Costa Maya, Mexico, cruise day 4 (Jewel of the Seas, 2022)

In der Nacht setzt das Schiff über an die Festlandsseite. Wir haben einen Ausflug gebucht, um Mayaruinen anzusehen. Costa Maya ist kein wirklicher Ort; hier siedeln Menschen erst, seitdem eine Pier ins Meer gebaut wurde, damit Kreuzfahrtschiffe anlegen können. Und das ist erst zwanzig Jahre her.

Seitdem bringen die Schiffe während der Saison nicht nur jeden Tag tausende von Besuchern auf diesen Teil der Yucatan-Halbinsel, sondern auch tausende von Dollars und damit ein gutes Einkommen für viele Menschen. Es sei denn, ein Hurrikan zerstört die Pier oder eine Pandemie lässt alles ausfallen. All diese Informationen erhalten wir von unserem Guide Luis, der uns auf unserer Fahrt zu den Chacchoben Maya-Ruinen begleitet. Wir fahren im klimatisierten Bus eine knappe Stunde in den Dschungel kurz vor der Grenze zu Belize.

Das Areal von Chacchoben, auf deutsch „Der Platz des roten Mais“, ist heute die Touristenattraktion, die am zweitmeisten Geld für den mexikanischen Staat einbringt. Von dem vielen Geld fließt aber wenig zurück. So sind seit dem 1990ern nur einige Tempel freigelegt worden. Das, was wir auf unserer Tour als grüne Hügel erkennen, sind immer noch überwucherte Tempelruinen, die wahrscheinlich nie restauriert werden.

Luis führt uns zunächst zum Tempel 24. Das gesamte Land hier besteht aus Kalkstein, alle Tempel wurden nur mit manpower errichtet, es gab keine Lastentiere zum Schleppen der Steine. Auch der Zement zum Zusammenfügen wurde aus Kalkstein gebrannt. Der ursprüngliche Tempel wurde mehrmals überbaut und vergrößert, immer wenn ein neuer Herrscher kam oder ein Krieg gewonnen wurde. Die Treppenstufen außen und innen konnten von den Archäologen auf verschiedene Epochen datiert werden.

Die Tempel waren in großen Teilen mit Mörtel verkleidet, der rot bemalt wurde. Im Laufe der Jahrtausende, dieser Ort war bereits um 1.000 vor Christus besiedelt, wurden die aufgegebenen Orte sehr schnell vom Dschungel überwuchert. Luis zeigt uns auf einer Zeichnung, wie die Siedlung damals ausgesehen haben könnte.

Vor dem Tempel befand sich ein großer Platz, umgeben von weiteren Gebäuden (heute mit Bäumen bewachsene Hügel). In der Mitte, der Punkt wurde anhand der Tempelpositionen errechnet, wurde vor einigen Jahren ein neuer „Lebensbaum“ gepflanzt. Dieser war heilig für die Maya. Auf Englisch heißt er Silk Cotton Tree, ein passender Name. Die Früchte sehen aus wie große Baumwollbälle, sie fühlen sich aber weich wie Seide an.

Vom Dorf (Las Vasijas) nebenan ist nichts außer den Fundamenten erhalten. Die Häuser wurden wahrscheinlich aus Holz gebaut, mit einem Dach aus Palmwedeln. In Cozumel haben wir Dachdecker bei der Arbeit gesehen. Wenn es kein Baumaterial in erreichbarer Nähe mehr gab und der Ackerboden ausgelaugt war, wurden die Siedlungen verlassen und die Maya zogen weiter, um woanders erneut zu bauen. Das gesamte ehemalige Siedlungsgebiet der Maya, das sich über mehrere Staaten erstreckt, ist mit überwachsenen Kalksteinhügeln überzogen. Ansonsten ist das Land flach.

Wir gehen weiter und erklimmen Gran Basamento, 31 unebene Stufen hoch und auf der anderen Seite wieder herunter, für einige Mitreisende eine (zu große) Herausforderung.

Oben auf dem großen Fundament steht der Tempel 1, auf einer Linie ausgerichtet mit anderen Tempeln. Die Sonne steht jeweils im März und September genau zwischen den oberen Steinen. Ist sie links davon zu sehen, wird es wärmer; steht sie rechts, wird es kälter im Jahr.

Es ist ganz beeindruckend, die Überreste einer hoch entwickelten Kultur zu sehen, die schon sehr, sehr lange vor uns ein Zahlensystem entwickelte, das eine Null beinhaltet und in der Anlage war, etwas wie ein Buch zu haben, wo andere frühe Kulturen nur einzelne Blätter beschriftet haben. Die spanischen Eroberer verstanden die Errungenschaften nicht, sie waren auf das Gold, Silber und Kupfer der Maya aus. Es dauerte nicht lang, und sie hatten siebzig Prozent der Bevölkerung mit Waffen und Hunden getötet.

Angefüllt mit Informationen und erschöpft vom feucht-heißen Dschungelklima sind wir ganz froh, nach zwei Stunden wieder in den klimatisierten Reisebus steigen und in die Annehmlichkeiten des Schiffes zurückkehren zu dürfen.

Cozumel, Mexico, cruise day 3 (Jewel of the Seas, 2022)

Wir gehen in Mexiko an Land. Am Montag läuft unser Schiff früh in Cozumel ein, bzw. legt dort an, denn Cozumel ist eine kleine Insel für der Halbinsel von Yucatan. Wir haben keinen Ausflug gebucht (fast alle Ausflüge haben mit Tauchen und Schnorcheln zu tun), sondern wollen auf eigene Faust los und im Meer baden gehen. Wir holen uns noch Badetücher, cremen uns gut ein (es sind 30 Grad) und laufen los.

Zuerst muss man natürlich durch die Shopping Zone, auch die Einheimischen wollen schließlich Geld mit uns verdienen. Ich brauche dringend einen Sonnenschutz für meinen Kopf. Bei unserem Koffer-Marsch in Miami habe ich einen Sonnenbrand auf dem Scheitel bekommen. Im Hutgeschäft bekomme ich schöne Damenhüte angeboten, leider alle zu klein für meinen Dickkopf. Ein Panamahut für den Herrn soll es dann werden. Der Verkäufer muss hinten im Lager lange nach einem passenden Exemplar suchen, wird aber fündig. Bargeld wechselt den Besitzer, Steuern und Gebühren werden gespart.

Dann geht es gut geschützt auf Strandsuche, immer an der Straße entlang. Wir haben zwar eine Art Karte dabei, aber die ist nicht wirklich genau genug. Wir gehen immer am Wasser entlang, aber der „Strand“ besteht nur aus Steinen. Irgendwann erreichen wir Downtown, und die weitere Beschilderung lässt vermuten, dass der ersehnte Sandstrand noch einige Meilen entfernt ist.

Wir drehen um und gehen zurück zu einem winzigen sandigen Meerzugang, an dem auch Einheimische kurz die Abkühlung genießen. Wir sind durchgeschwitzt und fußlahm, das warme Wasser ist wunderbar! Wir schwimmen beide abwechselnd ein bisschen herum und lassen uns dann von der noch wärmeren Luft trocknen, bevor wir wieder zum Schiff zurückkehren.

Wir sind insgesamt sieben Meilen gelaufen, allerdings ohne die passenden Stiefel dazu, sondern in Sandalen bzw. Flipflops. Unsere Füße freuen sich, dass sie den weiteren Nachmittag im Schatten am Pool verbringen dürfen.

Auf See, cruise day 1-2 (Jewel of the Seas, 2022)

Und dann sind wir endlich auf dem Schiff! Darauf haben wir lange gewartet. Wir lassen dieses herausfordernde und anstrengende Land hinter uns und können relaxen. Unsere Kabine ist schön groß, die Koffer kommen im Laufe der Zeit hoch. Die Sicherheitseinweisungen sind schnell erledigt, nachdem wir unsere musterstation gefunden haben. Wir essen erst einmal Lunch und ruhen uns aus, bevor wir das Schiff erkunden.

Während des Auslaufens kommen wir an Miami Beach vorbei. Aus der Ferne sieht alles wirklich sehr schön und „glitzy“ aus, mit a lot of fun. Aber eben immer nur für die, die über genügend Geld verfügen. Wir haben auch die anderen Bereiche gesehen, in die Touristen nicht unbedingt kommen. In den Trolleybussen waren wir immer die einzigen Fremden. Für uns ist Miami eine Urlaubsdestination, die wir nicht noch einmal wählen würden.

Aber nun sind wir ja in unserem bekannten Mikrokosmos (Es ist bereits unsere vierte Kreuzfahrt mit Royal Carribbean.), wir können uns jetzt entspannen. Es ist Zeit, sich zum Abendessen umzuziehen. Im Restaurant ist die Menüauswahl gut, wir essen zum Abschied noch einmal US-amerikanische Spezialitäten: Maryland Crab Cake, Southern Fried Chicken und Key Lime Cheesecake. Das Personal ist sehr zugewandt und aufmerksam. Im kleinen Kino wird Ghostbusters Afterlife gezeigt, ein lustiger Abschluss des anstrengenden Tages.

Den nächsten Tag verbringen wir auf See. Das Schiff fährt so ruhig im Golf von Mexiko, dass wir gut und lange schlafen. Wir verbringen den Tag mit lesen, essen und gucken. Das Schiff ist nicht wirklich voll. Wir finden immer freie Plätze, sei es in den Restaurants oder auf den Liegen an Deck. Den Poolbereich vermeiden wir, dort ist es voll und laut. Die Lufttemperatur beträgt 27 Grad, da kann man es im Schatten gut aushalten. Das Meer ist intensiv blau und rauscht so schön laut, dass alle anderen Geräusche zuverlässig ausgeblendet werden. Nach dem Abendessen gehen wir wieder ins Kino, diesmal gucken wir Marry me. Anschließend holen wir uns noch einen Tee zum Abschluss. Es ist wenig los auf den Decks. Das Schiff rollt ein bisschen, vielleicht ist das ein zu ungewohntes Erlebnis für die meisten Passagiere. Wir lassen uns von den Wellen in den Schlaf schaukeln.