In Funchal und Umgebung gibt es viele tolle Gärten, die man besichtigen kann, die meisten nur gegen Eintritt. Die Quinta Magnólia kostet keinen Eintritt, da die Anlage eine öffentliche Freizeiteinrichtung mit Sportanlagen (Tennis und Squash, ein putting green), Kinderspielplatz, Cafeteria, unterschiedlichen Gärten und Wegen ist. Nach der Renovierung 2019 befindet sich im Haupthaus eine neue Galerie für Kunst mit wechselnden Ausstellungen.
Erbaut wurde die Quinta Anfang des 19. Jahrhunderts von Howard March, einem amerikanischen Kaufmann und Konsul, bevor sie in den 1930er Jahren vom British Country Club übernommen wurde. 1980 übernahm die Regionalregierung das Gebäude und machte Garten und Park der Öffentlichkeit zugänglich. Zeitweise befand sich hier die Hotelfachschule, in die man Punkt 13 Uhr zum Mittagessen erscheinen konnte. Die sogenannte Ausländerbibliothek, die hier laut Reiseführer sein soll, konnten wir nicht finden. Es gab oder gibt hier aber eine Bibliothek für Fremdsprachen. Der Rosengarten ist nach der ehemaligen Leiterin der Bibliothek benannt worden.
Im Januar blühen noch einige Rosen.
Im August 2019 wurde die gesamte, ca. 40.000 Quadratmetern große Anlage nach einer umfassenden Renovierung wieder eröffnet.
Der weitläufige Rasen bedeckt einen Großteil der Quinta.
Im Januar blüht nur etwa ein Drittel der Pflanzenarten auf Madeira, die im Mai zum berühmten Blumenfest in Blüte stehen, aber einige Blumen finden wir zum Fotografieren.
Hibiskus, glaube ichStrelizieAloe Vera im Vordergrund
Am beeindruckendsten sind allerdings die zum Teil sehr alten, exotischen Bäume, von denen wir einige in wesentlich kleinerer Ausgabe aus den heimischen Wohnzimmern und Wintergärten kennen. Wie alt wohl einige Exemplare sind, bei der Höhe und der Stammdicke?
Weihnachtsstern (Euphorbia pulcherrima) als teilweise laubabwerfender kleiner BaumLorbeerbaum, diese Bäume bedeckten früher einen Großteil der InselAfrikanischer Tulpenbaum (Spathodea campanulata)Schotia (Schotia brachypetala), eine Unterarten der JohannisbaumgewächseKanarischer Drachenbaum (Dracaena draco), sehr altSagopalmfarn (Cycas circinalis), sehr, sehr altBaumfarn (Cyatheales)Schraubenbaum (Pandanus utilis)
Im Haupthaus gibt es eine Ausstellung (O Espólio) mit Werken des madeirischen Künstlers António Aragão (1921-2008). Hinein geht es nach dem bereits bekannten Procedere (Impfnachweis, Testergebnis, Fieber messen).
Dann schaltet die Aufsicht erst einmal alle Lampen ein und geht mit uns nach oben. Wir besichtigen die Exponate von Raum zu Raum, die Aufsicht folgt uns ebenfalls von Raum zu Raum.
eine ganz kleine Auswahl aus dem sehr abwechslungsreichen und interessanten Œuvre
Am Ende gehen wir wieder nach unten, und die Aufsicht schaltet alle Lampen wieder aus. Der Mann, der sie unten am Tresen vertreten hat, bittet uns, etwas ins Gästebuch zu schreiben. Er kann ein paar Wörter auf deutsch, da er wohl an einem Austauschprogramm in der DDR teilgenommen hatte. So genau ist es aufgrund des starken Akzents im Englischen nicht zu verstehen.
Am Abend findet noch ein soziales Event statt, irgendetwas mit Bezug zum Motorsport. Es wird entsprechend aufgebaut.
Der seit gut einer Woche die Insel umbrausende Sturm hat sich endlich verzogen. Irgendwann hat man alle atemberaubend hohen Brecher mehrmals fotografiert. Auf unseren Spaziergängen entlang der Küste zur Praia Formosa nahmen wir zwischenzeitlich die Regenjacken mit, gegen die über die Wege schlagenden Brecher und gegen den Wind an den Außenplätzen des Cafés.
Der Sturm hat an der Praia Formosa ordentlich Strandsubstanz mitgenommen und eine richtig hohe Abbruchkante hinterlassen.
10.01.202221.01.2022Praia Formosa, Funchal
An Baden im Atlantik war in der letzten Woche nicht zu denken. Andere Strandgänger haben die Chance genutzt, aus dem Treibgut etwas zu bauen und zu ergänzen.
20.01.202221.01.2022Finde die Unterschiede!
Es blieb die ganzen Tage trotz heftigen Sturms warm bei 19 Grad. Die Einheimischen bleiben dabei, es ist Winter und wirklich kalt, sie tragen Pudelmützen. Doch jetzt können wir seit zwei Tagen wieder auf der Außenterrasse des Hotels frühstücken, den Sekt in der Sonne genießen und anschließend die Sonnenliegen am Pool nutzen. Das Thermometer steigt wieder und der Wind schläft ein. Das Wasser im Pool ist allerdings noch eiskalt.
Hotel Pestana Churchill Bay
Auch die Fischer lassen ihre Boote wieder ins Hafenbecken und fahren hinaus zum Fischen. Andere bleiben an Land und schneiden Napfschnecken (patella candei) von den nun wieder zugänglichen Felsen im Hafenbecken. Die lapas (auf portugiesisch) stehen in allen Restaurants als Vorspeise auf den Speisekarten. Man isst sie wie Austern. Wir haben uns noch nicht an sie heran angetraut.
an der Bucht von Câmara de Lobos
Es gibt auch wieder Sonnenuntergänge zu sehen. Sie sind jedoch noch nicht wieder so schön wie im Dezember.
Freitag Sonnabendam Strand von Câmara de Lobos, gegen halb sieben Uhr abends
Die Stadt Funchal veranstaltete in den Jahren 1966 und 1967 Wettbewerbe für plastische Kunst. Die dort eingereichten Kunstwerke bildeten den Kernbestand einer zunächst städtischen Sammlung, die mit weiteren Ankäufen der Regionalregierung seit 1986 in der Quinta Magnólia in Funchal ausgestellt wurden. 1992 zog die Sammlung in die von der Militärverwaltung übernommen Festung São Tiago um, das Museum für zeitgenössische Kunst wurde gegründet. 2015 zog das Museum in den bereits 2004 eingeweihten und preisgekrönten Neubau von Pablo David in Calheta ein.
Das Bauprojekt umschloss damals nicht nur den spektakulären Neubau, sondern auch die Renovierung des vorhandenen Gebäudes aus dem 16. Jahrhundert, das bereits als Haus der Kultur genutzt wurde.
Mit dem Neubau steht nun eine überdachte Fläche von 12.000 Quadratmetern für die Kunst zur Verfügung. Man nähert sich dem Eingang des Museums quasi vom Dach aus und hat das Gefühl, hoch über dem Atlantik zu schweben.
Die einzelnen, als Kuben gestalteten Ausstellungsräume sind mit Basalt verkleidet und bilden die oberste (Erdgeschoss) von insgesamt vier Etagen (werden mit einem – davor bezeichnet: -1 etc.). Sie erinnern an die tiefen Schluchten, von denen es hier auf der Insel viele gibt.
Wir zeigen unsere Impfnachweise und Schnelltests vor, bekommen Fieber gemessen, zahlen 4€ Eintritt pro Person und bekommen zwei Sonderausstellungen, einen Einblick in die ständige Sammlung, großartige Räume und spektakuläre Ausblicke zu sehen. Alle Eindrücke sind im folgenden thematisch zusammengefasst.
Film Noir, 2007The perfect home, 2019American Landscapes, 2004Untitled Broken Alice, 2014Close, 2001, Video Installation 142 Silicone Leftovers, 2013(Un)disclosed: Sonderausstellung mit Werken von Julião Sarmento (1948-2021), portugiesischer Maler und Multimediakünstler2 of a kindUntitled, 2019Invisible, 2017Bearbeitung der vorhandenen Pfeiler, 2021Box, 2021Formas Encontradas: Sonderausstellung mit Werken von Sandra Baía (1968-), Künstlerin aus LissabonInnenräumeAusblickeAußenansichten
Der Besuch ist die lange Anreise per Bus definitiv wert gewesen, ein tolles Gebäude mit spannenden Exponaten. Das Herrenhaus ist leider geschlossen, als wir wieder an die Erdoberfläche zurückkehren. Dann machen wir jetzt eine Mittagspause. Unsere Hotelküche hat uns extra ein Lunchpaket für den Ausflug zusammengestellt, mit Kakao, Sandwiches, Eiern, Bananen und Apfel und zwei kleinen süßen Törtchen. So nett und so lecker, da stört auch der stürmische Wind nicht beim Verzehr.
Calheta ist als Badeort und für die vielfältigen Wassersportarten bekannt. Bei unserem Besuch im Januar ist davon natürlich nicht viel zu sehen. Die Schiffe in der Marina dümpeln so vor sich hin. Ein einsamer Surfer versucht, den Sturmböen zu trotzen. Wasser und Luft haben beide ähnliche Temperaturen um 20 Grad herum, also baden auch (wenige) Menschen.
Damit hier an der schroffen Küste überhaupt ein Badeort entstehen konnte, musste eine Menge bewegt werden. Für die beiden Badebuchten wurden zunächst zwei Molen gebaut, bevor die Strände angelegt werden konnten. Der Sand dafür kam aus Marokko (Saharasand) und vom portugiesischen Festland. Madeira selbst hat keine natürlichen Sandstrände. Auf der Promenade zwischen beiden Buchten stehen im Sommer die Sonnenliegen, in Coronazeiten sind die Standorte mit blauen Abstandspunkten genau markiert.
Im Hintergrund schließt sich die Marina mit Restaurants und Servicegebäuden an. Den Abschluss bildet ein kleiner Park, unter dem sich eine große Tiefgarage für die sommerlichen Badegäste von weiter her befindet. An der Küste gibt es nur zwei große Hotels und einen unglaublich gut sortierten Supermarkt.
Der alte Ortskern zieht sich entlang der wasserführenden Schlucht Ribeira da Calheta in die Höhe. Die Zeiten des wirtschaftlichen Erfolgs mit Zuckerrohr sind schon sehr lange vorbei. Zuckerrohr wurde im 15. Jahrhundert von Sizilien aus nach Madeira eingeführt, da hier ideale Bedingungen für den Anbau herrschten.
Die gesamte Bevölkerung profitierte schnell vom wirtschaftlichen Erfolg. In den Kirchen kann man den damaligen Reichtum noch erkennen. Heute gibt es nur noch sechs arbeitende Zuckermühlen auf der Insel, eine davon steht in Calheta. Als es mit dem Zuckerrohranbau immer mehr bergab ging, schlossen sich hier mehrere kleine Mühlen (Engenhos) genossenschaftlich zur Sociedade dos Engenhos da Calheta zusammen.
Die Zuckermühle, man kann sie besichtigen, arbeitet immer noch mit den alten Maschinen, die inzwischen aber nicht mehr mit Dampf, sondern mit Strom betrieben werden.
Die Ernte und Verarbeitung findet zwischen Mitte März und Ende April statt. Anschließend wird Zuckerrohrschnaps/Rum und Sirup hergestellt. Der durchsichtige Zuckerrohrschnaps aguardente wird durch Reifung in Holzfässern zu Rum, dem einzigen Rum, der in Europa hergestellt wird.
In der Probierstube kann man gegen ein kleines Entgelt probieren und bei Gefallen auch kaufen. Den Rum kennen wir schon, er ist exzellent, wenn er viele Jahre gereift ist. Der Aguardente, man kann das Wort als Feuerwasser übersetzen, macht seinem Namen alle Ehre. Er riecht nicht gut und schmeckt noch schlimmer. Der Zuckerrohrsirup ist Bestandteil des bolo de mel, die uns so gut schmecken. Wir nehmen beides mit, den Alkohol lassen wir hier.
In einem Schauraum, sie nennen es Museum, werden Geräte ausgestellt, die während der verschiedenen Phasen der Ernte und Verarbeitung genutzt werden. Ein Film erzählt die Geschichte der Mühle.
Heutzutage dominiert nicht mehr der Zuckerrohranbau, sondern Weizen- und Weinanbau. Die kleinen weißen Bauten zwischen den Weinstöcken auf dem zweiten Foto sind ehemalige Zweckbauten und dienen nun als Zimmer des Naturhotels Socalco. Im Bildvordergrund wachsen Mandarinen.
Gleich neben der Zuckermühle steht die Igreja do Espírito Santo aus dem 15. Jahrhundert (um 1430), eine der ersten Kirchen, die auf Madeira gebaut wurden. Wie die Kathedrale in Funchal findet sich hier in der Deckengestaltung der maurische Baustil wieder, der auch auf der iberischen Halbinsel zu finden ist.
Das jetzige Aussehen stammt aus dem 18. Jahrhundert.Die Holzdecken im Kirchenschiff und im Altarraum ist im mudujar-Stil gestaltet.Die sakralen Gegenstände auf dem Altar sind Repliken, die Originale stehen im Museum.Die portugiesischen Fliesen stammen aus dem 18. Jahrhundert.Die große Holzskulptur des „Letzten Abendmahls“ in Lebensgröße datiert aus dem 17. Jahrhundert.Igreja do Espírito Santo, Calheta
Ein Tag mit Dauerregen ist angekündigt, wie gemacht, um einen Museumsbesuch zu machen. (Spoiler: Dort, wo wir uns aufhalten, regnet es nicht einen einzigen Tropfen während des Tages! Es stürmt bei 20 Grad.) Madeiras Museum für zeitgenössische Kunst (MUDAS, Bericht dazu später) befindet sich in Calheta (Bericht dazu auch später), im Westen der Insel, ca. 37 km von Funchal entfernt. Um mit dem ÖPNV zügig dorthin zu kommen, empfiehlt sich ein Bus, der die Schnellstraßen nimmt.
Wie auf dem Kartenausschnitt gut zu sehen ist, liegt Câmara de Lobos südlich der Schnellstraße. Wir müssen also zunächst mit dem lokalen Bus eine gute halbe Stunde nach Funchal hineinfahren, um dort umzusteigen.
Der Busschaffner verkauft uns eine Fahrkarte von seinem Abreissblock, der Busfahrer reißt einen kleinen Teil davon ab, und schon geht es über die kleinen Straßen nach Funchal.
Maske tragen ist obligatorisch im Bus.Der lokale Bus ist wirklich schon sehr alt.Von der Bleistiftspitze immer auf der untersten roten Linie entlang bis an den rechten Bildrand.In Funchal kaufen wir die Tickets nach Calheta und zurück in der kleinen Hütte (Cabine) links im Bild.Interessanterweise sehen beide Tickets identisch aus. Das für die Rückfahrt wird entsprechend gestempelt.Der Überlandbus, der uns dann in den Westen fährt, via Rapida, ist sehr neu und fährt fast pünktlich ab.
Was sind schon zehn Minuten im Angesicht der Ewigkeit? Der Busfahrer nimmt sich alle Zeit, um Fahrgästen alle Infos zu geben, die sie benötigen. Wir zeigen ihm den Zettel, den die hilfsbereite Dame an der Hotelrezeption uns mitgegeben hat. Dort steht der Ortsteil von Calheta drauf, wo das Museum ist. Sie hat im Vorwege auch extra dort angerufen, um Öffnungszeiten und Zutrittsbedingungen herauszufinden. Am Vorabend waren wir in Câmara de Lobos im kommunalen Testzentrum, um einen Schnelltest zu machen. Der gilt für sieben Tage und mit unseren Impfungen stehen uns nun alle Museen (wird immer kontrolliert) und die Innenräume von Cafés und Restaurants (wird eher nie kontrolliert) offen.
Nach einer Stunde und 45 Minuten kommen wir (trotz der Schnellstraßen) in Vila Calheta an, sollen aber noch nicht aussteigen. Der Busfahrer hat uns nicht vergessen. Es geht die Hügel hinauf, bis das Museum in Sicht kommt. Wir drücken den Halteknopf, der Bus hält, wir wollen aussteigen, aber sie lassen uns nicht. Der Busfahrer fragt, wo wir denn hinwollen. „To the museum!“ antworte ich und zeigt auf das ca. 100 Meter (!) entfernte Gebäude. Sowohl der Busfahrer als auch der Passagier auf der ersten Bank bedeuten uns, uns wieder hinzusetzen. Es sei nicht die richtige Haltestelle! Kaum angefahren stoppt der Bus wieder, und nun dürfen wir endlich aussteigen, direkt gegenüber des Museums. Man läuft hier einfach nicht, wenn es eine Busverbindung gibt.
Am weißen Gebäude ist die Haltestelle, der Neubau des Museums schmiegt sich links davon in den Hang.
Die Rückfahrt später mit dem Bus gestaltet sich wieder nur halb wie geplant. In der Touristinformation fragen wir, wo die Haltestelle für den Rückweg ist. Laut unserem Gesamtbusplan fährt der Bus dort um 17:45 Uhr ab. Auf dem Plan an der Haltestelle steht allerdings 17:30 Uhr. Okay, dann sind wir eben früher da. Der Bus Richtung Funchal (steht auf der Anzeige) kommt, der Busfahrer stempelt das Ticket zusätzlich zum Abreißen ab und informiert uns, dass wir in Ribeira Brava umsteigen müssen. Hm, man fragt sich, warum, wenn er doch nach Funchal fahren soll, steht ja dran. Eine Minute später parkt der Bus rückwärts ein und verkündet eine 10-minütige Pause. So kommen wir der Abfahrtszeit unseres Planes schon näher. Als der Bus dann startet, fährt er zu unserem Erstaunen in die andere Richtung, nämlich wieder nach Westen. Warum nur?
Er fährt von unserer Einstiegsstelle (Bleistiftspitze) die gelben Strecken: erst die ER101 und die ER224 nach Westen hoch in die Lombo-Ortschaften, dann die ER222 komplett bis nach Ribeira Brava. Wir machen eine Inselrundfahrt über die alten Straßen!
Über die kleine weiße Brücke da vorne soll es gehen, wenn kein Gegenverkehr kommt.Der Bus in die Gegenrichtung passt so eben an uns vorbei!Da hinten waren wir gerade noch.
Wir schrauben uns auf fast 500 Meter über dem Meeresspiegel hoch und wieder runter und wieder hoch und wieder runter. Manchmal hilft nur noch, die Felsen auf der linken Seite anzugucken und sich am Vordersitz festzuhalten vor lauter Adrenalin. Eine Stunde und 15 Minuten sind wir (erst) in Ribeira Brava, werden vom dortigen Schaffner in den richtigen Bus geleitet und fahren gleich darauf weiter die alten Straßen Richtung Funchal.
Die ER229 führt über Câmara de Lobos, so dass wir ohne den Umweg über Funchal direkt oberhalb des Hafens aussteigen können. Das hatten wir so nicht geplant, sind aber für die Änderung sehr dankbar. Inzwischen ist es noch eine Stunde später und sehr dunkel. Wir sind froh, dass die letzte Fahrt mit dem viel älteren Bus und dem viel jüngeren Busfahrer nun zuende ist. Er fuhr recht rasant; gut, dass wir nur noch die Lichter draußen an den Hügeln bewundert konnten. Aber wir bleiben dabei, mit dem öffentlichen Bus zu fahren, ist interessanter, als mit einem Mietwagen schnell von A nach B zu kommen. Wir haben ja Zeit.
Eigentlich mag ich gar nicht so gerne Bananen essen. Es gab wohl vor Jahren zuviele davon in einem viel zu reifen Zustand. Aber wie schon öfter erwähnt, sind die Bananen von Madeira etwas ganz anderes. Dabei wachsen sie hier auch erst seit 100 Jahren. Man suchte einen alternativen Wirtschaftszweig, nachdem Zucker und Schnaps aus Zuckerohr billiger aus der Karibik importiert werden konnte und Schädlinge die Weinstöcke zerstört hatten.
Auf Madeira wachsen die Bananen ausschließlich an der Südküste (da, wo wir sind) bis zu einer Höhe von maximal 300 Metern. Ab einer Höhe von ungefähr 200 Metern wird der Ertrag zunehmend geringer. Madeira exportiert seine Bananen ausschließlich auf das portugiesische Festland, wo sie sehr teuer sind. Das liegt an den arbeitsintensiven Handarbeit und den kleinen Anbauflächen. Hier sind sie sehr günstig zu haben, wir essen sie gern als kleinen Mittagsimbiss oder einfach nur so.
Auf einer unserer Touren sind die Bilder entstanden, die folgendes verdeutlichen:
Auch kleinste Flächen zwischen der dichten Bebauung werden für den Bananenanbau genutzt.Kleine Treppchen führen von den schmalen Fußpfaden auf die Terrassenfelder.Die Bewässerung wird durch ein ausgeklügeltes, Jahrhunderte altes System aus Bewässerungsrinnen gewährleistet.Die Reife wird durch Plastiktüten beschleunigt, die über die Staude gezogen wird.Die Blütenblätter enthüllen neue kommende Bananenfrüchte.
Gestern (Montag) fühlten sich die 19 Grad etwas kühler an, da es stark bewölkt ist und auch viel windiger. Nun merken wir auf eine andere Weise, dass Madeira mitten im Atlantik liegt. Hier entwickeln sich gern mal die atlantischen Sturmtiefs, die dann das Wetter in Festlandseuropa bestimmen. Und wir scheinen gerade in so einem sich entwickelnden Sturm zu sitzen, der auf dem Wasser für Wellenhöhen von 12 Metern und mehr sorgen kann.
Die wenigen Fischerboote, die sonst in der Bucht liegen, sind schon am Freitag auf‘s Land gezogen worden. Am Sonnabend ist das Schiff, das zunächst noch auf der Slipanlage lag, noch weiter hochgezogen worden. Gute Idee, denn die Wellen schlagen bis nach oben hoch. Gestern sind auch die Zugänge zur Mole und zur Strandpromenade in Câmara de Lobos abgesperrt worden. Die Brandung scheint noch stärker als die vergangenen Tage zu sein.
Wir machen trotzdem einen Spaziergang Richtung Funchal. Und was soll man sagen, die Wellen und Brecher sind wirklich noch einmal höher als vorgestern. Zum Größenvergleich: auf den nächsten beiden Fotos sieht man einen Mann in den Klippen (unterhalb der Sturmmöwe) bzw. zwei Männer, die auf dem Schiff links arbeiten.
Diesmal schlagen die Wellen an einigen Stellen über den Promenadenweg, an den Stellen, wo er über das Geröll führt, hinweg. Erstaunlicherweise ist dieser Weg (noch) nicht abgesperrt worden.
Es ist ein großer Spaß, zu versuchen, die „perfekte“ Welle zu fotografieren. Ein bisschen Einsatz muss man schon zeigen, wir werden an den Unterschenkeln etwas nass.
Die Fotos sind innerhalb von 90 Sekunden aufgenommen worden.
Beim anschließenden Kaffee verspricht Kay, sich für das „perfekte“ Foto unter den Spray zu stellen. Gesagt, getan. Der vermutete Spray fühlt sich allerdings so an, als wenn man mehrere Eimer kaltes Wasser über den Kopf bekommt.
Das war ganz freiwillig.Die Frau hat es unfreiwillig erwischt. Aber sie hatte einen Regenmantel an.
Kay wird tatsächlich bis auf die Haut nass (ich nur bis zu den Oberschenkeln), und wir laufen zügigen Schrittes zurück zum Hotel, um uns trockene Kleidung anzuziehen. Am nächsten Tag ist der lang angekündigte Regen wirklich bei uns in der Bucht angekommen. Wir verbringen den Tag im Hotel. So haben die Klamotten Zeit genug, wirklich zu trocknen.
Wir sind ja im Moment auf Madeira, um hier im milden Frühlingsklima zu überwintern, bevor es für uns hoffentlich weiter nach Amerika geht. Die Temperaturen sind wirklich sehr mild, immer zwischen 17 und 21 Grad, äußerst angenehm für uns Norddeutsche. Und die Sonne scheint, der Himmel ist blau, ein Traum. Auf unserem Ausflug nach Ribeira Brava am Freitag brannte die Sonne ungehindert vom Himmel, es wehte ziemlich kräftig. Lustigerweise blieb das Meer fast unbewegt, bis auf ein paar niedliche kleine Schaumkrönchen.
Ribeira Brava, der Atlantik am Freitag
Am Sonnabend bescherte uns die Sonne tatsächlich einen kleinen Sonnenbrand. Auf unserem Spaziergang zur Praia Formosa entlang der Küste zeigte das Meer den Effekt des gestrigen Windes, die Wellen brachen sehr schön an den Felsen und Wellenbrechern.
10.12.202115.01.2022
Gestern war der Himmel sehr bewölkt, das Meer brüllte und schäumte in den Hafen, dabei war es warm (19 Grad) und fast windstill oberhalb des Wassers. So etwas haben wir bisher noch nicht erlebt. Auf unserem Spaziergang gingen wir auf die Jagd nach den höchsten Brechern. Hier ist eine kleine Auswahl aus den knapp 200 Fotoversuchen.
10.12.202115.01.2022
Dieses faszinierende Wetter bleibt uns noch etwas erhalten. Morgen kommen noch spektakulärere Fotos!
Nun sind wir also in dieser kleinen Handelsstadt gelandet, die an der Mündung des namensgebenden Flusses liegt. Was machen wir nun? Erst einmal gehen wir zur Strandpromenade, setzen uns ins erstbeste Café und lassen bei einem Espresso den Schock sacken. Der Name Ribeira Brava bedeutet ‚wilder Fluss‘. Er sieht überhaupt nicht so aus in seinem Betonbett, hat aber in der Vergangenheit so manches Haus in seinen Fluten mitgerissen, wenn es starke Regenfälle in den Bergen gibt.
Vor der Promenade liegt der typische schwarze Strand, vom Meer geschützt durch eine gewaltige Anlage von Wellenbrechern. Auf die kann man ja mal hinauf steigen. Gesagt, getan. Die Betonklötze sind viel, viel größer und steiler als gedacht, und wir sind ja keine jungen Hüpfer mehr. Die Betonklötze sollen ja auch das Meer abhalten. Der Blick von oben ist prima.
Blick auf den Leuchtturm, hinter dem Felsen liegt der Hafen, rechts im Bild die Betonklötze.
Zurück auf der Promenade finden wir die Touristinformation in einem alten Wachturm, den man auch besteigen kann. Der datiert noch aus der Zeit der Piratenüberfälle auf die Insel. Später diente er als Gefängnis. Doch die Zellen im Keller sind inzwischen zugeschüttet worden.
Sehr enge und niedrige Wendeltreppe, sehr kleine Tür auf sehr stummeligem Turm, keine Piraten in Sicht!
Ich erhalte jede Menge Informationsmaterial und die kompletten Busfahrpläne der Insel. Die nette Frau versucht noch, eine Busverbindung nach São Vicente zu finden, kann aber auch nur konstatieren, dass es nahezu unmöglich ist, den Ort an ein und demselben Tag mit dem Bus zu erreichen und auch wieder zu verlassen. Dann steigen wir über eine Wendeltreppe an der Felswand hoch zum farol. Die mit Kieseln gepflasterte Treppe führt bis zum Leuchtturm. Von dort hat man einen schönen Blick auf die Innenstadt.
Dann wandern wir entlang der neu angelegten Promenade (gut angelegtes EU-Geld) immer am Wasser entlang Richtung Westen bis zum nächsten kleinen Ort, Tabúa. An drei Stellen ist der Weg überdacht, damit man vor eventuellem Steinschlag geschützt ist.
Das Rathaus mit seinem auffälligen rosa Putz ist in einem ehemaligen Landhaus untergebracht, das von einem kleinen Park umgeben ist. Hier kann man sich gut ein Weilchen ausruhen und den Schatten unter den alten Gummibäumen genießen.
Ein bisschen Weihnachten finden wir hier auch noch.
Die Kirche Igreja de São Bento gehört zu den ältesten Kirchen auf Madeira und zeugt mit ihrer Innenausstattung vom damaligen Reichtum der Stadt. Während der Mittagspause ist sie geschlossen, und die Pause dauert an, solange wir in der Stadt sind. So können wir sie nur von außen bewundern, mit ihrer Turmspitze aus blauen und weißen Kacheln, gekrönt von der symbolischen Darstellung einer Armillarsphäre, früher Weltmaschine genannt. Man findet die Armillarsphäre auch in der portugiesischen Flagge als Hinweis auf die Seefahrertradition.
Die weißen Punkte, die sich im Hintergrund den Hang hinauf schlängeln, markieren übrigens die Straße, über die wir ins Tal gekommen sind.
Gegenüber der Kirche befindet sich ein Relief, das an ein örtliches Wunder erinnert. Als wieder einmal der Fluss über die Ufer zu treten drohte, trugen die Bewohner die Statue des heiligen Benedikt in einer Prozession zum Fluss und der Priester warf den Bischofsstab der Statue in die tosenden Fluten. Der Ort entging der Überschwemmung und der Stab wurde später 500 Meter entfernt auf dem Kirchplatz liegend gefunden. Dies konnte nur das Werk des Heiligen Benedikt gewesen sein. Jedes Jahr zu seinen Fest am 11. Juli legt die Prozession einen Stopp an der Stelle ein.
Auch das Volkskundliche Museum Madeiras, das sich in Ribeira Brava befindet, können wir nicht besuchen. Das hat geöffnet, aber es gilt die 2G+-Regel. Wir sind zwar geboostert, haben aber keinen aktuellen Testnachweis. Die Schlange vor den Test-Hütten an der Promenade ist lang und wird die ganze Zeit nicht kürzer. So muss auch das Museum unbesucht bleiben. Wir gehen zurück zur Promenade, essen ein Käsesandwich und gehen zurück zum Bus.
Auf der Rückfahrt erhalten wir schöne Ausblicke auf Câmara de Lobos, Funchal und Umgebung. Für die Nerven ist es manchmal allerdings beruhigender, auf die Felswand zu schauen und nicht bergab.
Es ist schon etwas besonders, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in Madeira unterwegs zu sein. Inzwischen können wir verstehen, dass man entweder ein Auto mietet, um irgendwo hinzukommen. Allerdings sind die Straßen meistens so eng und serpentinenmäßig, dass einem schon als Buspassagier schwindelig wird. Oder man bucht eine geführte Tour, um dort anzukommen, wo man ursprünglich hin möchte. Wir mögen aber gern mit dem ÖPNV fahren. Man sieht so ein bisschen mehr von Land und Leuten. Dann muss man auch ungeplante Veränderungen in Kauf nehmen.
Die erste Veränderung beginnt schon an der Bushaltestelle. Wir sind sehr rechtzeitig da (Empfehlung der Hotelrezeption). Ein bordeauxfarben gewandeter Angestellter der Busgesellschaft geht von Wartendem zu Wartender und verkauft Tickets wenn gewünscht. Für unsere Route hat er kein Ticket. Er spricht kein Englisch, wir kein Portugiesisch; trotzdem wird deutlich, dass der Bus, den wir wollen, nicht kommt und wir noch eine gute halbe Stunde länger warten müssen. Der Rest ist für uns nicht zu entschlüsseln.
Als der richtige Bus kommt, bespricht er unseren Zielwunsch mit dem Busfahrer, der uns dann auch das Ticket verkauft. Auch der Busfahrer kann kein Englisch, wir immer noch nicht genug Portugiesisch. Der Bus ist älter und hat auf der linken Seite Dreierbänke, auf der rechten Zweierplätze. Wir machen uns auf einer Dreierbank breit.
Wir fahren in die richtige Richtung, in Serpentinen immer eher bergauf, um die Hügel, Felsen und Schluchten herum und halten alle paar Meter an, um Menschen ein- oder aussteigen zu lassen. Manche der Haltestellen, Paragem, sind für uns nicht als solche zu erkennen. Die Schilder sind klein, oft verwittert und hängen nicht immer an Masten. Man muss die Hand ausstrecken, um dem Busfahrer zu signalisieren, dass man mitfahren möchte. Nach den Bananen wechselt die landwirtschaftliche Bebauung zu Wein. Hier an der Südküste gibt es die Hauptanbaugebiete für Bananen und Wein.
Wir sind ziemlich lang unterwegs und schaffen nur wenige Kilometer, wenn man in Luftlinien denkt. Auf dem nächsten Foto sieht man die neue Schnellstraße unten im Tal. Die nimmt man als Mietwagen mietender Tourist natürlich, um die in den Reiseführern beschriebenen Touren auch in der angegebenen Zeit zu schaffen. Dann wäre man in zwanzig Minuten da, es sind nur ca. 15 Kilometer.
Wir kommen dagegen nach gut einer Stunde Fahrt in Ribeira Brava an. Während der Busfahrt ist noch ein Schaffner in bordeauxfarbener Uniform dazugestiegen und hat unsere Tickets abgeknipst. Der kann wenige Worte auf Englisch. Als alle aus dem Bus gestiegen sind, erklärt er uns, dass der nächste Bus nach São Vicente in etwas mehr als drei Stunden abfahren würde, es aber an diesem Tag keine Möglichkeit für uns geben würde, von dort aus wieder zurück nach Câmara de Lobos oder Funchal zu kommen. Nach einer Weile haben wir es auch tatsächlich verstanden, dass wir hier in Ribeira Brava gestrandet sind. Na dann, dann machen wir doch das Beste daraus. Dazu mehr im nächsten Eintrag.