Im Sommer kann man an bestimmten Sonntagen den roten, das ist der ältere der beiden Wassertürme (der neuere ist der weiße), besteigen. Das wollen wir am letzten der möglichen Termine machen.
Der 1924 gebaute und ein Jahr später in Betrieb genommene Turm wird wegen seiner roten Ziegelsteine „der rote Wasserturm“ genannt. Er hat, immerhin bis 1991, die Stadt Haderslev mit Trinkwasser versorgt.
Im Innern führt eine Holztreppe in die Höhe. Die einzelnen Etagen des Turmes haben einen Betonboden, das macht den Aufstieg auch für Menschen mit moderater Höhenangst möglich, wenn man nicht auf die Idee kommt, zwischendurch mal durch das „Treppenhaus“ zu gucken.
Große bunte Schmetterlinge begleiten unseren Auf- und Abstieg in den 38 Meter hohen Turm.
Die letzten 50 der insgesamt 141 Stufen gehen als Wendeltreppe im Innern des alten Wassertanks weiter. Hier gibt es nur ein Seil und die Wand zum Festhalten.
Von oben hat man einen schönen Rundumblick über Haderslev und Umgebung:
Seit 1980 ist der Wasserturm auch das Wahrzeichen des Kløften Festivals. Die Lichtdekoration hängt das Jahr über am Turm, leuchtet aber wohl nur im Juni, wenn das Musikfestival stattfindet.
Am letzten Wochenende hatten wir die Fahrräder mit in Dänemark, um bei dem schönen Wetter eine kleine Fahrradtour zu machen. Ein Ziel zu haben ist gut, wir wollen also nach Haderslev fahren. Mit dem Auto sind die knapp 14 Kilometer schnell gefahren. Aber die Strecke ist nicht zum Radfahren geeignet. Also suchen wir uns eine Route durch die Felder und über die kleinen Dörfer.
Unser Weg führt uns von DiernæsStrand am Slivsø vorbei Richtung Norden, immer geradeaus. Doch im Hintergrund des Fotos ist schon zu erahnen, dass es nicht dabeibleiben wird.
Wir halten uns rechts und fahren den ersten (von gefühlt Hunderten auf dieser Tour) Hügel hinauf. Oben gibt es einen kurzen Stopp, um den Ausblick nach hinten zu genießen:
Auf diesem Foto ist das Blaue die Ostsee.Auf diesem Foto ist das Blaue der Slivsø.
Als wir weiterfahren, die andere Seite des Hügels hinunter Richtung Vilstrup, sehen wir zwischen den Feldern jede Menge LKWs auf der Straße fahren. Dabei ist das genauso eine kleine Straße wie die, auf der wir unterwegs sind.
Als wir näher kommen, können wir die Lösung sehen: ein Oldtimer-Nostalgi-Lastbil-Konvoi kreuzt unseren Weg. Vom letzten Fahrzeug gelingt dann noch dieses Foto.
Wir kommen an Schweinemastbetrieben vorbei, die hier sogar schön aussehen (und nicht riechen). Es gibt aber auch andere, aber davon macht man normalerweise keine Fotos.
Wir fahren immer entlang der Getreidefelder, die in allen Stadien der Reifung vorhanden sind. Der Raps (ja, ist eine Ölfrucht) trocknet schon vor sich hin; Weizen, Roggen, Gerste und Hafer (ja, ist ein Gras) wechseln sich ab.
Die Abiturienten haben die Schule abgeschlossen und feiern. Die wummernden Bässe können wir schon von weitem hören.
In Dänemark mieten sie Lastwagen mit Bänken und Tischen auf der Ladefläche und lassen sich klassenweise laut hupend von Elternhaus zu Elternhaus kutschieren (hier in Vandling).
Das erklärte Ziel ist, sich möglichst gründlich und vollständig zu betrinken. Wir werden auf unserer Tour von mehreren Lastwagen mit laut grölenden Menschen überholt. Früher wurden einfach Tische und Bänke auf einen Treckeranhänger gestellt, aber mit steigendem Alkoholkonsum wurde das bei den niedrigen Seitenwänden des Anhängers wohl zu gefährlich.
Offensichtlich waren die Straßen früher viel schmaler und die Fahrzeuge viel niedriger. Bei diesem Hof in SønderStarup wurden kurzerhand Scheune und Wohnhaus auf pragmatische Weise an die modernen Bedürfnisse angepasst. (Wenn man das Foto etwas aufzieht, kann man es besser erkennen.)
Unsere Strecke führt uns quer durchs Land über Sønder Vilstrup, Kelstrup und Vandling, dann irgendwann doch nach Haderslev.
Auf torvet gibt es samstags Livemusik. Aber vor allem gibt es bei Torvet Is ein wunderbares, großes Erdbeer-Vanille-Softeis für jeden.
Der Genuss ist so groß, dass ich erst dann auf die Idee komme, es zu fotografieren, als es schon zur Hälfte verspiesen ist. Und dann ist es leider nicht mehr sehr fotogen.
Für einen Besuch der örtlichen genbrugs-Läden waren wir leider zu spät dran. Dafür kommen frische neue dänische Kartoffeln mit in die Satteltasche, bevor wir uns auf den Rückweg machen. Diesmal wollen wir einen direkteren Weg nehmen. Der führt uns zunächst zu einem großen Kreisverkehr. Interessanterweise besteht die Mitte nicht aus einem mehr oder weniger inspiriert bepflanzten Hügel, sondern ist sozusagen hohl.
Dort, eine Etage tiefer, wir fahren durch kurze Unterführungen, stoßen wir auf den ersten Kreisverkehr unseres Lebens für Fahrräder. Komplett mit aufgezeichneten Richtungspfeilen! Auf der Karte sind die grünen Linien die Fahrradspuren.
Weiter geht es an schönen Villen vorbei hinaus aus Haderslev. Aber was auf dem Hinweg nach unten führte, führt nun bergauf. Die Steigung ist zwar moderat, aber sehr, sehr lang anhaltend.
Ein Blick zurück über die Schulter zeigt, dass Haderslev ungefähr auf Normalnull liegt, alles andere drumherum aber nicht.
Wir kommen wieder an Vilstrup vorbei, diesmal an der Kirche, die zwischen Norder- und Süder-Vilstrup liegt.
Und damit uns auch geglaubt wird, dass wir uns wirklich anstrengen auf unserer Tour: wir fahren einen Teil der 3. Etappe der Tour de France, die im letzten Jahr durch Dänemark führte!
Als wir kurz vor Schluss schon sehr müde und erschöpft sind, erfreut uns nicht nur der blühende Mohn an den Ackerrändern, sondern auch die Flugkünste der Mitglieder des HaderslevRCModelflyveklub. Kurz vor unserem Ziel liegt ihr Übungsgelände, und wir können im Vorbeifahren die abenteuerlichen Flugmanöver bestaunen.