmen.

Der Mittagsschlaf half auch nicht dabei, eine Verbindung zu ziehen zwischen „unser Hotel liegt am Hafen = Meereshöhe“ und „zweithöchstes Kap der Welt, ca. 580m hoch“. Immerhin nehmen wir mehr Wasser mit als sonst. maps.me findet uns den besten Weg, soll unter zwei Stunden dauern.

Wir sind grade los, da treffen wir auf folgende Weihnachtsszene. Weitere dekorative Highlights werden folgen.

Durch den Tunnel gelangen wir in den westlichen Teil von Câmara de Lobos.

Wir keuchen die steile Straße hoch, es ist warm, und ein Blick zurück zeigt uns, wieviel Höhe wir schon nach zwanzig Minuten geschafft haben. Geht doch!

Eine italienische Kleinfamilie hat das gleiche Ziel. Immer mal wieder überholen wir einander bei individuell eingelegten Verschnaufpausen.

Dann geht es auf den alten Pfaden zwischen der Bebauung und den kleinen Terrassenfeldern weiter. Das Gurgeln des Wassers begleitet uns stets, sehr beruhigendes Geräusch.

Nach einer guten Dreiviertelstunde (und einer gefühlten Ewigkeit) erreichen wir die Teleferico in Rancho. Die Seilbahn wurde angelegt, damit die Bauern die Felder unten am Meer einfacher als mit dem Boot erreichen können.

Das Café ist geschlossen, aber der Ausblick entschädigt. Wir haben ja Wasser und sind jetzt 250 Meter über dem Meeresspiegel.

Ich bin bereit, meinen Geburtstagsausflug abzukürzen und nach der Seilbahnfahrt hinunter zu den Feldern einfach wieder zum Hotel zurückzugehen.

Doch Kay macht beim Blick in die Tiefe schlapp, 250 Meter in quasi freiem Fall. Aber alleine traue ich mich auch nicht. Dabei wachsen da unten tropische Früchte wie Mango und Pitanga (Surinamkirsche). Auch der berühmte Malvasiawein wächst dort. Wir könnten baden, der Atlantik hat hier immer noch 18 Grad, das Wasser ist kristallklar.

Aber nichts zu machen. Das reicht mir dann doch noch nicht als Ausflugshöhepunkt. Wir gehen weiter. „Nun ist es ja auch nicht mehr so weit!“

Bald wechselt unser Ausblick auf das Landesinnere. Auch das Wetter wechselt, doch die Bewölkung ist angenehm. Das permanente Treppauf ist wirklich schweißtreibend und mit einer angeschlagenen Lunge anstrengend.

Aber ich kann einfach nicht mehr. Ich will nur noch bis zu dem Aussichtspunkt da oben. Und dann mit dem Bus zurück. Es reicht an Anstrengung.

Tja, Pech gehabt! Ist keine Aussichtsplattform und an der Straße fährt kein Bus. Die nächste Haltestelle ist erst am Cabo Girão. Dann eben weiter!

Den Ausblick könnte man immer haben, wenn man ein Appartement in dieser Ferienanlage besäße. Nun ist es wirklich nicht mehr weit, links im Bild ist die Aussichtsplattform schon zu sehen.

Geschafft!! Gemeinsam mit vielen anderen Menschen aus aller Welt (wir sprechen mit Leuten aus Lissabon und Rio de Janeiro und hören Dänen sprechen), die meisten per Auto/ Bus hochgefahren, wir sind definitiv die Tapferen.

Jetzt fehlt zu meinem Glück noch der Skywalk, auf den Kay auch lieber verzichtet. Es kostet viel Überwindung, auf die Glasfläche zu treten. Der Blick hinab ist surreal!

Für die Strecke haben wir mit Fotostopps und Verschnaufpausen drei Stunden benötigt. Entsprechend erledigt könnten wir alles essen, was das Caféangebot hergibt.

Nach einer ausgiebigen Pause verzichten wir auf die Busfahrt und beschließen, die Treppen wieder hinunter zu steigen. Unsere Muskeln werden für die Ausgleichsbewegung vielleicht dankbar sein (Spoiler: nur im Ansatz!).