At sea – nur Fliegen ist schöner, cruise day 13, (Anthem, Oktober 2023)

Das Frühstück heute, zur Abwechslung mal wieder im Restaurant, gerät fast zur Nebensache, denn wir unterhalten uns sehr angeregt mit der Amerikanerin vom Nebentisch, die auf meinen Akzent reagiert. Sie ist auf dem Weg nach Hause von einem Besuch in Deutschland. Ihre Tochter ist mit einem Deutschen verheiratet, den sie vor zehn Jahren auf einer Cruise mit ihrer Mutter kennengelernt hat. Vor lauter Reden fällt es uns schwer, unsere Teller zu leeren. Wir hätten uns bestimmt noch stundenlang weiter unterhalten können, aber wir müssen das Restaurant dann doch mal verlassen, damit dort sauber gemacht werden kann. In der Kabine finden wir eine Nachricht von Beni, dass er zwar Superglue in seiner Kabine hat, aber dass es leider am Eintrocknen ist. Wie schade, aber immerhin hat er es versucht. Mal sehen, ob wir morgen in Halifax etwas finden, Klebe oder eine neue Lesebrille.

Heute betätige nur ich mich sportlich, Kay will lieber lesen. Zuerst will ich mit dem North Star in die Luft steigen. Die Kapsel fährt langsam hoch, bis wir insgesamt 300 Fuß oberhalb der Meeresoberfläche sind. Noch sind wir zu weit vom Land entfernt, so dass wir auf unserem 360 Grad Rundumblick nur Wasser sehen (und auch keine Wale, falsche Saison). Aber die Blicke hinunter auf das Schiff lassen erahnen, wie hoch wir sind. Ich stelle mich gleich noch ein zweites Mal an. Diesmal fährt eine andere „Bedienerin“ mit, die uns zeigt, dass im Boden sowohl Rettungswesten verstaut sind als auch eine Zipline. Die wird außen an der Aufhängung befestigt, damit man sich im Notfall abseilen kann. Das Personal übt dies regelmäßig, auch wenn die Kapsel ganz nach außen schwenkt. Das tut sie bei den kostenlosen Fahrten nicht. Der North Star steht im Guinnessbuch der Rekorde als „höchstes Aussichtsdeck auf einem Kreuzfahrtschiff“ drin. Und es ist faszinierend, auch wenn man nur Wasser sehen kann!

Anschließend habe ich einen „Flug“ bei Ripcord by iFly gebucht. Nach einem Film mit Sicherheitseinweisungen werden die Bewegungen geübt, bevor man in Overall, goggles und Helm schlüpft. Der Overall hat hinten auf Höhe der Schulterblätter zwei Griffschlaufen, an denen der Instrukteur einen festhalten und stabilisieren kann.

Man simuliert den Absprung aus einem Flugzeug in 1200 Fuß Höhe. Der Wind bläst einen, je nachdem wie schwer man ist, mit 165 bis über 200 km/h in die Höhe. Das Gerät (hinten im Bild) ist das gleiche, in dem professionelle sky diver üben. Ich bin gleich als zweite dran und die eine Minute Flugzeit ist viel zu schnell vorbei. Anschließend melde ich mich sofort noch einmal an. Jeder Gast darf nur einmal fliegen, aber ich buche mich als Kay ein. Der Instrukteur am Tresen hat auch kein Problem damit.

Diesmal habe ich eine andere Anleiterin, die es etwas anders macht und uns auch etwas länger fliegen lässt als nur die eine Minute. Ich bin irgendwo in der Mitte dran und es ist ein wunderbares Gefühl. Ich könnte es den ganzen Tag machen.

Wenn alle aus der Gruppe durch sind, fliegen die Anleiter selbst noch einmal und zeigen, was möglich ist. Faszinierend! Voller Adrenalin und positiver Energie komme ich zurück.

Nach dem Abendessen gehen wir ins Two70 zum Virtual Symphony Concert.

Wir sitzen in der ersten Reihe, trinken Gin Tonic und sehen auf der großen Projektionsfläche (105 Fuß großes Vistarama) The American Philharmonic, das Stücke amerikanischer Komponisten spielt, gut verdaulich und solide gespielt vom 76-köpfigen Orchester.

Auf dem Weg zurück sehen wir die Seekarte, auf der unser geänderter Kurs, das Hurrikan-Gebiet um Bermuda, die Stelle, an der die Titanic gesunken ist und unser morgiger Zielhafen eingezeichnet sind (das Foto zeigt einen Ausschnitt.).

Anschließend treffen wir uns mit Bekannten in der Schooner Bar, um dem Gitarristen Phil James, der Lead Guitarist von We will rock you ist, zuzuhören und dabei noch etwas zu trinken. Dafür gibt man dem Kellner die Plastikkarte mit, die auch Türöffner und „Ausweis“ ist, um den Verzehr dazu zu buchen.

Danach gehen wir Richtung Kabine. Kurz bevor ich die Tür erreiche, hole ich schon mal die Karte heraus. Beim flüchtigen Draufsehen wundere ich mich kurz, dass ich (ohne Brille!) einen Doppelnamen sehe. Mit Brille bemerke ich dann, dass der Kellner in der Bar mir die falsche Karte zurückgegeben hat. Jedesmal habe ich die Karte kontrolliert, nur diesmal nicht. Und schon passiert das Unwahrscheinliche!

Ich gehe zurück zur Schooner Bar und informiere den Barkeeper, nachdem ich an unserem Tisch nachgefragt habe, ob die alle ihre passenden Karten haben – haben sie. Der Kellner versucht, die richtige Dame zur Karte zu finden (Lindsey Doppelname), allerdings ohne Erfolg. Er lässt sich meinen Vornamen und die Kabinennummer nennen, um beim Guest Service eine neue Karte für mich drucken zu lassen. Bald kommt er zurück und sagt: „Das ist nicht Ihre Kabinennummer!“ Ich schaue auf die Serviette, auf die er 8546 notiert hat und antworte: „Stimmt, das ist nicht meine Kabinennummer. Die lautet 8506.“ Auf Englisch ist der lautliche Unterschied zwischen „oh“ und „four“ in einer lauten Kneipe auch nicht so groß. Der Kellner marschiert wieder los und bald darauf habe ich eine neue SeaPass-Karte. Mit dem Gefühl der Erleichterung verabschiede ich mich wieder von den anderen und gehe zurück zur Kabine. Nun lässt sich die Tür auch wieder entsperren.

Morgen früh müssen wir entsetzlich früh, wie es uns vorkommt, aufstehen. Dann dürfen wir in Halifax an Land und treffen uns um 8:30 Uhr vor dem Hafengebäude zur gebuchten Tour.

Zwei Tage zuvor haben wir bereits eine Einreise- und Zollerklärung für Kanada ausgefüllt. Glücklicherweise (für viele amerikanische Mitreisenden) gibt es auch eine Ausfüllanleitung dazu: Am besten überall ‚nein‘ ankreuzen!

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