Silver Springs State Park, Ocala, FL, day 40 (USA 2022), Teil 2

Nachdem wir an einem Arm des Silver Rivers waren, gehen wir zum Auto zurück und fahren zum Haupteingang des State Parks. Man könnte auch innerhalb des Parks dorthin zu Fuß gehen, aber das wären ca. neun Kilometer hin und zurück. Dafür ist es einfach zu heiß und wir sind zu untrainiert. Auf dem Weg dorthin kommen wir an einer sehr vernachlässigt aussehenden Ecke des Parks vorbei. Hier befanden sich noch vor zehn Jahren die Reste eines Freizeitparks mit Karussells, Achterbahnen etc.

2013 übernahm der Staat den Silver Springs Park endgültig und vereinte ihn mit dem Silver River State Park, dem Teil, in dem wir vorher waren. Silver Springs war die erste Touristenattraktion in Florida überhaupt, bereits seit den 1860ern kamen Menschen mit Dampfschiffen den Silver River hinauf, um die Quellen anzusehen. Auch heute noch kommen unglaubliche 2 Milliarden Liter Wasser täglich aus ihnen hervorgesprudelt!

Seit 1878 fuhren hier die ersten glass bottom boats. Die vielfältige Unterwassernatur ist durch den Glasboden viel klarer zu sehen, als wenn man von der Oberfläche aus guckt. Leider sind alle Touren ausgebucht. Wir begnügen uns mit der Alternative, schauen in das glasklare Wasser und beobachten die wohlgenährten Fische. Wer findet den Fisch auf dem Foto?

Schon 1919 drehte Hollywood hier den ersten Film, auch die Tarzan-Filme wurden hier gedreht. Auf dem Wilderness-Trail (s. Teil 1) hätte man Tarzans Haus sehen können. Wir hätten sicherlich auch noch vieles andere sehen können, doch wie irgendwie das meiste auf unserer Fahrt sind auch hier die Hauptgebäude wegen Renovierung geschlossen. Der Haupteingang erinnert uns an Hagenbecks Tierpark in Hamburg.

Der Freizeitpark war extrem erfolgreich. Wahrscheinlich haben die Eigentümer lange nachgedacht, wie sie noch mehr Geld machen könnten. 1949 eröffnete knapp zwei Kilometer entfernt ein quasi identischer Park seine Pforten, mit allen Features, die Silver Springs auch hatte inklusive der glass bottom boats.

Er hieß Paradise Park (for colored people) und war zwanzig Jahre in Betrieb. Er war enorm erfolgreich, ganze Busladungen mit Besuchern kamen selbst aus New York und Kalifornien. Die Baptisten veranstalteten Massentaufen an den Quellen. Dieser Teil des jetzigen state parks ist von der Natur überwachsen, das Eingangsschild und der große Parkplatz davor ist hinter den Zäumen noch sichtbar. An den Quellen selbst wird dieser Teil der Geschichte immerhin dokumentiert.

Genauso wie die des Great Seminole War von 1835-1842. Die Seminole sollten Florida verlassen, da der Staat die Flächen für die weiße Bevölkerung benötigte. Osceola beeinflusste den Rat, der 1834 an den Quellen beratschlagte, was zu tun sei, nicht zu weichen und statt dessen zu kämpfen. Heute erinnert eine Statue an Osecola. Bis heute haben die verbliebenen Seminole, die weiter südlich in einem Reservat leben, keinen Friedensvertrag mit den USA unterschrieben.

Von der vielfältigen Tierwelt hier an den Quellen sehen wir nicht viel, wahrscheinlich ist es auch den Tieren zu heiß. Ein Amerikanischer Schlangenhalsvogel, ein Anhinga, ist so freundlich, für uns zu posieren.

Silver Springs State Park, Ocala, FL, day 40 (USA 2022), Teil 1

Heute wollen wir uns das Quellgebiet des Silver Rivers, der nach gut sieben Kilometern in den großen Ocklawaha River fließt, angucken. Allein in Florida gibt es mehr als 600 Quellen, mehr als in jeder anderen Region der Welt. Wir stärken uns zunächst mit einem Picknick vor dem kleinen Museum unter einem gigantisch großen live oak Baum.

Das Museum ist wochentags für Schulklassen reserviert, die in der vierten Klasse Ausflüge hierhin machen, um Floridas Geschichte und die besondere Umwelt des Florida Aquifer (Grundwasserschicht) kennenzulernen. Am Wochenende können alle das Museum gegen einen kleinen Obolus besuchen. Die Displays sind informativ und auf die jugendlichen Besucher ausgerichtet.

Das Skelett des jungen Mammuts ist beeindruckend, das Tier wurde mit Steinzeitspeeren und ~messern erlegt. Sie haben entsprechende Spuren an den Knochen gefunden. Die freiwillige Mitarbeiterin erzählt uns sehr anschaulich davon und zeigt uns den besten Punkt, um das Skelett zu fotografieren. Und sie hat Spaß daran, für uns ein bisschen zu schauspielern.

Es werden jedoch nicht nur Tiere ausgestellt, sondern auch über die Geschichte Floridas informiert. Schon vor 14.000 Jahren von den ersten Ureinwohnern besiedelt, zu Beginn des 16. Jahrhunderts von den Spaniern „entdeckt“ und benannt, stand Florida unter wechselnder Herrschaft. Knapp zweihundert Jahre nach dem ersten Kontakt mit Europäern waren die Ureinwohner nahezu vollständig verschwunden, die meisten an für sie unbekannten Krankheiten gestorben, viele mehr oder weniger freiwillig umgesiedelt, viele in Kriegen gestorben. Wenige Seminoles leben noch in einem Reservat im mittleren Florida.

Das Parkgelände wird von etlichen, unterschiedlich langen Trails durchzogen. Man kann den Park zu Fuß, mit dem Fahrrad oder auch mit dem Kajak durchwandern. Wir entscheiden uns für einen kurzen Spaziergang zum Fluß.

An einigen Stellen sieht es fast dschungelartig aus, es gibt hier sogar Rhesusaffen. Die sind 1938 freigelassen worden (wahrscheinlich, damit die Besucher etwas mehr auf ihren Touren zu sehen bekommen konnten) und haben sich dann rasant vermehrt. Wir haben aber keine gesehen, wahrscheinlich waren wir zu laut.

Der Bereich, der nur von zwei Trails durchzogen wird, heißt wilderness. Das Schild nehmen wir nicht wirklich ernst. Immerhin befinden wir uns in einem staatlichen Parkgelände am Rande einer großflächigen städtischen Bebauung.

Später ergibt die Recherche, dass im Park außer den Affen, Eichhörnchen, Schildkröten und Füchsen auch noch andere Tiere leben, nämlich Gürteltiere, Rotwild, Wildschweine, Wilde Truthähne, Alligatoren, Kojoten, Rotluchse und Schwarzbären. Von allen Arten gab es ausgestopfte Exemplare im Museum zu sehen. Wer kommt denn nach dem ausgestellten Mammut auf die Idee, alle anderen Tiere würden hier noch leben?

Der Trail endet an einer Kayak-Einsetzstelle. Wir gucken ein bisschen auf das Wasser und beobachten die Kajakfahrer, bevor wir zu den eigentlichen Quellen fahren.

Dazu mehr im zweiten Teil!

Campfire im State Park, day 29 (USA 2022)

Auf jedem Campingplatz in den USA ist eine Feuerstelle ein Muss. Meistens kauft man das Feuerholz in Bündeln, die dann vom Personal im ebenfalls obligatorischen golf cart an den Platz gebracht werden. Und meistens stehen die Wohnwagen/ motorhomes/ RVs so eng, dass wir schon genügend Feuergeruch einatmen, ohne ein eigenes Feuer zu entzünden.

Hier im State Park haben wir wirklich viel Platz um uns herum, und der Feuerring befindet sich weit genug von Wagen und ausgefahrener Markise entfernt. Jetzt wollen wir auch mal zündeln.

Am Parkeingang lagen diese kleinen Umschläge herum. Das Holz selbst lagert in einem kleinen Verschlag. Zehn Scheite kosten fünf Dollar. Der Umschlag mit dem „verbrannten“ Geld wird am Ende des Aufenthalts in eine Box am Ausgang geworfen.

Neben dem Häuschen steht rechts ein Wägelchen zum Transportieren der Holzscheite. Kay weigert sich, zehn Scheite Holz mit dem Wagen die 25 Meter zu unserem Platz zu ziehen.

Dazu muss man wissen, dass sogar der Abwassertank eines Wohnwagens auf einen kleinen Anhänger gestellt wird, der wiederum von einem großen Truck zur Entleerungsstelle gezogen wird.

Ich stapele also zehn Holzscheite auf Kays ausgestreckte Arme und wir gehen los. Wir kommen keine fünf Meter weit. Der erste Mann ruft uns zu, dass der Wagen für den Transport gedacht ist. Ich rufe im Weitergehen zurück, dass wir das wissen. Weitere fünf Meter erklärt uns der nächste Mann, dass wir den Wagen benutzen sollen. Diesmal erklären wir, dass wir sture Deutsche sind, die das nicht wollen. Währenddessen ruft uns ein dritter Mann zu, der inzwischen neben dem Wägelchen steht, das genau dieser für den Transport gedacht ist.

Diesmal antworten die anderen ihm, dass sie uns das Procedere bereits erklärt hätten. Der erste Mann kommt auf uns zu und pult ein Stückchen Holz von einem Scheit ab. Das legt er mir in die Hand, damit ich, wie er sagt, meinen Mann ein bisschen entlasten kann und auch etwas zu tragen habe. Alle freuen sich und haben Spaß. Wir sind Sekunden später auf unserem Platz, und Kay lässt das Holz neben unserem Feuerring fallen.

Ohne Kleinholz lässt sich ein Feuer schwer entfachen, dieses gibt es aber nicht. Der amerikanische Weg ist folgender: Holz in den Ring werfen, Brandbeschleuniger darauf kippen, viel hilft viel, Streichholz hinterher werfen – brennt. Wir haben auch keinen Brandbeschleuniger, und wir wollen ihn auch nicht.

Kay besinnt sich auf seine Waldläufer- und Pfadfindertugenden, sammelt etwas Totholz, schichtet die Scheite ordentlich auf, investiert viel Lungenvolumen, um Sauerstoff hineinzublasen.

Das Holz ist nicht genügend abgelagert und recht feucht. Es qualmt ordentlich, aber es stinkt nicht unangenehm.

Schließlich brennt es lustig vor sich hin. Ein nettes Erlebnis, das wir nicht noch einmal wiederholen möchten in den verbleibenden Wochen. Es ist einfach zu unbefriedigend.

Da der Wind sich ständig dreht, müssen wir auch unseren Sitzplatz ständig ändern. In Ruhe sein Bier trinken geht anders.

Stephen Foster Folk Culture Center State Park, FL, day 27 (USA 2022)

Wir sind in den Norden Floridas gefahren und campen zum ersten Mal in einem State Park. Endlich zurück in der Normalität. Es ist wieder grün um uns herum. Man kann Kindergeschrei hören.

Unser Platz ist riesig, komplett mit Picknickbank, Grill und Feuerring. Hier gibt es Wasser- und Stromanschluss, den Abwassertank müssen wir entleeren, wifi gibt es nicht, das Badehaus ist einfach. Zur Abwechslung ist das alles wirklich schön.

Der Campingplatz nimmt nur einen Teil des Parks ein, genauer gesagt, den hinteren Teil. Der State Park selbst liegt am Suwannee River. Stephen Fosters Lied „Old Folks at home“ ist eher bekannt als „Way down upon the Suwannee River“ und die offizielle Hymne des Staates Florida.

Das Diorama befindet sich im Carillon Tower. Im Erdgeschoss werden Faksimiles von Fotos, Noten und anderen Handschriften, sowie Instrumente des Komponisten ausgestellt. Der Turm selbst ist 61 Meter hoch. Oben befindet sich das weltgrößte (Anzahl der Röhren) Glockenspiel aus 97 Röhrenglocken, das mit einer Klaviatur gespielt wird.

Normalerweise werden Fosters Lieder den ganzen Tag über von dem Glockenspiel gespielt. Muss sich hübsch anhören. Leider ist die Elektrik 2017 während eines Sturms zerstört worden und Wasser in das Gebäude eingedrungen. Inzwischen haben sie genügend Spenden eingesammelt, um den ersten Teil der Renovierung einzuläuten. Bei dem Tempo wird es noch Jahrzehnte dauern, bis das Instrument wieder erklingen kann.

Stephen Foster (1826-1864) war zu seiner Zeit der bekannteste Komponist in den USA. Das Museum, in dem sein Leben und Werk geehrt wird, ist wegen Instandhaltungsarbeiten geschlossen. Genauso wie der Souvenirladen und das kleine Areal, wo traditionelle Handwerke demonstriert werden. Ich webe ein bisschen weiter an dem auf der front porch hängenden Webstück.

Nirgendwo finden wir Hinweise darauf, ob und wann hier wieder etwas geöffnet haben wird. Vielleicht erst wieder im Mai, wenn das größte Folk Festival Floridas hier stattfindet. Aber auch dazu finden wir keine Hinweise. Die Anlagen, im Bild das Amphitheater, sehen aus, als wenn sie schon seit ein paar Jahren nicht mehr genutzt worden sind. Wahrscheinlich ist das der Preis von Covid-19.

Es sind außer uns auch nicht viele Camper da, dafür ist die Ruhe himmlisch. Nur Gopher läuft uns über den Weg, wobei „läuft“ vielleicht nicht ganz das richtige Verb ist. Meet famous Florida gopher tortoise!