Ein bisschen was zum Madeirawein (Madeira 22)

Madeira exportiert bereits seit fast 600 Jahren Wein nach Europa. Die Portugiesen begannen recht zügig nach der Entdeckung hier Weinstöcke anzupflanzen. Die Malvasia-Traube wurde z.B. von Kreta importiert. Heute ist die Insel bekannt für ihren Likörwein in fünf unterschiedlichen Süß-Stärken, der berühmte Madeirawein.

Der Likörwein wird bereits seit Jahrhunderten von Staatenlenkern geschätzt. Zum Beispiel wird der Tag, an dem ein amerikanischer Präsident neu gewählt wird, mit einem Glas Madeira gefeiert. Diese Tradition wird auf den ersten Präsidenten George Washington zurückgeführt, der auf die Erklärung der Unabhängigkeit der USA mit einem Glas dieses Weines anstieß. Die Queen lässt bei Staatsbanketten ebenfalls Madeira zum Dessert servieren.

Madeirawein ist überall in Europa bekannt. Und das seit langer Zeit, selbst in Shakespeares Stücken findet er Erwähnung: der Bruder des zukünftigen Königs Richard III soll hingerichtet werden und wählt den Tod durch Ertrinken in einem Fass Malvasia, der süßesten Sorte, die es gibt. Was für ein Gedanke!

Nach der Lese (alles in Handarbeit, da auch der Wein auf Madeira auf kleinsten Parzellen angebaut wird) und der Traubenpressung wird die Maische fermentiert. Die Fermentation wird durch die Zugabe von Weinalkohol gestoppt, hier entscheidet sich, ob der Wein süßer oder trockener wird. Nun gärt der Wein für ungefähr drei Monate in Edelstahlfässern, bevor er in andere Fässer umgefüllt wird. Am Anfang wird er auf 45 Grad erhitzt, danach kühlt die Flüssigkeit langsam auf Raumtemperatur ab.

Je nach gewünschtem Alter reift der Madeirawein für drei Jahre in Stahlfässern oder für fünf, zehn, fünfzehn oder zwanzig Jahre (oder noch länger) in Eichenholzfässern. Diese lagern im obersten Stock der Produktionsanlage, da dort die Raumtemperatur höher ist.

Man kann die dreijährigen Sorten umsonst probieren, für die älteren muss man etwas Geld bezahlen, dafür ist die Portion auch größer. Wir beginnen mit zwei Sorten des dreijährigen Weins, eine davon heißt ‚Rainwater’. Dazu gibt es eine schöne Geschichte:

Vor langer Zeit, aber historisch verbürgt, verbrachten aus Versehen einige Fässer Madeirawein die Nacht auf dem Pier in Funchal, statt schon im Laderaum des Schiffes. Ausgerechnet in der Nacht regnete es sehr heftig, und etwas Regenwasser drang in die Fässer ein. Sie wurden am nächsten Tag trotzdem verladen und schipperten in die Staaten. Der amerikanische Importeur probierte die frische Ladung und war begeistert vom Geschmack. In den Augen der Madeirer war der Wein verdorben, doch der Importeur orderte genau diesen Wein nach. Was der Kunde will, soll er haben, eine neue Weinsorte entstand. Er schmeckt wirklich etwas dünn im Vergleich mit einem anderen dreijährigen Wein.

Danach gehen wir zu den besseren Sorten über, zur zehn- und zur fünfzehnjährigen Boal-Traube (halbsüß) und zur zehnjährigen Malvasia-Traube (süß). Sie schmecken uns alle recht gut, erstaunlicherweise macht dann aber der Malvasia das Rennen (wir können ja nicht sooo viele Flaschen in den Koffer packen, der war schon voll, als wir ankamen).

Sie haben auch sehr, sehr alte Weinflaschen im Verkauf. Einen Wein von 1894 für 1010,00€ könnte man vor dem Kauf auch probieren, für 75€ das Gläschen.