Costa Maya, Mexico, cruise day 4 (Jewel of the Seas, 2022)

In der Nacht setzt das Schiff über an die Festlandsseite. Wir haben einen Ausflug gebucht, um Mayaruinen anzusehen. Costa Maya ist kein wirklicher Ort; hier siedeln Menschen erst, seitdem eine Pier ins Meer gebaut wurde, damit Kreuzfahrtschiffe anlegen können. Und das ist erst zwanzig Jahre her.

Seitdem bringen die Schiffe während der Saison nicht nur jeden Tag tausende von Besuchern auf diesen Teil der Yucatan-Halbinsel, sondern auch tausende von Dollars und damit ein gutes Einkommen für viele Menschen. Es sei denn, ein Hurrikan zerstört die Pier oder eine Pandemie lässt alles ausfallen. All diese Informationen erhalten wir von unserem Guide Luis, der uns auf unserer Fahrt zu den Chacchoben Maya-Ruinen begleitet. Wir fahren im klimatisierten Bus eine knappe Stunde in den Dschungel kurz vor der Grenze zu Belize.

Das Areal von Chacchoben, auf deutsch „Der Platz des roten Mais“, ist heute die Touristenattraktion, die am zweitmeisten Geld für den mexikanischen Staat einbringt. Von dem vielen Geld fließt aber wenig zurück. So sind seit dem 1990ern nur einige Tempel freigelegt worden. Das, was wir auf unserer Tour als grüne Hügel erkennen, sind immer noch überwucherte Tempelruinen, die wahrscheinlich nie restauriert werden.

Luis führt uns zunächst zum Tempel 24. Das gesamte Land hier besteht aus Kalkstein, alle Tempel wurden nur mit manpower errichtet, es gab keine Lastentiere zum Schleppen der Steine. Auch der Zement zum Zusammenfügen wurde aus Kalkstein gebrannt. Der ursprüngliche Tempel wurde mehrmals überbaut und vergrößert, immer wenn ein neuer Herrscher kam oder ein Krieg gewonnen wurde. Die Treppenstufen außen und innen konnten von den Archäologen auf verschiedene Epochen datiert werden.

Die Tempel waren in großen Teilen mit Mörtel verkleidet, der rot bemalt wurde. Im Laufe der Jahrtausende, dieser Ort war bereits um 1.000 vor Christus besiedelt, wurden die aufgegebenen Orte sehr schnell vom Dschungel überwuchert. Luis zeigt uns auf einer Zeichnung, wie die Siedlung damals ausgesehen haben könnte.

Vor dem Tempel befand sich ein großer Platz, umgeben von weiteren Gebäuden (heute mit Bäumen bewachsene Hügel). In der Mitte, der Punkt wurde anhand der Tempelpositionen errechnet, wurde vor einigen Jahren ein neuer „Lebensbaum“ gepflanzt. Dieser war heilig für die Maya. Auf Englisch heißt er Silk Cotton Tree, ein passender Name. Die Früchte sehen aus wie große Baumwollbälle, sie fühlen sich aber weich wie Seide an.

Vom Dorf (Las Vasijas) nebenan ist nichts außer den Fundamenten erhalten. Die Häuser wurden wahrscheinlich aus Holz gebaut, mit einem Dach aus Palmwedeln. In Cozumel haben wir Dachdecker bei der Arbeit gesehen. Wenn es kein Baumaterial in erreichbarer Nähe mehr gab und der Ackerboden ausgelaugt war, wurden die Siedlungen verlassen und die Maya zogen weiter, um woanders erneut zu bauen. Das gesamte ehemalige Siedlungsgebiet der Maya, das sich über mehrere Staaten erstreckt, ist mit überwachsenen Kalksteinhügeln überzogen. Ansonsten ist das Land flach.

Wir gehen weiter und erklimmen Gran Basamento, 31 unebene Stufen hoch und auf der anderen Seite wieder herunter, für einige Mitreisende eine (zu große) Herausforderung.

Oben auf dem großen Fundament steht der Tempel 1, auf einer Linie ausgerichtet mit anderen Tempeln. Die Sonne steht jeweils im März und September genau zwischen den oberen Steinen. Ist sie links davon zu sehen, wird es wärmer; steht sie rechts, wird es kälter im Jahr.

Es ist ganz beeindruckend, die Überreste einer hoch entwickelten Kultur zu sehen, die schon sehr, sehr lange vor uns ein Zahlensystem entwickelte, das eine Null beinhaltet und in der Anlage war, etwas wie ein Buch zu haben, wo andere frühe Kulturen nur einzelne Blätter beschriftet haben. Die spanischen Eroberer verstanden die Errungenschaften nicht, sie waren auf das Gold, Silber und Kupfer der Maya aus. Es dauerte nicht lang, und sie hatten siebzig Prozent der Bevölkerung mit Waffen und Hunden getötet.

Angefüllt mit Informationen und erschöpft vom feucht-heißen Dschungelklima sind wir ganz froh, nach zwei Stunden wieder in den klimatisierten Reisebus steigen und in die Annehmlichkeiten des Schiffes zurückkehren zu dürfen.

Cozumel, Mexico, cruise day 3 (Jewel of the Seas, 2022)

Wir gehen in Mexiko an Land. Am Montag läuft unser Schiff früh in Cozumel ein, bzw. legt dort an, denn Cozumel ist eine kleine Insel für der Halbinsel von Yucatan. Wir haben keinen Ausflug gebucht (fast alle Ausflüge haben mit Tauchen und Schnorcheln zu tun), sondern wollen auf eigene Faust los und im Meer baden gehen. Wir holen uns noch Badetücher, cremen uns gut ein (es sind 30 Grad) und laufen los.

Zuerst muss man natürlich durch die Shopping Zone, auch die Einheimischen wollen schließlich Geld mit uns verdienen. Ich brauche dringend einen Sonnenschutz für meinen Kopf. Bei unserem Koffer-Marsch in Miami habe ich einen Sonnenbrand auf dem Scheitel bekommen. Im Hutgeschäft bekomme ich schöne Damenhüte angeboten, leider alle zu klein für meinen Dickkopf. Ein Panamahut für den Herrn soll es dann werden. Der Verkäufer muss hinten im Lager lange nach einem passenden Exemplar suchen, wird aber fündig. Bargeld wechselt den Besitzer, Steuern und Gebühren werden gespart.

Dann geht es gut geschützt auf Strandsuche, immer an der Straße entlang. Wir haben zwar eine Art Karte dabei, aber die ist nicht wirklich genau genug. Wir gehen immer am Wasser entlang, aber der „Strand“ besteht nur aus Steinen. Irgendwann erreichen wir Downtown, und die weitere Beschilderung lässt vermuten, dass der ersehnte Sandstrand noch einige Meilen entfernt ist.

Wir drehen um und gehen zurück zu einem winzigen sandigen Meerzugang, an dem auch Einheimische kurz die Abkühlung genießen. Wir sind durchgeschwitzt und fußlahm, das warme Wasser ist wunderbar! Wir schwimmen beide abwechselnd ein bisschen herum und lassen uns dann von der noch wärmeren Luft trocknen, bevor wir wieder zum Schiff zurückkehren.

Wir sind insgesamt sieben Meilen gelaufen, allerdings ohne die passenden Stiefel dazu, sondern in Sandalen bzw. Flipflops. Unsere Füße freuen sich, dass sie den weiteren Nachmittag im Schatten am Pool verbringen dürfen.

Fazit der Atlantiküberquerung mit der QM2 (2022)

Das war nun unsere dritte Atlantiküberquerung, und sie war im Februar genauso herausfordernd vom Wetter her wie im Oktober/November. Insgesamt kommen wir trotzdem, wie geplant, sehr viel entspannter und ausgeruhter in den USA an, kein Jetlag wie beim Flug. Die sechs Stunden Zeitunterschied werden gar nicht wahrgenommen. An sechs von neun Tagen wurden die Uhren nachts um eine Stunde zurückgestellt, das fällt dem Organismus nicht auf, wenn man sowieso ausschlafen kann.

Der Transfer zum bzw. vom Schiff weg wird von Cunard sehr gut organisiert. Deren Website-Präsenz ist jedoch noch ausbaufähig, sie ist nicht gut zu handhaben. Wahrscheinlich buchen die meisten Reisenden (überwiegend sehr alte Menschen) ihre Fahrt immer noch über ein Reisebüro oder direkt telefonisch (die Telefone waren voll ausgelastet, die Zeit in der Warteschleife betrug immer mehr als 10 Minuten, als ich vor Reiseantritt mehrmals dort anrufen musste).

Hat es uns nun gefallen? Schwer zu sagen. Das Essen an Bord war überragend gut. Bei allen anderen Dingen müssen wir Abstriche machen. Die Mehrheit der Passagiere sieht das wahrscheinlich anders, also liegt das Problem wohl eher bei uns. Auf der Wikipedia-Seite der QM2 steht „Die Queen Mary 2 ist das Flaggschiff der Cunard-Flotte und erinnert sowohl in ihrem Erscheinungsbild als auch durch die Gepflogenheiten an Bord an die Transatlantikliner des frühen 20. Jahrhunderts.“

Was das wirklich bedeutet, wurde uns erst nach und nach an Bord klar. Und es wurde auch deutlich, dass das nichts für uns ist. Wir möchten uns nicht in einem living museum aufhalten und ständig den Hauch der glorreichen Vergangenheit einatmen müssen. Auf den ersten Blick ist alles sehr elegant, doch schnell fallen die Alterserscheinungen eines knapp zwanzig Jahre alten Schiffs im Dauerbetrieb auf: durchgesessene Polster, nur mäßig gut ausgeführte Reparaturen in der Kabine, Handläufe, die man nicht gern anfasst. Das steht im krassen Widerspruch zum Image des Luxusschiffs, das auf der Website und auf dem Schiff vermittelt wird.

Vielleicht stellt es sich ganz anders in den Bereichen ab Deck 8 dar, wer weiß. Wir waren ja gebucht in der „Brotklasse“ (mit den günstigen Kabinen der dritten und vierten Klasse für die Immigranten aus Europa verdiente Cunard früher das meiste Geld) und durften uns auch nur in den dazugehörigen Restaurants und Promenadendecks aufhalten. Die allermeisten Passagiere buchen die höherpreisigen (und damit auch höherwertigen?) Außenkabinen ab Deck 8. Viele bleiben nach dieser Überfahrt auch an Bord und reisen in die Karibik weiter, 28 Tage Kreuzfahrt von Southampton und zurück (bzw. 32 Tage von und nach Hamburg). Für uns nicht vorstellbar.

In allen Treppenhäusern und Gängen wird auf großen Tafeln die Geschichte der Cunard Line und ihrer großartigen Schiffe und deren großartigen Kapitäne und ihren illustren Gästen dargestellt. Die dargestellte Geschichte endet in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Wie es die Tradition auch gebietet, hängen überall Porträts der königlichen Familie. Ebenso werden Trophäen und Memorabilia ausgestellt. Wir leben inzwischen im 21. Jahrhundert, davon würde man auf dem Schiff nichts bemerken (es sei denn, man kauft das Internet-Paket, das nicht zuverlässig funktioniert).

Die Kellner wechseln zu jeder Mahlzeit ihre Livreen, der Afternoon Tea wird sogar mit weißen Handschuhen serviert. Im Gegensatz dazu steht die Qualität des Services. Die Aufmerksamkeit hängt stark von der Einzelperson ab und ist nicht überall gleich hoch, was manchmal sehr irritiert. Der Afternoon Tea im Queens Room, der jeden Tag um 15:30 Uhr stattfindet, war ernüchternd. Die Sessel stehen eng an eng, die Kellner müssen sich mit ihren Tabletts ordentlich durchquetschen.

Das Essen wird nicht auf Etageren serviert, die Kellner kommen für die einzelnen Gänge mit Tabletts vorbei. Der Tee wird aus großen Kannen nachgeschenkt, wenn denn ein Kellner mit voller Kanne vorbei kommt. Nach jeweils anderthalb Runden mit den drei Tabletts (Sandwiches, Scones, Süßes) wird damit begonnen, die ersten Tische abzuräumen (nach einer halben Stunde). Das Ganze ist in keinerlei Weise stilvoll, sondern eine notwendige Massenabfertigung. Wir waren nur einmal dabei.

Wir möchten nicht noch einmal in einem Museum mit staubigen Traditionen und einer großen geriatrischen Abteilung fahren, wenn es sich nicht vermeiden lässt. Den Atlantik weiterhin mit dem Schiff und nicht mit dem Flugzeug überqueren, wenn es die Zeit zulässt, das wollen wir schon, auch wenn es eine Herausforderung für das Gleichgewichtsorgan darstellt.

Ankunft in New York (USA 2022)

Vor dem Frühstück gehen wir an den Bug auf Deck 7, um das Einlaufen zu beobachten. Es geht vorbei an Rockaway Beach und Coney Island. Leider ist es zu neblig, um Fotos zu machen. Dann geht es unter der Verrazano-Narrows-Bridge hindurch mit genügend Zwischenraum (drei Meter vertikaler Abstand zwischen Brücke und Schiff), sehr langsam Richtung Brooklyn und mit Abstand an der Freiheitsstatue vorbei.

Nach einer Stunde draußen sind wir reichlich durchgefroren. Deshalb gibt es noch einmal ein ausgiebiges Frühstück an einem Fensterplatz, so dass wir das Rückwärtseinparken beobachten können. Der Anleger, seit 2006 für die Queen Mary 2 in Betrieb, ist ziemlich abgewrackt und ranzig, aber das merken die Passagiere nicht, wenn sie nachher über die Gangway aussteigen. Letzteres verzögert sich noch mehr, denn die Behörden brauchen sehr lange, um an Bord den Landgang freizugeben.

Wir räumen die Kabine und trinken noch einen Tee, bevor wir uns in die Schlange einreihen. Die mäandert sich durch das halbe Schiff, es gibt offensichtlich kein geplantes Ausschiffen. Anderthalb Stunden später gehen wir an Land und weitere 40 Minuten später sind wir mit unseren Koffern und einem neuen Stempel im Reisepass in Brooklyn, wo unser Fahrer (mit Ehefrau) nach Peekskill (schon vorher gebucht) bereits seit fast fünf Stunden geduldig wartet. Unsere text messages sind wohl nicht durchgegangen.

Die Autofahrt durch Brooklyn Richtung Norden ist ein Erlebnis für sich. Der Fahrer, ca. 80 Jahre alt (kein Witz), fährt zwar mit Navi (heißt hier GPS), hat aber seine ganz eigenen Vorstellungen im Kopf, wie er fahren möchte. Ein mobiles Navigationsgerät hängt an der Windschutzscheibe, spricht mit weiblicher Stimme und zeigt den Weg an. Ein weiteres Navigationsgerät ist fest im Auto eingebaut, spricht ebenfalls mit weiblicher Stimme und zeigt den Weg an, ist aber zu neu, als dass es von Fahrer oder Beifahrerin (ca. 70 Jahre) bedient werden könnte. Das dritte GPS befindet sich auf dem Mobiltelefon der Beifahrerin, zeigt den Weg, ist aber stumm geschaltet. Dafür spricht die Beifahrerin nahezu ununterbrochen, entweder mit ihrem Mann (hierhin, dorthin, zu schnell) oder mit uns (was viel Spaß macht und uns von den Gefahren, in denen wir uns häufig befinden, ablenkt) oder mit den anderen Navigationsgeräten (die sie aber nicht hören können). Drei weibliche Stimmen in unterschiedlichen Lautstärken, die dem Fahrer Anweisungen geben. Kein Wunder, dass er, zusätzlich zu seinem Alter, in dem man Anweisungen auch nicht mehr schnell genug umsetzen kann, auch noch auf Durchzug schaltet.

Auf diese Weise fahren wir etliche Umwege und können den La Guardia Airport von allen Seiten betrachten. Der liegt weiter im Osten, wir wollen eigentlich nach Norden. Irgendwann sind wir doch auf dem gewünschten (dem Fahrer vertrauten) Highway angekommen und es geht, vorbei an der Bronx, durch Yonkers, auf den Taconic State Parkway bis wir nach gut zwei Stunden in Peekskill an der Verleihstation des motorhomes ankommen.

On Sea, Day 9 (Cruise Queen Mary 2)

Nun ist die Überfahrt bald zuende. Die Zeichen mehren sich. Nach dem Frühstück steht der zweite obligatorische Antigen-Test (mit Attest, das dann später bei der Einreise gar nicht kontrolliert wird) an. Gestern kamen schon die Kofferanhänger und die Anweisungen für das Einreisen in die USA. Die aus der Bibliothek ausgeliehenen Bücher müssen zurück.

Es fühlt sich schon ein bisschen komisch an, alles nun ein letztes Mal zu machen, beginnend mit dem Frühstück im Restaurant. Endlich kann ich wieder alles essen, das Schiff fährt ruhig, der Sturm ist vorbei. Allerdings haben wir durch das Umfahren der Stürme Zeit verloren. Wir segeln zwar jetzt mit 25 Knoten im Schnitt, werden aber trotzdem mit drei Stunden Verspätung in New York ankommen. Wir finden das nicht schlimm, so können wir morgen doch noch in Ruhe im Restaurant frühstücken (doch nicht heute das letzte Mal).

Nachmittags packen wir das meiste ein (die Koffer sollen möglichst früh zum Abholen auf den Gang gestellt werden), anschließend trinken wir die Flasche Premium-Sekt aus der Minibar (375ml, complementary) beim Film gucken in der Kabine. Dann geht es vier Runden spazieren ums Schiff bei Sonnenschein und Wind auf dem Promenadendeck, bevor wir uns wieder dem Essen widmen.

Am Abend hören wir im Golden Lion Pub bei Whisky bzw. Guinness Livemusik von Shane und Cameron. Die anschließende Tanzshow auf der Theaterbühne beginnt schon so piefig, die alten Zeiten beschwörend und uninspiriert, dass wir sie nach zwei Nummern wieder verlassen. Im Pub findet in der Zeit ein Musik-Trivia-Spiel mit dem Schiffs-DJ (im Anzug) um eine Flasche Weißwein statt.

Das gesamte Unterhaltungsprogramm (Shows, Vorträge, Animationen, klassische Musik, Jazzmusik) auf dem Schiff ist handwerklich wirklich ordentlich, aber für unsere Ansprüche (Sind sie zu hoch?) einfach zu unambitioniert, zu simpel, zu sehr auf altes Publikum zugeschnitten. Das ist enttäuschend, denn auf den Schiffen von Royal Caribbean haben wir es anders erlebt. Morgen ist es zuende, ist auch nicht weiter schlimm.

On Sea, Day 6 – 8 (Cruise Queen Mary 2)

In der folgenden Nacht ist das Schiff extra langsamer und mit ausgefahrenen Stabilisatoren gefahren. Wir passieren das nächste Sturmzentrum zwar 500 Kilometer südlich, geraten aber in den ca. 1000 Kilometer langen Ausläufer. Wenn soweit weg der Wellengang so heftig war, dann möchte ich nicht da sein, wo der Sturm an Land fällt. Kein Wunder, dass sie in Irland und Wales entsprechende Vorsichtsmaßnahmen ergriffen haben.

Heute steht der erste von zwei Antigentests an, die wir für die Einreise in die USA benötigen. Dieser ist noch kostenlos, da kein Attest ausgestellt wird. Der zweite mit Attest kostet dann 25 $ pro Person, und beide Tests sind verpflichtend zu machen. Wir verzichten auf das Frühstück und reihen uns in die lange Warteschlange ein. Sie mäandert vom Flur aus durch die Kunstgalerie mit ihren dekorativen, aber künstlerisch wenig aussagekräftigen Werken hin zum Queens Room, wo auf der Tanzfläche sechs mobile Teststände aufgebaut sind. Wenn die Lautsprecheranlage später Paare namentlich bittet, in ihre Kabine zurückzukehren und purser‘s desk anzurufen (hab ich zweimal gehört), dann ist der Schnelltest wohl positiv. Alles wird hier sehr professionell und diskret gehandhabt.

Das lange Anstehen bei dem Wellengang ist so anstrengend, dass ich für den Rest des Tages ebenfalls auf die meisten Mahlzeiten verzichte. Am nächsten Tag ist der Wellengang zuerst nur noch drei bis vier Meter hoch, wird aber zum Abend hin stärker, das dritte Tiefdruckgebiet naht. Um die Mittagszeit herum befinden wir uns auf einer Höhe mit der Normandie südlich der Ostspitze Neufundlands in zwanzig Grad warmen Wasser und haben etwas mehr als die Hälfte der Atlantiküberquerung geschafft. Ab und zu essen wir, aber die meiste Zeit bleiben wir in unserer Kabine, lesen, gucken Filme oder schlafen.

Der fünfte Sturmtag beginnt morgens um sechs Uhr mit dem Passieren der letzten Ruhestätte der Titanic, etwa 40 Seemeilen südlich davon. Ein komisches Gefühl, da wir immer noch in sehr unruhigen Gewässern unterwegs sind. Wir haben inzwischen das dritte Tiefdruckgebiet erreicht. Der Kapitän versucht, auch dieses südlich zu umfahren, aber die Ausläufer sorgen für Orkanböen und rauhe See.

Das Wasser in den Pools ist inzwischen abgelassen worden, die Restaurants sind spärlich besucht, Tanzshows und Planetariumsvorführungen werden weiterhin abgesagt, die Außendecks bleiben abgeschlossen, obwohl wir dort 18 Grad hätten, Frühling, Golfstrom! Wir vertreiben uns die Zeit weiterhin mit dem Lesen dicker Schmöker vorwiegend im Bett, Essen ab und zu, Kinofilm im Fernsehen gucken und auch mal schlummern. So gehen die Tage herum.

On Sea, Day 4 – 5 (Cruise Queen Mary 2)

Mit dem Passieren der Western Rocks haben wir offiziell den Atlantik erreicht. Ich weiß wirklich sehr viel über Großbritannien, aber von den Western Rocks habe ich noch nie etwas gehört. Die Handvoll Felsen liegen westlich von Land’s End, und einige davon sind tatsächlich bewohnt. Nun fahren wir etwas weiter südlich als geplant, um den insgesamt drei stürmischen Tiefdruckgebieten über dem Atlantik auszuweichen. Der Seegang ist zunächst noch moderat, im weiteren gibt es Wellen bis zu 7 Meter hoch. Die Queen Mary 2 ist für diese Anforderungen konzipiert worden, Rumpf und Aufbauten bestehen ausschließlich aus Stahl. So liegt das Schiff relativ ruhig im Wasser. Aber eben nur relativ, je höher man sich aufhält, desto schaukeliger. Das Frühstück auf Deck 2 ist gut auszuhalten, lesen mittschiffs auf Deck 7 schon weniger, lesen in der Bibliothek vorne auf Deck 8 gar nicht. Am besten geht es im Liegen in der Kabine. Dann kann man auch immer mal schlafen.

Am nächsten Morgen (day 5) erscheinen schon weniger Personen zum Frühstück. Etliche der ca. 1400 Passagiere (Eigentlich fasst die Queen Mary 2 gut 3.000 Passagiere, wegen Covid-19 dürfen noch nicht so viele an Bord; allerdings ist die Besatzung von ca. 1300 Personen vollzählig an Bord.) bleiben auf ihren Kabinen. Das mit Teak ausgelegte Bootsdeck, auf dem man in zwei Runden 1,1 Meilen zurücklegen kann, ist wegen des starken Windes mit Böen von 8 bis 9 gesperrt.

Wir finden dennoch einen Weg, ein bisschen an die frische Luft zu kommen. Wir gehen zu den Hundezwingern auf Deck 12 (ja, es fahren auch Hunde und Katzen mit). Da kann nicht abgeschlossen sein, denn die Hunde benötigen ja Auslauf. Von dort aus kommen wir achtern über die Treppen bis auf Deck 7 hinunter.

In den Swimmingpools kann man im Kleinen sehr gut die Höhe des Wellengangs erkennen, das Wasser schwappt ordentlich in dem Becken. Da wir um die Mittagszeit draußen sind, können wir auch die vier Schiffshörner tuten hören, die, wenn auf See, immer um diese Zeit getestet werden. Eines der Typhone stammt noch vom Schiff Queen Mary. Hier wird viel Wert auf die Traditionen gelegt. Immerhin ist es so umgebaut worden, dass es nicht mehr mit Dampf betrieben wird.

Es ist nicht gemütlich genug für einen längeren Aufenthalt draußen. Alle Außentüren auf Deck 7 sind tatsächlich abgeschlossen, nicht nur mit einem Absperrband innen gesperrt. Wir müssen auf Deck 8 steigen und finden dort die zweite Möglichkeit, auch bei Sturm hinaus zu kommen: als Raucher-in. Draußen sind es angenehme 15 Grad, sowohl Luft als auch Wasser (sagt der Kapitän), aber es schauert doch ab und an aus den Wolken. Wir nähern uns dem Tiefdruckgebiet Eunice (Zeynap in Deutschland) vor uns mit knapp 20 Knoten. In Wales haben sie schon den Zugverkehr für den nächsten Tag abgesagt, wenn der Sturm dort auf das Land fällt.

Wir befinden uns im Moment auf der Höhe von Kap Finistere in Nordspanien und halten Kurs auf die Südspitze von Neufundland. Am Abend geht es mir wirklich nicht mehr gut, das Schaukeln im Kino gibt meinem Magen den Rest. Das angekündigte Tiefdruckgebiet hat uns erwischt, wenn auch nur am Rand. Das reicht schon vollkommen aus. Kay sieht den Film ganz an und freut sich dann auch, dass er sich hinlegen kann.

Southampton (UK), Day 3 (Cruise Queen Mary 2)

Heute müssen wir früh aufstehen, um uns noch vor dem Frühstück mit Reisepass der britischen Passkontrolle in persona zu präsentieren. Einmal kurz die Maske abnehmen, ein Blick in die Papiere und schon haben wir die kleine grüne Karte in der Hand, die es uns erlaubt, später an Land zu gehen. Die digitale Anmeldung (passenger locator form) mussten wir schon vor Fahrtantritt zuhause ausfüllen.

Nach dem Frühstück kommen wir auf unserem Weg zur Gangway an diesem traditionellen roten englischen Briefkasten vorbei. Die Queen Mary 2 heißt mit vollem Namen RMS Queen Mary 2, wobei die Abkürzung für Royal Mail Ship steht. Sie befördert immer noch Post der britischen Royal Mail. Wenn man die passenden Briefmarken dabei hätte, könnte man also etwas in den Briefkasten hineinwerfen.

Wir werden von einem Doppeldecker-Shuttlebus zum West Quai Shopping Centre gebracht, in dem die meisten Mitreisenden schnell verschwinden. Kein Wunder, es regnet. Wir wollen auch ein bisschen shoppen, besuchen aber zunächst die City Art Gallery und genießen die Kunst aus den Sammlungen. Die nächste Sonderausstellung wird leider noch aufgebaut.

Danach ist der Regen eher stärker geworden, wir trocknen uns in einem Café mit Wifi, um gleichzeitig den letzten Beitrag von Europa aus zu posten. Anschließend bummeln wir durch einige charity shops, von denen es weniger gibt als noch vor sechs Jahren. Wir entdecken die ersten starken Anzeichen vom bevorstehenden Frühling, zumindest hier in der Nähe des Golfstroms.

Der Regen hört einfach nicht auf, wir gehen früher als gedacht zurück zur Bushaltestelle des Shuttles. Wir durchqueren das West Quay Shopping-Center, aber auch dort es hält uns nicht weiter. Wir lassen uns zum Schiff zurückfahren.

Während wir zu Abend essen, bricht das Schiff zu seiner 336. Transatlantiküberquerung auf. Die Lichter des Hafens ziehen an uns vorbei, wir genießen dabei das sehr gute Essen. Danach ist Showtime: Zuerst erfreuen uns die MacDonald Bros. mit (im weitesten Sinne) schottisch-irischer Musik, danach gehen wir wieder ins Kino und gucken uns The Protégé an. Die Liveauftritte an Bord sind alle handwerklich gut, das Repertoire allerdings für den sehr breiten Massengeschmack. Ein bisschen etwas hören und sehen wir uns immer an, aber wir bleiben nie lang an einem Ort.

On Sea, Valentine’s Day, Day 2 (Cruise Queen Mary 2)

Das Schiff fährt wunderbar ruhig durch die Nordsee Richtung Großbritannien und ist nur mäßig ausgelastet, rund 300 Passagiere sind in Hamburg zugestiegen. Die anderen haben einen Kurztrip von Southampton nach Hamburg (Was macht man an einem Sonntag in Hamburg, wenn die meisten Personen Shopping als Freizeitbeschäftigung ansehen?) und zurück gebucht und werden am nächsten Tag wieder aussteigen. Wir nutzen die Schiffsreise als das, was es bis kurz vor unserer Geburt einmal war, die einzige Möglichkeit, von Europa nach Amerika zu kommen. Von den Schiffen, die heute noch über den Atlantik fahren, ist die Queen Mary 2 der einzig verbliebene echte Transatlantikliner, weil als solcher gebaut.

Das Frühstück wird unter anderem à la carte im Britannia Restaurant serviert. Wir bekommen einen Fensterplatz und genießen die große und sehr leckere Auswahl an Speisen.

Anschließend suchen wir uns einen ruhigen Platz um zu lesen. Schon gestern haben wir uns Bücher aus der beeindruckenden Bibliothek ausgeliehen, auch so ein Ort, der nicht einfach zu erreichen ist. Es gibt unglaublich viele Bücherschränke, deren Glastüren alle am Abend wieder geschlossen werden, dazu Sofas und Sessel in quiet zones zum Lesen, aber auch Computerarbeitsplätze.

Wir finden zuerst einen Platz am Rande der Selbstbedienungsrestaurants. Das hat den Vorteil, dass man auch etwas zu trinken bekommen kann, wenn ein Kellner vorbei kommt. Wegen Covid-19 darf man sich nichts mehr selbst nehmen. Der Nachteil ist, gerade beim Lesen, dass es sehr unruhig ist. Je näher lunchtime rückt, desto lauter wird es. Auf dem Büffet steht heute am Valentinstag das Süße im Mittelpunkt. Die Arbeit der Patisserie-Abteilung ist fantastisch. Alle fotografieren, auch der Chef selbst.

Wir nutzen die Chance und essen noch das eine oder andere Teilchen und suchen uns anschließend einen neuen Platz zum Lesen.

Den finden wir in der Bibliothek mit Blick auf das Meer. Hier bleiben wir etliche Stunden, bis es Zeit wird, sich für das erste Galadinner der Reise umzuziehen. Wegen Wartungsarbeiten musste für zwei Stunden das Wasser auf einigen Decks abgestellt werden. Leider gab es keine Anweisung, wie anschließend wieder heißes Wasser aus der Dusche kommt. Auch findet sich das versprochene Kärtchen mit unserer Tischnummer für das nahende Abendessen nicht. Nun haben wir eine luxuriöse Überfahrt mit dem Flaggschiff der traditionsreichen Cunard Line gebucht. Der Preis ist hoch und damit auch die Erwartungen an die Leistung.

Die Diskrepanz empfinden wir inzwischen als viel zu hoch und laden unseren Frust am purser‘s office ab. Am Ende hat der sehr geduldige Steward uns einen (wieder nur vorläufigen) Tisch im Restaurant (und zur späteren Zeit) gebucht, den Installateur angerufen (Wasser fünf Minuten laufen lassen) und unsere aufgebrachten Nerven mit zwei Flaschen Wein auf Schiffskosten beruhigt. Die Queen Mary 2 besitzt mit 17.000 Flaschen/ 200 Sorten den weltweit größten Weinkeller, der an Bord eines Schiffes zu finden ist. Da fallen zwei Flaschen weniger auch nicht auf.

Das exzellente Dinner (jetzt mit Tischwein) und die anschließende Show im Theater versöhnen uns wieder mit der Schiffswelt hier. Wir beschließen, von nun an die Dinge so hinzunehmen, wie sie uns erscheinen und das Schöne, das wir erleben, zu genießen. So schläft es sich gleich viel besser ein.

Hamburg Fortsetzung, Day 1 (Cruise Queen Mary 2)

Der vorherige Bericht bildet die ersten Erlebnisse an Bord nur unzureichend ab, daher kommt jetzt eine ausführlichere Schilderung. Unsere Kabine ist in der Tat an etlichen Stellen etwas abgewohnt. Das Schiff ist seit 2004 in Betrieb. Ich hätte erwartet, dass man bei einer solch traditionsreichen Linie wie Cunard mehr Wert auf ein makelloses Erscheinungsbild legen würde. Vor allem, weil die glorreiche Vergangenheit hier auf Schritt und Tritt thematisiert und bebildert wird.

Der erste Abend im Restaurant beginnt weniger erfreulich. Auf einem Kärtchen in unserer Kabine stand die Tischnummer für die gesamte Überfahrt. Zur angegebenen Zeit erscheinen wir am Eingang, zeigen die Karte vor und werden von einem Kellner zu unserem Tisch begleitet. Nur war der leider schon von einem anderen Paar besetzt, was eigentlich bei einem computergestützten Buchungssystem nicht möglich sein sollte. Wir werden gebeten, ein wenig zu warten, bis das Problem gelöst wäre.

Da stehen wir nun inmitten herumflitzender Kellner und speisender Gäste und stehen und stehen. Eine geschlagene Viertelstunde lang! Das ist gar kein gutes Gefühl. Am Ende findet sich ein Tisch (Wieso kann es so lange dauern bei dem computergestützten Buchungssystem?), und das Essen, wir entscheiden uns für vier von fünf möglichen Gängen, ist sehr, sehr gut. Das Bild zeigt den Appetizer. Zum Abschluss gibt es Kaffee und Petit Four und das Versprechen, dass das Tischproblem gelöst werden würde.

Auf dem Weg ins Kino im Planetarium kommen wir an den verschiedenen Bars und Lounges vorbei, in denen Livemusik aller Art dargeboten wird. An einigen kommen wir auch mehrmals vorbei, denn die Navigation auf dem Schiff fällt uns noch nicht leicht. Im Moment sieht alles noch ähnlich aus, besonders die insgesamt vier Treppenhäuser. Die müssen jedoch unbedingt unterschieden werden, um bestimmte Bereiche des Schiffes erreichen zu können. Wir sind aber rechtzeitig genug da, genießen noch etwas die Ruhe und dann eine Kinovorführung von F9 – the Fast Saga für uns ganz allein in dem großen Saal.

Der erste Tag an Bord endet dann doch ganz versöhnlich, die Kabine ist bei Rückkehr schon bettfertig gemacht, inklusive ein Stückchen Godiva-Schokolade, und wir schlafen sehr gut.