
Nach Beendigung der ersten Runde der HopOn-HopOff-Tour bleiben wir einfach im Bus sitzen und fahren die ersten vier Stopps noch einmal. Wir steigen an der katholischen St. Mary‘s Basilica aus und werfen einen Blick hinein. Es ist kurz nach zehn, sie hat gerade geöffnet und schon sitzen sechs Personen auf der Bank und warten, dass der Beichtstuhl wieder frei wird.

Bei der gigantischen Explosion 1917 wurden auch die Wandmalereien im Altarraum zerstört und später einfach durch Tapeten ersetzt. Das Provisorium hielt gut einhundert Jahre. Während des Covid-19 Lockdowns wurden sie schließlich wieder als Wandmalereien ausgeführt.

Die modernen Zeiten machen auch vor dem Spendensammeln nicht halt: hier in der Kirche hält man einfach seine Kreditkarte vor das entsprechende Feld, der Betrag ist praktischerweise schon voreingestellt, 5 oder 10 kanadische Dollar, tap to give!



Wir passieren das alte Bücherei-Gebäude mit der Churchill-Skulptur davor. Churchill hat Halifax sehr oft besucht.
Die neue öffentliche Central Library schräg gegenüber ist gigantisch für eine Stadt mit rund 480.000 Einwohnern. Das Grundstück wurde 50 Jahre als Parkplatz benutzt, bevor 2014 das aus einem internationalen Wettbewerb hervorgegangene, inzwischen preisgekrönte Gebäude eröffnet wurde.

Außer den für eine Bücherei üblichen Büchern findet man hier zwei Cafés und kommunal nutzbare Räume, auch Konferenzräume, sowie ein Auditorium mit 300 Sitzplätzen und eine öffentliche Dachterrasse. Es gibt wlan und hundert kostenlos nutzbare Computerterminals. Das Gebäude ähnelt einem Stapel Bücher, leider gehen wir nicht hinein.
Aber wir kommen sicherlich noch einmal wieder hierher, Halifax ist eine sehr zugängliche und fußgängerfreundliche Stadt. Wir gehen die Spring Garden Road entlang bis zu einem Drogeriemarkt.

Hier kaufe ich keinen Kleber für mein gebrochenes Brillengestell, sondern eine Trifokal-Brille: oben für das Kommunizieren mit einem Gegenüber, die Mitte für Bildschirmarbeit und unten zum Lesen und das ganze noch 0,25% stärker als meine alte Brille. So etwas kauft man dort für knapp 40 kanadische Dollar, vor Steuern, aber trotzdem sind es umgerechnet nur gut 30 Euro. Nun müssen sich meine Augen nur noch dran gewöhnen.

Anschließend wollen wir in die Halifax Public Gardens. Das ist jetzt ein Park, es müsste also eigentlich Public Garden heißen. Die heutige Version entstand 1874, als zwei ältere Gärten, der Nova Scotia Horticultural Society Garden und der angrenzende öffentliche Park zusammengelegt wurden.

Am Haupteingang mit seinem großen Schmucktor erwarten uns die Boy Scouts, die auf Hochglanz polierte, tiefrote Äpfel aus einem Bauchladen heraus verkaufen, um Geld für eine gemeinsame Fahrt zu verdienen. Unser Argument, dass wir leider gar keine kanadischen Dollars dabei haben, wird sehr schnell entkräftet.

Die Jungs zeigen uns ihre Sammeldose, in der sich auch schon Euro-Banknoten neben Münzen und Scheinen in anderen Währungen befinden. Der erwachsene Scout hat zudem ein Kartenlesegerät dabei. Er erzählt uns, dass es für viele Menschen inzwischen normaler geworden ist, einfach die Karte auf das Gerät zu halten.
Wir geben dann zwei amerikanische Dollar und Kay nimmt einen Apfel mit. Er sieht wirklich verführerisch gut aus, ich probiere einen kleinen Bissen. Aber leider reagiere ich doch allergisch auf ihn.
Im Park, der von Mai bis November zugänglich ist, darf man weder rauchen, noch joggen, noch Radfahren, keine Enten füttern und auch nicht heiraten. Die Hauptwege sind damals so breit angelegt worden, dass zwei Damen in Reifröcken aneinander vorbei flanieren konnten, ohne sich zu berühren.

Nach und nach wurde der Park durch Statuen, Brunnen, einem bandstand (1887 erbaut, bis Ende September gibt es dort jeden Sonntag ein Konzert) und Wasserläufen verschönert, um dem Ideal eines viktorianischen Gartens gerecht zu werden. Von denen gibt es nicht mehr so viele.

Seit 1984 gehört die Parkanlage historischen Erbe Kanadas und steht unter Schutz. Das Bild zeigt einen der insgesamt drei Brunnen, meist anlässlich eines königlichen Jubiläums beauftragt und aufgestellt.

Die Blumenbeete sehen jetzt Ende Oktober natürlich nicht mehr so dekorativ aus, wie im Sommer, doch Rosen blühen immer noch. Einige Beete sind, sehr ungewöhnlich für uns, erhöht bepflanzt.

Der große See, (jeder viktorianische Garten hat einen pond), trägt den Namen Griffin Pond. Benannt wurde er nach einem jungen irischen Einwanderer mit Namen Lawrence Griffin. Er wurde zu Unrecht wegen Mordes zum Tode verurteilt und 1821 (da war es noch kein Park) an der Ostseite des Sees gehängt. Zur Wiedergutmachung wurde später der See nach ihm benannt.
Der Tourguide im Bus leitete die Geschichte ein mit den Worten: Ich weiß eine todsichere Methode, wie in Kanada ein See nach einem benannt werden kann! Makaber!! Auf dem See schwimmt ein Modell der Titanic, leider haben wir es nicht gesehen, daher gibt es davon auch kein Foto an dieser Stelle.

Überall im Park verteilt wird an militärische Zeitgenossen, aber auch an Vorreiter der Antialkoholiker oder Frauenrechtlerinnen, mit Plaketten und kleinen Statuen erinnert. Dies ist eine Skulptur (von Hamilton MacCarthy, 1903), die an die Teilnahme der Royal Canadian Dragoner in den Burenkriegen in Afrika erinnert.

In der Horticultural Hall (1847 erbaut) gibt es Informationen und Prospekte, aber auch ein Café, das zu einem sehr guten Kaffee noch viel bessere Pekan-Dreiecke verkauft. Außerdem gibt es hier freies wifi, so dass wir das erste Mal nach sieben Tagen wieder ein Lebenszeichen an die Familie absetzen (und jede Menge aufgelaufene E-Mails löschen) können.