Unerwartete Erlebnisse: wie wir (fast) in einer Synagoge gelandet sind (Sommer 2022)

Eigentlich wollten wir nur mal eben kurz hinüber zum Elisabethbad gehen, um ein paar Kuranwendungen zu buchen. Geht man etwas weiter Richtung Eger-Fluss zum Busbahnhof, steht dahinter die Städtische Markthalle. Zu Beginn des letzten Jahrhunderts erbaut (1912-13), diente sie dem hygienischen Verlauf von Fleisch und Lebensmitteln, überwiegend für die vielen Kurhotels vor Ort.

Heute steht der damals hochmoderne Stahlbetonbau unter Denkmalschutz und beherbergt den Supermarkt ‚Albert‘. Innen kann man die Deckenkonstruktion immer noch sehr schön sehen. Wenn wir schon hier sind, können wir auch gleich für unser Abendessen einkaufen: leckeres Brot, Salami, Gouda, Oliven und Schafskäse, dazu Hummus und natürlich ein Bier, diesmal Kozel in hell, auch sehr gut.

Anstatt unsere Schätze direkt zurück in den Kühlschrank unseres Zimmers zu bringen, wählen wir einen etwas anderen Weg zurück. Wir stehen auf der Warschauer Straße (Varšavská, links im Bild) und wollen zu dem Gebäude, auf das die Kugelschreibermine zeigt. Da gibt es ein Secondhand-Geschäft, mal sehen, wie hier so das Angebot ist.

Wir überqueren die Tépla und schlängeln uns die Bezručova den Berg hinauf. Es ist sehr warm, aber nach der ersten Kehre werden wir ja da sein. Dort ist allerdings nur die Synagoge zu finden. Das Gebäude nebenan gehört schon zum Umfeld des Krankenhauses. Dann haben wir uns wohl beim Kartenlesen vertan. Wir beschließen, noch eine Kehre weiterzugehen und passieren das Krankenhaus. Nun wissen wir auch, warum wir im Hotel ständig das Martinshorn hören. Es hört sich an wie die Polizei in New York, aber es sind die Krankenwagen, die schnell in die Klinik fahren. Wir kommen in ein Villenviertel mit sehr imposanten Gebäuden. Hier wird das Secondhand-Geschäft auch nicht sein. Ein kurzer Blick auf Google Maps zeigt uns, dass wir schon zu weit gegangen sind. Wir finden einen Fußweg, der uns direkt auf die vorletzte Kehre zurück bringt.

Wir kommen wieder an der Synagoge heraus. Hier soll sich das Geschäft befinden. Hmmmm! Wir gehen noch einmal langsamer am Gebäude entlang, nichts zu sehen. Dann gehen wir hoch zum Eingang und lesen die Schilder. Etliche Einrichtungen, die mit der Synagoge in Zusammenhang stehen, etliche Ärzte, aber kein Bekleidungsgeschäft. Wir wollen schon frustriert abziehen, da fällt der Blick durch die Glasscheiben der Tür auf eine ältere Anschlagstafel innen im Flur. Und dort ist tatsächlich das Geschäft „Biko“ aufgelistet.

Na dann, hinein in die Synagoge. Nicht wirklich, denn die befindet sich im Hochparterre im rechten Flügel des Gebäudes. Wir sollen in den ersten Stock. Das Gitter steht offen, also weiter.

Der Flur sieht aus wie ein Behördenflur, doch gleich die ersten Türen rechts gehören zum gesuchten Geschäft. Wir haben Glück und können noch stöbern, ab dem 01. August machen sie Sommerferien.

Als wir wieder draußen sind und noch einmal an der Fassade hinaufschauen, können wir auch die bunte Aufschrift auf den Fenstern im ersten Stock rechts erkennen. Wir waren beim Vorbeigehen auf Schaufenster fixiert, die es hier nicht gibt. Es ist wohl eher ein Geschäft für Einheimische, die wissen, wo es sich befindet.