Curral das Freiras – Wanderung zum Gehege der Nonnen, Teil 2 (Madeira 22)

Rechts vom Hotel unterhalb des Eira do Serrado beginnt der Abstieg ins Tal. Das englische Ehepaar startet vor uns, wir überholen irgendwann, am Picknickplatz überholen sie, am Ende treffen wir uns an der Bushaltestelle wieder. Doch da sind wir jetzt noch nicht.

Wir kommen durch einen Kastanienwald, der jetzt natürlich nicht belaubt ist. Es handelt sich um Esskastanien, aus denen hier alles mögliche hergestellt wird, von Bonbons über Likör und Suppe zu allen Arten von Gebäck. Die Bäume wurden im 17. Jahrhundert neben anderen Obstsorten von den Nonnen angepflanzt, um etwas Einkommen zu generieren. Für den Zuckerrohr- und Bananenanbau war das Tal nie geeignet, da die Ernte nicht abtransportiert werden konnte.

Unser Wanderweg (wenn man genau hinsieht, kann man einige Abschnitte sehen) war bis 1959 der einzige Zugang zum Ort, genutzt von Fußgängern und Ochsenschlitten. Dann wurde die (jetzt alte, wegen Steinschlaggefahr nicht mehr zu befahrende) Straße gebaut, die sich den Berghang rechts der Schlucht hinuntermäandert. Am Baum zwischen den beiden Graten sind wir gestartet und haben jetzt die Hälfte des Abstiegs geschafft.

Auf dem kleinen Felsvorsprung in der Bildmitte machen wir Pause. Das Frühstücksteam hat uns wieder eine leckere Lunchbox zusammengestellt, um die uns Engländer beneiden, wie sie uns später beim Warten auf den Bus erzählen.

Der Wanderweg ist gut ausgebaut, die unterschiedlich hohen Stufen und die Feuchtigkeit machen manche Stellen etwas anstrengend. Gut, dass wir die Stöcke dabei haben, denn 11% Gefälle ist nur ein Durchschnittswert. Der Weg ist an einer Stelle gerade erst notdürftig repariert worden. Ein Erdrutsch hat vor kurzem große Teile des Hanges und mit ihm auch den Weg weggerissen.

Curral, also Pferch, wurde der Talkessel schon immer genannt, da es hier ausgedehnte Weiden für das Vieh gab. Die Nonnen hatten hier nicht nur ihre Ländereien, sondern fanden auch zu Zeiten der Piratenüberfälle auf Funchal eine schützende Zuflucht. In den Fremdsprachen bürgerte sich der Name Tal der Nonnen, Nuns Valley ein.

Da das Tal viele Jahrhunderte kaum zugänglich war, siedelten hier auch nicht viele Menschen. Den Anfang machten im 15. Jahrhundert Hirten und entlaufene oder freigelassene Sklaven. Den jetzt namensgebenden Nonnen wurden die Ländereien Ende des 15. Jahrhunderts überlassen, da zwei Enkeltöchter des Inselentdeckers Zarcos im Konvent des Santa Clara Klosters in Funchal lebten (oder vom Vater dorthin „entsorgt“ wurden, in Ermangelung standesgemäßer Verheiratung).

Links im Bild ist die Stromleitung zu sehen. Elektrizität kam erst 1962 ins Tal, also erst seit 60 Jahren. Die Berge rundum sind so hoch, Fernsehgucken ging noch viel länger nicht. Erst seit 1985 sind Programme zu empfangen. Das ist heute fast nicht mehr vorstellbar, wir haben im Tal Telefonempfang und Wifi gibt es auch.

Curral das Freiras liegt ca. 20 Kilometer nördlich von Funchal, gehört verwaltungstechnisch aber zum 29 Kilometer entfernten Câmara de Lobos. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts gehörten die Menschen der Kirchengemeinde von Santo António im Norden Funchals an. Da sie aber aufgrund der abgeschieden Lage nicht hinreichend genug kirchlich betreut werden konnten, wurde die Kirchengemeinde selbstständig.

Die Bushaltestelle liegt praktischerweise direkt gegenüber von einem Café. Der Regen wird stärker, der Kellner hat die Abfahrtzeiten im Kopf und gibt uns rechtzeitig Bescheid. Auf der Rückfahrt können wir noch einmal die Fahrtkünste der hiesigen Busfahrer bewundern. Zuerst geht es noch ein bisschen weiter durch das nördliche Tal, in dem die Regenfälle zu starken Hangabbrüchen geführt haben.

Hier wird die Straße gesichert und erneuert.

Dann geht es auf gleicher Strecke zurück und bald zügig durch den fast zweieinhalb Kilometer langen Tunnel aus dem Tal heraus, noch ein Schlenker zum Eira do Serrado und dann wieder auf die Serpentinenstraße Richtung Funchal. Natürlich kommt uns wieder ein Bus entgegen. Diesmal ist die Stelle sehr eng. Beide Busse stoppen vor und zurück, noch ein bisschen und noch ein Versuch. Als beide Außenspiegel ganz weggeklappt werden, passen wir aneinander vorbei.

In Funchal genießen wir den Sonnenschein und wärmen uns ein bisschen auf. Das Wetter war zwar nicht so ideal zum Wandern, es hat trotzdem Spaß gemacht. Am nächsten Morgen zeigt uns der Kellner Fotos vom höchsten Gipfel im Zentralmassiv. Dort ist der Niederschlag in der Nacht als Schnee heruntergekommen. Amazing!

Ein Spaziergang entlang der Uferpromenade Funchals (Madeira 22)

Als wir die Rua Carvalho Araújo den Berg hinunterkommen, fallen uns die beiden Kreuzfahrtschiffe ins Auge. Das große konnten wir schon von weiter oben aus sehen.

An der Promenade des Schiffsanlegers liegt eine große Fischskulptur, gestaltet vom Künstler Bordalo II (Artur Bordalo, geb. 1987 in Lissabon), der auch das Relief mit dem Seehund in Câmara de Lobos gestaltet hat (s. Blogeintrag vom 11.12.2021).

Wir kommen am Museu CR7 vorbei, in dem die Lebens- und Erfolgsgeschichte von Fußballstar Cristiano Ronaldo, der auf Madeira geboren wurde, erzählt wird. Wir begnügen uns mit einem Foto der lebensgroßen Bronzestatue (einer der meist fotografierten Punkte der Stadt) davor und wundern uns, welche Stellen die Fans am meisten anfassen.

Weiter geht es entlang der Avenida do Mar. An der Marina bleiben wir eine ganze Weile stehen und beobachten die sehr jungen Menschen, die mit ihren Surfbrettern aus dem kabbeligen Hafenwasser ins offene Meer steuern, und das bei starkem Wind in atemberaubender Geschwindigkeit.

Die lange Mole, die die Marina nach Osten hin abschließt, sieht jetzt sehr leer und langweilig aus. In der Weihnachtszeit stand hier der wunderbare Lichtertunnel, der uns so begeistert hat (s. Blogeintrag vom 15.12.2021). Aber dafür ist der Blick auf die Hügel, an denen sich Funchal in die Höhe zieht, imposant. Gut, dass das Wetter da oben in den Bergen bleibt!

Das Fortaleza do Pico ist ebenfalls gut zu sehen, wie es auf dem Pico dos Frias über der Stadt thront. Den Aufstieg auf den 111 Meter hohen Berg sparen wir uns für einen anderen Besuch auf. Diese Festung von dreien insgesamt in Funchal wird noch militärisch genutzt zur Ausbildung von Marinesoldaten.

Der Weihnachtsbaum steht noch, wie so einiges andere der aufwendigen Weihnachtsbeleuchtung. Macht auch nach Weihnachten optisch etwas her.

Eine kleine Pause tut jetzt ganz gut. Das Café direkt an der Promenade eignet sich wunderbar, um die anderen Flaneure zu betrachten. Allerdings zahlen wir hier für die Getränke das 2,3-fache als an der Praia Formosa.

Gleich nebenan liegt die Parkanlage Praça do Povo, die 2016 fertiggestellt wurde. Sie ist auf Geröll gebaut, das 2010 bei schweren Unwettern ins Meer gespült wurde. Auf der Fläche von mehr als einen Quadratkilometer ist auch ein neuer Anleger für Kreuzfahrtschiffe entstanden.

Wir haben noch Zeit für einen Abstecher in die Kathedrale, bevor der Bus uns zurück nach Câmara de Lobos bringt.

Die Hauptkirche Funchals stammt aus dem späten 15. Jahrhundert und ist wie alle Kirchen aus der Zeit von außen sehr schlicht gehalten, hier eine Aufnahme aus dem Dezember vom Hauptportal.

Von der Seite sieht man den Kirchturm mit den Azulejos (Fliesen) und die Tuffsteinbalustrade mit den schraubenförmigen Türmchen, ein Beispiel des manuelinischen Baustils, durch den die Portugiesen bis heute an ihre glorreiche Zeiten als einstmals führende Wirtschaftsnation erinnert werden.

Von innen ist sie prächtig ausgeschmückt, schließlich ist sie Sitz des Bischofs (= ).

Zurück fährt mal wieder der gewünschte Bus laut Fahrplan nicht, nach einer Dreiviertelstunde des Wartens kommt dieses bislang älteste Exemplar, das uns transportiert, mit vier Gängen und gut, aber lautstark funktionierenden Bremsen.

Quinta Magnólia, Funchal (Madeira 22)

In Funchal und Umgebung gibt es viele tolle Gärten, die man besichtigen kann, die meisten nur gegen Eintritt. Die Quinta Magnólia kostet keinen Eintritt, da die Anlage eine öffentliche Freizeiteinrichtung mit Sportanlagen (Tennis und Squash, ein putting green), Kinderspielplatz, Cafeteria, unterschiedlichen Gärten und Wegen ist. Nach der Renovierung 2019 befindet sich im Haupthaus eine neue Galerie für Kunst mit wechselnden Ausstellungen.

Erbaut wurde die Quinta Anfang des 19. Jahrhunderts von Howard March, einem amerikanischen Kaufmann und Konsul, bevor sie in den 1930er Jahren vom British Country Club übernommen wurde. 1980 übernahm die Regionalregierung das Gebäude und machte Garten und Park der Öffentlichkeit zugänglich. Zeitweise befand sich hier die Hotelfachschule, in die man Punkt 13 Uhr zum Mittagessen erscheinen konnte. Die sogenannte Ausländerbibliothek, die hier laut Reiseführer sein soll, konnten wir nicht finden. Es gab oder gibt hier aber eine Bibliothek für Fremdsprachen. Der Rosengarten ist nach der ehemaligen Leiterin der Bibliothek benannt worden.

Im Januar blühen noch einige Rosen.

Im August 2019 wurde die gesamte, ca. 40.000 Quadratmetern große Anlage nach einer umfassenden Renovierung wieder eröffnet.

Der weitläufige Rasen bedeckt einen Großteil der Quinta.

Im Januar blüht nur etwa ein Drittel der Pflanzenarten auf Madeira, die im Mai zum berühmten Blumenfest in Blüte stehen, aber einige Blumen finden wir zum Fotografieren.

Am beeindruckendsten sind allerdings die zum Teil sehr alten, exotischen Bäume, von denen wir einige in wesentlich kleinerer Ausgabe aus den heimischen Wohnzimmern und Wintergärten kennen. Wie alt wohl einige Exemplare sind, bei der Höhe und der Stammdicke?

Im Haupthaus gibt es eine Ausstellung (O Espólio) mit Werken des madeirischen Künstlers António Aragão (1921-2008). Hinein geht es nach dem bereits bekannten Procedere (Impfnachweis, Testergebnis, Fieber messen).

Dann schaltet die Aufsicht erst einmal alle Lampen ein und geht mit uns nach oben. Wir besichtigen die Exponate von Raum zu Raum, die Aufsicht folgt uns ebenfalls von Raum zu Raum.

Am Ende gehen wir wieder nach unten, und die Aufsicht schaltet alle Lampen wieder aus. Der Mann, der sie unten am Tresen vertreten hat, bittet uns, etwas ins Gästebuch zu schreiben. Er kann ein paar Wörter auf deutsch, da er wohl an einem Austauschprogramm in der DDR teilgenommen hatte. So genau ist es aufgrund des starken Akzents im Englischen nicht zu verstehen.

Am Abend findet noch ein soziales Event statt, irgendetwas mit Bezug zum Motorsport. Es wird entsprechend aufgebaut.

Busfahren, ein zweiter Versuch, diesmal nach Calheta (Madeira 22)

Ein Tag mit Dauerregen ist angekündigt, wie gemacht, um einen Museumsbesuch zu machen. (Spoiler: Dort, wo wir uns aufhalten, regnet es nicht einen einzigen Tropfen während des Tages! Es stürmt bei 20 Grad.) Madeiras Museum für zeitgenössische Kunst (MUDAS, Bericht dazu später) befindet sich in Calheta (Bericht dazu auch später), im Westen der Insel, ca. 37 km von Funchal entfernt. Um mit dem ÖPNV zügig dorthin zu kommen, empfiehlt sich ein Bus, der die Schnellstraßen nimmt.

Wie auf dem Kartenausschnitt gut zu sehen ist, liegt Câmara de Lobos südlich der Schnellstraße. Wir müssen also zunächst mit dem lokalen Bus eine gute halbe Stunde nach Funchal hineinfahren, um dort umzusteigen.

Der Busschaffner verkauft uns eine Fahrkarte von seinem Abreissblock, der Busfahrer reißt einen kleinen Teil davon ab, und schon geht es über die kleinen Straßen nach Funchal.

Was sind schon zehn Minuten im Angesicht der Ewigkeit? Der Busfahrer nimmt sich alle Zeit, um Fahrgästen alle Infos zu geben, die sie benötigen. Wir zeigen ihm den Zettel, den die hilfsbereite Dame an der Hotelrezeption uns mitgegeben hat. Dort steht der Ortsteil von Calheta drauf, wo das Museum ist. Sie hat im Vorwege auch extra dort angerufen, um Öffnungszeiten und Zutrittsbedingungen herauszufinden. Am Vorabend waren wir in Câmara de Lobos im kommunalen Testzentrum, um einen Schnelltest zu machen. Der gilt für sieben Tage und mit unseren Impfungen stehen uns nun alle Museen (wird immer kontrolliert) und die Innenräume von Cafés und Restaurants (wird eher nie kontrolliert) offen.

Nach einer Stunde und 45 Minuten kommen wir (trotz der Schnellstraßen) in Vila Calheta an, sollen aber noch nicht aussteigen. Der Busfahrer hat uns nicht vergessen. Es geht die Hügel hinauf, bis das Museum in Sicht kommt. Wir drücken den Halteknopf, der Bus hält, wir wollen aussteigen, aber sie lassen uns nicht. Der Busfahrer fragt, wo wir denn hinwollen. „To the museum!“ antworte ich und zeigt auf das ca. 100 Meter (!) entfernte Gebäude. Sowohl der Busfahrer als auch der Passagier auf der ersten Bank bedeuten uns, uns wieder hinzusetzen. Es sei nicht die richtige Haltestelle! Kaum angefahren stoppt der Bus wieder, und nun dürfen wir endlich aussteigen, direkt gegenüber des Museums. Man läuft hier einfach nicht, wenn es eine Busverbindung gibt.

Am weißen Gebäude ist die Haltestelle, der Neubau des Museums schmiegt sich links davon in den Hang.

Die Rückfahrt später mit dem Bus gestaltet sich wieder nur halb wie geplant. In der Touristinformation fragen wir, wo die Haltestelle für den Rückweg ist. Laut unserem Gesamtbusplan fährt der Bus dort um 17:45 Uhr ab. Auf dem Plan an der Haltestelle steht allerdings 17:30 Uhr. Okay, dann sind wir eben früher da. Der Bus Richtung Funchal (steht auf der Anzeige) kommt, der Busfahrer stempelt das Ticket zusätzlich zum Abreißen ab und informiert uns, dass wir in Ribeira Brava umsteigen müssen. Hm, man fragt sich, warum, wenn er doch nach Funchal fahren soll, steht ja dran. Eine Minute später parkt der Bus rückwärts ein und verkündet eine 10-minütige Pause. So kommen wir der Abfahrtszeit unseres Planes schon näher. Als der Bus dann startet, fährt er zu unserem Erstaunen in die andere Richtung, nämlich wieder nach Westen. Warum nur?

Er fährt von unserer Einstiegsstelle (Bleistiftspitze) die gelben Strecken: erst die ER101 und die ER224 nach Westen hoch in die Lombo-Ortschaften, dann die ER222 komplett bis nach Ribeira Brava. Wir machen eine Inselrundfahrt über die alten Straßen!

Wir schrauben uns auf fast 500 Meter über dem Meeresspiegel hoch und wieder runter und wieder hoch und wieder runter. Manchmal hilft nur noch, die Felsen auf der linken Seite anzugucken und sich am Vordersitz festzuhalten vor lauter Adrenalin. Eine Stunde und 15 Minuten sind wir (erst) in Ribeira Brava, werden vom dortigen Schaffner in den richtigen Bus geleitet und fahren gleich darauf weiter die alten Straßen Richtung Funchal.

Die ER229 führt über Câmara de Lobos, so dass wir ohne den Umweg über Funchal direkt oberhalb des Hafens aussteigen können. Das hatten wir so nicht geplant, sind aber für die Änderung sehr dankbar. Inzwischen ist es noch eine Stunde später und sehr dunkel. Wir sind froh, dass die letzte Fahrt mit dem viel älteren Bus und dem viel jüngeren Busfahrer nun zuende ist. Er fuhr recht rasant; gut, dass wir nur noch die Lichter draußen an den Hügeln bewundert konnten. Aber wir bleiben dabei, mit dem öffentlichen Bus zu fahren, ist interessanter, als mit einem Mietwagen schnell von A nach B zu kommen. Wir haben ja Zeit.

Morgen kommt der zweite Teil des Ausflugs.

Wind, Wetter, Wellen, Teil 2 (Madeira 22)

Gestern (Montag) fühlten sich die 19 Grad etwas kühler an, da es stark bewölkt ist und auch viel windiger. Nun merken wir auf eine andere Weise, dass Madeira mitten im Atlantik liegt. Hier entwickeln sich gern mal die atlantischen Sturmtiefs, die dann das Wetter in Festlandseuropa bestimmen. Und wir scheinen gerade in so einem sich entwickelnden Sturm zu sitzen, der auf dem Wasser für Wellenhöhen von 12 Metern und mehr sorgen kann.

Die wenigen Fischerboote, die sonst in der Bucht liegen, sind schon am Freitag auf‘s Land gezogen worden. Am Sonnabend ist das Schiff, das zunächst noch auf der Slipanlage lag, noch weiter hochgezogen worden. Gute Idee, denn die Wellen schlagen bis nach oben hoch. Gestern sind auch die Zugänge zur Mole und zur Strandpromenade in Câmara de Lobos abgesperrt worden. Die Brandung scheint noch stärker als die vergangenen Tage zu sein.

Wir machen trotzdem einen Spaziergang Richtung Funchal. Und was soll man sagen, die Wellen und Brecher sind wirklich noch einmal höher als vorgestern. Zum Größenvergleich: auf den nächsten beiden Fotos sieht man einen Mann in den Klippen (unterhalb der Sturmmöwe) bzw. zwei Männer, die auf dem Schiff links arbeiten.

Diesmal schlagen die Wellen an einigen Stellen über den Promenadenweg, an den Stellen, wo er über das Geröll führt, hinweg. Erstaunlicherweise ist dieser Weg (noch) nicht abgesperrt worden.

Es ist ein großer Spaß, zu versuchen, die „perfekte“ Welle zu fotografieren. Ein bisschen Einsatz muss man schon zeigen, wir werden an den Unterschenkeln etwas nass.

Beim anschließenden Kaffee verspricht Kay, sich für das „perfekte“ Foto unter den Spray zu stellen. Gesagt, getan. Der vermutete Spray fühlt sich allerdings so an, als wenn man mehrere Eimer kaltes Wasser über den Kopf bekommt.

Die Frau hat es unfreiwillig erwischt. Aber sie hatte einen Regenmantel an.

Kay wird tatsächlich bis auf die Haut nass (ich nur bis zu den Oberschenkeln), und wir laufen zügigen Schrittes zurück zum Hotel, um uns trockene Kleidung anzuziehen. Am nächsten Tag ist der lang angekündigte Regen wirklich bei uns in der Bucht angekommen. Wir verbringen den Tag im Hotel. So haben die Klamotten Zeit genug, wirklich zu trocknen.

Christmas Frenzy in Funchal (Madeira 21)

Der Tipp kam von einem der vielen sehr hilfreichen Rezeptionistinnen. Wir sollten uns unbedingt die Weihnachtsbeleuchtung in Funchal ansehen, in eine könne man sogar hineingehen. Auch die Tourismusbroschüren weisen alle auf die festliche saisonale Ausschmückung der Inselhauptstadt hin, auf die die Einwohner sehr stolz sind.

Nach unserer wohlverdienten Pause im ‚The Ritz‘ verschaffen wir uns einen ersten Eindruck am Nachmittag.

Diese Zwerge bevölkern den Jardim Santa Luzia gegenüber des Ritz‘, auch ihre Wohnhäuser sind mit aufgebaut.

Ein Stückchen weiter ist ein Weihnachtsmarkt aufgebaut, zu dem man allerdings nur mit Impfnachweis (haben wir) plus Schnelltest (2G+) Zutritt hat. Den Darbietungen eines Schulchores können wir auch von außen lauschen: Oh Tannenbaum auf Portugiesisch mit einer Choreografie, die nahelegt, dass der Text anders ist als bei uns.

Kurz vor der Kathedrale Sé do Funchal ist eine riesige nativity scene aufgebaut, hier schon im Schein der Lichterketten fotografiert.

Der große Tannenbaum am Praça do Povo ist schon ohne angeschaltete Beleuchtung sehenswert, abends ein echter Hingucker. Hier kann man hindurchgehen. Am Nachmittag meinen wir noch, dass dieses das oben erwähnte Objekt sei. Der Abend belehrt uns dann eines besseren.

Im Stadtteil Santa Maria Maior besuchen wir die Markthalle Mercado dos Lavradores, dafür reicht der Impfnachweis. Viel los ist hier nicht, ein paar Obst- und Gemüsestände sind noch geöffnet und ein paar Stände für die Touristen. Wir kaufen Fenchelbonbons, die typisch für Madeira sind. Funchal hat seinen Namen von den vielen Fenchelpflanzen erhalten, die damals hier wuchsen.

Die Fischhalle ist leer, dafür aber sehr schön geschmückt.

Dann machen wir uns auf den Rückweg, um alles noch einmal im Lichterschein anzusehen. Es ist überwältigend, daher gibt es diesmal auch ein paar bewegte Bilder.

Nachdem wir die Avenida Arriaga entlang wieder an der Rotunda do Infante angekommen sind, gehen wir an der Wasserseite zurück Richtung Busbahnhof.

Diese Weihnachtsbaumkugel ist wohl etwas zu groß für den heimischen Weihnachtsbaum.
Der Park zwischen der Avenida do Mar e das Comunidades Madeirenses (was für ein gewaltiger Straßenname) wirkt wie verzaubert.

Und dann kommen wir endlich zu der Skulptur, in die man wirklich hineingehen kann.

Innen wechseln die „Lichtbilder“ passend zur jeweiligen Weihnachtsmusik.

Der Tunnel steht auf dem Pier der Marina. Von der anderen Seite hat man wunderschöne Blicke auf die Stadt im Lichtermeer.

Dieser Weihnachtstunnel ist ein absolutes Erlebnis, eigentlich möchten wir gar nicht wieder weg. Aber inzwischen sind wir nicht nur total geflasht, sondern auch wirklich müde und hungrig. Der vollbesetzte Bus bringt uns für 2,20€/ Person innerhalb von gut 20 Minuten in schneller Fahrt die engen Straßen bergauf und bergab wieder zurück nach Câmara de Lobos.

Wanderung nach Funchal (Madeira 21)

Wir starten bei strahlendem Sonnenschein am Hafen von Câmara de Lobos und wandern Richtung Osten. Der Weg nach Funchal führt immer am Wasser entlang, das haben wir bereits bei unserem ersten Besichtigungsspaziergang hier gesehen. Die Beinmuskeln haben sich nach der Kap-Bezwingung noch nicht ganz wieder erholt.

Schon bald sind wir in São Martinho. Hier wird gerade Flüssiggas verladen, Stickstoff wabert über den Boden. In den drei Türmen dahinter wird Zement, der vom portugiesischen Festland per Schiff kommt, eingelagert. Für die vielen (Hotel-) Neubauten, aber auch für den Küstenschutz wird viel davon benötigt.

Riesige Betonquader schützen die Küste, hier vor Câmara de Lobos.

Weiter geht es, gemeinsam mit anderen Spaziergängern und Joggerinnen, auf dem sehr angenehm verlaufenden Weg am bzw. über dem Wasser.

Im Hintergrund sind schon die unzähligen Hotelanlagen Funchals zu sehen. Wir kommen an einem Strandabschnitt vorbei, der nach unseren Vorstellungen tatsächlich ein Sandstrand ist, nur eben ganz in schwarz.

Wer hier einen endlosen gelben Sandstrand sucht, wird es vergeblich tun. Den findet man nur auf Porto Santo, man kommt mit dem Schiff von Funchal aus dahin.

Wir treffen auf die ersten Strandbars. Doch für eine Pause ist es noch zu früh, wir sind ja erst eine gute halbe Stunde unterwegs.

Bald darauf ist der Weg direkt am Wasser zu Ende, wir gehen hoch zur Bebauung. Und dann, oh nein, sagen die Waden, kommt die erste Treppe.

Natürlich macht sie eine Kehre, um danach weiter aufwärts zu führen. Die Wadenmuskeln schreien leise, aber vernehmlich, auf.

Als wir um die nächste Ecke biegen, wird klar, dass das rot-weiße Flatterband, das sich vorher dekorativ am Boden entlang schlängelte (auf der einen Seite am Eisengeländer, auf der anderen Seite an einem dicken Schilfhalm befestigt, der ebenfalls auf der Erde liegt; er steckte wohl mal in einem Loch in der gegenüberliegenden Wand), doch etwas zu bedeuten hat.

Das nächste Flatterband ist quer über den Weg gespannt, doppelt sogar. Nicht nur wir, auch die beiden einheimischen Joggerinnen, sind etwas konsterniert. Aber umdrehen ist keine Option, dafür sorgen schon die sich zusammenkrampfenden Muskeln. Gemeinsam pfeifen, rufen, klatschen wir vier in die Hände, doch die Maschinen sind lauter. Wir klettern unter dem Flatterband hindurch, die Madeirenserinnen fragen, ob wir passieren können – na klar, so tiefenentspannt, wie hier alle sind – und schon befinden wir uns wieder auf dem richtigen Weg.

Der führt uns an großen Anlagen überwiegend mit Eigentumswohnungen vorbei. Vom Landesinnere aus kommt Wetter auf uns zu, später wird auch noch Regen fallen. Wir Norddeutsche würden dieses Naß aber allenfalls als Nieselregen bezeichnet.

Wir kommen an DEM Shoppingparadies vorbei, dem Forum Madeira, die Hälfte des Weges ist geschafft.

Auf der Grenze zum Stadtteil passieren wir das Grandhotel Reid, eine weitläufige Anlage, die rosafarben auf einer Klippe thront. Anlässlich der Wiedereröffnung nach dem zweiten Weltkrieg wurde Churchill zu Promotionszwecken eingeladen, sein Gemälde von Câmara de Lobos begründete dessen Bekannntheit.

Bald darauf erreichen wir das Spielcasino mit angrenzendem Hotel, einem Bau des brasilianischen Architekten Oscar Niemeyer von 1966, dessen Arbeit wir schon in Le Havre bewundert haben. Hier stand übrigens vorher die Quinta, in der Kaiserin Sissi während ihres Aufenthalts verweilte.

Zuerst machte der europäische Hochadel Madeira als erquicklichen Erholungsort bekannt, bevor dann bald der Geldadel nachzog. Wie schön, dass wir jetzt auch hier sein können.

Und dann endlich, nach knapp 2,5 Stunden und ca. acht Kilometern erreichen wie den Teil Funchals, der auf unserem Gratisstadtplan als Innenstadt vergrößert dargestellt ist.