Lokale Spezialitäten auf Madeira, Teil 2 (Madeira 22)

Wir haben natürlich nicht nur Fisch gegessen. Inzwischen haben wir uns auch an die lapas, die Schnecken, herangetraut. Gegrillt, mit Zitronensaft überträufelt schmecken sie wie Muscheln, sehr fest im Fleisch. Diese lapas kommen von der Nordküste Madeiras.

Fleischgerichte stehen auch auf der Speisekarte. Huhn möchten wir hier nicht gern essen. Die Einheimischen lieben es, da es günstig ist. Leider kommen alle Hühner zwar von der Insel, aber aus Massentierhaltung. Schweine- und Rindfleisch muss vom Festland, oder wie sie hier sagen, aus Portugal, importiert werden. Berühmt sind die Rindfleischstücke am Spieß (espetada), am besten auf einem vom Lorbeerbaum. Wirklich Baum; die Stöcke sind immer mindestens dick wie mein kleiner Finger, aber viel länger, bestimmt 30 cm.

Unser Hotel stellt aus einem Stück Rindfleisch auch den Churchill Burger her. Ich bin mir sicher, der alte Churchill hat nie in seinem Leben einen gegessen. Dieser hätte ihm gemundet, kein aus Hackfleisch geformter Patty, sondern ein feines, ca. 2 cm dickes Steak, auf den Punkt gegart. Köstlich!

Allerdings schmeckt das Fleisch vom portugiesischen schwarzen Schwein (porco preto) auch sehr lecker. Sie wachsen in der Gegend von Alentejo auf (da machen sie auch guten Wein) und ernähren sich von den Eicheln der dort wachsenden Korkeichen.

Die Menschen auf Madeira lieben Süßigkeiten, sehr gern auch mit Maracuja oder Ananas. Wir beginnen den Tag mit den köstlichen kleinen Pasteten oder bolo de mel und dem genauso köstlichen Kuchen vom Frühstücksbüffet. Nachmittags gibt es manchmal eine Leckerei aus der Bäckerei. Und als Nachtisch beim Abendessen steht gern mal der wunderbare Maracuja-Cheesecake vor uns.

Auf Madeira werden auch Weintrauben für Tischwein produziert, welcher durch die vulkanische Erde und die salzhaltige Luft ein ganz eigenes Aroma hat. Zudem werden die Trauben bis in Höhenlagen von 700 Metern angebaut. Zur besseren Unterscheidung vom Likörwein wird der Tischwein Wein von Madeira genannt. Die Trauben dafür, in der Mehrzahl weiße, sind erst seit den 1990ern auf der Insel heimisch.

Eine der Sorten ist die Arnsburger-Traube, eine Neuzüchtung aus Müller-Thurgau und Gutedel aus dem Rheingau, benannt nach dem Kloster Arnsburg in der Wetterau/ Hessen. Sie wird nur wenig angebaut, in Deutschland und Madeira, aber auch in Italien und in Neuseeland. Beide Weine von der Insel, die wir probiert haben, sind sehr lecker, wenn auch viel teurer als die vom portugiesischen Festland.

In Câmara de Lobos gibt es außerdem auch viele Kneipen und Bars, eigentlich immer mit einem Fernseher ausgestattet, auf dem immer ein Sportereignis übertragen wird. Außer sehr gutem Espresso, dem Bica, für kleines Geld wird mit Einbruch der Dunkelheit auch gern Alkohol getrunken. Zwei Mischgetränke sind hier am Ort erfunden worden, Poncha und Nikita.

Poncha wird nach unterschiedlichen Rezepten zubereitet. Immer enthalten sind Zuckerrohrrum, Zuckerrohrhonig und frischer Zitronensaft. Je nach Geschmack kommen dann verschiedene Säfte, beispielsweise Orange oder Maracuja dazu. In Calheta probierten wir die Variante der Zuckermühle. Die schmeckte uns so schlecht, dass wir uns bisher noch nicht wieder zu einem Versuch durchringen konnten.

Nikita entstand hier 1985, inspiriert von Südamerika in seinen Zutaten und von Elton Johns gleichnamigen Lied für seinen Namen. Auch dieses Getränk kann man in unterschiedlichen Geschmacksrichtungen bestellen. Das Original besteht aus Ananaseis, Ananas, Ananassaft und hellem Bier (alternativ auch Weißwein). Es klingt sehr speziell, alle Reiseführer schreiben, es schmeckt gut. Und was soll man sagen, der Selbsttest kommt zu dem gleichen Ergebnis: sehr lecker!

Unser Fazit: auf Madeira schmeckt alles, und überall sehr gut, sowohl in den Kneipen und Snackbars als auch in den teureren Restaurants.

Lokale Spezialitäten auf Madeira, Teil 1 (Madeira 22)

Während unseres Aufenthaltes versuchen wir, viele lokale Gerichte und Getränke zu probieren. Manchmal gibt es auch Brot, Käse von den Azoren oder Brie, Oliven und portugiesischen Wein vom Festland oder seltener auch von hier auf dem Balkon. Man mag einfach nicht immer abends auch noch ausgehen.

Die Caldo verde, übersetzt heißt sie grüne Suppe, ist tatsächlich grün. Das liegt am Grünkohl, der das Hauptgemüse der Suppe darstellt. Der herzhafte Geschmack wird verstärkt durch die mitgekochte Knoblauchwurst. Sie schmeckt sehr gut und mit dem traditionellen Brot Bolo do Caco ist es durchaus sättigend. Der Teig (bolo) besteht aus Weizenmehl und Süßkartoffeln und wird auf einer Basaltplatte (caco) gebacken, sehr gut auch mit Knoblauchbutter.

Gefüllt wird aus dem Brot unter anderem ein Prego no Bolo do Caco, ein Steak-Sandwich. Wir essen die Spezial-Variante, dort ist auch noch Salat, Tomate, Bacon, Käse drauf, und alles wird gekrönt mit einem Spiegelei. Was für ein cooles Street Food! Eigentlich ist es für das schnelle Mittagessen gedacht. Wir essen es als Abendessen in der Bar an der örtlichen Markthalle, zusammen mit einem Coral Bier, ebenfalls auf Madeira hergestellt.

Madeiras Brauerei wurde bereits 1872 gegründete und gehört heute, wie auch unser Hotel, zur Pestana-Gruppe. Das Bier schmeckt sehr gut, ebenso wie Brisa. Diese Limonade wird ebenfalls auf Madeira in verschiedenen Geschmacksrichtungen hergestellt. Am besten schmeckt uns die Maracuja-Variante.

Câmara de Lobos ist bekannt für seine vielen Fischrestaurants. Espada preta, der schwarze Degenfisch, steht überall auf der Speisekarte und wird auf die unterschiedlichsten Arten zubereitet. Die Fischer ziehen den Tiefseefisch aus zwei Kilometern Tiefe mit hakenbesetzten Angelschnüren heraus. Er kommt im ganzen Nordatlantik vor und ist für Madeira der wichtigste Speisefisch. Es gibt sogar ein spezielles Degenfisch-Festival im August. Allerdings sollte man davon nicht zuviel essen, da er recht viele Schwermetalle enthält. Und wie alle beliebten Fischarten droht auch der schwarze Degenfisch überfischt zu werden.

Der andere Tiefseefisch hier ist der Thunfisch, der in verschiedenen Varianten von Anglern aus dem Meer gezogen werden kann. Man kann von den Hafenmolen aus angeln, aber auch eine der angebotenen Hochseeangeltouren buchen. Beides ist nicht unser Hobby, aber wir essen Fisch wirklich sehr gern.

Das Bild zeigt Bife de Atum com milho frito, Thunfischsteak mit gebratenen Stücken aus Maisgrieß.

Die Fischsuppe hier auf Madeira ist sehr sämig und wird mit Tomaten und Kartoffeln gekocht. Etwas stückiger im Erscheinungsbild gibt es auch noch einen Fischeintopf, den haben wir aber hier in Câmara de Lobos noch nicht entdeckt.

Wetter-Update Mitte/Ende Januar (Madeira 22)

Der seit gut einer Woche die Insel umbrausende Sturm hat sich endlich verzogen. Irgendwann hat man alle atemberaubend hohen Brecher mehrmals fotografiert. Auf unseren Spaziergängen entlang der Küste zur Praia Formosa nahmen wir zwischenzeitlich die Regenjacken mit, gegen die über die Wege schlagenden Brecher und gegen den Wind an den Außenplätzen des Cafés.

Der Sturm hat an der Praia Formosa ordentlich Strandsubstanz mitgenommen und eine richtig hohe Abbruchkante hinterlassen.

An Baden im Atlantik war in der letzten Woche nicht zu denken. Andere Strandgänger haben die Chance genutzt, aus dem Treibgut etwas zu bauen und zu ergänzen.

Es blieb die ganzen Tage trotz heftigen Sturms warm bei 19 Grad. Die Einheimischen bleiben dabei, es ist Winter und wirklich kalt, sie tragen Pudelmützen. Doch jetzt können wir seit zwei Tagen wieder auf der Außenterrasse des Hotels frühstücken, den Sekt in der Sonne genießen und anschließend die Sonnenliegen am Pool nutzen. Das Thermometer steigt wieder und der Wind schläft ein. Das Wasser im Pool ist allerdings noch eiskalt.

Auch die Fischer lassen ihre Boote wieder ins Hafenbecken und fahren hinaus zum Fischen. Andere bleiben an Land und schneiden Napfschnecken (patella candei) von den nun wieder zugänglichen Felsen im Hafenbecken. Die lapas (auf portugiesisch) stehen in allen Restaurants als Vorspeise auf den Speisekarten. Man isst sie wie Austern. Wir haben uns noch nicht an sie heran angetraut.

Es gibt auch wieder Sonnenuntergänge zu sehen. Sie sind jedoch noch nicht wieder so schön wie im Dezember.

Bananen, Bananen, Bananen (Madeira 22)

Eigentlich mag ich gar nicht so gerne Bananen essen. Es gab wohl vor Jahren zuviele davon in einem viel zu reifen Zustand. Aber wie schon öfter erwähnt, sind die Bananen von Madeira etwas ganz anderes. Dabei wachsen sie hier auch erst seit 100 Jahren. Man suchte einen alternativen Wirtschaftszweig, nachdem Zucker und Schnaps aus Zuckerohr billiger aus der Karibik importiert werden konnte und Schädlinge die Weinstöcke zerstört hatten.

Auf Madeira wachsen die Bananen ausschließlich an der Südküste (da, wo wir sind) bis zu einer Höhe von maximal 300 Metern. Ab einer Höhe von ungefähr 200 Metern wird der Ertrag zunehmend geringer. Madeira exportiert seine Bananen ausschließlich auf das portugiesische Festland, wo sie sehr teuer sind. Das liegt an den arbeitsintensiven Handarbeit und den kleinen Anbauflächen. Hier sind sie sehr günstig zu haben, wir essen sie gern als kleinen Mittagsimbiss oder einfach nur so.

Auf einer unserer Touren sind die Bilder entstanden, die folgendes verdeutlichen:

Auch kleinste Flächen zwischen der dichten Bebauung werden für den Bananenanbau genutzt.
Kleine Treppchen führen von den schmalen Fußpfaden auf die Terrassenfelder.
Die Bewässerung wird durch ein ausgeklügeltes, Jahrhunderte altes System aus Bewässerungsrinnen gewährleistet.
Die Reife wird durch Plastiktüten beschleunigt, die über die Staude gezogen wird.
Die Blütenblätter enthüllen neue kommende Bananenfrüchte.

Fruchtiges Frühstück – vielfältige Passionsfrüchte (Madeira 22)

Madeira besitzt aufgrund der Lage mitten im Golfstrom ein wirklich außergewöhnliches, in Teilen subtropisches Klima. Die speziellen kleinen Bananen, die hier wachsen, haben an der Südküste das perfekte Klima, nicht zu hoch und immer von der Sonne verwöhnt. Wir kaufen sie uns immer im lokalen Supermarkt, sie schmecken intensiver als die aus Südamerika. Das Frühstücksbüffet wartet jeden Morgen mit einer großen Auswahl an weiteren Früchten auf, die alle hier auf der Insel wachsen.

Passionsfrüchte, zumindest die violett-farbene Sorte (links im Bild, nicht zu verwechseln mit den gelben, doppelt so großen Maracuja, die zur selben Gattung gehören) kann man auch bei uns kaufen. Eine Variante aus der großen Familie der Passionsfrüchte ist die banana passionfruit (rechts im Bild), die nur in Südamerika wächst, eigentlich. Und dann liegt in der Mitte noch eine rote Variante auf dem Teller, die sie im Restaurant als English tomato bezeichnen. Es ist aber auch eine Passionsfrucht.

Die Schale der lilafarbenen Frucht ist sehr hart, wenn die Frucht reif ist. Das Innere wird ausgelöffelt. Die banana passionfruit ist ca. 10 cm lang, die Schale verfärbt sich wie bei Bananen von grün zu gelb. Man kann sie aber nicht schälen. Entweder schneidet man die Spitze ab und quetscht das Innere wie aus einer Tube heraus.

Oder man schneidet sie der Länge nach auf und löffelt die Samen. Sie schmecken recht fruchtig (sauer aus den noch grünen Früchten), sind aber sehr lecker in Naturjoghurt.

Die dritte Frucht auf dem Teller ist eine English Tomato, zumindest nennen sie sie hier so. Sie ist sehr leicht aufzuschneiden und hat auch von innen eine gewisse Ähnlichkeit mit Tomaten.

Man kann außer den Kernen auch das Fruchtfleisch essen. Das ist allerdings sehr „fruchtig“. Besser, man löffelt Kerne und Fruchtfleisch gemeinsam in den Mund. Der Opa unseres Kellners sagt, dass die Frucht gut für‘s Blut sei, also möglichst viele davon essen. Vielleicht kam er wegen des intensiv rot gefärbten Safts darauf.

Auf jeden Fall ist die Passionsfrucht sehr gesund. Sie enthält die beiden B-Vitamine B6 und B3, Vitamin C, Beta-Carotin, Vitamin E, Eisen und Kalium, außerdem auch noch Magnesium und Phosphor. Dazu ist sie kalorienarm, sie wird also zumindest während unseres Aufenthalts hier täglich auf dem Speiseplan stehen.