20 Staaten in 2 Monaten

In alfabetischer Reihenfolge: Alabama, Florida, Georgia, Illinois, Kansas, Kentucky, Louisiana, Maryland, Mississippi, Missouri, New Jersey, New York, North Carolina, Oklahoma, Pennsylvania, South Carolina, Tennessee, Texas, Virginia, West Virginia; etwas mehr als als 5000 Meilen (mehr als 8000km) bisher. Wie wir genau gefahren sind, könnt ihr auf der Karte sehen. Ein paar Staaten im Nordosten werden im Frühjahr noch dazu kommen.  

Reiseroute bis Anfang Januar
 Aber nun überwintern wir erst einmal auf Tybee Island. Die Temperaturen pendeln hier zur Zeit zwischen 10 und 17 Grad tagsüber (und über dem Gefrierpunkt nachts), was sich bei Sonnenschein, auch bei Nieselregen, gut ertragen lässt. Vor allem, wenn man weiß, dass in New York die Nachttemperaturen so bei -16 Grad liegen. Wir hatten es sogar noch kälter in Santa Fe. In Florida ist es wärmer, aber dort sind die Plätze auf die snowbirds eingestellt, meist wohlhabende Rentner aus den nördlichen Bundesstaaten oder Kanada, die dort in ihren riesigen RVs überwintern. Entsprechend hoch sind die Mietpreise. Hier gefällt es uns sehr gut, darum sind wir ja auch zurück gekommen. Die Menschen sind sehr nett, der Platz ist ruhig und vergleichsweise günstig und das Meer ist in Gehweite. Wir wissen, wo wir vernünftige Lebensmittel einkaufen können. Und ansonsten ist es hier so weit weg von allem, was uns zunehmend auf die Nerven geht. Wir werden vielleicht sogar noch den Februar über hier bleiben.

Zu Beginn unserer USA-Reise hat uns die Angestellte der Mietwagenfirma, die selbst Deutsche ist, gesagt, dass dies kein schönes Land zum Leben sei. Das wollten wir ihr zu dem Zeitpunkt absolut nicht glauben. Leider stimmt es aber, zumindest aus deutscher Sicht. Wir lernen hier unser Heimatland in sehr, sehr vielen Dingen sehr zu schätzen. Das hat nicht nur etwas mit der Entfernung zu tun. Wir sind uns sicher, dass wir vieles gar nicht mitbekommen würden, wenn wir nur für einen mehrwöchigen Urlaubsaufenthalt hier wären. Dann lebt man ein bisschen wie in einer Blase und kann vieles ignorieren. Aber wir haben uns ja entschieden, hier für einige Monate zu leben, wenn auch in einem Campervan auf einem RV-Platz. Das ist auch gar nicht so ungewöhnlich. Auf den meisten Plätzen, auf denen wir waren, bestand mindestens die Hälfte der Bewohner aus Menschen, die dort ganz normal in ihren Trailern wohnten. Morgens fuhren sie mit ihren röhrenden Pick-up-Trucks zur Arbeit, nachmittags kamen sie wieder, am Wochenende wurde gegrillt und die Wäsche gewaschen. Auch Familien mit Kindern wohnen so. In Houston haben wir ein Ehepaar getroffen, er Bankangestellter in leitender Position, sie Logopädin, beide wohnen auf dem RV-Platz, da die Mieten in der Stadt zu teuer sind und sie nicht wissen, ob die Bank ihn demnächst nicht wieder versetzen wird. Da gibt es nicht viele Alternativen, entweder mit Sack und Pack umziehen oder arbeitslos sein. Ein Haus kann dann stören. 

 

Briefkästen für die Dauerbewohner des RV-Platzes in Houston
 
Der Platz hat sogar Briefkästen für die Bewohner, siehe Bild. Ansonsten kann man sich meistens keine Post zum Campingplatz schicken lassen, aber natürlich postlagernd zum nächsten Postamt. In Amerika heißt es general delivery. Aber schickt uns ruhig weiterhin Nachrichten über SMS, Facebook, Email oder den Blog hier. Das geht dann doch wesentlich schneller. Wir könnten uns allerdings per UPS oder Fedex etwas auf den Platz schicken lassen. Das wollten wir mit dem Ersatzteil für die Klimaanlage, das uns im Sturm weggeflogen ist, machen. ABER: Leider können wir nichts bestellen, weil wir nicht bezahlen können! Das hat nichts mit unserem Kontostand zu tun, da sieht es trotz der extrem hohen Lebenshaltungskosten hier noch einigermaßen gut aus. Nein, um die Kreditkarte verifizieren zu können, muss man seine Adresse, die auf der Karte hinterlegt ist, angeben (billig address). Leider können sie sich hier nur vorstellen, dass man in den USA oder in Kanada wohnt. Andere Optionen gibt es beim Anklicken schlicht nicht. Und das Feld frei lassen darf man auch nicht. So ein nur sich selbst wahrnehmendes Land ist auf Dauer für uns nicht zu ertragen.

Ein Gedanke zu “20 Staaten in 2 Monaten

  1. Avatar von Hans-Jürgen Hans-Jürgen

    Liebe Martina, lieber Kay,

    jetzt folgen wir euch schon seit Monaten auf eurer Reise durch England und vor allem durch die Staaten – höchste Zeit, uns auch mal zu Wort zu melden!

    Zuerst: Es ist so toll, wie ihr von euren Erlebnissen unterwegs berichtet, nämlich so ehrlich, authentisch, unverkrampft und nachvollziehbar – das ist einzigartig – tausend Dank, dass ihr uns teilhaben lasst!

    Dann: Es geht sogar uns an die Nieren, mit welchem Auf und Ab ihr zu kämpfen habt. Das Auschecken vom Dampfer, die Freude an Museumsbesuchen, die Kontakte zu „Einheimischen“, der Tiefpunkt ausgerechnet zu Weihnachten, Blizzard auf den Fersen, „warmes“ Kansas-City, um nur einige wenige zu nennen, bis hin zur Rückkehr nach Tybee Island, was ich mir gerade auch auf Google Earth mal angeschaut habe (musste ziemlich suchen, bis ich den RV-Park finden konnte, sieht ja wirklich fast kuschelig aus!).

    Mitunter kommt dann sowas wie Mitleid auf, wenn es einen Crash mit dem Van gibt, die Technik streikt, die Planung umgeschmissen werden muss (oder in England: das Getriebe ausfällt), aber: Ihr erlebt was, und das wolltet ihr ja!

    Ganz bemerkenswert auch die eingestreuten lebensphilosophischen Bemerkungen zum Reisen, zum Heimatgefühl bis hin zu heimwehartigen Attacken – gut zu wissen, dass ihr wiederkommt!!!

    Macht‘ s gut, ihr Lieben, lasst euch von so manchen Widrigkeiten des amerikanischen Alltags nicht unterkriegen, besucht mal ’ne Public Library (sogar in Tybee gibt’s eine) – und schreibt bitte weiter….

    Hans-Jürgen & Renate

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