Arrecife/ Lanzarote, cruise day 6 (Anthem, Oktober 2023)

Wir sind in der Hauptstadt der Insel Lanzarote angekommen: Arrecife. Wikivoyage schreibt: „…allzu viele Sehenswürdigkeiten hat die Stadt auch nicht zu bieten“. Wir sind gespannt. Aber zuerst müssen wir den vorletzten Stopp vor der Atlantiküberquerung nutzen, um Schuhe zu kaufen. Kays Abendschuhe geben demnächst den Geist auf und wir wissen nicht, ob sie noch die nächsten zehn Tage durchhalten werden. Es gibt eine Filiale von Deichmann in Arrecife.

Die Anthem of the Seas hat am Puerto de Naos angelegt, der Fußweg in die Innenstadt ist ab der Mole mit einer blauen Linie auf dem Boden gekennzeichnet. Mit uns zusammen laufen sehr viele Touristen am Seglerhafen vorbei in die Stadt.

Insgesamt docken hier gerade drei Kreuzfahrtschiffe gleichzeitig an (unser Schiff ist das linke.) Am ersten Kreisel geht die Masse nach links Richtung Innenstadt, wir halten uns rechts.

Wir kommen am Krankenhaus, an einer Schule und an Autoreparaturbetrieben vorbei, bis wir schließlich an der Shopping Mall ankommen, einem nach allen Seiten offenen Gebäude.

Dort erkunden wir das gesamte Erdgeschoss, aber Deichmann ist nicht zu sehen. Es dauert eine Weile, bis wir realisieren, dass es im Untergeschoss nicht nur das Parkhaus gibt, sondern auch noch Geschäfte. Mit neuen Schuhen im Rucksack geht es Richtung Innenstadt.

Dort gehen wir an der El Charco de San Gines entlang, einer Salzwasserlagune mitten in der Innenstadt. In den Häusern rundherum wohnen (oder wohnten) die Fischer mit ihren Familien. Kann auch sein, dass die Häuser nun an Touristen vermietet werden. Schon seit dem 15. Jahrhundert siedeln hier Fischer.

In der Lagune steht ein Skelett eines jungen weiblichen Finnwals (11 Meter lang, 8 Tonnen schwer), der 1995 auf Teneriffa gestrandet ist. Das Esqueleto de Ballena ist ein beliebtes Fotomotiv.

An der Lagune steht auch die Skulptur Los Buches, die zwei Figuren während des Karnevals zeigt. Sie stellen Fischer dar, die nach langer Zeit auf See wieder an Land spazieren gehen. Sie tragen das traditionelle Kostüm, verziert mit Bändern und eine netzartige Maske. In den Händen halten sie Fischblasen, die mit Luft gefüllt sind. Damit schlagen sie sich gegenseitig und spielen einen Kampf.

Kurz darauf sind wir an der Plaza de Las Palmas. Hier steht die Parroquia de San Ginés, die Hauptkirche von Arrecife, dem Heiligen Genesius geweiht. Schon seit 1574 gab es hier eine Kapelle, die allerdings nach einer Überflutung im Jahr 1665 wieder aufgebaut wurde.

Im 18. und 19. Jahrhundert wurde die Kirche immer einmal wieder erweitert, bis sie so aussieht wie auf dem Foto oben. Als letztes hat sie ihren Barockturm erhalten. Wir schauen uns kurz im Innern um, bevor es weitergeht.

Dann sind wir auch schon an der Calle Real, der Haupteinkaufsstraße, die eigentlich Calle Leon y Castillo heißt. Die entlang zu bummeln haben wir aber keine Lust. Wir gehen in die Casa Amarilla, dem ehemaligen ersten Regierungssitz der Insel.

Hier stellt der auf Lanzarote geborene Fotograf Juan Méndez Fotografien unter dem Titel Caminante Nocturno aus, Bilder vom Himmel über den Kanarischen Inseln und Patagonien. Wunderschöne Aufnahmen! Der Fotograf, eigentlich ein Hobbyfotograf, hat es mit Aufnahmen von Lanzarote in die Zeitschrift National Geographic geschafft.

In der Unterhaltung mit der freundlichen Frau am Empfang ergibt sich ein Kontakt mit dem Fotografen, der zufällig draußen am Fenster steht. Juan Méndez spricht nur Spanisch, sie übersetzt hin und her auf Englisch, wir erzählen ihm von Pellworm, das mit seinen dunklen Nächten ohne künstliche Lichter wirbt. Diese Begegnungen sind es, die wir an unseren Reisen lieben!

Wir gehen dann Richtung Wasser, das genauso glitzert und gleißt wie auf Madeira. Im Wasser liegt das Castillo de San Gabriel, ein ehemaliges Fort, das 1573 zum Schutz vor den Piraten auf einem Riff erbaut wurde. Hat nicht lange gehalten, schon 13 Jahre später wurde es von den Piraten zerstört. Die heute noch zu sehende Ausfertigung gelang dann anscheinend etwas stabiler und beherbergt nun ein historisches Museum. Wir haben keine Lust, uns in die Schlange der Wartenden einzureihen, sondern beschränken uns auf Fotos von außen. Hier am kleinen Strand hätten wir auch baden können, doch wir haben keine Badesachen eingepackt. Wir haben schlicht nicht mit so warmem Wetter gerechnet.

Über die alte Zugbrückemit den großen Steinkugeln Puente de las bolas geht es wieder an Land. An der Promenade stehen weitere Skulpturen: Pancho Lasso (2011) und La Mirada de César zu Ehren von César Manrique. Was die beiden sich wohl zu erzählen haben?

Wir wollen auf dem Rückweg noch in das Museum für zeitgenössische Kunst, das in der Nähe der Mole liegen soll.

Wir passieren wieder den Kreisel vom Vormittag mit der Skulptur Pescador con Marlin (2022), einer Hommage an den hier gebürtigen Gregorio Fuentes Betancort, der als Kind nach Kuba kam, dort Fischer wurde und schließlich Ernest Hemingway im Sturm vor dem Schiffbruch rettete.

Daraus erwuchs eine lebenslange Freundschaft, und Hemingway wurde von Gregorio zu seinem Erfolg „Der alte Mann und das Meer“ inspiriert.

Das Kunstmuseum besuchen wir diesmal nicht, der Fußweg ist einfach zu lang. Wir laufen noch bis zu einem kleinen Leuchtturm, der keiner ist, sondern ein Ehrenmal von 2013 für alle auf See gebliebenen Seeleute/ Fischer. Es heißt „Das Licht, das uns führt“. Es ersetzt ein einfaches Kreuz, das an ein Massaker vor der Küste Westsaharas stattfand.

Im November 1978 wurde das lanzarotische Fischerboot Cruz del Mar abends von 24 Terroristen in einem Zodiac-Schlauchboot überfallen. Diese ermordeten sieben der Besatzungsmitglieder (drei weitere konnten sich unbemerkt durch einen Sprung von Bord retten), darunter einen 14-jährigen Jungen. Die drei Überlebenden gingen wieder an Bord, nachdem das Schlauchboot der Terroristen weg war. Sie entdeckten, dass diese das Boot mit Sprengstoffen versehen hatten. Sie konnten sich in letzter Minute mit dem Rettungsboot des Schiffes in Sicherheit bringen, bevor das Schiff in die Luft flog. Die drei wurden später von einem anderen Fischerboot gerettet.

Dann kehren wir um. Die Straßenkreisel hier werden gern mit Arbeiten lokaler Künstler geschmückt. Dieses hier heißt Levando redes – Homenaje al Pescador, eine Hommage an die Fischer, die ihre Netze einholen.

Auf dem Rückweg entdecken wir auf einer Infotafel, warum wir nicht auf unserem Weg in die Innenstadt am kleinen Strand der Einheimischen und am Kunstmuseum vorbeigekommen sind, wie eigentlich geplant. Diese Infos von der Webseite what’s in port sind leider nicht mehr aktuell. Unser Schiff liegt an der neuen Kreuzfahrtmole. An der „alten“, auf die sich die Angaben bezogen, liegen die beiden anderen: Mein Schiff 4 und ein Schiff von MSC.

Wieder zurück auf unserem Schiff sehen wir dann auch, wo Strand und Museum sind: quasi genau gegenüber vom Schiffsheck, Luftlinie wenige zehn Meter, aber eben ohne direkte Verbindung. Gut, dass wir nicht mehr ganz hingegangen sind. Aber auch ohne den Museumsbesuch kann doch keiner davon sprechen, dass Arrecife nicht viel zu bieten hat!

Auf Wiedersehen, Lanzarote!

Tempus fugit – Die Zeit vergeht (Madeira 22)

Ende Januar wird immer noch daran gearbeitet, die aufwendige Weihnachtsbeleuchtung in allen Orten anzubauen. Die Lichter leuchteten am 10. Januar das letzte Mal. Zwischenzeitlich hatten wir schon überlegt, ob die Lichterketten einfach hängen bleiben, zumindest die in den Bäumen. Aber nein, so nach und nach kommen Arbeiter und klettern auf Leitern oder kleinen Hubwagen hoch und takeln ab. Es scheint hier nur eine Firma zu geben, erkennbar an ihren Sweatshirts. Wenn sie alles erledigt haben, können sie wohl schon wieder von vorne beginnen. Irgendetwas wird hier immer gefeiert.

Die Weihnachtsdekorationen waren etwas schneller wieder verpackt. Nun könnte man den bandstand im Ort auch wieder nutzen. Aber im Winter ist es den Leuten hier mit 17 Grad einfach zu kalt und manchmal auch zu naß , um sich draußen zu treffen.

Rund um den Hafen verstärken sich die Aktivitäten. An den Schuppen wird gehämmert und gesägt. Und schwups, da steht ein neuer Schuppen rechts von den anderen; und es sieht aus, als wäre er schon immer da gewesen.

Beim Vergleich der Bilder bemerkt man auch, dass die vielen kleinen Boote doch bewegt werden. Es werden auch wieder mehr zu Wasser gelassen. Die an Land verbleibenden werden neu gestrichen.

Wir wandern regelmäßig zur Praia Formosa, trinken einen Espresso und starren eine halbe Stunde auf den Atlantik und in die Sonne, bevor es wieder zurück geht. Nach dem Sturm kommen wieder vermehrt Menschen an den Strand. Es wird auch wieder gebadet. Einige bauen immer mal mit an dieser Skulptur:

Wanderung nach Funchal (Madeira 21)

Wir starten bei strahlendem Sonnenschein am Hafen von Câmara de Lobos und wandern Richtung Osten. Der Weg nach Funchal führt immer am Wasser entlang, das haben wir bereits bei unserem ersten Besichtigungsspaziergang hier gesehen. Die Beinmuskeln haben sich nach der Kap-Bezwingung noch nicht ganz wieder erholt.

Schon bald sind wir in São Martinho. Hier wird gerade Flüssiggas verladen, Stickstoff wabert über den Boden. In den drei Türmen dahinter wird Zement, der vom portugiesischen Festland per Schiff kommt, eingelagert. Für die vielen (Hotel-) Neubauten, aber auch für den Küstenschutz wird viel davon benötigt.

Riesige Betonquader schützen die Küste, hier vor Câmara de Lobos.

Weiter geht es, gemeinsam mit anderen Spaziergängern und Joggerinnen, auf dem sehr angenehm verlaufenden Weg am bzw. über dem Wasser.

Im Hintergrund sind schon die unzähligen Hotelanlagen Funchals zu sehen. Wir kommen an einem Strandabschnitt vorbei, der nach unseren Vorstellungen tatsächlich ein Sandstrand ist, nur eben ganz in schwarz.

Wer hier einen endlosen gelben Sandstrand sucht, wird es vergeblich tun. Den findet man nur auf Porto Santo, man kommt mit dem Schiff von Funchal aus dahin.

Wir treffen auf die ersten Strandbars. Doch für eine Pause ist es noch zu früh, wir sind ja erst eine gute halbe Stunde unterwegs.

Bald darauf ist der Weg direkt am Wasser zu Ende, wir gehen hoch zur Bebauung. Und dann, oh nein, sagen die Waden, kommt die erste Treppe.

Natürlich macht sie eine Kehre, um danach weiter aufwärts zu führen. Die Wadenmuskeln schreien leise, aber vernehmlich, auf.

Als wir um die nächste Ecke biegen, wird klar, dass das rot-weiße Flatterband, das sich vorher dekorativ am Boden entlang schlängelte (auf der einen Seite am Eisengeländer, auf der anderen Seite an einem dicken Schilfhalm befestigt, der ebenfalls auf der Erde liegt; er steckte wohl mal in einem Loch in der gegenüberliegenden Wand), doch etwas zu bedeuten hat.

Das nächste Flatterband ist quer über den Weg gespannt, doppelt sogar. Nicht nur wir, auch die beiden einheimischen Joggerinnen, sind etwas konsterniert. Aber umdrehen ist keine Option, dafür sorgen schon die sich zusammenkrampfenden Muskeln. Gemeinsam pfeifen, rufen, klatschen wir vier in die Hände, doch die Maschinen sind lauter. Wir klettern unter dem Flatterband hindurch, die Madeirenserinnen fragen, ob wir passieren können – na klar, so tiefenentspannt, wie hier alle sind – und schon befinden wir uns wieder auf dem richtigen Weg.

Der führt uns an großen Anlagen überwiegend mit Eigentumswohnungen vorbei. Vom Landesinnere aus kommt Wetter auf uns zu, später wird auch noch Regen fallen. Wir Norddeutsche würden dieses Naß aber allenfalls als Nieselregen bezeichnet.

Wir kommen an DEM Shoppingparadies vorbei, dem Forum Madeira, die Hälfte des Weges ist geschafft.

Auf der Grenze zum Stadtteil passieren wir das Grandhotel Reid, eine weitläufige Anlage, die rosafarben auf einer Klippe thront. Anlässlich der Wiedereröffnung nach dem zweiten Weltkrieg wurde Churchill zu Promotionszwecken eingeladen, sein Gemälde von Câmara de Lobos begründete dessen Bekannntheit.

Bald darauf erreichen wir das Spielcasino mit angrenzendem Hotel, einem Bau des brasilianischen Architekten Oscar Niemeyer von 1966, dessen Arbeit wir schon in Le Havre bewundert haben. Hier stand übrigens vorher die Quinta, in der Kaiserin Sissi während ihres Aufenthalts verweilte.

Zuerst machte der europäische Hochadel Madeira als erquicklichen Erholungsort bekannt, bevor dann bald der Geldadel nachzog. Wie schön, dass wir jetzt auch hier sein können.

Und dann endlich, nach knapp 2,5 Stunden und ca. acht Kilometern erreichen wie den Teil Funchals, der auf unserem Gratisstadtplan als Innenstadt vergrößert dargestellt ist.

Câmara de Lobos (Madeira 21)

Es ist ein wahr gewordener Traum, wir sitzen im Dezember bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen auf unserem Balkon, gucken auf die Bucht von Câmara de Lobos und hören dem Atlantik beim Rauschen zu. Die für Funchal vorhergesagte Bewölkung (dort regnete es tatsächlich, erzählte uns die Rezeption) löst sich kurz vor unserem hohen Felsen, der die Bucht umgibt, auf und lässt uns unter einem dauerblauen Himmel sitzen.

Es ist so unglaublich schön hier! Wir erkunden den Ortskern bei einem Rundgang, zunächst den westlichen Teil der Bucht.

Câmara de Lobos erhielt seinen Namen durch eine große Kolonie von Mönchsrobben, die bei der Entdeckung der Bucht gesichtet wurde. Heute erinnert ein Relief aus Schrott an die Namensgeber (eingeweiht im Juni 2019).

Die Steilklippe heißt Cabo Girão (Kap der Umkehr) und ist die zweithöchste Steilklippe der Welt (die höchste in der EU) mit mehr als 500 Metern Höhe, die Angaben schwanken zwischen 560 und 589 m. Unten, fast am Fuß, ist viel Grün zu erkennen. Das sind Terrassenfelder, die seit 2003 mit einer Seilbahn zu erreichen sind. Davor ging die Bewirtschaftung nur per Boot.

Der weitere Rundgang besteht aus Bildern, zum Vergrößern einfach anklicken!

Und nun geht es auf der östlichen Seite um die Bucht herum.

Jetzt sind wir zurück im Ortskern oberhalb des Hafens.