
Das war nun unsere dritte Atlantiküberquerung, und sie war im Februar genauso herausfordernd vom Wetter her wie im Oktober/November. Insgesamt kommen wir trotzdem, wie geplant, sehr viel entspannter und ausgeruhter in den USA an, kein Jetlag wie beim Flug. Die sechs Stunden Zeitunterschied werden gar nicht wahrgenommen. An sechs von neun Tagen wurden die Uhren nachts um eine Stunde zurückgestellt, das fällt dem Organismus nicht auf, wenn man sowieso ausschlafen kann.

Der Transfer zum bzw. vom Schiff weg wird von Cunard sehr gut organisiert. Deren Website-Präsenz ist jedoch noch ausbaufähig, sie ist nicht gut zu handhaben. Wahrscheinlich buchen die meisten Reisenden (überwiegend sehr alte Menschen) ihre Fahrt immer noch über ein Reisebüro oder direkt telefonisch (die Telefone waren voll ausgelastet, die Zeit in der Warteschleife betrug immer mehr als 10 Minuten, als ich vor Reiseantritt mehrmals dort anrufen musste).

Hat es uns nun gefallen? Schwer zu sagen. Das Essen an Bord war überragend gut. Bei allen anderen Dingen müssen wir Abstriche machen. Die Mehrheit der Passagiere sieht das wahrscheinlich anders, also liegt das Problem wohl eher bei uns. Auf der Wikipedia-Seite der QM2 steht „Die Queen Mary 2 ist das Flaggschiff der Cunard-Flotte und erinnert sowohl in ihrem Erscheinungsbild als auch durch die Gepflogenheiten an Bord an die Transatlantikliner des frühen 20. Jahrhunderts.“

Was das wirklich bedeutet, wurde uns erst nach und nach an Bord klar. Und es wurde auch deutlich, dass das nichts für uns ist. Wir möchten uns nicht in einem living museum aufhalten und ständig den Hauch der glorreichen Vergangenheit einatmen müssen. Auf den ersten Blick ist alles sehr elegant, doch schnell fallen die Alterserscheinungen eines knapp zwanzig Jahre alten Schiffs im Dauerbetrieb auf: durchgesessene Polster, nur mäßig gut ausgeführte Reparaturen in der Kabine, Handläufe, die man nicht gern anfasst. Das steht im krassen Widerspruch zum Image des Luxusschiffs, das auf der Website und auf dem Schiff vermittelt wird.

Vielleicht stellt es sich ganz anders in den Bereichen ab Deck 8 dar, wer weiß. Wir waren ja gebucht in der „Brotklasse“ (mit den günstigen Kabinen der dritten und vierten Klasse für die Immigranten aus Europa verdiente Cunard früher das meiste Geld) und durften uns auch nur in den dazugehörigen Restaurants und Promenadendecks aufhalten. Die allermeisten Passagiere buchen die höherpreisigen (und damit auch höherwertigen?) Außenkabinen ab Deck 8. Viele bleiben nach dieser Überfahrt auch an Bord und reisen in die Karibik weiter, 28 Tage Kreuzfahrt von Southampton und zurück (bzw. 32 Tage von und nach Hamburg). Für uns nicht vorstellbar.

In allen Treppenhäusern und Gängen wird auf großen Tafeln die Geschichte der Cunard Line und ihrer großartigen Schiffe und deren großartigen Kapitäne und ihren illustren Gästen dargestellt. Die dargestellte Geschichte endet in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Wie es die Tradition auch gebietet, hängen überall Porträts der königlichen Familie. Ebenso werden Trophäen und Memorabilia ausgestellt. Wir leben inzwischen im 21. Jahrhundert, davon würde man auf dem Schiff nichts bemerken (es sei denn, man kauft das Internet-Paket, das nicht zuverlässig funktioniert).

Die Kellner wechseln zu jeder Mahlzeit ihre Livreen, der Afternoon Tea wird sogar mit weißen Handschuhen serviert. Im Gegensatz dazu steht die Qualität des Services. Die Aufmerksamkeit hängt stark von der Einzelperson ab und ist nicht überall gleich hoch, was manchmal sehr irritiert. Der Afternoon Tea im Queens Room, der jeden Tag um 15:30 Uhr stattfindet, war ernüchternd. Die Sessel stehen eng an eng, die Kellner müssen sich mit ihren Tabletts ordentlich durchquetschen.

Das Essen wird nicht auf Etageren serviert, die Kellner kommen für die einzelnen Gänge mit Tabletts vorbei. Der Tee wird aus großen Kannen nachgeschenkt, wenn denn ein Kellner mit voller Kanne vorbei kommt. Nach jeweils anderthalb Runden mit den drei Tabletts (Sandwiches, Scones, Süßes) wird damit begonnen, die ersten Tische abzuräumen (nach einer halben Stunde). Das Ganze ist in keinerlei Weise stilvoll, sondern eine notwendige Massenabfertigung. Wir waren nur einmal dabei.

Wir möchten nicht noch einmal in einem Museum mit staubigen Traditionen und einer großen geriatrischen Abteilung fahren, wenn es sich nicht vermeiden lässt. Den Atlantik weiterhin mit dem Schiff und nicht mit dem Flugzeug überqueren, wenn es die Zeit zulässt, das wollen wir schon, auch wenn es eine Herausforderung für das Gleichgewichtsorgan darstellt.






































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