Ein Freitag im Sommer im Kurbad (Sommer 2022)

Außerhalb der Kuranwendungen gibt es hier für jeden etwas, besonders im Sommer, wenn zusätzlich zu den Kurgästen auch noch die Tagestouristen in die Stadt kommen. Am späten Nachmittag spazieren wir zur Mühlbrunnkolonnade zum Kurkonzert. Wir bekommen immerhin noch einen Sitzplatz auf einer dieser weißen Bänke auf dem Foto, das unter der Woche gemacht wurde.

Das Konzert ist umsonst und draußen, daher sind die wenigen Sitzplätze in der Kolonnade schnell weg. Wer weiß, wann die Zuschauer und Zuschauerinnen dort Platz genommen haben? Vielleicht haben sie beim Aufbau schon geholfen, „ihren“ Stuhl an die richtige Stelle zu stellen.

Das Karlsbader Symphonische Orchester spielt beliebte Stücke aus Oper und Operette. Ein Sopran, ein Mezzosopran und ein Tenor singen Arien, unter anderem aus Carmen, Tosca, La Traviata, Der Zigeunerbaron, Die Csárdásfürstin. Die Intensität des Applauses hängt nicht von der Leistung der Musikerinnen und Sänger ab, sondern vom Wiedererkennungswert der Melodien, schon seltsam.

Nach einer Stunde ist der Spaß (glücklicherweise?) vorbei und die Massen machen sich auf zum Abendessen in ihre jeweiligen Hotels. Auch wir gehen nach dem abendlichen Trinken des salzigen Mineralwassers zurück zum Thermal. Vor dem Hotel hat an diesem Wochenende das durch ganz Tschechien tourende „Burger Street Festival“ Halt gemacht. Das Angebot ist groß und wird gut angenommen.

Wir entscheiden uns schließlich für einen Plum Burger (vorne, die Zwetschgen sind Bestandteil der Ketchupsoße) und einen Fire Cracker Burger (hinten, etwas schärfer und mit Tacos oben auf dem Patty), beide sehr lecker. Dazu gibt es noch oroginální hranolky in einer schlau gestalteten Pommestüte.

Nebenan stehen die Jugendlichen und jungen Erwachsenen schon an. Rechts der Terrasse (auf der man als zusätzlich zahlender VIP-Gast auch hätte zuhören und -schauen können) des Thermals ist während des Kultursommers die Becherovka Stage aufgebaut. Heute treten tschechische Superstars der Millenials auf. Sehr laut, sehr lange. Den ersten Teil des Abends bestreitet Paulie Garand, wir nehmen das als Hintergrundmusik für unseren Aufenthalt im warmen Thermalbecken. Das lässt sich gut aushalten. Ab 22 Uhr (zu dem Zeitpunkt wird ansonsten draußen die Musik eingestellt) tritt Calin Panfili auf, noch lauter und sehr gut zu hören in unserem Zimmer. Das faszinierende jedoch sind die Zuschauerinnen und Zuschauer. Sie singen jedes, wirklich jedes Lied textsicher mit und johlen nach jedem Lied, was das Zeug hält. Was für eine Energie! Um 23 Uhr ist es plötzlich sehr leise und wir können einschlafen. Ist in Teilen auch doof, älter zu werden.