Eine unserer Hauptbeschäftigungen besteht aus Essen kaufen, zubereiten und zu verzehren. Der Einkauf bei Walmart und Co. dauert nicht nur immer lange, weil die Läden so riesig sind und die Sortierung bestimmter Warengruppen hier ganz anders organisiert ist, als bei uns (einen Großteil der Zeit verbringen wir mit Suchen). Wir werden auch immer erstaunlich viel Geld los. Dabei hatten wir gedacht, dass Essen hier recht günstig sei. Das ist es auch, im Prinzip, wenn wir nach den Spielregeln einkaufen würden:
– Kaufe alles in riesigen Mengen. Das geht nicht, weil das Fassungsvermögen der Schränke und des Kühlschranks im Campervan beschränkt ist.
– Kaufe nach dem Motto „buy one, get one free„. Das geht aus den o.a. Gründen auch nicht.
– Schneide aus den Zeitungen, Prospekten etc. Coupons aus und kaufe dann die Artikel verbilligt. Das geht aus zwei Gründen nicht: diese Coupons haben wir noch nie gesehen, außer ausgeschnitten in den Händen anderer Käufer und der wichtigere Grund: die Sachen wollen wir gar nicht essen.
– Kaufe Fertiggerichte und wärme sie auf. Geht auch nicht, wir haben keine Mikrowelle an Bord und wollen auch das Zeug nicht essen.
-Kaufe Fleisch und lege es auf den Grill. Wollen wir auch nicht.
Es ließen sich sicherlich noch mehr Spielregeln finden. Aber wir möchten nun mal viel lieber aus frischem Gemüse Mahlzeiten selbst zubereiten. Und frisches Gemüse ist teuer, genau so wie so merkwürdige Dinge wie Couscous und Linsen, Wasser ohne Geschmacks-und Farbzusätze, Müsli usw. Quasi alles, was wir gern essen.
Heute haben wir eine Bio-Supermarkt-Kette entdeckt, eigentlich aus Zufall. Wir standen im Stau und hatten Zeit, die diversen Shoppinggelegenheiten an der Straße zu studieren, Imbissketten, Bekleidung, Pfandleiher usw. Und darin ein grünes Schild mit der Aufschrift whole foods market. Also haben wir kurzerhand den Stau verlassen, war sowieso langweilig, und sind für eine Stunde in einem vertraut vorkommenden Einkaufserlebnis europäischer Art gelandet. Nachdem der, für amerikanische Verhältnisse kleine Einkaufswagen voll war, waren wir 100$ los. Dafür waren alle Produkte organic und wir hatten Gemüse von sehr guter Qualität, was hier sonst nicht immer der Fall ist. Wir haben abgepacktes deutsches Vollkornbrot gekauft, unglaublich teuer, aber dafür ohne Zucker. In einer Scheibe Brot stecken sonst zwei Gramm Zucker! Wer wird schon von einer Scheibe Brot satt? Und es gab für Getreide und Trockenfrüchte aller Art die Möglichkeit, diese in Papiertüten selbst abzufüllen. Auf diese Weise konnten wir unser Müsli selbst zusammen stellen. Und auch hier ist sonst der Zuckeranteil ausschlaggebend, denn in jedem Müsli und Granola stecken unglaubliche Mengen an Zucker, von den Kellog’s-Produkten mal gar nicht zu reden, und sie sind teuer. Auch in Joghurt ist viel Zucker, in eigentlich allem. Und wenn no added sugar drauf steht, ist da eben Süßstoff drin. Dieses ganze Land ist von der Nahrungsmittelindustrie zuckerabhängig gemacht worden, muss auf Dauer immer mehr von dem Stoff haben und wird dick und dicker, da der Zucker in Fett umgewandelt wird. Und dann wird ihnen eingeredet, sie müssten ihren Fettkonsum verringern und fettreduzierte Lebensmittel kaufen, die dann auch wieder gesüßt werden. Es ist unglaublich, aber wir sehen die Resultate auf jedem Campingplatz: dicke Menschen, die sich zu Fuß nur langsam fortbewegen können und deshalb lieber den golf cart nehmen und dort zu zweit nebeneinander nicht mehr hinauf passen.


