On Sea, Day 4 – 5 (Cruise Queen Mary 2)

Mit dem Passieren der Western Rocks haben wir offiziell den Atlantik erreicht. Ich weiß wirklich sehr viel über Großbritannien, aber von den Western Rocks habe ich noch nie etwas gehört. Die Handvoll Felsen liegen westlich von Land’s End, und einige davon sind tatsächlich bewohnt. Nun fahren wir etwas weiter südlich als geplant, um den insgesamt drei stürmischen Tiefdruckgebieten über dem Atlantik auszuweichen. Der Seegang ist zunächst noch moderat, im weiteren gibt es Wellen bis zu 7 Meter hoch. Die Queen Mary 2 ist für diese Anforderungen konzipiert worden, Rumpf und Aufbauten bestehen ausschließlich aus Stahl. So liegt das Schiff relativ ruhig im Wasser. Aber eben nur relativ, je höher man sich aufhält, desto schaukeliger. Das Frühstück auf Deck 2 ist gut auszuhalten, lesen mittschiffs auf Deck 7 schon weniger, lesen in der Bibliothek vorne auf Deck 8 gar nicht. Am besten geht es im Liegen in der Kabine. Dann kann man auch immer mal schlafen.

Am nächsten Morgen (day 5) erscheinen schon weniger Personen zum Frühstück. Etliche der ca. 1400 Passagiere (Eigentlich fasst die Queen Mary 2 gut 3.000 Passagiere, wegen Covid-19 dürfen noch nicht so viele an Bord; allerdings ist die Besatzung von ca. 1300 Personen vollzählig an Bord.) bleiben auf ihren Kabinen. Das mit Teak ausgelegte Bootsdeck, auf dem man in zwei Runden 1,1 Meilen zurücklegen kann, ist wegen des starken Windes mit Böen von 8 bis 9 gesperrt.

Wir finden dennoch einen Weg, ein bisschen an die frische Luft zu kommen. Wir gehen zu den Hundezwingern auf Deck 12 (ja, es fahren auch Hunde und Katzen mit). Da kann nicht abgeschlossen sein, denn die Hunde benötigen ja Auslauf. Von dort aus kommen wir achtern über die Treppen bis auf Deck 7 hinunter.

In den Swimmingpools kann man im Kleinen sehr gut die Höhe des Wellengangs erkennen, das Wasser schwappt ordentlich in dem Becken. Da wir um die Mittagszeit draußen sind, können wir auch die vier Schiffshörner tuten hören, die, wenn auf See, immer um diese Zeit getestet werden. Eines der Typhone stammt noch vom Schiff Queen Mary. Hier wird viel Wert auf die Traditionen gelegt. Immerhin ist es so umgebaut worden, dass es nicht mehr mit Dampf betrieben wird.

Es ist nicht gemütlich genug für einen längeren Aufenthalt draußen. Alle Außentüren auf Deck 7 sind tatsächlich abgeschlossen, nicht nur mit einem Absperrband innen gesperrt. Wir müssen auf Deck 8 steigen und finden dort die zweite Möglichkeit, auch bei Sturm hinaus zu kommen: als Raucher-in. Draußen sind es angenehme 15 Grad, sowohl Luft als auch Wasser (sagt der Kapitän), aber es schauert doch ab und an aus den Wolken. Wir nähern uns dem Tiefdruckgebiet Eunice (Zeynap in Deutschland) vor uns mit knapp 20 Knoten. In Wales haben sie schon den Zugverkehr für den nächsten Tag abgesagt, wenn der Sturm dort auf das Land fällt.

Wir befinden uns im Moment auf der Höhe von Kap Finistere in Nordspanien und halten Kurs auf die Südspitze von Neufundland. Am Abend geht es mir wirklich nicht mehr gut, das Schaukeln im Kino gibt meinem Magen den Rest. Das angekündigte Tiefdruckgebiet hat uns erwischt, wenn auch nur am Rand. Das reicht schon vollkommen aus. Kay sieht den Film ganz an und freut sich dann auch, dass er sich hinlegen kann.

Wetter-Update Mitte/Ende Januar (Madeira 22)

Der seit gut einer Woche die Insel umbrausende Sturm hat sich endlich verzogen. Irgendwann hat man alle atemberaubend hohen Brecher mehrmals fotografiert. Auf unseren Spaziergängen entlang der Küste zur Praia Formosa nahmen wir zwischenzeitlich die Regenjacken mit, gegen die über die Wege schlagenden Brecher und gegen den Wind an den Außenplätzen des Cafés.

Der Sturm hat an der Praia Formosa ordentlich Strandsubstanz mitgenommen und eine richtig hohe Abbruchkante hinterlassen.

An Baden im Atlantik war in der letzten Woche nicht zu denken. Andere Strandgänger haben die Chance genutzt, aus dem Treibgut etwas zu bauen und zu ergänzen.

Es blieb die ganzen Tage trotz heftigen Sturms warm bei 19 Grad. Die Einheimischen bleiben dabei, es ist Winter und wirklich kalt, sie tragen Pudelmützen. Doch jetzt können wir seit zwei Tagen wieder auf der Außenterrasse des Hotels frühstücken, den Sekt in der Sonne genießen und anschließend die Sonnenliegen am Pool nutzen. Das Thermometer steigt wieder und der Wind schläft ein. Das Wasser im Pool ist allerdings noch eiskalt.

Auch die Fischer lassen ihre Boote wieder ins Hafenbecken und fahren hinaus zum Fischen. Andere bleiben an Land und schneiden Napfschnecken (patella candei) von den nun wieder zugänglichen Felsen im Hafenbecken. Die lapas (auf portugiesisch) stehen in allen Restaurants als Vorspeise auf den Speisekarten. Man isst sie wie Austern. Wir haben uns noch nicht an sie heran angetraut.

Es gibt auch wieder Sonnenuntergänge zu sehen. Sie sind jedoch noch nicht wieder so schön wie im Dezember.

Wind, Wetter, Wellen, Teil 2 (Madeira 22)

Gestern (Montag) fühlten sich die 19 Grad etwas kühler an, da es stark bewölkt ist und auch viel windiger. Nun merken wir auf eine andere Weise, dass Madeira mitten im Atlantik liegt. Hier entwickeln sich gern mal die atlantischen Sturmtiefs, die dann das Wetter in Festlandseuropa bestimmen. Und wir scheinen gerade in so einem sich entwickelnden Sturm zu sitzen, der auf dem Wasser für Wellenhöhen von 12 Metern und mehr sorgen kann.

Die wenigen Fischerboote, die sonst in der Bucht liegen, sind schon am Freitag auf‘s Land gezogen worden. Am Sonnabend ist das Schiff, das zunächst noch auf der Slipanlage lag, noch weiter hochgezogen worden. Gute Idee, denn die Wellen schlagen bis nach oben hoch. Gestern sind auch die Zugänge zur Mole und zur Strandpromenade in Câmara de Lobos abgesperrt worden. Die Brandung scheint noch stärker als die vergangenen Tage zu sein.

Wir machen trotzdem einen Spaziergang Richtung Funchal. Und was soll man sagen, die Wellen und Brecher sind wirklich noch einmal höher als vorgestern. Zum Größenvergleich: auf den nächsten beiden Fotos sieht man einen Mann in den Klippen (unterhalb der Sturmmöwe) bzw. zwei Männer, die auf dem Schiff links arbeiten.

Diesmal schlagen die Wellen an einigen Stellen über den Promenadenweg, an den Stellen, wo er über das Geröll führt, hinweg. Erstaunlicherweise ist dieser Weg (noch) nicht abgesperrt worden.

Es ist ein großer Spaß, zu versuchen, die „perfekte“ Welle zu fotografieren. Ein bisschen Einsatz muss man schon zeigen, wir werden an den Unterschenkeln etwas nass.

Beim anschließenden Kaffee verspricht Kay, sich für das „perfekte“ Foto unter den Spray zu stellen. Gesagt, getan. Der vermutete Spray fühlt sich allerdings so an, als wenn man mehrere Eimer kaltes Wasser über den Kopf bekommt.

Die Frau hat es unfreiwillig erwischt. Aber sie hatte einen Regenmantel an.

Kay wird tatsächlich bis auf die Haut nass (ich nur bis zu den Oberschenkeln), und wir laufen zügigen Schrittes zurück zum Hotel, um uns trockene Kleidung anzuziehen. Am nächsten Tag ist der lang angekündigte Regen wirklich bei uns in der Bucht angekommen. Wir verbringen den Tag im Hotel. So haben die Klamotten Zeit genug, wirklich zu trocknen.

Wind, Wetter, Wellen, Teil 1 (Madeira 22)

Wir sind ja im Moment auf Madeira, um hier im milden Frühlingsklima zu überwintern, bevor es für uns hoffentlich weiter nach Amerika geht. Die Temperaturen sind wirklich sehr mild, immer zwischen 17 und 21 Grad, äußerst angenehm für uns Norddeutsche. Und die Sonne scheint, der Himmel ist blau, ein Traum. Auf unserem Ausflug nach Ribeira Brava am Freitag brannte die Sonne ungehindert vom Himmel, es wehte ziemlich kräftig. Lustigerweise blieb das Meer fast unbewegt, bis auf ein paar niedliche kleine Schaumkrönchen.

Am Sonnabend bescherte uns die Sonne tatsächlich einen kleinen Sonnenbrand. Auf unserem Spaziergang zur Praia Formosa entlang der Küste zeigte das Meer den Effekt des gestrigen Windes, die Wellen brachen sehr schön an den Felsen und Wellenbrechern.

Gestern war der Himmel sehr bewölkt, das Meer brüllte und schäumte in den Hafen, dabei war es warm (19 Grad) und fast windstill oberhalb des Wassers. So etwas haben wir bisher noch nicht erlebt. Auf unserem Spaziergang gingen wir auf die Jagd nach den höchsten Brechern. Hier ist eine kleine Auswahl aus den knapp 200 Fotoversuchen.

Dieses faszinierende Wetter bleibt uns noch etwas erhalten. Morgen kommen noch spektakulärere Fotos!