Viele Häuser haben hier eine Hausmadonna oder ein anderes christliches Motiv an ihrer Fassade, oft auf einem kleinen Absatz in der Hausecke stehend.

Bei dem Haus rechts im Bild steht an der entsprechenden Stelle ein kleiner Elefant. Wie kommt das? Gibt es etwa unter den vielen Heiligen im Katholizismus auch einen, der durch einen Elefanten symbolisiert wird? Aber nein, dies ist ein ganz profaner kleiner Elefant an einem ganz profanen Wirtshaus. Und das kam so:
Im Frühjahr 1629 stellte in Amsterdam der allererste Elefant eine vier Beine auf europäischen Boden. Wie er dorthin gekommen ist, ist nicht überliefert, aber wahrscheinlich wohl mit einem Schiff. Er sollte auf den Jahrmärkten ausgestellt werden und die Massen (und deren Geld) anziehen. Im April war er schon bis Frankfurt am Main gelaufen. Dann ging es für die ganze begleitende Karawane über Nürnberg und durch das Allgäu (Juli) über die Alpen. Im Oktober konnten schließlich die Grazer das „Wunderthier“ bestaunen. Die Karawane bezog für die Zeit Quartier in einem Gasthof in der Murvorstadt. Der Wirt benannte daraufhin seinen Gasthof um in „Zum schwarzen Elefanten“.
Der Elefant wanderte dann weiter Richtung Süden und erreichte im Mai 1630 schließlich Rom. Dort, wie überall, erregte er großes Aufsehen. Der Bildhauer und Architekt Bernini, zu seiner Zeit sehr berühmt, fertigte Studien des Elefanten an. Diese wiederum landeten zunächst in der Schublade, wurden aber 35 Jahre später wieder hervorgezogen. Bernini erhielt nämlich einen besonderen Auftrag.
1665 fand man in einem Klostergarten einen altägyptischen Obelisken, den der Papst auf einem Platz aufstellen lassen wollte, am liebsten zusammen mit einem Elefanten, was auch immer ihn auf diese Idee brachte. Bernini sollte sich etwas passendes ausdenken. Der erinnerte sich an seine Elefanten-Studien in der Schublade und entwarf einen Elefanten, der den Obelisken auf dem Rücken trägt. Ein echter Künstler kümmert die Umsetzung seiner Ideen in die Wirklichkeit nicht unbedingt, und das bisschen Statik kann ja wohl nicht so schlimm sein.

War es aber doch, so musste sich ein Herr Ferrata an die Berechnungen setzten. Zwölf Jahre später konnte das realisierte Projekt endlich auf der Piazza della Minerva in Rom aufgestellt werden. Dort hatten wir den inzwischen berühmten Bernini-Elefanten 2018 schon besucht, wussten aber noch nichts von der Verbindung zu Graz.
Hier behielt der Gasthof seinen Namen und wurde irgendwann sogar zum berühmten Grandhotel Zum Elefanten. 1852 baute der Besitzer auf der anderen Seite ein Wein- und Bierhaus und nannte es zur Unterscheidung „Der kleine Elefant“. So erinnert das steinerne Tier immer noch an den aufregenden Besuch des echten Tieres vor bald 400 Jahren.
Und der echte Elefant? Der fuhr 1631 mit dem Schiff hinüber nach Frankreich, besuchte bestimmt nicht freiwillig viele weitere Orte auf seiner Wanderung Richtung Norden, bis sich seine Spur verläuft. Wahrscheinlich ging es irgendwann wieder auf‘s Schiff Richtung England.