Schönstes Sommerwetter, wir wollen die berühmten Herrenhäuser Gärten besichtigen und beschließen, dorthin zu Fuß zu gehen. Um es schon einmal vorwegzunehmen: Aus einem Spaziergang wird am Ende eine Wanderung von acht bis zehn Kilometern herauskommen. Auf dem Hinweg gehen wir mitten durch die Nordstadt, ein äußerst diverser Stadtteil, was Bebauung und Bewohner angeht.

Für den Rückweg gehen wir zuerst durch den Georgengarten (Foto), dann durch den Prinzen– und den Welfengarten zum Hauptsitz der Uni im ehemaligen Welfenschloss (das nie als Schloss genutzt wurde, da Preussen das Königreich Hannover vor der Fertigstellung annektierte und nach einigen Jahren Leerstand die damalige Technische Hochschule dort unterbrachte). Alle Unigebäude rundherum sind in einem erschreckenden Zustand.
Zurück zu den Kernstücken der Herrenhäuser Gärten (Georgen- und Welfengarten gehören auch dazu), dem Großen Garten (in diesem Blogbeitrag) und dem Berggarten (im nächsten Eintrag). Für die beiden zahlt man Eintritt. Der Große Garten gilt als einer der bedeutendsten Beispiele barocker Gartenkunst in Europa. Das er erhalten ist, ist eher einem Zufall zu verdanken. Viele Fürsten ließen im 18. Jahrhundert ihre Barockgärten komplett umgestalten. Das Königshaus von Hannover regierte in Personalunion das britische Empire, lebte in London und verlor das Interesse am Besitz in Herrenhausen. So blieb das Barocke erhalten, verwahrloste nach Preußens Annexion (s.o.) und wurde nach dem Zweiten Weltkrieg innerhalb von zwanzig Jahren annähernd wieder hergestellt.

Das Schloss wurde im Krieg zerstört, es bestand überwiegend aus Holzfachwerk und brannte komplett ab. Der dänische Architekt Arne Jacobsen entwickelte eine sehr moderne Neugestaltung. Aber das erschien den Verantwortlichen wohl zu gewagt, es wurde nur ein langer Glaskasten (hinter dem Laubengang aus Gußeisen) verwirklicht, Arne-Jacobsen-Foyer genannt. Schade eigentlich.
Vielleicht fehlten auch die finanziellen Mittel. Die Volkswagenstiftung erhielt 2009 einen Erbbauvertrag und ließ daraufhin das Schlossgebäude mit einer rekonstruierten klassizistischen Fassade neu aufbauen. Ob das nun besser aussieht, darüber kann man geteilter Meinung sein. Mir gefällt es nicht, ich habe von dem Gebäude kein einziges Foto gemacht.

Aber es scheint ein beliebtes Foto-Shooting-Motiv für Brautpaare zu sein. Allein während unseres Besuchs sind fünf Paare mit Gefolge unterwegs, um den „schönsten Tag in ihrem Leben“ nachzuerzählen.

Hinein in die Gartenanlage: Die Große Kaskade ist im Krieg unbeschädigt geblieben und zeigt sich im Originalzustand von 1676, geschmückt mit Muscheln, Tropfsteinen und Figuren. Von oben blicken alte griechische Götter und junge europäische Besucher hinunter.
Auch die Grotte blieb unbeschädigt, allerdings ist ihre aufwendige Innendekoration schon vor 250 Jahren abgebaut worden. Als eine ihrer letzten großen Arbeiten schuf Niki de Saint Phalle in den 1970ern die Grotte von innen neu. Ihre Mitarbeiter renovierten sie in den Jahren 2001-2003. Die Grotte besteht aus drei Räumen, die das Leben der Menschen zum Thema haben.




Auch die beiden Tempel des Architekten Louis Rémy de la Fosse am südlichen Ende des 50 Hektar großen Gartens aus den Jahren 1707/08 existieren noch im Original und bekommen gerade einen neuen Außenanstrich.

Zur gleichen Zeit wurde die Große Fontäne erbaut. 1722 erreichte sie das erste Mal eine Höhe von 35 Metern und war damit die höchste Fontäne an einem europäischen Hof. Heute schießt sie 80 Meter in die Höhe.

Das alte Pumpwerk wird dafür nicht mehr benötigt, funktioniert jedoch immer noch und reguliert nun den Stand des sogenannten Graft. Das ist der Wassergraben, der die komplette Anlage von drei Seiten umgibt.
Die acht Sondergärten in der Mitte der Anlage wurden erst nach 1936 angelegt, nachdem die Stadt Hannover die Gärten erworben hatte. Die Hitzewellen in diesem Jahr und der Buchsbaumzünsler haben einigen Gärten so zugesetzt, dass sie nicht mehr fotogen sind. Hier kommen zwei Beispiele:


Wir arbeiten uns weiter vor bis zum Beginn unseres Besuches.



Im nächsten Beitrag folgt der Besuch des Berggartens.











