Summer in the City ist toll, Sommer am Wasser auch, am besten ist es, wenn beides zusammen kommt. Der Regent’s Canal (unter diesem Link gibt es viele weitere Fotos), gebaut in Londons Norden zu Beginn des 19. Jahrhunderts als industrial highway, eignet sich heutzutage besonders für einen Spaziergang. Der Treidelpfad entlang des Kanals hat sich inzwischen von einem Geheimtipp zu einem Naherholungsgebiet entwickelt. Noch bis in die 1960er Jahre wurde der Kanal als „Lastenträger“ genutzt, jetzt ist er „besiedelt“ mit Hunderten von Hausbooten, den narrow boats. Die meisten Menschen, die auf diesen Booten leben, sind so den horrend hohen Mieten in London entkommen. Beim Vorbeispazieren und in der Sonne sieht das Leben auf den Booten ganz pittoresk aus, aber man muss so ein halböffentliches Leben auf engem Raum schon mögen. Und alle sieben bis vierzehn Tage muss man mit dem Boot weiterfahren, um einen anderen Anlegeplatz zu finden. Die Lizenzen für Dauerliegeplätze sind rar und dann auch wieder sehr teuer.



Der towpath, der auf der einen Seite des Kanals entlang führt, wird nur dreimal von Tunnel unterbrochen. Dann muss man durch den Ort gehen. Aber auch hier ist der Weg gut ausgeschildert, so dass man auch ohne guidebook, das es natürlich auch gibt, den Kanal gut wiederfindet. Auf diese Weise kamen wir durch Islington, in den 1980ern und 1990ern noch ein Stadtteil, in dem man sich nicht unbedingt freiwillig aufhalten mochte. Inzwischen ist die Gentrifizierung vorangeschritten, sogar der jetzige britische Außenminister Boris Johnson lebt hier (ob er das wirklich noch tut, wissen wir nicht, aber er hat sein Haus noch, falls jemand gucken möchte, Nr. 10 in der High Street, wie uns ein stolzer Bewohner erzählte).


Das faszinierende auf unserem 14,5 km langen Weg war, dass die Ansicht des Kanals und die wasserseitige Bebauung sich nach jeder Brücke, die wir unterquerten, änderte. Eigentlich hatten wir gar nicht geplant, den ganzen Regent’s Canal entlangzugehen. Aber es war so interessant, dass wir immer noch bis zur nächsten Brücke gingen, um zu sehen, wie es dort aussieht. Und immer mal zwischendurch passierten wir die alten Schleusen, locks. Und da die Hausboote immer mal wieder verholt werden müssen und auch Ausflugsboote den Kanal nutzen, hatten wir öfter Gelegenheit, den Schleusungsprozess zu beobachten. Die Tore waren sehr schwer zu bedienen, alles Handarbeit, und nett anzuschauen, solange wir das nicht selbst machen müssen.



Wir fuhren zuerst eine Stunde lang mit der UBahn nach Westen und begannen unseren Weg in Little Venice. Dann ging es zu Fuß immer ostwärts, durch Stadtteile Londons, in denen wir noch nie gewesen sind, z.B. Camden Town, St. Pancrass, Islington, Tower Hamlets, Haggerston, Hackney, bis wir schließlich in Mile End ankamen. Sehr erschöpft, mit einem leichten Sonnenbrand, Hunger, aber sehr zufrieden mit diesem Erlebnis.

