Bevor es am Wochenende für viel Kunst nach Berlin gehen wird, eben ein kleiner Bericht von der letzten Ausstellung, die Christo noch persönlich beraten hat, bevor er 2020 starb. Nach Düsseldorf war die Schau des Lebensweges des Künstlerpaares kürzlich in Schloß Gottorf in Schleswig zu sehen.

Nach dem Kunststudium in seiner Geburtsheimat Bulgarien zog es Christo über Stationen in Wien und Genf 1958 nach Paris. Dort verdiente er seinen Lebensunterhalt als Porträtmaler, die Bilder mit seinem Geburtsnamen Javacheff signierend. Die hier abgebildete Frau ist die Ehefrau des Generals de Guillebon, deren Tochter Jean-Claude sich während der Sessions in Christo verliebte.
Jean-Claude war nicht nur mit einem anderen verlobt; nein, auch das Hochzeitskleid war bereits angefertigt. Das sollte nicht umsonst gewesen sein. Darum heiratete sie also ihren Verlobten, doch gleich nach den Flitterwochen verließ sie ihn auch schon wieder, um doch mit Christo zusammen zu ziehen.
Gemeinsam begannen die beiden in den 1960ern ihr künstlerisches Schaffen, und schon zu Beginn wurden Dinge verhüllt und verpackt. Der in Schleswig ausgestellte VW Käfer wurde bereits 1961 als Projekt skizziert. Ein fabrikneuer Käfer wurde dann verpackt, allerdings nur für eine kurze Zeit. Der Eigentümer wollte doch gern mit seinem Neuwagen fahren. Hätte er gewusst, dass das eingepackte Auto irgendwann einmal sehr viel mehr wert gewesen wäre als der damalige Anschaffungspreis, dann hätte er das Auto vielleicht eingepackt gelassen. So wurde ein identischer VW Käfer, Baujahr 1961, im Jahr 2013 noch einmal von Christo mit einer identischen Verschnürung verpackt und blieb es dann auch.




1964 übersiedelten Christo und Jean-Claude in die USA. Die Architektur in New York lud ebenfalls zum Verpacken ein, doch diese Skizzen blieben unrealisiert.

Als 1995 nach 23jähriger Planungs- und Verhandlungszeit der Berliner Reichstag in Berlin verhüllt wurde, war ich dabei. Wir fuhren für einen Tag nach Berlin und zurück.

Das Gebäude sah gigantisch aus in seiner silberfarbenen Hülle mit den vielen Falten. Und es fühlte sich faszinierend an. Eine kleine Stoffprobe als Erinnerung kam mit nach Hause.
Jean-Claude und Christo verhüllten nicht nur Gebäude und Brücken, sondern auch Bäume und ganze Inseln, stellten riesige Schirme in die Landschaft und stellten große Stofftore im New Yorker Central Park auf.
Das nächste Projekt, das wir in Deutschland besuchten, war das Big Air Package im Gasometer Oberhausen 2013. Es war Christos erstes Werk, das er nach dem Tod seiner Frau allein konzipiert hatte. In der Schleswiger Ausstellung gab es dazu weder Skizzen noch Bilder zu sehen. Aber dafür habe ich Fotos in meinem Archiv:






2018 waren wir dann in London, als das Projekt Mastaba in einer kleineren Variante im Hyde Park mit 7506 Ölfässern realisiert wurde. Hier sind Fotos zu sehen.

2021, ein Jahr nach Christos Tod, wurde die Verhüllung des Arc de Triomphe in Paris realisiert. Leider konnten wir zu der Zeit nicht dorthin fahren.
Am Ende der Ausstellung in Schloß Gottorf nun durften die Besucher selbst künstlerisch tätig werden und gemeinsam an einer großen Skulptur arbeiten. Kleine Papierschirmchen (die, die man sonst von Eisbechern kennt) sollten verziert und zu einem großen Bildnis zusammengefügt werden. Das machte Spaß!


