Wir haben tolles Wetter hier unten, sonnig den ganzen Tag bei 23 Grad Celsius. Das kann man gut haben Anfang März. Eigentlich lesen wir den ganzen Tag draußen in der Sonne und machen sonst nicht viel.

Am frühen Abend gehen wir zum Fried Chicken Dinner in der örtlichen American Legion. Das ist eine Veteranenorganisation der Armee, die den Patriotismus in den USA stärken möchte.

Etliche Veranstaltungen sind öffentlich für Gäste. Donnerstags bieten sie hier auf Tybee immer Abendessen an. Man bezahlt am Eingang und bekommt ein Papierticket. Dann stellt man sich an, legt an der Ausgabestelle das Ticket in ein Körbchen und erhält im Gegenzug das Essen; auch jetzt noch in Styroporverpackung, genauso wie vor sechs Jahren. Anders als damals nehmen viele Menschen das Essen mit und fahren wieder nach Hause. Nur einige bleiben in der großen Halle und essen dort, so wie wir. Das liegt wahrscheinlich an Covid-19.

Heute gibt es ein halbes Huhn, deep-fried mit leckerer Kruste, sehr guter Kartoffelsalat und pikante heiße Bohnen, dazu noch ein Hefebrötchen mit Butter, wenn gewünscht und eine Flasche eiskaltes Wasser, und das alles für 13$ pro Person. Für dieses Preis-Leistungs-Verhältnis können wir den military-Kram gut für anderthalb Stunden ignorieren.
Wir kommen pappsatt, glücklich und zufrieden zum Campingplatz zurück. Dort erwartet uns dann der Schock, die Stromversorgung funktioniert nicht. Gar nicht. Und das wohl schon seit mehreren Tagen, in denen wir unwissend an der zweiten Batterie gehangen haben. Die ist nun leer. Glücklicherweise läuft der Kühlschrank auch mit Propan. Wir sind ziemlich verzweifelt, es ist dunkel draußen, keiner mehr da, Stressschmerzen machen sich in Kopf und Rücken breit. Wir gehen zu Bett und schlafen nicht gut.
Am nächsten Tag hält der Schrecken an. Bei Tageslicht geht es zunächst etwas besser los. Kay schließt das 12 V-Kabel an, mit dem betreiben wir den Wasserkocher für Kaffee. Dann ruft er den mobilen RV-repair an, da geht nur der Anrufbeantworter an und er ruft bis mittags nicht zurück. Der andere Typ, dessen Nummer wir bekommen, ist drei Wochen lang ausgebucht. Die Leute vom Campingplatz sind hilfsbereit, messen alles durch, der Fehler liegt bei uns und sie finden, dass unser Stecker kaputt ist.
Mittags nehmen wir die Sache selbst in die Hand. Der Campingstore hat einen 30V-Stecker zum Austauschen. Das probieren wir. Es dauert eine Stunde, bis wir den alten abgeschnitten und den anderen angeschlossen haben. Aber dann haben wir wieder Strom! Yeah!!





Nach einer Lunchpause machen wir uns zu Fuß auf den Weg zum IGA Supermarkt. Nach knapp zwei Stunden sind wir wieder zurück und … der Strom läuft nicht mehr! Ich glaub‘ es nicht. Wir sind am Boden!
Es folgen Telefonate mit dem Verleiher und mit dessen Elektriker. Kay bekommt mit seinen fernmündlichen Anweisungen den Generator zum Laufen. Der soll die zweite Batterie wieder aufladen. Den Generator dürfen wir aber nicht am Stellplatz laufen lassen. Der host für die Nacht bietet uns an, unser motorhome neben seinen Stellplatz ganz am Rand des Platzes zu parken und dort den Generator über Nacht laufen zu lassen. Den Aufwand scheuen wir im Dunkeln. Wir lassen uns den Gemeinschaftsraum aufschließen, um dort zu lesen, unsere Telefone aufzuladen und ein Beruhigungsbier zu trinken, bevor wir wieder frustriert zu Bett gehen.

Am nächsten Morgen hält man bei Tageslicht alles etwas besser aus, aber nichts wird besser. Merkwürdigerweise funktioniert unser Wasserkocher, der läuft über 120 V. So bekommen wir Kaffee bzw. Tee und Abwaschwasser. Nach einem Telefonat der Rezeption mit dem Management erhalten wir die Erlaubnis, den Generator am Stellplatz laufen zu lassen.

Der läuft dann anderthalb Stunden, mit genau null Effekt. Er ist laut, verbraucht Benzin, aber er lädt die Batterie nicht wieder auf. Wir rufen den Verleiher an, ob er einen Mechaniker gefunden hat, hat er nicht. Er meint, wir müssten zurück kommen, damit repariert werden kann. Das würden 900 Meilen (1500 km) und 13 bis 15 Stunden reine Fahrtzeit bedeuten. Wir gehen erst einmal an den Strand, um alles durchzusprechen.
Zurück auf dem Campingplatz bekommen wir noch einmal Hilfe von unserer derzeitigen Nachbarin Margie, die Ersatz-Autosicherungen an Bord hat. Vielleicht sind ja nur die Sicherungen durch, vielleicht liegt es an so einer kleinen Kleinigkeit. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Ein weiterer Nachbar entpuppt sich als ehemaliger Army-Elektriker. Er misst alles durch und schließt ein loses Kabel wieder an. Dann tauscht er die Sicherungen aus. Fumpp!!! Und wieder durchgebrannt. Die ganze eingebaute Stromeinheit ist anscheinend hinüber. Etwas später funktioniert auch der Wasserkocher nicht mehr.
Wir beschließen dann schnell, morgen zurückkehren. Ein Anruf beim Verleiher ergibt, dass sie ein anderes Motorhome für uns haben, das wir bei Rückgabe des alten gleich (bedeutet auf amerikanisch zumindest am selben Tag, einige Stunden später) übernehmen werden können. Wir stornieren unsere Campingplatz-Reservierungen für die nächsten vier Tage und werden versuchen, die Mehrkosten vom Verleiher zurück zu bekommen. Wir packen ein bisschen, bereiten uns vor auf eventuelles Durchfahren und werden sehen, was uns erwartet.

Es hilft nichts. Irgendwie müssen wir noch einmal nach Tybee Island zurück kommen. Der Aufenthalt war zu kurz und viel zu stressig.




