Zurück in den Süden, Teil 2, vom Südwesten Virginias über die Carolinas nach Florida, day 17-18 (USA 2022)

Der KOA-Campingplatz in Wytheville ist sehr empfehlenswert. Schade, dass wir schon fahren müssen. Und er liegt sehr komfortabel zwischen zwei Interstates.

Wir biegen gleich auf die I77 South und fahren zuerst durch die Blue Ridge Mountains. Es geht wieder bergauf und ein bisschen hinunter und wieder ein bisschen mehr bergauf, bis auf 820 Meter Höhe.

Danach ging es kilometerlang nur noch bergab, mit reduzierter Geschwindigkeit wegen Nebels (Muss ich noch sagen, dass sich außer uns niemand an diese Vorgaben hält?) und mit runaway ramps für LKW, falls deren Bremsen versagen.

Dann sind wir in North Carolina, holen uns eine Straßenkarte im visitor center. Hier in diesem Gebiet haben die Cherokee gesiedelt, wussten wir auch noch nicht. Auf der steinernen Karte muss man sich eine Linie zwischen Mount Aire und Charlotte vorstellen. Das entspricht der Interstate 77, auf der wir das Land durchqueren.

In South Carolina holen wir uns beim Überqueren der Staatsgrenze die dortige Straßenkarte und erkundigen uns noch, ob die Tornado-Warnung auch für das Gebiet gilt, in das wir fahren wollen (nein). Nach einer kurzen Picknickpause südlich von Charlotte kommen wir so langsam auch wieder in die wärmeren Gefilde, die Bäume werden sichtbar grün.

In Columbia wechseln wir von der I 77 auf die I 26, um anschließend wieder auf die I 95 zu stoßen. Die schlechten Straßen sind wieder da. Glücklicherweise ist es nicht mehr weit bis zu unserem nächsten (und letzten) Übernachtungsstopp in Yemassee.

Am späten Nachmittag rollen wir beim KOA-Campingplatz Point South auf den Hof. Es ist warm, feucht, ein bisschen lummerig das Wetter. Die imposanten Wolken sollen sich eigentlich laut Vorhersage noch in thunderstorms entladen, aber das Wetter ist schon wieder abgesagt worden.

Dieser KOA-Platz hat sehr viel zu bieten, unter anderem „The Swimming Mermaid“, das gleichzeitig ein Coffee House mit frisch gemahlenem Kaffee aus einer Rösterei in Charlston ist und eine Wine Bar mit Ale aus dem Zapfhahn. Und man kann Essen ordern. Es riecht schon beim Einchecken so gut, dass wir kurzerhand nicht selbst kochen.

Wir bestellen „pizza and a double order of wings combo“, aber nicht pro Person wie es hier gedacht ist. Wir wollen uns das teilen und bekommen noch zwei Pappteller dazu.

Die wings sind southern style, kommen mit einem dip und sind extrem lecker. Bei der Pizza können wir den Teig wählen (Original Crust bedeutet hier die dicke amerikanische Kruste oder Thin Crust, was unserem italienischen Original entspricht) und (alles) aus 10 Belegen, was wir wollen. Heraus kommt eine Thin Crust Cheese Pizza mit schwarzen Oliven, Paprika und Pilzen. Und auch sie ist super lecker.

Dazu gibt es ein Bier vom Fass. Es heißt Aria’s Ale, kommt aus einer lokalen Brauerei und schmeckt sehr sehr süffig. Perfekt.

Wir genießen den weiteren Abend in der Wärme und lesen. Neues Lesefutter gibt es wie auf jedem Campingplatz. Hier ist das Bücherregal besonders hübsch.

Am nächsten Morgen fällt uns der Abschied etwas schwer. Es ist schön hier, auch dieser Platz ist sehr empfehlenswert. Es hat die ganze Nacht durchgeregnet und morgens riecht es wie in einem tropischen Gewächshaus.

Aber wir wollen heute ja noch in Florida ankommen. Wir tanken (Die Benzinpreise steigen Tag für Tag an, inzwischen füllt ein Hundert-Dollar-Schein nicht einmal mehr einen Dreiviertel leeren Tank.) und sind gleich wieder auf der interstate. Etwas später überqueren wir zuerst den Savannah River und gleich darauf die Grenze zu Georgia.

Hier ist das visitor center ganz neu und wirklich schön gemacht.

Wir fahren außen an Savannah vorbei, immer in Küstennähe und durch sumpfiges Marschland.

Nach 112 Meilen sind wir in Florida und werden im visitor center wahlweise mit frisch gepresstem Orangen- oder Grapefruitsaft begrüßt. Hier machen wir eine etwas längere Pause mit einem Imbiss.

Dann verlassen wir bald die interstate, es ist auch wirklich langweiliges Fahren. Kurz vor Jacksonville geht es auf dem Highway 301 mehr oder weniger immer geradeaus nach Süden.

Schon auf der Autobahn wurden wir von einem Schwerlasttransport mit Überbreite überholt. Eine ziemliche große Yacht auf dem Weg nach Florida. Der Transporter musste auf der Autobahn eine agricultural inspection (nicht dass merkwürdige Pflanzen oder Tiere eingeschleppt werden) und die Waagen passieren (Wieviele Tonnen so ein Gespann wohl wiegt?). Und dann überholt er uns tatsächlich noch einmal auf dem Highway und ich kann das Foto machen.

Neben uns läuft eine Eisenbahnstrecke entlang und wir fahren etliche Meilen neben dem ewig langen Güterzug her, eine Lok vorne, eine Lok in der Mitte.

Hinter Ocala, einem Gebiet, das für seine Pferdezucht bekannt ist, erreichen wir unser Ziel, das wir schon vor zwei Wochen reserviert haben. Diesmal bleiben wir mindestens eine Woche in einem RV-Resort, um mit Freunden abzuhängen und uns auszuruhen.

Zurück in den Süden, Teil 1: Von New York über Pennsylvania und West Virginia in den Südwesten von Virginia, day 15-16 (USA 2022)

Es ist schon ein bisschen merkwürdig, aber zunächst fahren wir tatsächlich auf dem US Highway 9 noch weiter nach Norden, bis wir die Interstate 84 nach Westen erreichen. Es ist wirklich kalt hier, die Wasserläufe und Seen sind noch gefroren, an den Bäumen ist kein Anzeichen von Grün zu erkennen, ganz anders als im Süden.

Im Nordosten von Pennsylvania erreichen wir die Interstate 81 nach Süden. Wir fahren durch die Pocono Mountains, immer die Berge hoch und wieder runter, der Motor muss ordentlich arbeiten.

Es regnet, irgendwo hier soll es auch unwetterartig sein. Je weiter wir nach Süden kommen, desto wärmer wird es draußen. In den Flusstälern steigt Nebel auf, da die Gewässer noch überfroren sind. An den Felsendurchbrüchen links und rechts der Interstate hängt noch Schnee. Die Sonne geht schließlich hinreißend schön unter.

Unser Übernachtungsplatz in Carlisle, südlich von Harrisburg, ist vom vielen Regen ziemlich aufgeweicht und (zumindest in der Nebensaison) absolut nicht zu empfehlen. Die meisten Menschen wohnen auf dem Campingplatz dauerhaft und arbeiten in den Logistikbetrieben und Fabriken gleich auf der anderen Seite der Interstate. Ihre riesigen RVs haben alles an Bord. Ich will ins Badehaus, das ist abgeschlossen. Na toll, und das nach der durchfahrenen Nacht.

Nur das Gebäude mit dem Büro ist etwas beleuchtet. Ich probiere dort alle Türen und finde tatsächlich ein warmes Badezimmer zum Duschen. Über die Sauberkeit kann ich in diesem Fall gerade noch hinwegsehen.

Auch das wifi ist zur Zeit not available. Geldabzocke bei denen, die nur auf der Durchfahrt sind. Nach dem Essen geht es bald zu Bett, welche Wohltat nach den Stunden auf der rest area direkt an der Interstate gestern.

Am nächsten Morgen wirkt der Campingplatz nicht besser, immerhin regnet es nicht mehr. Dafür ist es erfrischend kalt draußen. Nach einem schnellen Frühstück sind wir schon um 7:30 Uhr wieder auf der Straße. Bloß weg hier!

Die Interstate 81 ist nicht stark befahren und sehr gut in Schuss. Es ist hier so viel angenehmer zu fahren. Die Landschaft ist wunderschön. Wir fahren durch die Appalachen, Berghügel hoch und wieder runter. Manchmal auf der Kriechspur, manchmal auch an den Trucks vorbei, bis auf 600 Meter hoch und etwas bergab und wieder hoch und wieder bergab. So geht es den ganzen Tag.

In Harrisburg machen wir etwas länger Pause. Erst kaufen wir bei Aldi ein, was für eine Freude; hier gibt es super Qualität zu moderaten Preisen. Dann lunchen wir auf dem Parkplatz. Beim anschließenden Tankstopp gibt es nette smalltalks mit Kunden und Angestellten. Das ist es, was wir am Reisen hier schätzen.

Dann geht es weiter, rechts die Allegheny Mountains (im Foto), links die Blue Ridge Mountains, bis wir kurz vor Wytheville auf den dortigen KOA-Platz fahren.

Nach der Erfahrung der letzen Übernachtung setzen wir lieber auf bekannte Qualität. Wir checken bereits um 16 Uhr ein, genießen die Ruhe und entspannen uns. Die Elektrik funktioniert, die Heizung läuft, das wifi läuft mit 5G. Im Sommer könnte man hier auch etwas länger bleiben. Aber morgen früh geht es weiter, noch zwei Tage bis Florida.

Schon aufgrund der Badehaus-Qualität beschließen wir, zukünftig eher KOA-Plätze zu buchen.

Werkstattbesuch in Peekskill, NY, day 14/15 (USA 2022)

Wir fahren mal eben mit dem Wagen in die Werkstatt. Ein bisschen dumm ist nur, dass sie 880 Meilen (knappe 1500 km) entfernt ist und im kalten Norden liegt. Dafür verfügt sie über Mechaniker, die das Motorhome und dessen Elektrik kennen. Und vor allem gibt es dort ein Tauschfahrzeug, falls die Reparatur zu lange dauern würde.

Wir wollen allerdings so wenige von unseren Urlaubstagen wie möglich dafür verbrauchen. Der Plan ist folgender: wir fahren einen Tag früher von Tybee Island los, weil wir damit rechnen, dass der Verkehr am Sonntag in den zu durchquerenden Ballungsräumen geringer sein wird. Wir fahren durch, damit das Motorhome am Montag repariert bzw. getauscht wird. Und am selben Tag fahren wir wieder Richtung Süden, um drei Übernachtungen später in Florida zu sein.

Geplant und umgesetzt. Unsere letzte Übernachtung auf Tybee Island übernimmt unsere Platznachbarin, mit der wir uns ein bisschen angefreundet haben. Der folgenden Platz in Jacksonville, den wir für drei Tage reserviert hatten, wird storniert. Die anschließende Reservierung für den nächsten Platz halten wir. Wir haben jetzt vier Tage Zeit, um dann in der Nähe von Orlando anzukommen.

Sonntagmorgen um 8 Uhr starten wir, tanken voll und ab geht es über die Brücke von Georgia nach South Carolina, zuerst auf dem US Highway 17, dann immer die Interstate 95 Richtung Norden.

Ungefähr alle zweieinhalb Stunden wechseln wir uns beim Fahren ab, der Tank wird mehrmals am Tag aufgefüllt. Die Kreditkarte ächzt, sie wird bald nicht mehr vom Tankautomaten akzeptiert. Ich muss dann drinnen eine Tankmenge festlegen und den Beleg dafür unterschreiben.

Der Verkehr ist vormittags tatsächlich sehr gering. Uns fallen die Menschen auf den Autobahnbrücken auf. Sie winken, schwenken die Flagge der USA, große Fahnen von Trump, den sie für den wahren Präsidenten halten, und halten Banner in die Höhe. Eine kleine Google-Recherche ergibt, dass sie den People‘s Convoy von Truckern unterstützen, die sich seit Tagen unterwegs nach Washington D.C. sind, um gegen die Covid-19-Maßnahmen zu protestieren, welche aber in fast allen Staaten bereits zurückgenommen worden sind.

Die Republikaner unterstützen diese Aktion natürlich. Die Trucker wollen die Autobahnringe um Washington blockieren, um für ihre Freiheit einzutreten, die sie durch die Maßnahmen der Regierung massiv bedroht sehen. Geht’s noch? Aber erst einmal müssen sie ja dahin kommen. Am späten Nachmittag überholen uns einige Teilnehmer, noch sind wir in Virginia; North Carolina haben wir da schon hin uns gelassen.

Wir erreichen gegen 19 Uhr eine rest area südlich von Washington. Die elf Stunden Fahrt mit vielen gefüllten Brücken, drei Tankstopps (einem davon mit Tankwart, sehr angenehme Erfahrung) und einem BurgerKing-Aufenthalt zusammen mit jungen Paaren, die Waffe und Bowie-Messer am Gürtel tragen, sind dann doch stressig. Der Wochenend-Rückreiseverkehr Richtung Norden ist dicht. Wir trinken einen Tee und legen uns dann hin. Hier dürfen wir uns insgesamt acht Stunden ausruhen. Wir schlafen (mehr oder weniger) vier Stunden, essen dann noch etwas und machen uns um ein Uhr nachts wieder auf die Socken. Wir wollen keineswegs in einem eventuellen Stau, den die Trucker rund um Washington verursachen wollen, stecken bleiben.

Wir fahren ohne Probleme durch den Großraum Washington/ Baltimore/ Philadelphia und erreichen vor dem Einsetzen des morgendlichen Berufsverkehrs den Großraum Jersey/ New York City. Eigentlich wird unsere Fahrt nur durch die Mautstellen auf dem New Jersey Turnpike und dem Garden State Parkway und vom Tanken unterbrochen.

Die Benzinpreise sind in den letzten Tagen sprunghaft angestiegen (und steigen weiter, je weiter wir nach Norden kommen). Wir vertanken mehr als $400 auf dieser Fahrt, das Geld erhalten wir aber zurück (und auch das Geld für die Rückfahrt in den Süden).

Um acht Uhr morgens (24 Stunden nach dem Start) rollen wir in Peekskill auf den Hof, um 8:10 Uhr wird der Wagen in die Garage gefahren, um 8:15 Uhr gehen wir erst einmal frühstücken. Auf Empfehlung landen wir beim Burger Diner und essen ein üppiges Frühstück (alles auf dem Foto für eine Person) mit Kaffee ohne Ende, unsere erste Mahlzeit nach mehr als zwölf Stunden.

Zur Verdauung gehen wir noch ein bisschen spazieren. Es ist kühl hier, bestimmt 15 Grad kälter als auf Tybee Island gestern noch.

In der Werkstatt haben sie den kaputten Spannungsumwandler schon ausgetauscht. Glücklicherweise lag ein neuer und passender im Lager. Nun werden wir doch mit diesem Motorhome weiterfahren und brauchen keinen Ersatzwagen. Dabei hatten wir etliches schon in Tüten verpackt, damit das Umladen schneller vonstatten gehen würde.

Unsere Mängelliste, die wir vor knapp einer Woche empört gemailt hatten, wird so weit es geht abgearbeitet. Wir erhalten unsere Auslagen in bar auf die Hand und viereinhalb Stunden später (12:30 Uhr) rollen wir wieder vom Hof und starten erneut Richtung Süden. Die Interstate 95 wollen wir aber nicht ein drittes Mal befahren, das wird dann doch zu langweilig. Wir entscheiden uns für eine andere Strecke, dazu im nächsten Blogbeitrag mehr.