
Wir haben natürlich nicht nur Fisch gegessen. Inzwischen haben wir uns auch an die lapas, die Schnecken, herangetraut. Gegrillt, mit Zitronensaft überträufelt schmecken sie wie Muscheln, sehr fest im Fleisch. Diese lapas kommen von der Nordküste Madeiras.

Fleischgerichte stehen auch auf der Speisekarte. Huhn möchten wir hier nicht gern essen. Die Einheimischen lieben es, da es günstig ist. Leider kommen alle Hühner zwar von der Insel, aber aus Massentierhaltung. Schweine- und Rindfleisch muss vom Festland, oder wie sie hier sagen, aus Portugal, importiert werden. Berühmt sind die Rindfleischstücke am Spieß (espetada), am besten auf einem vom Lorbeerbaum. Wirklich Baum; die Stöcke sind immer mindestens dick wie mein kleiner Finger, aber viel länger, bestimmt 30 cm.

Unser Hotel stellt aus einem Stück Rindfleisch auch den Churchill Burger her. Ich bin mir sicher, der alte Churchill hat nie in seinem Leben einen gegessen. Dieser hätte ihm gemundet, kein aus Hackfleisch geformter Patty, sondern ein feines, ca. 2 cm dickes Steak, auf den Punkt gegart. Köstlich!
Allerdings schmeckt das Fleisch vom portugiesischen schwarzen Schwein (porco preto) auch sehr lecker. Sie wachsen in der Gegend von Alentejo auf (da machen sie auch guten Wein) und ernähren sich von den Eicheln der dort wachsenden Korkeichen.


Die Menschen auf Madeira lieben Süßigkeiten, sehr gern auch mit Maracuja oder Ananas. Wir beginnen den Tag mit den köstlichen kleinen Pasteten oder bolo de mel und dem genauso köstlichen Kuchen vom Frühstücksbüffet. Nachmittags gibt es manchmal eine Leckerei aus der Bäckerei. Und als Nachtisch beim Abendessen steht gern mal der wunderbare Maracuja-Cheesecake vor uns.






Auf Madeira werden auch Weintrauben für Tischwein produziert, welcher durch die vulkanische Erde und die salzhaltige Luft ein ganz eigenes Aroma hat. Zudem werden die Trauben bis in Höhenlagen von 700 Metern angebaut. Zur besseren Unterscheidung vom Likörwein wird der Tischwein Wein von Madeira genannt. Die Trauben dafür, in der Mehrzahl weiße, sind erst seit den 1990ern auf der Insel heimisch.

Eine der Sorten ist die Arnsburger-Traube, eine Neuzüchtung aus Müller-Thurgau und Gutedel aus dem Rheingau, benannt nach dem Kloster Arnsburg in der Wetterau/ Hessen. Sie wird nur wenig angebaut, in Deutschland und Madeira, aber auch in Italien und in Neuseeland. Beide Weine von der Insel, die wir probiert haben, sind sehr lecker, wenn auch viel teurer als die vom portugiesischen Festland.

In Câmara de Lobos gibt es außerdem auch viele Kneipen und Bars, eigentlich immer mit einem Fernseher ausgestattet, auf dem immer ein Sportereignis übertragen wird. Außer sehr gutem Espresso, dem Bica, für kleines Geld wird mit Einbruch der Dunkelheit auch gern Alkohol getrunken. Zwei Mischgetränke sind hier am Ort erfunden worden, Poncha und Nikita.
Poncha wird nach unterschiedlichen Rezepten zubereitet. Immer enthalten sind Zuckerrohrrum, Zuckerrohrhonig und frischer Zitronensaft. Je nach Geschmack kommen dann verschiedene Säfte, beispielsweise Orange oder Maracuja dazu. In Calheta probierten wir die Variante der Zuckermühle. Die schmeckte uns so schlecht, dass wir uns bisher noch nicht wieder zu einem Versuch durchringen konnten.

Nikita entstand hier 1985, inspiriert von Südamerika in seinen Zutaten und von Elton Johns gleichnamigen Lied für seinen Namen. Auch dieses Getränk kann man in unterschiedlichen Geschmacksrichtungen bestellen. Das Original besteht aus Ananaseis, Ananas, Ananassaft und hellem Bier (alternativ auch Weißwein). Es klingt sehr speziell, alle Reiseführer schreiben, es schmeckt gut. Und was soll man sagen, der Selbsttest kommt zu dem gleichen Ergebnis: sehr lecker!
Unser Fazit: auf Madeira schmeckt alles, und überall sehr gut, sowohl in den Kneipen und Snackbars als auch in den teureren Restaurants.































