In dem RV-Resort, in dem wir uns gerade befinden, gibt es einen großen Pool. Wir wurden schon im Vorwege von den Freunden gefragt, ob wir Badeanzüge dabei haben. Haben wir, denn wir wollen ja noch in die Karibik. Irgendwo zwischen Pennsylvania und Virginia, nachdem wir das zweite Mal in Peekskill waren, fiel mir ein, dass die Badeanzüge im „Kreuzfahrtkoffer“ liegen, letzterer steht im Lager in Peekskill. Wir haben aktuell also keine Badeanzüge dabei. Das ist irgendwie doof, denn die Temperaturen in Florida ohne Pool sind nicht so gut vorstellbar.

Also entscheiden wir uns, auf dem Weg in den Süden in Fort Mill, südlich von Charlotte, bei einem Goodwill Thrift Store anzuhalten, um nach Badeklamotten zu gucken. Der Laden ist groß, das Angebot ebenfalls, die Kleidung ist nach Farben sortiert.

Es gibt einen ganzen Kleiderständer mit swimwear. Kay findet schnell eine Badeshorts. Unsere Badehosen sind hier nicht gern gesehen bis unerlaubt. Man nennt sie scherzhaft auch banana hammock, Bananenhängematte.
Beim genaueren Hinsehen gibt es allerdings nur drei Badeanzüge für Damen. Alle anderen Kleidungsstücke entpuppen sich als Kleidchen, die man über dem Badeanzug trägt. Einer ist sehr abgetragen, der andere Neuerer, aber eventuell ein bisschen zu klein. Der dritte ist neu, in einem fragwürdigen Design, dafür in Größe L, also vielleicht etwas zu groß. Umkleidekabinen finden wir in diesem Laden nicht. Man kauft und darf es dann 30 Tage lang zurückgeben, falls es einem doch nicht gefällt oder es nicht passt. Einige Frauen probieren Oberteile oder Jacken am Ständer über ihren anderen Sachen an. Das geht mit Badeanzügen natürlich nicht.

Wir nehmen kurzerhand alles (ja, es gab noch andere Dinge dort, die uns gut gefielen) mit in den Camper und nutzen unser Badezimmer als Umkleidekabine. Der als eventuell zu klein vermutete Badeanzug passt, der andere in Größe L hat anscheinend ein verkehrtes Etikett eingenäht bekommen. Das war noch nicht einmal M.
Ich gehe mit Kassenbon, Badeanzug und passendem Wechselgeld zurück in den Laden und muss mich erst einmal wieder in die lange Schlange an der Kasse anstellen. Die junge Frau an der Kasse glänzt durch zwei Zentimeter lange aufgeklebte Wimpern („Walmart-Raupen“ sagt Laurie dazu) und drei bis vier Zentimeter lange hellgrüne Fingernägel. Sie hat eine Technik entwickelt, wie sie die Kasse trotz der Fingernägel bedienen kann. Sie ist allerdings nicht schnell und wahrscheinlich auch nicht so helle, denn sie hat kein Wechselgeld, sprich Münzen, in der Kasse. Andere Kassen, es sind insgesamt vier, haben vielleicht Wechselgeld, sie weiß es nicht so genau. Und sie kommt auch gar nicht auf die Idee, bei ihrer Kollegin danach zu fragen.
Glücklicherweise macht die Frau, die mir vorher das Rückgabeprocedere erklärt hat, eine weitere Kasse auf. Ich stelle mich an, gebe ihr Bon und Klamotte zurück und starte damit, ihr meinen Wunsch nach einem größeren Geldschein zu erklären, den ich gerne hätte, wenn sie mein passend abgezähltes Wechselgeld nehmen würde. Sie unterbricht mich, um mir wiederum zu erklären, dass ich zwar die Sachen zurückgeben kann, mir dafür aber etwas anderes im Laden aussuchen muss.
Witzig! Ich fühle mich ein wenig auf den Arm genommen, gehe dann aber zu den Kleiderständern mit den Pullovern und finde auch einen, der mir gefällt. Ich muss nur noch 48 Cent dazu geben. Wie gut, dass ich einen Dollarschein dabei habe. In der Zwischenzeit ist wieder nur die Kasse mit den grünen Fingernägeln geöffnet. Ich müsste also den ganzen Dollar zuzahlen. Das möchte ich inzwischen aber schon aus Prinzip nicht mehr machen.
Glücklicherweise macht wieder eine Kasse auf, die über Wechselgeld verfügt. Das habe ich bei den Kunden vor mir gesehen. Nun würde ich gern Badeanzug gegen Pullover tauschen, doch das darf die Kassiererin nicht tun. Sie muss per Telefon die Managerin rufen. Diese kommt, tippt alles ein und informiert mich, dass ich ihr nun 48 Cent schulde. Ich gebe ihr meinen Dollar, sie fragt die Kassiererin, ob sie Wechselgeld in der Kasse hat, was diese bejaht. Die Schublade geht auf und ich bekomme zwei Quarters (50 Cent) zurück und muss das auf einem zweiten Kassenbon quittieren. An jeder Kasse hängen Aushänge, dass es eine nationwide coin shortage, also zu wenige Münzen gibt. Daher behalten sie die fehlenden zwei Cent ein.

Insgesamt bin ich einigermaßen genervt. Als Wiedergutmachung erwähne ich deshalb auch nicht, dass sie ursprünglich nur einen statt zwei Badeanzüge abkassiert haben. Sie hatten unterschiedliche Farben, sie hingen jeder auf einem Kleiderbügel, diese werden gezählt, ich hatte drei Teile. Wenn man die beiden unterschiedlichen Farben nicht erkennen kann und auch bei den Kleiderbügeln nicht bis drei zählen kann, dann tut es mir herzlich Leid. Je ne regrette rien! Hauptsache, ich kann jetzt auch in den Pool.