Kunst- und Designmuseum Trapholt in Kolding

Heute ging es aufs Festland. Wir hatten vorher überlegt, die knapp 20km mit dem Fahrrad zu fahren. Es war aber sehr windig. Als wir die Steigungen mit dem dazugehörigen Gefälle sahen, waren wir echt froh über unsere Entscheidung, doch das Auto zu nehmen.

Unser Ziel war Trapholt (endlich mal wieder ein Kunstmuseum besuchen), das eine große Arne Jacobsen Ausstellung präsentiert. Zutritt gab es nur mit Test oder Impfzertifikat. Die Kontrolle erfolgte noch vor dem Gang zur Kasse. Zusätzlich gab es Beschränkungen bei der maximalen Besucheranzahl in den Räumen (Aber wann ist es in Museen schon so voll?) und überall die Möglichkeit, sich die Hände zu desinfizieren. Masken mussten nicht getragen werden. Wir hielten entsprechend Abstand zu anderen.

„Arne Jacobsen – Designer Danmark“ lautet der vollständige Titel der Ausstellung, schön mehrdeutig, könnte auch ‚Arne Jacobsen entwirft Dänemark’ heißen. Wie kein anderer hat er die Wohn- und Arbeitskultur des Landes geprägt. Wer schon mal in Kopenhagen war, hat das SAS-Hotel (hat jetzt einen anderen Namen) am Rathausplatz gesehen, bei dem er nicht nur das Gebäude, sondern auch das gesamte Interieur bis hin zu Porzellan und Besteck entworfen hat.

Er entwarf auch öffentliche Gebäude wie Schulen und Rathäuser (auch das in Mainz), Fabrikgebäude, Textilien und Tapeten und natürlich seine berühmt gewordenen Stühle und Sessel.

Für die Kantine eines Unternehmens entwarf er z.B. ‚myren‘ (die Ameise) mit nur drei Beinen, um Platz zu sparen und, ganz neuartig damals, Sitz und Lehne aus Sperrholz. Der Möbelfabrikant wollte den Entwurf nicht in Serie gehen lassen, unverkäuflich seiner Meinung nach. Bei einem Besuch im Atelier erkundigte sich der Unternehmer nach den Stühlen. Jacobsen zeigte ihm den Prototyp und fragte: „Wie viele Stühle sagtest du noch mal, bräuchtest du?“ Mit der genannten Zahl ging Jacobsen zum Möbelbauer, die Produktion ging los, der Rest ist Geschichte.

Hier sitzt Kay auf einer gigantisch großen Ausgabe der Ameise.

Und wer kennt sie nicht, oder hat sie gar zuhause, die ikonischen zylindrischen Thermoskannen der Firma Stelton. Auch die hat Jacobsen entworfen, gemeinsam mit noch vielen anderen Dingen bilden sie die Serie ‚Cylindra‘.

Ganz avantgardistisch erschien der Fachwelt das ‚Kubeflex‘-Haus, das 1970-71 zum ersten Mal auf einer Fertighaus-Messe vorgestellt wurde.

Die jeweils 11 Quadratmeter großen Kuben können sich je nach den Bedürfnissen der Bewohner zusammenstellen lassen. Dieses später von der Familie genutzte Sommerhaus ist das einzige Exemplar, das verwirklicht wurde, da Arne Jacobsen unerwartet im März 1971 starb.

Es besteht aus Wohn- und Esszimmer, Küche, Bad und zwei Schlafzimmern; 6 Kuben, „aneinandergeklickt“, von der Decke aus beheizt, mit einem Kamin im Wohnzimmer als einziger sichtbarer Wärmequelle und unterschiedlichen Möglichkeiten, die Fassaden zu gestalten. Alles in Modulbauweise, damals undenkbar, heute immer noch modern.

Wohnzimmer und Essbereich
Küche
Schlafzimmer

Nach einer Pause mit Kaffee und Torte ging es noch durch die anderen Ausstellungen. Besonders interessant fand ich diese Installation aus Stickereien, die mehr als 750 Menschen, überwiegend nördlich der Grenze wohnend, anlässlich der 100-Jahr-Feier der Grenzziehung 2020 angefertigt haben. Aus dänischer Sicht heißt das Ereignis Wiedervereinigung.

Und dann gab es noch eine auf den ersten Blick willkürlich zusammen gestellte und gestopft volle Ausstellung aus der Trapholt-Sammlung.

Der Clou daran war, die Ausstellung heißt „Deine Ausstellung“, dass man mit einem kleinen Puck diverse Computerterminals aktivieren konnte, um aus seinen elf Lieblingsstücken die eigene Ausstellung zu kuratieren. Diese wurde dann über eine große Leinwand in einem Extra-Kabinett allen zugänglich gemacht.

Nach viereinhalb Stunden fuhren wir wieder, endlich einmal wieder aufgefüllt mit herausfordernden visuellen Erlebnissen, aber auch sehr erschöpft.

2 Gedanken zu “Kunst- und Designmuseum Trapholt in Kolding

  1. Avatar von kuehme-holtsee@t-online.de kuehme-holtsee@t-online.de

    Hallo Kay und Martina,

    ich verfolge Eure Reise punktuell, interessant.

    Und dachte, ihr kommt irgendwann hierher wo wir gerade sind.

    Vermute nun angesichts der verbleibenden Restferienzeit dass das nichts wird.

    Nun denn, wir sehen uns

    Grüße

    Von Maria und Christian

    Aus Tranum Klit Camping

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