Tate Modern 2018

Nun sind wir schon so oft hier hergefahren, aber immer noch gibt es Neues zu entdecken. Wir haben eine andere Route als sonst genommen, müssen dafür einmal quer durch die Doppelstation von King‘s Cross nach St Pancras, um dort in die Bahn ThamesLink zu steigen, super neu, super gekühlt, super leer (nach der vollen Ubahn eine Erleichterung). Aber man braucht gute Nerven und muss wissen, wo man hin möchte, sonst ist man in der riesigen Bahnstation verloren.

Und nun das wirklich Neue: die Station Blackfriars gibt es auch südlich der Themse, und wir steigen über dem Wasser aus! Eine ganz ungewöhnliches Perspektive:

Blick vom Bahnsteig flussabwärts
rechts unser Ziel, die Tate Modern in voller Ausdehnung und die Themse hat Niedrigwasser.
Diese Brücke ist die Bahnstation.

Und schwups, sind wir auch schon in der Tate Modern. An unserem Besuchstag sind die Öffnungszeiten bis 22 Uhr verlängert. Das gibt uns genügend Zeit, nicht nur die frei zugänglichen Ausstellungsräume zu besuchen, sondern auch noch zwei Sonderausstellungen. Nur der Ticketkauf steht noch dazwischen. Das System ist zusammen gebrochen und somit ist das Bezahlen mit der Karte unmöglich. Aber die Ticketpreise sind gepfeffert, soviel Bargeld ist eigentlich nicht in unserem Portemonnaie, deshalb gucken wir erst einige der freien showrooms im Blavatnik Building an und machen anschließend eine Pause draußen im Park.

Live-Performance des Künstlers Tunga: Capillary Xiphopagus among us (die Zwillinge mit den verbundenen Haaren in der Bildmitte)

Ausschnitt aus einem Werk der Amerikanerin Jenny Holzer

Leider hat das System sich auch danach noch nicht wieder eingekriegt, sodass wir alle unsere Pfundscheine zusammen kratzen, in der Hoffnung, dass wir weitere Mahlzeiten mit der Karte bezahlen können.

Wir starten mit „Shape of Light“, ein Streifzug durch 100 Jahre Fotografie und abstrakter Kunst. Wir erfahren, wie sich die Fotografie entwickelt hat von einem Medium der Repräsentation der Wirklichkeit hin zu einem der Repräsentation der künstlerischen Idee, von der Abbildung zur Abstraktion. Dazu werden den Fotografien auch Malereien gegenübergestellt, beides sehr beeindruckend.

ein Werk des japanisch-amerikanischen Fotografen Hiromu Kira aus dem Jahr 1928

ein Werk des Amerikaners John Divola aus der Serie Vandalism 1974

Nach einer Erholungspause für die Beine geht es in die Ausstellung „Picasso 1932“ mit dem Untertitel „Love, Fame, Tragedy“. Chronologisch Monat für Monat werden die Werke mit Informationen zu den Ereignissen des jeweiligen Zeitabschnitts gezeigt und in Beziehung zueinander gesetzt. Es ist kaum zu glauben, dass in einem Jahr so eine vielfältige Produktivität möglich sein konnte. Picasso war etabliert und wohlhabend, gerade 50 geworden, wollte aber gleichzeitig derjenige sein, der immer noch in vorderster Front radikal neues erschaffen kann. Er hatte sich ein Herrenhaus in der Normandie gekauft und führte ein respektables bourgeoises Leben mit Frau und Sohn. Gleichzeitig pflegte er eine geheime Liebschaft mit seinem Modell. Er experimentierte mit Skulpturen, probierte den Surrealismus aus und stand in der Wahl der Farben in ständiger Konkurrenz zu seinem Freund Matisse. Es entstanden wunderbare Werke in diesem einen Jahr:

Hinterlasse einen Kommentar