Vestfyn – fast wie in Südeuropa

Inzwischen sind wir im Westen von Fünen gelandet, in Middelfart, wieder mit Brückenblick, diesmal gleich auf zwei Brücken, die alte und die neue Brücke über den kleinen Belt. Den Blick haben wir allerdings nur, wenn wir das kurze Stück vom Campingplatz aus zur Küste gehen.

Alte Lillebæltsbroen
Neue Lillebæltsbroen

Hier auf dem Platz sind wir die absoluten Ausnahmen, es ist ein kleiner Platz nur mit Dänen. Und uns. Wir wurden am Waschraum sogar schon gefragt, ob wir überhaupt hier auf dem Platz wohnen würden. Okay, wir trugen Helm und schoben die Räder, es war schon abends. Mal eben schnell ganz eloquent auf dänisch geantwortet: Ja! und die Fragende (Kay taufte sie Campingplatz-Blockwart, ein späterer Vergleich mit dem Prospektbild ließ aber vermuten, sie ist die Eigentümerin.) fragte nichts weiter. Bei einem späteren Treffen grüßte sie freundlicher.

Zwischenzeitlich waren wir mal kurz zuhause, um all die Sachen einzupacken, die wir vergessen hatten und um ein paar Dinge zu erledigen. Dann schnell wieder über die Grenze, bevor Dänemark zu einem Hochrisikogebiet wird.

Die soeben erworbenen Auffahrkeile können wir auch sofort nutzen. Der Stellplatz unter den Obstbäumen ist zur Hecke hin abfallender als zunächst wahrgenommen.
Die hochsommerlichen Temperaturen machen den Boden zu einer Herausforderung für das Heringe einschlagen, die Erde ist steinhart gebacken.
Bei weit mehr als 30 Grad und Windstille wird das Aufbauen des Vorzeltes zu einer mehr als schweißtreibenden Angelegenheit und geht nur langsam voran.

Als alles steht können wir vor Erschöpfung nicht entscheiden, ob es im Wohnwagen, im Vorzelt oder doch draußen im Schatten kühler für das Ausruhen ist. Selbst das mitgebrachte Wasser ist lauwarm. Ich entscheide mich für eine liegende Position mit einem feuchten Tuch auf der Stirn. Erst am Abend machen wir noch eine kleine Erkundungstour mit den Rädern in die Stadt hinein.

Immer noch auf Fünen

Wir haben den Ort gewechselt, aber hier lassen sie sich das Wlan gut bezahlen: knapp 5 Euro pro Tag. Dafür könnten wir eine Menge Dinge im Genbrug erstehen. Oder Kekse, oder Eis.

Daher kommen die Berichte demnächst en bloc, wenn wir irgendwo gratis WiFi haben. Das Datenvolumen des Mobiltelefons neigt sich leider jetzt schon dem Ende entgegen. Das Hochladen der Bilder verbraucht wohl ziemlich viel.

Four different kind of spirits

Unsere „Sprit-Tour“ beginnt ganz heilig und wird sehr weltlich enden.

Den Beginn macht ein Ausflug zur Regisse Kilde (Quelle), einer von vielen Quellen in Dänemark, deren Wasser am Johannisabend besondere Heilkräfte zugesprochen wurde. Hans Christian Anderen besuchte die Regisse-Quelle bereits als Kind mit seiner Mutter, wohl mehrmals, denn in seinen Roman „Nur ein Spielmann“ fließt die Quelle samt Treffen um Johannis ein.

Diese heilige Quelle hat gleich drei Sagen zu ihrem Ursprung zu bieten: Regisse musste mit ansehen, wie ihre Kinder getötet wurden, danach entsprang die Quelle; Regisse diente einem sie schlagenden Bauern, die Quelle entsprang an der Stelle, wo sie zu Boden fiel; Regisse predigte das Christentum und wurde dafür getötet, die Quelle entsprang aus dem blutgetränkten Boden. Sucht euch die aus, die euch am besten gefällt.

Bei unserem Besuch fließt das Wasser nur sehr zaghaft durch sein etwas schlammiges Bett zwischen den Granitsteinen. Der Platz wurde vor knapp 30 Jahren neu gestaltet und könnte etwas Pflege vertragen. Wie es um die Heilkräfte bestellt ist, haben wir trotz Sonnenbrand und Mückenstichen, die man gut hätte behandeln können, nicht herausfinden wollen. Johannis ist ja auch schon drei Wochen her.

Nicht weit von der Abzweigung zur Quelle liegt das Weingut Frørup Vingård (www.froerupvingaard.dk). Wir haben uns zwar nicht telefonisch angemeldet, aber das Glück, dass der Eigentümer Dennis sich etwas Zeit für uns nimmt und unsere mehr oder weniger qualifizierten Fragen beantwortet. Vor 10 Jahren begannen er und seine Frau Lene damit, 800 Weinstöcke anzupflanzen, weitere 400 sollten noch folgen. Das Ganze entstand, nachdem Lene bei einem Fest auf einem dänischen Weingut sagte: „Das können wir besser!“

Inzwischen produzieren sie ca. 1500 Flaschen pro Jahr. Zwei davon kaufen wir nach einer kleinen Probe des äußerst köstlichen Weins aus der Solaristraube und aus der Johannitertraube.

Das heißt, ich trinke Wein mittags bei 24 Grad, Kay spielt mit dem Hund Alfred. Von so einem kleinen Weingut kann man natürlich nicht leben. Daher beliefern sie ganz Dänemark und auch Norwegen per Webshop mit Weinstöcken und Zubehör, um selbst Wein zu keltern (und haben auch ein Baugeschäft, das wird wohl das meiste Geld abwerfen).

Zubehör
vorne neue Flaschen, hinten neue Fenster, Hauptsache Glas

Dennis erzählt, dass auch in Südnorwegen sehr guter Wein, der schon Preise gewonnen hat, angebaut wird. Der Boden auf dem Fjell ist nährstoffreich, die Triebe werden auf den Felsen entlang geführt statt horizontal an Drähten. Die Steine heizen sich auf und die Trauben reifen sozusagen auf einer natürlichen Heizung.

Nach dem Weingeist führt uns der Weg nur ca. fünf Kilometer weiter nach Refsvindinge. Ein bisschen außerhalb des Ortes liegt die gleichnamige Brauerei (www.bryggerietrefsvindinhe.dk). Sie sieht ein bisschen unscheinbar aus, besteht aber bereits seit 1885 und ist immer noch in Familienbesitz.

Wir wollen ein paar Sorten für den Sohn kaufen, der sich zu einem ausgewiesenen Bierkenner entwickelt. Die Verkaufshalle sieht unspektakulär aus, bis uns klar wird, dass in den Kästen ausschließlich das eigene Bier zum Verkauf steht.

vorne Verkauf, hinten Abfüllanlage

Nun stellt sich nicht mehr die Frage danach, ob wir das Geschenkset mit drei oder acht Flaschen mitnehmen. Kurze Nachfrage an der Kasse, ob es okay ist und dann einen leeren Bierkasten mit je einem Exemplar aller möglichen Sorten bestückt. Die Auswahl erfolgt rein nach Namen und Aussehen des Etiketts. Schwups, und schon sind 20 Flaschen im Kasten (von 36 Sorten). Das wird wohl mehr als einen Beer-tasting-Abend für Mutter und Sohn geben.

Diese Sorten gibt es zurzeit.
Die sind bezahlt :-))

Dazu gibt es nach dem Bezahlen noch zwei Gratisflaschen gut gekühlt drauf zu, passend zum nahenden frokost (Mittagessen). Daher wird auf die Bierprobe vor Ort verzichtet.

Ende der 1990er zum besten Bier Dänemarks gewählt.

Die Brauerei bietet noch eine andere Geschenkidee an: BBB, beer, bed & breakfast. Bierverkostung, Brauerei- und Mälzereibesichtigung, Übernachtung in einer Hütte mit Frühstück am nächsten Tag.

Jetzt ist noch Platz für eine weitere Sorte Sprit im Auto, wir müssen in Ørbæk tanken. Das war der eigentliche Grund, warum wir mit dem Auto losgefahren sind. Weingut und Brauerei liegen in guter Fahrradentfernung vom Campingplatz entfernt. Allerdings hätten wir nicht so viele Köstlichkeiten in die Packtaschen verstaut bekommen.

eine kleine Fahrradtour zum Holckenhavn Slot

das Eingangsschild zum Schlossgelände, am Wochenende ist geschlossen, doch wir kamen quasi durch den „Hintereingang“ von der Steilküste aus, da gab es kein Hinweis

Heute Nachmittag holten wir die geplante Fahrradtour durch die nähere Umgebung nach. Die Rundtour führte uns zunächst immer oberhalb der Küste entlang, durch das Sommerhausgebiet von Tårup Strand, durch den Kajbjerg Skov (Wald) und zwischen Getreidefeldern hindurch bis wir schließlich das Holckenhavn Slot erreichten. Die Ausblicke auf Brücke, Ostsee und Felder schwankten zwischen malerisch und Postkartenidylle.

Das Schloss selbst ist nicht zugänglich, aber wir konnten es einmal umrunden, immer entlang des Schlossgrabens. Sehr nettes Anwesen, in der 14. Generation im Besitz der Familie Holck, das die Eigentümer (jetzt Christina und Dennis Holck) für Feierlichkeiten aller Art ausleihen. Wenn wir mal reich wären, könnten wir …

Der Rückweg führte dann überwiegend auf der Strecke der Radroute 8 (Østersøruten) entlang über Kogsbølle zurück zum Campingplatz. Zum Teil war der Weg sehr hügelig und führte wieder an Getreidefeldern (Roggen, Gerste, Hafer, Weizen, Raps (ich weiß, ist kein Getreide), alles war dabei) vorbei, die zum Teil mit schönen Blühstreifen vom Wegesrand abgegrenzt waren. Die Häuser und alten Höfe, an denen wir vorbei kamen, präsentierten sich in allen Ausbaustufen von ‚verlassen und verfallen‘ bis hin zu ‚nach allen Regeln der Kunst instandgesetzt und modernisiert‘. Vom Rückweg gibt es keine Fotos. Entweder keuchten wir bergaufwärts oder wir genossen die Schussfahrt und den Fahrtwind bergab.

Genbrug – Secondhand

Wie schon öfter erwähnt, lieben wir es ja, in den gemeinnützigen Secondhand-Shops nach interessanten Dingen zu stöbern. In kleineren Orten sind es meist auch kleine, manchmal vollgestopfte Läden in der Nähe der Haupteinkaufsstraßen oder auch auf der Hauptstraße, um Leerstand in den Ladenlokalen zu verhindern. In größeren Orten findet man auch meist einen größeren Laden in einem der am Stadtrand liegenden Industriegebieten.

In diesem großen Laden in Nyborg haben wir nur einen neuen Teebecher erstanden. Glas- und Porzellanwaren gab es zum halben Preis. Auf dem Becher klebten zwei Preisschilder, 10 Kronen und 5 Kronen. Wie man mathematisch nur unschwer errechnen kann, befindet sich der neue halbe Preis bereits auf dem Becher. Das ehrenamtliche, täglich wechselnde Personal, meist alte oder auch sehr alte Damen, benötigt Sicherheit.

Unabsichtlich stand der Becher nun mit dem 5-Kronen-Preisschild der Dame zugewandt auf dem Kassentresen und sie bekam ein 5-Kronen-Stück in die Hand. Sie sagte etwas, was wir nicht so schnell verstanden (kein erkennbarer Kontext) und hantierte mit der Kasse, die nicht so wollte wie sie. Wir warteten noch ein bisschen, aber sie beschäftigte sich weiter mit der Kasse. Daraufhin wünschten wir ihr einen guten Tag und wollten gehen. Sie bekam die Kasse auf und wiederholte, was sie kurz zuvor bereits gesagt hatte: wir sollten doch noch Wechselgeld erhalten. Der halbe Preis für den Becher belief sich also auf 2,50 Kronen. Okay, unsere dänischen Sprachkenntnisse eignen sich nicht zum Argumentieren. So nahmen wir auch noch das Wechselgeld in die Hand und freuten uns.

Mit dem Sparschäler an Bord, erstanden zuhause im lokalen Edeka, hier links im Bild, kam Kay nicht gut zurande. Also hielt der Blick in den Secondhand-Läden auch Ausschau nach einem neuen Sparschäler. Irgendwo in Haderslev fanden wir den schicken neuen, rechts im Bild. Er sieht auch viel stylischer aus. Den probierte ich gestern aus und wunderte mich, dass ich mein Handgelenk beim Apfelschälen in einem so merkwürdigen Winkel halten musste. Scharf war der Sparschäler schon, aber irgendwie unhandlich. Kurzerhand nahm ich ihn in die linke Hand (wie gut, dass ich sehr viele Dinge auch mit links ziemlich gut machen kann) und schälte den Apfel ohne weitere Probleme in Nullkommanichts. Siehe da, da haben wir einen Schäler für Linkshänder erstanden. Na, macht nichts. Ich kann beide verwenden, Kay muss mit dem Blechteil halt üben!

Regen, Regen, drus

Die Gemeinde Nyborg ist sehr ergiebig, was potentielle Erlebnisse angeht. Wir könnten von Campingplatz aus eine Fahrradtour an der Küste entlang zum nahegelegenen Schloss Holckenhavn machen, oder mit dem Auto eine „Sprit“-Tour. Hier in der Nähe gibt es zwei Brauereien, deren Biere mit Preisen ausgezeichnet wurden und drei Weingüter (mildes Klima hier), alle mit angeschlossenen Hofläden (was für ein Fest!) und in Nyborg selbst eine Destillerie, die Whiskey, Rum, Gin und Aquavit brennt. Auch Odense lockt mit einem tollen Kunstmuseum und dem neu eröffneten Hans-Christian-Andersen-Haus.

Aber eine mächtige Regenfront macht alle Pläne zunichte, wir sitzen das Wetter im Wohnwagen aus, lesend, schreibend, Gitarre spielend, essend und trinkend. Das geht ganz gut. Am Nachmittag scheint wieder die Sonne. Wir erkunden den Strand in die andere Richtung, nach Süden hin. Aber auch dort nur Kiesel, Algen, eine Spur von Sand und flaches Wasser; nicht besonders schön und auch nicht gut zu gehen.

Für den Rückweg finden wir einen Aufgang zu einem Gerstenfeld mit einem gemähten Randstreifen, wie gemacht für uns. Leider endet der Streifen bald, und wir gehen weiter in den Furchen. Die Gerste wächst höher und ist unten nasser als gedacht. Aber nun sind wir unterwegs. Wir treffen auf eine weitere gemähte Schneise mitten im Feld, der wir folgen. Aber auch die stellt sich nicht als unser Weg heraus, sondern führt direkt und in gerader Linie zum Bauernhof. Wie cool, ein privater Zugang zum Meer. Da wir den Umweg über den Hof und die Straße nicht laufen möchten, geht es wieder querfeldein, bis wir schließlich unseren Ausgangspunkt erreichen.

Zur Belohnung gibt es ein Eis aus dem Campingplatz-Kiosk und Unterhaltung durch die Mitcamper am Badesteg.

Das kleine ankommende Boot wird gleich aufgeslippt.
„Unsere Eis-Bank“
toller Ausblick, die fünftlängste Hängebrücke der Welt
Teile des Campingplatzes als Blumenwiese, die Mischung kann man hier kaufen.

Rundgang durch Nyborg

Als erstes gleich mal etwas geschichtliches zum Dazulernen: Nyborg ist Dänemarks erste Hauptstadt. Das Schloss wurde vor mehr als 800 Jahren von König Waldemar gegründet, zentral im damaligen Dänemark gelegen und damit auch Danehof (damaliges Parlament in der Zeit des Reisekönigtums). Vom Turm des Schlosses aus konnte man wunderbar den Schiffsverkehr auf dem Großen Belt überwachen.

Nyborg Slot

Von den ehemaligen Wallanlagen rund um Schloss und Innenstadt ist noch einiges erhalten, wenngleich manchmal nicht mehr unbedingt als solche zu erkennen, wie z.B. der jetzige Friedhof, der allerdings sehenswert ist. In der Anlage erinnert er eher an einen Park. Unsere Friedhöfe sehen deutlich anders aus.

Direkt am Schloss steht noch ein Stück Wall. Dort findet man auch einen Wasserturm von 1899, der immer noch funktionsfähig ist und alte Kanonen, die früher die Stadt beschützten. Das ist heutzutage nicht mehr nötig. Stattdessen wird nun jedes Jahr der Sommer mit Kanonenschüssen begrüßt.

Die Wallanlage bestand aus Doppelwällen, dazwischen lief der Wassergraben. Die Mauern links und rechts stauen das Wasser. Diese Ausfallpforte diente gleichzeitig auch als Versorgungsweg.

Das alte Landtor, Mitte des 16. Jahrhunderts erbaut, war bis 1869 der einzige öffentliche Zufahrtsweg in die Stadt hinein. Die Straße führte direkt auf das Schloss zu. Gesichert wurde das Tor durch das Wallsystem uns die Wasserbräben. Um 22 Uhr wurde das Tor, mit 40 Metern das längste Tor Dänemarks, geschlossen, eine Viertelstunde vorher wurden die Glocken geläutet, um darauf aufmerksam zu machen. Noch heute läuteten in Nyborg jeden Abend um 21:45 Uhr die sogenannte Wächterglocke in der Kirche.

Am zentralen Marktplatz (Torv) gegenüber des Schlosses liegen das Rathaus und andere repräsentative Gebäude. Schon immer fand hier der Markt statt und in früheren Zeiten auch die königlichen Rittertuniere, für die er einst angelegt wurde.

Rathaus
Die alte Schlossmühle ganz links staut den Schlosssee.
ganz links: Borgmestergården, 1601 vom damaligen Bürgermeister und Kaufmann Mads Lerche erbaut, heute lokalhistorisches Museum

Am anderen Ende der Altstadt, am Gamle Torv (alter Marktplatz) steht die Vor Frue Kirke, errichtet von Margrethe I. (1388-1428). Seitdem wurde sie mehrmals bis ins 19. Jahrhundert hinein, umgebaut. Auch heute ist der Eingangsbereich mit Turm eingerüstet, allerdings nur zu Renovierungszwecken.

Der temporäre Eingang an der Seite führte uns direkt hinein in den Altarraum mit dem angeblich größten Kirchenleuchter Dänemarks, darüber das Triumphkreuz.

Durch dieses Gittertor (1649) führte der Weg nicht.
Links die Kanzel, ein Meisterstück des Barocks, ganz in schwarz; vorne die Kirchenbänke, jede zweite ganz modern mit weißen Gummibändern coronabedingt gesperrt.

Langer Bericht, sehr langer Rundgang. Am Ende noch schnell was eingekauft und Kanelstanger zum Tee auf dem Campingplatz zur Erholung.

Wer bis hierhin gelesen hat, kann sich Gedanken machen, für wen oder für welchen Anlass wohl diese zwei Herzen gepflanzt wurden. Wir wissen es nicht.

Weiterfahrt nach Fyn (Fünen)

Brücke über den Kleinen Belt

Inzwischen sind wir auf Fünen angekommen, genauer gesagt auf der Ostseite der Insel auf dem Tårup Strand Camping südlich von Nyborg. Auch dieser Platz wirbt mit der Möglichkeit, den Morgenkaffee direkt am Strand zu genießen. Der besteht allerdings überwiegend aus Kieselsteinen und riesigen Flintsteinknollen unterhalb einer kleinen Steilküste. Wir haben einen Stellplatz auf der Steilküste, mit Blick auf die Ostsee und die gigantische Brücke über den Großen Belt. Vor uns grasen Schafe, ein Stückchen weiter sind es Ziegen. Letztere wohnen auch in einem Gehege mit Teich mitten auf dem Platz. Rundherum liegen die Stellplätze, es sind überwiegend Dauercamper. Wir haben ein riesiges Rasenareal am Ende des Geländes für uns, der Platz ist nicht voll.

Storbeltsbroen
Ziegen und Schafe schützen die Steilküste.ä

So hatten wir auch nur wenige Zuschauer, als wir versuchten, in der Hitze (windstill, 24 Grad, höhere Luftfeuchtigkeit) den Wohnwagen einigermaßen gerade auf einer schiefen Ebene zu platzieren. Der dritte Versuch war erfolgreich: Wagen um 90 Grad gedreht und auf eine improvisierte Rampe aus drei Holzplanken (Reste unseres Terrassendecks) gefahren. Glücklicherweise haben wir uns beim Kauf des Wohnwagens den Mover einbauen lassen!!! Es war auch so schon anstrengend genug.

Und dann noch das Vorzelt antüddern, zuerst falsch herum in die Kederleiste eingefädelt, dann darunter geschwitzt wie in einem tropischen Regenwald. Als wir wieder zur Besinnung gekommen waren, gab es ein Eis aus dem Kiosk und einen Spaziergang am Wasser entlang. Der Campingplatz hat einen eigenen Aufgang die Steilküste hinauf, den wir aber zuerst nicht fanden. Ein versteckter Weg führt durch die Büsche, wir hatten aber Ausschau nach einer Treppe gehalten. Dafür fanden wir noch einen zweiten Aufgang, der viel näher an unserem Stellplatz liegt. Vielleicht gehen wir ja hier mal Schwimmen. Langsam wird es auch für uns warm genug dafür.

… und dann endlich mal etwas zu essen!!

Haderslev – Hadersleben

Das Wetter war wieder sehr wechselhaft: so warm, dass der Wunsch nach kurzen Hosen aufkam und so unbeständig, dass die knapp 15km nach Haderslev doch lieber mit dem Auto statt mit dem Rad gefahren wurden.

Die fehlende kurze Hose ließ uns einer unserer Lieblingsbeschäftigung nachkommen, shoppen in den gemeinnützigen Secondhand-Läden. Fünf davon fanden wir in Hadersleben, und dort drin nicht nur die gewünschte Hose, sondern auch gleich noch Kleinkram für die Küche (so wichtige Sachen wie ein Sparschäler und ein Auffülllöffel) und ein paar Bilderbücher für das Enkelkind (Weihnachten kommt ja immer schneller als man denkt). Uuuund eine riesige dänische Fahne, passend zum heutigen Halbfinale der EM, Dänemark gegen England. Die Fahne ist so groß, dass sie der Kassiererin beim Zusammenlegen beinahe auf den Boden gerutscht wäre. Und das ist etwas, was der dänischen Fahne auf gar keinen Fall passieren darf, niemals!! Wir haben sie dann noch einmal zu zweit ganz ordentlich zusammengefaltet.

Eine weitere Lieblingsbeschäftigung sind Kunstmuseen. Davon war in Haderslev nichts zu finden. Insgesamt war wenig los und auch wenig zu sehen, obwohl wir durch das folgende Schild aufgefordert wurden, es uns gemütlich zu machen.

Stattdessen besuchten wir den mächtigen gotischen Dom.

Haupteingang

Außer der schönen Innenausstattung wurden die neuen liturgischen Messgewänder ausgestellt, die von der dänischen Königin entworfen wurden und seit dem letzten Jahr in Gebrauch sind.

Der ganze Innenraum ist schlicht weiß gehalten. So bunt wie hier sah es wohl mal in der ganzen Kirche aus.
Ein Votivschiff darf in keiner Kirche an der Küste fehlen.

Zu festen Zeiten werden auch Gottesdienste in deutscher Sprache gehalten. Hadersleben ist die nördlichste Stadt in Dänemark, in der es Einrichtungen der deutschen Minderheit gibt.

Ein paar schöne Giebelhäuser aus dem 16. und 17. Jahrhundert gab es noch zum Fotografieren.

Dann ging es zurück, zum Hygge auf unseren fantastischen Stellplatz direkt am Strand.

Fahrradtour nach Kalvø

Der heutige Tag mit der Wetterprognose „hohe Regenwahrscheinlichkeit mit Gewitter“ begann mit einem Frühstück in praller Sonne direkt am Strand, inklusive Sonnenbrandgefahr. Wir haben uns echt einen tollen Platz ausgesucht! Das Gewitter war kurz und heftig, im Wohnwagen war es kuschelig. Auch das Vorzelt hält dicht. Belohnt wurden wir mit einem Regenbogen über der Bucht.

Wiederkehrende Regenschauer sind auch eine gute Gelegenheit, in Ruhe zu lesen. Am frühen Abend war es sonnig und windstill, und wir beschlossen, noch eine Fahrradtour zu machen, immer an der Küste entlang bis zum Inselchen Kalvø. Die ist durch einen Damm mit dem Festland verbunden.

In der Mitte der Insel, in der Wüste, wurde bis in die 1960er Jahre Kies und Sand abgebaut. Nun ist dort ein Steinkreis mit Findlingen angelegt, die die Herkunft der Gesteine innerhalb der letzten Eiszeit verdeutlichen sollen.

vorne präkambrischer Sandstein, dahinter Sandstein mit Muschelschalen bestückt
eine kleine Oldtimer-Parade im Hafen, auf unserem Rückweg kamen uns noch mehr entgegen

Da wir dann doch langsam Hunger bekamen, fuhren wir wieder zurück. Und lieferten uns eine Wettfahrt mit dem nächsten Gewitterschauer, vom Meeresniveau (Kalvø) rauf auf den Hügel und wieder runter zur nächsten Bucht (Genner Strand bzw. Sønderballe Strand) und wieder rauf auf den Hügel (Sønderballe) und in Schussfahrt hinunter in unsere Bucht und mit den ersten Tropfen im Zelt angekommen. Gewonnen!!

auf dem Hinweg
auf dem Rückweg

Aber auch dieses Gewitterchen wurde schnell vom Wind vertrieben. So lassen sich „Regentage“ gut aushalten.