The Villages, FL, day 20 (USA 2022)

Wir machen einen Ausflug in einen Ort nebenan, der The Villages heißt. Genau genommen sind es Siedlungen, die keinem Ort angehören, aber bei staatlichen Zählungen als Zähleinheit gelten. Unsere Freunde beschreiben sie als Disney World für Erwachsene, noch wissen wir nicht genau, was das bedeuten soll. Wir fahren zuerst durch die Wohnbebauungen. Es ist alles sehr, sehr ordentlich, gestutzte Hecken, gestaltete Rabatten. Die Häuser sind meistenteils groß und umgeben von Golfplätzen. Wahrscheinlich ist es eher anders herum, die Golfplätze sind von den Häusern umgeben. Hier wohnen ca. 130.000 Menschen und es gibt 55 Golfplätze.

Um hier wohnen zu dürfen, muss man 55 Jahre oder älter sein und noch agil. Denn sie werben damit, dass man sein Leben lang for free Golfen kann. Yeah! The Villages wurde angelegt als eine riesige Rentnerwohnanlage. Und riesig meint riesig, die Landmasse, die hier bebaut wurde, ist größer als die von Manhattan! Alles ist hier angelegt für die Bedürfnisse alter Menschen. Die 17 neighbourhoods sind umgeben von Einkaufszentren, Ärzten und Pflegestationen. Letztere sehen aus wie Hotels, die Geschäfte werden hinter Fassaden versteckt, die sich der übrigen Bebauung anpassen.

Neben den Straßen für Autos gibt es (inklusive Überführungen und Tunnels) extra Fahrspuren für die allgegenwärtigen golfcarts. Sie haben sogar eigene Brücken, um die US Highways zu überqueren.

Und dann sind da insgesamt drei town center, Bereiche, die wie eine Innenstadt einer amerikanischen Kleinstadt aufgemacht sind.

Wir fahren nach Lake Sumter Landing. Hier erinnert die Bebauung an die Südstaaten. Alles ist sauber, ordentlich und irgendwie unwirklich. Die Gebäude sind neu, aber auf alt gemacht.

Der zentrale Platz ist umgeben von Häusern, an denen Plaketten die Geschichte des Gebäudes erzählen. Diese Geschichten sind alle fake, historische Fakten aus der näheren oder weiteren Umgebung verwoben mit ausgedachten Menschen und deren Leben. Inhaltlich ist alles so gestaltet, dass ökonomischer Erfolg immer dominiert, und es handelt sich dabei immer um weiße Menschen. „White washing“ von Geschichte, keine Konflikte, keine Sklaverei, keine Ureinwohner, keine …; nichts davon wird thematisiert. Und das spannende daran ist: Es kümmert niemanden. Wir haben es ausprobiert: Entweder halten die Menschen die Plaketten für die Wahrheit, immerhin steht ja als Autor Lake Sumter Landing Historical Preservation League drunter. Oder sie wissen, dass alles Fake ist und sagen, so what, let‘s have fun.

Selbst der namensgebende See ist gar kein See, sondern eine Art Überlaufbecken für starke Regenfälle bei Tornados oder Hurrikans. Die Boote darauf liegen dort nur zur Deko.

Alles ist dafür angelegt, dass die RenterInnen fun haben, sei es sportlich, sozial oder durch sonstiges entertainment. Nichts soll ihren wohlverdienten (und teuer erkauften) Ruhestand stören. Daher auch die Altersbeschränkung auf 55+.

In wenigen speziellen Familienbereichen dürfen auch Kinder wohnen, das sind dann die Kinder von Angestellten. Menschen unter 19 Jahren dürfen sich nirgendwo aufhalten, es sein denn, es sind die Enkel von Bewohnern. Aber auch die dürfen ihre Großeltern maximal 30 Tage im Jahr besuchen.

Jetzt können wir uns so ungefähr vorstellen, was mit Disney World für Erwachsene gemeint sein könnte. Es kommt uns faszinierend und abstoßend zugleich vor.

Im Toojay‘s Deli haben wir dann auch noch fun bei Kaffee und Kuchen. Letztere heißen Rugalach, man ordert immer drei in verschiedenen Geschmacksrichtungen.

Die Kellnerin „Hi, my name‘s Sonya, I‘m so glad that I can serve you!“ verwechselt dann auch noch die Teller und braucht lange, um den Kaffee nachzufüllen. But yeah, we‘re having fun!

Swim or repend, day 19 (USA 2022)

In dem RV-Resort, in dem wir uns gerade befinden, gibt es einen großen Pool. Wir wurden schon im Vorwege von den Freunden gefragt, ob wir Badeanzüge dabei haben. Haben wir, denn wir wollen ja noch in die Karibik. Irgendwo zwischen Pennsylvania und Virginia, nachdem wir das zweite Mal in Peekskill waren, fiel mir ein, dass die Badeanzüge im „Kreuzfahrtkoffer“ liegen, letzterer steht im Lager in Peekskill. Wir haben aktuell also keine Badeanzüge dabei. Das ist irgendwie doof, denn die Temperaturen in Florida ohne Pool sind nicht so gut vorstellbar.

Also entscheiden wir uns, auf dem Weg in den Süden in Fort Mill, südlich von Charlotte, bei einem Goodwill Thrift Store anzuhalten, um nach Badeklamotten zu gucken. Der Laden ist groß, das Angebot ebenfalls, die Kleidung ist nach Farben sortiert.

Es gibt einen ganzen Kleiderständer mit swimwear. Kay findet schnell eine Badeshorts. Unsere Badehosen sind hier nicht gern gesehen bis unerlaubt. Man nennt sie scherzhaft auch banana hammock, Bananenhängematte.

Beim genaueren Hinsehen gibt es allerdings nur drei Badeanzüge für Damen. Alle anderen Kleidungsstücke entpuppen sich als Kleidchen, die man über dem Badeanzug trägt. Einer ist sehr abgetragen, der andere Neuerer, aber eventuell ein bisschen zu klein. Der dritte ist neu, in einem fragwürdigen Design, dafür in Größe L, also vielleicht etwas zu groß. Umkleidekabinen finden wir in diesem Laden nicht. Man kauft und darf es dann 30 Tage lang zurückgeben, falls es einem doch nicht gefällt oder es nicht passt. Einige Frauen probieren Oberteile oder Jacken am Ständer über ihren anderen Sachen an. Das geht mit Badeanzügen natürlich nicht.

Wir nehmen kurzerhand alles (ja, es gab noch andere Dinge dort, die uns gut gefielen) mit in den Camper und nutzen unser Badezimmer als Umkleidekabine. Der als eventuell zu klein vermutete Badeanzug passt, der andere in Größe L hat anscheinend ein verkehrtes Etikett eingenäht bekommen. Das war noch nicht einmal M.

Ich gehe mit Kassenbon, Badeanzug und passendem Wechselgeld zurück in den Laden und muss mich erst einmal wieder in die lange Schlange an der Kasse anstellen. Die junge Frau an der Kasse glänzt durch zwei Zentimeter lange aufgeklebte Wimpern („Walmart-Raupen“ sagt Laurie dazu) und drei bis vier Zentimeter lange hellgrüne Fingernägel. Sie hat eine Technik entwickelt, wie sie die Kasse trotz der Fingernägel bedienen kann. Sie ist allerdings nicht schnell und wahrscheinlich auch nicht so helle, denn sie hat kein Wechselgeld, sprich Münzen, in der Kasse. Andere Kassen, es sind insgesamt vier, haben vielleicht Wechselgeld, sie weiß es nicht so genau. Und sie kommt auch gar nicht auf die Idee, bei ihrer Kollegin danach zu fragen.

Glücklicherweise macht die Frau, die mir vorher das Rückgabeprocedere erklärt hat, eine weitere Kasse auf. Ich stelle mich an, gebe ihr Bon und Klamotte zurück und starte damit, ihr meinen Wunsch nach einem größeren Geldschein zu erklären, den ich gerne hätte, wenn sie mein passend abgezähltes Wechselgeld nehmen würde. Sie unterbricht mich, um mir wiederum zu erklären, dass ich zwar die Sachen zurückgeben kann, mir dafür aber etwas anderes im Laden aussuchen muss.

Witzig! Ich fühle mich ein wenig auf den Arm genommen, gehe dann aber zu den Kleiderständern mit den Pullovern und finde auch einen, der mir gefällt. Ich muss nur noch 48 Cent dazu geben. Wie gut, dass ich einen Dollarschein dabei habe. In der Zwischenzeit ist wieder nur die Kasse mit den grünen Fingernägeln geöffnet. Ich müsste also den ganzen Dollar zuzahlen. Das möchte ich inzwischen aber schon aus Prinzip nicht mehr machen.

Glücklicherweise macht wieder eine Kasse auf, die über Wechselgeld verfügt. Das habe ich bei den Kunden vor mir gesehen. Nun würde ich gern Badeanzug gegen Pullover tauschen, doch das darf die Kassiererin nicht tun. Sie muss per Telefon die Managerin rufen. Diese kommt, tippt alles ein und informiert mich, dass ich ihr nun 48 Cent schulde. Ich gebe ihr meinen Dollar, sie fragt die Kassiererin, ob sie Wechselgeld in der Kasse hat, was diese bejaht. Die Schublade geht auf und ich bekomme zwei Quarters (50 Cent) zurück und muss das auf einem zweiten Kassenbon quittieren. An jeder Kasse hängen Aushänge, dass es eine nationwide coin shortage, also zu wenige Münzen gibt. Daher behalten sie die fehlenden zwei Cent ein.

Insgesamt bin ich einigermaßen genervt. Als Wiedergutmachung erwähne ich deshalb auch nicht, dass sie ursprünglich nur einen statt zwei Badeanzüge abkassiert haben. Sie hatten unterschiedliche Farben, sie hingen jeder auf einem Kleiderbügel, diese werden gezählt, ich hatte drei Teile. Wenn man die beiden unterschiedlichen Farben nicht erkennen kann und auch bei den Kleiderbügeln nicht bis drei zählen kann, dann tut es mir herzlich Leid. Je ne regrette rien! Hauptsache, ich kann jetzt auch in den Pool.

Zurück in den Süden, Teil 2, vom Südwesten Virginias über die Carolinas nach Florida, day 17-18 (USA 2022)

Der KOA-Campingplatz in Wytheville ist sehr empfehlenswert. Schade, dass wir schon fahren müssen. Und er liegt sehr komfortabel zwischen zwei Interstates.

Wir biegen gleich auf die I77 South und fahren zuerst durch die Blue Ridge Mountains. Es geht wieder bergauf und ein bisschen hinunter und wieder ein bisschen mehr bergauf, bis auf 820 Meter Höhe.

Danach ging es kilometerlang nur noch bergab, mit reduzierter Geschwindigkeit wegen Nebels (Muss ich noch sagen, dass sich außer uns niemand an diese Vorgaben hält?) und mit runaway ramps für LKW, falls deren Bremsen versagen.

Dann sind wir in North Carolina, holen uns eine Straßenkarte im visitor center. Hier in diesem Gebiet haben die Cherokee gesiedelt, wussten wir auch noch nicht. Auf der steinernen Karte muss man sich eine Linie zwischen Mount Aire und Charlotte vorstellen. Das entspricht der Interstate 77, auf der wir das Land durchqueren.

In South Carolina holen wir uns beim Überqueren der Staatsgrenze die dortige Straßenkarte und erkundigen uns noch, ob die Tornado-Warnung auch für das Gebiet gilt, in das wir fahren wollen (nein). Nach einer kurzen Picknickpause südlich von Charlotte kommen wir so langsam auch wieder in die wärmeren Gefilde, die Bäume werden sichtbar grün.

In Columbia wechseln wir von der I 77 auf die I 26, um anschließend wieder auf die I 95 zu stoßen. Die schlechten Straßen sind wieder da. Glücklicherweise ist es nicht mehr weit bis zu unserem nächsten (und letzten) Übernachtungsstopp in Yemassee.

Am späten Nachmittag rollen wir beim KOA-Campingplatz Point South auf den Hof. Es ist warm, feucht, ein bisschen lummerig das Wetter. Die imposanten Wolken sollen sich eigentlich laut Vorhersage noch in thunderstorms entladen, aber das Wetter ist schon wieder abgesagt worden.

Dieser KOA-Platz hat sehr viel zu bieten, unter anderem „The Swimming Mermaid“, das gleichzeitig ein Coffee House mit frisch gemahlenem Kaffee aus einer Rösterei in Charlston ist und eine Wine Bar mit Ale aus dem Zapfhahn. Und man kann Essen ordern. Es riecht schon beim Einchecken so gut, dass wir kurzerhand nicht selbst kochen.

Wir bestellen „pizza and a double order of wings combo“, aber nicht pro Person wie es hier gedacht ist. Wir wollen uns das teilen und bekommen noch zwei Pappteller dazu.

Die wings sind southern style, kommen mit einem dip und sind extrem lecker. Bei der Pizza können wir den Teig wählen (Original Crust bedeutet hier die dicke amerikanische Kruste oder Thin Crust, was unserem italienischen Original entspricht) und (alles) aus 10 Belegen, was wir wollen. Heraus kommt eine Thin Crust Cheese Pizza mit schwarzen Oliven, Paprika und Pilzen. Und auch sie ist super lecker.

Dazu gibt es ein Bier vom Fass. Es heißt Aria’s Ale, kommt aus einer lokalen Brauerei und schmeckt sehr sehr süffig. Perfekt.

Wir genießen den weiteren Abend in der Wärme und lesen. Neues Lesefutter gibt es wie auf jedem Campingplatz. Hier ist das Bücherregal besonders hübsch.

Am nächsten Morgen fällt uns der Abschied etwas schwer. Es ist schön hier, auch dieser Platz ist sehr empfehlenswert. Es hat die ganze Nacht durchgeregnet und morgens riecht es wie in einem tropischen Gewächshaus.

Aber wir wollen heute ja noch in Florida ankommen. Wir tanken (Die Benzinpreise steigen Tag für Tag an, inzwischen füllt ein Hundert-Dollar-Schein nicht einmal mehr einen Dreiviertel leeren Tank.) und sind gleich wieder auf der interstate. Etwas später überqueren wir zuerst den Savannah River und gleich darauf die Grenze zu Georgia.

Hier ist das visitor center ganz neu und wirklich schön gemacht.

Wir fahren außen an Savannah vorbei, immer in Küstennähe und durch sumpfiges Marschland.

Nach 112 Meilen sind wir in Florida und werden im visitor center wahlweise mit frisch gepresstem Orangen- oder Grapefruitsaft begrüßt. Hier machen wir eine etwas längere Pause mit einem Imbiss.

Dann verlassen wir bald die interstate, es ist auch wirklich langweiliges Fahren. Kurz vor Jacksonville geht es auf dem Highway 301 mehr oder weniger immer geradeaus nach Süden.

Schon auf der Autobahn wurden wir von einem Schwerlasttransport mit Überbreite überholt. Eine ziemliche große Yacht auf dem Weg nach Florida. Der Transporter musste auf der Autobahn eine agricultural inspection (nicht dass merkwürdige Pflanzen oder Tiere eingeschleppt werden) und die Waagen passieren (Wieviele Tonnen so ein Gespann wohl wiegt?). Und dann überholt er uns tatsächlich noch einmal auf dem Highway und ich kann das Foto machen.

Neben uns läuft eine Eisenbahnstrecke entlang und wir fahren etliche Meilen neben dem ewig langen Güterzug her, eine Lok vorne, eine Lok in der Mitte.

Hinter Ocala, einem Gebiet, das für seine Pferdezucht bekannt ist, erreichen wir unser Ziel, das wir schon vor zwei Wochen reserviert haben. Diesmal bleiben wir mindestens eine Woche in einem RV-Resort, um mit Freunden abzuhängen und uns auszuruhen.

Zurück in den Süden, Teil 1: Von New York über Pennsylvania und West Virginia in den Südwesten von Virginia, day 15-16 (USA 2022)

Es ist schon ein bisschen merkwürdig, aber zunächst fahren wir tatsächlich auf dem US Highway 9 noch weiter nach Norden, bis wir die Interstate 84 nach Westen erreichen. Es ist wirklich kalt hier, die Wasserläufe und Seen sind noch gefroren, an den Bäumen ist kein Anzeichen von Grün zu erkennen, ganz anders als im Süden.

Im Nordosten von Pennsylvania erreichen wir die Interstate 81 nach Süden. Wir fahren durch die Pocono Mountains, immer die Berge hoch und wieder runter, der Motor muss ordentlich arbeiten.

Es regnet, irgendwo hier soll es auch unwetterartig sein. Je weiter wir nach Süden kommen, desto wärmer wird es draußen. In den Flusstälern steigt Nebel auf, da die Gewässer noch überfroren sind. An den Felsendurchbrüchen links und rechts der Interstate hängt noch Schnee. Die Sonne geht schließlich hinreißend schön unter.

Unser Übernachtungsplatz in Carlisle, südlich von Harrisburg, ist vom vielen Regen ziemlich aufgeweicht und (zumindest in der Nebensaison) absolut nicht zu empfehlen. Die meisten Menschen wohnen auf dem Campingplatz dauerhaft und arbeiten in den Logistikbetrieben und Fabriken gleich auf der anderen Seite der Interstate. Ihre riesigen RVs haben alles an Bord. Ich will ins Badehaus, das ist abgeschlossen. Na toll, und das nach der durchfahrenen Nacht.

Nur das Gebäude mit dem Büro ist etwas beleuchtet. Ich probiere dort alle Türen und finde tatsächlich ein warmes Badezimmer zum Duschen. Über die Sauberkeit kann ich in diesem Fall gerade noch hinwegsehen.

Auch das wifi ist zur Zeit not available. Geldabzocke bei denen, die nur auf der Durchfahrt sind. Nach dem Essen geht es bald zu Bett, welche Wohltat nach den Stunden auf der rest area direkt an der Interstate gestern.

Am nächsten Morgen wirkt der Campingplatz nicht besser, immerhin regnet es nicht mehr. Dafür ist es erfrischend kalt draußen. Nach einem schnellen Frühstück sind wir schon um 7:30 Uhr wieder auf der Straße. Bloß weg hier!

Die Interstate 81 ist nicht stark befahren und sehr gut in Schuss. Es ist hier so viel angenehmer zu fahren. Die Landschaft ist wunderschön. Wir fahren durch die Appalachen, Berghügel hoch und wieder runter. Manchmal auf der Kriechspur, manchmal auch an den Trucks vorbei, bis auf 600 Meter hoch und etwas bergab und wieder hoch und wieder bergab. So geht es den ganzen Tag.

In Harrisburg machen wir etwas länger Pause. Erst kaufen wir bei Aldi ein, was für eine Freude; hier gibt es super Qualität zu moderaten Preisen. Dann lunchen wir auf dem Parkplatz. Beim anschließenden Tankstopp gibt es nette smalltalks mit Kunden und Angestellten. Das ist es, was wir am Reisen hier schätzen.

Dann geht es weiter, rechts die Allegheny Mountains (im Foto), links die Blue Ridge Mountains, bis wir kurz vor Wytheville auf den dortigen KOA-Platz fahren.

Nach der Erfahrung der letzen Übernachtung setzen wir lieber auf bekannte Qualität. Wir checken bereits um 16 Uhr ein, genießen die Ruhe und entspannen uns. Die Elektrik funktioniert, die Heizung läuft, das wifi läuft mit 5G. Im Sommer könnte man hier auch etwas länger bleiben. Aber morgen früh geht es weiter, noch zwei Tage bis Florida.

Schon aufgrund der Badehaus-Qualität beschließen wir, zukünftig eher KOA-Plätze zu buchen.

Werkstattbesuch in Peekskill, NY, day 14/15 (USA 2022)

Wir fahren mal eben mit dem Wagen in die Werkstatt. Ein bisschen dumm ist nur, dass sie 880 Meilen (knappe 1500 km) entfernt ist und im kalten Norden liegt. Dafür verfügt sie über Mechaniker, die das Motorhome und dessen Elektrik kennen. Und vor allem gibt es dort ein Tauschfahrzeug, falls die Reparatur zu lange dauern würde.

Wir wollen allerdings so wenige von unseren Urlaubstagen wie möglich dafür verbrauchen. Der Plan ist folgender: wir fahren einen Tag früher von Tybee Island los, weil wir damit rechnen, dass der Verkehr am Sonntag in den zu durchquerenden Ballungsräumen geringer sein wird. Wir fahren durch, damit das Motorhome am Montag repariert bzw. getauscht wird. Und am selben Tag fahren wir wieder Richtung Süden, um drei Übernachtungen später in Florida zu sein.

Geplant und umgesetzt. Unsere letzte Übernachtung auf Tybee Island übernimmt unsere Platznachbarin, mit der wir uns ein bisschen angefreundet haben. Der folgenden Platz in Jacksonville, den wir für drei Tage reserviert hatten, wird storniert. Die anschließende Reservierung für den nächsten Platz halten wir. Wir haben jetzt vier Tage Zeit, um dann in der Nähe von Orlando anzukommen.

Sonntagmorgen um 8 Uhr starten wir, tanken voll und ab geht es über die Brücke von Georgia nach South Carolina, zuerst auf dem US Highway 17, dann immer die Interstate 95 Richtung Norden.

Ungefähr alle zweieinhalb Stunden wechseln wir uns beim Fahren ab, der Tank wird mehrmals am Tag aufgefüllt. Die Kreditkarte ächzt, sie wird bald nicht mehr vom Tankautomaten akzeptiert. Ich muss dann drinnen eine Tankmenge festlegen und den Beleg dafür unterschreiben.

Der Verkehr ist vormittags tatsächlich sehr gering. Uns fallen die Menschen auf den Autobahnbrücken auf. Sie winken, schwenken die Flagge der USA, große Fahnen von Trump, den sie für den wahren Präsidenten halten, und halten Banner in die Höhe. Eine kleine Google-Recherche ergibt, dass sie den People‘s Convoy von Truckern unterstützen, die sich seit Tagen unterwegs nach Washington D.C. sind, um gegen die Covid-19-Maßnahmen zu protestieren, welche aber in fast allen Staaten bereits zurückgenommen worden sind.

Die Republikaner unterstützen diese Aktion natürlich. Die Trucker wollen die Autobahnringe um Washington blockieren, um für ihre Freiheit einzutreten, die sie durch die Maßnahmen der Regierung massiv bedroht sehen. Geht’s noch? Aber erst einmal müssen sie ja dahin kommen. Am späten Nachmittag überholen uns einige Teilnehmer, noch sind wir in Virginia; North Carolina haben wir da schon hin uns gelassen.

Wir erreichen gegen 19 Uhr eine rest area südlich von Washington. Die elf Stunden Fahrt mit vielen gefüllten Brücken, drei Tankstopps (einem davon mit Tankwart, sehr angenehme Erfahrung) und einem BurgerKing-Aufenthalt zusammen mit jungen Paaren, die Waffe und Bowie-Messer am Gürtel tragen, sind dann doch stressig. Der Wochenend-Rückreiseverkehr Richtung Norden ist dicht. Wir trinken einen Tee und legen uns dann hin. Hier dürfen wir uns insgesamt acht Stunden ausruhen. Wir schlafen (mehr oder weniger) vier Stunden, essen dann noch etwas und machen uns um ein Uhr nachts wieder auf die Socken. Wir wollen keineswegs in einem eventuellen Stau, den die Trucker rund um Washington verursachen wollen, stecken bleiben.

Wir fahren ohne Probleme durch den Großraum Washington/ Baltimore/ Philadelphia und erreichen vor dem Einsetzen des morgendlichen Berufsverkehrs den Großraum Jersey/ New York City. Eigentlich wird unsere Fahrt nur durch die Mautstellen auf dem New Jersey Turnpike und dem Garden State Parkway und vom Tanken unterbrochen.

Die Benzinpreise sind in den letzten Tagen sprunghaft angestiegen (und steigen weiter, je weiter wir nach Norden kommen). Wir vertanken mehr als $400 auf dieser Fahrt, das Geld erhalten wir aber zurück (und auch das Geld für die Rückfahrt in den Süden).

Um acht Uhr morgens (24 Stunden nach dem Start) rollen wir in Peekskill auf den Hof, um 8:10 Uhr wird der Wagen in die Garage gefahren, um 8:15 Uhr gehen wir erst einmal frühstücken. Auf Empfehlung landen wir beim Burger Diner und essen ein üppiges Frühstück (alles auf dem Foto für eine Person) mit Kaffee ohne Ende, unsere erste Mahlzeit nach mehr als zwölf Stunden.

Zur Verdauung gehen wir noch ein bisschen spazieren. Es ist kühl hier, bestimmt 15 Grad kälter als auf Tybee Island gestern noch.

In der Werkstatt haben sie den kaputten Spannungsumwandler schon ausgetauscht. Glücklicherweise lag ein neuer und passender im Lager. Nun werden wir doch mit diesem Motorhome weiterfahren und brauchen keinen Ersatzwagen. Dabei hatten wir etliches schon in Tüten verpackt, damit das Umladen schneller vonstatten gehen würde.

Unsere Mängelliste, die wir vor knapp einer Woche empört gemailt hatten, wird so weit es geht abgearbeitet. Wir erhalten unsere Auslagen in bar auf die Hand und viereinhalb Stunden später (12:30 Uhr) rollen wir wieder vom Hof und starten erneut Richtung Süden. Die Interstate 95 wollen wir aber nicht ein drittes Mal befahren, das wird dann doch zu langweilig. Wir entscheiden uns für eine andere Strecke, dazu im nächsten Blogbeitrag mehr.

Tybee Island – Katastrophenbewältigung, GA, day 11-13 (USA 2022)

Wir haben tolles Wetter hier unten, sonnig den ganzen Tag bei 23 Grad Celsius. Das kann man gut haben Anfang März. Eigentlich lesen wir den ganzen Tag draußen in der Sonne und machen sonst nicht viel.

Am frühen Abend gehen wir zum Fried Chicken Dinner in der örtlichen American Legion. Das ist eine Veteranenorganisation der Armee, die den Patriotismus in den USA stärken möchte.

Etliche Veranstaltungen sind öffentlich für Gäste. Donnerstags bieten sie hier auf Tybee immer Abendessen an. Man bezahlt am Eingang und bekommt ein Papierticket. Dann stellt man sich an, legt an der Ausgabestelle das Ticket in ein Körbchen und erhält im Gegenzug das Essen; auch jetzt noch in Styroporverpackung, genauso wie vor sechs Jahren. Anders als damals nehmen viele Menschen das Essen mit und fahren wieder nach Hause. Nur einige bleiben in der großen Halle und essen dort, so wie wir. Das liegt wahrscheinlich an Covid-19.

Heute gibt es ein halbes Huhn, deep-fried mit leckerer Kruste, sehr guter Kartoffelsalat und pikante heiße Bohnen, dazu noch ein Hefebrötchen mit Butter, wenn gewünscht und eine Flasche eiskaltes Wasser, und das alles für 13$ pro Person. Für dieses Preis-Leistungs-Verhältnis können wir den military-Kram gut für anderthalb Stunden ignorieren.

Wir kommen pappsatt, glücklich und zufrieden zum Campingplatz zurück. Dort erwartet uns dann der Schock, die Stromversorgung funktioniert nicht. Gar nicht. Und das wohl schon seit mehreren Tagen, in denen wir unwissend an der zweiten Batterie gehangen haben. Die ist nun leer. Glücklicherweise läuft der Kühlschrank auch mit Propan. Wir sind ziemlich verzweifelt, es ist dunkel draußen, keiner mehr da, Stressschmerzen machen sich in Kopf und Rücken breit. Wir gehen zu Bett und schlafen nicht gut.

Am nächsten Tag hält der Schrecken an. Bei Tageslicht geht es zunächst etwas besser los. Kay schließt das 12 V-Kabel an, mit dem betreiben wir den Wasserkocher für Kaffee. Dann ruft er den mobilen RV-repair an, da geht nur der Anrufbeantworter an und er ruft bis mittags nicht zurück. Der andere Typ, dessen Nummer wir bekommen, ist drei Wochen lang ausgebucht. Die Leute vom Campingplatz sind hilfsbereit, messen alles durch, der Fehler liegt bei uns und sie finden, dass unser Stecker kaputt ist.

Mittags nehmen wir die Sache selbst in die Hand. Der Campingstore hat einen 30V-Stecker zum Austauschen. Das probieren wir. Es dauert eine Stunde, bis wir den alten abgeschnitten und den anderen angeschlossen haben. Aber dann haben wir wieder Strom! Yeah!!

Nach einer Lunchpause machen wir uns zu Fuß auf den Weg zum IGA Supermarkt. Nach knapp zwei Stunden sind wir wieder zurück und … der Strom läuft nicht mehr! Ich glaub‘ es nicht. Wir sind am Boden!

Es folgen Telefonate mit dem Verleiher und mit dessen Elektriker. Kay bekommt mit seinen fernmündlichen Anweisungen den Generator zum Laufen. Der soll die zweite Batterie wieder aufladen. Den Generator dürfen wir aber nicht am Stellplatz laufen lassen. Der host für die Nacht bietet uns an, unser motorhome neben seinen Stellplatz ganz am Rand des Platzes zu parken und dort den Generator über Nacht laufen zu lassen. Den Aufwand scheuen wir im Dunkeln. Wir lassen uns den Gemeinschaftsraum aufschließen, um dort zu lesen, unsere Telefone aufzuladen und ein Beruhigungsbier zu trinken, bevor wir wieder frustriert zu Bett gehen.

Am nächsten Morgen hält man bei Tageslicht alles etwas besser aus, aber nichts wird besser. Merkwürdigerweise funktioniert unser Wasserkocher, der läuft über 120 V. So bekommen wir Kaffee bzw. Tee und Abwaschwasser. Nach einem Telefonat der Rezeption mit dem Management erhalten wir die Erlaubnis, den Generator am Stellplatz laufen zu lassen.

Der läuft dann anderthalb Stunden, mit genau null Effekt. Er ist laut, verbraucht Benzin, aber er lädt die Batterie nicht wieder auf. Wir rufen den Verleiher an, ob er einen Mechaniker gefunden hat, hat er nicht. Er meint, wir müssten zurück kommen, damit repariert werden kann. Das würden 900 Meilen (1500 km) und 13 bis 15 Stunden reine Fahrtzeit bedeuten. Wir gehen erst einmal an den Strand, um alles durchzusprechen.

Zurück auf dem Campingplatz bekommen wir noch einmal Hilfe von unserer derzeitigen Nachbarin Margie, die Ersatz-Autosicherungen an Bord hat. Vielleicht sind ja nur die Sicherungen durch, vielleicht liegt es an so einer kleinen Kleinigkeit. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Ein weiterer Nachbar entpuppt sich als ehemaliger Army-Elektriker. Er misst alles durch und schließt ein loses Kabel wieder an. Dann tauscht er die Sicherungen aus. Fumpp!!! Und wieder durchgebrannt. Die ganze eingebaute Stromeinheit ist anscheinend hinüber. Etwas später funktioniert auch der Wasserkocher nicht mehr.

Wir beschließen dann schnell, morgen zurückkehren. Ein Anruf beim Verleiher ergibt, dass sie ein anderes Motorhome für uns haben, das wir bei Rückgabe des alten gleich (bedeutet auf amerikanisch zumindest am selben Tag, einige Stunden später) übernehmen werden können. Wir stornieren unsere Campingplatz-Reservierungen für die nächsten vier Tage und werden versuchen, die Mehrkosten vom Verleiher zurück zu bekommen. Wir packen ein bisschen, bereiten uns vor auf eventuelles Durchfahren und werden sehen, was uns erwartet.

Es hilft nichts. Irgendwie müssen wir noch einmal nach Tybee Island zurück kommen. Der Aufenthalt war zu kurz und viel zu stressig.

Tybee Island – Ankommen, GA, day 8-10 (USA 2022)

Die Fahrt von Myrtle Beach nach Tybee Island verläuft ohne Komplikationen, wenngleich auf einer anderen Strecke als gedacht. Man darf einfach nicht zu viele Optionen ins Navigationsgerät eingeben.

Auf dem Weg halten wir an dem Geschäft der Carolina Cider Company an. Die kannten wir schon vom letzten Mal. Hier gibt es richtig guten Obstsaft und Konfitüre ohne Zusatzstoffe zu kaufen. Wir haben ja einen großen Kühlschrank an Bord.

Dann geht es weiter, in Savannah kaufen wir noch einmal Lebensmittel ein, damit wir das Wohnmobil möglichst nicht von der Insel wegbewegen müssen. Hinter Savannah geht es über viele Brücken den Highway 80 bis nach Tybee Island.

River’s End Campgound liegt am nördlichen Ende der Insel. Es ist, als kämen wir nach Hause. Und alles ist (fast) so wie beim letzen Mal vor sechs Jahren. Sogar einige Mitarbeiterinnen sind noch hier, die sich freuen, uns wieder zu sehen.

Auch am Strand ist es wieder wunderbar, auch wenn es noch kalt und windig ist. Der Leuchtturm steht natürlich immer noch so da, wie vor 230 Jahren. Der ursprüngliche Turm wurde bereits 1736 erbaut, als erstes öffentliches Gebäude überhaupt in Georgia. Heute ist er einer der berühmtesten Leuchttürme an der Ostküste der Vereinigten Staaten.

Das Wetter verbessert sich in den nächsten Tagen deutlich, unser Verhältnis zum motorhome dagegen nicht. Zum ersten Eindruck eines ramponierten Inneren gesellen sich diverse andere Mängel, die nach und nach zu einer mittleren Katastrophe kumulieren. Zuerst wollen wir die Markise ausfahren. Wir haben das Vorgehen bei der Einweisung kurz gezeigt bekommen. Da wir es nicht wirklich hinbekommen, holen wir uns Hilfe von den camping hosts, Freiwilligen, die auf dem Platz arbeiten und im Gegenzug verbilligt stehen dürfen. Dann ist die Markise ausgefahren, sieht ganz prima aus, obwohl die hosts schon leise über die Qualität fluchen.

Leider rauscht uns die eine Seite sofort wieder ab, als ich auf die Toilette gehe. Eine kleine Schaukelbewegung des Autos und schon rutscht der Sicherungsbolzen aus seiner Verankerung. Da sich die eine Seite nicht sichern lässt, brauchen wir sicherheitshalber alles wieder ab und verzichten lieber auf Schatten. Wir sind ziemlich sauer und schicken eine lange Mängelliste an den Verleiher. Darauf kommt natürlich keine Antwort. Am Abend lässt sich das Licht nicht einschalten, der Strom ist weg. Nach einer kleinen Panikattacke schalten wir die Hilfsbatterie ein und haben wieder Strom. Noch wissen wir nicht, was das für Konsequenzen haben wird. Glücklicherweise!

Am nächsten Tag entspannen wir uns und lesen viel. Am Strand gibt es einen kleinen Bücherschrank, und auch im Regal des Campgrounds werden wir fündig.

Abends geht es ins Kino. Im Tybee Post Theater steht Spiderman: no way home auf dem Programm. Es gibt salziges Popcorn und Cola zum sehr unterhaltsamen Film.

Wir freuen uns, dass wir wieder hier auf der Insel sind. Wir sind für eine Woche eingebucht, anschließend wird es nach Florida weitergehen.

Myrtle Beach, SC, day 5-7 (USA 2022)

Der KOA-Campingplatz liegt in einem Waldstück und wird gerade in Teilen neu angelegt. Trotzdem ist es hier wunderbar ruhig. Das Badehaus befindet sich gleich nebenan.

Bevor es an den berühmten Strand (The Great Strand, feinster Pudersand auf 100 km Länge!) geht, müssen wir erst einmal etwas Wäsche waschen. Jeder Campingplatz hier hat immer eine laundry (im Gebäude auf dem Foto) mit richtig großen, um nicht zu sagen riesigen Waschmaschinen und Trocknern. Alle Maschinen arbeiten mit Quarters, 25 Cent-Münzen. Daher gibt es auch meistens einen Wechselautomaten. Unsere Ladung wird in einen Toplader versenkt. Hier kommen die Münzen side by side in den Schlitten, immer zwei Münzen in einen Schlitz, dann den Schlitten mit Kraft in die Maschine schieben. Beim Trockner steckt man die Münzen jedoch einzeln in die Schlitze. Wie gut, dass wir immer hilfreiche Menschen treffen, die uns den Gebrauch erklären können.

Die Waschmaschine benötigt nur 20 Minuten, der Trockner noch einmal 45 Minuten. Kay kocht eine weitere Kanne Kaffee, und wir verbringen die Wartezeit vor dem Gebäude in der Sonne. Das Dings auf dem Foto ist übrigens ein Outdoor-Aschenbecher, Kippe oben rein und gut. Die stehen hier überall herum. Es gibt noch eine Menge Menschen, die rauchen.

Anschließend machen wir uns, zu Fuß natürlich (wir sind die einzigen), auf, den Farmer‘s Market in der Mr. Joe White Avenue zu besuchen. Im Prospekt, den ich im laundry-Haus fand, war er als Attraktion angekündigt. Wir gehen eine Dreiviertelstunde an der Hauptstraße entlang bis in den Norden der Stadt nach downtown. Der Markt findet aber wohl zur in der Saison am Sonnabend statt, es ist alles leer dort.

Wir gehen von dort aus direkt zum Strand und gehen auf dem Broadwalk entlang Richtung Süden. Auf diesem knapp zwei Kilometer langen Abschnitt befindet sich die Amüsiermeile von Myrtle Beach, viel los ist hier natürlich noch nicht. Zuerst geht es an vielen Restaurants vorbei, hier besteht der Weg aus mosaikartig verlegten Holzbohlen.

Etwas später schlängelt sich die Promenade als Betonweg durch angelegte Beete. Links von uns ist der Strand, rechts von uns die großen Hotels, in deren gewärmten Pools die Kinder kreischen. Draußen ist es frisch, die meisten Menschen haben nur Sweatshirts und Jogginghosen an, oder kurze Hosen, und frieren offensichtlich. Wir laufen in dickeren Jacken herum. Ein Mann aus Minnesota, der ähnlich wie wir gekleidet ist, spricht uns an ob des kühlen Wetters. Er erklärt uns, dass es hier unten im Süden gar keine winterliche Outdoor-Bekleidung in den Läden zu kaufen gibt, nichts gefüttertes oder daunengefülltes. Das Wetter ist hier gerade ungewöhnlich kühl.

Das finden wir etwas später auch und gehen am Strand entlang bis zum Withers Swash. Dieser kleine Wasserlauf lässt sich nicht auf der Strandseite überqueren. Wir müssen zurück zur Straße. Wir durchqueren den Family Kingdom Amusement Park, einer der größten hier in Myrtle Beach, der sich links und rechts um den Flusslauf ausbreitet. Vieles ist schon neu gestrichen, aber es ist noch nichts geöffnet, wir sind in der Vorsaison hier. Das letzte Mal war auch alles geschlossen, da waren wir nach der Saison da, und es sah nicht so schön aus wie jetzt.

Am nächsten Tag gehen wir trotz des leichten Nieselregens nachmittags zum Strand, um fossilierte Haifischzähne zu suchen. Wir machen uns nicht viel Hoffnung, denn die Sicht ist nicht gut. Aber wir werden fündig, mit mehr Zähnen als gedacht. Die Farbe dieser schwarzen Zähne zeigt, dass die Zähne mindestens 10.000 Jahre alt sind.

Als wir ziemlich nass vom Regen sind, geht es zurück zum Aufwärmen in unser motorhome. Die Heizung funktioniert sehr gut. Mit der übrigen Bettwäsche (wir haben unsere eigene mit, aber auch die des Verleihers) haben wir inzwischen das Interieur etwas aufgehübscht. Morgen geht es wieder on the road, weiter nach Süden, der Sonne entgegen.

On the road south, day 3-4 (USA 2022)

Nach einer ruhigen Nacht mit einem schönen Sonnenaufgang genießen wir noch ein bisschen die Einrichtungen des Platzes, vornehmlich das schnelle und stabile wifi. Das ist wirklich prima in Amerika, alle Campingplätze halten freies WLAN vor, anders als in Europa. Und wenn man früh genug ist, kann man trotz der sechs Stunden Zeitunterschied noch mit den Kindern chatten.

Bevor wir zurück auf die Interstate fahren, müssen wir noch tanken. Das Benzin ist für amerikanische Verhältnisse sehr teuer geworden, aber immer noch billiger als bei uns (ca. die Hälfte). Allerdings verbrauchen die Fahrzeuge auch viel mehr. Unser Ford E-350, auf dem das Wohnmobil aufgebaut ist, verbraucht 10,64 Gallons pro 100 Meilen. Das macht 25 Liter auf 100 Kilometer! Und wir fahren keinen vollbeladenen LKW. Egal, es ist das Fahrzeug, das wir haben, und wir wollen fahren. Also wird an Reisetagen der Tank anderthalb mal vollgefüllt, nützt ja nix. Beim ersten Tankstopp hätte sogar ein Tankwart die Arbeit für uns übernommen, wenn wir bar bezahlt hätten. Das wäre auch noch einmal 10 Cent pro Gallone günstiger gewesen. Aber wir haben nicht so viel Bargeld dabei (Die gestrigen Mautstellen fraßen ein Loch in die Barschaft hinein.). Dafür hilft er uns bei der Bedienung des Tankautomaten.

Dann geht es weiter Richtung Interstate. Davor überqueren wir noch bei New Castle den Delaware River auf der Delaware Memorial Bridge, einer weiteren Mautstelle. Diesmal gelten wir als Auto, das ist die günstigste Variante. Davor waren wir immer ein kleiner LKW. Wir fragen nicht nach dem Grund.

Nun sind wir in Maryland. Nach einem kurzen Stopp am Maryland Visitor Center (die stehen immer an den Interstates am Anfang des Staates, sie haben immer Straßenkarten for free) fahren wir weiter auf der Interstate 95, die hier John F. Kennedy Memorial Highway heißt. Wir überqueren den Susquehanna River (Foto) und durchqueren Baltimore. Anschließend geht es östlich um Washington herum. Im Süden der Stadt fahren wir über den Potomac River.

Virginia ist erreicht. Es regnet. Wir durchqueren den Staat östlich, fahren durch die Hauptstadt Richmond, bis kurz vor der Grenze zu North Carolina. Hier in Emporia übernachten wir. Wieder kommen wir nach Büroschluss an, diesmal ist der Late Night Check in nicht so leicht zu erkennen. Wir fahren erst einmal auf einen leeren Stellplatz, trinken eine Tasse Tee und gucken noch einmal. Wir finden die richtigen Unterlagen, füllen alles aus und erhalten am nächsten Morgen ungefragt noch einmal 10% Rabatt, weil wir ehrlich mit der Anmeldung waren. Das ist mal ein netter Zug!

Weiter geht es die Interstate 95 nach Süden. Eigentlich wollten wir bis nach Tybee Island fahren, aber dort ist kein Platz für uns frei. So ändern wir unsere Pläne und die Route während eines Stopps (tanken, essen, Toilettenbesuch) in Fayetteville. Hier ist es bereits sehr schön warm, kein Wunder, dass schon Osterglocken blühen.

Wir werden jetzt nach Myrtle Beach in South Carolina fahren und dort ein paar Tage bleiben. Das ist auch sehr schön, denn der Platz gefiel uns beim letzten Mal schon gut. Wir fahren über Wilmington, um vorher noch bei einem Publix-Supermarkt einkaufen zu können, einen Einkaufswagen voll für 150$. Das Geld fließt nur so ab.

Danach ist es nicht mehr weit bis zu unserem Campingplatz, KOA Myrtle Beach. Wir werden außerordentlich freundlich empfangen, auf unseren Platz geleitet und erhalten Hilfestellung beim Rückwärts-einparken. Es ist immer noch warm, wir machen alle Fenster auf (sie sind fliegenvergittert) und trinken den Tee draußen an unserer Picknickbank. Hier werden wir die nächsten drei Nächte bleiben.

Auf dem Weg in den Süden, day 1-2 (USA 2022)

Das Wohnmobil, ein Winnebago Chalet Baujahr 2009, das wir per Fotos für zwei Monate gemietet haben, entpuppt sich als reichlich abgewohnt und zerschlissen. So würde ein dreizehn Jahre altes Wohnmobil bei uns niemals aussehen und auf keinen Fall vermietbar sein. Nach dem ersten Schock sagen wir uns, egal, günstig, geräumig, viel Platz in den Schränken, robust, wie sich später auf den schlechten Straßen zeigen wird.

Wir bekommen vom Verleiher zunächst einen kleinen PKW, um einkaufen zu fahren, was wir äußerst nett finden. Denn die amerikanische Entfernungsangabe „es ist gleich um die Ecke“ entpuppt sich als Trip von 3-4 Meilen hin und wieder zurück (macht ca. 11 km, zu Fuß nicht zu machen). Beim Einkaufen der Lebensmittel wird uns wieder deutlich, wie viel Geld man ausgeben muss, um halbwegs gute Produkte zu bekommen. Wie gut, dass wir Kreditkarten haben, da sieht man die Menge Geld nicht so sehr wie bei Geldscheinen. Der Shop Rite, bei dem wir schon vor sechs Jahren unsere ersten Einkäufe getätigt haben, hat sein Angebot enorm ausgeweitet. Das freut uns.

Nun benötigen wir nur noch eine neue SIM-Karte. Das Datenvolumen unserer Mobiltelefone war schon nach wenigen Minuten Aufenthalt in New York aufgebraucht. Wir kommen bei AT&T vorbei und lassen in Kays Telefon eine Simkarte einsetzen mit unlimited data. Das geht alles nicht so schnell. So sind wir erst nach den Bürozeiten wieder am Wohnmobil. Die erste Nacht verbringen wir auf dem Hof der Verleihstation. Am nächsten Tag soll es nach der Einweisung und dem Papierkram zügig Richtung Süden gehen.

Daraus wird dann nichts. Am nächsten Morgen ist der Papierkram zwar schnell erledigt. Doch die Telefon-Internet-Situation läuft nicht wie gewünscht. Kays Telefon kann mit der SIM-Karte zwar telefonieren, aber keine mobilen Daten erhalten. Letztere sind extra unbegrenzt gebucht, da unbedingt notwendig. Das Telefon soll u.a. auch als Navigationsgerät dienen. Wir bekommen noch einmal das kleine Auto ausgeliehen, um wieder zu AT&T zu fahren.

Nach drei Stunden im Shop, Daniel an dieser Seite des Servicetelefons, Daryll an der anderen, mehrere Mobiltelefone in Arbeit, SIM-Karte in Kays, meins, das einer Angestellten gesteckt, musste am Ende festgestellt werden, dass die AT&T-Karte nicht mit unseren iPhones harmoniert. Und niemand weiß warum nicht. Wir müssen ein Android-Gerät für 105$ kaufen, damit die SIM-Karte laufen kann. So nervig! Als wir wieder zurück beim Verleiher sind, sagten sie uns, dass sie auf ihren iPhones nur Verizon-SIM-Karten haben. Diese Info hätten wir sehr gern schon einen Tag vorher gehabt!!

Nachdem auch die letzten Dinge erledigt sind, kommen wir erst gehen halb drei Uhr nachmittags los, fahren rechts des Hudson Rivers, der wirklich sehr breit ist, den Highway 9 hinunter und überqueren den Fluss bei Tarrytown. Dann geht es weiter auf der New-Jersey-Seite auf den Garden State Parkway hinunter. Inzwischen setzt der Feierabendverkehr ein, wir fahren langsam mit vielen anderen bis zur Interstate 95 south, dem New Jersey Turnpike.

Hier fahren jeden Tag sehr viele Menschen, die möglichst zügig von A nach B kommen wollen. Wahrscheinlich sind deshalb viele Strecken mautpflichtig. Ein teures Vergnügen, aber wir wollen möglichst zügig weiter südlich sein. Außer bei einer Mautstelle können wir überall sonst mit Bargeld bezahlen. Langsam an das Häuschen heranfahren, die Summe wird vor uns auf einem Display angezeigt und dann das Geld, es muss nicht die exakte Summe sein, dem freundlichen Menschen im Häuschen geben. Einmal werden wir gefilmt (langsam fahren, Scheibenwischer ausschalten), die Rechnung kommt per Mail und wir werden sie am Ende bei der Verleihstation bezahlen). Das letzte Mal müssen wir eine Karte ziehen, auf der eine Markierung eingeschnitten wurde. Die geben wir an der Ausfahrt von der Interstate ab und müssen für die dann gefahrene Strecke zahlen.

Wir übernachten in Clarksboro. Das liegt zwar südlich von Philadelphia, gehört aber noch zu New Jersey. Weniger als 200 Meilen südlich vom Ausgangspunkt, dafür mit mehreren Hundert Dollars weniger auf dem Konto, dafür mit etlichen Erfahrungen mehr übernachten wir die erste Nacht auf einem campground.