Auf zur Diana, wieder einmal! (Sommer 2022)

Heute nehmen wir unsere Wanderstöcke in die Hand und gehen auf den Berg, immerhin 556 Meter hoch, der Aussichtsturm ‚Diana‘ ist unser Ziel.

Dafür laufen wir zuerst die sieben Stockwerke im Hotel abwärts, überqueren die Teplá und steigen auf einer gefühlt ewig langen Treppe wieder bis auf die Höhe des 11. Stocks des Hotels hinauf. An der St. Lukas-Kirche auf dem Schlossberg (1877 als anglikanische Kirche erbaut, von englischen Kurgästen finanziert, gehört sie heute der evangelisch-methodistischen Kirche und beherbergt ein Wachsfigurenmuseum, sehr schräg) geht es weiter hinauf in die Buchenwälder.

Wir schlagen den ersten schmalen Pfad neben dem kopfsteingepflasterten Zufahrtsweg zum Turm ein. Viele Wege führen hoch zur ‚Diana‘, wir finden uns diesmal auf einem Weg, den wir schon mal als Abstieg gewählt hatten, es geht reichlich steil bergan. Dabei muss man gar nicht zu Fuß zur ‚Diana‘ hochgehen. Es fährt auch eine Drahtseilbahn, die die meisten Besucher bevorzugen. Sie fährt von der Haltestelle Stará louka (Alte Wiese) beim Grandhotel Pupp über die Haltestelle Jelení skok (Hirschsprung) hoch zum Aussichtsturm. Bei unserem Aufstieg überqueren wir sie zunächst etwas oberhalb der Hirschsprung-Station, um gleich darauf unter den Schienen weiterzugehen.

Zwischendurch sind schöne Ausblicke in das Teplá-Tal mit den vielen alten Gebäuden und in Richtung Norden möglich.

Auch diesmal steigen wir nicht auf den Aussichtsturm, sondern erholen uns von der Anstrengung gleich in der Restauration. Denn wir nehmen den Weg eigentlich immer nur auf uns, um hier oben die Gulaschsuppe im Brot zu essen. Es schmeckt einfach zu gut.

Beim Essen schaut uns ‚Frosty‘ zu. Er sitzt gern auf dem Vordach, um sich in Ruhe zu putzen. Interessanterweise handelt es sich nicht um einen Albino-Pfau. Frosty‘s Färbung ist eine seltenere der gleichen Pfauenart, zu der auch sein Kumpel ‚Romulus’ gehört, ein blauer Pfau.

Zum kleinen Mini-Zoo hinter der Gaststätte gehören neben Shetlandponys und Zwergziegen auch zwei Göttinger Miniferkel. Dies hier ist ‚Lily‘, höchstens 30 cm lang. Diese Schweinchen sind sehr gelehrige und saubere Tiere. Sie haben hier gelernt, ihr Geschäft nur in einer Ecke ihres Freigeländes zu verrichten.

Für den Rückweg entscheiden wir uns für die nicht so steile Abstiegsvariante. Wie gedacht, haben wir den Wald so ziemlich für uns allein. Unten am Rande des Kurgebiets angekommen, warten Karel Marx und eine Parkbank schon auf uns, bevor es an der Rückseite der russisch-orthodoxen St. Peter- und Paul-Kirche wieder hinunter ins Tal geht.

Georgia on our mind, Etappe 3: Tugaloo State Park, GA, day 46 (USA 2022)

Wir sind direkt aus den hochsommerliche Temperaturen Floridas hineinkatapultiert worden in den Frühling, inklusive sehr kalter Nächte mit Frostwarnung für die Wasserleitung. Letzteres entpuppt sich wieder als übertrieben, 4 Grad Celsius sind noch kein Frost. Wir holen unsere extra Decken wieder aus dem Schrank und freuen uns, dass die Heizung so gut funktioniert.

Im Tugaloo State Park bleiben wir zwei Nächte (weniger kann man nicht buchen), es lohnt sich. Der Park nimmt eine der vielen Halbinseln im Lake Hartwell ein, ist überwiegend bewaldet und bietet außer dem Campingplatz auch noch etliche Bootsanlegestellen.

Es ist sonnig, Temperaturen wie bei uns an einem schönen Himmelfahrtstag, wie geschaffen für eine kleine Hiking-Tour. Ein Einstieg in den Sassafras Circle Trail befindet sich fast direkt an unserem Campingplatz. Der Weg mäandert über die gesamte Halbinsel, knapp sechs Kilometer lang, sehr gut ausgeschildert. Meistens ist der See irgendwo zu sehen.

An einer der Bootsrampen können wir beobachten, wie die Boote hier zu Wasser gelassen werden. Der Anhänger wird ins Wasser gefahren, einer klettert ins Boot, löst die Verankerung und schwups, das Boot gleitet ins Wasser. Die andere fährt den Truck samt Anhänger auf den Parkplatz, kommt zurück und steigt am Steg zu.

Wie kommt das Boot nach dem Ausflug wohl wieder auf den Anhänger?Und wie macht man das, wenn man allein unterwegs ist? Netterweise können wir die Antworten beobachten. Das Boot, diesmal ein flaches Speedboat, liegt vertäut am Steg. Der Eigner kommt mit Truck und Anhänger, fährt beides flott ans bzw. ins Wasser und geht dann zum Steg. Er fährt das Boot zu dem im Wasser stehenden Anhänger und fährt mit sehr viel Motorleistung tatsächlich einfach hinauf. Easy!! Boot sichern und abfahren, das geht schneller als wir Fotos machen können.

Im Süden der Halbinsel verläuft unser Trail zum Teil parallel zum Muscadine Trail, der Informationen über Flora und Fauna des Waldes vorhält, ähnlich wie ein Waldlehrpfad bei uns. Bären gibt es hier nicht, nur die üblichen Eichhörnchen und Füchse, dazu Opossums, Schildkröten und Kornnattern. Aber nichts davon will auf ein Foto. Die Pflanzen jedoch können nicht weglaufen.

Christmas Fern (Dolchfarn), ein immergrüner Farm, der für Blumengestecke und Weihnachtsdekoration genutzt wird.

Sweetgum (Storaxbaum, Seesternbaum), der Saft wurde von den Indianern und ersten Siedlern als Kaugummi benutzt.

Curral das Freiras – Wanderung zum Gehege der Nonnen, Teil 2 (Madeira 22)

Rechts vom Hotel unterhalb des Eira do Serrado beginnt der Abstieg ins Tal. Das englische Ehepaar startet vor uns, wir überholen irgendwann, am Picknickplatz überholen sie, am Ende treffen wir uns an der Bushaltestelle wieder. Doch da sind wir jetzt noch nicht.

Wir kommen durch einen Kastanienwald, der jetzt natürlich nicht belaubt ist. Es handelt sich um Esskastanien, aus denen hier alles mögliche hergestellt wird, von Bonbons über Likör und Suppe zu allen Arten von Gebäck. Die Bäume wurden im 17. Jahrhundert neben anderen Obstsorten von den Nonnen angepflanzt, um etwas Einkommen zu generieren. Für den Zuckerrohr- und Bananenanbau war das Tal nie geeignet, da die Ernte nicht abtransportiert werden konnte.

Unser Wanderweg (wenn man genau hinsieht, kann man einige Abschnitte sehen) war bis 1959 der einzige Zugang zum Ort, genutzt von Fußgängern und Ochsenschlitten. Dann wurde die (jetzt alte, wegen Steinschlaggefahr nicht mehr zu befahrende) Straße gebaut, die sich den Berghang rechts der Schlucht hinuntermäandert. Am Baum zwischen den beiden Graten sind wir gestartet und haben jetzt die Hälfte des Abstiegs geschafft.

Auf dem kleinen Felsvorsprung in der Bildmitte machen wir Pause. Das Frühstücksteam hat uns wieder eine leckere Lunchbox zusammengestellt, um die uns Engländer beneiden, wie sie uns später beim Warten auf den Bus erzählen.

Der Wanderweg ist gut ausgebaut, die unterschiedlich hohen Stufen und die Feuchtigkeit machen manche Stellen etwas anstrengend. Gut, dass wir die Stöcke dabei haben, denn 11% Gefälle ist nur ein Durchschnittswert. Der Weg ist an einer Stelle gerade erst notdürftig repariert worden. Ein Erdrutsch hat vor kurzem große Teile des Hanges und mit ihm auch den Weg weggerissen.

Curral, also Pferch, wurde der Talkessel schon immer genannt, da es hier ausgedehnte Weiden für das Vieh gab. Die Nonnen hatten hier nicht nur ihre Ländereien, sondern fanden auch zu Zeiten der Piratenüberfälle auf Funchal eine schützende Zuflucht. In den Fremdsprachen bürgerte sich der Name Tal der Nonnen, Nuns Valley ein.

Da das Tal viele Jahrhunderte kaum zugänglich war, siedelten hier auch nicht viele Menschen. Den Anfang machten im 15. Jahrhundert Hirten und entlaufene oder freigelassene Sklaven. Den jetzt namensgebenden Nonnen wurden die Ländereien Ende des 15. Jahrhunderts überlassen, da zwei Enkeltöchter des Inselentdeckers Zarcos im Konvent des Santa Clara Klosters in Funchal lebten (oder vom Vater dorthin „entsorgt“ wurden, in Ermangelung standesgemäßer Verheiratung).

Links im Bild ist die Stromleitung zu sehen. Elektrizität kam erst 1962 ins Tal, also erst seit 60 Jahren. Die Berge rundum sind so hoch, Fernsehgucken ging noch viel länger nicht. Erst seit 1985 sind Programme zu empfangen. Das ist heute fast nicht mehr vorstellbar, wir haben im Tal Telefonempfang und Wifi gibt es auch.

Curral das Freiras liegt ca. 20 Kilometer nördlich von Funchal, gehört verwaltungstechnisch aber zum 29 Kilometer entfernten Câmara de Lobos. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts gehörten die Menschen der Kirchengemeinde von Santo António im Norden Funchals an. Da sie aber aufgrund der abgeschieden Lage nicht hinreichend genug kirchlich betreut werden konnten, wurde die Kirchengemeinde selbstständig.

Die Bushaltestelle liegt praktischerweise direkt gegenüber von einem Café. Der Regen wird stärker, der Kellner hat die Abfahrtzeiten im Kopf und gibt uns rechtzeitig Bescheid. Auf der Rückfahrt können wir noch einmal die Fahrtkünste der hiesigen Busfahrer bewundern. Zuerst geht es noch ein bisschen weiter durch das nördliche Tal, in dem die Regenfälle zu starken Hangabbrüchen geführt haben.

Hier wird die Straße gesichert und erneuert.

Dann geht es auf gleicher Strecke zurück und bald zügig durch den fast zweieinhalb Kilometer langen Tunnel aus dem Tal heraus, noch ein Schlenker zum Eira do Serrado und dann wieder auf die Serpentinenstraße Richtung Funchal. Natürlich kommt uns wieder ein Bus entgegen. Diesmal ist die Stelle sehr eng. Beide Busse stoppen vor und zurück, noch ein bisschen und noch ein Versuch. Als beide Außenspiegel ganz weggeklappt werden, passen wir aneinander vorbei.

In Funchal genießen wir den Sonnenschein und wärmen uns ein bisschen auf. Das Wetter war zwar nicht so ideal zum Wandern, es hat trotzdem Spaß gemacht. Am nächsten Morgen zeigt uns der Kellner Fotos vom höchsten Gipfel im Zentralmassiv. Dort ist der Niederschlag in der Nacht als Schnee heruntergekommen. Amazing!

Curral das Freiras – Wanderung zum Gehege der Nonnen, Teil 1 (Madeira 22)

Die Wanderstöcke warten bereits seit zweieinhalb Wochen im Koffer. Das aktuelle Wetter Ende Januar empfiehlt eine lange Bergwanderung nicht. Wir entscheiden uns für eine leichte Bergab-Wanderung aus unserem Reiseführer und machen die längere Variante. Die hört sich in der Beschreibung gut machbar an für unsere untrainierten Gelenke.

Zunächst müssen wir zum Startpunkt kommen. Wir fahren mit dem Bus zunächst nach Funchal und steigen dann in den Bus der Linie 81. Wir zeigen dem Fahrer die Karte, damit er weiß, wo wir aussteigen wollen. Es geht hoch in die Berge, nach der dichten städtischen Bebauung fahren wir auf Serpentinen durch Wälder.

Vor dem neuen Tunnel wollen wir aussteigen. Der Busfahrer ist leicht verwirrt, er möchte uns gern zum Start des Abstiegs fahren. Nicht jeder Bus der Linie fährt den Umweg zum Eira do Serrado, dieser tut es. Wir möchten aber zum Berg wandern. So steigen wir aus.

An der Südküste haben wir eigentlich immer Sonnenschein oder mal leichte Bewölkung. Die dunklen Regenwolken dräuen immer nur über den Bergen des Zentralmassivs. Nun sind wir hier, zwar am Rand, aber doch im (leichten) Regen.

Die folgenden knapp zweieinhalb Kilometer wandern wir auf der Straße entlang, dem Bus sozusagen hinterher. Zwischendurch kommt er uns wieder entgehen, und der Fahrer winkt uns freundlich zu.

Schon die Ausblicke auf die Ausläufer des Zentralmassivs sind beeindruckend:

Nach Überwindung von 70 Höhenmetern, einem Blick auf die alte Straße, die wegen Steinschlags schon sehr lange gesperrt ist, und einigen Kurven erreichen wir wieder die Zivilisation mit Parkplatz, Hotelanlage und großen Souvenirläden. Im Café ist der Espresso willkommen, aber sehr teuer.

Die letzten 75 Höhenmeter bis zum Gipfel des Eira do Serrado sind über den ausgebauten Weg schnell überwunden, der Ausblick ist trotz Regens phänomenal.

Und dann geht es auf zum eigentlichen Ziel, hinab nach Curral das Freiras. Im nächsten Eintrag gibt es noch überwältigende Fotos zu sehen!

Levada-Wanderung in der Stadt (Madeira 22)

Laut Reiseführern ist eine Wanderung entlang der Bewässerungsrinnen (Levadas) ein Muss auf Madeira. Zu den meisten beschriebenen Touren muss man jedoch mit dem Bus oder Auto anreisen. Wir wollen nur gehen. Da in Câmara de Lobos die Bananen auch in der Stadt wachsen, gibt es auch hier Levadas. Auf geht’s!

Auch oberhalb des Hafens gibt es noch jede Menge zu investieren. Aber die öffentlichen Grünanlagen werden regelmäßig bearbeitet. Jetzt, Ende Januar, blühen schon merklich mehr Pflanzen.

Wir steigen erst einmal im Osten des Hafenbeckens aufwärts und kommen zu einem weiteren Aussichtspunkt, dem Miradouro do Salão Ideal, eine Etage über unserem Küstenfußweg zum Strand. Vom Bus aus ist uns der Aussichtspunkt noch nie aufgefallen.

Unsere Karte (maps.me) sagt uns, dass links die Travessa do Ferreira abgeht. Es sieht zuerst ein bisschen wie ein Privatweg aus, geht aber rechts weiter. Dann sieht es aus wie die Zufahrt zur Garage des Gebäudes. Links davon führt dann der schmale Pfad zwischen den Häusern in die Höhe.

Diese schmalen Gassen kürzen die Serpentinenstraßen für Fußgänger ab, ganz praktisch eigentlich. Meistens sind sie ganz sauber und gepflegt, immer dann, wenn Einzelhäuser angrenzen. Etwas anders sieht es aus, wenn die Bebauung aus Sozialwohnungsblöcken besteht oder ganz fehlt. Dann scheint sich niemand zuständig zu fühlen und die eine oder andere Ecke wird zur Müllentsorgung aller Art genutzt.

Über die sich anschließende Travessa das Encruzilhadas kommen wir auf die Rua Padre Pita Ferreira. Am Polizeigebäude, das einen neuen Anstrich gut vertragen könnte, geht es rechts hoch den Caminho Velho da Palmeira. Die Straße führt sehr steil nach oben, ein Blick zurück zeigt, wie hoch wir schon gestiegen sind.

Dann biegen wir wieder links in einen Pfad, Travessa da Pedreira, der uns erst einmal kurz treppab Richtung einer Sozialbausiedlung führt, dann aber fast 250 Meter lang treppauf in die Höhe geht. Ein Blick zurück verdeutlicht die überwundenen Höhenmeter. Die Treppe beginnt am Zebrastreifen, der in der ungefähren Bildmitte zu sehen ist (Tipp: Bild aufzoomen).

Nun geht es nur noch einen kleinen Anstieg eine Treppe hoch, an der Ruine links vorbei und schon sind wir auf der Levada do Pico da Torre, an der Südflanke des Hausberges entlang. Doch schon nach einer Kurve ist die Enttäuschung groß. Der weitere Weg ist gesperrt, die komplette Umrundung des Picos wird uns verwehrt. Dabei ist die Aussicht von dieser Seite auf den Ort und das Meer so schön!

Na gut, dann eben Plan B, wir gehen zum anderen Ende der Levada do Pico da Torre ein paar Straßenecken weiter auf der Nordseite und beginnen den Weg dort. Eine kurze Treppe hinunter, an der Grundstücksmauer geht es nach einem Blick auf die Karte links entlang.

Die Bewässerungsrinne wird hier nicht mehr benötigt und ist mit Betonplatten abgedeckt. Auf den ehemaligen Feldern stehen Wohnhäuser. Unerwartet tauchen doch noch Bananen auf.

Plötzlich scheint der lange Weg ins Leere zu führen. Geht es da vorne noch weiter? In den Reiseführern wird bei Levadawanderungen in den Bergen wegen der Tunnel immer auf die Mitnahme einer Taschenlampe hingewiesen. Doch es ist nur eine Überbauung des Weges. Bevor wir die Taschenlampenfunktion des Mobiltelefons finden, treten wir schon wieder ans Tageslicht.

Eine kleine Treppe hinab, die andere wieder hinauf und schon kommen wir zu den Parzellen mit Bananen und einer offenen Wasserrinne.

Nach einer Weile finden wir die Absperrung auf dem anderen Ende der Südflanke und biegen ab auf die Escadinhas de São Bernardino (Treppen), die uns zum Caminho de São Bernardino bringen. Hier waren wir schon mal. Das Sträßlein ist auch für Anwohner zu befahren. Es ist schmal und steil, wenn man in die Auffahrt der Grundstücke fahren möchte, muss man das auf einer Schrägen in einem 90-Grad-Winkel tun. Aber es scheint zu funktionieren, wie die Bilder zeigen. Das Auto parkt links unter der Pergola.

Der Caminho de São Bernardino ist eine Sackgasse und mündet in einer Treppe, die uns direkt hinunter zur Kirche führt. Okay, das war nun keine Levada-Wanderung im klassischen Sinn, aber ein sehr schöner Spaziergang von gut einer Stunde. In der Nähe liegt der Weinkeller von Henriques&Henriques. Auf zur Weinprobe, davon im nächsten Blogbeitrag mehr.

Wanderung zum Pico da Torre (Madeira 22)

Wir wollen eigentlich die Kirche Paróquia de Santa Cecília auf der Ostseite des Picos besichtigen. Dafür geht es immer steil bergan, gut, dass es recht bewölkt ist. Schließlich liegt sie vor uns.

Sie wurde am 11. September 2011 eröffnet. Der moderne Bau stellt ein Boot dar.

Leider ist der Komplex mit Zäunen abgesichert wie Fort Knox und nicht zu besichtigen. Wir stecken das Handy durch die Gitterstäbe, um jedenfalls ein Foto vom Kirchplatz zu machen.

Da wir schon fast oben sind, wandern wir weiter zum Pico da Torre. Von dort aus hat man einen schönen Rundumblick von 205 Metern Höhe aus.

Außer einem Kreuz steht noch der Weihnachtsbaum, den wir im Dezember haben leuchten sehen, und viele Mobilfunkmasten oben drauf. Für welchen Anlass das Kreuz errichtet wurde, ist nicht sicher zu recherchieren. Der Anlass ist auch egal, wir genießen den schönen Ausblick.

Wir sind über die Süd- und Ostseite auf den Pico da Torre gekommen. Hinunter geht es über die Nord- und Westseite. Der Vereda do Pico da Torre führt uns im Norden bis auf ca. 100 Meter bergab, dabei knickt er jeweils um 90 Grad ab. Ich habe nach jedem Knick ein Foto gemacht (außer da, wo das junge Liebespaar intensiv knutschte). Ohne es zu merken, überqueren wir auch den Tunnel, in dem die Schnellstraße nach Funchal läuft.

Westlich geht es etwas später den Caminho de São Bernadino hinab, und wir überqueren den Tunnel noch einmal. Bevor der Pfad nur noch aus einer Treppe besteht, fahren offenbar auch Autos darauf. Wir ahnen nicht, wie das gehen soll, aber in den Auffahrten der Häuser stehen Autos.

Im Café Paraíso do Ambrósio gibt es eine Stärkung.

Wanderung nach Funchal (Madeira 21)

Wir starten bei strahlendem Sonnenschein am Hafen von Câmara de Lobos und wandern Richtung Osten. Der Weg nach Funchal führt immer am Wasser entlang, das haben wir bereits bei unserem ersten Besichtigungsspaziergang hier gesehen. Die Beinmuskeln haben sich nach der Kap-Bezwingung noch nicht ganz wieder erholt.

Schon bald sind wir in São Martinho. Hier wird gerade Flüssiggas verladen, Stickstoff wabert über den Boden. In den drei Türmen dahinter wird Zement, der vom portugiesischen Festland per Schiff kommt, eingelagert. Für die vielen (Hotel-) Neubauten, aber auch für den Küstenschutz wird viel davon benötigt.

Riesige Betonquader schützen die Küste, hier vor Câmara de Lobos.

Weiter geht es, gemeinsam mit anderen Spaziergängern und Joggerinnen, auf dem sehr angenehm verlaufenden Weg am bzw. über dem Wasser.

Im Hintergrund sind schon die unzähligen Hotelanlagen Funchals zu sehen. Wir kommen an einem Strandabschnitt vorbei, der nach unseren Vorstellungen tatsächlich ein Sandstrand ist, nur eben ganz in schwarz.

Wer hier einen endlosen gelben Sandstrand sucht, wird es vergeblich tun. Den findet man nur auf Porto Santo, man kommt mit dem Schiff von Funchal aus dahin.

Wir treffen auf die ersten Strandbars. Doch für eine Pause ist es noch zu früh, wir sind ja erst eine gute halbe Stunde unterwegs.

Bald darauf ist der Weg direkt am Wasser zu Ende, wir gehen hoch zur Bebauung. Und dann, oh nein, sagen die Waden, kommt die erste Treppe.

Natürlich macht sie eine Kehre, um danach weiter aufwärts zu führen. Die Wadenmuskeln schreien leise, aber vernehmlich, auf.

Als wir um die nächste Ecke biegen, wird klar, dass das rot-weiße Flatterband, das sich vorher dekorativ am Boden entlang schlängelte (auf der einen Seite am Eisengeländer, auf der anderen Seite an einem dicken Schilfhalm befestigt, der ebenfalls auf der Erde liegt; er steckte wohl mal in einem Loch in der gegenüberliegenden Wand), doch etwas zu bedeuten hat.

Das nächste Flatterband ist quer über den Weg gespannt, doppelt sogar. Nicht nur wir, auch die beiden einheimischen Joggerinnen, sind etwas konsterniert. Aber umdrehen ist keine Option, dafür sorgen schon die sich zusammenkrampfenden Muskeln. Gemeinsam pfeifen, rufen, klatschen wir vier in die Hände, doch die Maschinen sind lauter. Wir klettern unter dem Flatterband hindurch, die Madeirenserinnen fragen, ob wir passieren können – na klar, so tiefenentspannt, wie hier alle sind – und schon befinden wir uns wieder auf dem richtigen Weg.

Der führt uns an großen Anlagen überwiegend mit Eigentumswohnungen vorbei. Vom Landesinnere aus kommt Wetter auf uns zu, später wird auch noch Regen fallen. Wir Norddeutsche würden dieses Naß aber allenfalls als Nieselregen bezeichnet.

Wir kommen an DEM Shoppingparadies vorbei, dem Forum Madeira, die Hälfte des Weges ist geschafft.

Auf der Grenze zum Stadtteil passieren wir das Grandhotel Reid, eine weitläufige Anlage, die rosafarben auf einer Klippe thront. Anlässlich der Wiedereröffnung nach dem zweiten Weltkrieg wurde Churchill zu Promotionszwecken eingeladen, sein Gemälde von Câmara de Lobos begründete dessen Bekannntheit.

Bald darauf erreichen wir das Spielcasino mit angrenzendem Hotel, einem Bau des brasilianischen Architekten Oscar Niemeyer von 1966, dessen Arbeit wir schon in Le Havre bewundert haben. Hier stand übrigens vorher die Quinta, in der Kaiserin Sissi während ihres Aufenthalts verweilte.

Zuerst machte der europäische Hochadel Madeira als erquicklichen Erholungsort bekannt, bevor dann bald der Geldadel nachzog. Wie schön, dass wir jetzt auch hier sein können.

Und dann endlich, nach knapp 2,5 Stunden und ca. acht Kilometern erreichen wie den Teil Funchals, der auf unserem Gratisstadtplan als Innenstadt vergrößert dargestellt ist.