Kurlaub im UNESCO Weltkulturerbe – Trinkkur (Sommer 2022)

Seit Juli letzten Jahres können sich elf große europäische Kurbäder freuen, sie erhielten den UNESCO-Titel „Die bedeutenden Kurstädte Europas“. In allen Städten zeugen geschlossene architektonische Ensembles bis heute von der Bäderkultur. Und wir erholen uns gerade in einem davon, Karlsbad gehört neben Marienbad und Franzensbad in Tschechien dazu. Auch Deutschland steuert drei Städte bei: Baden-Baden, Bad Kissingen und Bad Ems. Dazu kommen dann noch Bath (GB), Spa (B), Vichy (F), Baden bei Wien (A) und Montecatini (I).

Wir haben keine klassische Kur gebucht, sondern genießen die gebotenen Annehmlichkeiten des Hotels und der Stadt nach Lust und Laune. Morgens und abends spazieren wir vor den Mahlzeiten zu einer der zwölf öffentlich zugänglichen Heilquellen. In Karlsbad gibt es mehr als 70 heiße Mineralquellen. Die Heilbrunnen (prámen) haben alle Namen, z.B. Freiheitsquelle, Marktbrunnquelle, Schlossbrunnquelle, Karl IV-Quelle. Das Wasser sprudelt aus den Brunnen und wird in speziellen Tassen, die Sprudelbecher genannt werden, aufgefangen.

Der Griff der Tassen ist hohl und dient mit einer kleinen Verlängerung als Trinkhalm. Es gibt die Becher überall zu kaufen, in den verschiedensten Varianten, ganz nach persönlichem Geschmack. Wir haben unsere bereits bei unserem allerersten Aufenthalt hier 2008 gekauft. Damals sagten wir uns, dass wir sie zuhause ja notfalls als Blumenvasen weiterverwenden könnten. Nun sind sie bereits das dritte Mal wieder mit uns nach Karlsbad gekommen und verrichten treu ihren Dienst.

Wir trinken das Wasser aus der Mühlbrunnquelle, 56 Grad warm, eine Art Allroundquelle, deren Wasser schon seit mehr als 100 Jahren den meisten Kurgästen verordnet wird. Es schmeckt salzig und ein bisschen nach Eisen. Man gewöhnt sich recht schnell an den Geschmack, dient ja einem therapeutischen Zweck. Die Mühlbrunnkolonnade ist die größte Kolonnade in Karlsbad. Es gibt im Gebäude noch drei weitere Quellen (Felsen-, Nymphen- und Libusaquelle), alle unterschiedlich heiß. Der James-Bond-Film „Casino Royale“ ist in Teilen in Karlsbad gedreht worden. Die Mühlbrunnkolonnade stellt den Bahnhof dar, an dem James Bond ankommt, bevor es ins Spielkasino geht.

Die berühmteste Heilquelle Karlsbads ist der „Sprudel“, der in einem Raum neben der Sprudelkolonnade als Geysir bis zu zwölf Meter hoch in die Luft steigt. Der Stahlbetonbau, 1975 fertiggestellt, wird seit Jahren renoviert. Jetzt ist der Geysir wieder zu besuchen und erfreut sich andauernder Beliebtheit. Das Wasser kommt aus ca. 2 Kilometer Tiefe hervor und schießt mit 72 Grad in die Höhe. Entsprechend warm ist es in dem Raum. Etwas abgekühlter kann man das Wasser nebenan in der Kolonnade in den Becher füllen und trinken.

Und dann könnte man die Trinkkur natürlich am Abend mit dem leckeren tschechischen Bier fortsetzen. Neben dem Pilsner Urquell ist auch das dunkle Kozel (Ziegenbock) sehr zu empfehlen. Oder man mixt sich auf dem Zimmer einen „Beton“, das ist der hiesige Becherovka (ein Kräuterlikör) gemixt mit Tonic Water. Eine 100 ml-Flasche stand zur Begrüßung und zum Ausprobieren in unserem Hotelzimmer bereit.