At sea, cruise day 5 (Anthem, Oktober 2023)

Die letzten beiden Tage mit Landgängen fordern ihren Tribut: Wir schlafen morgens länger, wir schlafen über Mittag, wir ruhen am Nachmittag. Draußen ist es sonnig und warm, aber sehr, sehr windig. Wir gehen später noch auf Deck 15 einmal ums Schiff herum, aber vorne ist wegen des starken Windes schon gesperrt.

Das Softeis, das es auf dem Pooldeck gibt (orangener Sonnenschirm), müssen wir sehr schnell essen, bevor es uns wegweht! Auch der Zugang zum Außenbereich auf Deck 5 ist für Gäste komplett gesperrt.

Nach dem wieder sehr guten Abendessen (Lachs und Weißwein für mich, Kay bleibt beim Curry und dem Heineken Bier) schauen wir uns zwei sehr unterschiedliche Shows an.

Zunächst sehen wir Spectra‘s Cabaret im Two70 (im Bug), sehr spektakulär, jede Menge Videoprojektionen auf dem gesamten Hintergrund und den beweglichen Schirmen davor in der Mitte. Dazu kommen der Conférencier und Sänger Spectra, zwei Sängerinnen, zehn Tänzer und Tänzerinnen sowie ein Saxofonist und eine Percussionistin zusätzlich zur Musik aus der Konserve.

Alle Personen wechseln häufig ihre Kostüme und die Plätze auf den vielen beweglichen Bühnenelementen. An drei Stellen befinden sich Lifts in den Bauch des Schiffes, wo alle Menschen mal auf- oder auch wieder abtauchen. Wir verleben eine sehr beeindruckende Dreiviertelstunde.

Zwei Stunden später sitzen wir im Royal Theatre, um die Show The Gift zu sehen. Das Setting spielt im viktorianischen England, Kulissen und Kostüme sind sehr steampunkig gestaltet. Sowohl Bühnenbild, als auch Effekte und Gesang sind herausragend gut. Wir fühlen uns wunderbar unterhalten.

Morgen geht es wieder an Land, wir segeln weiter nach Süden und werden dann die Kanarischen Inseln erreicht haben.

Vigo/ Spanien, cruise day 3 (Anthem, Oktober 2023)

Beim Frühstück begrüßen wir unsere Tischnachbarn mit einem fröhlichen „Good Morning!“. Sie werfen uns nur ein grimmiges „It‘s a terrible morning this morning!“ zu. Ja, die See war zugegebenermaßen etwas rau am Abend und in der Nacht, aber meine Armbänder wirken wirklich gut.

In Vigo nieselt es vor sich hin, allerdings bei freundlichen 23 Grad Celsius. Nachdem wir das Schiff und unsere Kabine von der Mole aus fotografiert haben, immerhin mit einem Regenbogen, ziehen wir uns doch Regenjacke bzw. -poncho über.

Zuerst suchen wir das Haus, auf dem ein riesiges Ei steht. Das habe ich vom Schiff aus gesehen und möchte es nun fotografieren. Leider ist das Licht uns nicht gesonnen, so schön wird das Foto nicht. Bei Sonnenschein wird es glitzern und funkeln. Was es mit dem Ei auf sich hat, haben wir leider nicht herausfinden können.

Dann laufen wir bergauf, um zum Kunstmuseum MARCO zu kommen. Wir waren schon zweimal dort und sind immer auf anderen Wegen dorthin gelangt. Auch diesmal finden wir einen neuen Weg mit Umwegen, die uns meist bergauf führten, bis wir einmal wieder auf der Rückseite des Gebäudes ankommen.

Die nassen Regenklamotten kommen mit dem Rucksack in ein Schließfach, und wir beginnen diesmal oben mit der Besichtigung. Zuerst schauen wir uns Bilder von Juan Giralt (Name der Ausstellung: 1940-2007) an, die uns beiden allerdings so gar nichts sagen. Wir gehen recht flott durch die Räume.

Dann geht es weiter zu Concha Martínez Barreto (Cando remata o dia ), die uns eher anspricht. Die Bilder sind toll gemalt und wirken auf den ersten Blick sehr lieblich. Wenn man dann etwas länger hinschaut, wirken sie sehr verstörend, entweder durch surreale Größenverhältnisse oder Kombinationen von Motiven, die nicht zusammen passen.

Für diese Fotoinstallation suchte sie 100 Buchcover, die Tage und Zahlen im Titel haben. Die Lücken in der Hängung sind Leerstellen der Zahlen, die sie (bisher) nicht gefunden hat.

Sehr spannend ist dann die Ausstellung in den Räumen im Erdgeschoss. Diese sind mit Werken von Lluís Lleó (Barcelona, 1961) gefüllt, die er seit seiner Rückkehr aus den USA 2017 angefertigt hat. Beeindruckend sind die Zeichnungen/Malereien auf nepalesischem Papier in großen Abmessungen oder die Kombination von Stein und Malerei (z.B. die zusammengenähten Steine). In einigen Werken arbeitet er absichtlich angebliche Fehler ein, die sich bei längerem Schauen als sehr intelligente Erweiterungen der Ebenen entpuppen.

Nach dem Besuch gehen wir, entgegen unserer Gewohnheit nicht mehr ins Café, sondern zügig zum Schiff zurück.

Der Dauernieselregen ist nicht gut zum Fotografieren und die 23 Grad wirken bei Regen auch nicht so warm. Zurück auf dem Schiff spielt der Poncho „Ghost in the Machine“ in der Duschkabine.

Wir essen einen späten Lunch (später merken wir, dass das nicht gut war) und ruhen uns dann auf der Kabine aus. Ab heute haben wir auch wieder einen festen Platz beim Abendessen. Da das Schiff nach der Abfahrt aus Vigo schon wieder mächtig schaukelt, binde ich meine Armbänder wieder um. Das ist auch ganz gut so. Das Abendessen ist wieder lecker, aber leider hatten wir mittags zu viel gegessen (s.o.) und der Zeitabstand zwischen den Mahlzeiten war einfach zu kurz.

Nach dem Essen machen wir noch einen kleinen Abstecher in die Library und sitzen dort noch etwas herum und lesen. Danach wollen wir eigentlich die Show ansehen, die eigentlich für heute geplante Aufführung von The Gift ist wegen des stürmischen Wetters schon durch einen Comedian ersetzt worden. Doch auch daraus wird nichts für uns. Auf dem Weg zum Theater schaukelt das Schiff schon so stark, dass wir lieber auf die Kabine gehen.

Dort schaffen wir es nur noch kurz, weiter zu lesen. Die Schaukelei ist so stark, dass sogar Kay sich wegen Unwohlseins hinlegen muss. Wir versuchen nur noch, dass wir vor dem Übergeben einschlafen.

Lissabon/ Portugal, cruise day 4 (Anthem, Oktober 2023)

Das mit dem Schlafen ist uns geglückt. Wir wachen auf, weil das Schiff ganz ruhig läuft. In Lissabon gehen beim Anlegemanöver gerade die letzten Lichter der Straßenbeleuchtung aus.

Nach dem Frühstück, viel Hunger haben wir nach der Nacht nicht, packen wir unsere Sachen und gehen an Land. Wir konzentrieren uns heute auf den barocken Teil der Altstadt, die Unterstadt (Baixa), die nach dem großen Erdbeben 1755 neu aufgebaut wurde.

Zuerst suchen wir dort nach einer Apotheke. Ich habe heute Morgen die letzte Schilddrüsentablette genommen und danach festgestellt, dass ich den Nachschub zuhause nicht eingepackt hatte.

Wir finden recht schnell eine Apotheke, in der wir erfreulicherweise erfahren, dass sie nicht nur genau mein Präparat haben, sondern dass es in Portugal auch noch rezeptfrei erhältlich ist. Alles, was hormonell hilft und lebensnotwendig ist, wie auch die Anti-Baby-Pille, muss hier nicht verschrieben werden.

Wie außerordentlich praktisch, und mit nur 3,60 € auch noch günstiger als bei uns. Portugiesen zahlen sogar nur 1,50 € als Zuzahlung. Und wir haben um kurz vor 11 Uhr vormittags schon angenehme 23 Grad!

Anschließend laufen wir kreuz und quer durch die Gassen und Treppen …,

… sehen den Platz Dom Pedro IV wieder, …

… kommen am Museum für die Guardia Nationale vorbei, und treffen daneben auf die Reste der Kirche Convento do Carmo.

Damals haben sie nach dem Erdbeben und dem folgenden Tsunami alles wieder aufgebaut und nur diese Kirche als Mahnmal stehen gelassen.

Als wir aus einem Durchgang herauskommen und kurz laut überlegen, wohin wir gehen sollen, spricht uns einer der Touristen-Tuk-Tuk-Fahrer auf Deutsch an, ob wir uns verlaufen hätten. In dem sehr netten Gespräch gibt er uns gute Hinweise, was wir uns noch ansehen sollten, nachdem wir ihm erzählt hatten, dass wir gern einfach ohne genauen Plan zu Fuß durch Städte streifen würden. Er ist waschechter Portugiese aus Lissabon und spricht akzentfrei Deutsch, seine Mutter kam aus Schwaben und sprach nur Deutsch mit ihm.

Kay trifft so am BaixaChiado Fernando Pessoa für einen kurzen Schnack …

… und wir kommen an der Fornicularbahn vorbei, die allerdings nicht fährt.

Am Aussichtspunkt in Misericórdia machen wir ein paar Fotos von der Brücke. So überwältigend finden wir diesen Aussichtspunkt dann nicht. Madonna hat hier mal gewohnt, natürlich in einem Palast.

Als wir wieder am Platz Luís de Camões ankommen, machen wir eine kleine Pause mit Espresso und Pasteis de Nata. Vorher haben wir bereist in einer Schaubäckerei gesehen, wie die berühmten Pasteis de Nata hergestellt werden.

Anschließend geht es wieder Richtung Schiff. Wir gehen noch auf den Aussichtspunkt oben am Lift Elevador de Santa Justa, aber leider kommen wir nicht nach ganz oben, die Plattform ist gesperrt. So bleibt nur der Fast-Rundumblick durch den Maschendraht von der Ebene darunter:

Wir nehmen nicht den Lift hinab, sondern gehen zu Fuß. Das geht schneller und ist billiger! Über den Praça do Comércio geht es zum Fluss hinunter.

Am „Wasserbahnhof“ (Terreiro do Paço) gleich nebenan des Kais für die Kreuzfahrtschiffe legen die verschiedenen Schiffe an, die den Fluß Tejo queren. Im neu erbauten Gebäude sieht es wirklich wie in einem Bahnhof aus.

Dann hat uns das Leben auf dem Schiff wieder: gutes Essen, gute Unterhaltung, gute Drinks in der Bar, gute Nacht danach.

At sea, cruise day 2 (Anthem, Oktober 2023)

Der erste Seetag wird überwiegend mit Essen, lesen und schlafen gefüllt. Wir durchqueren die Bucht von Biscaya und es ist ziemlich windig, man könnte auch schon stürmisch sprechen, dementsprechend schaukelig.

Ich lege die sea bands um, die ich vor Reiseantritt in der Apotheke bekommen habe. Der kleine Nupsi drückt, korrekt angelegt, auf den Nei-Kuan Punkt. Und es wirkt. Mir wird nicht schlecht, ich kann alles essen und auch lesen, während für die anderen Menschen die Tabletten vom Guest Service oder die Spuktüten, die sich an den Treppenaufgängen befinden, ausreichen müssen. Akupressur wirkt!

Nach dem Abendessen, diesmal als formal night, wir sind entsprechend hübsch angezogen, gibt es auf der Royal Esplanade schon wieder free champagne für uns, der Kapitän lädt zur reception ein. Wir stellen uns nicht für ein Foto mit ihm an, sondern trinken lieber noch ein zweites Glas auf die Crew.

Danach ziehen wir uns wieder legerer an und gehen ins Solarium, um zu lesen. Hier ist es sehr leer und dementsprechend recht leise.

Wir dürfen als Diamond Member jeden Tag vier Getränke umsonst bestellen. Zum Essen hatten wir schon Wein bzw. Bier, hier trinken wir dann noch den Cocktail of the day, einen Raspberry Rickey. Der schmeckt ganz gut, aber wie fast alle Cocktails etwas zu süß.

Auf geht‘s, cruise day 1 (Anthem, Oktober 2023)

Diesmal müssen wir den Wecker stellen, da wir das Appartement um 10 Uhr räumen müssen. Wir holen uns bei Wenzel, the Bakeries Kaffee und ein süßes Teilchen. Beides wird im Appartement verzehrt, bevor wir alles packen und die Koffer pünktlich im Flur abstellen können.

Wir wollen noch ein bisschen Shopping erledigen, die Geschäfte haben hier in Southampton auch sonntags geöffnet. Inzwischen ist es auch wärmer geworden (vorhin war es nur 3 Grad, aber sonnig) und die Fußgängerzone füllt sich merklich. Wir stromern noch ein bisschen durch die Straßen und das Westquay Shopping Center, bevor es zurück zum Appartement geht.

Dort steht die Tür offen: die Reinmachefrauen sind grad angekommen. Kein trouble mit dem Yale-Schloss, hurra! Wir schnappen uns unsere Koffer und machen uns auf den Weg zum Hafen.

Wir sind nicht die einzigen, die zu Fuß dorthin gehen. Und dazu kommen noch eine ganze Menge mehr, es ist 12 Uhr, wir müssen Schlange stehen. Nach der Kofferabgabe geht es durch die Sicherheitskontrolle, dann zur Pass- und Visaüberprüfung.

Das dauert bei uns etwas, da wir immer noch mit zwei Pässen hantieren müssen. Aber dann wird noch ein Foto für die Kontrollen beim Schiff betreten und verlassen gemacht und schon geht es nach drinnen.

Das Schiff ist groß!! Wir suchen uns zunächst unsere Musterstation, werden abgehakt und bekommen noch eine live-Vorführung, wie die Schwimmweste anzulegen ist (wir hatten uns das Video nicht vorher in der App angesehen; was die alles merken!). Dann ist auch die Kabine schon fertig, 8506 im Bug, schön groß mit viel Platz. Da wir schon oft mit Royal Caribbean gefahren sind, finden wir eine Einladung zu einem Mix & Mingle für nachmittags im Solarium für Diamond Members and above. Da wollen wir dann hin. Vorher holen wir uns Kaffee, etwas zu essen und aus der Bücherei insgesamt fünf Bücher (was man hat, das hat man) und beginnen schon mal zu lesen.

Auf dem Mix&Mingle treffen wir bei sehr lauter Musik auf sehr viele Menschen. Es gibt kleine Häppchen und reichlich Champagner. Wir trinken ziemlich viele Gläser, gucken uns die Abfahrt aus Southampton an und finden dafür später einen Platz auf einer großen Schaukel.

Vor dem Abendessen legen wir uns noch einmal hin. Die großen Koffer sind inzwischen auch vor unserer Kabine angekommen und waren auf das Auspacken. Wir haben diesmal my time dining gebucht, da die festen Zeiten für das Abendessen 17:15 Uhr oder 20:00 Uhr sind. Das eine ist zu früh, das andere zu spät für uns. Für heute haben wir einen Platz im Silk vorgebucht. Das Essen ist sehr lecker, die waiter nett, aber der Platz gefällt uns nicht, zu sehr am Durchgang gelegen. Morgen hätten wir es gern anders. Nach dem Essen geht es für uns direkt auf die Kabine. Der Tag war voll und anstrengend. Aber: schön, wieder auf dem Schiff zu sein.

Auf zur nächsten Kreuzfahrt (Oktober 2023)

Wir machen uns auf den Weg zur nächsten cruise, wieder einmal über den Atlantik, diesmal von Southampton, England aus. Der Reisetag wird lang, und wir wechseln die Verkehrsmittel häufig. Wir starten morgens um 8:30 Uhr mit dem PKW zum Flughafenbus und mit dem weiter nach Hamburg. Alles funktioniert gut, auch die elektronischen Tickets können eingelesen werden. In Hamburg sind die Bordkarten schnell ausgedruckt und die Koffer abgegeben. Für die Sicherheitskontrolle am Flughafen haben wir uns diesmal einen Slot&Fly gebucht, aber dann doch nicht genutzt. Die Wartezeit in der regulären Schlange ist kürzer als die bis zum Slot-Beginn.

Da Großbritannien nicht mehr in der EU ist, müssen wir durch die Passkontrolle, doch Dank unserer Pässe geht es durch das eGate. Danach füllen wir die Wasserflaschen auf und laufen schon mal zum Abfluggate. Diesmal fliegen wir mit Eurowings, leider hebt der Flieger mit einer Dreiviertelstunde Verspätung Richtung London ab. Das bringt nicht nur unseren Zeitplan durcheinander. In Heathrow gelandet, kommen die Koffer recht schnell, wieder geht es durch das elektronische Tor bei der Passkontrolle. Und ab da ist Geduld angesagt. Den gewünschten Bus für die Weiterfahrt nach Southampton verpassen wir so gerade eben. Der nächste Bus (sie fahren alle zwei Stunden ab) ist schon ausgebucht. Es wird also der um 20:00 Uhr Ortszeit (21 Uhr bei uns) werden.

Wir lassen uns häuslich bei Cafè Nero nieder, die haben guten Kaffee und gutes WLAN. Immerhin müssen wir hier vier Stunden verbringen. Als ich den Kaffee bezahlen will, wir haben noch £100 Bargeld in Scheinen dabei vom letzten GB-Aufenthalt, erfahre ich, dass die Scheine seit drei Jahren nicht mehr gültig sind! Wie gut, dass wir auch über Kreditkarten verfügen.

Am Geldwechselschalter erkundige ich mich später, ob die die alten Scheine vielleicht gegen neue einwechseln können – leider nein! Wir müssen zu einer Bank gehen, die natürlich am Wochenende (heute ist Freitag) geschlossen haben. So ein Pech, ich werde Britisch höflich angemessen bedauert. Das gute Internet wird dann genutzt, um schon mal die Bustickets zu buchen, wir können ja nun nicht mehr Cash bezahlen. Wir vertreiben uns die Zeit mit lesen (am Hamburger Flughafen lagen noch Papierzeitungen herum) und spielen. Vier Stunden können sehr langsam vergehen, aber der Cafe Mocha ist echt gut!

Nach gut drei Stunden beschließen wir, uns schon mal auf den Weg zum Busbahnhof zu machen. Im Café war zuletzt immer weniger los, von daher überrascht uns der Andrang auf die Fahrstühle doch etwas. Es ist voll, aber dann kommen wir doch in einem Fahrstuhl abwärts hinein. Dann geht es mit allen anderen immer den Hinweisschildern Richtung Busse, U-Bahn und Parkplätzen hinterher. Wir müssen dann mit einem Fahrstuhl wieder hinauffahren und dort erwartet uns Dunkelheit, Regen und wiederum viele Menschen, die mit den Bussen weiter fahren wollen.

Es ist Freitagabend um zwanzig Uhr. Unser Bus kommt, der Fahrer kontrolliert das online-Ticket und lädt dann die Koffer ein. Dann kommen doch noch zwei Personen mit sehr viel Gepäck und ohne zusätzliches Ticket. Der Fahrer (und wir im Bus) wartet, bis der Mann im Busbahnhof das extra Ticket für das Mehrgepäck besorgt hat und lädt es anschließend ganz in Ruhe ein. Wir fahren mit einer Viertelstunde Verspätung ab.

Vor uns liegen etwas mehr als zwei Stunden Fahrt. Die erste Stunde verbringen wir damit, vom Flughafenterminal 2+3, wo wir eingestiegen sind, erst zum Terminal 4 und dann zum Terminal 5 zu kommen. Jedesmal steigt der Fahrer aus, kontrolliert die Tickets. Der Flughafen London-Heathrow ist riesig! Danach geht es aber sofort auf die vierspurige Autobahn, wir hatten kurz in the middle of nowhere an einem Park&Ride Parkplatz in der Nähe von Winchester, wo tatsächlich Menschen aussteigen. Dann erreichen wir auch schon Southampton und sind pünktlich um 22:15 Uhr am Busbahnhof, ohne dass der Fahrer gehetzt wirkte. Nur einmal wurde er ungehalten, als sich Fahrgäste trotz seiner wiederholten Aufforderung, sich zu setzen, dem nicht nachkamen, denn er darf nur fahren, wenn alle Passagiere sitzen. Daran hält er sich strikt. Und alle Passagiere schnallten sich nach seiner Aufforderung auch an, denn it‘s the law. Auch das ist faszinierend zu beobachten.

Nach einer kleinen Orientierung und einem kurzen Fußweg durch die Innenstadt, die gut gefüllt mit Partygängern ist, erreichen wir unser AirBnB-Appartement, dessen Tür mit einem Yale-Schloss gesichert ist, das einen Zahlencode erfordert. Den haben wir, und wir wissen ihn trotz Müdigkeit auch auswendig. Doch das Zahlenfeld, um ihn einzutippen, erscheint nur, wenn die Fläche zunächst von der ganzen Hand vollständig verdeckt wird (und auch dann nicht sofort). Wir sind müde, hungrig, ungeduldig, benötigen sehr viele Versuche, aber schließlich klappt es doch. Wir sind drin, das Appartement ist gut ausgestattet. Wir verzehren unsere Sandwiches mit Bier (der Tesco Express in der Nähe hatte noch bis 23 Uhr geöffnet) und fallen kurz nach Mitternacht local time völlig fertig ins Bett.

Caribbean Cruise, day 8, St. Kitts & Nevis 🇰🇳 (April 2023)

Heute legen wir in Basseterre, der Hauptstadt von St. Kitts and Nevis an. Basseterre ist eine der ältesten Städte in der östlichen Karibik und wurde bereits 1627 von Franzosen gegründet. Wir waren vor sieben Jahren schon einmal hier.

In der Zwischenzeit hat sich am Hafen eine Menge getan, es wurde viel Geld in die Touristenversorgung investiert, denn der Tourismus ist inzwischen die wichtigste Einnahmequelle der Insel.

Vom Hafen aus kommt man zu Fuß nicht weit, das wissen wir noch vom letzten Besuch. Daher haben wir diesmal einen Ausflug in den Regenwald gebucht. Unsere Gruppe wird auf offene Busse verteilt, wobei die Fahrer jeweils auch als Tourguides agieren.

Auf der kleinen Sightseeingtour verstehen wir die vielen Informationen über das Land nur, wenn wir einen Stopp einlegen. Wir sitzen in der ersten Reihe, und der Dieselmotor des Toyotas übertönt den Lautsprecher am rückwärtigen Ende des Busses eindeutig. Das ist aber auch nicht so schlimm, denn die letzen Tage lieferten einen Überfluss an Informationen.

White cattle egris, die sonst die Parasiten von den Kühen picken, beschützen hier auf dem Baum ihre Brut vor den Mangusten, ihren Fressfeinden.

Auf dem Weg kommen wir an einem 400 Jahre alten Mahagoni-Baum vorbei. Die frischen Schnittstellen (eine ist auf dem Foto zu sehen) leuchten tiefrot.

Der hinter der Wolke noch sichtbare Berggipfel ist Mount Liamuiga ein Vulkan und der höchste Gipfel der Insel, ca. 1360 Meter hoch. Man kann ihn besteigen.

Auf diesem Hügel liegt das alte Brimstone Hill Fortress, an der einzigen Stelle, an der man von der Atlantikseite aus auf die karibische Seite zum Anlegen kommen konnte. Jedes Schiff war von weither sichtbar. Es ist das größte Fort, das in der westlichen Karibik erbaut wurde.

Die Früchte des Brotfruchtbaums sind sehr nahrhaft. Der Baum wurde von den Sklavenhaltern zur Ernährung der Sklaven in die Karibik importiert, da er sehr viele Früchte trägt, die satt machen. Dass die Früchte auch eine Menge Steroide enthalten, damit die Sklaven länger arbeiten ohne die Schmerzen zu spüren, ist eine gern wiederholte Legende.

Wir fahren (hier herrscht Linksverkehr) durch Old Road Town, dem Heimatort unseres Guides Sil (sein eigentlicher Vorname ist länger und besteht aus den jeweils ersten Silben seines Vaters und seiner zwei Großväter, witzige Idee). Gefühlt jede zweite Person an der Straße wird hier durch Hupen gegrüßt.

Wir nähern uns unserem Ziel, dem Central Forest Reserve National Park und können schon von weitem einen mehr als 400 Jahre alten Baum sehen (die schön geschwungene Baumkrone in der Mitte des Bildes), der Name geht leider im Getöse des Automotors unter.

Zum National Park gehört alles Land auf der Insel, das mehr als 300 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Der Regenwald versorgt die gesamte Insel mit 65% des benötigten Trinkwassers. Auf unserem Trail müssen wir nicht nur auf die Baumwurzeln, sondern auch auf die Wasserleitungen achten.

Nach einer kurzen restroom Pause geht es los. Bevor der eigentliche hike durch den Regenwald beginnt, sehen wir uns noch einige Überreste der Windfield Estate an. Sie war die erste Zuckerrohrplantage auf der Insel.

Einst führte eine Eisenbahn rund um die Insel und verband die Felder der Plantagen mit der Zuckermühle. Inzwischen wird kein Zuckerrohr (im Hintergrund links am Ende der Schiene) mehr angebaut, die Schienen sind überflüssig geworden und werden nur noch auf der Westseite als Touristenattraktion genutzt.

Lemongrass, kennen wir eigentlich nur als Tee, ist tatsächlich eine Grasart und riecht sehr intensiv zitronig.

Philodendron, bei uns eine Zimmerpflanze, hier mit so großen Blättern, dass die Pflanze auch Elefantenohr genannt wird. Die Blätter kann man gut als Regenschirm bei den kurzen Schauern hier nutzen.

Sandbox Tree, auch Intimidation Tree (Einschüchterungsbaum) genannt, bei Ungehorsam wurden die Slaven an diesen Baum mit seiner stacheligen Rinde gebunden und mit der neunschwänzigen Katze ausgepeitscht. Abgesehen davon ist der Baum giftig. Wenn das Gift durch die Stacheln in den Blutkreislauf gelangt, stirbt man auf lange Sicht. Es bleibt für uns unvorstellbar, wie Menschen mit anderen Menschen umgegangen sind, nur weil sie denen das Menschsein absprachen!

Unser Guide Sil macht seinen Job außerordentlich gut. Welche enormen Kenntnisse er über die Flora und Fauna der Insel hat. Wir hören und sehen wilde Affen im Regenwald. Liebe/r Leser/in dieses Blogeintrags: wer von euch wusste z.B, dass männliche Affen mastubieren und weibliche Affen menstruieren?

Angefüllt mit bemerkenswerten Informationen und tollen Sinneserlebnissen kommen wir zurück und probieren noch einen Saft (meiner ist dunkelrot und schmeckt säuerlich) und ein Stück Kuchen. Im Bus zurück verteilt Sil noch Zuckerrohrstücke zur Stärkung.

Dann geht es mit dem Bus ohne weitere Stopps zurück zum Hafen, wo unser Schiff auf uns wartet. Wir haben diesmal neben einem sehr hässlichen Hochhausschiff festgemacht.

Tschüss, St. Kitts, heute hast du uns gut gefallen!

Caribbean Cruise, day 7, Bridgetown, Barbados 🇧🇧 (April 2023)

Heute legen wir sehr früh auf Barbados an, wir werden von den Geräuschen des Anlegemanövers geweckt. Barbados ist die östlichste Insel der Kleinen Antillen. Geographisch befinden wir uns schon in Mittelamerika. Barbados ist nicht vulkanischen Ursprungs, sondern eine Koralleninsel, deren unterseeische Riffkalke in die Höhe wuchsen. Die Strände sind auf der Westseite am Karibischen Meer weiß-rosa gesprenkelt.

Deshalb haben wir keine Tour gebucht, sondern wollen heute zu Fuß zum nächsten erreichbaren Strand gehen. So ungefähr wissen wir, wo es längs gehen soll. Aber mit einem kleinen Stadtplan fühlt man sich doch wohler. Hinter dem Duty Free-Gebäude fragt uns ein Anbieter für Taxitouren, ob ich eine Karte der Insel haben möchte. Klar möchte ich, allerdings muss ich ihn dann erst einmal langwierig abwimmeln. Er würde uns gern eine Tour über die Insel zu den tollsten und verschwiegensten Stränden verkaufen. Er hat auch recht damit, dass die Einwohner von uns Touristen leben und sie, wenn wir ihnen kein Geld dalassen, es schwierig haben, Essen auf den Tisch zu bekommen, aber trotzdem… Wir möchten heute so gern ganz auf uns gestellt zu Fuß gehen. Er rückt die Karte dann heraus, zeichnet den Strand ein und schreibt die Entfernung dazu, zweieinhalb Kilometer!

Reine Abschreckung, denn wir kommen nach zwanzig Minuten an einem schönen, und vor allem leeren Strandabschnitt an. Der Weg dahin führt uns immer am Wasser entlang.

Hier im Zentrum trägt der Fluß den Namen Careenage, da die Holzschiffe hier früher kielgeholt wurden, um Muscheln u.a. von den Rümpfen zu entfernen. Das heißt auf Englisch careening (britische Stadtgründung!).

Am Ende des Yachthafens geht es über eine Fußgängerbrücke, dann noch ein kleines Stückchen die Straße entlang, und schon können wir den Strand sehen.

Brownes Beach ist ein Strand, zu dem die Einheimischen mit dem Auto hinfahren, ein genauso toller weiß-rosa gesprenkelter feiner Sandstrand und glasklares Wasser wie überall, nur eben ohne Sonnenliegen, Sonnenschirme, Spielsachen und Jet-Ski-Anleger! Wir benötigen keinen möblierten Strand, wir wollen den feinen Sand spüren und schwimmen. Vormittags ist es wunderbar leer.

Himmlisch, und sehr erfrischend bei der Hitze (27 Grad) und der hohen Luftfeuchtigkeit. Wir gehen abwechselnd hinein, schwimmen und lassen uns anschließend von der Sonne und dem leichten Wind trocknen. Dann wird es uns zu heiß, dabei ist es noch nicht einmal 12 Uhr mittags, und wir machen uns auf den Rückweg.

Das historische Bridgetown, mit seiner Garnison seit 2011 UNESCO Weltkulturerbe, wurde 1628 von britischen Siedlern gegründet. Wir erkunden Downtown ein bisschen auf unserem Rückweg vom Strand zum Schiff, entdecken Fußgängerzonen, überall ist es sehr voll und laut.

Ein bisschen Sightseeing fällt auch noch ab, obwohl es sehr warm ist, 27 Grad schon vor 12 Uhr mittags, mit einer hohe Luftfeuchtigkeit.

Gebäude des Parliament von Barbados, komplett mit einem kleinen Glockenturm wie Big Ben
Independence Square (Barbados wurde 1966 unabhängig, blieb aber Mitglied des Commonwealth, seit November 2021 ist Barbados eine Republik)
Anlieferung auf dem Marhill Street public market
Old Fire Brigade House, die erste fire company in Bridgetown wurde 1840 gegründet.
Town Hall (Rathaus) and Gaol (Gefängnis), 1730 erbaut, das unterirdische Gefängnis wurde 1876 aus humanitären Gründen aufgegeben.
Das Carnegie Gebäude dient heute als öffentliche Bücherei.
Die Nidhe Israel Synagoge und der jüdische Friedhof, erbaut 1654, beinhaltet die einzige Mikwe, das Ganzkörpertauchbad für die rituelle Reinigung von Personen und Gegenständen.
St. Mary‘s Church von 1825; schon 1660 wurde hier eine Kirche erbaut.
auf dem Weg zurück zum Schiff

Ziemlich verschwitzt kommen wir schließlich wieder beim Terminal an und genießen die Ruhe auf dem Schiff, bevor die Passagiere der gebuchten Touren wieder ankommen.

Abends kommen die angenehmen Temperaturen der Karibik voll zur Geltung: am Pooldeck werden jetzt abends Kinofilme auf der großen Leinwand gezeigt. Das macht in der Wärme sehr viel mehr Spaß. Der tropische Regenguss zwischendurch stört nicht, wenn man unter einem Dach sitzt.

Caribbean Cruise, day 9, Philipsburg, St. Maarten 🇸🇽 (April 2023)

Wir legen an unserer letzten Insel der Cruise an, in Philipsburg auf der niederländischen Seite der Insel St. Maarten/ St. Martin, die kleinste Landmasse auf der Welt, die zwei Staaten regiert wird.

Kolumbus sah sie als erster Europäer zuerst am 11. November 1493 und benannte sie nach dem Heiligen des Tages, St. Martin von Tours. Die Insel war schon viel früher entdeckt und bewohnt worden. Archäologen haben Siedlungsspuren entdeckt, die bis nach 2000 vor Christus zurückreichen!

Fast 200 Jahre nach Kolumbus’ Ankunft und nach einem 80 Jahre lang währenden Krieg mit den Niederländern gaben die Spanier die Insel auf, zu deren Territorium sie bis dahin gehörte. Niederländer und Franzosen ergriffen die Chance und kamen von den ihnen schon gehörenden jeweiligen Nachbarinseln.

Sie stritten sich erst einmal gehörig, sahen aber schnell ein, dass keine der beiden Parteien nachgeben würde und beschlossen die mehr oder weniger friedliche Koexistenz.

St. Maarten/ St. Martin ist bis heute als einzige Insel zweigeteilt, aber ohne sichtbare Grenze. Der südliche Teil gehört seit 2010 als autonomes Land dem Königreich der Niederlande an, ist aber nicht Teil der EU. Der nördliche Teil gehört seit 2007 zu Frankreichs Überseegebieten, die gemeinsam ein eigenes Département bilden und zur EU gehören. Bezahlt wird dort mit dem Euro. Davor war die Insel Teil der niederländischen Antillen.

Im 17. Jahrhundert begannen die holländischen Siedler mit der Salzgewinnung in dem Binnensee von Philipsburg und verschifften das weiße Gold nach Europa.

Den ‚salt pickers‘ wurde ein großes Deckmal am Binnensee gesetzt, der große Verkehrskreisel stellt den Binnensee dar, drauf die salt pickers.

Wir spazieren noch ein bisschen durch downtown, wo einige Straßen und Gassen immer noch holländische Namen tragen. Neben Englisch ist die zweite Amtssprache Niederländisch. Uns haben Einwohner erzählt, dass der obligatorische Niederländisch-Unterricht an den Schulen bereits vor acht oder zehn Jahren eingestellt wurde. Langsam wird es uns einfach zu heiß, wir brauchen eine Abkühlung.

Der Strand ist in weiten Teilen mit Sonnenschirmen und Strandliegen bestückt, beides wird gern im Paket mit einem Getränk und freiem wifi an die Amerikaner vermietet. Wir finden einen Teil des Great Bay Beach mit seinem feinen Sand für uns und genießen noch ein letztes Mal das tolle karibische Salzwasser. Es ist einfach zu schön, man möchte gar nicht mehr heraus aus dem Wasser.

Um das Vergnügen noch ein bisschen zu verlängern, gehen wir immer am Wassersaum zurück, solange es geht. Dann geht es zurück zum Schiff, etwas essen und auf den Sonnenliegen am Pool ausruhen.

Auf Wiedersehen, Karibik! Bis zum nächsten Mal.

Caribbean Cruise, day 6, St. Lucia 🇱🇨 (April 2023)

Hurra, heute geht es an Land! Wir sind an den „Inseln über dem Wind“ angekommen, die den nördlichen Teil der Kleinen Antillen bilden.

Für den Aufenthalt auf St. Lucia haben wir einen Ausflug gebucht, St. Lucia Wonders of Nature, unser Guide heißt Ricardo. Wir fahren mit dem Minibus, und unser Fahrer David fährt uns sicher durch die engen Straßen und Serpentinenstraßen hoch und runter quer über die Insel.

150 Jahre lang führten England und Frankreich Krieg auf und um die Insel, beide Länder waren jeweils sieben Mal siegreich. St. Lucia gehörte zuletzt lange zu den Britischen Jungferninseln, seit 1979 ist sie unabhängig, aber Mitglied im Commonwealth of Nations.

Daher ist das Staatsoberhaupt König Charles III., der durch einen Generalgouverneur vertreten wird, welcher hier hinter dem Tor residiert.

Wir starten in der Hauptstadt Castries, in der als einziger Hauptstadt der Welt zwei Nobelpreisträger geboren wurden, Arthur Lewis (1979, Wirtschaft) und Derek Walcott (1992, Literatur). Unsere Tour führt uns zunächst auf den Morne Fortune (258 Meter) zum ehemaligen Fort Charlotte, in dem das einzige College der Insel untergebracht ist (was den Guide zu dem Wortspiel ‚St. Lucia’s highest education‘ veranlasst.

Den ersten Fotostopp legen wir oberhalb der Marigot Bay ein, deren innerer Teil auch Hurricane Hole genannt wird, da hier kein Wind weht, auch nicht während eines Hurrikans. Die Franzosen versteckten sich hier erfolgreich hinter dem Sichtschutz aus Palmen vor den Engländern.

Die Insel ist aufgrund der vulkanischen Erde ein Garten Eden für Früchte, Nüsse, Gemüse, Gewürze und Kaffee und natürlich für Rum. Die Bewohner aromatisieren den Rum mit allem möglichen, an diesem Stopp kann man 40 unterschiedliche Sorten probieren, nur 1$ pro Gläschen. Wir kaufen eine Dose mit Zimtstangen.

Eines der Wahrzeichen der Insel sind die Pitons, quasi Ventile zweier schlafender Vulkane, aus denen das Material entwich, um dann diese beiden Kegel zu formen.

Das ist schon lange her, der letzte Ausbruch war im Jahr 1766. Auf dem Weg in die Vulkanumgebung hinein (UNESCO Weltnaturerbe) kommen wir durch das Fischerdorf Anse la Raye und das Künstlerdorf Canaries.

Wir lernen etwas über die Frucht der Kakaopflanze, orange, links im Bild (rechts liegen Kokosnüsse). Jede Frucht enthält 45 Kakaobohnen, die von einer weißen Schicht umhüllt sind. Diese Schicht wird abgelutscht (schmeckt ziemlich gut, wir probieren es aus), die Bohne darunter ist bitter und muss vor der Weiterverarbeitung zu Kakao erst fermentiert werden.

Wir fahren weiter in den Krater hinein, und man kann sogar durch die geschlossenen Fenster des Busses die heißen Schwefelquellen riechen. Ein Bad in ihnen soll einen gleich zehn Jahre jünger erscheinen lassen. Wie gut, dass auf dieser Tour keine Zeit für ein Ausprobieren bleibt.

Unser Ziel ist der Tet Paul Nature Trail, ein community project. Privatleute haben das Land kaufen und den Naturpfad anlegen können.

Unser Guide dort heißt Raoul, und er führt uns über Stock und Stein immer weiter hinauf, um schließlich einen 360-Grad-Blick über den Süden der Insel zu erhalten.

Hier erklärt Raoul, wie die Cassava-Wurzel, uns besser bekannt als Maniok, essbar gemacht wird. Im Rohzustand ist sie giftig. Bearbeitet stellt sie ein Grundnahrungsmittel dar.

Dies ist ein Pavillon für Hochzeiten und andere Gelegenheiten, die Pitons immer im Blick. Allerdings nicht auf diesem Foto, sie befinden sich links davon.

In der vulkanischen Erde bauen sie Gemüse an, komplett ökologisch, weder Dünger noch Pestizide werden hier benötigt.

Wenn ich groß bin, reise ich vielleicht nach Deutschland, sagt die kleine Ananasfrucht. Die erste Fabrik, denen das Eindosen von Ananas gelang, stand übrigens ins Baltimore, Maryland (Ende des 19. Jahrhunderts).

Die Frucht am Cashew-Busch (unten rechts im Bild) enthält nur zwei Cashewnüsse. Daher ist die Ernte mühsam, weil zeitintensiv.

Ein Panoramafoto der beiden Pitons, beide Gipfel liegen etwa 3 Kilometer auseinander.

Dann geht es wieder hinunter. Dieser Trail gilt bei den Amerikanern als strenuous, als anstrengend. Entsprechend langsam ist das Gehtempo.

Unten wieder angelangt, werden uns Kostproben des Landes gereicht, im Uhrzeigersinn Ananas, frische Kokosnuss, Zuckerrohr (muss man kauen und den Saft aussaugen, sehr lecker), Wassermelone, Guave (man ist die gesamte Frucht, sehr erfrischend) und ein Stück Kokoskuchen. Im Becher ist Saft der grünen Mango, auch sehr gut.

Dann geht es hinunter in die Bucht, ins Fischerdorf Soufrière, einstmals die Hauptstadt der Insel. Am Hummingbird Beach haben wir Zeit, um baden zu gehen. Erstaunlicherweise nutzen nur wenige diese Gelegenheit. Dabei hat das Wasser Badewannentemperatur.

Während die Amerikaner wieder nur im Wasser stehen (die wenigsten können anscheinend schwimmen), ziehen wir ein paar Bahnen quer zur Küste.

Danach geht es ohne weiteren Stopp zurück in den Nordwesten nach Castries und zu unserem Schiff zurück. Uns steht nicht der Sinn nach Duty Free Shopping, das ist überall gleich. Die Insel, ihre überbordende Vegetation und die extrem freundlichen Menschen haben einen tollen und nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Den wollen wir nicht durch Konsum, Konsum, Konsum überlagern lassen.

Wir gehen zurück aufs Schiff, genießen die relative Leere der Sonnendecks, machen es uns auf den Liegen gemütlich und genießen die Wärme. Wir bleiben oben und beobachten das Ablegemanöver (und den Sonnenuntergang) und sehen auch noch zwei Flugzeuge auf dem kleinen Flughafen landen. Der internationale Flughafen befindet sich im Süden der Insel, wir konnten ihn vom Nature Trail aus sehen.