Not so merry Christmas any more

Irgendwann reicht es und auch das letzte bisschen Geduld ist aufgebraucht. Bei uns scheint jetzt der Punkt erreicht zu sein, vielleicht auch verstärkt durch die Nicht-Weihnachten, denen wir hier ausgesetzt sind und das Fehlen der Familie. Wir haben schon sehr, sehr lange nicht mehr so viele Tränen vergossen, wie in den letzten drei Tagen, aus Heimweh, Frust, Ärger, und was noch alles. Glücklicherweise immer abwechselnd, so konnten wir uns immer gegenseitig trösten.

Wir wollten uns am Vormittag des 24. das lokale Center und Museum für die Pueblokultur ansehen, es war für Weihnachten geschlossen (kein Hinweis auf der Webseite). Seit gestern Abend springt das Auto nicht mehr an. Wir hoffen mal, dass es nur eine entladene Batterie ist (kann schon sein bei -15 Grad in der Nacht) und nicht der Anlasser. So kamen wir gestern Abend nicht zu dem Gottesdienst in Santa Fe, auf den wir uns schon sehr gefreut hatten. Und auch der Besuch der vorabendlichen kleinen Fiesta auf der Plaza mit bunten Lichtern und heißer Schokolade fiel so aus. Heute wollten wir gerne zu den traditionellen Christmas Day Dances in den nächsten Pueblo fahren. Das ging ja wegen des Autos sowieso nicht. Aber dazu kommt der Frust, dass die Menschen hier an der Rezeption zwar nett, aber nicht in der Lage sind, hilfsbereit zu sein. Das ist irgendwie nicht in deren Vorstellungsvermögen. Den Pueblo müsste man vorher anrufen. Da unser Mobiltelefon hier gar keinen Empfang hat, baten wir die Rezeption, dort für uns anzurufen. No chance, wir könnten vom Zimmer aus telefonieren. Haben wir probiert, ging nicht. Ein weiterer Anruf bei der Rezeption ergab, dass wir in fünf Minuten nochmal telefonieren sollten, dann solle es gehen. Was sollen wir sagen? Es ging (natürlich) nicht. Wir haben es dann aufgrund des nichtfahrbereiten Autos aufgegeben. Mal sehen, ob sie uns morgen den Pannendienst rufen können.

Der Zimmernachbar im Hotel, der von uns nicht nur durch die Wand, sondern auch durch eine Tür getrennt ist, schaltet morgens den Fernseher an und abends wieder aus. Das kann man sich zwar nicht vorstellen, aber es ist so. Wir werden also permanent mit „Hörspielen“ und Werbung beschallt, alles im Niveau ganz unten und penetrant. Wir verstehen jedes Wort.   Das Beste kommt jetzt: er ist meistens gar nicht im Zimmer, sondern wahrscheinlich im angeschlossenen Spielkasino. Aber der Fernseher läuft seit drei Tagen, gestern von 7:00-22:30 Uhr, heute von 6:00-22:30 Uhr. Immer! Ständig! Und am Weihnachtsabend findet ein paar Zimmer weiter unten tatsächlich einer der berüchtigten Familienstreite statt. Unglaublich, wir leben gerade in einem schlechten Live-Film.

Heute ist ja mit Christmas Day einer der wenigen Tage, an denen in den USA alles geschlossen hat. Das meint wirklich alles! Das Hotelrestaurant ist geschlossen, die Bar, in der wir in der Woche gegessen haben, ist geschlossen. Das Buffetrestaurant im Casino sieht aus wie ein Imbiss, ist verraucht und laut und völlig überteuert. Unser Kühlschrank ist leer. Heute morgen war darin schon die Milch gefroren, so dass wir unser Müslifrühstück erst gegen Mittag  verzehren konnten. 

Wir sind jetzt so weit, dass wir unsere Reisepläne komplett ändern. Durch die Wüsten werden wir aufgrund des nicht so wirklich zuverlässigen Autos und Mobilempfanges nicht fahren. Kalifornien ist absolut nicht in unserem Budget. Der Wusch-Campingplatz, der von den sanitären Anlagen her in unser Budget passt, meldet sich nicht auf unsere Anfrage. Auf gut Glück hinzufahren möchten wir nicht mehr. Wir sind da inzwischen reichlich desillusioniert und nicht mehr mutig genug. Darum werden wir uns auf den Weg wieder Richtung Osten machen. Die beiden nächsten overnight stopps Richtung Westen haben wir abgesagt, die Hotelübernachtung dort müssen wir leider trotzdem bezahlen. Egal, das Gefühl, hier dringend wegzukommen, ist einfach übermächtig geworden.

Ein Gedanke zu “Not so merry Christmas any more

  1. Avatar von Frauke Ott Frauke Ott

    Uii, das klingt ja nach Tiefpunkt – und das zu Weihnachten! Unser großes Mitgefühl ist euch sicher und unsere Hoffnung, dass es von nun an wieder und nur noch bergauf geht. Frauke und Norbert

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