Tybee Island – Katastrophenbewältigung, GA, day 11-13 (USA 2022)

Wir haben tolles Wetter hier unten, sonnig den ganzen Tag bei 23 Grad Celsius. Das kann man gut haben Anfang März. Eigentlich lesen wir den ganzen Tag draußen in der Sonne und machen sonst nicht viel.

Am frühen Abend gehen wir zum Fried Chicken Dinner in der örtlichen American Legion. Das ist eine Veteranenorganisation der Armee, die den Patriotismus in den USA stärken möchte.

Etliche Veranstaltungen sind öffentlich für Gäste. Donnerstags bieten sie hier auf Tybee immer Abendessen an. Man bezahlt am Eingang und bekommt ein Papierticket. Dann stellt man sich an, legt an der Ausgabestelle das Ticket in ein Körbchen und erhält im Gegenzug das Essen; auch jetzt noch in Styroporverpackung, genauso wie vor sechs Jahren. Anders als damals nehmen viele Menschen das Essen mit und fahren wieder nach Hause. Nur einige bleiben in der großen Halle und essen dort, so wie wir. Das liegt wahrscheinlich an Covid-19.

Heute gibt es ein halbes Huhn, deep-fried mit leckerer Kruste, sehr guter Kartoffelsalat und pikante heiße Bohnen, dazu noch ein Hefebrötchen mit Butter, wenn gewünscht und eine Flasche eiskaltes Wasser, und das alles für 13$ pro Person. Für dieses Preis-Leistungs-Verhältnis können wir den military-Kram gut für anderthalb Stunden ignorieren.

Wir kommen pappsatt, glücklich und zufrieden zum Campingplatz zurück. Dort erwartet uns dann der Schock, die Stromversorgung funktioniert nicht. Gar nicht. Und das wohl schon seit mehreren Tagen, in denen wir unwissend an der zweiten Batterie gehangen haben. Die ist nun leer. Glücklicherweise läuft der Kühlschrank auch mit Propan. Wir sind ziemlich verzweifelt, es ist dunkel draußen, keiner mehr da, Stressschmerzen machen sich in Kopf und Rücken breit. Wir gehen zu Bett und schlafen nicht gut.

Am nächsten Tag hält der Schrecken an. Bei Tageslicht geht es zunächst etwas besser los. Kay schließt das 12 V-Kabel an, mit dem betreiben wir den Wasserkocher für Kaffee. Dann ruft er den mobilen RV-repair an, da geht nur der Anrufbeantworter an und er ruft bis mittags nicht zurück. Der andere Typ, dessen Nummer wir bekommen, ist drei Wochen lang ausgebucht. Die Leute vom Campingplatz sind hilfsbereit, messen alles durch, der Fehler liegt bei uns und sie finden, dass unser Stecker kaputt ist.

Mittags nehmen wir die Sache selbst in die Hand. Der Campingstore hat einen 30V-Stecker zum Austauschen. Das probieren wir. Es dauert eine Stunde, bis wir den alten abgeschnitten und den anderen angeschlossen haben. Aber dann haben wir wieder Strom! Yeah!!

Nach einer Lunchpause machen wir uns zu Fuß auf den Weg zum IGA Supermarkt. Nach knapp zwei Stunden sind wir wieder zurück und … der Strom läuft nicht mehr! Ich glaub‘ es nicht. Wir sind am Boden!

Es folgen Telefonate mit dem Verleiher und mit dessen Elektriker. Kay bekommt mit seinen fernmündlichen Anweisungen den Generator zum Laufen. Der soll die zweite Batterie wieder aufladen. Den Generator dürfen wir aber nicht am Stellplatz laufen lassen. Der host für die Nacht bietet uns an, unser motorhome neben seinen Stellplatz ganz am Rand des Platzes zu parken und dort den Generator über Nacht laufen zu lassen. Den Aufwand scheuen wir im Dunkeln. Wir lassen uns den Gemeinschaftsraum aufschließen, um dort zu lesen, unsere Telefone aufzuladen und ein Beruhigungsbier zu trinken, bevor wir wieder frustriert zu Bett gehen.

Am nächsten Morgen hält man bei Tageslicht alles etwas besser aus, aber nichts wird besser. Merkwürdigerweise funktioniert unser Wasserkocher, der läuft über 120 V. So bekommen wir Kaffee bzw. Tee und Abwaschwasser. Nach einem Telefonat der Rezeption mit dem Management erhalten wir die Erlaubnis, den Generator am Stellplatz laufen zu lassen.

Der läuft dann anderthalb Stunden, mit genau null Effekt. Er ist laut, verbraucht Benzin, aber er lädt die Batterie nicht wieder auf. Wir rufen den Verleiher an, ob er einen Mechaniker gefunden hat, hat er nicht. Er meint, wir müssten zurück kommen, damit repariert werden kann. Das würden 900 Meilen (1500 km) und 13 bis 15 Stunden reine Fahrtzeit bedeuten. Wir gehen erst einmal an den Strand, um alles durchzusprechen.

Zurück auf dem Campingplatz bekommen wir noch einmal Hilfe von unserer derzeitigen Nachbarin Margie, die Ersatz-Autosicherungen an Bord hat. Vielleicht sind ja nur die Sicherungen durch, vielleicht liegt es an so einer kleinen Kleinigkeit. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Ein weiterer Nachbar entpuppt sich als ehemaliger Army-Elektriker. Er misst alles durch und schließt ein loses Kabel wieder an. Dann tauscht er die Sicherungen aus. Fumpp!!! Und wieder durchgebrannt. Die ganze eingebaute Stromeinheit ist anscheinend hinüber. Etwas später funktioniert auch der Wasserkocher nicht mehr.

Wir beschließen dann schnell, morgen zurückkehren. Ein Anruf beim Verleiher ergibt, dass sie ein anderes Motorhome für uns haben, das wir bei Rückgabe des alten gleich (bedeutet auf amerikanisch zumindest am selben Tag, einige Stunden später) übernehmen werden können. Wir stornieren unsere Campingplatz-Reservierungen für die nächsten vier Tage und werden versuchen, die Mehrkosten vom Verleiher zurück zu bekommen. Wir packen ein bisschen, bereiten uns vor auf eventuelles Durchfahren und werden sehen, was uns erwartet.

Es hilft nichts. Irgendwie müssen wir noch einmal nach Tybee Island zurück kommen. Der Aufenthalt war zu kurz und viel zu stressig.

Tybee Island – Ankommen, GA, day 8-10 (USA 2022)

Die Fahrt von Myrtle Beach nach Tybee Island verläuft ohne Komplikationen, wenngleich auf einer anderen Strecke als gedacht. Man darf einfach nicht zu viele Optionen ins Navigationsgerät eingeben.

Auf dem Weg halten wir an dem Geschäft der Carolina Cider Company an. Die kannten wir schon vom letzten Mal. Hier gibt es richtig guten Obstsaft und Konfitüre ohne Zusatzstoffe zu kaufen. Wir haben ja einen großen Kühlschrank an Bord.

Dann geht es weiter, in Savannah kaufen wir noch einmal Lebensmittel ein, damit wir das Wohnmobil möglichst nicht von der Insel wegbewegen müssen. Hinter Savannah geht es über viele Brücken den Highway 80 bis nach Tybee Island.

River’s End Campgound liegt am nördlichen Ende der Insel. Es ist, als kämen wir nach Hause. Und alles ist (fast) so wie beim letzen Mal vor sechs Jahren. Sogar einige Mitarbeiterinnen sind noch hier, die sich freuen, uns wieder zu sehen.

Auch am Strand ist es wieder wunderbar, auch wenn es noch kalt und windig ist. Der Leuchtturm steht natürlich immer noch so da, wie vor 230 Jahren. Der ursprüngliche Turm wurde bereits 1736 erbaut, als erstes öffentliches Gebäude überhaupt in Georgia. Heute ist er einer der berühmtesten Leuchttürme an der Ostküste der Vereinigten Staaten.

Das Wetter verbessert sich in den nächsten Tagen deutlich, unser Verhältnis zum motorhome dagegen nicht. Zum ersten Eindruck eines ramponierten Inneren gesellen sich diverse andere Mängel, die nach und nach zu einer mittleren Katastrophe kumulieren. Zuerst wollen wir die Markise ausfahren. Wir haben das Vorgehen bei der Einweisung kurz gezeigt bekommen. Da wir es nicht wirklich hinbekommen, holen wir uns Hilfe von den camping hosts, Freiwilligen, die auf dem Platz arbeiten und im Gegenzug verbilligt stehen dürfen. Dann ist die Markise ausgefahren, sieht ganz prima aus, obwohl die hosts schon leise über die Qualität fluchen.

Leider rauscht uns die eine Seite sofort wieder ab, als ich auf die Toilette gehe. Eine kleine Schaukelbewegung des Autos und schon rutscht der Sicherungsbolzen aus seiner Verankerung. Da sich die eine Seite nicht sichern lässt, brauchen wir sicherheitshalber alles wieder ab und verzichten lieber auf Schatten. Wir sind ziemlich sauer und schicken eine lange Mängelliste an den Verleiher. Darauf kommt natürlich keine Antwort. Am Abend lässt sich das Licht nicht einschalten, der Strom ist weg. Nach einer kleinen Panikattacke schalten wir die Hilfsbatterie ein und haben wieder Strom. Noch wissen wir nicht, was das für Konsequenzen haben wird. Glücklicherweise!

Am nächsten Tag entspannen wir uns und lesen viel. Am Strand gibt es einen kleinen Bücherschrank, und auch im Regal des Campgrounds werden wir fündig.

Abends geht es ins Kino. Im Tybee Post Theater steht Spiderman: no way home auf dem Programm. Es gibt salziges Popcorn und Cola zum sehr unterhaltsamen Film.

Wir freuen uns, dass wir wieder hier auf der Insel sind. Wir sind für eine Woche eingebucht, anschließend wird es nach Florida weitergehen.

Myrtle Beach, SC, day 5-7 (USA 2022)

Der KOA-Campingplatz liegt in einem Waldstück und wird gerade in Teilen neu angelegt. Trotzdem ist es hier wunderbar ruhig. Das Badehaus befindet sich gleich nebenan.

Bevor es an den berühmten Strand (The Great Strand, feinster Pudersand auf 100 km Länge!) geht, müssen wir erst einmal etwas Wäsche waschen. Jeder Campingplatz hier hat immer eine laundry (im Gebäude auf dem Foto) mit richtig großen, um nicht zu sagen riesigen Waschmaschinen und Trocknern. Alle Maschinen arbeiten mit Quarters, 25 Cent-Münzen. Daher gibt es auch meistens einen Wechselautomaten. Unsere Ladung wird in einen Toplader versenkt. Hier kommen die Münzen side by side in den Schlitten, immer zwei Münzen in einen Schlitz, dann den Schlitten mit Kraft in die Maschine schieben. Beim Trockner steckt man die Münzen jedoch einzeln in die Schlitze. Wie gut, dass wir immer hilfreiche Menschen treffen, die uns den Gebrauch erklären können.

Die Waschmaschine benötigt nur 20 Minuten, der Trockner noch einmal 45 Minuten. Kay kocht eine weitere Kanne Kaffee, und wir verbringen die Wartezeit vor dem Gebäude in der Sonne. Das Dings auf dem Foto ist übrigens ein Outdoor-Aschenbecher, Kippe oben rein und gut. Die stehen hier überall herum. Es gibt noch eine Menge Menschen, die rauchen.

Anschließend machen wir uns, zu Fuß natürlich (wir sind die einzigen), auf, den Farmer‘s Market in der Mr. Joe White Avenue zu besuchen. Im Prospekt, den ich im laundry-Haus fand, war er als Attraktion angekündigt. Wir gehen eine Dreiviertelstunde an der Hauptstraße entlang bis in den Norden der Stadt nach downtown. Der Markt findet aber wohl zur in der Saison am Sonnabend statt, es ist alles leer dort.

Wir gehen von dort aus direkt zum Strand und gehen auf dem Broadwalk entlang Richtung Süden. Auf diesem knapp zwei Kilometer langen Abschnitt befindet sich die Amüsiermeile von Myrtle Beach, viel los ist hier natürlich noch nicht. Zuerst geht es an vielen Restaurants vorbei, hier besteht der Weg aus mosaikartig verlegten Holzbohlen.

Etwas später schlängelt sich die Promenade als Betonweg durch angelegte Beete. Links von uns ist der Strand, rechts von uns die großen Hotels, in deren gewärmten Pools die Kinder kreischen. Draußen ist es frisch, die meisten Menschen haben nur Sweatshirts und Jogginghosen an, oder kurze Hosen, und frieren offensichtlich. Wir laufen in dickeren Jacken herum. Ein Mann aus Minnesota, der ähnlich wie wir gekleidet ist, spricht uns an ob des kühlen Wetters. Er erklärt uns, dass es hier unten im Süden gar keine winterliche Outdoor-Bekleidung in den Läden zu kaufen gibt, nichts gefüttertes oder daunengefülltes. Das Wetter ist hier gerade ungewöhnlich kühl.

Das finden wir etwas später auch und gehen am Strand entlang bis zum Withers Swash. Dieser kleine Wasserlauf lässt sich nicht auf der Strandseite überqueren. Wir müssen zurück zur Straße. Wir durchqueren den Family Kingdom Amusement Park, einer der größten hier in Myrtle Beach, der sich links und rechts um den Flusslauf ausbreitet. Vieles ist schon neu gestrichen, aber es ist noch nichts geöffnet, wir sind in der Vorsaison hier. Das letzte Mal war auch alles geschlossen, da waren wir nach der Saison da, und es sah nicht so schön aus wie jetzt.

Am nächsten Tag gehen wir trotz des leichten Nieselregens nachmittags zum Strand, um fossilierte Haifischzähne zu suchen. Wir machen uns nicht viel Hoffnung, denn die Sicht ist nicht gut. Aber wir werden fündig, mit mehr Zähnen als gedacht. Die Farbe dieser schwarzen Zähne zeigt, dass die Zähne mindestens 10.000 Jahre alt sind.

Als wir ziemlich nass vom Regen sind, geht es zurück zum Aufwärmen in unser motorhome. Die Heizung funktioniert sehr gut. Mit der übrigen Bettwäsche (wir haben unsere eigene mit, aber auch die des Verleihers) haben wir inzwischen das Interieur etwas aufgehübscht. Morgen geht es wieder on the road, weiter nach Süden, der Sonne entgegen.

On the road south, day 3-4 (USA 2022)

Nach einer ruhigen Nacht mit einem schönen Sonnenaufgang genießen wir noch ein bisschen die Einrichtungen des Platzes, vornehmlich das schnelle und stabile wifi. Das ist wirklich prima in Amerika, alle Campingplätze halten freies WLAN vor, anders als in Europa. Und wenn man früh genug ist, kann man trotz der sechs Stunden Zeitunterschied noch mit den Kindern chatten.

Bevor wir zurück auf die Interstate fahren, müssen wir noch tanken. Das Benzin ist für amerikanische Verhältnisse sehr teuer geworden, aber immer noch billiger als bei uns (ca. die Hälfte). Allerdings verbrauchen die Fahrzeuge auch viel mehr. Unser Ford E-350, auf dem das Wohnmobil aufgebaut ist, verbraucht 10,64 Gallons pro 100 Meilen. Das macht 25 Liter auf 100 Kilometer! Und wir fahren keinen vollbeladenen LKW. Egal, es ist das Fahrzeug, das wir haben, und wir wollen fahren. Also wird an Reisetagen der Tank anderthalb mal vollgefüllt, nützt ja nix. Beim ersten Tankstopp hätte sogar ein Tankwart die Arbeit für uns übernommen, wenn wir bar bezahlt hätten. Das wäre auch noch einmal 10 Cent pro Gallone günstiger gewesen. Aber wir haben nicht so viel Bargeld dabei (Die gestrigen Mautstellen fraßen ein Loch in die Barschaft hinein.). Dafür hilft er uns bei der Bedienung des Tankautomaten.

Dann geht es weiter Richtung Interstate. Davor überqueren wir noch bei New Castle den Delaware River auf der Delaware Memorial Bridge, einer weiteren Mautstelle. Diesmal gelten wir als Auto, das ist die günstigste Variante. Davor waren wir immer ein kleiner LKW. Wir fragen nicht nach dem Grund.

Nun sind wir in Maryland. Nach einem kurzen Stopp am Maryland Visitor Center (die stehen immer an den Interstates am Anfang des Staates, sie haben immer Straßenkarten for free) fahren wir weiter auf der Interstate 95, die hier John F. Kennedy Memorial Highway heißt. Wir überqueren den Susquehanna River (Foto) und durchqueren Baltimore. Anschließend geht es östlich um Washington herum. Im Süden der Stadt fahren wir über den Potomac River.

Virginia ist erreicht. Es regnet. Wir durchqueren den Staat östlich, fahren durch die Hauptstadt Richmond, bis kurz vor der Grenze zu North Carolina. Hier in Emporia übernachten wir. Wieder kommen wir nach Büroschluss an, diesmal ist der Late Night Check in nicht so leicht zu erkennen. Wir fahren erst einmal auf einen leeren Stellplatz, trinken eine Tasse Tee und gucken noch einmal. Wir finden die richtigen Unterlagen, füllen alles aus und erhalten am nächsten Morgen ungefragt noch einmal 10% Rabatt, weil wir ehrlich mit der Anmeldung waren. Das ist mal ein netter Zug!

Weiter geht es die Interstate 95 nach Süden. Eigentlich wollten wir bis nach Tybee Island fahren, aber dort ist kein Platz für uns frei. So ändern wir unsere Pläne und die Route während eines Stopps (tanken, essen, Toilettenbesuch) in Fayetteville. Hier ist es bereits sehr schön warm, kein Wunder, dass schon Osterglocken blühen.

Wir werden jetzt nach Myrtle Beach in South Carolina fahren und dort ein paar Tage bleiben. Das ist auch sehr schön, denn der Platz gefiel uns beim letzten Mal schon gut. Wir fahren über Wilmington, um vorher noch bei einem Publix-Supermarkt einkaufen zu können, einen Einkaufswagen voll für 150$. Das Geld fließt nur so ab.

Danach ist es nicht mehr weit bis zu unserem Campingplatz, KOA Myrtle Beach. Wir werden außerordentlich freundlich empfangen, auf unseren Platz geleitet und erhalten Hilfestellung beim Rückwärts-einparken. Es ist immer noch warm, wir machen alle Fenster auf (sie sind fliegenvergittert) und trinken den Tee draußen an unserer Picknickbank. Hier werden wir die nächsten drei Nächte bleiben.

Auf dem Weg in den Süden, day 1-2 (USA 2022)

Das Wohnmobil, ein Winnebago Chalet Baujahr 2009, das wir per Fotos für zwei Monate gemietet haben, entpuppt sich als reichlich abgewohnt und zerschlissen. So würde ein dreizehn Jahre altes Wohnmobil bei uns niemals aussehen und auf keinen Fall vermietbar sein. Nach dem ersten Schock sagen wir uns, egal, günstig, geräumig, viel Platz in den Schränken, robust, wie sich später auf den schlechten Straßen zeigen wird.

Wir bekommen vom Verleiher zunächst einen kleinen PKW, um einkaufen zu fahren, was wir äußerst nett finden. Denn die amerikanische Entfernungsangabe „es ist gleich um die Ecke“ entpuppt sich als Trip von 3-4 Meilen hin und wieder zurück (macht ca. 11 km, zu Fuß nicht zu machen). Beim Einkaufen der Lebensmittel wird uns wieder deutlich, wie viel Geld man ausgeben muss, um halbwegs gute Produkte zu bekommen. Wie gut, dass wir Kreditkarten haben, da sieht man die Menge Geld nicht so sehr wie bei Geldscheinen. Der Shop Rite, bei dem wir schon vor sechs Jahren unsere ersten Einkäufe getätigt haben, hat sein Angebot enorm ausgeweitet. Das freut uns.

Nun benötigen wir nur noch eine neue SIM-Karte. Das Datenvolumen unserer Mobiltelefone war schon nach wenigen Minuten Aufenthalt in New York aufgebraucht. Wir kommen bei AT&T vorbei und lassen in Kays Telefon eine Simkarte einsetzen mit unlimited data. Das geht alles nicht so schnell. So sind wir erst nach den Bürozeiten wieder am Wohnmobil. Die erste Nacht verbringen wir auf dem Hof der Verleihstation. Am nächsten Tag soll es nach der Einweisung und dem Papierkram zügig Richtung Süden gehen.

Daraus wird dann nichts. Am nächsten Morgen ist der Papierkram zwar schnell erledigt. Doch die Telefon-Internet-Situation läuft nicht wie gewünscht. Kays Telefon kann mit der SIM-Karte zwar telefonieren, aber keine mobilen Daten erhalten. Letztere sind extra unbegrenzt gebucht, da unbedingt notwendig. Das Telefon soll u.a. auch als Navigationsgerät dienen. Wir bekommen noch einmal das kleine Auto ausgeliehen, um wieder zu AT&T zu fahren.

Nach drei Stunden im Shop, Daniel an dieser Seite des Servicetelefons, Daryll an der anderen, mehrere Mobiltelefone in Arbeit, SIM-Karte in Kays, meins, das einer Angestellten gesteckt, musste am Ende festgestellt werden, dass die AT&T-Karte nicht mit unseren iPhones harmoniert. Und niemand weiß warum nicht. Wir müssen ein Android-Gerät für 105$ kaufen, damit die SIM-Karte laufen kann. So nervig! Als wir wieder zurück beim Verleiher sind, sagten sie uns, dass sie auf ihren iPhones nur Verizon-SIM-Karten haben. Diese Info hätten wir sehr gern schon einen Tag vorher gehabt!!

Nachdem auch die letzten Dinge erledigt sind, kommen wir erst gehen halb drei Uhr nachmittags los, fahren rechts des Hudson Rivers, der wirklich sehr breit ist, den Highway 9 hinunter und überqueren den Fluss bei Tarrytown. Dann geht es weiter auf der New-Jersey-Seite auf den Garden State Parkway hinunter. Inzwischen setzt der Feierabendverkehr ein, wir fahren langsam mit vielen anderen bis zur Interstate 95 south, dem New Jersey Turnpike.

Hier fahren jeden Tag sehr viele Menschen, die möglichst zügig von A nach B kommen wollen. Wahrscheinlich sind deshalb viele Strecken mautpflichtig. Ein teures Vergnügen, aber wir wollen möglichst zügig weiter südlich sein. Außer bei einer Mautstelle können wir überall sonst mit Bargeld bezahlen. Langsam an das Häuschen heranfahren, die Summe wird vor uns auf einem Display angezeigt und dann das Geld, es muss nicht die exakte Summe sein, dem freundlichen Menschen im Häuschen geben. Einmal werden wir gefilmt (langsam fahren, Scheibenwischer ausschalten), die Rechnung kommt per Mail und wir werden sie am Ende bei der Verleihstation bezahlen). Das letzte Mal müssen wir eine Karte ziehen, auf der eine Markierung eingeschnitten wurde. Die geben wir an der Ausfahrt von der Interstate ab und müssen für die dann gefahrene Strecke zahlen.

Wir übernachten in Clarksboro. Das liegt zwar südlich von Philadelphia, gehört aber noch zu New Jersey. Weniger als 200 Meilen südlich vom Ausgangspunkt, dafür mit mehreren Hundert Dollars weniger auf dem Konto, dafür mit etlichen Erfahrungen mehr übernachten wir die erste Nacht auf einem campground.

Fazit der Atlantiküberquerung mit der QM2 (2022)

Das war nun unsere dritte Atlantiküberquerung, und sie war im Februar genauso herausfordernd vom Wetter her wie im Oktober/November. Insgesamt kommen wir trotzdem, wie geplant, sehr viel entspannter und ausgeruhter in den USA an, kein Jetlag wie beim Flug. Die sechs Stunden Zeitunterschied werden gar nicht wahrgenommen. An sechs von neun Tagen wurden die Uhren nachts um eine Stunde zurückgestellt, das fällt dem Organismus nicht auf, wenn man sowieso ausschlafen kann.

Der Transfer zum bzw. vom Schiff weg wird von Cunard sehr gut organisiert. Deren Website-Präsenz ist jedoch noch ausbaufähig, sie ist nicht gut zu handhaben. Wahrscheinlich buchen die meisten Reisenden (überwiegend sehr alte Menschen) ihre Fahrt immer noch über ein Reisebüro oder direkt telefonisch (die Telefone waren voll ausgelastet, die Zeit in der Warteschleife betrug immer mehr als 10 Minuten, als ich vor Reiseantritt mehrmals dort anrufen musste).

Hat es uns nun gefallen? Schwer zu sagen. Das Essen an Bord war überragend gut. Bei allen anderen Dingen müssen wir Abstriche machen. Die Mehrheit der Passagiere sieht das wahrscheinlich anders, also liegt das Problem wohl eher bei uns. Auf der Wikipedia-Seite der QM2 steht „Die Queen Mary 2 ist das Flaggschiff der Cunard-Flotte und erinnert sowohl in ihrem Erscheinungsbild als auch durch die Gepflogenheiten an Bord an die Transatlantikliner des frühen 20. Jahrhunderts.“

Was das wirklich bedeutet, wurde uns erst nach und nach an Bord klar. Und es wurde auch deutlich, dass das nichts für uns ist. Wir möchten uns nicht in einem living museum aufhalten und ständig den Hauch der glorreichen Vergangenheit einatmen müssen. Auf den ersten Blick ist alles sehr elegant, doch schnell fallen die Alterserscheinungen eines knapp zwanzig Jahre alten Schiffs im Dauerbetrieb auf: durchgesessene Polster, nur mäßig gut ausgeführte Reparaturen in der Kabine, Handläufe, die man nicht gern anfasst. Das steht im krassen Widerspruch zum Image des Luxusschiffs, das auf der Website und auf dem Schiff vermittelt wird.

Vielleicht stellt es sich ganz anders in den Bereichen ab Deck 8 dar, wer weiß. Wir waren ja gebucht in der „Brotklasse“ (mit den günstigen Kabinen der dritten und vierten Klasse für die Immigranten aus Europa verdiente Cunard früher das meiste Geld) und durften uns auch nur in den dazugehörigen Restaurants und Promenadendecks aufhalten. Die allermeisten Passagiere buchen die höherpreisigen (und damit auch höherwertigen?) Außenkabinen ab Deck 8. Viele bleiben nach dieser Überfahrt auch an Bord und reisen in die Karibik weiter, 28 Tage Kreuzfahrt von Southampton und zurück (bzw. 32 Tage von und nach Hamburg). Für uns nicht vorstellbar.

In allen Treppenhäusern und Gängen wird auf großen Tafeln die Geschichte der Cunard Line und ihrer großartigen Schiffe und deren großartigen Kapitäne und ihren illustren Gästen dargestellt. Die dargestellte Geschichte endet in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Wie es die Tradition auch gebietet, hängen überall Porträts der königlichen Familie. Ebenso werden Trophäen und Memorabilia ausgestellt. Wir leben inzwischen im 21. Jahrhundert, davon würde man auf dem Schiff nichts bemerken (es sei denn, man kauft das Internet-Paket, das nicht zuverlässig funktioniert).

Die Kellner wechseln zu jeder Mahlzeit ihre Livreen, der Afternoon Tea wird sogar mit weißen Handschuhen serviert. Im Gegensatz dazu steht die Qualität des Services. Die Aufmerksamkeit hängt stark von der Einzelperson ab und ist nicht überall gleich hoch, was manchmal sehr irritiert. Der Afternoon Tea im Queens Room, der jeden Tag um 15:30 Uhr stattfindet, war ernüchternd. Die Sessel stehen eng an eng, die Kellner müssen sich mit ihren Tabletts ordentlich durchquetschen.

Das Essen wird nicht auf Etageren serviert, die Kellner kommen für die einzelnen Gänge mit Tabletts vorbei. Der Tee wird aus großen Kannen nachgeschenkt, wenn denn ein Kellner mit voller Kanne vorbei kommt. Nach jeweils anderthalb Runden mit den drei Tabletts (Sandwiches, Scones, Süßes) wird damit begonnen, die ersten Tische abzuräumen (nach einer halben Stunde). Das Ganze ist in keinerlei Weise stilvoll, sondern eine notwendige Massenabfertigung. Wir waren nur einmal dabei.

Wir möchten nicht noch einmal in einem Museum mit staubigen Traditionen und einer großen geriatrischen Abteilung fahren, wenn es sich nicht vermeiden lässt. Den Atlantik weiterhin mit dem Schiff und nicht mit dem Flugzeug überqueren, wenn es die Zeit zulässt, das wollen wir schon, auch wenn es eine Herausforderung für das Gleichgewichtsorgan darstellt.

Ankunft in New York (USA 2022)

Vor dem Frühstück gehen wir an den Bug auf Deck 7, um das Einlaufen zu beobachten. Es geht vorbei an Rockaway Beach und Coney Island. Leider ist es zu neblig, um Fotos zu machen. Dann geht es unter der Verrazano-Narrows-Bridge hindurch mit genügend Zwischenraum (drei Meter vertikaler Abstand zwischen Brücke und Schiff), sehr langsam Richtung Brooklyn und mit Abstand an der Freiheitsstatue vorbei.

Nach einer Stunde draußen sind wir reichlich durchgefroren. Deshalb gibt es noch einmal ein ausgiebiges Frühstück an einem Fensterplatz, so dass wir das Rückwärtseinparken beobachten können. Der Anleger, seit 2006 für die Queen Mary 2 in Betrieb, ist ziemlich abgewrackt und ranzig, aber das merken die Passagiere nicht, wenn sie nachher über die Gangway aussteigen. Letzteres verzögert sich noch mehr, denn die Behörden brauchen sehr lange, um an Bord den Landgang freizugeben.

Wir räumen die Kabine und trinken noch einen Tee, bevor wir uns in die Schlange einreihen. Die mäandert sich durch das halbe Schiff, es gibt offensichtlich kein geplantes Ausschiffen. Anderthalb Stunden später gehen wir an Land und weitere 40 Minuten später sind wir mit unseren Koffern und einem neuen Stempel im Reisepass in Brooklyn, wo unser Fahrer (mit Ehefrau) nach Peekskill (schon vorher gebucht) bereits seit fast fünf Stunden geduldig wartet. Unsere text messages sind wohl nicht durchgegangen.

Die Autofahrt durch Brooklyn Richtung Norden ist ein Erlebnis für sich. Der Fahrer, ca. 80 Jahre alt (kein Witz), fährt zwar mit Navi (heißt hier GPS), hat aber seine ganz eigenen Vorstellungen im Kopf, wie er fahren möchte. Ein mobiles Navigationsgerät hängt an der Windschutzscheibe, spricht mit weiblicher Stimme und zeigt den Weg an. Ein weiteres Navigationsgerät ist fest im Auto eingebaut, spricht ebenfalls mit weiblicher Stimme und zeigt den Weg an, ist aber zu neu, als dass es von Fahrer oder Beifahrerin (ca. 70 Jahre) bedient werden könnte. Das dritte GPS befindet sich auf dem Mobiltelefon der Beifahrerin, zeigt den Weg, ist aber stumm geschaltet. Dafür spricht die Beifahrerin nahezu ununterbrochen, entweder mit ihrem Mann (hierhin, dorthin, zu schnell) oder mit uns (was viel Spaß macht und uns von den Gefahren, in denen wir uns häufig befinden, ablenkt) oder mit den anderen Navigationsgeräten (die sie aber nicht hören können). Drei weibliche Stimmen in unterschiedlichen Lautstärken, die dem Fahrer Anweisungen geben. Kein Wunder, dass er, zusätzlich zu seinem Alter, in dem man Anweisungen auch nicht mehr schnell genug umsetzen kann, auch noch auf Durchzug schaltet.

Auf diese Weise fahren wir etliche Umwege und können den La Guardia Airport von allen Seiten betrachten. Der liegt weiter im Osten, wir wollen eigentlich nach Norden. Irgendwann sind wir doch auf dem gewünschten (dem Fahrer vertrauten) Highway angekommen und es geht, vorbei an der Bronx, durch Yonkers, auf den Taconic State Parkway bis wir nach gut zwei Stunden in Peekskill an der Verleihstation des motorhomes ankommen.

On Sea, Day 9 (Cruise Queen Mary 2)

Nun ist die Überfahrt bald zuende. Die Zeichen mehren sich. Nach dem Frühstück steht der zweite obligatorische Antigen-Test (mit Attest, das dann später bei der Einreise gar nicht kontrolliert wird) an. Gestern kamen schon die Kofferanhänger und die Anweisungen für das Einreisen in die USA. Die aus der Bibliothek ausgeliehenen Bücher müssen zurück.

Es fühlt sich schon ein bisschen komisch an, alles nun ein letztes Mal zu machen, beginnend mit dem Frühstück im Restaurant. Endlich kann ich wieder alles essen, das Schiff fährt ruhig, der Sturm ist vorbei. Allerdings haben wir durch das Umfahren der Stürme Zeit verloren. Wir segeln zwar jetzt mit 25 Knoten im Schnitt, werden aber trotzdem mit drei Stunden Verspätung in New York ankommen. Wir finden das nicht schlimm, so können wir morgen doch noch in Ruhe im Restaurant frühstücken (doch nicht heute das letzte Mal).

Nachmittags packen wir das meiste ein (die Koffer sollen möglichst früh zum Abholen auf den Gang gestellt werden), anschließend trinken wir die Flasche Premium-Sekt aus der Minibar (375ml, complementary) beim Film gucken in der Kabine. Dann geht es vier Runden spazieren ums Schiff bei Sonnenschein und Wind auf dem Promenadendeck, bevor wir uns wieder dem Essen widmen.

Am Abend hören wir im Golden Lion Pub bei Whisky bzw. Guinness Livemusik von Shane und Cameron. Die anschließende Tanzshow auf der Theaterbühne beginnt schon so piefig, die alten Zeiten beschwörend und uninspiriert, dass wir sie nach zwei Nummern wieder verlassen. Im Pub findet in der Zeit ein Musik-Trivia-Spiel mit dem Schiffs-DJ (im Anzug) um eine Flasche Weißwein statt.

Das gesamte Unterhaltungsprogramm (Shows, Vorträge, Animationen, klassische Musik, Jazzmusik) auf dem Schiff ist handwerklich wirklich ordentlich, aber für unsere Ansprüche (Sind sie zu hoch?) einfach zu unambitioniert, zu simpel, zu sehr auf altes Publikum zugeschnitten. Das ist enttäuschend, denn auf den Schiffen von Royal Caribbean haben wir es anders erlebt. Morgen ist es zuende, ist auch nicht weiter schlimm.