Busfahren, ein zweiter Versuch, diesmal nach Calheta (Madeira 22)

Ein Tag mit Dauerregen ist angekündigt, wie gemacht, um einen Museumsbesuch zu machen. (Spoiler: Dort, wo wir uns aufhalten, regnet es nicht einen einzigen Tropfen während des Tages! Es stürmt bei 20 Grad.) Madeiras Museum für zeitgenössische Kunst (MUDAS, Bericht dazu später) befindet sich in Calheta (Bericht dazu auch später), im Westen der Insel, ca. 37 km von Funchal entfernt. Um mit dem ÖPNV zügig dorthin zu kommen, empfiehlt sich ein Bus, der die Schnellstraßen nimmt.

Wie auf dem Kartenausschnitt gut zu sehen ist, liegt Câmara de Lobos südlich der Schnellstraße. Wir müssen also zunächst mit dem lokalen Bus eine gute halbe Stunde nach Funchal hineinfahren, um dort umzusteigen.

Der Busschaffner verkauft uns eine Fahrkarte von seinem Abreissblock, der Busfahrer reißt einen kleinen Teil davon ab, und schon geht es über die kleinen Straßen nach Funchal.

Was sind schon zehn Minuten im Angesicht der Ewigkeit? Der Busfahrer nimmt sich alle Zeit, um Fahrgästen alle Infos zu geben, die sie benötigen. Wir zeigen ihm den Zettel, den die hilfsbereite Dame an der Hotelrezeption uns mitgegeben hat. Dort steht der Ortsteil von Calheta drauf, wo das Museum ist. Sie hat im Vorwege auch extra dort angerufen, um Öffnungszeiten und Zutrittsbedingungen herauszufinden. Am Vorabend waren wir in Câmara de Lobos im kommunalen Testzentrum, um einen Schnelltest zu machen. Der gilt für sieben Tage und mit unseren Impfungen stehen uns nun alle Museen (wird immer kontrolliert) und die Innenräume von Cafés und Restaurants (wird eher nie kontrolliert) offen.

Nach einer Stunde und 45 Minuten kommen wir (trotz der Schnellstraßen) in Vila Calheta an, sollen aber noch nicht aussteigen. Der Busfahrer hat uns nicht vergessen. Es geht die Hügel hinauf, bis das Museum in Sicht kommt. Wir drücken den Halteknopf, der Bus hält, wir wollen aussteigen, aber sie lassen uns nicht. Der Busfahrer fragt, wo wir denn hinwollen. „To the museum!“ antworte ich und zeigt auf das ca. 100 Meter (!) entfernte Gebäude. Sowohl der Busfahrer als auch der Passagier auf der ersten Bank bedeuten uns, uns wieder hinzusetzen. Es sei nicht die richtige Haltestelle! Kaum angefahren stoppt der Bus wieder, und nun dürfen wir endlich aussteigen, direkt gegenüber des Museums. Man läuft hier einfach nicht, wenn es eine Busverbindung gibt.

Am weißen Gebäude ist die Haltestelle, der Neubau des Museums schmiegt sich links davon in den Hang.

Die Rückfahrt später mit dem Bus gestaltet sich wieder nur halb wie geplant. In der Touristinformation fragen wir, wo die Haltestelle für den Rückweg ist. Laut unserem Gesamtbusplan fährt der Bus dort um 17:45 Uhr ab. Auf dem Plan an der Haltestelle steht allerdings 17:30 Uhr. Okay, dann sind wir eben früher da. Der Bus Richtung Funchal (steht auf der Anzeige) kommt, der Busfahrer stempelt das Ticket zusätzlich zum Abreißen ab und informiert uns, dass wir in Ribeira Brava umsteigen müssen. Hm, man fragt sich, warum, wenn er doch nach Funchal fahren soll, steht ja dran. Eine Minute später parkt der Bus rückwärts ein und verkündet eine 10-minütige Pause. So kommen wir der Abfahrtszeit unseres Planes schon näher. Als der Bus dann startet, fährt er zu unserem Erstaunen in die andere Richtung, nämlich wieder nach Westen. Warum nur?

Er fährt von unserer Einstiegsstelle (Bleistiftspitze) die gelben Strecken: erst die ER101 und die ER224 nach Westen hoch in die Lombo-Ortschaften, dann die ER222 komplett bis nach Ribeira Brava. Wir machen eine Inselrundfahrt über die alten Straßen!

Wir schrauben uns auf fast 500 Meter über dem Meeresspiegel hoch und wieder runter und wieder hoch und wieder runter. Manchmal hilft nur noch, die Felsen auf der linken Seite anzugucken und sich am Vordersitz festzuhalten vor lauter Adrenalin. Eine Stunde und 15 Minuten sind wir (erst) in Ribeira Brava, werden vom dortigen Schaffner in den richtigen Bus geleitet und fahren gleich darauf weiter die alten Straßen Richtung Funchal.

Die ER229 führt über Câmara de Lobos, so dass wir ohne den Umweg über Funchal direkt oberhalb des Hafens aussteigen können. Das hatten wir so nicht geplant, sind aber für die Änderung sehr dankbar. Inzwischen ist es noch eine Stunde später und sehr dunkel. Wir sind froh, dass die letzte Fahrt mit dem viel älteren Bus und dem viel jüngeren Busfahrer nun zuende ist. Er fuhr recht rasant; gut, dass wir nur noch die Lichter draußen an den Hügeln bewundert konnten. Aber wir bleiben dabei, mit dem öffentlichen Bus zu fahren, ist interessanter, als mit einem Mietwagen schnell von A nach B zu kommen. Wir haben ja Zeit.

Morgen kommt der zweite Teil des Ausflugs.

Wie wir mit dem Bus nach São Vicente gefahren und in Ribeira Brava gestrandet sind (Madeira 22)

Es ist schon etwas besonders, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in Madeira unterwegs zu sein. Inzwischen können wir verstehen, dass man entweder ein Auto mietet, um irgendwo hinzukommen. Allerdings sind die Straßen meistens so eng und serpentinenmäßig, dass einem schon als Buspassagier schwindelig wird. Oder man bucht eine geführte Tour, um dort anzukommen, wo man ursprünglich hin möchte. Wir mögen aber gern mit dem ÖPNV fahren. Man sieht so ein bisschen mehr von Land und Leuten. Dann muss man auch ungeplante Veränderungen in Kauf nehmen.

Die erste Veränderung beginnt schon an der Bushaltestelle. Wir sind sehr rechtzeitig da (Empfehlung der Hotelrezeption). Ein bordeauxfarben gewandeter Angestellter der Busgesellschaft geht von Wartendem zu Wartender und verkauft Tickets wenn gewünscht. Für unsere Route hat er kein Ticket. Er spricht kein Englisch, wir kein Portugiesisch; trotzdem wird deutlich, dass der Bus, den wir wollen, nicht kommt und wir noch eine gute halbe Stunde länger warten müssen. Der Rest ist für uns nicht zu entschlüsseln.

Als der richtige Bus kommt, bespricht er unseren Zielwunsch mit dem Busfahrer, der uns dann auch das Ticket verkauft. Auch der Busfahrer kann kein Englisch, wir immer noch nicht genug Portugiesisch. Der Bus ist älter und hat auf der linken Seite Dreierbänke, auf der rechten Zweierplätze. Wir machen uns auf einer Dreierbank breit.

Wir fahren in die richtige Richtung, in Serpentinen immer eher bergauf, um die Hügel, Felsen und Schluchten herum und halten alle paar Meter an, um Menschen ein- oder aussteigen zu lassen. Manche der Haltestellen, Paragem, sind für uns nicht als solche zu erkennen. Die Schilder sind klein, oft verwittert und hängen nicht immer an Masten. Man muss die Hand ausstrecken, um dem Busfahrer zu signalisieren, dass man mitfahren möchte. Nach den Bananen wechselt die landwirtschaftliche Bebauung zu Wein. Hier an der Südküste gibt es die Hauptanbaugebiete für Bananen und Wein.

Wir sind ziemlich lang unterwegs und schaffen nur wenige Kilometer, wenn man in Luftlinien denkt. Auf dem nächsten Foto sieht man die neue Schnellstraße unten im Tal. Die nimmt man als Mietwagen mietender Tourist natürlich, um die in den Reiseführern beschriebenen Touren auch in der angegebenen Zeit zu schaffen. Dann wäre man in zwanzig Minuten da, es sind nur ca. 15 Kilometer.

Wir kommen dagegen nach gut einer Stunde Fahrt in Ribeira Brava an. Während der Busfahrt ist noch ein Schaffner in bordeauxfarbener Uniform dazugestiegen und hat unsere Tickets abgeknipst. Der kann wenige Worte auf Englisch. Als alle aus dem Bus gestiegen sind, erklärt er uns, dass der nächste Bus nach São Vicente in etwas mehr als drei Stunden abfahren würde, es aber an diesem Tag keine Möglichkeit für uns geben würde, von dort aus wieder zurück nach Câmara de Lobos oder Funchal zu kommen. Nach einer Weile haben wir es auch tatsächlich verstanden, dass wir hier in Ribeira Brava gestrandet sind. Na dann, dann machen wir doch das Beste daraus. Dazu mehr im nächsten Eintrag.

Der namensgebende Fluß Ribeira Brava