Caribbean Cruise, day 8, St. Kitts & Nevis 🇰🇳 (April 2023)

Heute legen wir in Basseterre, der Hauptstadt von St. Kitts and Nevis an. Basseterre ist eine der ältesten Städte in der östlichen Karibik und wurde bereits 1627 von Franzosen gegründet. Wir waren vor sieben Jahren schon einmal hier.

In der Zwischenzeit hat sich am Hafen eine Menge getan, es wurde viel Geld in die Touristenversorgung investiert, denn der Tourismus ist inzwischen die wichtigste Einnahmequelle der Insel.

Vom Hafen aus kommt man zu Fuß nicht weit, das wissen wir noch vom letzten Besuch. Daher haben wir diesmal einen Ausflug in den Regenwald gebucht. Unsere Gruppe wird auf offene Busse verteilt, wobei die Fahrer jeweils auch als Tourguides agieren.

Auf der kleinen Sightseeingtour verstehen wir die vielen Informationen über das Land nur, wenn wir einen Stopp einlegen. Wir sitzen in der ersten Reihe, und der Dieselmotor des Toyotas übertönt den Lautsprecher am rückwärtigen Ende des Busses eindeutig. Das ist aber auch nicht so schlimm, denn die letzen Tage lieferten einen Überfluss an Informationen.

White cattle egris, die sonst die Parasiten von den Kühen picken, beschützen hier auf dem Baum ihre Brut vor den Mangusten, ihren Fressfeinden.

Auf dem Weg kommen wir an einem 400 Jahre alten Mahagoni-Baum vorbei. Die frischen Schnittstellen (eine ist auf dem Foto zu sehen) leuchten tiefrot.

Der hinter der Wolke noch sichtbare Berggipfel ist Mount Liamuiga ein Vulkan und der höchste Gipfel der Insel, ca. 1360 Meter hoch. Man kann ihn besteigen.

Auf diesem Hügel liegt das alte Brimstone Hill Fortress, an der einzigen Stelle, an der man von der Atlantikseite aus auf die karibische Seite zum Anlegen kommen konnte. Jedes Schiff war von weither sichtbar. Es ist das größte Fort, das in der westlichen Karibik erbaut wurde.

Die Früchte des Brotfruchtbaums sind sehr nahrhaft. Der Baum wurde von den Sklavenhaltern zur Ernährung der Sklaven in die Karibik importiert, da er sehr viele Früchte trägt, die satt machen. Dass die Früchte auch eine Menge Steroide enthalten, damit die Sklaven länger arbeiten ohne die Schmerzen zu spüren, ist eine gern wiederholte Legende.

Wir fahren (hier herrscht Linksverkehr) durch Old Road Town, dem Heimatort unseres Guides Sil (sein eigentlicher Vorname ist länger und besteht aus den jeweils ersten Silben seines Vaters und seiner zwei Großväter, witzige Idee). Gefühlt jede zweite Person an der Straße wird hier durch Hupen gegrüßt.

Wir nähern uns unserem Ziel, dem Central Forest Reserve National Park und können schon von weitem einen mehr als 400 Jahre alten Baum sehen (die schön geschwungene Baumkrone in der Mitte des Bildes), der Name geht leider im Getöse des Automotors unter.

Zum National Park gehört alles Land auf der Insel, das mehr als 300 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Der Regenwald versorgt die gesamte Insel mit 65% des benötigten Trinkwassers. Auf unserem Trail müssen wir nicht nur auf die Baumwurzeln, sondern auch auf die Wasserleitungen achten.

Nach einer kurzen restroom Pause geht es los. Bevor der eigentliche hike durch den Regenwald beginnt, sehen wir uns noch einige Überreste der Windfield Estate an. Sie war die erste Zuckerrohrplantage auf der Insel.

Einst führte eine Eisenbahn rund um die Insel und verband die Felder der Plantagen mit der Zuckermühle. Inzwischen wird kein Zuckerrohr (im Hintergrund links am Ende der Schiene) mehr angebaut, die Schienen sind überflüssig geworden und werden nur noch auf der Westseite als Touristenattraktion genutzt.

Lemongrass, kennen wir eigentlich nur als Tee, ist tatsächlich eine Grasart und riecht sehr intensiv zitronig.

Philodendron, bei uns eine Zimmerpflanze, hier mit so großen Blättern, dass die Pflanze auch Elefantenohr genannt wird. Die Blätter kann man gut als Regenschirm bei den kurzen Schauern hier nutzen.

Sandbox Tree, auch Intimidation Tree (Einschüchterungsbaum) genannt, bei Ungehorsam wurden die Slaven an diesen Baum mit seiner stacheligen Rinde gebunden und mit der neunschwänzigen Katze ausgepeitscht. Abgesehen davon ist der Baum giftig. Wenn das Gift durch die Stacheln in den Blutkreislauf gelangt, stirbt man auf lange Sicht. Es bleibt für uns unvorstellbar, wie Menschen mit anderen Menschen umgegangen sind, nur weil sie denen das Menschsein absprachen!

Unser Guide Sil macht seinen Job außerordentlich gut. Welche enormen Kenntnisse er über die Flora und Fauna der Insel hat. Wir hören und sehen wilde Affen im Regenwald. Liebe/r Leser/in dieses Blogeintrags: wer von euch wusste z.B, dass männliche Affen mastubieren und weibliche Affen menstruieren?

Angefüllt mit bemerkenswerten Informationen und tollen Sinneserlebnissen kommen wir zurück und probieren noch einen Saft (meiner ist dunkelrot und schmeckt säuerlich) und ein Stück Kuchen. Im Bus zurück verteilt Sil noch Zuckerrohrstücke zur Stärkung.

Dann geht es mit dem Bus ohne weitere Stopps zurück zum Hafen, wo unser Schiff auf uns wartet. Wir haben diesmal neben einem sehr hässlichen Hochhausschiff festgemacht.

Tschüss, St. Kitts, heute hast du uns gut gefallen!

Calheta: Sonne, Sand und Saccharum (Madeira 22)

Calheta ist als Badeort und für die vielfältigen Wassersportarten bekannt. Bei unserem Besuch im Januar ist davon natürlich nicht viel zu sehen. Die Schiffe in der Marina dümpeln so vor sich hin. Ein einsamer Surfer versucht, den Sturmböen zu trotzen. Wasser und Luft haben beide ähnliche Temperaturen um 20 Grad herum, also baden auch (wenige) Menschen.

Damit hier an der schroffen Küste überhaupt ein Badeort entstehen konnte, musste eine Menge bewegt werden. Für die beiden Badebuchten wurden zunächst zwei Molen gebaut, bevor die Strände angelegt werden konnten. Der Sand dafür kam aus Marokko (Saharasand) und vom portugiesischen Festland. Madeira selbst hat keine natürlichen Sandstrände. Auf der Promenade zwischen beiden Buchten stehen im Sommer die Sonnenliegen, in Coronazeiten sind die Standorte mit blauen Abstandspunkten genau markiert.

Im Hintergrund schließt sich die Marina mit Restaurants und Servicegebäuden an. Den Abschluss bildet ein kleiner Park, unter dem sich eine große Tiefgarage für die sommerlichen Badegäste von weiter her befindet. An der Küste gibt es nur zwei große Hotels und einen unglaublich gut sortierten Supermarkt.

Der alte Ortskern zieht sich entlang der wasserführenden Schlucht Ribeira da Calheta in die Höhe. Die Zeiten des wirtschaftlichen Erfolgs mit Zuckerrohr sind schon sehr lange vorbei. Zuckerrohr wurde im 15. Jahrhundert von Sizilien aus nach Madeira eingeführt, da hier ideale Bedingungen für den Anbau herrschten.

Die gesamte Bevölkerung profitierte schnell vom wirtschaftlichen Erfolg. In den Kirchen kann man den damaligen Reichtum noch erkennen. Heute gibt es nur noch sechs arbeitende Zuckermühlen auf der Insel, eine davon steht in Calheta. Als es mit dem Zuckerrohranbau immer mehr bergab ging, schlossen sich hier mehrere kleine Mühlen (Engenhos) genossenschaftlich zur Sociedade dos Engenhos da Calheta zusammen.

Die Zuckermühle, man kann sie besichtigen, arbeitet immer noch mit den alten Maschinen, die inzwischen aber nicht mehr mit Dampf, sondern mit Strom betrieben werden.

Die Ernte und Verarbeitung findet zwischen Mitte März und Ende April statt. Anschließend wird Zuckerrohrschnaps/Rum und Sirup hergestellt. Der durchsichtige Zuckerrohrschnaps aguardente wird durch Reifung in Holzfässern zu Rum, dem einzigen Rum, der in Europa hergestellt wird.

In der Probierstube kann man gegen ein kleines Entgelt probieren und bei Gefallen auch kaufen. Den Rum kennen wir schon, er ist exzellent, wenn er viele Jahre gereift ist. Der Aguardente, man kann das Wort als Feuerwasser übersetzen, macht seinem Namen alle Ehre. Er riecht nicht gut und schmeckt noch schlimmer. Der Zuckerrohrsirup ist Bestandteil des bolo de mel, die uns so gut schmecken. Wir nehmen beides mit, den Alkohol lassen wir hier.

In einem Schauraum, sie nennen es Museum, werden Geräte ausgestellt, die während der verschiedenen Phasen der Ernte und Verarbeitung genutzt werden. Ein Film erzählt die Geschichte der Mühle.

Heutzutage dominiert nicht mehr der Zuckerrohranbau, sondern Weizen- und Weinanbau. Die kleinen weißen Bauten zwischen den Weinstöcken auf dem zweiten Foto sind ehemalige Zweckbauten und dienen nun als Zimmer des Naturhotels Socalco. Im Bildvordergrund wachsen Mandarinen.

Gleich neben der Zuckermühle steht die Igreja do Espírito Santo aus dem 15. Jahrhundert (um 1430), eine der ersten Kirchen, die auf Madeira gebaut wurden. Wie die Kathedrale in Funchal findet sich hier in der Deckengestaltung der maurische Baustil wieder, der auch auf der iberischen Halbinsel zu finden ist.

Morgen kommt der dritte Teil des Ausflugs.