Tempus fugit – Die Zeit vergeht (Madeira 22)

Ende Januar wird immer noch daran gearbeitet, die aufwendige Weihnachtsbeleuchtung in allen Orten anzubauen. Die Lichter leuchteten am 10. Januar das letzte Mal. Zwischenzeitlich hatten wir schon überlegt, ob die Lichterketten einfach hängen bleiben, zumindest die in den Bäumen. Aber nein, so nach und nach kommen Arbeiter und klettern auf Leitern oder kleinen Hubwagen hoch und takeln ab. Es scheint hier nur eine Firma zu geben, erkennbar an ihren Sweatshirts. Wenn sie alles erledigt haben, können sie wohl schon wieder von vorne beginnen. Irgendetwas wird hier immer gefeiert.

Die Weihnachtsdekorationen waren etwas schneller wieder verpackt. Nun könnte man den bandstand im Ort auch wieder nutzen. Aber im Winter ist es den Leuten hier mit 17 Grad einfach zu kalt und manchmal auch zu naß , um sich draußen zu treffen.

Rund um den Hafen verstärken sich die Aktivitäten. An den Schuppen wird gehämmert und gesägt. Und schwups, da steht ein neuer Schuppen rechts von den anderen; und es sieht aus, als wäre er schon immer da gewesen.

Beim Vergleich der Bilder bemerkt man auch, dass die vielen kleinen Boote doch bewegt werden. Es werden auch wieder mehr zu Wasser gelassen. Die an Land verbleibenden werden neu gestrichen.

Wir wandern regelmäßig zur Praia Formosa, trinken einen Espresso und starren eine halbe Stunde auf den Atlantik und in die Sonne, bevor es wieder zurück geht. Nach dem Sturm kommen wieder vermehrt Menschen an den Strand. Es wird auch wieder gebadet. Einige bauen immer mal mit an dieser Skulptur:

Weihnachtsbräuche auf Madeira (Madeira 21)

Bei der Weihnachtsbeleuchtung während der Adventszeit ist Madeira uns weit voraus. Einen Adventskranz, Kerzen oder einen Adventskalender, alles Dinge, die uns bei uns zuhause das Warten auf Weihnachten verkürzen, haben wir auf Madeira nicht gefunden. Hier dreht es sich mehr um die frohe Erwartung der Geburt Christi. Geschmückte Weihnachtsbäume stehen in allen Gebäuden, auch schon in den Privathäusern. Diesen Baum fanden wir im Airport:

Überall werden Krippenszenen aufgebaut. Diese kleine Szene steht im Hotelrestaurant:

Am Rathaus von Câmara de Lobos waren am 10.12. von morgens bis abends mehrere Gemeindearbeiter damit beschäftigt, die lapinha aufzubauen. Diese ist auf mehreren Stufen verteilt, auf der obersten Stufe liegt Baby Jesus in seiner Krippe. Viele Personen, Tiere und weitere Gegenstände gehören dazu, ebenso wie unzählige Weihnachtssterne in allen Farbabstufungen von Weiß bis dunkelrot.

So wirklich viele Touristen kommen am Rathaus nicht vorbei. Von daher nehmen wir an, dass dieser Aufwand tatsächlich für die Bewohner der Stadt getrieben wird.

Zur Krippenszenerie gehören zwingend auch die Seharinhas, kleine Blumentöpfe mit Weizenschößlingen. Von Jesus gesegnet versprechen sie eine gute Ernte im nächsten Jahr. Die Weizenkörner werden am 8. Dezember, dem Tag von Nossa Senhora da Conceição, einem Feiertag auf der Insel, zum Keimen in Wasser eingelegt und spätestens nach der ersten Missa do Parto in Erde gepflanzt. Aber auch auf Madeira hat man immer weniger Zeit für all die Traditionen. Töpfe mit grasartigem Inhalt sahen wir bereits am 10.12. zwischen allen Arten von Obst und Gemüse in der Markthalle. Nur wussten wir da noch nicht, was das sein sollte und haben kein Foto davon gemacht.

Ab dem 16. Dezember, bis einschließlich dem 24., finden morgens zwischen fünf und sechs Uhr morgens die Missas do Parto statt. Zu diesen Messen werden hausgemachte Liköre getrunken, natürlich nur, um der morgendlichen Kälte der Jahreszeit zu begegnen. Die Messen enden mit fröhlichem Gesang und Tanz, auch da ist der Likör sicherlich hilfreich. So beginnen die letzten zehn Tage vor dem Fest immer prima.

Am 16. werden nach der ersten Messe auch die gequollenen und gekeimten Weizenkörner in kleine Blumentöpfe eingepflanzt und zur Krippe gestellt. Zusammen mit Walnüssen, Maronen und Mandarinen duftet es nun im Haus nach Weihnachten.

Am 23.12. ist die Krippenszene vollständig, alle Geschenke liegen (hoffentlich) bereits unter dem Tannenbaum, nun geht es in die Inselhauptstadt. Es ist Market Night! Rund um den Bauernmarkt in Funchal stehen auf allen Straßen Stände, um noch last-minute-Dinge wie frische Mandarinen einzukaufen, sich die vielen bunten Lichter anzusehen und mit Verwandten und Freunden auf das Weihnachtsfest anzustoßen.

Am Heiligabend steht auch auf Madeira die Familie im Mittelpunkt. Man trifft sich zum Essen. Der Tisch ist vollbeladen mit herzhafter Hühnersuppe, süßen Honigkuchen und Honigkeksen und anderen Leckereien. Um Mitternacht gehen alle zusammen in die Messe. Am nächsten Morgen dürfen dann (endlich) die Geschenke, die unter dem Weihnachtsbaum warten, geöffnet werden.

Doch damit hören die Festlichkeiten auf Madeira nicht auf. Zu Silvester steigt in Funchal acht Minuten lang „das größte Feuerwerk der Welt“. 2006 schafften sie es damit tatsächlich in das Guinnessbuch der Rekorde. Wenn man rechtzeitig bucht, kann man das Ganze bei einer Party auf einem Schiff erleben. Auf jeden Fall sollte man dann mit einem Glas Champagner in der einen Hand und 12 Rosinen in der anderen Hand das vergangene Jahr Revue passieren lassen und auf das neue anstoßen.

Christmas Frenzy in Funchal (Madeira 21)

Der Tipp kam von einem der vielen sehr hilfreichen Rezeptionistinnen. Wir sollten uns unbedingt die Weihnachtsbeleuchtung in Funchal ansehen, in eine könne man sogar hineingehen. Auch die Tourismusbroschüren weisen alle auf die festliche saisonale Ausschmückung der Inselhauptstadt hin, auf die die Einwohner sehr stolz sind.

Nach unserer wohlverdienten Pause im ‚The Ritz‘ verschaffen wir uns einen ersten Eindruck am Nachmittag.

Diese Zwerge bevölkern den Jardim Santa Luzia gegenüber des Ritz‘, auch ihre Wohnhäuser sind mit aufgebaut.

Ein Stückchen weiter ist ein Weihnachtsmarkt aufgebaut, zu dem man allerdings nur mit Impfnachweis (haben wir) plus Schnelltest (2G+) Zutritt hat. Den Darbietungen eines Schulchores können wir auch von außen lauschen: Oh Tannenbaum auf Portugiesisch mit einer Choreografie, die nahelegt, dass der Text anders ist als bei uns.

Kurz vor der Kathedrale Sé do Funchal ist eine riesige nativity scene aufgebaut, hier schon im Schein der Lichterketten fotografiert.

Der große Tannenbaum am Praça do Povo ist schon ohne angeschaltete Beleuchtung sehenswert, abends ein echter Hingucker. Hier kann man hindurchgehen. Am Nachmittag meinen wir noch, dass dieses das oben erwähnte Objekt sei. Der Abend belehrt uns dann eines besseren.

Im Stadtteil Santa Maria Maior besuchen wir die Markthalle Mercado dos Lavradores, dafür reicht der Impfnachweis. Viel los ist hier nicht, ein paar Obst- und Gemüsestände sind noch geöffnet und ein paar Stände für die Touristen. Wir kaufen Fenchelbonbons, die typisch für Madeira sind. Funchal hat seinen Namen von den vielen Fenchelpflanzen erhalten, die damals hier wuchsen.

Die Fischhalle ist leer, dafür aber sehr schön geschmückt.

Dann machen wir uns auf den Rückweg, um alles noch einmal im Lichterschein anzusehen. Es ist überwältigend, daher gibt es diesmal auch ein paar bewegte Bilder.

Nachdem wir die Avenida Arriaga entlang wieder an der Rotunda do Infante angekommen sind, gehen wir an der Wasserseite zurück Richtung Busbahnhof.

Diese Weihnachtsbaumkugel ist wohl etwas zu groß für den heimischen Weihnachtsbaum.
Der Park zwischen der Avenida do Mar e das Comunidades Madeirenses (was für ein gewaltiger Straßenname) wirkt wie verzaubert.

Und dann kommen wir endlich zu der Skulptur, in die man wirklich hineingehen kann.

Innen wechseln die „Lichtbilder“ passend zur jeweiligen Weihnachtsmusik.

Der Tunnel steht auf dem Pier der Marina. Von der anderen Seite hat man wunderschöne Blicke auf die Stadt im Lichtermeer.

Dieser Weihnachtstunnel ist ein absolutes Erlebnis, eigentlich möchten wir gar nicht wieder weg. Aber inzwischen sind wir nicht nur total geflasht, sondern auch wirklich müde und hungrig. Der vollbesetzte Bus bringt uns für 2,20€/ Person innerhalb von gut 20 Minuten in schneller Fahrt die engen Straßen bergauf und bergab wieder zurück nach Câmara de Lobos.

Câmara de Lobos (Madeira 21)

Es ist ein wahr gewordener Traum, wir sitzen im Dezember bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen auf unserem Balkon, gucken auf die Bucht von Câmara de Lobos und hören dem Atlantik beim Rauschen zu. Die für Funchal vorhergesagte Bewölkung (dort regnete es tatsächlich, erzählte uns die Rezeption) löst sich kurz vor unserem hohen Felsen, der die Bucht umgibt, auf und lässt uns unter einem dauerblauen Himmel sitzen.

Es ist so unglaublich schön hier! Wir erkunden den Ortskern bei einem Rundgang, zunächst den westlichen Teil der Bucht.

Câmara de Lobos erhielt seinen Namen durch eine große Kolonie von Mönchsrobben, die bei der Entdeckung der Bucht gesichtet wurde. Heute erinnert ein Relief aus Schrott an die Namensgeber (eingeweiht im Juni 2019).

Die Steilklippe heißt Cabo Girão (Kap der Umkehr) und ist die zweithöchste Steilklippe der Welt (die höchste in der EU) mit mehr als 500 Metern Höhe, die Angaben schwanken zwischen 560 und 589 m. Unten, fast am Fuß, ist viel Grün zu erkennen. Das sind Terrassenfelder, die seit 2003 mit einer Seilbahn zu erreichen sind. Davor ging die Bewirtschaftung nur per Boot.

Der weitere Rundgang besteht aus Bildern, zum Vergrößern einfach anklicken!

Und nun geht es auf der östlichen Seite um die Bucht herum.

Jetzt sind wir zurück im Ortskern oberhalb des Hafens.