Neue Nationalgalerie (Berlin, Oktober 2023)

Da fehlt doch der letzte Eintrag zu unserem Kunst- und Kulturausflug nach Berlin. Am Abreisetag können wir das Auto noch etwas länger in der Hotelgarage parken lassen, um der Neuen Nationalgalerie einen Besuch im Innern des Gebäudes abzustatten. Wir gehen wieder am Tiergarten entlang zum Museumsquartier. Diesmal gibt es auch Eintrittskarten für uns. Die kauft man im Untergeschoss. Die ebenfalls dort untergebrachte ständige Sammlung ist wegen Umbaus geschlossen (nicht, dass sie deshalb den Eintrittspreis vielleicht etwas gesenkt hätten, nein).

Aber im Untergeschoss sind zwei weitere Ausstellungen zu sehen. Wir sehen uns zunächst Gerhard Richters 100 Werke für Berlin an, die er der Neuen Nationalgalerie dauerhaft zur Verfügung stellt. Es finden sich Bilder aus allen Schaffensperioden:

„Das zentrale Werk der Ausstellung ist der aus vier großformatigen, abstrakten Bildern bestehende Zyklus „Birkenau“ (2014). Er ist das Ergebnis einer langen und tiefen Auseinandersetzung von Gerhard Richter mit dem Holocaust und dessen Darstellbarkeit. Grundlage der Werke sind vier Fotografien aus dem KZ Auschwitz-Birkenau, die der Künstler mit Kohle und Ölfarbe auf vier Leinwände übertragen hat, um sie dann nach und nach abstrakt zu übermalen. Mit jeder Farbschicht verschwand die gemalte Vorlage etwas mehr, bis sie schließlich nicht mehr sichtbar war. Zu dem Werk gehört auch ein großer, vierteiliger Spiegel, der gegenüber den vier Birkenau-Bildern platziert ist und so eine weitere Ebene der Reflexion erzeugt.“ (aus der Beschreibung auf der Webseite).

Hier sind die Bilder und deren Betrachter im erwähnten Spiegel zu sehen. Der graue Spiegel von 2019 (und auch die anderen Spiegel in der Ausstellung) ist so auf Hochglanz poliert, dass viele Besucherinnen und Besucher ihn gar nicht als Kunstwerk wahrnehmen.

Der ungarisch-französischen Künstlerin Judit Reigl (1923-2020) ist anlässlich ihres 100. Geburtstags (und der Schenkung von dreien ihrer Hauptwerke) auch eine kleine Ausstellung gewidmet. Nie bisher von ihr gehört, ist es auch tatsächlich die allererste Einzelausstellung ihrer Werke in einem deutschen Museum. Laut Beschreibung gehört sie zu den wichtigsten Malerinnen ihrer Generation – wieder was dazu gelernt!

Danach benötigen wir erst einmal eine Kaffeepause im „Erfrischungsraum“, das steht tatsächlich an der Tür! Ist aber ganz hübsch hier. Und zum Kaffee gibt es ein Glas Wasser dazu.

Dann geht es wieder nach oben in den Teil des Gebäudes, in den wir eigentlich wollten. Diese Ikone der Klassischen Moderne von Ludwig Mies van der Rohe schloss 2015 wegen Renovierungsarbeiten. Nach sechs Jahren öffneten sich die Türe wieder. Nun kann man wunderbar durch die Fenster hinein und herausschauen, so wie zur Eröffnung 1968. Es ist toll, lichtdurchflutet, immer noch sehr modern wirkend, ein schönes Gebäude. Wir finden, die 140 Millionen Euro sind gut angelegt worden.

Allein die Fensterscheiben der 1500 Quadratmeter Fassadenfläche auszutauschen! Die oberen mussten in China angefertigt werden, weil zu dem Zeitpunkt kein Glaswerk irgendwo sonst diese Maße produzieren konnte.

Im Ausstellungsraum sind insgesamt 75 Werke der deutschen Künstlerin Isa Genzken aufgestellt. Die in Schleswig-Holstein geborene und in Berlin lebende, international erfolgreiche Künstlerin hatte sich schon immer gewünscht, in dem Mies van der Rohe-Bau ausstellen zu dürfen. Anlässlich ihres 75. Geburtstags ehrt die Neue Nationalgalerie sie nun und macht ihr die Ausstellung von 75 ihrer unterschiedlichen Skulpturen zum Geburtstagsgeschenk. Das Werk ist sehr vielfältig, regt viele zu Diskussionen an und zaubert ein Lächeln auf alle Gesichter.

Wir haben ein paar wunderbare Tage in Berlin verbracht. Leider bereichern wir etwas später auf dem Berliner Ring die Galerie der teuren deutschen Porträtfotos um mein eigenes. Schade!