Zurück nach Florida, nicht ohne Komplikationen, FL, day 36 (USA 2022)

Good bye „Sweet home Alabama“; wir fahren wieder in den Sunshine State zurück. Es war sehr schön hier, leider gab es keinen freien Platz mehr für uns auf dem Campingplatz des state parks. Es weht hier inzwischen ein sehr starker Wind, die Strände sind doppelt rot beflaggt, das bedeutet, sie sind gesperrt. Später hören wir von den Tornado-Warnungen für dieses Gebiet. Gut, dass wir wieder nach Osten fahren und schneller sind als die Stürme.

Alle Menschen, denen wir im Vorwege von unserem Aufenthalt an der Golfküste erzählten, sprachen von den famous Blue Angels der Naval Air Station in Pensacola. Die Blue Angels sind eine Kunstflugstaffel der United States Navy. Auf der Rückfahrt haben wir sie fliegen sehen, in Formationen und allein, sich dabei um die eigene Achse drehend, dass einem schon vom Zugucken schwindelig wird. Sehr beeindruckend, und das waren nur Übungsflüge. Wie dann wohl das Showprogramm aussehen wird.

Interstate 10, Brücke über die Escambia Bay, drei Meilen lang

Die Interstate 10 east bleibt danach langweilig zu fahren. Es dauert schon eine gute Stunde, allein am Gelände der Eglin Air Base (s. Eintrag The Sound of Freedom, day 32) vorbeizufahren. Wir sind guter Dinge, kommen gut voran, und dann plötzlich… Die Motorkontrollleuchte blinkt auf! Sie hört wieder auf, sie beginnt wieder zu blinken. Wie gut, dass wir sowieso an der nächsten rest area Pause machen wollten.

Danach hat der Motor sich leider nicht beruhigt, im Gegenteil, die Kontrollleuchte leuchtet jetzt dauerhaft. Na toll, und heute noch gut 200 Meilen zu fahren. Wir telefonieren mit dem Autovermieter. Die sagen, wir sollen zum nächsten „Autozone“-Geschäft fahren, damit die den Fehler auslesen. Also zwölf Meilen wieder zurück, in DeFunkiak Springs finden wir einen.

Wir erklären die Lage, sie schließen ein kleines Gerät an, wir starten den Motor, sie drucken den Befund aus, wir schicken ein Foto davon nach Peekskill. Dieser Teil gelingt sehr unkompliziert. Eine Zündkerze und eine Zündspule sind defekt. Nach amerikanischen Maßstäben müssten wir jetzt eine Woche warten, bis ein Werkstattplatz frei ist. Unsere Planungen sehen anders aus.

Nach einer halben Stunde des Nachdenkens sagt Peekskill, dass wir eine Flasche Kraftstoffzusatz in den Tank kippen sollen, das passt dann schon für die nächsten paar Hundert Meilen. „Autozone“ verkauft uns zwei Flaschen, eine kippen wir gleich in den Tank. Die nächste kommt beim nächsten Tankstopp mit hinein.

Weiter geht’s, mit einem unglaublich lauten Motorengeräusch und weniger Leistung durch den durchaus sehr hügeligen Florida Panhandle. Es fehlt uns Zeit, dann fahren wir auch noch in eine andere Zeitzone. So kommen wir erst nach Einbruch der Dunkelheit im Stephen Foster State Park an. Wie gut, dass wir hier schon mal waren. So finden wir schnell unseren Übernachtungsplatz und können uns etwas ausruhen nach der neunstündigen Fahrt. Wir sind ziemlich angep….!! Mal sehen, was der morgige Tag bringen wird.

Werkstattbesuch in Peekskill, NY, day 14/15 (USA 2022)

Wir fahren mal eben mit dem Wagen in die Werkstatt. Ein bisschen dumm ist nur, dass sie 880 Meilen (knappe 1500 km) entfernt ist und im kalten Norden liegt. Dafür verfügt sie über Mechaniker, die das Motorhome und dessen Elektrik kennen. Und vor allem gibt es dort ein Tauschfahrzeug, falls die Reparatur zu lange dauern würde.

Wir wollen allerdings so wenige von unseren Urlaubstagen wie möglich dafür verbrauchen. Der Plan ist folgender: wir fahren einen Tag früher von Tybee Island los, weil wir damit rechnen, dass der Verkehr am Sonntag in den zu durchquerenden Ballungsräumen geringer sein wird. Wir fahren durch, damit das Motorhome am Montag repariert bzw. getauscht wird. Und am selben Tag fahren wir wieder Richtung Süden, um drei Übernachtungen später in Florida zu sein.

Geplant und umgesetzt. Unsere letzte Übernachtung auf Tybee Island übernimmt unsere Platznachbarin, mit der wir uns ein bisschen angefreundet haben. Der folgenden Platz in Jacksonville, den wir für drei Tage reserviert hatten, wird storniert. Die anschließende Reservierung für den nächsten Platz halten wir. Wir haben jetzt vier Tage Zeit, um dann in der Nähe von Orlando anzukommen.

Sonntagmorgen um 8 Uhr starten wir, tanken voll und ab geht es über die Brücke von Georgia nach South Carolina, zuerst auf dem US Highway 17, dann immer die Interstate 95 Richtung Norden.

Ungefähr alle zweieinhalb Stunden wechseln wir uns beim Fahren ab, der Tank wird mehrmals am Tag aufgefüllt. Die Kreditkarte ächzt, sie wird bald nicht mehr vom Tankautomaten akzeptiert. Ich muss dann drinnen eine Tankmenge festlegen und den Beleg dafür unterschreiben.

Der Verkehr ist vormittags tatsächlich sehr gering. Uns fallen die Menschen auf den Autobahnbrücken auf. Sie winken, schwenken die Flagge der USA, große Fahnen von Trump, den sie für den wahren Präsidenten halten, und halten Banner in die Höhe. Eine kleine Google-Recherche ergibt, dass sie den People‘s Convoy von Truckern unterstützen, die sich seit Tagen unterwegs nach Washington D.C. sind, um gegen die Covid-19-Maßnahmen zu protestieren, welche aber in fast allen Staaten bereits zurückgenommen worden sind.

Die Republikaner unterstützen diese Aktion natürlich. Die Trucker wollen die Autobahnringe um Washington blockieren, um für ihre Freiheit einzutreten, die sie durch die Maßnahmen der Regierung massiv bedroht sehen. Geht’s noch? Aber erst einmal müssen sie ja dahin kommen. Am späten Nachmittag überholen uns einige Teilnehmer, noch sind wir in Virginia; North Carolina haben wir da schon hin uns gelassen.

Wir erreichen gegen 19 Uhr eine rest area südlich von Washington. Die elf Stunden Fahrt mit vielen gefüllten Brücken, drei Tankstopps (einem davon mit Tankwart, sehr angenehme Erfahrung) und einem BurgerKing-Aufenthalt zusammen mit jungen Paaren, die Waffe und Bowie-Messer am Gürtel tragen, sind dann doch stressig. Der Wochenend-Rückreiseverkehr Richtung Norden ist dicht. Wir trinken einen Tee und legen uns dann hin. Hier dürfen wir uns insgesamt acht Stunden ausruhen. Wir schlafen (mehr oder weniger) vier Stunden, essen dann noch etwas und machen uns um ein Uhr nachts wieder auf die Socken. Wir wollen keineswegs in einem eventuellen Stau, den die Trucker rund um Washington verursachen wollen, stecken bleiben.

Wir fahren ohne Probleme durch den Großraum Washington/ Baltimore/ Philadelphia und erreichen vor dem Einsetzen des morgendlichen Berufsverkehrs den Großraum Jersey/ New York City. Eigentlich wird unsere Fahrt nur durch die Mautstellen auf dem New Jersey Turnpike und dem Garden State Parkway und vom Tanken unterbrochen.

Die Benzinpreise sind in den letzten Tagen sprunghaft angestiegen (und steigen weiter, je weiter wir nach Norden kommen). Wir vertanken mehr als $400 auf dieser Fahrt, das Geld erhalten wir aber zurück (und auch das Geld für die Rückfahrt in den Süden).

Um acht Uhr morgens (24 Stunden nach dem Start) rollen wir in Peekskill auf den Hof, um 8:10 Uhr wird der Wagen in die Garage gefahren, um 8:15 Uhr gehen wir erst einmal frühstücken. Auf Empfehlung landen wir beim Burger Diner und essen ein üppiges Frühstück (alles auf dem Foto für eine Person) mit Kaffee ohne Ende, unsere erste Mahlzeit nach mehr als zwölf Stunden.

Zur Verdauung gehen wir noch ein bisschen spazieren. Es ist kühl hier, bestimmt 15 Grad kälter als auf Tybee Island gestern noch.

In der Werkstatt haben sie den kaputten Spannungsumwandler schon ausgetauscht. Glücklicherweise lag ein neuer und passender im Lager. Nun werden wir doch mit diesem Motorhome weiterfahren und brauchen keinen Ersatzwagen. Dabei hatten wir etliches schon in Tüten verpackt, damit das Umladen schneller vonstatten gehen würde.

Unsere Mängelliste, die wir vor knapp einer Woche empört gemailt hatten, wird so weit es geht abgearbeitet. Wir erhalten unsere Auslagen in bar auf die Hand und viereinhalb Stunden später (12:30 Uhr) rollen wir wieder vom Hof und starten erneut Richtung Süden. Die Interstate 95 wollen wir aber nicht ein drittes Mal befahren, das wird dann doch zu langweilig. Wir entscheiden uns für eine andere Strecke, dazu im nächsten Blogbeitrag mehr.

Tybee Island – Ankommen, GA, day 8-10 (USA 2022)

Die Fahrt von Myrtle Beach nach Tybee Island verläuft ohne Komplikationen, wenngleich auf einer anderen Strecke als gedacht. Man darf einfach nicht zu viele Optionen ins Navigationsgerät eingeben.

Auf dem Weg halten wir an dem Geschäft der Carolina Cider Company an. Die kannten wir schon vom letzten Mal. Hier gibt es richtig guten Obstsaft und Konfitüre ohne Zusatzstoffe zu kaufen. Wir haben ja einen großen Kühlschrank an Bord.

Dann geht es weiter, in Savannah kaufen wir noch einmal Lebensmittel ein, damit wir das Wohnmobil möglichst nicht von der Insel wegbewegen müssen. Hinter Savannah geht es über viele Brücken den Highway 80 bis nach Tybee Island.

River’s End Campgound liegt am nördlichen Ende der Insel. Es ist, als kämen wir nach Hause. Und alles ist (fast) so wie beim letzen Mal vor sechs Jahren. Sogar einige Mitarbeiterinnen sind noch hier, die sich freuen, uns wieder zu sehen.

Auch am Strand ist es wieder wunderbar, auch wenn es noch kalt und windig ist. Der Leuchtturm steht natürlich immer noch so da, wie vor 230 Jahren. Der ursprüngliche Turm wurde bereits 1736 erbaut, als erstes öffentliches Gebäude überhaupt in Georgia. Heute ist er einer der berühmtesten Leuchttürme an der Ostküste der Vereinigten Staaten.

Das Wetter verbessert sich in den nächsten Tagen deutlich, unser Verhältnis zum motorhome dagegen nicht. Zum ersten Eindruck eines ramponierten Inneren gesellen sich diverse andere Mängel, die nach und nach zu einer mittleren Katastrophe kumulieren. Zuerst wollen wir die Markise ausfahren. Wir haben das Vorgehen bei der Einweisung kurz gezeigt bekommen. Da wir es nicht wirklich hinbekommen, holen wir uns Hilfe von den camping hosts, Freiwilligen, die auf dem Platz arbeiten und im Gegenzug verbilligt stehen dürfen. Dann ist die Markise ausgefahren, sieht ganz prima aus, obwohl die hosts schon leise über die Qualität fluchen.

Leider rauscht uns die eine Seite sofort wieder ab, als ich auf die Toilette gehe. Eine kleine Schaukelbewegung des Autos und schon rutscht der Sicherungsbolzen aus seiner Verankerung. Da sich die eine Seite nicht sichern lässt, brauchen wir sicherheitshalber alles wieder ab und verzichten lieber auf Schatten. Wir sind ziemlich sauer und schicken eine lange Mängelliste an den Verleiher. Darauf kommt natürlich keine Antwort. Am Abend lässt sich das Licht nicht einschalten, der Strom ist weg. Nach einer kleinen Panikattacke schalten wir die Hilfsbatterie ein und haben wieder Strom. Noch wissen wir nicht, was das für Konsequenzen haben wird. Glücklicherweise!

Am nächsten Tag entspannen wir uns und lesen viel. Am Strand gibt es einen kleinen Bücherschrank, und auch im Regal des Campgrounds werden wir fündig.

Abends geht es ins Kino. Im Tybee Post Theater steht Spiderman: no way home auf dem Programm. Es gibt salziges Popcorn und Cola zum sehr unterhaltsamen Film.

Wir freuen uns, dass wir wieder hier auf der Insel sind. Wir sind für eine Woche eingebucht, anschließend wird es nach Florida weitergehen.

Auf dem Weg in den Süden, day 1-2 (USA 2022)

Das Wohnmobil, ein Winnebago Chalet Baujahr 2009, das wir per Fotos für zwei Monate gemietet haben, entpuppt sich als reichlich abgewohnt und zerschlissen. So würde ein dreizehn Jahre altes Wohnmobil bei uns niemals aussehen und auf keinen Fall vermietbar sein. Nach dem ersten Schock sagen wir uns, egal, günstig, geräumig, viel Platz in den Schränken, robust, wie sich später auf den schlechten Straßen zeigen wird.

Wir bekommen vom Verleiher zunächst einen kleinen PKW, um einkaufen zu fahren, was wir äußerst nett finden. Denn die amerikanische Entfernungsangabe „es ist gleich um die Ecke“ entpuppt sich als Trip von 3-4 Meilen hin und wieder zurück (macht ca. 11 km, zu Fuß nicht zu machen). Beim Einkaufen der Lebensmittel wird uns wieder deutlich, wie viel Geld man ausgeben muss, um halbwegs gute Produkte zu bekommen. Wie gut, dass wir Kreditkarten haben, da sieht man die Menge Geld nicht so sehr wie bei Geldscheinen. Der Shop Rite, bei dem wir schon vor sechs Jahren unsere ersten Einkäufe getätigt haben, hat sein Angebot enorm ausgeweitet. Das freut uns.

Nun benötigen wir nur noch eine neue SIM-Karte. Das Datenvolumen unserer Mobiltelefone war schon nach wenigen Minuten Aufenthalt in New York aufgebraucht. Wir kommen bei AT&T vorbei und lassen in Kays Telefon eine Simkarte einsetzen mit unlimited data. Das geht alles nicht so schnell. So sind wir erst nach den Bürozeiten wieder am Wohnmobil. Die erste Nacht verbringen wir auf dem Hof der Verleihstation. Am nächsten Tag soll es nach der Einweisung und dem Papierkram zügig Richtung Süden gehen.

Daraus wird dann nichts. Am nächsten Morgen ist der Papierkram zwar schnell erledigt. Doch die Telefon-Internet-Situation läuft nicht wie gewünscht. Kays Telefon kann mit der SIM-Karte zwar telefonieren, aber keine mobilen Daten erhalten. Letztere sind extra unbegrenzt gebucht, da unbedingt notwendig. Das Telefon soll u.a. auch als Navigationsgerät dienen. Wir bekommen noch einmal das kleine Auto ausgeliehen, um wieder zu AT&T zu fahren.

Nach drei Stunden im Shop, Daniel an dieser Seite des Servicetelefons, Daryll an der anderen, mehrere Mobiltelefone in Arbeit, SIM-Karte in Kays, meins, das einer Angestellten gesteckt, musste am Ende festgestellt werden, dass die AT&T-Karte nicht mit unseren iPhones harmoniert. Und niemand weiß warum nicht. Wir müssen ein Android-Gerät für 105$ kaufen, damit die SIM-Karte laufen kann. So nervig! Als wir wieder zurück beim Verleiher sind, sagten sie uns, dass sie auf ihren iPhones nur Verizon-SIM-Karten haben. Diese Info hätten wir sehr gern schon einen Tag vorher gehabt!!

Nachdem auch die letzten Dinge erledigt sind, kommen wir erst gehen halb drei Uhr nachmittags los, fahren rechts des Hudson Rivers, der wirklich sehr breit ist, den Highway 9 hinunter und überqueren den Fluss bei Tarrytown. Dann geht es weiter auf der New-Jersey-Seite auf den Garden State Parkway hinunter. Inzwischen setzt der Feierabendverkehr ein, wir fahren langsam mit vielen anderen bis zur Interstate 95 south, dem New Jersey Turnpike.

Hier fahren jeden Tag sehr viele Menschen, die möglichst zügig von A nach B kommen wollen. Wahrscheinlich sind deshalb viele Strecken mautpflichtig. Ein teures Vergnügen, aber wir wollen möglichst zügig weiter südlich sein. Außer bei einer Mautstelle können wir überall sonst mit Bargeld bezahlen. Langsam an das Häuschen heranfahren, die Summe wird vor uns auf einem Display angezeigt und dann das Geld, es muss nicht die exakte Summe sein, dem freundlichen Menschen im Häuschen geben. Einmal werden wir gefilmt (langsam fahren, Scheibenwischer ausschalten), die Rechnung kommt per Mail und wir werden sie am Ende bei der Verleihstation bezahlen). Das letzte Mal müssen wir eine Karte ziehen, auf der eine Markierung eingeschnitten wurde. Die geben wir an der Ausfahrt von der Interstate ab und müssen für die dann gefahrene Strecke zahlen.

Wir übernachten in Clarksboro. Das liegt zwar südlich von Philadelphia, gehört aber noch zu New Jersey. Weniger als 200 Meilen südlich vom Ausgangspunkt, dafür mit mehreren Hundert Dollars weniger auf dem Konto, dafür mit etlichen Erfahrungen mehr übernachten wir die erste Nacht auf einem campground.