Heute legen wir in Basseterre, der Hauptstadt von St. Kitts and Nevis an. Basseterre ist eine der ältesten Städte in der östlichen Karibik und wurde bereits 1627 von Franzosen gegründet. Wir waren vor sieben Jahren schon einmal hier.

In der Zwischenzeit hat sich am Hafen eine Menge getan, es wurde viel Geld in die Touristenversorgung investiert, denn der Tourismus ist inzwischen die wichtigste Einnahmequelle der Insel.

Vom Hafen aus kommt man zu Fuß nicht weit, das wissen wir noch vom letzten Besuch. Daher haben wir diesmal einen Ausflug in den Regenwald gebucht. Unsere Gruppe wird auf offene Busse verteilt, wobei die Fahrer jeweils auch als Tourguides agieren.
Auf der kleinen Sightseeingtour verstehen wir die vielen Informationen über das Land nur, wenn wir einen Stopp einlegen. Wir sitzen in der ersten Reihe, und der Dieselmotor des Toyotas übertönt den Lautsprecher am rückwärtigen Ende des Busses eindeutig. Das ist aber auch nicht so schlimm, denn die letzen Tage lieferten einen Überfluss an Informationen.

White cattle egris, die sonst die Parasiten von den Kühen picken, beschützen hier auf dem Baum ihre Brut vor den Mangusten, ihren Fressfeinden.

Auf dem Weg kommen wir an einem 400 Jahre alten Mahagoni-Baum vorbei. Die frischen Schnittstellen (eine ist auf dem Foto zu sehen) leuchten tiefrot.

Der hinter der Wolke noch sichtbare Berggipfel ist Mount Liamuiga ein Vulkan und der höchste Gipfel der Insel, ca. 1360 Meter hoch. Man kann ihn besteigen.

Auf diesem Hügel liegt das alte Brimstone Hill Fortress, an der einzigen Stelle, an der man von der Atlantikseite aus auf die karibische Seite zum Anlegen kommen konnte. Jedes Schiff war von weither sichtbar. Es ist das größte Fort, das in der westlichen Karibik erbaut wurde.

Die Früchte des Brotfruchtbaums sind sehr nahrhaft. Der Baum wurde von den Sklavenhaltern zur Ernährung der Sklaven in die Karibik importiert, da er sehr viele Früchte trägt, die satt machen. Dass die Früchte auch eine Menge Steroide enthalten, damit die Sklaven länger arbeiten ohne die Schmerzen zu spüren, ist eine gern wiederholte Legende.

Wir fahren (hier herrscht Linksverkehr) durch Old Road Town, dem Heimatort unseres Guides Sil (sein eigentlicher Vorname ist länger und besteht aus den jeweils ersten Silben seines Vaters und seiner zwei Großväter, witzige Idee). Gefühlt jede zweite Person an der Straße wird hier durch Hupen gegrüßt.

Wir nähern uns unserem Ziel, dem Central Forest Reserve National Park und können schon von weitem einen mehr als 400 Jahre alten Baum sehen (die schön geschwungene Baumkrone in der Mitte des Bildes), der Name geht leider im Getöse des Automotors unter.

Zum National Park gehört alles Land auf der Insel, das mehr als 300 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Der Regenwald versorgt die gesamte Insel mit 65% des benötigten Trinkwassers. Auf unserem Trail müssen wir nicht nur auf die Baumwurzeln, sondern auch auf die Wasserleitungen achten.
Nach einer kurzen restroom Pause geht es los. Bevor der eigentliche hike durch den Regenwald beginnt, sehen wir uns noch einige Überreste der Windfield Estate an. Sie war die erste Zuckerrohrplantage auf der Insel.

Einst führte eine Eisenbahn rund um die Insel und verband die Felder der Plantagen mit der Zuckermühle. Inzwischen wird kein Zuckerrohr (im Hintergrund links am Ende der Schiene) mehr angebaut, die Schienen sind überflüssig geworden und werden nur noch auf der Westseite als Touristenattraktion genutzt.

Lemongrass, kennen wir eigentlich nur als Tee, ist tatsächlich eine Grasart und riecht sehr intensiv zitronig.

Philodendron, bei uns eine Zimmerpflanze, hier mit so großen Blättern, dass die Pflanze auch Elefantenohr genannt wird. Die Blätter kann man gut als Regenschirm bei den kurzen Schauern hier nutzen.



Sandbox Tree, auch Intimidation Tree (Einschüchterungsbaum) genannt, bei Ungehorsam wurden die Slaven an diesen Baum mit seiner stacheligen Rinde gebunden und mit der neunschwänzigen Katze ausgepeitscht. Abgesehen davon ist der Baum giftig. Wenn das Gift durch die Stacheln in den Blutkreislauf gelangt, stirbt man auf lange Sicht. Es bleibt für uns unvorstellbar, wie Menschen mit anderen Menschen umgegangen sind, nur weil sie denen das Menschsein absprachen!

Unser Guide Sil macht seinen Job außerordentlich gut. Welche enormen Kenntnisse er über die Flora und Fauna der Insel hat. Wir hören und sehen wilde Affen im Regenwald. Liebe/r Leser/in dieses Blogeintrags: wer von euch wusste z.B, dass männliche Affen mastubieren und weibliche Affen menstruieren?




Angefüllt mit bemerkenswerten Informationen und tollen Sinneserlebnissen kommen wir zurück und probieren noch einen Saft (meiner ist dunkelrot und schmeckt säuerlich) und ein Stück Kuchen. Im Bus zurück verteilt Sil noch Zuckerrohrstücke zur Stärkung.

Dann geht es mit dem Bus ohne weitere Stopps zurück zum Hafen, wo unser Schiff auf uns wartet. Wir haben diesmal neben einem sehr hässlichen Hochhausschiff festgemacht.
Tschüss, St. Kitts, heute hast du uns gut gefallen!