Wir durchfahren den letzten Zipfel von Georgia‘s Nordosten, bevor es nach North Carolina geht. Es bleibt bezaubernd hier.
Tugaloo River, aufgestautRabun County, River FallsDillard, letzter Ort in Georgia
Wir fahren nach North Carolina hinein, es bleibt bergig. An einer Stelle keucht das Wohnmobil auf 960 Meter Höhe hinauf, um dann mit dem Fuß auf der Bremse auf der anderen Seite wieder hinabzusausen. Wir befinden uns in den Southern Appalachian Mountains.
Wir halten auf die Great Smoky Mountains zu, biegen aber vorher ab. Wir wollen zum südlichen Ende des Blue Ridge Parkways, Milepost 469 bei Cherokee. In den nächsten Tagen fahren wir die 469 Meilen nach Norden, immer hoch oben auf dem Bergrücken entlang.
Wir machen eine längere Pause in Cherokee (dazu im morgigen Beitrag mehr), bevor es zur Parkway-Auffahrt geht. Und dann, bäm! Die Zufahrt ist gesperrt. Wir sind etwas verzweifelt, müssen aber umdrehen.
Wir fahren am Soco Creek entlang und versuchen es an der nächsten Zufahrt, am Soco Gap. Aber nichts da, aufgrund der „Unbilden des Wetters“ ist auch die nächste Etappe gesperrt. Wir vermuten eine Menge umgestürzter Bäume auf der Straße durch die heftigen Stürme in den letzten Wochen.
Das Mobiltelefon hat hier keinen Empfang, so planen wir den Umweg ganz old school per Straßenkarte. Wir fahren durch Maggie Valley, gut zum Skifahren im Winter und Wandern im Sommer, bis wir nach Waynesville kommen.
Weitere sieben Meilen später biegen wir auf die Country Road 215 und erhalten einen Vorgeschmack auf die Serpentinen, die uns wahrscheinlich noch erwarten werden. Wir fahren 18 Meilen auf diesem scenic byway, und es lohnt sich.
Pigeon River
Bei ungefähr milepost 423 biegen wir endlich in den Parkway ein. Die nächsten vierzig Meilen schlängeln wir uns auf dem Rücken des Mount Pisgah entlang.
East Fork Overlook, auf 1510 Meter Höhe, unten ist der östliche Arm das Pigeon River zu sehenFetterbush Overlook, auf 1674 Meter HöheThe Cradle of Forestry Overlook, auf 1436 Meter Höhe, dort unten entstand 1968 das wissenschaftsbasierte Forstmanagement
Ab und zu geht es auch durch niedrige Tunnel, bei denen wir uns sicherheitshalber mehr in der Mitte der Fahrbahn halten. So viel Verkehr ist hier oben noch nicht unterwegs.
Bei Asheville (milepost 382) fahren wir für heute vom Parkway hinunter und übernachten auf einem Campingplatz direkt am Swannanoa River.
Wir sind direkt aus den hochsommerliche Temperaturen Floridas hineinkatapultiert worden in den Frühling, inklusive sehr kalter Nächte mit Frostwarnung für die Wasserleitung. Letzteres entpuppt sich wieder als übertrieben, 4 Grad Celsius sind noch kein Frost. Wir holen unsere extra Decken wieder aus dem Schrank und freuen uns, dass die Heizung so gut funktioniert.
Im Tugaloo State Park bleiben wir zwei Nächte (weniger kann man nicht buchen), es lohnt sich. Der Park nimmt eine der vielen Halbinseln im Lake Hartwell ein, ist überwiegend bewaldet und bietet außer dem Campingplatz auch noch etliche Bootsanlegestellen.
Es ist sonnig, Temperaturen wie bei uns an einem schönen Himmelfahrtstag, wie geschaffen für eine kleine Hiking-Tour. Ein Einstieg in den Sassafras Circle Trail befindet sich fast direkt an unserem Campingplatz. Der Weg mäandert über die gesamte Halbinsel, knapp sechs Kilometer lang, sehr gut ausgeschildert. Meistens ist der See irgendwo zu sehen.
Der rote Lehmboden hier in Georgia gibt dem Wasser interessante Farben.Es geht über Stock …und über Stein, …manchmal auch über eine kleine Brücke.
An einer der Bootsrampen können wir beobachten, wie die Boote hier zu Wasser gelassen werden. Der Anhänger wird ins Wasser gefahren, einer klettert ins Boot, löst die Verankerung und schwups, das Boot gleitet ins Wasser. Die andere fährt den Truck samt Anhänger auf den Parkplatz, kommt zurück und steigt am Steg zu.
Wie kommt das Boot nach dem Ausflug wohl wieder auf den Anhänger?Und wie macht man das, wenn man allein unterwegs ist? Netterweise können wir die Antworten beobachten. Das Boot, diesmal ein flaches Speedboat, liegt vertäut am Steg. Der Eigner kommt mit Truck und Anhänger, fährt beides flott ans bzw. ins Wasser und geht dann zum Steg. Er fährt das Boot zu dem im Wasser stehenden Anhänger und fährt mit sehr viel Motorleistung tatsächlich einfach hinauf. Easy!! Boot sichern und abfahren, das geht schneller als wir Fotos machen können.
Im Süden der Halbinsel verläuft unser Trail zum Teil parallel zum Muscadine Trail, der Informationen über Flora und Fauna des Waldes vorhält, ähnlich wie ein Waldlehrpfad bei uns. Bären gibt es hier nicht, nur die üblichen Eichhörnchen und Füchse, dazu Opossums, Schildkröten und Kornnattern. Aber nichts davon will auf ein Foto. Die Pflanzen jedoch können nicht weglaufen.
Christmas Fern (Dolchfarn), ein immergrüner Farm, der für Blumengestecke und Weihnachtsdekoration genutzt wird.
Sweetgum (Storaxbaum, Seesternbaum), der Saft wurde von den Indianern und ersten Siedlern als Kaugummi benutzt.
Um auch weiterhin fern von Atlanta zu bleiben, geht es am heutigen Tag quer durch das Land in den Nordosten, kurz vor die Grenze zu South Carolina, und das überwiegend auf kleinen country roads, berghoch und wieder hinunter, entlang des Georgia Scenic Bypass. Wir fahren durch den Oconee National Forest und das überaus bezaubernde Städtchen Madison, überqueren den Apalachee River und umrunden Athens, bevor wir für das letzte Stückchen doch wieder eine Interstate nehmen. Es ist eine sehr farbenfrohe Tour trotz der dicken Wolken, aus denen ab und zu auch genügend Tropfen fallen, um den Scheibenwischer kurz zu betätigen. Die Wälder bestehen hier überwiegend aus Laubbäumen, die in allen Varianten der hellgrünen Farbpalette schimmernden. In den Gärten blühen die Azaleen in Schattierungen von hellrosa bis dunkelrot. Auf den Weiden stehen Milchkühe oder Pferde. Zwischendurch ist die dunkelrote Erde Georgias zu sehen und scharlachrote Kardinalvögel kreuzen unseren Weg. Einige der vielen Kirchen hier sind mit violetten Bannern oder Schleifen geschmückt, Ostern nähert sich. Insgesamt erinnert uns die Aufteilung der Landschaft an Europa, kleine Felder, umsäumt von Knicks, kleine Orte mit richtigem Stadtzentrum.
Madison MadisonMadisonOrtsdurchfahrt von BishopHullDanielsvilleAnderson
Da wir die nächsten zwei Nächte auf einer Halbinsel in einem riesigen See sein werden, wollen wir vorher noch unsere Lebensmittelvorräte aufstocken. Da wir unbedingt zu Aldi wollen, müssen wir mal eben nach South Carolina fahren. Unser dämliches Androidtelefon besitzt inzwischen eindeutig ein Eigenleben. Das Navi führt uns die kleinstmöglichen Straßen Richtung Aldi, entscheidet sich zwischendurch selbstständig, die weiter entfernte Filiale anzusteuern.
So überqueren wir den Lake Hartwell mit seinen Seitenarmen und Zuflüssen so oft, dass wir das Gefühl haben, immer im Kreis zu fahren. Am Ende geht es mit 15 Meilen pro Stunde durch eine Anwohnerstraße, bevor wir seitlich auf dem Parkplatz der Mall ankommen.
Das Gute daran ist, nebenan finden wir unseren neuen Koffer und eine günstige Tankstelle. Eine Dreiviertelstunde später steht das Wohnmobil auf dem Campingplatz mit Blick auf den See.
Wir wollen in den Nordwesten von North Carolina. Dafür muss man durch Georgia hindurch. Und alle, wirklich alle Interstates führen durch Atlanta. Da wollen wir auf keinen Fall noch einmal hin (s. Beitrag vom 05.01.2016). Für unsere erste Etappe nehmen wir zuerst noch die Interstate 75 und übernachten auf dem KOA-Campingplatz in Forsyth, etwas nördlich von Macon.
Auf der Hälfte des Weges legen wir eine Pause in einer Cracker Barrel – Filiale ein. Die Kette wurde uns von etlichen RVern empfohlen, da sie hinter dem Gebäude große Parkplätze für die Gespanne vorhalten, auf denen man auch umsonst übernachten kann. Bevor wir das irgendwann einmal machen, wollen wir zunächst die location selbst erkunden.
Die eine Hälfte des Gebäudes enthält den Old Country Store, der hübsche Dekosachen, Kleidung und Spielsachen verkauft. Nichts, was man unbedingt braucht, aber vieles, was eigentlich ganz niedlich ist, z.B. Salz- und Pfefferstreuer in der Form kleiner Gartenzwerge. Auch die Schaukelstühle auf der Veranda kann man kaufen.
Die andere Hälfte besteht aus dem Restaurant, eingerichtet wie zu den „guten alten Zeiten“ auf dem Lande, als das Leben noch nicht so hektisch war. Man kann den ganzen Tag über Frühstücksgerichte bekommen. Aber das hatten wir ja schon zweimal.
Ich entscheide mich für das lunch special, Chicken ´nˋ Dumpling mit Hashbrown Casserole. Kay wählt aus der Dinner-Sektion Southern Fried Chicken mit Steak Fries und ebenfalls Hashbrown Casserole. Letztere schmeckt uns beiden sehr gut, Kays Essen mundet ihm, ich werde im weiteren Leben auf amerikanische Dumplings verzichten. Aber der Kaffee hier ist sehr gut!
Nachdem wir uns auf dem Bypass von Macon vorbeigestaut bzw. vorbeigeschlichen haben, werden wir in Forsyth auf dem KOA-Campground sehr freundlich empfangen. Gut, dass wir schon vor einer Woche reserviert haben, alles ist ausgebucht. An der Rezeption bekommen wir einen Müllbeutel ausgehändigt mit der Aufforderung, ihn am nächsten Morgen gefüllt einfach auf dem Platz liegen zu lassen. Der wird dann abgeholt, ein netter Service.
Etwas später klopft es an der Tür. Wir bekommen zwei große, wirklich sehr große Chocolate Chip Cookies, noch warm, zur Begrüßung. Sie sind sehr, sehr lecker. Wie in Point South gibt es hier auch einen Pizza-Lieferdienst. Aber nach dem kalorienhaltigen Mittagessen wollen wir nicht noch mehr fast food essen. Wir essen zum Abendbrot Vollkornbrot von Aldi, aus Deutschland importiert, zwischendurch eine nette Abwechslung. Morgen folgt die nächste Etappe.
Wir haben tolles Wetter hier unten, sonnig den ganzen Tag bei 23 Grad Celsius. Das kann man gut haben Anfang März. Eigentlich lesen wir den ganzen Tag draußen in der Sonne und machen sonst nicht viel.
Am frühen Abend gehen wir zum Fried Chicken Dinner in der örtlichen American Legion. Das ist eine Veteranenorganisation der Armee, die den Patriotismus in den USA stärken möchte.
Etliche Veranstaltungen sind öffentlich für Gäste. Donnerstags bieten sie hier auf Tybee immer Abendessen an. Man bezahlt am Eingang und bekommt ein Papierticket. Dann stellt man sich an, legt an der Ausgabestelle das Ticket in ein Körbchen und erhält im Gegenzug das Essen; auch jetzt noch in Styroporverpackung, genauso wie vor sechs Jahren. Anders als damals nehmen viele Menschen das Essen mit und fahren wieder nach Hause. Nur einige bleiben in der großen Halle und essen dort, so wie wir. Das liegt wahrscheinlich an Covid-19.
Heute gibt es ein halbes Huhn, deep-fried mit leckerer Kruste, sehr guter Kartoffelsalat und pikante heiße Bohnen, dazu noch ein Hefebrötchen mit Butter, wenn gewünscht und eine Flasche eiskaltes Wasser, und das alles für 13$ pro Person. Für dieses Preis-Leistungs-Verhältnis können wir den military-Kram gut für anderthalb Stunden ignorieren.
Wir kommen pappsatt, glücklich und zufrieden zum Campingplatz zurück. Dort erwartet uns dann der Schock, die Stromversorgung funktioniert nicht. Gar nicht. Und das wohl schon seit mehreren Tagen, in denen wir unwissend an der zweiten Batterie gehangen haben. Die ist nun leer. Glücklicherweise läuft der Kühlschrank auch mit Propan. Wir sind ziemlich verzweifelt, es ist dunkel draußen, keiner mehr da, Stressschmerzen machen sich in Kopf und Rücken breit. Wir gehen zu Bett und schlafen nicht gut.
Am nächsten Tag hält der Schrecken an. Bei Tageslicht geht es zunächst etwas besser los. Kay schließt das 12 V-Kabel an, mit dem betreiben wir den Wasserkocher für Kaffee. Dann ruft er den mobilen RV-repair an, da geht nur der Anrufbeantworter an und er ruft bis mittags nicht zurück. Der andere Typ, dessen Nummer wir bekommen, ist drei Wochen lang ausgebucht. Die Leute vom Campingplatz sind hilfsbereit, messen alles durch, der Fehler liegt bei uns und sie finden, dass unser Stecker kaputt ist.
Mittags nehmen wir die Sache selbst in die Hand. Der Campingstore hat einen 30V-Stecker zum Austauschen. Das probieren wir. Es dauert eine Stunde, bis wir den alten abgeschnitten und den anderen angeschlossen haben. Aber dann haben wir wieder Strom! Yeah!!
Nach einer Lunchpause machen wir uns zu Fuß auf den Weg zum IGA Supermarkt. Nach knapp zwei Stunden sind wir wieder zurück und … der Strom läuft nicht mehr! Ich glaub‘ es nicht. Wir sind am Boden!
Es folgen Telefonate mit dem Verleiher und mit dessen Elektriker. Kay bekommt mit seinen fernmündlichen Anweisungen den Generator zum Laufen. Der soll die zweite Batterie wieder aufladen. Den Generator dürfen wir aber nicht am Stellplatz laufen lassen. Der host für die Nacht bietet uns an, unser motorhome neben seinen Stellplatz ganz am Rand des Platzes zu parken und dort den Generator über Nacht laufen zu lassen. Den Aufwand scheuen wir im Dunkeln. Wir lassen uns den Gemeinschaftsraum aufschließen, um dort zu lesen, unsere Telefone aufzuladen und ein Beruhigungsbier zu trinken, bevor wir wieder frustriert zu Bett gehen.
Am nächsten Morgen hält man bei Tageslicht alles etwas besser aus, aber nichts wird besser. Merkwürdigerweise funktioniert unser Wasserkocher, der läuft über 120 V. So bekommen wir Kaffee bzw. Tee und Abwaschwasser. Nach einem Telefonat der Rezeption mit dem Management erhalten wir die Erlaubnis, den Generator am Stellplatz laufen zu lassen.
Der läuft dann anderthalb Stunden, mit genau null Effekt. Er ist laut, verbraucht Benzin, aber er lädt die Batterie nicht wieder auf. Wir rufen den Verleiher an, ob er einen Mechaniker gefunden hat, hat er nicht. Er meint, wir müssten zurück kommen, damit repariert werden kann. Das würden 900 Meilen (1500 km) und 13 bis 15 Stunden reine Fahrtzeit bedeuten. Wir gehen erst einmal an den Strand, um alles durchzusprechen.
Zurück auf dem Campingplatz bekommen wir noch einmal Hilfe von unserer derzeitigen Nachbarin Margie, die Ersatz-Autosicherungen an Bord hat. Vielleicht sind ja nur die Sicherungen durch, vielleicht liegt es an so einer kleinen Kleinigkeit. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Ein weiterer Nachbar entpuppt sich als ehemaliger Army-Elektriker. Er misst alles durch und schließt ein loses Kabel wieder an. Dann tauscht er die Sicherungen aus. Fumpp!!! Und wieder durchgebrannt. Die ganze eingebaute Stromeinheit ist anscheinend hinüber. Etwas später funktioniert auch der Wasserkocher nicht mehr.
Wir beschließen dann schnell, morgen zurückkehren. Ein Anruf beim Verleiher ergibt, dass sie ein anderes Motorhome für uns haben, das wir bei Rückgabe des alten gleich (bedeutet auf amerikanisch zumindest am selben Tag, einige Stunden später) übernehmen werden können. Wir stornieren unsere Campingplatz-Reservierungen für die nächsten vier Tage und werden versuchen, die Mehrkosten vom Verleiher zurück zu bekommen. Wir packen ein bisschen, bereiten uns vor auf eventuelles Durchfahren und werden sehen, was uns erwartet.
Es hilft nichts. Irgendwie müssen wir noch einmal nach Tybee Island zurück kommen. Der Aufenthalt war zu kurz und viel zu stressig.