Leben im RV-Resort in Florida, day 25 (USA 2022)

Die meisten Menschen verlassen das Resort nur, um Einkaufen, zum Golfen oder zum Arzt zu fahren. Man betätigt sich hier viel sportlich, spielt pickleball (eine Mischung aus Badminton, Tennis und Tischtennis, in den USA Mitte der 1960er als Kinderbeschäftigung erfunden), fährt mit dem (Elektro-)Rad, führt den Hund aus und geht flott spazieren. Dabei bleibt immer auch Zeit, mit den anderen einen kurzen Plausch zu halten.

pickleball Feld ohne Spieler

Im Clubhaus kann man Bücher, Spiele und Puzzle ausleihen. Besonders gern wird aber auch in Gesellschaft gepuzzelt. Jemand beginnt ein neues Puzzle, das auf dem Tisch liegen bleibt. Wer möchte, kann etwas weiter machen.

Andere fahren zum Golfen, sehr angesagt bei Senioren, oder gehen Hobbies wie Malen, Handarbeiten, Schmuck herstellen etc. nach. Davon sieht man natürlich nicht viel, weil alle diese Aktivitäten indoor, also im RV stattfinden. Die Menschen hier machen kein Camping im eigentlichen Sinn, sondern leben hier wie in einem kleinen Dorf mit ungefähr 400 Einwohnern.

Einige arbeiten auch vom Platz aus, obwohl das nicht erlaubt ist. Auf dem Foto hat das RV im Heck eine ausklappbare Terrasse, komplett möbliert. Im Bug, von außen zugänglich, befindet sich das Büro. Wenn es regnet, kann nicht gearbeitet werden.

Im Clubhaus finden regelmäßige Aktivitäten statt, z.B. Yoga (gern auch im Sitzen), gemeinsame Essen oder Tanzabende. Bei letzterem waren wir für ca. eine halbe Stunde. Das Resort bezahlt die Musiker, man bringt seine Getränke je nach Wahl selbst mit, der Raum strahlt eine eher sterile Atmosphäre aus.

Die Drei-Mann-Band war ganz okay, die Tanzfläche relativ gut gefüllt. Es tanzt jedes Paar für sich, es gibt keine Partnerwechsel (noch nicht, wer weiß, wie es später mit mehr Alkohol im Blut ist). Auf uns macht es eher den Eindruck als wären wir auf dem Ball der einsamen Doppelherzen.

Was allerdings unerwartet toll ist, ist das nachmittägliche Abhängen im warmen Pool. Man schwimmt nicht im Pool, sondern lässt sich mit Hilfe einer Schwimmnudel im Wasser treiben. So ist man auch in der Lage, sein Getränk (es geht nicht ohne, wir sind die einzigen, die nie etwas dabei haben), in einen Becher abgefüllt, damit keiner weiß, dass man schon am frühen Nachmittag Alkohol trinkt, im Pool festzuhalten.

Das Ice Cream Social ist cool, im wahrsten Sinne des Wortes. Wir melden uns vorher an und reihen uns ein. Fünf Freiwillige bewältigen die Wartenden. Zuerst bezahlt man, cash, $4 pro Person. Der zweite legt ein Stück warmen Biskuit in eine Plastikschüssel und schaufelt aus Eimern Vanilleeis darüber.

Die dritte gibt frische, in Scheiben geschnittene und gezuckerte Erdbeeren dazu, der vierte einen großen Löffel whipped topping (sieht aus wie geschlagene Sahne, ist aber eher so wie das Weiße im Schokokuss) und wahlweise Schoko- oder Erdbeersoße darüber. Bei der fünften wählt man aus vier verschiedenen Sorten topping aus.

Wir essen unser Eis nicht am Pool, denn dort sind alle Schattenplätze belegt und es ist mindestens 32 Grad warm. Wir gehen ins gut gekühlte Clubhaus. Es schmeckt herrlich!

Live Rocket Launch, Florida, day 24 (USA 2022)

Für Freitag ist ein weiterer Raketenstart der Firma SpaceX (Elon Musk) angesetzt. Die Falcon Trägerrakete bringt weitere Satelliten in den Orbit, in ca. 240 Kilometer Höhe. Sie bauen nach und nach ein riesiges Satellitennetzwerk mit dem Namen Starlink (Elon Musk) auf. Dieser soll zukünftig Internetzugang auf der ganzen Welt bieten. Während der Flutkatastrophe 2021 in Deutschland wurde mit diesen Satelliten gewährleistet, dass sich Helfer schnell über das Internet verbinden können.

Diesmal startet die Trägerrakete von Cape Canaveral aus. Das ist nur zwei Autostunden von unserem jetzigen Standort in Central North Florida entfernt. Die Trägerrakete startet Richtung Westen. Deshalb können wir die Rakete vom Campingplatz aus sehen. Sie fliegt ungefähr 24.000 Km/h schnell, bevor sie sich relativ schnell von der Nutzlast abkoppelt, um sehr schnell wieder viel langsamer zu werden. Zehn Minuten nach dem Start landet sie rückwärts auf einer automatisch angetriebenen Plattform im Meer.

Wegen des unständigen Wetters wird der Start verschoben. Eigentlich wollten wir am Lagerfeuer sitzen und bis halb elf nachts warten und dann zugucken. Zuerst fällt das Lagerfeuer aus, es ist einfach viel zu heiß. Dann fällt der Start aus, zu windig, fast stürmisch an der Ostküste. Doch das Wetter wechselt hier wirklich sehr schnell. Der geplante Start um zwanzig vor eins nachts soll stattfinden. Ich stelle mir den Wecker und schlafe eine Stunde.

Dann stehen wir zu dritt draußen, niemanden sonst interessiert es, es sind einfach zu viele Starts in den letzten Monaten. Der Kurs ist etwas weiter östlich als sonst, aber wir sehen die Rakete als kleinen, sehr hellen Lichtpunkt, bis dieser hinter den Bäumen und/oder Wolken verschwindet. Das Abkoppeln und die Landung verfolgen wir live auf dem Tablet. Faszinierend!!

Das ist der Mond.
Da kommt die Rakete!

Zum Ölwechsel mit einem Motorhome, day 23 (USA 2022)

Durch die unfreiwillige Fahrt von Georgia nach New York und wieder zurück haben wir viel mehr Meilen auf dem Tacho als gewünscht. Daher müssen wir jetzt schon zum Ölwechsel.

Mit unserem Motorhome geht es nicht in den schnellen Ölwechselstätten, deshalb machen wir einen Termin bei Camping World. Das befindet sich genau nebenan, Kay und John gehen gemeinsam zu Fuß dort hin. Trotzdem ist der nächste freie Termin erst in fünf Tagen.

Der Termin ist um neun Uhr, daher stehen wir früh auf. Wir müssen nach dem Frühstück ja noch alles sicher verpacken, auch wenn es nur um die Ecke geht. Um drei Minuten vor neun stehen wir vor der noch geschlossenen Tür, pünktliche Deutsche, aber wir sind nicht die ersten!

Innen geht es zur Service-Abteilung, dort wieder unterteilt in Service und Teile. Wir müssen ein Formblatt mit all unseren Daten ausfüllen, obwohl Kay das schon vor fünf Tagen gemacht hat. Die wurden auch aufgenommen, sind aber zwischenzeitlich im Daten-Nirvana des Computersystems verschwunden.

Wir haben unsere Adresse in Deutschland aufgeschrieben. Darren hat noch nie deutsche Angaben gehabt und versucht, unseren Straßennamen auszusprechen. Noch haben wir Spaß und alles geht gut, bis das Land eingegeben werden muss. Das System nimmt ‚Germany‘ nicht, sondern macht immer wieder ‚Virginia‘ draus. Ich schlage vor, die Adresse des Motorhome-Verleihers zu nehmen. Darren gibt mir Papier, um sie aufzuschreiben und geht zum Manager, um zu fragen, wie er Germany in die Datenbank eingeben kann. Ich bin schneller als er und wedele mit meinem Papier, doch das bringt ihn nicht dazu, zu mir zurückzukehren.

Der Manager scheint auch ratlos zu sein, denn als Darren zurück kommt, tippt er die New Yorker Adresse ein und ist froh, dass das klappt. Nachdem der Auftrag von mir unterschrieben wurde, werden Aufkleber für Windschutzscheibe und Autoschlüssel vorbereitet und noch einmal mit einem dicken Eddig per Hand mit unserem Namen beschriftet. Darren schreibt mit dem blauen Edding „waiter“ auf den Auftrag, damit die Menschen in der Werkstatt wissen, dass wir auf den Wagen warten (und sich hoffentlich beeilen). Doch die prognostizierte Wartezeit ist „a couple of hours“. Für einen Ölwechsel!

Sodann gehen wir gemeinsam zum Motorhome. Darren bringt die Aufkleber an, damit der Auftrag auch nicht verwechselt werden kann. Dann geht er einmal um den Wagen herum, um schon vorhandene Schäden zu protokollieren.

Wir werden die anschließende Wartezeit am Pool im RV-Resort verbringen und nehmen uns dafür noch frisches Popcorn von Camping World mit. Das Ganze hat inzwischen fast eine Stunde gedauert und erst nun kann der Wagen auf die Liste der zu erledigenden Aufgaben. Wir sind reichlich genervt von der Ineffizienz, mit der hier Arbeitsabläufe gestaltet werden.

Glücklicherweise ist gerade frischer Kaffee im Clubhaus fertig. Wir setzen uns in den Schatten. Laurie und John kommen mit Muffins vorbei und erzählen uns kleine Horrorgeschichten vom Umgang mit den Kundenfahrzeugen in Werkstätten. Um kurz nach elf Uhr klingelt das Telefon, überraschend schnell. Sie sind fertig mit dem Ölwechsel!

Wow! Wir machen uns wieder zu Fuß auf den Weg, raus aus dem einen umzäunten Gelände, auf dem Rasenstreifen am Zaun entlang, hinein in das andere umzäunte Gelände.

Hinten in der Mitte der Eingang zu unserem Resort, links und rechts davon unterschiedliche Wohnmobilhändler.

Am Service-Tresen ist schon alles bereit, ich muss nur die Kreditkarte durchziehen und den erledigten Auftrag unterschreiben. Dazu kommt noch eine kleine Evaluation, wie denn der Service so war. Ich schreibe auf, dass die Effizienz der Arbeitsabläufe durchaus verbesserungsfähig wäre. Doch Darren macht mich darauf aufmerksam, dass die Evaluation nur seine persönliche Interaktion mit dem Kunden betrifft.

Okay, neues Blatt, sehr gute Rückmeldung, da Darren wirklich alles tat, was er konnte und auch sehr freundlich war. Auf diese Weise erhält man als Firma natürlich immer nur positives Feedback und kann gar nicht auf die Idee kommen, etwas zu verbessern.

Nun ist alles erledigt, denke ich, doch nein! Darren wird vom Manager aufgehalten, sie haben das Öl vergessen. Nach einer kurzen Verwirrung auf allen Seiten wird deutlich, dass der Ölwechsel geschehen ist, doch das Öl taucht auf der Rechnung nicht auf. Dort haben sie es vergessen. Ich benötige eine neue Rechnung und die Werkstatt noch einmal meine Kreditkarte für die Differenz.

Nach einer weiteren Weile kommt die neue Rechnung, doch ich muss nichts extra bezahlen. Die Summe bleibt die gleiche. All dies geschieht nur, damit man die Werkstatt anschließend nicht verklagen kann, keinen Ölwechsel durchgeführt zu haben. Ich denke: „Nur raus hier!“, doch ich muss noch das Protokoll unterschreiben, dass während des Werkstattaufenthaltes keine weiteren Schäden am Fahrzeug aufgetreten sind. Ich könnte es blind unterschreiben oder noch einmal mit Darren hinaus in die Hitze (30 Grad) gehen. Ich verzichte in der Hoffnung, dass alles in Ordnung sein wird (richtig gehofft). Nach einer weiteren knappen Stunde sind wir endlich durch mit dem Ölwechsel.

Pot Luck Dinner, FL, day 22 (USA 2022)

Wir sind in diesem 55+ RV-Resort gelandet, weil Freunde von uns hier seit zwei Jahren dauerhaft wohnen, um in der Nähe ihrer Eltern zu sein. Zwischen ihrem Haus (park model) und dem nächsten sind zwei Rasenplätze frei, auf einem davon stehen wir. Nach der langen Fahrt zur Werkstatt und zurück (fünf Tage on the road) genießen wir das sorgenfreie Leben hier. Wir können Laurie und John bei allen Dingen fragen.

Sie helfen bei Problemen aus, zum Beispiel mit super glue, wenn der Rahmen der Plastiklesehilfe bricht.

Wir müssen unser Motorhome nicht bewegen, um einkaufen zu fahren, weil wir uns zu viert in deren Truck quetschen. Gut, dass die Damen „petite“ sind, so passen sie auf die hintere Bank.

Und wir nehmen an deren soziale Aktivitäten teil, die Einladung von Freunden zum cook out wird auf uns ausgedehnt. Zu diesem pot luck dinner bringt jedes Paar etwas zu essen mit. Wir tragen mit Hilfe von Lauries Backofen und Auflaufform mit einem Kartoffel-Bohnen-Tomaten-Auflauf dazu bei. Das Essen kommt auf die front porch. Die Getränke und Stühle bringt jeder selbst mit, Pappteller und Plastikbesteck wird von den Gastgebern gestellt.

Dann sitzt man in einem großen Kreis in der Sonne, trinkt alkoholfreie Getränke und viel lieber noch Bier oder Rotwein und erzählt sich die wildesten Dinge. Wir sind natürlich interessant, weil wir aus Deutschland kommen.

Etliche der Männer waren schon mal da, und wir werden gefragt, ob es noch dieses oder jenes gibt. Ob zum Beispiel immer noch Bratwurst mit einem Klecks Senf an den Bahnhöfen verkauft wird. Wir, und nur wir, bekommen ein originales Hofbräuhaus-Bier angeboten.

Und ganz plötzlich kommt ein golfcart angebraust und ein riesiges Huhn steigt aus, bewaffnet mit einem kleinen Abspielgerät, aus dem der Ententanz erklingt. Das Huhn tanzt, versucht einige der Anwesenden zum Mittanzen zu animieren und erfreut die ganze Gemeinschaft.

Nach ein paar Minuten ist der Spuk (für uns) bzw. die gelungene Unterhaltung (für die anderen) vorbei, alle applaudieren und das Huhn verabschiedet sich wieder.

Ich treffe die Frau später noch einmal. Sie fand, wir hätten, so wie wir da zusammen saßen, ein bisschen entertainment verdient. Andere sagen später, sie hätte schon zwei shots gehabt. Wie auch immer.

Nach drei Stunden ist allgemeiner Aufbruch angesagt, die Reste des opulenten Buffets werden verteilt. So haben wir noch den ganzen nächsten Tag zu essen, ohne großartig kochen zu müssen. Endlich hat auch unsere eingebaute Mikrowelle einen Nutzen für uns.

At the Farmers and Flea Market, FL, day 21 (USA 2022)

Freitags bis Sonntags ist hier „nebenan“ (man muss mit dem Auto hinfahren) ein kombinierter Farmers und Flea Market. Das Gelände ist riesig, wie eigentlich alles hier, bestimmt ein Block groß. Dahinter befindet sich ein Parkplatz von gleicher Größe.

Wir beginnen in dem Teil, der unseren Wochenmärkten zuhause gleicht, allerdings ist hier alles überdacht. Wir wollen frisches Gemüse einkaufen. Es gibt aber auch Abteilungen mit Pflanzen und Büschen für den Garten.

Die tropische Jackfrucht (jack fruit) wird auch hier im subtropischen Klima angebaut und wird überwiegend für südostasiatische Gerichte, für Currys oder zum Einlegen genutzt. Sie sieht ein bisschen merkwürdig aus. Ich habe lieber Ananas und Melone probiert.

Diese Salate werden ohne Erde gezogen, sondern auf einem Substrat in einer Art Aquakultur. Auf diese Weise kann man enorme Mengen an Wasser einsparen. Arugula ist Rucula.

Honeybells sind Saftorangen aus Florida, die genau jetzt reif und zu kaufen sind.

Das Obst und Gemüse wird entweder per Stück bezahlt, oder per box/ basket. Nirgendwo sind hier Waagen wie bei uns zu sehen. Es gibt aber auch Märkte, auf denen abgewogen wird.

Frische Meeresfrüchte werden beim Obst und Gemüse verkauft, sie liegen in geschlossenen weißen Styroporkästen. Es gibt sicherlich auch noch andere typische Wochenmarktprodukte hier, das Gelände ist einfach zu unübersichtlich, und unser Kühlschrank ist bereits voll. Wir gehen in den Teil, der uns an die großen „Polenmärkte“ links und rechts der deutsch-polnischen Grenze erinnert.

Hier gibt es eigentlich alles, sogar Ausstellungen für Badezimmer, Küchen und Laminatfußböden. Das meiste sind eher billig hergestellte Artikel aus China. Man könnte sogar Schwerter kaufen. Und, aber da gehen wir bestimmt nicht hin, nicht nur, weil es dort sehr voll ist, es gibt Stände, an denen es jede Menge Trump-Devotionalien zu kaufen gibt.

Zwischendurch gibt es Stände, an denen Gewürze, eingelegte Früchte oder auch selbst hergestelltes „Kunst“handwerk verkauft wird.

Von den gebrauchten Büchern und Filmen aus kommen wir in den richtigen Flohmarkt-Teil. Hier finden sich all die Dinge, die niemand mehr kaufen möchte, auch nicht hier. Dieser Teil ist sehr deprimierend. Man mag nicht einmal genauer hinsehen, geschweige denn fotografieren.

Wir haben einen Eindruck gewonnen, obwohl wir nur einen Bruchteil abgelaufen sind und möchten gehen. Dieses Schild weckt unser Interesse, da es innen angebracht ist.

Man darf kein geöffnetes Bier oder Ähnliches mit hinaus nehmen (Es gibt innen Stände, an denen Alkohol verkauft wird.). Die Gesetzgebung geht davon aus, dass man mit dem Bier direkt zum Auto geht, losfährt und während der Fahrt trinkt. Das gilt auch für Mitfahrende, auch die dürfen keinen Alkohol im Auto trinken. Und deshalb darf man es auch nicht im Freien trinken. Ist doch logisch. Der normale Amerikaner ist im Freien nicht ohne sein Auto denkbar!

The Villages, FL, day 20 (USA 2022)

Wir machen einen Ausflug in einen Ort nebenan, der The Villages heißt. Genau genommen sind es Siedlungen, die keinem Ort angehören, aber bei staatlichen Zählungen als Zähleinheit gelten. Unsere Freunde beschreiben sie als Disney World für Erwachsene, noch wissen wir nicht genau, was das bedeuten soll. Wir fahren zuerst durch die Wohnbebauungen. Es ist alles sehr, sehr ordentlich, gestutzte Hecken, gestaltete Rabatten. Die Häuser sind meistenteils groß und umgeben von Golfplätzen. Wahrscheinlich ist es eher anders herum, die Golfplätze sind von den Häusern umgeben. Hier wohnen ca. 130.000 Menschen und es gibt 55 Golfplätze.

Um hier wohnen zu dürfen, muss man 55 Jahre oder älter sein und noch agil. Denn sie werben damit, dass man sein Leben lang for free Golfen kann. Yeah! The Villages wurde angelegt als eine riesige Rentnerwohnanlage. Und riesig meint riesig, die Landmasse, die hier bebaut wurde, ist größer als die von Manhattan! Alles ist hier angelegt für die Bedürfnisse alter Menschen. Die 17 neighbourhoods sind umgeben von Einkaufszentren, Ärzten und Pflegestationen. Letztere sehen aus wie Hotels, die Geschäfte werden hinter Fassaden versteckt, die sich der übrigen Bebauung anpassen.

Neben den Straßen für Autos gibt es (inklusive Überführungen und Tunnels) extra Fahrspuren für die allgegenwärtigen golfcarts. Sie haben sogar eigene Brücken, um die US Highways zu überqueren.

Und dann sind da insgesamt drei town center, Bereiche, die wie eine Innenstadt einer amerikanischen Kleinstadt aufgemacht sind.

Wir fahren nach Lake Sumter Landing. Hier erinnert die Bebauung an die Südstaaten. Alles ist sauber, ordentlich und irgendwie unwirklich. Die Gebäude sind neu, aber auf alt gemacht.

Der zentrale Platz ist umgeben von Häusern, an denen Plaketten die Geschichte des Gebäudes erzählen. Diese Geschichten sind alle fake, historische Fakten aus der näheren oder weiteren Umgebung verwoben mit ausgedachten Menschen und deren Leben. Inhaltlich ist alles so gestaltet, dass ökonomischer Erfolg immer dominiert, und es handelt sich dabei immer um weiße Menschen. „White washing“ von Geschichte, keine Konflikte, keine Sklaverei, keine Ureinwohner, keine …; nichts davon wird thematisiert. Und das spannende daran ist: Es kümmert niemanden. Wir haben es ausprobiert: Entweder halten die Menschen die Plaketten für die Wahrheit, immerhin steht ja als Autor Lake Sumter Landing Historical Preservation League drunter. Oder sie wissen, dass alles Fake ist und sagen, so what, let‘s have fun.

Selbst der namensgebende See ist gar kein See, sondern eine Art Überlaufbecken für starke Regenfälle bei Tornados oder Hurrikans. Die Boote darauf liegen dort nur zur Deko.

Alles ist dafür angelegt, dass die RenterInnen fun haben, sei es sportlich, sozial oder durch sonstiges entertainment. Nichts soll ihren wohlverdienten (und teuer erkauften) Ruhestand stören. Daher auch die Altersbeschränkung auf 55+.

In wenigen speziellen Familienbereichen dürfen auch Kinder wohnen, das sind dann die Kinder von Angestellten. Menschen unter 19 Jahren dürfen sich nirgendwo aufhalten, es sein denn, es sind die Enkel von Bewohnern. Aber auch die dürfen ihre Großeltern maximal 30 Tage im Jahr besuchen.

Jetzt können wir uns so ungefähr vorstellen, was mit Disney World für Erwachsene gemeint sein könnte. Es kommt uns faszinierend und abstoßend zugleich vor.

Im Toojay‘s Deli haben wir dann auch noch fun bei Kaffee und Kuchen. Letztere heißen Rugalach, man ordert immer drei in verschiedenen Geschmacksrichtungen.

Die Kellnerin „Hi, my name‘s Sonya, I‘m so glad that I can serve you!“ verwechselt dann auch noch die Teller und braucht lange, um den Kaffee nachzufüllen. But yeah, we‘re having fun!

Swim or repend, day 19 (USA 2022)

In dem RV-Resort, in dem wir uns gerade befinden, gibt es einen großen Pool. Wir wurden schon im Vorwege von den Freunden gefragt, ob wir Badeanzüge dabei haben. Haben wir, denn wir wollen ja noch in die Karibik. Irgendwo zwischen Pennsylvania und Virginia, nachdem wir das zweite Mal in Peekskill waren, fiel mir ein, dass die Badeanzüge im „Kreuzfahrtkoffer“ liegen, letzterer steht im Lager in Peekskill. Wir haben aktuell also keine Badeanzüge dabei. Das ist irgendwie doof, denn die Temperaturen in Florida ohne Pool sind nicht so gut vorstellbar.

Also entscheiden wir uns, auf dem Weg in den Süden in Fort Mill, südlich von Charlotte, bei einem Goodwill Thrift Store anzuhalten, um nach Badeklamotten zu gucken. Der Laden ist groß, das Angebot ebenfalls, die Kleidung ist nach Farben sortiert.

Es gibt einen ganzen Kleiderständer mit swimwear. Kay findet schnell eine Badeshorts. Unsere Badehosen sind hier nicht gern gesehen bis unerlaubt. Man nennt sie scherzhaft auch banana hammock, Bananenhängematte.

Beim genaueren Hinsehen gibt es allerdings nur drei Badeanzüge für Damen. Alle anderen Kleidungsstücke entpuppen sich als Kleidchen, die man über dem Badeanzug trägt. Einer ist sehr abgetragen, der andere Neuerer, aber eventuell ein bisschen zu klein. Der dritte ist neu, in einem fragwürdigen Design, dafür in Größe L, also vielleicht etwas zu groß. Umkleidekabinen finden wir in diesem Laden nicht. Man kauft und darf es dann 30 Tage lang zurückgeben, falls es einem doch nicht gefällt oder es nicht passt. Einige Frauen probieren Oberteile oder Jacken am Ständer über ihren anderen Sachen an. Das geht mit Badeanzügen natürlich nicht.

Wir nehmen kurzerhand alles (ja, es gab noch andere Dinge dort, die uns gut gefielen) mit in den Camper und nutzen unser Badezimmer als Umkleidekabine. Der als eventuell zu klein vermutete Badeanzug passt, der andere in Größe L hat anscheinend ein verkehrtes Etikett eingenäht bekommen. Das war noch nicht einmal M.

Ich gehe mit Kassenbon, Badeanzug und passendem Wechselgeld zurück in den Laden und muss mich erst einmal wieder in die lange Schlange an der Kasse anstellen. Die junge Frau an der Kasse glänzt durch zwei Zentimeter lange aufgeklebte Wimpern („Walmart-Raupen“ sagt Laurie dazu) und drei bis vier Zentimeter lange hellgrüne Fingernägel. Sie hat eine Technik entwickelt, wie sie die Kasse trotz der Fingernägel bedienen kann. Sie ist allerdings nicht schnell und wahrscheinlich auch nicht so helle, denn sie hat kein Wechselgeld, sprich Münzen, in der Kasse. Andere Kassen, es sind insgesamt vier, haben vielleicht Wechselgeld, sie weiß es nicht so genau. Und sie kommt auch gar nicht auf die Idee, bei ihrer Kollegin danach zu fragen.

Glücklicherweise macht die Frau, die mir vorher das Rückgabeprocedere erklärt hat, eine weitere Kasse auf. Ich stelle mich an, gebe ihr Bon und Klamotte zurück und starte damit, ihr meinen Wunsch nach einem größeren Geldschein zu erklären, den ich gerne hätte, wenn sie mein passend abgezähltes Wechselgeld nehmen würde. Sie unterbricht mich, um mir wiederum zu erklären, dass ich zwar die Sachen zurückgeben kann, mir dafür aber etwas anderes im Laden aussuchen muss.

Witzig! Ich fühle mich ein wenig auf den Arm genommen, gehe dann aber zu den Kleiderständern mit den Pullovern und finde auch einen, der mir gefällt. Ich muss nur noch 48 Cent dazu geben. Wie gut, dass ich einen Dollarschein dabei habe. In der Zwischenzeit ist wieder nur die Kasse mit den grünen Fingernägeln geöffnet. Ich müsste also den ganzen Dollar zuzahlen. Das möchte ich inzwischen aber schon aus Prinzip nicht mehr machen.

Glücklicherweise macht wieder eine Kasse auf, die über Wechselgeld verfügt. Das habe ich bei den Kunden vor mir gesehen. Nun würde ich gern Badeanzug gegen Pullover tauschen, doch das darf die Kassiererin nicht tun. Sie muss per Telefon die Managerin rufen. Diese kommt, tippt alles ein und informiert mich, dass ich ihr nun 48 Cent schulde. Ich gebe ihr meinen Dollar, sie fragt die Kassiererin, ob sie Wechselgeld in der Kasse hat, was diese bejaht. Die Schublade geht auf und ich bekomme zwei Quarters (50 Cent) zurück und muss das auf einem zweiten Kassenbon quittieren. An jeder Kasse hängen Aushänge, dass es eine nationwide coin shortage, also zu wenige Münzen gibt. Daher behalten sie die fehlenden zwei Cent ein.

Insgesamt bin ich einigermaßen genervt. Als Wiedergutmachung erwähne ich deshalb auch nicht, dass sie ursprünglich nur einen statt zwei Badeanzüge abkassiert haben. Sie hatten unterschiedliche Farben, sie hingen jeder auf einem Kleiderbügel, diese werden gezählt, ich hatte drei Teile. Wenn man die beiden unterschiedlichen Farben nicht erkennen kann und auch bei den Kleiderbügeln nicht bis drei zählen kann, dann tut es mir herzlich Leid. Je ne regrette rien! Hauptsache, ich kann jetzt auch in den Pool.

Zurück in den Süden, Teil 2, vom Südwesten Virginias über die Carolinas nach Florida, day 17-18 (USA 2022)

Der KOA-Campingplatz in Wytheville ist sehr empfehlenswert. Schade, dass wir schon fahren müssen. Und er liegt sehr komfortabel zwischen zwei Interstates.

Wir biegen gleich auf die I77 South und fahren zuerst durch die Blue Ridge Mountains. Es geht wieder bergauf und ein bisschen hinunter und wieder ein bisschen mehr bergauf, bis auf 820 Meter Höhe.

Danach ging es kilometerlang nur noch bergab, mit reduzierter Geschwindigkeit wegen Nebels (Muss ich noch sagen, dass sich außer uns niemand an diese Vorgaben hält?) und mit runaway ramps für LKW, falls deren Bremsen versagen.

Dann sind wir in North Carolina, holen uns eine Straßenkarte im visitor center. Hier in diesem Gebiet haben die Cherokee gesiedelt, wussten wir auch noch nicht. Auf der steinernen Karte muss man sich eine Linie zwischen Mount Aire und Charlotte vorstellen. Das entspricht der Interstate 77, auf der wir das Land durchqueren.

In South Carolina holen wir uns beim Überqueren der Staatsgrenze die dortige Straßenkarte und erkundigen uns noch, ob die Tornado-Warnung auch für das Gebiet gilt, in das wir fahren wollen (nein). Nach einer kurzen Picknickpause südlich von Charlotte kommen wir so langsam auch wieder in die wärmeren Gefilde, die Bäume werden sichtbar grün.

In Columbia wechseln wir von der I 77 auf die I 26, um anschließend wieder auf die I 95 zu stoßen. Die schlechten Straßen sind wieder da. Glücklicherweise ist es nicht mehr weit bis zu unserem nächsten (und letzten) Übernachtungsstopp in Yemassee.

Am späten Nachmittag rollen wir beim KOA-Campingplatz Point South auf den Hof. Es ist warm, feucht, ein bisschen lummerig das Wetter. Die imposanten Wolken sollen sich eigentlich laut Vorhersage noch in thunderstorms entladen, aber das Wetter ist schon wieder abgesagt worden.

Dieser KOA-Platz hat sehr viel zu bieten, unter anderem „The Swimming Mermaid“, das gleichzeitig ein Coffee House mit frisch gemahlenem Kaffee aus einer Rösterei in Charlston ist und eine Wine Bar mit Ale aus dem Zapfhahn. Und man kann Essen ordern. Es riecht schon beim Einchecken so gut, dass wir kurzerhand nicht selbst kochen.

Wir bestellen „pizza and a double order of wings combo“, aber nicht pro Person wie es hier gedacht ist. Wir wollen uns das teilen und bekommen noch zwei Pappteller dazu.

Die wings sind southern style, kommen mit einem dip und sind extrem lecker. Bei der Pizza können wir den Teig wählen (Original Crust bedeutet hier die dicke amerikanische Kruste oder Thin Crust, was unserem italienischen Original entspricht) und (alles) aus 10 Belegen, was wir wollen. Heraus kommt eine Thin Crust Cheese Pizza mit schwarzen Oliven, Paprika und Pilzen. Und auch sie ist super lecker.

Dazu gibt es ein Bier vom Fass. Es heißt Aria’s Ale, kommt aus einer lokalen Brauerei und schmeckt sehr sehr süffig. Perfekt.

Wir genießen den weiteren Abend in der Wärme und lesen. Neues Lesefutter gibt es wie auf jedem Campingplatz. Hier ist das Bücherregal besonders hübsch.

Am nächsten Morgen fällt uns der Abschied etwas schwer. Es ist schön hier, auch dieser Platz ist sehr empfehlenswert. Es hat die ganze Nacht durchgeregnet und morgens riecht es wie in einem tropischen Gewächshaus.

Aber wir wollen heute ja noch in Florida ankommen. Wir tanken (Die Benzinpreise steigen Tag für Tag an, inzwischen füllt ein Hundert-Dollar-Schein nicht einmal mehr einen Dreiviertel leeren Tank.) und sind gleich wieder auf der interstate. Etwas später überqueren wir zuerst den Savannah River und gleich darauf die Grenze zu Georgia.

Hier ist das visitor center ganz neu und wirklich schön gemacht.

Wir fahren außen an Savannah vorbei, immer in Küstennähe und durch sumpfiges Marschland.

Nach 112 Meilen sind wir in Florida und werden im visitor center wahlweise mit frisch gepresstem Orangen- oder Grapefruitsaft begrüßt. Hier machen wir eine etwas längere Pause mit einem Imbiss.

Dann verlassen wir bald die interstate, es ist auch wirklich langweiliges Fahren. Kurz vor Jacksonville geht es auf dem Highway 301 mehr oder weniger immer geradeaus nach Süden.

Schon auf der Autobahn wurden wir von einem Schwerlasttransport mit Überbreite überholt. Eine ziemliche große Yacht auf dem Weg nach Florida. Der Transporter musste auf der Autobahn eine agricultural inspection (nicht dass merkwürdige Pflanzen oder Tiere eingeschleppt werden) und die Waagen passieren (Wieviele Tonnen so ein Gespann wohl wiegt?). Und dann überholt er uns tatsächlich noch einmal auf dem Highway und ich kann das Foto machen.

Neben uns läuft eine Eisenbahnstrecke entlang und wir fahren etliche Meilen neben dem ewig langen Güterzug her, eine Lok vorne, eine Lok in der Mitte.

Hinter Ocala, einem Gebiet, das für seine Pferdezucht bekannt ist, erreichen wir unser Ziel, das wir schon vor zwei Wochen reserviert haben. Diesmal bleiben wir mindestens eine Woche in einem RV-Resort, um mit Freunden abzuhängen und uns auszuruhen.

Zurück in den Süden, Teil 1: Von New York über Pennsylvania und West Virginia in den Südwesten von Virginia, day 15-16 (USA 2022)

Es ist schon ein bisschen merkwürdig, aber zunächst fahren wir tatsächlich auf dem US Highway 9 noch weiter nach Norden, bis wir die Interstate 84 nach Westen erreichen. Es ist wirklich kalt hier, die Wasserläufe und Seen sind noch gefroren, an den Bäumen ist kein Anzeichen von Grün zu erkennen, ganz anders als im Süden.

Im Nordosten von Pennsylvania erreichen wir die Interstate 81 nach Süden. Wir fahren durch die Pocono Mountains, immer die Berge hoch und wieder runter, der Motor muss ordentlich arbeiten.

Es regnet, irgendwo hier soll es auch unwetterartig sein. Je weiter wir nach Süden kommen, desto wärmer wird es draußen. In den Flusstälern steigt Nebel auf, da die Gewässer noch überfroren sind. An den Felsendurchbrüchen links und rechts der Interstate hängt noch Schnee. Die Sonne geht schließlich hinreißend schön unter.

Unser Übernachtungsplatz in Carlisle, südlich von Harrisburg, ist vom vielen Regen ziemlich aufgeweicht und (zumindest in der Nebensaison) absolut nicht zu empfehlen. Die meisten Menschen wohnen auf dem Campingplatz dauerhaft und arbeiten in den Logistikbetrieben und Fabriken gleich auf der anderen Seite der Interstate. Ihre riesigen RVs haben alles an Bord. Ich will ins Badehaus, das ist abgeschlossen. Na toll, und das nach der durchfahrenen Nacht.

Nur das Gebäude mit dem Büro ist etwas beleuchtet. Ich probiere dort alle Türen und finde tatsächlich ein warmes Badezimmer zum Duschen. Über die Sauberkeit kann ich in diesem Fall gerade noch hinwegsehen.

Auch das wifi ist zur Zeit not available. Geldabzocke bei denen, die nur auf der Durchfahrt sind. Nach dem Essen geht es bald zu Bett, welche Wohltat nach den Stunden auf der rest area direkt an der Interstate gestern.

Am nächsten Morgen wirkt der Campingplatz nicht besser, immerhin regnet es nicht mehr. Dafür ist es erfrischend kalt draußen. Nach einem schnellen Frühstück sind wir schon um 7:30 Uhr wieder auf der Straße. Bloß weg hier!

Die Interstate 81 ist nicht stark befahren und sehr gut in Schuss. Es ist hier so viel angenehmer zu fahren. Die Landschaft ist wunderschön. Wir fahren durch die Appalachen, Berghügel hoch und wieder runter. Manchmal auf der Kriechspur, manchmal auch an den Trucks vorbei, bis auf 600 Meter hoch und etwas bergab und wieder hoch und wieder bergab. So geht es den ganzen Tag.

In Harrisburg machen wir etwas länger Pause. Erst kaufen wir bei Aldi ein, was für eine Freude; hier gibt es super Qualität zu moderaten Preisen. Dann lunchen wir auf dem Parkplatz. Beim anschließenden Tankstopp gibt es nette smalltalks mit Kunden und Angestellten. Das ist es, was wir am Reisen hier schätzen.

Dann geht es weiter, rechts die Allegheny Mountains (im Foto), links die Blue Ridge Mountains, bis wir kurz vor Wytheville auf den dortigen KOA-Platz fahren.

Nach der Erfahrung der letzen Übernachtung setzen wir lieber auf bekannte Qualität. Wir checken bereits um 16 Uhr ein, genießen die Ruhe und entspannen uns. Die Elektrik funktioniert, die Heizung läuft, das wifi läuft mit 5G. Im Sommer könnte man hier auch etwas länger bleiben. Aber morgen früh geht es weiter, noch zwei Tage bis Florida.

Schon aufgrund der Badehaus-Qualität beschließen wir, zukünftig eher KOA-Plätze zu buchen.

Werkstattbesuch in Peekskill, NY, day 14/15 (USA 2022)

Wir fahren mal eben mit dem Wagen in die Werkstatt. Ein bisschen dumm ist nur, dass sie 880 Meilen (knappe 1500 km) entfernt ist und im kalten Norden liegt. Dafür verfügt sie über Mechaniker, die das Motorhome und dessen Elektrik kennen. Und vor allem gibt es dort ein Tauschfahrzeug, falls die Reparatur zu lange dauern würde.

Wir wollen allerdings so wenige von unseren Urlaubstagen wie möglich dafür verbrauchen. Der Plan ist folgender: wir fahren einen Tag früher von Tybee Island los, weil wir damit rechnen, dass der Verkehr am Sonntag in den zu durchquerenden Ballungsräumen geringer sein wird. Wir fahren durch, damit das Motorhome am Montag repariert bzw. getauscht wird. Und am selben Tag fahren wir wieder Richtung Süden, um drei Übernachtungen später in Florida zu sein.

Geplant und umgesetzt. Unsere letzte Übernachtung auf Tybee Island übernimmt unsere Platznachbarin, mit der wir uns ein bisschen angefreundet haben. Der folgenden Platz in Jacksonville, den wir für drei Tage reserviert hatten, wird storniert. Die anschließende Reservierung für den nächsten Platz halten wir. Wir haben jetzt vier Tage Zeit, um dann in der Nähe von Orlando anzukommen.

Sonntagmorgen um 8 Uhr starten wir, tanken voll und ab geht es über die Brücke von Georgia nach South Carolina, zuerst auf dem US Highway 17, dann immer die Interstate 95 Richtung Norden.

Ungefähr alle zweieinhalb Stunden wechseln wir uns beim Fahren ab, der Tank wird mehrmals am Tag aufgefüllt. Die Kreditkarte ächzt, sie wird bald nicht mehr vom Tankautomaten akzeptiert. Ich muss dann drinnen eine Tankmenge festlegen und den Beleg dafür unterschreiben.

Der Verkehr ist vormittags tatsächlich sehr gering. Uns fallen die Menschen auf den Autobahnbrücken auf. Sie winken, schwenken die Flagge der USA, große Fahnen von Trump, den sie für den wahren Präsidenten halten, und halten Banner in die Höhe. Eine kleine Google-Recherche ergibt, dass sie den People‘s Convoy von Truckern unterstützen, die sich seit Tagen unterwegs nach Washington D.C. sind, um gegen die Covid-19-Maßnahmen zu protestieren, welche aber in fast allen Staaten bereits zurückgenommen worden sind.

Die Republikaner unterstützen diese Aktion natürlich. Die Trucker wollen die Autobahnringe um Washington blockieren, um für ihre Freiheit einzutreten, die sie durch die Maßnahmen der Regierung massiv bedroht sehen. Geht’s noch? Aber erst einmal müssen sie ja dahin kommen. Am späten Nachmittag überholen uns einige Teilnehmer, noch sind wir in Virginia; North Carolina haben wir da schon hin uns gelassen.

Wir erreichen gegen 19 Uhr eine rest area südlich von Washington. Die elf Stunden Fahrt mit vielen gefüllten Brücken, drei Tankstopps (einem davon mit Tankwart, sehr angenehme Erfahrung) und einem BurgerKing-Aufenthalt zusammen mit jungen Paaren, die Waffe und Bowie-Messer am Gürtel tragen, sind dann doch stressig. Der Wochenend-Rückreiseverkehr Richtung Norden ist dicht. Wir trinken einen Tee und legen uns dann hin. Hier dürfen wir uns insgesamt acht Stunden ausruhen. Wir schlafen (mehr oder weniger) vier Stunden, essen dann noch etwas und machen uns um ein Uhr nachts wieder auf die Socken. Wir wollen keineswegs in einem eventuellen Stau, den die Trucker rund um Washington verursachen wollen, stecken bleiben.

Wir fahren ohne Probleme durch den Großraum Washington/ Baltimore/ Philadelphia und erreichen vor dem Einsetzen des morgendlichen Berufsverkehrs den Großraum Jersey/ New York City. Eigentlich wird unsere Fahrt nur durch die Mautstellen auf dem New Jersey Turnpike und dem Garden State Parkway und vom Tanken unterbrochen.

Die Benzinpreise sind in den letzten Tagen sprunghaft angestiegen (und steigen weiter, je weiter wir nach Norden kommen). Wir vertanken mehr als $400 auf dieser Fahrt, das Geld erhalten wir aber zurück (und auch das Geld für die Rückfahrt in den Süden).

Um acht Uhr morgens (24 Stunden nach dem Start) rollen wir in Peekskill auf den Hof, um 8:10 Uhr wird der Wagen in die Garage gefahren, um 8:15 Uhr gehen wir erst einmal frühstücken. Auf Empfehlung landen wir beim Burger Diner und essen ein üppiges Frühstück (alles auf dem Foto für eine Person) mit Kaffee ohne Ende, unsere erste Mahlzeit nach mehr als zwölf Stunden.

Zur Verdauung gehen wir noch ein bisschen spazieren. Es ist kühl hier, bestimmt 15 Grad kälter als auf Tybee Island gestern noch.

In der Werkstatt haben sie den kaputten Spannungsumwandler schon ausgetauscht. Glücklicherweise lag ein neuer und passender im Lager. Nun werden wir doch mit diesem Motorhome weiterfahren und brauchen keinen Ersatzwagen. Dabei hatten wir etliches schon in Tüten verpackt, damit das Umladen schneller vonstatten gehen würde.

Unsere Mängelliste, die wir vor knapp einer Woche empört gemailt hatten, wird so weit es geht abgearbeitet. Wir erhalten unsere Auslagen in bar auf die Hand und viereinhalb Stunden später (12:30 Uhr) rollen wir wieder vom Hof und starten erneut Richtung Süden. Die Interstate 95 wollen wir aber nicht ein drittes Mal befahren, das wird dann doch zu langweilig. Wir entscheiden uns für eine andere Strecke, dazu im nächsten Blogbeitrag mehr.