In der Plateau Region, Blue Ridge Parkway, VA, day 50 (USA 2022)

Innerhalb weniger Minuten sind wir heute wieder auf dem Blue Ridge Parkway (milepost 200) und es geht weiter nach Norden. Als die Straße Mitte der 1930er geplant wurde, stießen die Planer noch auf etliche einsame, aber noch bewirtschaftete Gehöfte in den abgelegenen Höhen der Appalachen. Einige wurden als Beispiele für die Besiedelung erhalten.

Wir schauen uns Mabry Mill an, eine Wassermühle und Schmiede, die um 1910 von Ed und Lizzy Mabry errichtet und 26 Jahre betrieben wurde (milepost 176).

Im linken (vorne) Teil befand sich die Sägemühle, in der Ed Holz für seine Nachbarn sägte. Im hinteren Teil befand sich eine Holzwerkstatt für Wagenräder. In der Mitte wurde Mais (kein anderes Getreide) gemahlen. Kunden bezahlten entweder mit Geld oder mit einem Achtel ihres Mehles. Wenn in regnerischen Zeiten mehr Wasser zur Verfügung stand, wurde die Sägemühle betrieben.

Um an dieser Stelle auf 1000 Meter Höhe eine Wassermühle zu betreiben, stand eigentlich zu wenig Wasser zur Verfügung. Ed leitete das Wasser zweier kleiner Flüsse um. Dafür baute er ein ausgeklügeltes System aus Holz.

Solche kleinen Sägemühlen gab es überall in den Appalachen. Daher wurden auch die typischen Häuser aus Holz gebaut. Zu Beginn hatten sie immer nur einen Raum, oder, wie bei dem abgebildeten, noch einen weiteren im Obergeschoss. Wenn später etwas mehr Geld und Material zur Verfügung stand, entstanden Anbauten.

Überall in den Appalachen wurde auch Whiskey gebrannt, oft nachts, da es schon immer illegal war. So entstand der Begriff moonshine für das Getränk. Whiskey war einfacher als Mais zu lagern und zu transportieren und brachte zusätzliches Einkommen.

Maismehl wurde mit Malz, Zucker und Wasser gemischt und im Fass fermentiert, anschließend im Kupferkessel erhitzt. Das Destillat wurde abgefüllt oder für einen höheren Alkoholgehalt ein zweites Mal gebrannt.

Während der Saison, die irgendwann im Frühling startet (genaue Daten sind nicht zu erfahren, noch ist alles geschlossen), werden die alten Handwerkstechniken gezeigt und erklärt. Wir genießen stattdessen die Ruhe beim Rundgang.

Der heutige Abschnitt des Blue Ridge Parkways liegt im Schnitt 900 Meter hoch. Die Ausblicke sind ganz andere. Manchmal fahren wir direkt auf dem Berggrad entlang und können gleichzeitig links und rechts in die weiten Täler schauen. Bei Roanoke ist die Straße wieder für einige Meilen gesperrt. Wir staunen uns hinunter in die Stadt und durch den Stadtrand hindurch, bis wir wieder auf der Bergstraße sind. Bildergalerie

Der Blick am Great Valley Overlook (760 Meter Höhe) hinunter ins Tal ist grandios. Das „Große Tal“ erstreckt sich von New York bis hin nach Alabama, durch die Appalachen hindurch. Die Berge im Hintergrund sind die Alleghenies. Hier verlief der „Große Kriegspfad“ der Irokesen und der Cherokee. Der wurde von den schottisch-irischen und den deutschen Pionieren benutzt, als sie von Pennsylvania kommend in dieser Gegend siedelten (1730-50).

Nach weiteren zehn Meilen fahren wir bei milepost 91 ab. Der heutige Campingplatz liegt im Jefferson National Forest, direkt an einem Bach, dem Middle Creek. Wir fahren über Serpentinen hinunter ins Tal des James River, überqueren ihn bei Buchanan, um dann an einem anderen Flusslauf wieder in die Berge hineinzufahren.

Hier ist es noch viel ruhiger, nicht einmal die Eisenbahn, die nachts gern tutet, ist mehr zu hören. Das einzige, was murmelt, ist der Bachlauf. Auch das Telefon kann nicht klingeln, kein Empfang. Wir lesen und gehen früh zu Bett.